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Eine Mischung aus Einsamkeit und Wohlbefinden

02 Oct

Ein Beitrag von: Zweifellos mondbetont

Die eigene Person und Fotografie zu erklären, ist eine Herausforderung. Überhaupt ist es anstrengend, sich erklären zu müssen – viel mehr möchte man doch verstanden werden. Ich verlasse mich immer darauf, dass ein paar Menschen meine Fotos auch ohne viele Worte verstehen oder etwas damit anfangen können.

Fotografie ist ja irgendwie auch nonverbale Kommunikation. Und der große Rest, der meine Sprache nicht spricht – mit dem kann ich leben, den möchte ich auch nicht mit Worten und Geschichten überzeugen.

Aber nun wurde ich nett aufgefordert, etwas zu sagen. Über mich. Und meine Fotografie. Das hier ist der Versuch:

SBK I © Zweifellos mondbetont

SBK II © Zweifellos mondbetont

Ich wurde 1988 geboren und wuchs in einer Kleinstadt im Herzen Sachsen-Anhalts auf. Graue Fassaden. Alte Menschen. Im Gegensatz zu anderen Städten gibt es hier nicht viele Angebote, sich „entertainen“ zu lassen. Es gibt lediglich die Elbe, viele flache Felder, Seen und Windräder.

Das Gefühl in dieser Stadt war eine Mischung aus Einsamkeit und Wohlbefinden. Ein kleiner, vertrauter Kosmos aus einer Handvoll Freunden, der Familie und dem Alltag.

Nichts Aufregendes. Außer den Bindungen zu den geliebten Menschen und den eigenen Emotionen. Das war das, was ich festhalten konnte und wollte.

C © Zweifellos mondbetont

RA © Zweifellos mondbetont

Mit 17 fiel mir die EXA 1c meiner Eltern in die Hand. Ich fand ziemlich schnell Gefallen an dieser Kamera. Ich liebte das schwarze Gehäuse, das Klacken des Spiegels, den Schachtsucher und den Blick hindurch: Alles sah aus wie im Film oder in der Erinnerung oder wie im Traum. Ich ging durch die Welt und betrachtete alles durch den Sucher.

Die nächsten beiden EXAs fand ich im Schrank meiner Großeltern. Bei diesen drei Kameras blieb es dann auch für die nächsten sieben Jahre. Keine Automatik. Kein Belichtungsmesser. Kein Blitz. Kein Selbstauslöser. Kein Schnickschnack. Belichtungszeiten im Rahmen von 1/30s bis 1/175s. Aber für die Technik hinter der Fotografie interessierte ich mich von Anfang an nicht besonders.

A © Zweifellos mondbetont

W © Zweifellos mondbetont

Im Jahr 2007 bin ich dann nach Dresden gezogen, habe dort fünf Jahre gelebt und studiert. Die Großstadt – schnell, bunt und voll – fand sich nie wirklich in meiner Fotografie wieder. Die Inhalte blieben dieselben: Leere, Sehnsucht, Einsamkeit, Intimität, Vertrauen.

Das Vorgehen auch: Intuition. Ich arbeite in einem Beruf, der einen vor allem kognitiv fordert. Man denkt, analysiert und verbalisiert – beim Fotografieren schaffe ich es, den Kopf auszuschalten. Oft vergesse ich sogar, auf Blende oder Belichtungszeit zu achten. Ich bin vollkommen in Moment und in der Beziehung zwischen mir und der Person vor der Kamera gefangen.

Oft wurde ich gefragt, warum auf meinen Fotos keine Gesichter zu sehen sind. Das war keine bewusste Entscheidung, sondern vermutlich das Ergebnis einer Vielzahl von unbewussten inneren Prozessen.

Gesichter ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich und lösen schnell einen Bewertungs- und Kategorisierungsprozess aus: Attraktives Gesicht, altes Gesicht, trauriges Gesicht, geschminktes Gesicht … – und darauf folgen vielleicht noch stereotype Annahmen, die letztendlich die Bildwahrnehmung beeinflussen können oder gar vom Wesentlichen ablenken.

MT © Zweifellos mondbetont

LJ © Zweifellos mondbetont

Ich bilde Menschen gern weitestgehend neutral ab. Es soll nicht darum gehen, ob der Betrachter den Menschen schön, alt, jung, dick, dünn, gut angezogen oder was auch immer findet, sondern welche Stimmung oder vielleicht auch Aura ihn umgibt. Außerdem bewahrt es mir ein Stück Privatsphäre und lässt den Menschen ein Geheimnis.

Manchmal faszinieren mich auch einfach die Details und Besonderheiten an den Menschen: Leberflecke, Schulterblätter, Hände, so etwas. Die Fotografie erlaubt mir, diese aus der Nähe zu betrachten. Es ist manchmal eine Art Rechtfertigung oder ein Anlass, Menschen auf eine besondere Art und Weise nahe zu kommen. Nicht nur körperlich, sondern auch mental. Ich fotografiere keine fremden Menschen oder so genannte Modelle, sondern mir lang bekannte und wertvolle Menschen.

M © Zweifellos mondbetont

MA © Zweifellos mondbetont

Mit jedem Mal des Fotografierens verändert sich auch das Vertrauen, der Blick aufeinander und Nähe zueinander. Manchmal ist dieser Prozess wichtiger als das Foto an sich. Es dauert eine ganze Zeit, manchmal Jahre, bis ich den Menschen so abbilden kann wie ich ihn wahrnehme. Diese Schritte könnte man sicher auch mit Modellen durchleben, aber ich gebe zu, das ist nicht mein Ding.

Das wäre dann auch wie Suchen. Wie: Single sein und suchen. Ich warte, bis der Zufall Menschen in meinen Kosmos schickt, die ich auf eine besondere Art wahrnehme und fotografieren möchte.

Viel hat sich nicht verändert über die Jahre des Fotografierens. Dieses Jahr kam eine Pentax LX dazu – mit Schachtsucher (!), aber ansonsten immer noch dieselben Menschen, immer noch dasselbe Gefühl, immer noch Blende f/2,8 und 1/30s – und – nicht immer noch, sondern jetzt wieder: Eine Kleinstadt in Sachsen-Anhalt. Eine Mischung aus Einsamkeit und Wohlbefinden eben.


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Für eine Handvoll Dollar

18 Sep

Ein Beitrag von: Maximilian Rempe

Die Desierto de Tabernas liegt im Süden Spaniens, 40 km nördlich von Almeria. Almeria ist bekannt für seine Gewächshäuser, die ganz Europa zu jeder Jahreszeit mit Obst und Gemüse versorgen. Möglich macht das die ungewöhnliche Wetterlage in dem Gebiet. Es regnet selten und die Sonne scheint hier so oft wie an keinem anderen Ort in Europa.

Das ist auch einer der Gründe, weshalb die Desierto de Tabernas für etwas völlig Anderes bekannt ist, auch wenn sie den meisten kein Begriff sein dürfte.

Durch einen Gebirgszug abgeschnitten von der feuchten Mittelmeerluft, erstreckt sich eine karge, felsige und staubige Ebene. Zerklüftet durch Hügel, Täler und nur bewachsen von Sträuchern und farblosen Gräsern, ähnelt die nur 280 km² kleine Landschaft den großen Wüsten Nordamerikas.

Desierto de Tabernas © Maximilian Klein

Genau deswegen entdeckten viele europäische Filmemacher in den 60er Jahren die Desierto de Tabernas als ideale Möglichkeit, echte Westernfilme in echter Kulisse zu drehen; auch mit kleinem Budget. Allen voran war es Sergio Leone, der den aufkommenden Italo-Western-Hype förderte und seine berühmtesten Werke in der Gegend rund um die Provinzstadt Tabernas produzieren ließ.

Für meine Bachelorarbeit, mit der ich mein Fotodesign-Studium in München abgeschlossen habe, war ich auf der Suche nach einem ungewöhnlichen Thema, einem ungewöhnlichen Ort. Dabei hatten es mir besonders die Wüstengegenden angetan. Die Farbwelten und Lichtstimmungen faszinierten mich schon lange und meine Abschlussarbeit erschien mir der richtige Anlass, endlich in einer Wüste zu arbeiten.

Doch in welcher und zu welchem Thema? Sicherlich gibt es viele Wüstengegenden in der Welt, doch eine reine Arbeit über Landschaften erschien mir zu wenig. Nein, es sollte schon mehr sein. Also machte ich mich auf die Suche, durchforschte das Internet und googlete nach Wüsten, Wüsten, Wüsten.

Desierto de Tabernas © Maximilian Klein

In meinen Arbeiten tauchen immer wieder marode oder unvollendete, vom Menschen verlassene Strukturen auf: Skidörfer, die nach der Schneeschmelze wie Geisterstädte zurückbleiben, wartend auf den nächsten Winter und die tausenden Skifahrer, die ihnen wieder Leben einhauchen.

Oder die Formel-1-Rennstrecke in Singapur, die einmal im Jahr eine ganze Stadt verändert und Autobahnen, Straßenzüge und ganze Viertel lahmlegt. Meine Abschlussarbeit sollte wieder in eine ähnliche Richtung gehen: Zurückgelassene Strukturen, verfallene Gebäude. Durch Zufall erfuhr ich in einem Gespräch mit einem Bekannten von der Gegend in Südspanien.

Eine Wüste! Er erzählte davon, wie er vor mittlerweile über 20 Jahren mit ein paar Freunden und einem alten Ford Escord die 2.400 km bis nach Tabernas gefahren war, um dort wandern zu gehen. Mitten in der Wüste, in einem kleinen Tal, entdeckten sie ein metallisch glänzendes, merkwürdiges Objekt. Es sah aus wie ein UFO.

Desierto de Tabernas © Maximilian Klein

Neugierig erkundeten sie ihren Fund. Es erwies sich als notdürftig aus Pappe, Holz und glänzender Folie zusammengenagelte Konstruktion. Eine Filmkulisse. Für irgendeinen Science-Fiction-Film. Doch von der Filmcrew war weit und breit nichts zu sehen und der schlechte Zustand des „UFOs“ ließ vermuten, dass sie auch schon eine Weile nicht mehr dort gewesen waren.

Die Geschichte faszinierte mich. Alte und verlassene Filmsets, mitten in einer staubigen, kargen und menschenleeren Umgebung. Ich recherchierte mehr über diese Gegend: Seit den 60er Jahren entwickelte sich die Desierto de Tabernas von einer unscheinbaren, trockenen und ungenutzten Wüste zu einem quirligen Filmset.

Insbesondere die Westernfilme fanden hier ideale Bedingungen. Sergio Leone prägte zu Beginn der 60er Jahre ein völlig neues Genre: Den Italo-Western. Leone war begeistert von den amerikanischen Filmen, die bislang den Filmmarkt beherrschten und war davon überzeugt, dass auch europäische Westernproduktionen erfolgreich sein konnten.

Desierto de Tabernas © Maximilian Klein

Desierto de Tabernas © Maximilian Klein

Mit „Per und Pugno di Dollar“ („Für eine Handvoll Dollar“) wagte er dann 1964 einen ersten Schritt. Das Budget war allerdings knapp und so reichte es nicht für die zur Zeit großen Schauspieler wie etwa Henry Fonda oder James Coburn. Stattdessen konnte der damals noch unbekannte TV-Schauspieler Clint Eastwood verpflichtet werden.

Und auch die Filmsets mussten aus finanziellen Gründen in Europa bleiben. „Für eine Handvoll Dollar“ wurde daher größtenteils in der Tabernas-Wüste gedreht, die den typischen Western-Landschaften Nordamerikas ähnelt und wurde trotz zweifelnder Kritiker, die den Film entweder gar nicht beachteten oder aber in der Luft zerissen, zu einem sensationellen Erfolg.

Clint Eastwood wurde über Nacht zu einem internationalen Filmstar und „Für eine Handvoll Dollar“ prägte eine ganz Generation von Filmen. Mit ihrem finanziellen Erfolg und den relativ günstigen Produktionskosten löste die „Dollar“-Trilogie eine wahre Flutwelle an Italo-Western aus.

Desierto de Tabernas © Maximilian Klein

Ende der 60er Jahre brodelte die Wüste. Überall wurde gedreht. Wilde Schießereien, rasante Pferdestunts und Cowboys auf der Suche nach Schätzen, Banditen und Rache. Für alle Filme wurden neben den tollen Landschaften auch Kulissen benötigt, die noch nicht vorhanden waren. Anders als es in Amerika teilweise der Fall war, gab es in der Wüste natürlich keinerlei Dörfer oder Gebäude, die ins Bild eines Westernfilms passen wollten.

Also mussten diese für die Filmproduktionen extra errichtet werden. In der Desierto de Tabernas wurden ganze Westerndörfer aus dem Boden gestampft. Bereits während der Dreharbeiten waren die Filmsets wackelig und fragil, sie sollten möglichst kostengünstig sein und sowieso nur für die Zeit der Filmproduktion halten.

Es entstanden Saloons, Banken, Forts und Dörfer aus notdürftig zusammengenagelten Holzgerüsten, Strohmatten, Putz und etwas Farbe. Zeitweise gab es so bis zu 14 Filmdörfer und Dutzende einzelne kleine Kulissen. Nach dem Ende der Dreharbeiten interessierte sich niemand mehr für die Gebilde. Für eine normale Nutzung als Haus, Lagerhalle oder Stall waren sie nicht brauchbar und ohnehin gab es in der beinahe menschenleeren Gegend niemanden, der sie hätte nutzen wollen.

Desierto de Tabernas © Maximilian Klein

Und da es noch zu früh für Naturschutz war (die Gegend wurde erst 1989 als Naturschutzgebiet ausgewiesen), verblieb alles so in der Wüste, wie es die Filmcrews zurückgelassen hatten. Viele Regisseure nutzten die schon vorhandenen Möglichkeiten, die vorherige Produktionen hinterlassen hatten, mit teilweise nur minimalen Veränderungen (neuer Anstrich, neue Requisiten) für ihre eigenen Produktionen.

So kommt es, dass in ein- und derselben Kulisse viele verschiedene Filme gedreht wurden. Kulissen, die aber längere Zeit nur sich selbst überlassen waren, fielen schnell den Witterungsbedingungen in der Wüste zum Opfer. Ein permanent kräftiger Wind und teilweise ergiebige Regenfälle im Winter setzten den Konstruktionen so zu, dass sie schon nach wenigen Jahren völlig zerstört waren.

Viele erkennt man heute so gut wie nicht mehr. Die vielen Filme sorgten dafür, dass neben Regisseuren und den großen Filmstars auch scharenweise kleine Schausteller, Stuntmen und Statisten mit der Hoffnung auf eine Rolle in die Wüste kamen.

Desierto de Tabernas © Maximilian Klein

Während der Hochphase der Filmindustrie in der Desierto de Tabernas kamen viele von ihnen in kleinen Komparsenrollen unter oder jobbten in den verschiedenen Bereichen der Filmproduktionen. Doch der Hype, der mit Sergio Leones „Spiel mir das Lied vom Tod“ seinen Höhepunkt fand, endete wieder.

Nach knapp zwei Jahrzehnten kehrte in der Wüste wieder Ruhe ein und mit den Filmcrews verschwanden auch Geld und Arbeitsplätze. Zurück blieben viele der Statisten und Komparsen, die versuchen, den Westernmythos bis heute weiter zu leben. Als Touristenbespaßer arbeiten sie in den drei verbliebenen, zu Themenparks umgebauten, Filmstädten „Texas Hollywood“, „Western Leone“ und „Oasys“.

Sie veranstalten Stuntshows, fahren die Gäste in Kutschen durch die staubige Wüste oder lassen sich mit kleinen Kindern fotografieren. Man merkt schnell, dass die goldenen Zeiten des Wilden Westens in Tabernas vorüber sind. Denn die Stuntshows wirken oberflächlich, improvisiert und selbst die Kulissen, die noch genutzt werden, verfallen langsam.

Desierto de Tabernas © Maximilian Klein

Desierto de Tabernas © Maximilian Klein

Was bleibt, ist eine melancholische Stimmung, die über der gesamten Desierto de Tabernas liegt. Eine Stimmung, die wahrscheinlich nur noch die eingefleischten Fans von Clint Eastwood und Sergio Leone ausblenden können, wenn sie in Nostalgie schwelgend durch die Wüste wandern. Ennio Morricones berühmte Melodie immer im Kopf.

Fotografie

Im April 2013 war ich für drei Wochen in der Desierto de Tabernas. Ich erkundete soviel wie möglich und sprach mit Touristen und Cowboys, Arbeitern und Durchreisenden. Vielen gefiel mein Projekt, eine Fotoserie über die Wüste zu machen. Dementsprechend waren auch so gut wie alle einverstanden, als ich fragte, ob ich sie fotografieren dürfe.

Verwundert waren sie dann aber über meine Kamera: analog. Mit einer Hasselblad 503 cm für die Portraits sowie einer Linhof Technorama 617s III für die Panorama-Aufnahmen von Landschaften und Filmkulissen. Zwei Mittelformatkameras, mit denen ich in 20 Tagen über 100 Rollfilme belichtet habe.

Warum analog? Seit rund einem Jahr begeistere ich mich immer mehr für die analoge Fotografie, ich hatte genug davon, meine Panoramen am Computer montieren zu müssen. Und begeistert davon, wie sorgsam und überlegt ich arbeite, wenn ich das Ergebnis nicht sofort am Monitor überprüfen kann. Die höheren Kosten und den größeren Aufwand nehme ich gern in Kauf, wenn ich mir das Stitchen und Aussortieren von Tausenden Fotos sparen kann.

Desierto de Tabernas © Maximilian Klein

Die Linhof Technorama 617s III, die ich im Equipment meiner Hochschule entdeckte, ist eine große Kamera aus massivem Metall mit einem festen, nicht wechselbaren Objektiv. Sie belichtet den Rollfilm in einem Bildformat von 3:1 mit erstaunlich wenig Verzeichnung und einer schönen Vignettierung. Zusammen mit dem feinen Korn und den Farben des Kodak Ektar 100 eine wunderbare Kombination.

Im Vergleich zur Hasselblad (6×6) ist das Negativ drei Mal so groß, die Qualität daher enorm und fast nur mit Großformatfotografie vergleichbar. Statt 12 gehen aber auch nur noch 4 Bilder auf jeden Film, so dass man ständig mit Filmwechseln beschäftigt ist. In der staubigen Gegend rund um die Westerndörfer und Filmkulissen keine leichte Angelegenheit.

Nach der Entwicklung der Filme und dem Scannen der Negative folgte die Gestaltung eines Buchs mit über 60 Fotografien, ergänzt durch kurze Texte. Das Buch ist 120 Seiten stark und in Zusammenarbeit mit einer kleinen Buchbinderei aus München entstanden.

Mit dem Buch und dem gesamten Projekt konnte ich mein Fotodesign-Studium im Juli erfolgreich beenden.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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Eine farbgewaltige Liaison

14 Sep

Dies ist die Geschichte einer Liaison zwischen Malerei und Fotografie, zwischen analog und digital, die in häufig auftretender Konkurrenz zueinander existieren. Fast wäre es nicht dazu gekommen, aus Zeitmangel und Kapazitätsauslastung. Aber glücklicherweise waren die Umstände gnädig und ich kann die nun folgende Geschichte erzählen.

Zunächst sind da Schall & Schnabel, hinter denen sich die Fotografen Pierre Horn und Eileen Huhn verbergen, die mit Modefotografie ihr Geld verdienen. Und Diana Wehmeier, Kunststudentin und Malerin aus Dresden.

Beide arbeiten unabhängig voneinander an einem ähnlichen Thema. Pierre und Eileen arbeiten in ihren Werken gern mit analogen und digitalen Prozessen, bringen eine malerische Komponente in ihre Bilder und überblenden Bereiche in ihren Bildern.

Diana möchte mit Hilfe von Störungen und Lichtern in ihren Portraits die digitalen Ebenen, die Technisierung, die uns umgibt und unmittelbar in unsere Beziehung eingreift, malerisch mit Ölfarbe, Lack, Acryl und Spray darstellen.

2012 lacquer & oil on canvas 120 x 70 cm © Diana WehmeierINTERFERENZ 2013 oil on canvas 120 x 70 cm © Diana Wehmeier

Ölgemälde von Diana Wehmeier

Die erste zaghafte Annährung beider erfolgte, als Diana Wehmeier Pierre Horn während eines literarischen Abends in Dresden ansprach, nachdem sie erfuhr, dass er Fotograf sei. Sie steckte ihm die Visitenkarte zu und erzählte ihm vom Plural-Projekt, einer Ausstellung, die dieser Tage angelaufen ist, in der verschiedene Kunstrichtungen und Wissenschaften miteinander arbeiteten.

Pierre besuchte daraufhin einige Wochen später Diana in ihrem Atelier, um ein Künstlerportrait für sie und ihren Katalog anzufertigen. Nach sechs Stunden entstand das Portrait, das seiner Meinung nach eine Annäherung zwischen ihrer Malerei und der Fotografie, wie Schall & Schnabel sie sich erarbeitet hatten, darstellte.

Während unseres Shootings entsponn sich dann bereits die Idee, andere Menschen zu bemalen und daraus ein längerfristiges Projekt zu machen. Das Plural-Projekt als Plattform drängte sich förmlich auf.

Und so vereinen sich Malerei und Fotografie, spielen miteinander so sehr, dass sie ineinander verschmelzen und die Wahrnehmung verändern, gleichzeitig die Vorurteile der sich konkurrierenden Medien verschwinden lassen.

© Schall & Schnabel© Schall & Schnabel

Skinwalker, Ergebnisse der Zusammenheit von Diana Wehmeier und den Fotografen Eileen Huhn und Pierre Horn

Es ist, als würden die sonsthin statischen Sujets von Diana aus dem Bild heraustreten, agieren, lebendig. Ein Shooting mit einer Tänzerin oder einem Tänzer dauert etwa eineinhalb Stunden oder länger. Diana bemalt während des Fotografierens weiter den Menschen und die Leinwand dahinter und Eileen und ich bringen verschiedene Materialien zum Einsatz, um verschiedene Störfaktoren zu erhalten. Geplant ist es, eigentlich noch stärker eine Räumlichkeit mit in die Bilder hineinzuarbeiten.

Dass diese Zusammenarbeit beide Seiten zutiefst beeinflusst hat und sowohl die fotografische Arbeit von Schall & Schnabel, als auch die künstlerische Arbeit Diana Wehmeiers verändern wird, steht außer Frage. Das zeigt wieder einmal, dass intermediales Arbeiten verbindet und sich die Gräben zwischen Malerei und Fotografie, analog und digital langsam schließen.

~

Und wer sich nun selbst von den Arbeiten überzeugen möchte, ist eingeladen, am 28. September 2013 im Atelierhof Kreuzberg, Schleiermacherstr. 31-37, 10961 Berlin, ab 18 Uhr vorbeizuschauen und beim Entstehen der Bilder im Rahmen des Plural-Projekts Zeuge zu sein.

Artikelbild: Making of mit Diana Wehmeier und Tänzerin © Schall & Schnabel


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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Eine gehörige Portion Idealismus

16 Jul

Auf der dreistündigen Fahrt von Berlin nach Hamburg habe ich endlich Zeit, mich einem hübschen und kleinen Magazin zu widmen, das in einem Umschlag zusammen mit fünf abgelaufenen Delta-Filmen steckte. Es trägt den Titel: I think we are alone now #2.

Dass es sich um ein Magazin für analoge Fotografie handelt, das verrät mir das Heft in kleineren Buchstaben unterhalb des Titels. Mit seinen Maßen 18 x 15 cm passt es auch perfekt in meine Reisetasche und in meine kleinen, wurstigen Fingerchen.

Auf den ersten Seiten muss ich schon schlucken, manchmal die Augen schließen, denn die Bilder einer Schlachtung gehen durch Mark und Bein. Die Bilder sind in schwarzweiß gehalten, dokumentarisch, nichts ist geschönt, keine Gesichter sind weichgezeichnet. Die Bilder reihen sich zu einer Geschichte zusammen. Am Ende zeigen sie Geselligkeit und lachende Gesichter. Die Bilder stammen von Oliver Weber. Wir kennen ihn schon auf kwerfeldein.

Oliver Weber © Florian Olomski

Bastian Kalous © Florian Olomski

Vier Künstler werden auf 64 Seiten in Bild und zwei von ihnen via Interview präsentiert. Und auch der zweite Fotograf, Bastian Kalous, kommt mir doch sehr bekannt vor. Das Magazin komprimiert, setzt meine kleine analoge Welt zusammen. Ich begegne Bekannten und Unbekannten. Fast schon fühlt es sich familiär an, dieses Magazin.

Über die im Interview vorgestellte Künstlerin Silke Seybold freue ich mich sehr. Denn sie zerschmettert meine Vorurteile, die ich zunächst, als ich mir das Titelbild ansah, hatte.

Nackte Frau sitzt auf einer Dampflok.

Toll, dachte ich – nicht! Meine Gedanken waren ganz böser Natur. War ich doch in meinem alten Schematagedenke gefangen: Ein Mann hätte wieder die grandiose Idee gehabt, nackte Frauen vor wuchtigen Industriekulissen zu präsentieren. Ich gähnte.

Dass es sich hier aber um Selbstportraits vor verlassenen Kulissen in Detroit handelt, das offenbart uns das Heft erst im Gespräch. Auch lässt mich die Künstlerin viel tiefer in ihre Arbeit „Silent Places“ blicken, als es ein flüchtiger Blick über ein Bild, bei dem ich kurz abwäge, ob ich es mag oder nicht, könnte.

Auch der vierte Künstler, Marcin Kubiak, weiß zu überzeugen, auch wenn schwebende Häuser nicht ganz mein Geschmack sind.

Silke Seybold © Florian Olomski

Marcin Kubiak © Florian Olomski

Florian Olomski ist der Herausgeber dieses kleinen und feinen Magazins. Er schreibt mir hierzu:

„I think we are alone now“ war Ende letzten Jahres das erste Zine, das rauskam, als Auftakt damals mit eigenen Arbeiten. Namensgebend war dieses Gefühl der Abgetrenntheit von einer hektischen Welt voller Eindrücke, das mich manchmal überkommt, der Name ist daher sehr persönlich geprägt. Außerdem passte es mir gut zur analogen Fotografie, es gibt nicht mehr viele, die sich dafür interessieren und damit auseinandersetzen, man fühlt sich manchmal wie einer der letzten Dinosaurier.

Ob es ein Konzept hinter dem Magazin gibt, möchte ich noch wissen und stelle lächelnd fest, dass es keines gibt und sich die ganze Sache aus sich selbst, ja, aus seiner Leidenschaft selbst, heraus entwickelt hat.

Eigentlich ist es denkbar einfach: Ich möchte mein Herz in etwas stecken und Fotografie teilen – das werdet Ihr bei kwerfeldein ja kennen. Ich sehe es jedoch als klaren Gegenentwurf zur online erlebten Fotografie der Social Networks. Mir ist es wichtig, Fotografie physisch zu erleben, meine Aufmerksamkeit darauf zu fokussieren und mich damit auseinanderzusetzen. Das mache zumindest ich online zu selten. Viel mehr habe ich da das Gefühl, es geht um zwei Sekunden Aufmerksamkeit, bis man das nächste Bild sieht. Durch den Überfluss an Information herrscht eine permanente Konkurrenz um Aufmerksamkeit und das lässt sich durch Printmedien durchbrechen.

Er sieht sein Projekt als alternativen Entwurf zu unserer austauschbaren digitalen Kultur. In unregelmäßigen Abständen soll das Zine nun erscheinen, ohne Zeit oder Erwartungsdruck. Und ohne Gewinn möchte er auch den niedrigen Preis von drei bis vier Euro halten. Dafür bedarf es einer gehörigen Portion Idealismus, Mut und Leidenschaft. Dass er dafür auch Unterstützer braucht, ist klar.

Das Magazin wird in einer sehr kleinen Auflage, bis zu 175 Stück produziert. Es wird bei einer Online Druckerei gedruckt und von ihm selbst zuhause zugeschnitten. So sind mit dem Preis gerade einmal die Druckkosten gedeckt. Und was jemand mehr zahlt, darüber freut er sich natürlich, denn dadurch können zukünftige Projekte einfacher finanziert werden. Beziehen könnt Ihr das Zine über die Webseite von I think we are alone now.

Und mal ehrlich, so allein sind diese Filmjunkies überhaupt nicht.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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Eine Idee auf Reisen??

23 Mar

Ein Beitrag von: Laura Zalenga

Nachdem hier auf kwerfeldein vor Kurzem über das Thema „Kopie, Inspiration und Idee“ diskutiert wurde, wollte ich mich ausführlicher damit beschäftigen, was passiert, wenn man vom Bild eines anderen inspiriert wird. Und was daraus entstehen kann.

Ob es das spezielle Format, ein Accessoire, der Bildaufbau, die Thematik oder das Konzept ist – etwas an einem Bild fesselt den Betrachter so sehr, dass es bewusst oder unbewusst gespeichert wird. Entweder man entscheidet sich dann bewusst, einen Aspekt aufzugreifen und ihn zu einem eigenen Bild zu entwickeln oder es geschieht, ohne dass man es merkt. Es ist mir selbst schon passiert, dass ich erst Wochen, nachdem ich ein Foto gemacht habe, einen Teil meiner Idee in einem altbekannten Bild wiedergefunden habe.

Ich habe unzählige Beispiele gefunden von Fotografen, die unter ihrem Bild das Foto eines anderen Fotografen als Quelle der Inspiration angegeben haben. Für mich hat dieser Hinweis die Bilder umso spannender gemacht, da es toll ist, zu sehen, was aus der Idee eines anderen werden kann. ?Acht Bildpaare habe ich ausgewählt und den jeweils inspirierten Fotografen um ein paar Worte zu seinem Werk, der Intention und zur Inspiration an sich gebeten.

Einen tollen Gedanken von Thomas Mann, möchte ich Euch noch auf die Reise durch die folgenden Bilder mitgeben: ?„Fantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken, es heißt, sich aus den Dingen etwas zu machen.“

Growing thoughts – Mister Sullivan
Growing thoughts – Mister Sullivan

Half Kiwi – Chloe Smith
Half Kiwi – Chloe Smith

Chloe: „Als ich Michaels Foto sah, musste ich schmunzeln. Ich sah den Baum als Erweiterung des Kopfes. Es könnten Adern sein oder das Gehirn oder einfach eine krause Haarpracht. Ich mochte die Eigentümlichkeit der Kombination und wie zwei zusammenhangslose Dinge so gut harmonieren können. ?Also nahm ich diesen Aspekt, ein Objekt als Erweiterung eines Fotos zu nutzen, als Inspiration für mein Bild.? Meine Interpretation ist eine Anspielung auf meine Herkunft. Die Kiwi steht für Neuseeland, woher meine Mutter stammt.?“

rorschach. - Robby Cavanaugh
rorschach. – Robby Cavanaugh

This Is Only A Test – Joel Robbinson
This Is Only A Test – Joel Robbinson

Joel: „Die Idee meines Fotos entstand nicht direkt als eine Inspiration aus Robbys Foto, aber nachdem das Konzept in meinem Kopf anfing, Form anzunehmen, erkannte ich, dass es große Teile seiner Idee und Vision widerspiegelte. Ich wollte aber, dass es eine Kombination aus einem von ihm inspirierten Foto und meiner ganz eigenen Geschichte und Symbolik wird. Ich nahm sein Foto also als Leitfaden für die Gestaltung (schwarz und weiß) meines Bildes, aber ich versucht auch sehr stark, meinen eigenen Stil in der Bearbeitung und im Konzept einzubringen.

Mein Konzept basierte auf der Idee, getestet zu werden und war inspiriert von Rorschachtests und was sie über Dich aussagen. Ich hatte noch nicht viele konzeptionelle Bilder gesehen, die dieses Prüfverfahren als Inspiration nutzten, aber Robbys hat mich eindeutig dazu inspiriert, meine eigene Version zu erschaffen.“

pollen covered – Laura Zalenga
pollen covered – Laura Zalenga

reanimation – Ana Santl
reanimation – Ana Santl

?Ana: „Ursprünglich hatte ich nicht vor, das Foto von Laura ‚nachzumachen‘, wie man das gern sagt. Es war eher intuitiv: Ich bewunderte die kleinen Minzenblätter und erst dann hatte ich mich entschieden, sie unter die Augen aufzukleben. Währenddessen war das Bild von ihr irgendwo in meinem Hinterkopf, es war aber doch anwesend und beeinflusste mich.“

makes light and, life. - imfreelykeely
makes light and, life. – imfreelykeely

untitled – Gibson Regester
untitled – Gibson Regester

Gibson: „Nun, jeder Künstler muss das, was er oder sie durch die eigenen Augen sieht, übersetzen. Daher musste auch ich, was ich gesehen hatte in mein eigenes Kunstwerk übersetzen. Es erwies sich nicht als schwieriger, sondern sogar einfacher, ein Bild zu produzieren für das ich eine feste Quelle der Inspiration hatte. ?Sofort nachdem ich Keelys Foto gesehen hatte, erschien in meinem Kopf ein Bild, das ich machen wollte. Ich nahm also die Quelle der Inspiration und nutzte sie, um mein eigenes einzigartiges Stück zu schaffen. Denn was bedeutet einzigartig wirklich?

Es ist etwas, das aus dem riesigen Eintopf des Lebens entsteht, den wir, aus den Zutaten unzähliger anderer Menschen, machen. Wir lassen ihn den ganzen Tag lang ziehen und dann haben wir endlich unser eigenes einzigartiges Gericht, das sich in unsere Persönlichkeit, unsere Kunstwerke, unsere Verwendung von Sprache usw. übersetzen lässt. In diesem speziellen Fall waren es die Zweige, die scheinbar aus dem Kopf des Mädchens zu wachsen scheinen, die mich inspirierten. Es sieht einfach so schön und organischen aus und inspirierte mich sehr. Also musste ich meine eigene Wald-Frau aus meiner eigenen rothaarigen Schönheit machen.“

In need of rescue – Sophie Ellis
In need of rescue – Sophie Ellis

untitled – Noukka Signe
untitled – Noukka Signe

Noukka: „Sophies Arbeiten waren schon immer eine Inspiration für mich. Die Art und Weise wie sie die Welt und sich selbst einfängt, ist wunderbar und sehr einzigartig. ??Als Herausforderung für mich habe ich beschlossen, ein Foto, inspiriert von der Weite in ihren Fotos und der Tatsache, dass sie darin sehr klein erscheint, zu versuchen.? Ihr Stil ist ganz anders als meiner, da ich meistens mit Nahaufnahme arbeite, bei denen der Hintergrund keine solch bedeutende Rolle spielt.

Also bin ich mit einem anderen Objektiv als üblich losgezogen und suchte nach neuen Locations, in die Sophie in meiner Vorstellung hineinpassen könnte. Die Dinge, die ich im Auge behielt, waren ‚kleines Mädchen in einer großen Welt‘ und ‚versuche verschiedene Posen‘, denn das waren die Dinge, die ich so sehr an Sophies Bildern liebte. – Das und natürlich, die Landschaft wunderschön wiederzugeben. Es gestaltete sich als eine echte Herausforderung! Ich hatte schon vorher eine Menge Respekt für Sophie gehabt, aber nach dieser Aufnahme noch viel mehr.?“

Fragile Wings – Kyle Thompson
Fragile Wings – Kyle Thompson

Invisible Wings – Moritz Aust
Invisible Wings – Moritz Aust

Moritz: „Ich denke, der größte Punkt, warum ich Kyle als Inspiration genommen hatte war, dass seine Fotos schon immer eine große Inspiration für mich waren. Ganz besonders haben mich seine ‚cloth wings‘-Fotos begeistert. Gerade diese Ungewissheit, ob man diese Flügel mit dem Stoff überhaupt auch hinbekommen würde, hat mich angespornt. Die Umsetzung war nicht ganz einfach für mich, da ich selbst nicht genau wusste, wie man solche Stoffflügel macht.

Nach unzähligen Versuchen hatte ich dann endlich ein Foto, auf dem der Stoff wie Flügel aussah. Ich bin auf jedem Fall mit dem Vorsatz losgezogen, Kyle als Inspiration zu nutzen. Ich wollte mich eigentlich sehr von Kyles Foto absetzen und nur die Flügel als größtes Element aus seinen Fotos nutzen. Doch zum Schluss habe ich dann auch Teile seiner Pose übernommen, da ich mit keiner anderen zufrieden war.

Von was ich mich aber auf jeden Fall absetzten wollte, ist die Bearbeitung. Ich wollte auf keinen Fall eine ‚Kopie‘ seines Fotos erzeugen und habe deshalb meinen eigenen Bearbeitungsstil gewählt. Inspiration ist für mich ein großes Thema. Viele Personen haben mich bereits inspiriert und viele wurden von mir inspiriert. Für mich ist sich inspirieren zu lassen nichts Schlechtes, solange man nicht versucht, eine Kopie des Fotos zu erstellen. Man sollte sich nur soweit inspirieren lassen, dass das Foto noch eine persönliche Note hat.“??????

~

Eigentlich gibt es nicht viel mehr zu sagen; die Bilder und ihre Geschichten sprechen für sich. Ich hoffe, Ihr seid genauso positiv überrascht wie ich, was aus der Idee des einen im Verstand des anderen entstehen kann.? Mich zumindest hat all diese ‚Inspiriertheit‘ sehr inspiriert.

Es wird Zeit für einen langen Spaziergang durch den Flickr-Wald und am 500px-Feld vorbei. Vielleicht trifft man sich ja beim Ideensammeln. ?Solange wir am Ende die Quelle unserer Inspiration nennen, gibt es doch nichts Schöneres, als eine Idee von Kopf zu Kopf wandern zu lassen.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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Niemand ist eine Insel

25 Feb

„Sie mussten erkennen, dass die Werte der Welt, in der wir leben, und die Menschen, mit denen wir uns umgeben, entscheidende Auswirkungen darauf haben, wer wir sind.“ – Malcom Gladwell

Eine sehr populäre Theorie unter Fotografierenden ist, dass das zentrale Element, um das sich alles dreht, gänzlich eigene Ideen sind. Ich möchte diese Theorie in Frage stellen. Und zu Beginn sei mir ein persönlicher Einstieg erlaubt.

Ich habe jahrelang versucht, eigene Ideen zu entwickeln. Mein Ding zu machen mit der Fotografie. Bilder zu gestalten, auf die noch niemand vor mir gekommen ist. Und es fühlte sich so an: Puh, naja. Zwar hatte ich ein paar Ideen, aber mit ein bisschen Recherche wurde mir schnell klar: Martin, da war schon jemand vor Dir schlau. Na toll.

Immer wieder dachte ich daran, wie schön es doch wäre, einen Fotostil zu entwickeln, der noch nie in dieser Form dagewesen war. Etwas zu erschaffen, was keiner vorher je gedacht und auf diese Weise umgesetzt hatte.

Jedoch wurde ich immer und immer wieder enttäuscht. Denn ich merkte, dass ich nichts schaffen konnte, was nur aus mir selbst heraus entstehen konnte. Ein wenig gefrustet, ließ ich nach einer Weile die Idee vom Streben nach dem Unikum eine Weile liegen. Das wiederum fühlte sich ganz gut an.

~

Doch lassen wir mal die lieben Gefühle beiseite. Heute glaube ich nicht mehr an das Geschichtchen mit der ganz eigenen Idee. Ich halte das Bemühen darum – zumindest für mich selbst – für Zeitverschwendung. Warum?

Weil wir keine unbeeinflussbaren Individuen sind. Und das, obwohl wir in einer Gesellschaft leben, die das Individuum und seine Genialität schier vergöttert.

Wir lieben es, wenn Daniel Craig, Urma Thurman oder Bruce Willis (für die Braveheart-Freunde: Mel Gibson) gegen die Bösen kämpfen. Sie sind die Helden, ganz allein. Sie schaffen es, ganze Armeen mit ihrem Einfallsreichtum, ihrer Disziplin und ihren heldenhaften Überzeugungen in Bann zu ziehen.

Was hat das mit der Fotografie zu tun? An dieser Stelle möchte ich gern eine Ebene tiefer gehen und einen kleinen Sprung in die Philosophie wagen. Der aus aus Slowenien stammende Slavoj Žižek nennt Kino „ein pädagogisches Institut“. Wenn wir eine Gesellschaft verstehen wollen, „müssen Sie nur ihre Filme ansehen.“ Es zeige ihre Struktur in Reinform.

Diese Struktur umgibt auch uns, die der Fotografie anhängig geworden sind. Sie beeinflusst unsere Wünsche, unseren Willen und die Art und Weise, wie wir an Dinge herangehen.

Das geheimnisvolle Genie

Ein weiterer Mythos, der dem Ganzen zugrunde liegt, ist die Redewendung „vom Tellerwäscher zum Millionär“, die wir aus dem Amerikanischen importiert haben. Dahinter steckt, wie jeder weiß, die Idealvorstellung, dass es jeder Arme schaffen kann, reich zu werden – und die Medien sind voll von überbordenden Heldentaten. Und auch hier lohnt ein Blick hinter Kinokulissen und Metaphern, mit denen nicht gespielt wird.

Einer (meistens ist es ein Mann) ist glorreicher als alle anderen. Er schafft das Undenk-, das Unfassbare. Gepriesen seist Du, einzelner Mann, der Du es schafftest, was keiner auch nur zu denken wagte!

Zurück auf den Boden der Tatsachen. Von solchen Ideologien umgeben sind auch wir, die Fotografen, die wir uns nicht selten auch als Künstler identifizieren. Die Fotografie als solche hat auch diesen Zweig, diesen Strang um das geheimnisvolle Genie. Und wer will nicht ein Genie sein?

Groß, bekannt, ein Star werden. Und: Mit unserer ganz eignen Idee. Mit unserem Stil. Wir, die Helden. Applaus, Applaus. Gepriesen.. ach, lassen wir das.

Zwar würde ich nicht mit den Rekreationisten sagen, dass alles ein Remix oder – das langsam einstaubte Wort – ein Mashup ist. Ich glaube nicht, wie Austin Kleon in „Steal like an Artist“ konstatiert, dass wir „nur die Summe unserer Einflüsse“, der „Remix unserer Mütter und Väter“ wären. Im Gegenteil, ich glaube, dass Kreativität das ist, was wir aus unseren Einflüssen machen.

Aber zu glauben, dass wir aus uns heraus die allergeilsten Fotos der Welt machen werden, ist Irrsinn. Uns theoretisch von unseren Einflüssen loszusagen, wirkt kontrakorrektiv, denn in diesen leben wir und können nicht ohne sie.

Vom Vor- und Sehnsuchtsbild

Der Idee des ganz und gar Eigenen liegt auch zugrunde, dass der oder die Agierende einerseits etwas schafft, was vorher nie in dieser Form dagewesen war, andererseits aber (und vor allem) keinerlei Ähnlichkeit mit Werken anderer aufweist.

Hierzu ZEIT-Redakteur Hanno Rauterberg in seinem Artikel „Schöner Klauen“:

Das ganze System der ästhetischen Produktion, das System der Kunsthochschulen, des Kunstmarkts, der Kunstmuseen, basiert auf der Vorstellung, dass Künstler etwas zu bieten haben, was andere nicht bieten.

Dass die Künstler also doch etwas Besonderes sind, eigensinnig, eigenständig, originell. Diese Vorstellung entwickelte sich im ausgehenden 18. Jahrhundert auch aus einem antiaristokratischen Impuls heraus.

Der Adel war durch seine Abkunft legitimiert, die Künstler hingegen setzten sich über alle Traditionen hinweg, wollten Abgrenzung, nicht Nachfolge. Sie waren ihre eigenen Urheber, selbstbestimmt, aus sich selbst schöpfend. Als solche, als autonome Subjekte, konnten sie zum Vor- und Sehnsuchtsbild der Bürger avancieren.

Sie waren ihre eigenen Urheber, selbstbestimmt, aus sich selbst schöpfend. Klingt eigentlich gut. Leider zu gut, oder gar: falsch.

Evelyin Finger zitiert in ihrem Artikel Wie genial muss es denn sein? den Historiker Dirk van Laak: „Es gebe, sagt Dirk van Laak, in der modernen Gesellschaft ein irres Bedürfnis, überrascht zu werden. Dahinter würden sich Abgeklärtheit und Abgestumpftheit verbergen.“

Diesem Bedürfnis begegnen wir in Kommentarform regelmäßig. Wo? Hier, in diesem Magazin. Es ist keine Seltenheit, dass Kommentatoren enttäuscht um ihre verlorene Zeit leicht beleidigt der Redaktion vorwerfen, das hiesig gezeigte wäre nun „auch keine Neuheit“ mehr. Und wäre deshalb besser in der Tonne gelandet.

Schnarchopoparch! Gar keine noch nie dargebotene Bruce-Willis-Action! Ich will sofort mein Geld zurück!

Der Beginn

Jedoch schauen wir alle auch Fotos von anderen an und bauen auf dem auf, was Fotografen vor uns geleistet haben. Fotografen, die uns mit ihren Bildern inspirieren. Dazu bewegen, mal etwas Ähnliches zu probieren.

Das geht – zu Ende gedacht – soweit zurück bis zum Beginn, als wir unser erstes Foto machten.

Irgendetwas bewegt uns dazu, ein Bild zu machen. Vielleicht, weil es eine Familientradition ist und schon unsere Eltern fotografierten. Oder weil unsere Eltern dem Musischen nahe waren. Vielleicht auch, weil wir an der Wand der Freundin so tolle Abzüge sahen und dachten: Das will ich auch. (Das sind Beispiele, die es in eintausend Abwandlungen gibt, bitte keine wörtliche Auslegung.)

Und dann beginnen wir, zu fotografieren.

Und mit der Fotografiererei werden wir ganz – unerwartet – sensibel und empfänglich für die Werke anderer Fotografen. Schauen uns deren Bilder an, lassen uns davon inspirieren und versuchen, den Look, das Gefühl oder etwas anderes von dem, was wir da sehen, irgendwie auch in unseren Fotos zu finden.

Und merken: Wir sind umgeben von Inspirationen. Wir wollen und wir können uns davon nicht trennen.

Albert Einstein soll einmal gesagt haben: Das Geheimnis der Kreativität ist es, seine Quellen verstecken zu wissen. Womit Herr Einstein auch unterstreicht, dass jeder seine Quellen hat. Doch die wenigsten können oder wollen das zugeben. Sie sehen sich lieber im Lichte der eignen Genialität.

Jedoch: Niemand ist eine Insel.

Und selbst, wenn wir eines tun, was so ganz eigen erscheint, wenn wir von vielen Fotografen Vorgemachtes umkehren, es brechen, es umdrehen, verkrümmen oder in andere Kontexte setzen: Wir beziehen uns damit dennoch ständig auf sie.

Diametrale Inspiration

Der Familientherapeut Hellinger (er ist nicht zu Unrecht umstritten) sagte einmal „Hass bindet auch“ und erklärte an anderer Stelle, dass wir gerade dann, wenn wir sagen, wir wollten nicht so werden wie unsere Eltern, so werden wie sie. Und dass dieser Drang des „Andersseins“ immer wieder auf sie zurückführt.

Natürlich hassen wir nicht die Fotos anderer (obwohl…). Doch selbst oder insbesondere eine Abneigung gegen einen bestimmten Stil hat eine Zuneigung zu einem anderen Stil zur Folge und ist somit inspiriert von – ? Dem, was zu Beginn nicht gemocht wurde.

Zum Schluss übergebe ich das Wort nochmals an den oben zitierten Malcom Gladwell*:

Kein Eishockeystar, kein Bill Joy, kein Robert Oppenheimer und kein anderer Überflieger kann aus der Höhe seines Erfolges herabblicken und ehrlich von sich behaupten: „Das habe ich nur mir zu verdanken“.

Oberflächlich betrachtet scheinen Staranwälte, Mathematikgenies und Softwaremilliardäre einer anderen Welt anzugehören als wir. Doch das stimmt nicht. Sie sind das Produkt ihrer Geschichte, ihrer Gesellschaft sowie der Chancen, die sie hatten und der kulturellen Traditionen, die sie geerbt haben.

Ihr Erfolg hat nichts Übermenschliches oder Geheimnisvolles an sich. Er ist das Ergebnis von bestimmten Vorteilen und ererbten Traditionen, er ist zu einem Teil verdient, zu einem anderen nicht, einiges haben sie sich selbst erworben, anderes ist ihnen in den Schoß gefallen – doch all das hat entschieden dazu beigetragen, sie zu dem zu machen, was sie sind.

Die Überflieger sind am Ende eben alles andere als Überflieger.

Übrigens: Dieser Artikel wurde inspiriert von der Beschäftigung mit systemischer Familientherapie, Emergenter Theologie, einem Artikel, den ich vor einem halben Jahr gelesen und den Link (dummerweise) nicht gespeichert habe, meinem Freund Daniel Ehniss und vielen kleinen Dingen, die mich zum Nachdenken gebracht haben.

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas kauft, erhalten wir eine kleine Provision, Ihr zahlt aber keinen Cent mehr.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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Dara, erzähl mir eine Geschichte

04 Jan

Als ich in einer E-Mail mit „Birdy“ (Vögelchen) angesprochen wurde und die Verabschiedung mit „smile and tea“ (Lächeln und Tee) endete, war ich doch ein wenig verunsichert. Nachdem ich jedoch weiter mit Dara Scully hin und her schrieb, merkte ich schnell, dass diese etwas schrullige Art gut zu ihr passt.

Genau wie zu ihren Fotos. Sie sind verträumt und märchenhaft, gleichzeitig auch tiefgründig und oft schockierend. Ihre Art unterstreicht deren Charakter. Eine Art Gesamtkunstwerk. Auch, wenn ich finde, dass die Fotos ohne ihre wunderlichen Worte auskommen, ließ ich mich gern auf ihre Gedanken ein.

Dara ist 23 Jahre alt, lebt in Spanien und fotografiert. Ihre Vorstellung von sich selbst lautet so:

Ich halte einen Vogel in meiner linken Lunge und wenn ich traurig bin, laufe ich nackt durch den Nebel.

Ich bin ein Geschichtenerzähler, ein Dichter, eine Art uralter Baum. Ich versuche, die Schönheit zu fangen und spreche die Sprache der Wälder durch meine Bilder. Meine Arbeit ist voller blasser Mädchen, Zerbrechlichkeit, Verlangen und Tod.

Ihre Geschichten machen mir Spaß. Ich stelle mir vor, am Abend mit ihr zusammen zu sitzen, einen heißen Tee zu trinken und ihren Märchen zu lauschen. Mich dabei abwechselnd zu freuen und zu gruseln und oft auch einfach nur erstaunt auf das nächste Unglaubliche zu warten.

Eine Melancholie geht von vielen Fotos aus. Sie schreibt mir, dass ich am besten ihre Serie „your branches/my bones“ vorstellen sollte. An ihr arbeitet sie momentan noch. Es wird eine Liebesgeschichte zwischen einem Mädchen und einem alten Baum. Ich mag diese Geschichte, finde jedoch in ihren Arbeiten mehr als nur diese Schwermut, von der sie schreibt und auch das möchte ich zeigen.

Da ist zum Beispiel die märchenhafte, kindlich wirkende Serie „little dreamers“. Hier begleiten ein kleiner Elefant, ein Bär und ein Reh das blasse Mädchen. Sie trösten sie, spielen mit ihr und erleben einige Abenteuer. Ich muss unweigerlich lächeln, wenn ich diese Bilder ansehe.

Das blasse Mädchen in den Bildern ist Dara selbst. Aber sie würde auch gern mit Modellen arbeiten. „Dann müsste man nur den neuen Körper kennenlernen, wie eine neue Sprache. Die Bewegungen des Körpers, die Poesie unter der Haut“, gibt Dara zu bedenken. Aber die Idee gefällt ihr.

Inspiration für ihre Geschichten findet sie im Nebel und Bäumen. In Schönheit, in all ihren Formen. Ich frage sie, ob sie ihre Märchen auch aufschreibt. „Nein, das sind visuelle Gedichte, sie sind zum Ansehen und dafür, sich die Geschichten dahinter vorzustellen.“

Mit diesen Worten schickt sie mir die Bilder für diesen Artikel und ich sehe mir noch einmal ihre Serien an. Sie hat recht, für die Bilder braucht es eigentlich keine Worte.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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Eine Amateurfotografin und das Publikum

24 Nov

Ein Beitrag von: Mayumi Becker

Im Dezember vor vier Jahren fand ich in einer kleinen Buchhandlung in einer Prager Seitengasse ein Buch. Es war das Fotobuch „Louny“ vom tschechischen Fotografen Jaromír Funke. Er hatte alle Bilder in schwarzweiß in Louny in Nordböhmen fotografiert.

Ich stand die ganze Zeit vor einem Bücherregal in dieser Buchhandlung und blätterte immer wieder die Seiten des Fotobuchs um. Bis dahin hatte ich keine Interesse an Fotografie gehabt, aber in diesem Augenblick begeisterte ich mich für dieses Fotobuch.

Ich, die damals in Tokio wohnte, entschied mich, nach der Heimkehr einen Fotoapparat zu kaufen. Ich wollte solche Fotos wie die von Funke machen. Deshalb glaubte ich, eine moderne Digitalkamera sei nicht geeignet. Ich wünschte mir stattdessen einen Filmfotoapparat, einen hoffentlich alten Filmfotoapparat.

Ich wollte damit schwarzweiße Fotos machen. In einem großen Geschäft für gebrauchte Kameras in Tokio empfahl mir ein Verkäufer eine Hasselblad 500c/m. Als ich sie zum ersten Mal im meine Hände nahm, war sie sehr schwer.

Ein Kind steht mit einem Telefon an einem Geländer

Zuerst konnte ich überhaupt keine guten Fotos machen. Die Hasselblad hat keine Automatikfunktion, deshalb musste ich immer selbst die Belichtung einstellen. Aber es war sehr schwer für mich, die richtige Belichtung zu finden, weshalb viele Aufnahmen misslangen. „Nur für mich Fotos zu machen, mein Lieblingsfoto zu machen“, das war damals für mich am wichtigsten.

Ein halbes Jahr verging, seitdem ich angefangen hatte, mit der Hasselblad Fotos zu machen. Nach und nach gelangen mir bessere Aufnahmen. Eines Tages fragte ich mich, wie andere Leute wohl meine Bilder sehen würden. Ich begann, meine Fotos bei Flickr zu zeigen.

Zuerst sah niemand meine Fotos. Ich fügte sie in Gruppen bei Flickr hinzu und kommentierte auch Fotos anderer Leute. Nach und nach wuchs die Zahl der Leute, die meine Bilder anschauten. Was für Fotos zogen besonders viele Leute an? Als ich nun neue Fotos machte, fing ich an, mir allmählich der Augen der anderen bewusst zu werden.

Ich sah viele Fotobücher von Berufsfotografen durch und schaute außerdem sorgfältig Bilder der anderen Leute an, die bei Flickr viele Kommentare und Favoriten bekamen. Das war für mich die Geburt des Publikums.

Als ich eines Tages beiläufig all meine Aufnahmen, die ich auf einer Reise nach Paris gemacht hatte, auf dem Computer anschaute, merkte ich etwas Interessantes: Diese Fotos ließen sich im Großen und Ganzen in zwei Arten aufteilen.

Einige Fotos hatten dunkle und dezente Farben, andere dagegen hatten weiche und helle Farben. Wie stellen die Leute sich Paris vor? Elegant, prächtig oder stylish …? Ich glaubte, dass das die verbreiteten Vorstellungen sind. Deshalb entschied ich mich, nur die dunklen und dezenten Fotos auszuwählen und bei Flickr hochzuladen.

Ein Mann telefoniert und schaut dabei aus einem hohen Fenster

Ich dachte, dass es sehr interessant wäre, wenn ich bei irgendjemandem die Vorstellung von Paris mit meinen Bildern so ändern könnte. Aber normalerweise sind die Kommentare zu Fotos bei Flickr so abstrakt wie „Super!“, „Toll!“, „Schön!“ und so weiter. Aus ihnen kann ich nicht herauslesen, welche Eindrücke meine Kontakte beim Betrachten hatten. Eine ganze Weile vergaß ich meine Fotos von Paris.

Aber eines Tages schickte mir einer meiner Kontakte, der an einer Gruppenfotoausstellung in Tokio teilnahm, eine interessante E-Mail. Ein Besucher der Ausstellung kannte meinen Fotostream und sagte, dass meine Fotos von Paris seine Vorstellung der Stadt geändert hätten. Als ich diese E-Mail las, dachte ich: „Wow!“ Wenigstens eine Person sah meine Absicht.

Das Publikum sendete mir die Reaktion, die ich mir erhofft hatte, zurück und ich fand es sehr schön. Danach entschied ich mich, die Fotos auf Flickr mit einem Thema zu verbinden, wenn ich während einer Reise viele Fotos gemacht hatte. Zum Beispiel behandelte ich das Thema Herbstanfang und wählte Dunkelblau und Rosa als die Themenfarben aus, als ich Fotos aus Nordeuropa hochlud.

Als ich eine Reihe Fotos aus Polen hochlud, behandelte ich das Thema „Fotos und Gedichte“ und fügte allen Bildern Zeilen der polnischen Dichterin Wis?awa Szymborska bei. Fotos bei Flickr mit einem Thema hochzuladen, heißt nicht nur, dass ich dem Publikum meine Fotos zeige, sondern auch, dass ich dem Publikum eine Information gebe.

Das war für mich sehr neu. Glücklicherweise war die Reaktion des Publikums positiv und ich bekam einige freundlichen Kommentare, als ich die Fotos zusammen mit Szymborskas Gedichten hochlud. Einer der Kontakte zitierte die Zeilen in seinem Kommentar zu meinem Foto.

Ein anderer Kontakt schrieb in ihrem Kommentar, dass sie großes Interesse an Szymborska gewonnen habe. Bis dahin hatte ich meine Kontakte gar nicht kennenlernen können. Nun hatte ich das Gefühl, dass ich sie doch kennenlernen könnte.

„Brauchen Amateurfotografen das Publikum?“

Hätte man mich vor vier Jahren, als ich mit der Fotografie anfing, dies gefragt, hätte ich gleich „Nein“ geantwortet. Amateurfotografen fotografieren nicht als Beruf. Wenn sie selbst ihre Fotos mögen, ist das genug. So dachte ich damals. Aber jetzt denke ich, dass Amateurfotografen das Publikum brauchen.

Das Publikum ist für mich wie ein Spiegel, in dem meine Fotos sich spiegeln. Was fühlt das Publikum, wenn es meine Fotos anschaut? Spiegeln sich meine Bilder dort so, wie ich es mir erhoffe? Das Publikum gibt mir immer einen zusätzlichen Genuss, nachdem ich Fotos gemacht habe.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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Was will eine Frau?

26 Jan
Vacillica ist 18 Jahre alt und Schülerin aus Bamberg. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Selbstportrait-Fotografie, die sie mit ihrem Interesse für Philosophie und analytische Psychologie verbindet. Ihre fotografischen Werke sind auf tumblr und auf deviantArt zu sehen.

Eine Kritik an die „patriarchale“ Erotik in der Kunst und der Wunsch, die Sexualität in der Kunst aus der Frauenperspektive zu betrachten.

Ich wette, Du hast eine Menge solcher Fotos gesehen. Wenn nicht, bitte ich dich, zum Beispiel auf deviantArt zu gehen, links in der Navigation über die Kategorie „Photography“ und „People & Portraits“ die Unterkategorie „Artistic Nude“ auszuwählen und Dir die besten Aufnahmen anzuschauen. Direkt erscheint auf dem Monitor eine Reihe von Fotos von schönen Frauen.

Sie sind perfekt: Ihr Körper ist gepflegt und proportional, erfüllt von Sinnlichkeit, umgeben von empfindlichem Licht und tiefen Schatten. Manchmal sieht man nur bestimmte Teile des weiblichen Körpers: Rundliche Brust, volle und leicht geöffnete Lippen, apfelförmiger Popo. So etwas findet man nicht nur auf Pornoseiten, die das Ziel verfolgen, den meist männlichen Zuschauer sexuell zu erregen. Die ganze Erotik scheint von der weiblichen, sexuellen Schönheit geprägt zu sein.

Ist Dir aufgefallen, dass ich oben bloß vom dargestellten Körper gesprochen habe? Nicht unbewusst. Und nicht zu Unrecht. Man sieht tatsächlich nur einen Leib. Einen Leib, den, ich zweifle nicht, jeder Mann vor sich zu sehen wünscht nach einem anstrengenden Arbeitstag. Egal, ob der Leib wie in zahlreichen Pornos misshandelt oder mit Würde dargestellt wird – die Tatsache bleibt dieselbe: Es ist nur ein Leib. Und somit ein Gegenstand, ein Objekt.

Wenn diesem Objekt ein Ausdruck, eine „Seele“ gegeben wird, so stammt sie, die Seele, vom Fotografen, der vor dem Shooting ein Konzept im Kopf hat und dieses durch das Model realisiert. Die Frau in der Erotikwelt ist ein sexueller Traum des Mannes und nicht ihr eigener. Wie der Kunstkritiker John Berger in seinem Buch schreibt: “Men look at women. Women watch themselves being looked at”.

Dies lässt sich besonders gut an folgendem Bespiel veranschaulichen: 2007 dreht die schwedische Pornodarstellerin Mia Engberg ein dreiminütiges Video, in dem man Frauen verschiedenen Alters und Aussehens beim Masturbieren zusehen kann. Was das Video von typischen pornografischen Inhalten unterscheidet, ist die Tatsache, dass die Frauen in diesem kurzen Film gar keine Schauspielerinnen sind und folglich offen und natürlich, also nicht gespielt, mit ihrem Orgasmus umgehen.

Zu meiner eigenen Verwunderung stieß das Video auf eine unerwartete Reaktion, besonders von der Männerseite: Man fand die Gesichter der Frauen während des Orgasmus entstellt und hässlich, im totalen Widerspruch stehend zur gewohnten, eigentlich künstlichen Darstellung von beinahe „göttlichen“ Wesen mit der dementsprechenden Mimik.

Es ist keine moderne Erscheinung in unserer Gesellschaft; das hat es immer gegeben in der patriarchisch ausgerichteten Kultur: Dass die Kunst und besonders ihre erotische, sexuelle Seite vom männlichen Geist dominiert wird. Versteh mich bitte nicht falsch, ich würde nie den Männern die Freiheit rauben, ihre eigenen Fantasien und Wünsche künstlerisch umzusetzen.

Doch ich bin zutiefst davon überzeugt, dass es an der Zeit ist, endlich auch einmal die Frau die berühmte Frage von Freud beantworten zu lassen: „Was will eine Frau?“. Wovon sie nachts, bevor sie einschläft, träumt. Wie sie sich selbst in ihrer Sexualität betrachtet und was für einen Partner sie sich an ihrer Seite wünscht.

Bereits in den 70er Jahren mit dem Aufschwung der feministischen Art fängt man allmählich an, dieser Seite der Kunst mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Berühmte Fotografinnen wie Ellen von Unwerth und Bettina Rheims leisten auch einen immensen Beitrag zur Erotik aus weiblicher Perspektive.

Obwohl ihre Werke bedeutsam sind, stellen sie trotzdem eine Ausnahme in der Welt der „Nacktfotos“ dar. Deshalb verfolge ich, größtenteils ein Selbstportrait-Fotograf, mit meiner Fotografie unter anderem das Ziel, die weibliche Sexualität zu entfalten und letzten Endes in meinen Aufnahmen ein Subjekt und nicht nur ein Objekt zu sein.

Deshalb bin ich es gewohnt, meine Kunst als eine Art eigene Psychoanalyse zu betrachten. Das ist auch der Grund, warum ich mich im Regelfall für Selbstportraits entscheide: Denn wer kennt mein inneres Ich mit all seinen Komplikationen, Geheimnissen und Träumen besser als ich selbst?

Somit dient mir die Fotografie als ein Tagebuch. Darin schreibe ich über die Dinge, die ich in der Realität noch nicht gewagt habe, die mich aber auf eine obskure Art und Weise anziehen. Die Aufnahmen stellen mich nicht bloß – oft sind die fotografischen Ergebnisse genauso rätselhaft und doppelsinnig wie ich sie in meiner Psyche empfinde. Die Kunst ist zunächst ein Versuch, die Inhalte zu veranschaulichen. Eine Erklärung oder eine Lösung ist bereits vorhanden – sie verbirgt sich alleine in Fotos.

Ich pflege zu wiederholen, dass meine Kamera nicht ein Mann ist, vor dem ich mich ausziehe, mit dem ich flirte, den ich verführe. Meine Kamera ist ein Spiegel. Was ich damit meine, wird jeder Shopaholic verstehen: Nachdem man in Dutzenden Läden einen Haufen Kleidung gekauft hat und nach Hause zurückgekehrt ist, will man als Erstes die Neuanschaffungen in aller Ruhe ausprobieren, in eine Rolle schlüpfen und diese genießen. Sei es, dass man sich mit einem teuren Abendkleid in die Salonlöwin verwandelt oder in einer bunten Sommertunika die romantische und leichtsinnige Mademoiselle spielt.

Auf diese Weise entnimmt man der Psyche eine von vielen kleinen Persönlichkeiten und setzte sie wie eine Maske auf das Gesicht: Man lebt sein Alter Ego aus. Genauso funktioniert es mit der Sexualität, die für mich eine eigene Plattform darstellt, auf der ich verschiedene Seiten meiner inneren Welt zum Ausdruck bringen kann.

Und der Spiegel hilft mir dabei, die Experimente von der Seite zu beobachten und die erzielten Ergebnisse leichter zu analysieren. Denn nicht selten lasse ich während des Shootings meiner Fantasie und Intuition freien Lauf, ohne zu ahnen, was dabei herauskommt.


KWERFELDEIN | Fotografie Magazin

 
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Eine alternde Stadt: Budapest.

22 Sep
Marit Beer lebt und arbeitet in Berlin. Sie beschäftigt sich mit künstlerischer Fotografie, experimentiert gern und mag Menschen mit ihren Geheimnissen vor der Kamera. Sie schreibt das dritte Mal für KWERFELDEIN und berichtet dieses Mal über ihre Reise nach Budapest mit Fotografien ihres Freundes Marcel Pommer.


Bilder von Marcel, Links: Alte Markthalle in Elisabeth-Stadt. Rechts: Cafe Central, ehemaliges Literaturcafe mit wunderschöner Inneneinrichtung.

Meine ersten Erinnerungen an Budapest stammen aus Bildbänden meiner Eltern. Großflächige Schwarzweiß-Fotografien, die Menschen auf Straßen und Plätzen zeigten, mit Licht und Schattenspielen auf dem grauen Asphalt. Es waren Fotografien von Bruno Bourel, ein namhafter Budapester Fotografen, die jenes melancholische Bild dieser Stadt in mir formten.

Es waren immer die Weite und das Alte, das mich damals schon daran faszinierte. Eine Stadt, deren sichtbares Altern und Alterndürfen von Gebäuden, Straßen und Menschen festgehalten wurde. Diese Stadt wollte ich nun zusammen mit meinem Freund entdecken. Die schummrigen Bilder im Kopf Wirklichkeit werden lassen und das Gefühl, das die Fotografien in mir auslösten, finden.


Bild von Marit, die heimlichen Besitzer der Stadt – Tauben.

Gefunden haben wir dieses Gefühl vor allem in Elisabeth-Stadt, dem jüdischen Viertel von Budapest. Wir haben uns zwei Tage dafür Zeit genommen, sind geschlendert, haben uns treiben lassen und sind von Ort zu Ort gekommen.

Haben im Vorbeigehen Gesprächen zwischen deutschen Nonnen und Jiddisch sprechenden Rabbinern gelauscht, sind dem Schatten eines alten Mannes gefolgt, haben unsere Nase an alten, verwunschenen, geschnörkelten Jugendstilzäunen plattgedrückt, haben wehende Gardinen betrachtet.

Den darum herum bröckelnden Putz der alten Gebäude bewundert, danach die Nase in die alte Markthalle gesteckt und kamen aus dem Staunen nicht raus ob all der angebotenen Gemüsesorten, Backwaren und Fleischberge, die einen ganzen Stadtteil versorgen.


Bild von Marcel, Elisabeth-Stadt.

Wir haben die neueste Mode an schlanken Frauenkörpern bewundert und auf der anderen Seite die rostroten Pfützen und darin badenden Tauben betrachtet. Wir waren erstaunt über Busse, die an Oberleitungen hingen und sich wie Schlangen durch die engen Straßen wanden.

Wir fanden Melancholie in den Hinterhöfen und Armut auf den Treppen der Mietshäuser. Wir waren inmitten der Bilder von Bruno Bourel, der das jüdische Leben seiner Zeit festgehalten hat. Plötzlich war uns, als wären auch wir Teil einer Geschichte, Teil eines Bildes, einer Erinnerung.

Aber wir wollten nicht nur selbst eine Erinnerung sein, sondern auch Erinnerungen in Form von Bildern mitbringen. Im Gepäck hatten wir unsere Kameras, jeder eine Canon A-1 und zahlreiche Schwarzweiß-Filme von ISO 50 bis 400.

Der heiße und sonnendurchflutete Budapester Sommer machte die im Kopf sitzenden Aufnahmen schwer auffindbar. Aber dennoch haben wir hier und da die stillen Bilder finden und mitnehmen können.


Bild von Marcel.

Zu meinen beiden Lieblingsmotiven gehört zum einen ein Foto, welches eine an einer Pfütze trinkenden Taube und dem gegenüber, fast nicht sichtbar, die Beine eines schlafenden Menschen auf der Treppe eines Mietshauses zeigt. Das Bild ist leise, ohne Anklage, und ich schaue es ebenso lange an wie früher die Aufnahmen von Bruno Bourel, der ebenso Momente festhielt, die damals niemandem ein Foto wert waren.

Das andere Bild zeigt mehrere Tauben in einem leeren Korb. Ich erinnere mich, wie ich auf dem Hof der Markthalle plötzlich Gurren und Flügelschlagen hörte und versteckt unter einem Tisch Tauben in einem Korb fand. Zuerst dachte ich, man verkaufe hier auch lebende Tiere, aber als ich mich an das Bild gewöhnte und beobachtete, sah ich, dass es die Körbe eines Bäckers waren, der seine Waren auf dem Tisch darüber feil bot, und dass die Tauben lediglich das übrig Gebliebene aufpickten.

Wenn ich das Bild betrachte, sehe ich auch all die anderen Bilder vor mir, die aufzunehmen ich mich nicht traute. Alte Frauen mit tiefen Furchen im Gesicht, Männer, die lachen und rauchen, Kinder, die sich die Nase an der Scheibe der Backwaren platt drücken und das Bild der Zigeunerin, die uns verängstigt den Weg zur Markthalle zeigte.


Bild von Marit. Tauben in der Markthalle.

Ein Ort, an dem wir uns auch sehr gerne aufgehalten haben, ist das Café Central am Ferenciek tere in einer kleinen Gasse nahe der Donau. Früher bekannt als Literatencafé, trifft man auch heute in den hinteren Ecken noch Zigarren rauchende Intellektuelle gut getrennt von den an weitläufigen Tischen schlemmenden Touristengruppen.

Hier haben wir nicht nur einen guten Kaffee getrunken, sondern auch die wunderbare Inneneinrichtung bewundert. Ein empfehlenswerter Ort, um Auszuruhen und schöne Fotos mit nach Hause zu bringen.


Bild von Marit. Eingangsbereich im Haus der ungarischen Fotografie (Mai Mano) mit zahlreichen Ausstellungen und einem kleinen Shop.

Im Haus der ungarischen Fotografie fanden wir dann weitere Bilder der Stadt und der Menschen. Es ist ein Ort mit wechselnden Ausstellungen und einem schönen kleinen Laden mit Fotobänden und Fotografien ungarischer Fotografen.

Hier konnten wir das Lebensgefühl der Stadt noch einmal in Bildern Revue passieren lassen und ganz nebenbei ein sehr schönes Gebäude von innen betrachten, das früher das Atelier des Hoffotografen Manó Mai war.


Bild von Marcel.

Wir haben viel gesehen, alte Bilder gefunden und Neues entdeckt. Budapest ist eine lebendige und hier und da auch schlafende Stadt. Sie ist voller Gegensätze und interessanter Menschen. Wir wissen, es war nicht unser letzter Besuch. Der Winter dort wartet auf uns und mit ihm alte und nun auch neue Bilder, die wir im Kopf herumtragen.


KWERFELDEIN | Fotografie Magazin

 
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