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Eine Hommage an den Wellensittich

01 May

Foodstylistin Anna Keville Joyce hat eine großartige Serie geschaffen, die den liebevollen Namen „A Tribute to Budgie“ (Eine Hommage an den Wellensittich) trägt. Die Serie besteht aus 100 Prozent essbaren Dingen und ist tatsächlich ihrem verlorenen Wellensittich gewittmet. In jedem Bild wurde eine andere Vogelwelt auf einem Teller erschaffen. Ein Flamingo tanzt auf Radieschenscheiben, während eine Eule den Betrachter aus großen Pilz- und Porree-Augen anstarrt.

Beim Anrichten der Elemente achtete Anna auch sehr auf die passenden Farben, Formen und Texturen. Ihre Kompositionen wurden von Fotograf Agustín Nieto zentriert von oben dokumentiert.

Da es sich um Lebensmittel handelt, habe ich nur wenigen Stunden, um die Bilder zu erstellen. Ich beginne immer mit dem Lebensmittel, das (hoffentlich) am längsten hält und arbeite mich dann nach hinten zu den heikelsten durch.

© akj foodstyling,  Agustín Nieto

© akj foodstyling, Agustín Nieto

© akj foodstyling, Agustín Nieto

© akj foodstyling, Agustín Nieto

© akj foodstyling, Agustín Nieto

Anna Keville Joyce ist Food-Stylist und Illustratorin und kommt ursprünglich aus den USA, lebt derzeit jedoch in Buenos Aires. Sie arbeitet für kommerzielle sowie künsterische Fotografie- und Filmaufnahmen. Anna ist auch auf Facebook und Instagram vertreten.


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Projekt Riga – eine fotografische Fahrradtour

28 Apr

Ein Beitrag von: Tobias Teich

Die Fotografie kam zu mir in Form einer Minolta X500. Analog. Manueller Fokus. Zwar hatte ich mich schon vorher mit digitalen Kameras versucht, sie boten mir jedoch nicht das, was ich benötigte. Was das war, wurde mir erst klar, als ich die ersten Filme der Minolta entwickelte.

Die manuelle Funktionsweise, die Festbrennweite – all das passte anscheinend wesentlich besser zu mir. Die Ergebnisse waren deutlicher mehr an dem, was ich mit den Fotos zeigen wollte, als die digitalen.

Anfänglich war mein fotografisches Interesse auf den urbanen Raum begrenzt. Ich wollte die Stadt Braunschweig, in der ich lebe und studiere, so zeigen wie ich sie empfinde. Sehr schnell konzentrierte ich mich dabei auf die vielen Fahrradleichen, die überall in der Stadt zu finden waren.

© Tobias Teich

So entstand mein erstes Projekt „Tretmühlen“. Bald erweiterte etwas anderes meinen fotografischen Horizont: Der soziale Aspekt. Durch den Austausch mit Menschen, die den gleichen Zugang zur Fotografie hatten wie ich, bekam meine Arbeit einen sichtlichen Schub.

Zunehmend versuchte ich, meine Projekte schärfer zu fassen. Es erwuchs der Wunsch nach Portraits und dem „guten“ Bild, ohne dabei eine gewisse Lässigkeit nicht zu verlieren.

So drängte es mich – wohl unterbewusst, aber bestimmt – zu einem „großen“ Projekt. Ein Projekt, das mir in vielerlei Hinsicht neue Horizonte eröffnen würde.

© Tobias Teich

So erschuf ich Projekt#Riga als Ausdruck des Wunsches, mit Kamera und Fahrrad nach Riga, der Hauptstadt Lettlands, zu fahren. Noch nie war ich allein im Ausland gewesen – und das in einer Zeit, in der gefühlt jeder Jugendliche schon einmal monatelang durchs australische Outback gewandert ist.

Zudem sollte diese Reise dann in einem Bildband und einer Ausstellung münden. Sehr schnell wurde mir bei der Planung klar, dass die Kosten für das fotografische Equipment sowie für den anschließenden Druck des Bildbandes immens werden würden.

Projekt Riga © Tobias Teich

Ein Freund gab mir den Rat, mich über Crowdfunding zu informieren. Letztendlich meldete ich mich bei Startnext an und erstellte dort eine Crowdfunding-Kampagne.

Eine Freundin erstellte ein Logo, weitere Freunde halfen mir bei den nötigen Videobeiträgen. Mit dieser Kampagne erhielt mein Vorhaben eine ganz neue Ebene.

© Tobias Teich

Ich musste mich und mein Projekt bewerben, musste argumentieren, warum ein künstlerisches Projekt, das auf den ersten Blick nur mich selbst betraf, wert war, unterstützt zu werden.

Nun gab es kein Zurück mehr. Ich konnte das Projekt nicht mehr einfach im Sande verlaufen lassen. Ich musste mich der Aufgabe stellen.

© Tobias Teich

Das Feedback war dann überwiegend positiv und so dauerte es nicht sehr lange bis ich den Betrag, der zum erfolgreichen Abschluss der Kampagne nötig war, beisammen hatte.

Er wurde sogar deutlich überschritten. So konnte ich Kleinbild- und Mittelformatfilme kaufen. Mit Unterstützung der Familie wurde ein adäquates Fahrrad gekauft.

Am 14. April 2013 ging es dann auf die am Ende 1760 Kilometer lange Reise. Zuerst durchquerte ich die Uckermark, dann ging es über Stettin (Polen) an die Ostsee.

Projekt Riga © Tobias Teich

Weiter entlang der polnischen Küste gelangte ich schnell nach Danzig. Diese erste Reisewoche ging ich sehr sportlich an und spürte, dass ich erst noch meinen Rhythmus finden musste, um meinen fotografischen Ansprüchen zu genügen.

Viel zu leicht rollt man mit dem Fahrrad an lohnenden Motiven vorbei. So entschied ich mich, die russische Exklave Kaliningrad mit teilweiser Hilfe der Bahn zu umrunden.

Projekt Riga © Tobias Teich

Dies gab mir die Zeit, mehr auf die nun litauische und dann lettische Küste und Natur einzugehen. Nach 20 Tagen hatte ich Riga erreicht.

Unglaubliche Tage lagen hinter mir, atemberaubende Natur hatte ich durchquert und unendlich lange, mal mehr oder weniger stark befahrene Straßen hatte ich befahren, krasse gesellschaftliche Brüche und Unterschiede waren mir begegnet.

Projekt Riga © Tobias Teich

Projekt Riga © Tobias Teich

Polen und das Baltikum erfahren teilweise einen unübersehbaren Boom. Überall wird viel gebaut, vieles soll noch gebaut werden. Dabei stehen oftmals gleich auf der anderen Straßenseite noch bewohnte Häuser aus einer anderen Zeit.

All das Gesehene habe ich letztendlich in den Bildband gefasst. Mit einer dreiwöchigen Ausstellung in der Braunschweiger Galerie ein Raum 5-7 (und einer in eine Party ausufernden Vernissage) beschloss ich das Projekt.

Projekt Riga © Tobias Teich

Doch auch ein Jahr nach dem Start gen Osten ist die Tour noch immer sehr präsent. Vor Kurzem stellte ich einige Bilder des Projektes im LOT-Theater Braunschweig aus, einige stellte ich für eine studentische Arbeit zur Verfügung und ein Bild wurde für eine Werbekampagne verwendet.

Zusammenfassend kann ich mit Sicherheit sagen, dass mich dieses Projekt deutlich selbstbewusster gemacht hat. Fotografisch wie persönlich. Das nächste Projekt kommt bestimmt!


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Lithprint – Eine Odyssee in der Dunkelheit

21 Apr

Tiefste Schwärzen und ein leichter Überzug, der an feinste Karamellplättchen erinnert. An den Rändern ein wenig körnig, die Linien klar umrissen. Dass ich nicht nur gern fotografiere, sondern auch gern esse, ist spätestens jetzt kein Geheimnis mehr. Aber im Folgenden geht es nicht um feines Gebäck, sondern um grobe Tatsachen.

Vor über zwei Jahren stand ich in der Dunkelkammer und probierte mich an Lithprint und war mir ziemlich sicher, es unmittelbar danach noch einmal zu probieren. Aber wie das mit Erwartungen so ist, enttäuscht man sich glatt selbst dabei.

In den letzten Tagen des abschwellenden Wintergefühls in der Magengegend und mit dem aufbrausenden Gefühl der nahenden Frühlingstage im Kopf, wie sie nur der Aprilmonat in einem auftauchen lässt, erinnerte ich mich doch wieder an mein Versprechen.

Lithprint © Marit Beer

Ich wartete auf die Dunkelheit wie ein Nachtmahr auf den Träumenden. Gegen 21 Uhr verdunkelte sich der Himmel und ich das Fenster des Badezimmers. Es war angerichtet. Der Vergrößerer stand wie üblich auf dem Wichtigsten, was ein Bad zu bieten hat – dem Klosett. Die Schalen reihten sich aneinander und nach Farben geordnet in Entwickler, Stoppbad und Fixierer auf der Badewanne auf. Das Papier, in diesem Fall das Fomatone MG 333, warte geduldig auf seinen Aufgabenbereich.

Für die Nerds unter Euch oder jene, die das auch mal ausprobieren wollen: Als Entwickler hatte ich noch vom letzten Mal den LP Lith von Maco/Labor Partner in einem Mischungsverhältnis von 1+4 angesetzt. Aber ich habe mir sagen lassen, der Easylith von Moersch sei auch nicht schlecht und für den Anfang reicht der auch völlig aus und ist zudem auch noch recht günstig zu haben. Worauf Du aber ebenfalls zu achten hast, ist: Lithfähiges Papier zu benutzen, denn nicht jedes ist dafür geeignet. Pass beim Kauf also auf und frag den Händler Deines Vertrauens.

Es geht los. Die Lichter sind aus und das rotglühende Dunkelkammerlicht wirft sein bedrohliches Licht in den kleinen Raum. Ich habe mich für ein kontrastreiches Negativ entschieden und schiebe es in den Vergrößerer. Das Papier wird 24 Sekunden belichtet und verschwindet augenblicklich in die Entwicklerschale, die ich immer wieder einmal hin- und her bewege, damit sich der Entwickler auch überall gleichmäßig verteilt.

Ich warte. Vergeblich. Erinnere mich an das letzte Mal, als es ebenfalls so lange dauerte. Immer, wenn man kurz vorm Aufgeben ist, schält sich das Bild heraus, glaube ich und starre auf das Papier, bis mich ein Geistesblitz durchfährt. Ich drehe das Blatt um.

Lithprint © Marit Beer

Lithprint © Marit Beer

Da ist es. Ich hatte das Papier falsch herum auf den Vergrößerer gelegt. Na wunderbar! Aber das kann leicht passieren, vor allem wenn man die Dunkelkammer nur noch einmal im Jahr aufbaut. Beim nächsten Mal erinnere ich mich: Die glatte Oberfläche muss nach unten und die leicht raue nach oben zeigen. Denn das ist die richtige Fläche für meine Belichtung.

Es klappt.

Jetzt aber aufpassen und mit allen Sinnen dabei bleiben! Ich sehe schon den Mund und die Augen, das Gesicht erscheint und dann geht es ganz schnell. Bevor es zu spät ist und alles in Schwarz verschwindet, ziehe ich es heraus und lege es sofort in das Stoppbad, damit die Entwicklung aufhört.

Ich atme aus und glaube, es im richtigen Moment geschafft zu haben. Nach ein paar Sekunden kommt es in den Fixierer. Ich zähle bis zwanzig und schalte das Licht an.

Da ist es, liegt vor mir. Ich lächle, ein Glücksgefühl breitet sich aus und durchströmt mich warm und leise. Mein erster Print seit Monaten. Er ist schön und in diesem Moment auch einfach das Schönste, was ich je gesehen habe. Stolz und erhaben blickt die Frau darauf zur Seite. Ich hebe den Print nach ein paar Minuten vorsichtig aus dem Fixierer und wässere ihn.

Lithprint © Marit BeerLithprint © Marit Beer

Ich entscheide mich noch für ein paar andere Motive und erkenne dabei schnell, wie wichtig es ist, ein gut ausformuliertes Negativ zu haben. Am Ende sind es drei Bilder, die mir sehr gut gefallen und zwei, mit denen man vielleicht noch weiter experimentieren kann.

Ich schaue auf die Uhr und erschrecke, denn es ist jetzt 3 Uhr morgens. Ich fühle nun auch langsam die Erschöpfung und wie sich die Müdigkeit in meinen Gliedern verfängt. Ich verwandle die Dunkelkammer noch schnell in ein Bad zurück, schütte die Flüssigkeiten in ihre Behältnisse, säubere die Armaturen und falle glücklich in mein Bett.

Ich verspreche mir dieses Mal hoch und heilig, dass ich die nächste Dunkelkammeraktion nicht so lange auf sich warten lasse. Denn das Gefühl, dabei zu sein, wenn ein Bild entsteht, ist so viel anders als das Gefühl beim Einscannen der Negative. Ich halte am Ende etwas in der Hand. Ein Ergebnis, das unmittelbar auf mich einwirkt und ein Gefühl, das ich ganz bald wieder erleben möchte.

Außerdem befinde ich mich noch am Anfang meiner Reise und fühle mich dabei manchmal wie die Rennschnecke aus der unendlichen Geschichte oder wie ein Fischer, der im Trüben nach der Schönheit Ausschau hält.


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Die Erde ist eine Vase

10 Apr

Konstantin Voronov, 29 Jahre alt, lebt in seiner Heimatstadt Moskau, wo er am Institut für zeitgenössische Kunst unterrichtet hat. Neben seinen Stillleben, die ich Euch heute vorstellen möchte, fotografiert er auch Portraits von Menschen und Tieren sowie Landschaften mit und ohne Sternenhimmel.

Seine Natures Mortes interpretieren das Genre außergewöhnlich modern und minimalistisch. Er arbeitet mit Naturmaterial und simpel geformten Vasen. Am liebsten mag ich die surrealen Kompositionen, in denen das Rund der Welt auf ein Kugelobjekt reduziert wird, auf dem Gefäße waghalsig balancieren oder Feuer als Geber und Nehmer des Lebens auftritt.

Konstantin arbeitet aber auch mal mit klassischen Vanitasmotiven und überbordenden Kompositionen. Oder er baut schlichtweg dekorative Arrangements mit dynamisch ausgeleuchteten Ästen und anderen charismatischen Gegenständen als Protagonisten. Oder er interpretiert einfach mal eines der berühmtesten Albumcover der Musikgeschichte neu.

Hier ist also jemand am Werk, der sich einerseits eine spannende eigene Handschrift in einem schon sehr alten Genre erarbeitet hat und andererseits immer wieder aus seiner eigenen Formsprache ausbricht und mit erfrischend neuen Ideen den Staub aufwirbelt.

© Konstantin Voronov

© Konstantin Voronov

© Konstantin Voronov

© Konstantin Voronov

© Konstantin Voronov

© Konstantin Voronov

© Konstantin Voronov

© Konstantin Voronov

© Konstantin Voronov

© Konstantin Voronov

© Konstantin Voronov

© Konstantin Voronov

© Konstantin Voronov

© Konstantin Voronov© Konstantin Voronov

Wenn Euch diese Arbeiten des Russen gefallen, seien Euch seine Webseite sowie seine Portfolios bei deviantART, 500px und Flickr ans Herz gelegt, in denen er seine Arbeiten mit Schwerpunkt auf unterschiedlichen Genres zeigt.


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Eine tiefere Aufmerksamkeit

05 Apr

Manche Fotos treffen mich unmittelbar und erzeugen innerhalb von Sekundenbruchteilen ein intensives Gefühl. Und dann gibt es Fotos, die auch direkt wirken, mich jedoch mehr beanspruchen. Ich meine damit Bilder des kanadischen Fotografen, der unter dem Namen new legs auf Flickr sein Unwesen treibt.

Für seine Aufnahmen muss – und will – ich mir Zeit nehmen. Zeit, sie wirken zu lassen, Assoziationen zu entwickeln und mich in sie hineinzuvertiefen.

Da finde es ich es doch direkt interessant, dass der Künstler selbst sagt, „die Fotografie macht mich viel aufmerksamer und offener für den Reichtum, der stets um mich herum ist“.

Ob er nun auf einer tropischen Insel, einer majestätischen Gebirgskette oder in einer Großstadt sei, das Praktizieren der Fotografie bedeute für ihn das Einüben, für seine Umgebung eine tiefere Aufmerksamkeit zu entwickeln.

© New Legs

© New Legs

© New Legs

© New Legs

© New Legs

© New Legs

© New Legs

© New Legs

© New Legs

© New Legs

© New Legs

© New Legs

Diese Form der Aufmerksamkeit führt bei new legs dazu, dass seinen Worten nach „dieses Ding, das wir Leben nennen, zur echten Kunst wird“.


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Eine zweite Sprache

20 Mar

Ein Beitrag von: Korinne Bisig

Es fühlt sich an, als würde ich schon mein ganzes Leben lang Fotos machen. Ich wachse in einer Fotografenfamilie auf und da gab es schon immer tolle Kameras, mit denen ich spielen konnte. Ich erinnere mich, dass ich auch schon immer begeistert von dem Möglichkeiten war, die einem Photoshop gibt. Die ganze Idee der Fotografie fesselt mich sehr.

Nun, mit 15 Jahren, ist sie eine Art zweite Sprache für mich geworden. Ich verbringe so viel Zeit damit, mich in meiner Fantasie zu verlieren, mir Geschichten auszudenken. Und mit der Fotografie kann ich diese Ideen aus meinem Kopf in die reale Welt holen.

© Korinne Bisig

© Korinne Bisig

© Korinne Bisig

© Korinne Bisig

© Korinne Bisig

© Korinne Bisig

© Korinne Bisig

© Korinne Bisig

© Korinne Bisig

Ich finde Inspiration in so vielen kleinen Dingen. Ich betrete einen Raum und stelle mir vor, was für Szenen dort stattgefunden haben könnten. Ich höre ein Lied und es werden Bilder in mir ausgelöst. Ich höre auch gern Geschichten von anderen Menschen und versuche diese nachzustellen.

Das ist genau das, was ich den Rest meines Lebens machen möchte. Nichts hat sich jemals natürlicher angefühl, als die Kamera in meinen Händen.


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Oscar Levcovich: Eine Frage des Instinktes

16 Mar

Ein Beitrag von: Oscar Levcovich

Als ich vor 55 Jahren in Argentinien auf die Welt kam, waren importierte Waren (Kameras mit eingeschlossen) sehr, sehr teuer und für mich nicht zu haben. Jedoch hatte ich in meinen frühen Lebensjahren nicht das Bedürfnis, mich selbst außersprachlich auszudrücken und somit gab es auch kein Problem. Die Fotografie war nichts, was mich interessierte.

Doch das sollte sich ändern.

Ich erinnere mich daran, wie ich als Teenager ein Foto-Magazin mit einigen Aktbildern darin kaufte. Zu meiner Überraschung sah ich ein Bild, das ich niemals vergessen werde: Zu sehen war ein alter Mann, der ein Kind umarmte. Der Ausdruck ihrer Gesichter war jedoch so schwierig zu deuten, dass ich unmöglich erkennen konnte, ob sie lachten oder weinten.

© Oscar Levcovich

Immer wieder schlug ich das Magazin auf, um nachzusehen, ob ich ein entscheidendes Detail übersehen hatte. Ein Detail, das mir endlich offenbaren würde, was zwischen den beiden geschehen war. (Die Antwort stand übrigens auf der Rückseite des Magazins.)

Nach diesem Ereignis geschah 40 Jahre lang nichts von fotografischer Bedeutung.

Als die digitale Fotografie zunehmend an Popularität gewann, wurde ich neugierig. Monate später entdeckte ich Doisneau und Cartier-Bresson. Jedoch waren es die humorvollen Arbeiten von Elliot Erwitt und Martin Parr, die mich völlig in den Bann zogen.

Inspiriert von den beiden begann ich, auf den Straßen zu fotografieren.

© Oscar Levcovich

Heute vergleiche ich Straßenfotografen mit Leuten, die mit einem Metall-Detektor in die Felder ziehen. Manchmal finden sie etwas, aber meistens gehen sie mit gar nichts nach Hause.

Weil ich noch nicht lange genug fotografiere, bin ich nicht in der Position, um mit schlauen Ratschlägen um die Ecke zu kommen. Jedoch möchte ich den Lesern, die viele Fragen und Zweifel haben, empfehlen, ein Dokument von den Meistern selbst – den Magnum-Fotografen – herunterzuladen.

Diese schrieben einen langen Artikel mit dem Titel „Wear good shoes: advice to young photographers“. Ältere Fotografen sollten das übrigens auch lesen.

© Oscar Levcovich

Dazu noch ein Buch-Tipp: „Magnum Landscapes“*. Ich nehme an, dass ich nicht länger verbergen kann, dass die Fotoagentur Magnum für mich das Größte auf der Welt ist.

Lange Zeit dachte ich, dass dies das einzige Buch wäre, das ich jemals brauchen würde. Natürlich habe ich meine Meinung inzwischen geändert, jedoch ist das Buch wirklich großartig.

Warum? Weil es die Landschaftsfotografie mit Elementen der Straßenfotografie und die Straßenfotografie mit Elementen der Landschaftsfotografie verbindet. Es ist außerdem sehr günstig zu haben und somit einen Versuch wert.

Ganz ehrlich: Bisher hat mir die Fotografie viele frustrierende Momente beschert, jedoch habe ich sehr viele nette Menschen (und exzellente Fotografen) kennengelernt, von denen schon einige in diesem Magazin hier vorgestellt wurden.

© Oscar Levcovich

Derzeit nehme ich Foto-Unterricht mit jungen Fotografen, die Fotojournalismus an der „Danish School of Media and Journalism“ studieren – einer der besten ihrer Art auf der Welt.

Letzten Dezember gingen wir als Teil des Unterrichts auf die Straße und unser Professor machte ein Bild von drei jungen Männern, die wir als „Störenfriede“ einstuften. Wir liefen weiter, aber zwei von ihnen kamen direkt zu mir und meinten, ich hätte das Foto gemacht. Falls ich das Bild nicht sofort löschen würde, sei mir eine gebrochene Nase sicher.

© Oscar Levcovich

Ich blieb ruhig und zeigte ihnen auf dem Kameradisplay, dass das Bild nirgendwo zu finden sei. Irgendwann sagte einer von beiden: „Gehen wir!“ So blieb ich unversehrt. Hundert Meter weiter machte unser „Lehrer“ ein weiteres Bild von einem Mann, der uns wütend anschrie, dass er die Polizei rufen würde, wenn das Foto nicht gelöscht würde.

Ich war sehr erfreut über die Möglichkeit, denn es hätte großartig werden können.

© Oscar Levcovich

Die Polizei hätte ein für alle Mal in meiner Stadt klären können, was in der Straßenfotografie legal ist und was nicht – ich bezweifle jedoch, dass die dänische Polizei Zeit für solche „Verbrechen“ hat. Letztendlich löschten wir das Foto.

Obwohl ich es bevorzuge, nicht in solche Diskussionen verwickelt zu werden, bin ich froh, dass ich diese unerfreulichen Episoden erlebt habe. Denn eigentlich haben sie mich sehr gestärkt.

Über Equipment zu sprechen ist nicht wirklich mein Ding. Wie möchtest Du fotografieren? Wie Cartier-Bresson eine Szene betreten, fotografieren und dann – ohne eine Spur zu hinterlassen – wieder gehen? Dann brauchst Du eine kleine, leise Kamera. Oder willst Du lieber mit offenen Karten spielen, so wie Bruce Gilden? Dann hast Du natürlich mehrere Möglichkeiten.

© Oscar Levcovich

Meine kleine Sony RX100* habe ich immer bei mir. Ich hatte eine kleine Affäre mit der Fuji X100S*, jedoch nutzte ich sie selten, da sie langsam, inkonsistent und sprunghaft beim Fokussieren war.

Außerdem haben die Leute immer darauf geschaut, um herauszufinden, was für eine Art Kamera das ist. Das ist nicht von Vorteil, da ich versuche, so unsichtbar wie möglich zu bleiben.

Da die Sache mit Fuji für mich nun vorbei ist, habe ich eine kleine Ricoh GR IV* gekauft, jedoch haben schlechtes Wetter und mein noch schlechterer Gesundheitszustand mich daran gehindert, sie einzusetzen. Ich weiß also noch nicht, ob die Ricoh ein kluger Kauf war oder nicht.

© Oscar Levcovich

Ich kann nicht immer gleich beurteilen, ob ein Bild ein Treffer ist oder nicht – was auch immer das bedeutet. Deshalb bringe ich meine Bilder zur Arbeit mit, zeige sie meinen Kollegen und anhand ihrer Reaktion bekomme ich einen guten Eindruck von der Qualtität der Bilder.

Jedoch: Letztendlich ist alles eine Frage des persönlichen Instinktes. Das Gute ist ja, dass die Fotografie nur ein Hobby ist und nichts passiert, wenn man eine „falsche“ Entscheidung trifft. Versprochen!

PS: Vielen Dank fürs Lesen! Ich wünsche Deutschland viel Glück bei der nächsten Weltmeisterschaft.

Dieser Artikel wurde von Martin Gommel aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

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Liebeserklärung an eine Tochter

25 Feb

Ein Beitrag von: Martina Fenske

Ich liebe meine Tochter. Und ich liebe die Fotografie. Folglich wurde die Kombination aus beidem zu einer Leidenschaft mit regelrechtem Suchtpotenzial. Seit zwei Jahren arbeite ich, angeregt durch Martina Mettners Buch „Mutterblicke“*, an einem Projekt mit meiner Tochter. Ein Projekt, das mich schon manches gelehrt hat.

Seit jeher begeistern mich Portraitfotos, vor allem ältere, recht nahe Schwarzweiß-Aufnahmen. Mit Vorliebe studiere ich die Ausdrücke eines Gesichtes und das Licht, das die Züge betont. Es ist in gewisser Weise auch meine Art zu fotografieren geworden. Wo immer ich mich auf der Suche nach Motiven befinde, ziehen mich Gesichter magisch an. Somit liegt es auf der Hand, dass ich vor allem meine Tochter portraitiere.

Emotionen © Martina Fenske

Irgendwie ist es fast schon seltsam, aber ich ertappe mich oft dabei, dass es Ganzkörperaufnahmen eher selten in die engere Auswahl schaffen. Immer wieder sind es ähnliche Ausschnitte, die meine Aufmerksamkeit fesseln.

Dabei gebe ich bewusst weniger internes Familienleben preis, wie Sally Mann es beispielsweise zeigt. Meine Fotos sind selten Momente aus dem Alltag, sondern meist eher geplante Aufnahmen.

Gern arbeite ich mit Zöpfen, die an vergangene Zeiten erinnern, da dies zu beabsichtigten Assoziationen führt. Die Wahl der Location kann sehr unterschiedlich ausfallen.

© Martina Fenske

Bei sehr kaltem und unschönem Wetter gibt es gelegentliche Shootings im Studio, wobei ich dies nur als letzte Option wähle, da es die Bewegungsfreiheit meiner Tochter und meine spontane Kreativität einengt.

Mittlerweile arbeite ich am liebsten mit einer Lichtqualität, wie ich sie bei bedecktem Himmel hinter großen Fensterscheiben oder am Waldrand bzw. im Wald habe. Mir gefallen klare Konturen und schöne Schattenverläufe, was bei zu diffusem Licht so nicht möglich wäre.

Ich habe keine Hemmungen, mit ISO 1600 oder mehr zu arbeiten, gibt es doch den Fotos die altertümliche Anmutung, die sie haben sollen.

© Martina Fenske© Martina Fenske

Wie schon erwähnt, habe ich eine echte Schwäche für Schwarzweiß-Fotos, weshalb die meisten Aufnahmen auch so gehalten sind, da hierbei der Blick auf das Wesentliche fällt – die Art, wie das Licht das Gesicht umspielt.

Vor Ort greife ich nur gelegentlich ein, lasse meine Tochter spielen und einfach Kind sein. Manchmal drängt sie mich regelrecht zu neuen Versuchen und erstaunt mich mit einer perfekten Umsetzung. Ein andermal kippt die Motivation plötzlich in bodenlose Unlust mit allen dazugehörenden Emotionen, die eine mittlerweile 5-Jährige nur zu bieten hat. Auch das gehört dazu.

Motivation

Noch hat das Projekt keinen Namen. Doch mit jedem Blick durch den Sucher entdecke ich Neues an meiner Tochter, blicke ich tiefer in meine eigene Seele und komme der Wahrheit über mich und meine fotografische Motivation ein Stück näher.

Anfangs war ich hauptsächlich davon angetrieben, schöne Portraits fürs Familienalbum anzufertigen. Natürlich immer fröhlich lächelnd. ?Nicht, dass dies zu schlechten Ergebnissen geführt hätte, aber es war zu wenig von meiner Tochter und auch von mir – schließlich sind unsere Gene ziemlich ähnlich – darin zu sehen.

© Martina Fenske© Martina Fenske

Also fing ich an, sie nachdenklich, traurig, frech, trotzig zu fotografieren. Und nicht immer gleich das Handtuch zu werfen, wenn unerwünschte, echte Emotionen sichtbar werden.

Mittlerweile löst nicht mehr jedes Bild die großmütterlichen Begeisterungsstürme aus wie zu Beginn, aber so ist es eben mit der Wahrheit: Sie gefällt nicht jedem. Ich bin der Wahrheit über mich selbst dadurch näher gekommen. Erkenne immer mehr, dass ein Teil von mir eher tiefgründig, sensibel, introvertiert, ja fast schon melancholisch ist.

© Martina Fenske

Meine Tochter zeigt mir viel von mir selbst, ob es mir gefällt oder nicht. In den Fotos kann ich dem eine Gestalt geben, was ich zu sehen beginne und kann lernen, auch Vorteile in Charakterzügen zu sehen, die in unserer westlichen Gesellschaft nicht gerade en vogue sind.

Durch das Fotografieren – oder doch durch meine Tochter? – bin ich weiter gekommen. Davon profitiere ich als Persönlichkeit und als Fotografin bei meinen Auftragsarbeiten. Mich selbst zu kennen ist unerlässlich, will ich den Fotos einen unverwechselbaren Anstrich verleihen.

© Martina Fenske

Ich denke, ich bin auf einem guten Weg, mich mit meinem Hang zur Melancholie, meiner Introversion – die mir bei größeren Aufträgen oft im Weg steht – auszusöhnen und diesen Wesenszügen sanften Ausdruck zu geben. Wohin das Projekt sonst noch führen wird? Ich bin gespannt. Denn manchmal überkommt mich die Sehnsucht, andere an meinen Fotos, Empfindungen und Ansichten teilhaben zu lassen.

Ansichten, die alles andere als objektiv sind – die Blicke einer Mutter eben.

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Schrei nach Veränderung. Eine Wegbeschreibung.

30 Dec

Es ist Weihnachten 2005. Meine Freundin drückt mir ihre Digitalkamera in die Hand und bittet mich, ihre Familie zu fotografieren. Ab jetzt wird sich mein Leben von Grund auf verändern.

Die nächsten fünf Jahre lerne ich zu fotografieren. Ich möchte Landschaftsfotograf werden. Und die Bilder von David Nightingale und Kathleen Connally inspirieren mich dazu.

Meine Bilder werden stetig populärer. Auf Flickr und in meinem Fotoblog flattern die Kommentare nur noch so herein und 50 Favoriten pro Bild sind die unterste Grenze.

Ein Bekannter meint: „Dein Selbstbewusstsein muss ja von Tag zu Tag wachsen.“

Ich liebe das. Diese Dramatik. Der nicht abreißende Strom lobender Hymnen auf „meine“ Landschaften. Menschen schreiben mir, dass sie heute an mich gedacht haben, weil der Himmel so blau war wie auf meinen Fotos.

Doch ab 2009 werde ich dem überdrüssig. Ich hinterfrage das, was ich tue und merke, dass ich eigentlich gar keine Lust mehr auf Landschaftsfotografie habe. Und dass die Kommentare für mich nicht mehr das sind, was sie einst waren.

Die Situation schreit nach Veränderung.

2010 traue ich mich und beginne, mich ganz der Straßenfotografie zu widmen. Das fühlt sich richtig an. So angenehm alltäglich. Unaufgeregt. Doch ich hänge immer noch am Lob der anderen und reagiere verletzt, wenn mich jemand kritisiert.

Ich denke immer wieder über die Frage der Persönlichkeitsrechte nach, lese viele Artikel dazu und hole mir Rat von anderen Straßenfotografen. Obwohl es unpopulär ist, entscheide ich mich dafür, zu fotografieren. Menschen mit Gesichtern.

Ich möchte außerdem weg von all dem Aufgeregten. Ich habe mich satt gesehen an Bildern, bei denen alles stimmt und es sich gerade deshalb so anfühlt, als ob überhaupt gar nichts stimmt.

Und 2013 stelle ich fest, dass ich immer noch an den Sternen und Kommentaren der Leute hänge. Werden meine Bilder gemocht, geht es mir gut, wenn nicht, bekomme ich schlechte Laune.

© Martin Gommel

Irgendetwas mache ich falsch. Es kann doch nicht sein, dass ich mich bis zum Ende meines Lebens von den Vorlieben anderer Menschen derart kontrollieren lasse.

Dazu fühlt sich alles an wie festgefahren. Mir fehlen die Ideen. Die Wertschätzung der Fotografie.

Stopp. Halt. Momentchen, Martin. Mach Dich nicht verrückt. Wer sagt denn, dass Du bis in alle Ewigkeiten so weitermachen musst?

Also nehme ich mir eine Auszeit und veröffentliche drei Monate lang kein einziges Foto. Dem Hunger nach Liebe durch Bestätigung wird jetzt erst einmal ein Ende gesetzt.

Dabei bin ich noch genauso oft draußen. Und suche in der Stadt nach Motiven. Bearbeite Bilder, speichere sie ab und… lasse sie auf der Festplatte schlummern.

Entschleunigt. Ent-emotionalisiert. Entspannt.

Durch diese Arbeitsweise bin nicht sofort der Kritik anderer Menschen ausgesetzt. „Das schärft den eigenen Blick ungemein“, meint eine weise Person und ich spüre, dass sich das für mich als Wahrheit herausstellt.

So fotografiere ich in aller Seelenruhe vor mich hin. Und merke von Tag zu Tag, dass sich in mir etwas öffnet, das ich bisher gar nicht kannte. Es ist unendlich und irgendwie tief.

Und auf einmal sehe ich Möglichkeiten, die ich zuvor noch nicht einmal im Ansatz bedacht hatte. Ich wechsle meine Kameras, probiere jetzt mehr aus und hänge nicht mehr so sehr daran, meinen Stil zu finden.

© Martin Gommel

Meine Bilder verändern sich. Und: Ich verändere mich.

Und mir wird klar: Ob meine Bilder heute oder morgen gemocht werden, ist mir mittlerweile sehr, sehr unwichtig geworden.

Im Gegensatz dazu wird der Wunsch stärker, etwas Bleibendes zu schaffen.

Karlsruhe – meine Heimatstadt – zu dokumentieren und damit Menschen, die die Fotos in 30 Jahren sehen werden, das Gefühl zu geben: „Ah, früher sah Karlsruhe so aus. Siehst Du die Baustellen? Die Fußgängerzone? Die Pyramide? Schau mal hier, so haben sich die Menschen damals gekleidet.“

Ich möchte etwas tun, was über den jetzigen Moment hinaus geht. Darüber hinaus, ob Leute nun meine Fotos liken oder in der Luft zerreißen. Ob sie die Bilder loben oder sie grässlich langweilig finden.

Eine neue Vision

Es ist das Ende des unbewussten Tauschhandels: Ich poste ein geiles Bild und Ihr liket es dafür und schreibt mir, wie geil das Bild ist.

Nach den drei Monaten beginne ich erneut, Bilder zu posten.

Mein Kopf ist frei geworden. Frei vom Trubel des Internets. Frei von der Sehnsucht nach Dramatik und Anerkennung. Es ist etwas Neues entstanden. Eine neue Vision. Ein neuer Weg.

Jetzt ist Dezember und ein neues Jahr bricht an. Im Bauch kribbelt es, wenn ich daran denke, was ich noch alles entdecken kann.

Und wenn ich wieder bemerke, dass irgend etwas nicht stimmt, werde ich mich wieder zurückziehen. Vielleicht ist auch das meine Art, mit den Dingen umzugehen.


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Rügen – Eine Winterreise

08 Oct

Ein Beitrag von: Jana Mänz

Schon lange habe ich davon geträumt, einmal in meinem Leben einen einsamen Winter an der Ostsee zu verbringen. Ich stellte mir das sehr romantisch vor: Das Leben in einem alleinstehenden, reetgedeckten Häuschen direkt hinter den Dünen. Ein wärmendes Feuer knistert im Kamin und außer dem Heulen des eisigen Winterwindes und dem tosenden Brechen der Meereswellen ist kein Geräusch zu hören.

Letztes Jahr ließ ich meinen Traum Realität werden, als ich auf der Suche nach einer geeigneten Unterkunft auf Rügen fündig wurde. Neben dem Kamin, der rauen Wintersee und einer ruhigen Wohnung war sogar der heißbegehrte Internetanschluss zum Arbeiten vorhanden. Und so packte ich meine Fotoausrüstung, meinen Laptop und eine Menge dicker Winterkleidung und zog für zwei Monate auf die Insel Rügen.

Frost © Jana Mänz

Aus heutiger Sicht erfüllte sich nicht nur ein Traum, sondern alles war sogar noch viel besser, als ich es mir vorgestellt hatte. Schon Anfang Dezember machte der Winter seinem Namen alle Ehre und überzog die Insel mit einer wunderschönen, weißen Schneedecke. Der Bodden gefror und die Insel verfiel in einen Winterschlaf, der nur durch die Rufe der dort überwinternden Vögel unterbrochen wurde.

Und ich war mittendrin. Allein mit meiner Kamera bin ich stundenlang durch knietiefen Schnee gewandert, um die Eindrücke festzuhalten. Natur- und Landschaftsfotografie, vor allem im Winter, ist meine große Leidenschaft. Ich liebe den bleiernen Winterhimmel, das Türkis-Grau des Meeres und die tiefstehende Wintersonne, die mit ihren schräg einfallenden Sonnenstrahlen ein ganz besonderes Licht zaubert.

Hooded Crows © Jana Mänz

Bei meinen Aufnahmen habe ich versucht, nicht die typischen touristischen Ziele der Insel ins Visier zu nehmen, sondern mich abseits davon zu halten. Ich hatte für die fotografische Winterreise kein Konzept, sondern habe mich treiben lassen und die Natur so angenommen, wie ich sie vorfand.

Meine großen Vorbilder sind die Maler der Romantik wie Caspar David Friedrich oder William Turner. In der damaligen Zeit waren die zentralen Themen die Liebe und die Sehnsucht, verbunden mit Gefühlen und Individualität. Aber auch Unheimliches, Mysteriöses und Märchenhaftes wurde thematisiert. Ich hätte gerne in dieser Epoche gelebt und gearbeitet, bin aber heute glücklich darüber, dass ich mit Hilfe meiner Kamera Fotografien aus meiner Gefühlswelt erschaffen kann.

Dabei benutze ich ausschließlich mein 50mm-Objektiv und bearbeite die RAWs anschließend in Lightroom und Photoshop. Die Technik ist dabei Mittel zum Zweck, meine Ideen bildlich darzustellen. Viel wichtiger sind das Licht vor Ort und der Moment, den ich festhalten möchte.

Sonnenuntergang © Jana Mänz

Im Laufe der Wochen stellte sich heraus, dass die Vogelwelt auf Rügen ein ganz zentrales Element meiner Arbeit geworden war. Vögel stehen für mich für Freiheit, Leichtigkeit und gleichzeitig für Kontinuität und Ordnung.

Ich denke dabei an Zugvögel, zum Beispiel die Wildgänse, die im Herbst in einer Formation über uns hinweg fliegen und dann bei späterer Übernachtung wild durcheinander gewürfelt schlafen. Ich denke an die kreischenden Mauersegler im Sommer, die ihre Behausungen in gleichmäßiger Form und Anordnung bauen und gleichzeitig die Akrobaten der Lüfte sind, die wild in verschiedenen Höhen ihre Bahnen ziehen.

Freiheit, Kontinuität und Ordnung gepaart mit Leichtigkeit und Dynamik sind für mich kein Widerspruch, sondern ergänzen sich. Wenn man dies gezielt fotografisch umsetzt und dabei mit Unschärfen spielt, wird aus einem klassischen Vogelbild etwas Mystisches, Übersinnliches, das zum Träumen anregt.

Moewen © Jana Mänz

Rügen im Winter ist einmalig. Die Strände sind menschenleer und die Strandkörbe lagern in ihrem Winterquartier. Die Straßen in den Kurorten, die im Sommer laut und hektisch sind, sind verwaist. Die Türen und Fenster der Restaurants sind verschlossen. Es ist nur noch das Rauschen des Meeres zu hören, das Rufen der Wildgänse, die auf dem Bodden überwintern.

An den Adventswochenenden treffen sich die Rügener auf kleinen Adventsmärkten zu einem Glühwein. Die Kinder rösten im Feuer selbstgemachtes Stockbrot, während eine Weihnachtsgeschichte vorgelesen wird. Alles ist sehr beschaulich und ruhig.

Buchen © Jana Mänz

Ein ganz besonderes Highlight sind die leuchtenden Sanddornbüsche, deren Früchte gold-orange in der Wintersonne leuchten – vor allem im Kontrast zum weißen Schnee und dem grün-blauen Wintermeer. In der Umgebung von Kap Arkona leuchtet die ganze Steilküste und wirkt so wie ein verzauberter Ort.

Wenige Kilometer weiter südlich befinden sich die Buchenwälder des Nationalparks Jasmund. Im Winter wie magisch anmutend, wenn die kahlen, fast weiß-silbrig glänzenden Buchenstämme im Winterlicht erstrahlen und die rot-braunen Buchenblätter auf dem Boden einen starken Gegensatz dazu bilden.

unendlich © Jana Mänz

Überall auf der Insel finden sich im Winter solche kleinen, magischen Orte, die zum Fotografieren einladen. Und nicht nur das – Rügen ist eine Insel, auf der ich wunderbar Kraft tanken und mich inspirieren lassen konnte. Die ganze Rügenreise könnt Ihr in meinem gleichnamigen eBook 50mm Rügen – Eine fotografische Winterreise nachlesen bzw. weitere Fotos anschauen.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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