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Eine naive Reise nach Island

05 May

Ein Haus an der Küste Islands

Ein Beitrag von: Brenning Hughes

Fotografie und Island sind gleichermaßen wichtig für mich und untrennbar mit meinem Leben verbunden. Aber das war nicht immer so. Während unseres letzten Jahres an der High School entschieden ein Freund und ich uns dazu, nach Abschluss der Prüfungen etwas zu unternehmen. Zuerst alberten wir herum, planten, Raumfahrer zu werden, uns nach Nordkorea zu schleusen oder Blauwale zu reiten. Das Übliche eben. Schließlich schlug ich vor, Island zu besuchen.
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Eine Geschichte zum Thema Urheberrecht im Internet

29 Jan

Title ©- Martin Langer

Ein Beitrag von: Martin Langer

Bei routinemäßigen Suchen nach meinen eigenen Fotos im Internet stoße ich immer wieder auf Bilder, die nicht von mir lizensiert wurden, sondern (umgangssprachlich) „geklaut“. In den meisten Fällen handelt es sich um das gleiche Motiv: ein Foto, das ich in Rostock-Lichtenhagen 1992 bei den rassistischen Ausschreitungen gegen ein Wohnheim für Ayslbewerber gemacht habe.

Dieses Foto wurde in den Medien als weltweit bekannt beschrieben und es wurde wegen seiner besonderen Symbolkraft immer wieder für Veröffentlichungen eingekauft. Mich kontaktieren seit 20 Jahren viele fremde Menschen und bitten darum, das Bild für ihre Initiative, für eine Demo gegen Rechts und ähnliche Veranstaltungen und Zwecke benutzen zu dürfen. Ich lasse mir diese Anliegen in der Regel schriftlich geben und gebe das Bild dann für die skizzierte Nutzung frei; häufig kostenlos, manchmal gegen geringe Schutzgebühren.

Nicht einverstanden bin ich als der Fotograf allerdings damit, wenn mein Bild ungefragt irgendwo auftaucht und verbreitet wird. Dann entgeht mir das Honorar und (was mir bei diesem Motiv besonders wichtig ist) die Kontrolle über den inhaltlichen Zusammenhang. Denn – und diese Haltung will ich mir leisten – ich verkaufe meine Bilder nicht an jeden.

Nun zur Gegenwart: Vor einigen Wochen entdeckte ich über die Suchmaschine wieder einmal einige nicht lizensierte Internet-Veröffentlichungen von diesem Bild. Früher habe ich dann oft persönlich nachgefragt, ich habe E-Mails geschrieben und/oder angerufen und nach dem Hintergrund gefragt, warum mein Bild einfach ohne Rücksprache verwendet wurde. Das war auf die Dauer aber so nicht mehr machbar, weder zeitlich noch nervlich. Die „Entschuldigungen“ bzw. Erklärungen für den Bilderklau könnten ein ganzes Buch füllen, ich habe sehr viel Zeit investiert und meine Einnahmen als Fotograf blieben aus. Deshalb gebe ich diese Urheberrechts-Verletzungen inzwischen an einen Rechtsbeistand weiter. So, wie man das gelegentlich auch bei anderen rechtlichen Streitigkeiten tut.

Soweit, so gut. Bis dann am 21. Januar 2015 der große Shitstorm über mich herein brach: Ein prominenter Fernsehmoderator namens Jan Böhmermann löste eine massive Wutwelle gegen mich aus. Er hatte mein Foto über den Kanal Twitter verbreitet und dafür von meinem Rechtsanwalt eine Abmahnung bekommen, da die Nutzung weder abgesprochen noch lizensiert war. Abmahnungen sieht der Gesetzgeber als niederschwellige Lösungsmöglichkeit vor, um gerichtliche Klagen auszusparen. Zu dieser Abmahnung gehört eine Unterlassungserklärung, das Bild muss also von der Person wieder gelöscht werden. Außerdem wird das Nutzungshonorar verlangt sowie die Übernahme der Kosten für meinen Rechtsbeistand.

Was dieses Nutzungshonorar beim Ertappten auslöste, das kann ich nicht beurteilen. Aber die Person hat sich offenbar so darüber geärgert, beim Bilderklau ertappt worden zu sein, dass sie mich nun öffentlich dafür anprangert und zwar auf verschiedenen Social-Media-Kanälen. Dabei habe ich mich nur an geltende Gesetze gehalten und wollte nicht, dass meine Bilder einfach überall verwendet werden. Da er den entsprechenden Betrag bezahlt hat, bekomme ich etwa 200 Euro – das ist lediglich das Honorar, das mir laut MFM-Liste zusteht und was auch bei jedem deutschen Richter so akzeptiert wird.

Eine Veröffentlichung ist eine Veröffentlichung, daran hat das Internet und auch Social Media nichts verändert. Der Fernsehmoderator hat 150.000 Follower auf Twitter und benutzt seinen Kanal für Werbezwecke für seine Auftritte, man kann dort eindeutig auch nicht mehr von einer privaten Nutzung sprechen. Und natürlich verlange ich eine Bezahlung dafür, denn ich habe 1992 in fünf sehr langen Tagen und Nächten meinen Kopf hingehalten für eine Fotostrecke, die eigentlich aus insgesamt 25 Bildern besteht. In Rostock tobte ein Mob, Steine flogen, scharfe Schüsse fielen. Ich war von Anfang an für den Spiegel dort, weil der einen anonymen Hinweis bekommen und ich vorher schon vieles zum Thema Rechtsextremismus fotografiert hatte.

Nun steht mein Name dort in der Öffentlichkeit am Pranger; ich habe nichts falsch gemacht, bin aber der Arsch. Auf Twitter, auf Facebook, im halben Internet bin ich die „Kapitalistendrecksau“. Meine Adresse wurde veröffentlicht mit Aufrufen zur Gewalt („Hier, wer ihn mal besuchen will, hier ist seine Adresse …“), ich bekomme nächtliche Anrufe („Wollen Sie sich von PEGIDA distanzieren?“) und E-Mails von wildfremden Personen („natürlich ist das, was Sie machen, totaler Unsinn und meiner Meinung nach geldgieriger Mist“). Selbst meine 14-jährige Tochter wird von Mitschülern in der Schule inzwischen blöde angelabert. Radiosendungen und andere Medien tragen Falschmeldungen immer weiter, immer in Verbindung mit meinem Namen. Noch einmal: Ich lasse keine Re-Tweets, Shares und keine Verlinkungen abmahnen.

Der Sidekick des Fernsehmoderators, der Sänger Olli Schulz, sagte in einer gemeinsamen Radiosendung auf RBB sinngemäß: Der Fotograf hat sicher nur dieses eine gute Foto gemacht und schlachtet das jetzt aus.

Ich empfinde den ganzen Vorgang inzwischen als schäbig, kränkend und respektlos gegenüber mir als Fotograf und als Mensch, der sich jetzt in einer solchen Situation wiederfindet, ohne etwas verbrochen zu haben. Man muss kein Medienexperte sein, um das selbst nachvollziehen zu können.

Zuletzt bleiben für mich nur noch offene Fragen: Woher kommt dieser Hass gegen mich? Wieso sagt oder tut das ZDF nichts gegen seinen Mitarbeiter? Wer hat hier eigentlich einen Grund, sich aufzuregen? Die Internetnutzer, der Fernsehmoderator Herr Böhmermann, der ungefragt mein Bild verwendet und mich anschließend an den Pranger stellt oder ich, dessen Rechte im Laufe der Zeit nicht nur dieses eine Mal verletzt wurden?


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Zhang Jifeng – Unsere Welt ist eine Utopie

29 Dec

Zhang Jifeng

Ein Beitrag von: Zhang Jifeng

Ich komme aus China und wuchs in Chengdu, Sichuan, einem Ort auf, der von Bergen umgeben ist und nur selten sonnige Tage hat. Das Klima hier hat Auswirkungen auf meine Arbeit.

Durch das Rote Becken gibt es immer zu viel Dunst und Nebel und viele Regentage, weswegen ich die meisten Tagen meiner Kindheit zu Hause verbringen durfte. Durch das Erleben der großen Einsamkeit des Seins und allein zu Hause, war mir oft langweilig und ich verbrachte meine Zeit mit dem Lesen und Schauen von Science-Fiktion-Geschichten. Man könnte sagen, meine Arbeit wird von ihnen oder von meinen Träumen inspiriert, aber meistens ist es eine Flucht aus einer geschlossenen Struktur in diesem Zustand des Seins.

Unsere Welt ist eine Utopie. Menschen sind instinktiv liebevoll. Wir bewegen uns auf unserer wahre Natur zu, während die Gegenseite uns bannt, damit wir die Magie leugnen. Wir sind in einer Zeit der menschlichen Existenz, in der wir die Aufgeklärtesten und doch geblendet sind. Durch meine Bilder flüchte ich vor der Dunkelheit und der Krankheit der Welt. Ich bringe Licht auf die wahre Schönheit dieser Realität. Das ist, wo meine Seele und meine Inspiration ist.

Der Prozess der eigentlichen Erstellung der Bilder ist eine sehr organische und natürliche Sache für mich. Ich würde es mit der Erfahrung vergleichen, abstrakte Kunst zu formen, wobei Du nicht weißt, was das endgültige Resultat Deiner Arbeit ist, wenn Du beginnst, es sich aber langsam offenbart. Es gibt wirklich keine Muster oder Konzepte für die Bilder, sie fließen einfach aus meinem Kopf. Oft experimentiere ich ohne ein Ergebnis. Ich bin angenehm überrascht und in der Regel schätze ich das Endergebnis um so mehr, genau deswegen.

Rosa Himmel über einer Großstadt.

Eine Frau im Lichterregen.

Seltsame Streifen im Wald?

Wieder schwarzweiss und ein Kreis.

© Zhang Jifeng

Ein schöner alter Baum in gelbgrün.

Ein güldener Wald und ein Schatten.

Eine Galaxy in einem Kopf.

Eine Schneelandschaft und grauer Himmel.

Ein Mann und ein rosa Strahl bricht aus ihm heraus.

Eine kunterbunte Welt.

Ein Mann im güldenen Licht und Bäume.

Jemand steht auf einem Hügel und hält die Arme hoch.

Eine See, ein Berg, ein Land und es ist grün.

güldenes Licht und wieder ein Mann.

Teilweise erkannte ich, dass der Weg, Kunst zu machen, genauso wichtig ist wie die Arbeit selbst. Ich mag es, zu träumen und hoffe, meinen Zuschauern zu offenbaren, was ich sehe. Ich mag die Idee, dass meine Fotografien Poesie sind, auf eine Art, die kein Statement sind, sondern eine Zusammenfassung der Gefühle, die irgendwie einen Sinn ergeben, der nur gefühlt, nicht gesprochen werden kann.

Diese Fotos werden Dir sagen, was ich nicht in Worte fassen kann. Ich wurde immer von Themen der Magie, Träume, Romantik, Chaos, Entfremdung und vor allem der Wiederherstellung eines Gefühl der Identität angezogen. Ich möchte die Schönheit dieser Themen betonen und diejenigen erfassen, die ich sehen will, aber in der Realität sehen kann.

Dieser Artikel wurde von Marit Beer für Euch aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.


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Istanbul und der türkische Westen – eine Reise

10 Dec

Sonnenuntergang vor Moscheesilhouette

Ein Beitrag von: Marvin Fuchs

14 Millionen Menschen, eine Million Katzen. Eine Stadt, zwei Kontinente. Istanbul ist unglaublich groß, schnell, laut und voll, kann aber gleichermaßen gemütlich, wandelbar, magisch und wunderschön sein.

Es kommt ganz darauf an, wo und mit wem man die Stadt kennenlernt und seinen türkischen Schwarztee trinkt. Zwei Bootsfahrten über einige Stunden reichten mir kaum, um die Dimensionen dieser Stadt zu erfassen. Istanbul ist eine Stadt, die größer ist, als das Auge reicht und weiter, als die Gesänge der Muezzine, die von den Minaretten schallen.

Blick über den Bosporus auf  die Silhouetten der Moscheen Istanbuls

In keiner anderen Stadt habe ich bisher so deutlich gezeigt bekommen, wo ich bin und wie das Leben dort läuft. Während der Gebetszeiten wird die Stadt eingehüllt in die Gesänge, die gleichzeitig aus hunderten Moscheen erklingen. Das ist beeindruckend und ebenso überwältigend. Es hat etwas Unumstößliches, etwas Mächtiges. Der erste Ruf ertönt morgens um 4 Uhr.

Betende in einer Moschee

Istanbul ist eine Stadt, die einen nicht mit offenen Armen empfängt – ihre Bürger hingegen schon. Gastfreundschaft wird in der Türkei groß geschrieben, alle sind über alle Maßen freundlich.

Kommunikative Schwierigkeiten kann man allerdings schon bekommen, wenn man des Türkischen nicht mächtig ist. Mit Händen und Füßen gelang es mir, ein Eis oder Wasser zu bestellen, alles andere erledigte unsere Freundin, die wir dort besuchten. Ihr gilt großer Dank dafür.

Zwei Hände berühren sich.

Seekrank sollte man in Istanbul nicht sein, denn Fährlinien über den Bosporus bilden einen wichtigen Teil des öffentlichen Verkehrs der Stadt. Mit ihnen gelangt man schnell an das jeweils andere Ufer, ans Schwarze Meer oder auch zu den wunderschönen Prinzeninseln.

Auf letzteren sind lediglich Kutschen und Fahrräder als Fortbewegungsmittel zugelassen, Autos gibt es dort nicht. Zugegebenermaßen sind die Inseln mittlerweile recht touristisch.

Ein Boot auf dem Meer.

Doch hat man erst einmal ein Rad ausgeliehen und entfernt sich vom Fährhafen, wo es nach gerösteten Esskastanien und Fisch riecht, erreicht man schnell ruhigere Gefilde.

Ein, zwei Mal schwitzt man sich Anhöhen hinauf und schon ist man fernab vom Trubel der Menschen. Auf den hohen Straßen rund um die Insel hat man einen wunderbaren Blick auf das Meer. Gelegentlich springt sogar ein Delfin aus dem Wasser und das macht jede Anstrengung wieder gut.

Blick von einer Insel aufs Meer

Autos hat man in Istanbul in der Tat sehr schnell satt. Der Verkehr ist ein Riesenchaos. Wer denkt, er sei ein hartgesottener, deutscher Autofahrer, wird in Istanbul müde belächelt. Wir wurden im Auto von wilden Hunden verfolgt. In den Bus steigt man ein und aus, wie es gerade passt. Die Hupe hat auf der Straße Warnfunktion; alle hupen immer.

Fünfspurige Straßen werden auch gern mal siebenspurig genutzt. Gurte in Taxen gelten als überflüssige Deko und das Mindestalter der zweirädrig motorisierten Jugend liegt bei schätzungsweise 11¾ Jahren.

Eine Menschenmenge vor Moscheen

Wem das alles zu viel wird und wer sich wie wir direkt nach der Ankunft mit all seinem Gepäck tapfer durch den eben beschriebenen Wahnsinn gekämpft hat, dem verspricht ein besonderes Café Entspannung. Auf der asiatischen Seite der Stadt in Höhe des Prinzessinenturms kann man direkt am Wasser in aller Ruhe bei einem Heißgetränk den Sonnenuntergang genießen.

Es ist ein stiller, geradezu romantischer Ort, an dem die Stadt zur Ruhe zu kommen scheint. Dort gelang es mir, exakt das Foto machen, das ich mir zuvor vorgestellt hatte: Schönste Abenddämmerung, ein tieforangefarbener Himmel, Moschee-Silhouetten und fliegende Möwen. Zugegebenermaßen vielleicht etwas kitschig, aber traumhaft.

Sonnenuntergang vor Moscheesilhouette

Auf Reisen findet sich in meiner Fototasche übrigens nicht sehr viel. Die meisten Bilder fotografiere ich mit meinem einfachsten Objektiv und treuen Reise-Allrounder, einem Sigma 18 – 200 mm f/3.5 an meiner Nikon D7000.

Portraits und lichtschwache Situationen nehme ich mit meinem „Immerdrauf“ auf, einem Nikon 35 mm f/1.8, das sehr leicht ist. Blitze bleiben zuhause. Neben der D7000 kommt immer auch meine Fuji Instax Mini mit, über deren Polaroids im Visitenkartenformat ich mich jedes Mal freue wie ein kleines Kind.

Reges Treiben in einem Markt.

Den Rhythmus Istanbuls muss man erleben. Die Basare und Einkaufsstraßen sind ein Erlebnis für alle Sinne. Alles ist bunt und viel. Und doch scheint abends auch der letzte Imbiss leer gekauft zu sein. Sattwerden ist in Istanbul nur ein netter Nebeneffekt des Essens. Das kulinarische Angebot überforderte mich, aber ich war begeistert.

Nach vier Tagen in Istanbul hatten wir das große Glück, auch noch einige Zeit bei der Verwandtschaft unserer Freundin in der Nähe von Çanakkale verbringen zu können.

Kaputtes Tier in Schüsseln

Es war gerade Bayram, die Zeit des Opferfestes und wir erlebten, wie in allen Dörfern gefeiert wurde. Allein, jemandem ein freundliches Hallo entegegenzubringen und ein fröhliches Fest zu wünschen, bringt einem Unmengen an kleinen, leckeren Dingen als Gastgeschenke ein.

Dabei spielt es keine Rolle, ob man sich kennt oder nicht. Wer Glückwünsche zum Fest ausspricht, ist ein Freund und wird beschenkt und das nicht zu knapp. Bedingungslose Freundlichkeit und Freude über unbekannten Besuch – wenn ich etwas von dort mit zurück nach Hause nehmen wollte, dann das.

Frau auf einer Fähre.

Und immer, wenn ich mir die Bilder dieser Reise anschaue, stelle ich fest, dass es nichts Besseres gibt, als sich von ortskundigen Menschen ihre Heimat zeigen zu lassen. Te?ekkürler für diese großartige Erfahrung!


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Wie Kinder auf eine Filmkamera reagieren

14 Nov

Ein Klick und wir machen ein Foto, das innerhalb von Sekunden auf Instagram oder ähnlichen Plattformen geteilt werden kann. Nie war fotografieren einfacher. Selbst Kinder besitzen heute Smartphones, mit denen sie sich selbst und ihre Freunde aufnehmen können.

Was aber wissen Kinder von älteren Techniken? Was denken sie über analoge Kameras und Filme, die erst im Labor entwickelt werden müssen? Der Youtube-Channel TheFineBros hat es herausgefunden und ist dabei mit der Kameratechnologie nicht einmal weit in die Vergangenheit zurück gegangen.

Die Kamera, die sie Kindern zum Ausprobieren gaben, ist in den 90ern aktuell gewesen. Viele von ihnen erkennen sie zum Glück noch als Kamera, aber das Wort Film löst dann schon einige Verwirrung aus. Doch seht selbst:

Was bedeutet das für uns? Keines der Kinder hat mehr Abzüge zu Hause, weder ein Bild an der Wand, noch ein Fotoalbum mit Babybildern, dem Schulanfang oder Geburtstagsfeiern. Geht das Handy verloren, sind auch alle Fotos darauf verloren.

Ganz so schlecht ist die alte Technik dann doch nicht, oder? Auch wenn fast jedes der Kinder nicht auf die heutige Technik verzichten möchte und das Warten auf ein Bild für urzeitlich erachtet.

Welche Gedanken kommen Euch beim Ansehen des Videos?


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Jane Eyre – Eine Interpretation

08 Oct

Ein Beitrag von: Lisa-Marie Kaspar

Heute morgen habe ich Euch hinter die Kulissen meiner Serienerstellung von „J. E.“ blicken lassen und gezeigt, wieviel Herzblut, Gedanken, Ideen und auch Hilfe von Freunden und Bekannten sich dahinter verbergen. Nun darf ich Euch meine komplette Serie mit einer kurzen Zusammenfassung der Ereignisse des Romans „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë hier vorstellen.

Jane Eyre, ein Waisenkind, wächst bei ihrer Tante auf, die sie stets spüren lässt, dass sie kein Teil der Familie ist. Janes leidenschaftlicher und direkter Charakter tragen zudem ihren Teil dazu bei, dass ihre Tante sie schließlich auf ein Internat schickt. Auch dort ist Jane eher eine Außenseiterin, ihre einzige Freundin Helen Burns stirbt an Tuberkulose.

Somit ist Jane wieder auf sich allein gestellt. Die Schuljahre vergehen und die junge Erwachsene Jane Eyre bleibt noch für einige Zeit als Lehrerin auf dem Internat, bis sie nach dem Weggang der Schulleiterin nichts mehr dort hält.

Sie gibt eine Annonce für eine Stelle als Gouvernante auf und findet wenig später auf dem Anwesen Thornfield Hall eine Anstellung. Der Hausherr Mr. Rochester erscheint Jane zunächst sonderbar und einige mysteriöse Ereignisse gehen vor sich.

Rechts sehen wir einen Baum und links steht ein Mädchen und schaut uns an.

Rechts schaut uns ein junges Mädchen an, jemand greift nach ihrem Haar.

Jemand im Nachthemd steht dort und wirkt leicht verwaschen.

Eine Frau steht im Dunkeln und schaut uns an.

Wir sehen die Rückenansicht eines Mädchens.

Eine Frau schaut uns an und blickt ein bisschen ernst.

Eine Frau liest ein Buch.

Eine Person in mehreren Aufnahmen laufen hintereinander her.

Nach einigem Hin und Her gesteht Mr. Rochester Jane seine Liebe und bittet sie, seine Frau zu werden. Jane wiligt überglücklich ein, doch eine Person aus der Vergangenheit von Mr. Rochester zerstört das Glück der beiden: Er ist bereits mit einer Kreolin verheiratet, die jedoch kurz nach der Heirat geisteskrank geworden ist und seither auf dem Dachboden von Thornfield Hall lebt.

Sie war auch diejenige, die für die nächtlichen Ereignisse verantwortlich ist. Mr. Rochester fleht Jane an, trotzdem mit ihm zu leben, doch Jane kann dies nicht mir ihren Grundsätzen vereinbaren und flieht heimlich von Thornfield Hall.

Nach einigen Tagen des Umherwanderns gelangt sie zu einem Haus und bricht dort auf der Türschwelle vor Erschöpfung zusammen. Die Bewohner des Hauses finden sie und beherbergen Jane für eine Weile bei sich, bis sie wieder zu Kräften kommt.

Es stellt sich heraus, dass es sich bei den Hausbesitzern um Janes Cousinen und ihren Cousin St. John Rivers handelt. Jane lebt zunächst einige Zeit auf deren Grundstück in einem eigenen kleinen Haus und arbeitet als Dorfschullehrerin.

Eine Frau in schwarzweiß schaut ins Nichts.

Eine Frau liest einem Mann etwas vor.

Wir sehen einen Mann und dirkt dahinter eine Frau.

Der Mann schaut uns an. Dahinter verbirgt sich eine Geisterfrau.

Ein unglückliches Hochzeitspaar.

Eine traurige Frau sitzt auf einem Stuhl und weint.

Eine Landschaft auf der einen Seite, sich berührende Hände auf der anderen Seite.

Eine Frau schaut zurück.

Eine Frau mit offenen Haar ist allein.

Eine kranke Frau wird von zwei anderen Frauen getragen.

Ein Mann und eine Frau beraten über eine kranke Frau.

Kurze Zeit später erbt Jane ein kleines Vermögen von einem im Ausland lebenden Onkel und teilt das Geld mit ihren wiedergefundenen Verwandten. Dies eröffnet St. John die Möglichkeit, als Missionar nach Indien zu gehen. Er bittet Jane, ihn zu begleiten und seine Frau zu werden.

Für Jane ist eine rein zweckmäßige Ehe ohne jegliche Gefühle unvorstellbar, doch setzt St. John sie so unter Druck, dass sie kurz davor ist, einzuwilligen. Ein Ruf im Wind, den Jane als Mr. Rochesters interpretiert, hält sie jedoch davon ab und sie spürt, dass sie dem Ruf nachgehen muss.

Zurück auf Thornfield Hall ist nichts mehr so wie es einmal war: Ein Brand hat das Anwesen zerstört. Jane erfährt, dass Mr. Rochester erblindet ist, als er versucht hat, seine Frau Bertha zu retten, die sich vom Dach des Hauses gestürzt hat. Sie findet ihn nahe des Anwesens, die beiden versöhnen sich und heiraten.

Eine Frau sitzt vor einer Staffelei.

Ein Mann steht hinter einer Frau und legt seine Hand auf ihre Schulter.

Ein Mann steht mit dem Rücken zur sitzenden Frau im Vordergrund.

Ein Mann erblindet.

Eine Frau steht hinter einem Mann welcher auf einem Stuhl sitzt.

Alles ist gut und Mann und Frau kommen zusammen.


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Grünes Land – eine Reise

04 Sep

Vorsicht! Ihr befindet Euch auf einem recht intimen Streifzug durch meine Gedankenwelt. Aber keine Sorge, pornoreske Ansichten, wie man sie bei Shades of Grey findet, sind hier völlig außen vor. Ich sehe schon, die ersten Leser habe ich verloren. Es geht ehrlich gesagt auch nur um Schottland.

Warum fahre ich drei Mal in dasselbe Land, fragte ich mich. Mir steht quasi die ganze Welt offen. Die Flüge in alle Himmelsrichtungen sind günstig. Alles rückt zusammen, alles ist möglich.

Ich kenne Schottland noch immer nicht, obwohl ich das dritte Mal dorthin reiste, obwohl ich zum wiederholten Male auf unbequemem Untergrund schlief, obwohl ich die Schafe auch dieses Mal nicht zählen konnte und ich doch weiß, dass es mehr sind als die Anzahl an Menschen, die ich traf.

Ein Fluss in der grünen Landschaft Schottlands.

Blick aufs Meer und im Vordergrund ein Vogel auf deinem Baum.

Aber dieses Schottland ist mir wohlgesonnen. Es ist groß, es ist weit und vor allem, wenn man zu Fuß unterwegs ist, nimmt diese Weite zu. Es ist vielfältig an Natur und für einen Großstädter wie mich eine Wohltat an Einsamkeit. Und das Beste: Es ist mit Bahn und Bus und ja, auch mit dem Flugzeug, gut zu erreichen.

Beim ersten Mal reiste ich mit meiner Polaroidkamera, ein System steckte dahinter. Denn ich wollte nur ein Bild am Tag machen. Den Eindruck eines Tages auf ein Bild bannen. Geglückt ist mir das nicht wirklich, denn es kommt immer anders als man denkt.

Beim zweiten Mal reiste ich mit meiner Holga und einigen abgelaufenen Rollfilmen. Auf den Bildern entdeckte ich ein anderes Schottland. Es war verwaschen und grau. Es war das Schottland hinter dem Grün. Ich mochte die Bilder sehr.

Dieses Mal nahm ich meine „normale“ Kamera mit, also die, die sowieso immer bei mir ist. Meine Canon A-1 und genügend Kleinbildfilme in allen Variationen. Das fühlte sich an wie immer und so nahm ich eine Gewohnheit mit in das Land, das ich immer noch nicht wirklich kenne.

Detailaufnahme vom Strand mit seltsamen Bewuchs.

Detailaufnahme vom Strand mit Linien im Sand und im Stein.

Ich möchte kein Plädoyer dafür halten, sich genau zu überlegen, wohin jemand reist und warum. Aber für mich ganz persönlich habe ich viele Antworten erhalten, auf Fragen, die ich nie ganz genau ausformulieren konnte.

Nämlich, warum reise ich, warum fotografiere ich und lerne ich über die Fotografie das bereiste Land und die Menschen kennen? Die Antwort ist ja und nein. Das Medium ist ein Schutz, es ist etwas, das ich vor mich halten kann und durch das ich mich fokussiere. Ich blende die Weite um mich herum aus. Ich schaffe Inhalt, wo ich vielleicht vorher Leere fühlte. Ich baue mir meine Welt zuammen wie ein Puzzle, Stück für Stück. Ich klebe die Details aneinander und betrachte sie hinterher, wenn ich wieder zuhause bin.

Denn das Reisen hört nicht auf, wenn ich in den Flieger steige. Es geht weiter, wenn ich die Filme entwickle und darüber schaue. Ich freue mich immer sehr auf dieses Prozedere, denn es ist, als würde ich noch einmal dort sein und es auf eine gänzlich andere Art und Weise bereisen und kennen lernen.

Ein Pferd auf einer Weide.

Eine tote Maus auf Asphalt.

Aber vielleicht fahre ich das vierte Mal ohne meine Kamera in das Land. Halte nicht fest, was nicht festzuhalten ist und stelle mich der Natur und den Dingen ohne das Schutzschild, das die Weite zusammenfasst.

Ich glaube, ich bin langsam soweit.


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Eine Million Postings

28 May

Ich möchte hier auf einen Artikel von Martin aus der letzten Woche antworten und einen anderen Aspekt an der Nutzung sozialer Netzwerke als Fotograf in den Fokus rücken: Das Rattenrennen darum, auf Facebook und Co. immer wieder Dinge veröffentlichen zu müssen, um wahrgenommen zu werden.

Zunächst aber zum Artikel „Eine Million Likes“ von Martin: Natürlich hat er vollkommen Recht, wenn er sagt, dass man als Fotograf, der im Netz aktiv ist, dringend davon loskommen muss, Bilder machen zu wollen, die vorwiegend anderen Leuten gefallen, Bilder, die möglichst viele Likes generieren. Ein Aspekt allerdings rückt in seiner Betrachtung etwas in den Hintergrund: Das Streben nach Anerkennung ist etwas Natürliches, es ist dem Menschen als sozialem Wesen wohl einfach einprogrammiert.

Als Fotografen müssen wir in diesem Punkt sozusagen gegen unsere Natur handeln, denn es ist nie gut, seine eigene Arbeit daraufhin auszurichten, ob sie irgendjemandem gefällt. Wer sein Publikum schon bei der Entstehung seiner Inhalte einbezieht und übermäßig berücksichtigt, der wird immer eher Entertainer als Künstler sein.

Dead Tree 1 © Sebastian Baumer

Viel problematischer daran, Bilder im Netz zu veröffentlichen, empfinde ich persönlich einen anderen Aspekt: Das Thema „Geschwindigkeit“. Ich meine damit den scheinbaren Zwang, immer und immer wieder neu Dinge veröffentlichen zu müssen.

Die mit endlosen Items gefüllten Streams und Timelines von Facebook, Twitter und Social Media haben zu der merkwürdigen Situation geführt, dass in solchen Medien, die Daten eigentlich dauerhaft abspeichern, nur noch die absolute Gegenwart wahrgenommen wird. Kaum etwas scheint uns älter und weiter entfernt als das Facebook-Posting von vorgestern.

Dead Tree 5 © Sebastian Baumer

Dieser Aspekt des schnellen In-Vergessenheit-Geratens, die Tatsache, dass auf den großen Seiten im Netz nur noch das konsumiert wird, was quasi im Hier und Jetzt passiert, baut großen Druck auf jeden auf, der im Netz veröffentlicht, nicht nur auf Fotografen.

Druck, immer wieder neue Arbeiten mit möglichst viel Getöse in soziale Netze zu werfen, weil man glaubt, dass man sonst nicht wirklich wahrgenommen wird, dass man übersehen wird oder schnell nach hinten rutschen könnte in dem endlosen Strom an Dingen, die nach Aufmerksamkeit kreischen. Druck, der dahin führen kann, Sachen unfertig und noch unverarbeitet rauszuwerfen, bis hin dazu, quasi in Echtzeit im Netz über seine Arbeit zu berichten, was nicht wenige Leute praktizieren.

Dead Tree 8 © Sebastian Baumer

Diesem Druck, so finde ich, sollte man sich massiv und rigoros verweigern. Ist man erst einmal auf den Zug aufgesprungen und macht das endlose Rattenrennen mit, dann leidet nach einiger Zeit massiv die eigene Arbeit darunter. Du veröffentlichst dann vielleicht auf Deinem Fotoblog und auf Facebook einige Zeit lang jede Woche drei Bilderserien, vielleicht hast Du für die Zwischenzeit auch mal was im Archiv, was Du einschieben kannst, wenn es gerade nicht läuft.

Aber irgendwann hast Du Dich der Maschine so unterworfen, dass Du auch unfertiges Zeug rauswirfst, produzierst, damit Du überhaupt etwas zu zeigen kannst. Damit es nicht ins Stocken gerät. Wie würde das nur aussehen, was denken die Leute, wenn Du plötzlich über Wochen oder gar Monate nichts veröffentlichst? In Martins Worten: Bullshit. Großer Bullshit.

Dead Tree 4 © Sebastian Baumer

Im täglichen Umgang mit meiner eigenen Arbeit und mit Veröffentlichungen im Netz empfinde ich das Streben nach endlosem und konstantem Output als viel problematischer als die Frage, ob ein bestimmtes Bild beim Publikum ankommt.

Natürlich hat beides damit zu tun, wie man von außen wahrgenommen werden möchte, aber das Streben nach Anerkennung ist ein natürlicher Vorgang. Jeder mag es, wenn seine Arbeiten gemocht werden, während das zwanghafte Streben nach Geschwindigkeit direkt in den Burn Out führt.

Dead Tree 9 © Sebastian Baumer

Ich habe eine große Sammlung von Bildern, die seit Monaten oder sogar Jahren auf meiner Festplatte liegen. Sie liegen dort, weil ich noch nicht die Zeit hatte, sie zu sotieren, beschneiden, bearbeiten, oft auch, weil ich sie schon bearbeitet habe, aber noch nicht dazu gekommen bin, sie mir noch einmal in Ruhe anzusehen und zu überlegen, ob ich sie für mich behalten oder doch an irgendeiner Stelle zeigen möchte.

Den Zwang, ein neues Foto direkt irgendwo zu posten, habe ich nicht mehr oft und wenn ich ihn doch verspüre, was in der Euphorie des Machens natürlich vorkommt, dann unterdrücke ich ihn sofort. Ich habe für mich gelernt, dass es der bessere Weg ist.

Dead Tree 3 © Sebastian Baumer

Schlussendlich kann man den ganzen Komplex auf eine alte Rivalität zweier Begriffe herunterbrechen: Quantität und Qualität. Es ist immer besser, auf die Qualität zu setzen. Zeig Deine Arbeiten, aber zeig sie erst, wenn Du wirklich zufrieden damit bist und nicht, weil Du mal wieder etwas zeigen musst. Finde Deinen eigenen Veröffentlichungsrhythmus, der nichts mit dem von anderen Nutzern zu tun haben muss.

Das gilt übrigens nicht nur für den, der veröffentlicht, sondern auch für den Leser: Guckt Euch mal ein paar alte Artikel in Fotomagazinen an (gerne auch auf kwerfeldein, wir haben da ein paar tausend auf Lager), besucht ein paar gute Portfolios von Fotografen, guckt mal wieder in ältere Fotobücher rein. Klickt auf die Facebookseiten von Fotografen und scrollt dort bis nach unten.

Es ist nämlich so, dass man die wirklich guten Sachen sehr leicht verpasst, wenn man im Netz immer nur dem neuesten und angesagtesten Zeug hinterherläuft.


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Eine Million Likes

24 May

Perfekt soll es sein, das Foto. Keine Makel, nur schillerne Großartigkeit, gepaart mit filigraner Bildbearbeitung und erfüllt mit solchem Drama, dass es ist, als ob man einem Liebslied zuhöre. Es soll sie begeistern, die Massen. Ihnen die Sprache verschlagen.

Das dachte ich. Als ich anfing mit der Fotografie. Ich wollte es so. Wünschte mir, dies einmal zu erreichen. Den Trick zu wissen, wie es funktioniert.

Damit ich es tausende Male wiederholen könnte, von jeder Sitiation ein perfektes Bild aufzunehmen. Ich sah mich mit dem Laser-Blick, der alles durchdringt und aus hunderttausend Perspektiven die beste findet.

Um allen zu zeigen, dass ich es kann. Dass meine Fotos einfach perfekt sind. Großartig. Unerreicht. Wahnsinn. Eine Million Likes bekommen.

Bullshit.

Ein Mann mit aufgeschminktem Hitlerbart guckt in die Kamera.

Was sich hinter meiner romantisierten Vorstellung der Fotografie versteckte, war die Sucht nach Anerkennung. Ja, wir haben Dich alle lieb und Du bist der Beste. Der Allergeilste.

Und der Angst vor Ablehnung. Wehe, mein Bild ist nicht perfekt. Wehe, es hat nicht mindestens so und so viele Favs und Likes. Wehe!

All das wollte ich übertrumpfen. Und allen gefallen. Die Fotografie war nur Mittel zum Zweck.

Doch diese Wunschvorstellung vom perfekten Bild erzeugte in mir vor allem das: Immensen Druck und eine riesige Kreativ-Blockade.

Moment, ich muss hier kurz ausschweifen. Kreativ. Das hört sich nervig esoterisch an. Kreativ-Workshop für Erwachsene. Töpfern mit Panflötenmusik. Ausdruckstanz in lilanen Kleidern. Irgendwie 80er.

Wenn ich „kreativ“ sage, dann meine ich nicht das. Wenn ich kreativ sage, dann meine ich, mit der Kamera unterwegs zu sein und einfach Spaß zu haben. Bock darauf zu haben, rauszugehen und zwei Stunden zu fotografieren, das Licht einzufangen und mich ins Chaos der Stadt zu werfen.

Verschiedene Menschen gucken in die Sonne und heben die Hand.

Das ist für mich kreativ sein.

Doch die bescheuerte Illision, das eine, perfekte Foto zu machen, torpedierte ein Kreativ-Werden die komplette Zeit über. Ich verkrampfte innerlich. Setzte mich unter Druck. War sehr, sehr streng zu mir.

Spaß am Fotografieren? Kaum. Ich verlor zunehmend die Lust daran. Zwang mich zwar immer wieder, loszuziehen und dachte, dass ich einfach nicht diszipliniert genug wäre. Einfach zu faul wäre und mich zwingen müsste.

Irgendwann würde ich es sicher machen, das

super
derb
geile

Foto.

Wenn ich gut genug wäre. Wenn ich meine Technik bis ins Hunderttausendstel ausgefeilt hätte. Dann. Irgndwie, irgendwo, irgendwann.

Ein Mann rast auf dem Fahrrad vorbei.

Dann würden mich die Leute beklatschen. Ich würde bekannt werden. Bekannt als Fotograf.

1.000.000 Personen gefällt das.

Doch, wie gesagt, es funktionierte einfach nicht. Ich bekam schon Kopfschmerzen beim Gedanken an die nächste Fototour. Alles fühlte sich taub und so komisch an.

Meine Vorbilder waren all diejenigen, die auf DeviantArt und Flickr absahnten. Die hunderttausend Views auf ihren Fotos hatten und die jeder geil zu finden schien. Sowas wollte ich. Das spornte mich an. Das war so… perfekt.

Und ich hörte auf die Foto-Profis, die ständig Disziplin predigten. Die allen erzählten, dass sie ihre Ärsche hochkriegen müssten. Die ach-so-erfahrenen, die jedem unter die Nase reiben, wie lange sie doch schon fotografierten und was für geile Burschen sie doch wären.

Nochmal Bullshit.

Ein Mann zieht eine Erotik-DVD heraus.

Der Perfektionismus hat meine Fotografie kaputt gemacht. Oder zumindest das, was ich mir unter perfekt so vorstellte. Dieser Hunger nach Anerkennung und die scheiß Angst davor, negative Kritiken, fiese Kommentare zu bekommen oder gänzlich links liegen gelassen zu werden.

Ja, all das hat meine Kreativität so lange gelähmt, bis ich in ein riesenfettes Loch fiel.

Das Loch war nicht schwarz und es war auch nicht rund. Nein, es sah so aus: Ich genehmigte mir ständig Fotopausen, die immer länger wurden. Noch eine. Dazwischen mal rausgehen, fotografieren, doch das reichte, um die alten Dämonen zu wecken und gleich wieder das Handtuch zu werfen.

Es fühlte sich an, als hätte ich alles verloren. So viel Hoffnung hatte ich auf die Fotografie gesetzt. So viel hineingewünscht, herbeigesehnt und so viel gewollt. Doch es schien so, als ob mir nicht mal ein einigermaßen gutes Foto gelingen könnte.

Klar, wenn der Maßstab perfekt ist.

Vor zirka fünf Jahren nahm ich dann Abstand von allem und fühlte in mich hinein. Spürte hin, was das alles mit mir machte und dachte nur eines:

Leckt mich doch. Alle.

Eine Frau steht von einer Fensterscheibe mit Plakatierungen zum Ausverkauf.

Denn langsam wurde ich wütend. Wütend auf alles, was ich mit (perfekter) Fotografie in Verbindung gebracht hatte. Auf alle tollen Fotorockstars, Superprofis und Disziplin-Prediger. Wütend Auf Kamera-Nerds, Foto-Blogger, Fotomagazine. Alles war scheiße. Und ich hätte am liebsten direkt aufgehört.

Vor allem aber war ich wütend auf mich. Ich wollte und konnte nicht zugeben, dass ausgerechnet ich jetzt in diesem Loch war. Ich, der doch schon zig Artikel über Disziplin und kreative Lösungen mit Blockaden geschrieben hatte. Ich, der doch dachte, alles verstanden zu haben. Der sein Blog „Digitale Fotografie Lernen“ genannt hatte.

Wie dumm.

Doch genau an diesen Punkt musste ich kommen. Denn irgendwann begann ich, diese Sehnsucht nach Perfektion und Anerkennung zu hinterfragen. Die Angst vor der Ablehnung anzusehen und zu überlegen, was denn daran so schlimm wäre, wenn meine Bilder auf einmal nicht mehr gemocht würden.

Keiner Person gefällt das.

Ein Mann mit Hornbrille.

Ja, und?

Ich fragte mich, ob es das alles wert ist. Überlegte, ob es nicht eigentlich alles anders wäre. Dass der Traum vom perfekten Fotografen ein Luftschloss war, in das ich mich selbst eingesperrt hatte.

Und irgendwann, ich weiß nicht mehr genau wann, machte es wortwörtlich klick. Ich schaute auf die letzten Monate zurück und entschied mich ganz bewusst gegen die Fotografie, wie ich sie bis dahin kannte. Und erfand meine eigene Version davon.

Ich stellte meine eigenen Regeln auf. Und die hießen ungefähr so:

1. Jedes Foto, das besser als völlige Scheiße ist, ist gut.
2. Ich fotografiere, was ich will und wie ich es will.
3. Ich ignoriere in den kommenden Monaten jede Meinung zu meinen Bildern. Auch die Lobhudeleien.
4. Wenn meine Fotos nicht gemocht werden, ist das nicht mein Problem.
5. Disziplin my ass.
6. Perfektion my ass.
7. Likes
8. My
9. Ass.
10. Ich glaube niemandem, der mir ungefragt meine Fotos „zerreißt“.

Für mich war erst einmal wichtig, zu klären, was ich nicht will. Um später eine Grundlage für das zu schaffen, was ich will.

Und auf einmal öffnete sich etwas in mir. Mir wurde im Herzen ganz warm und leicht. Hansi Hinterseer klingelte an meiner Tür und sang mir ein wunderschönes Lied.

Scherz.

Ein Mann spielt auf der Ziehharmonika – an der Wand hinter ihm steht LOL.

Scherz beiseite.

Irgendwann bekam ich wieder Lust. Hatte auf einmal wieder Bock auf’s Fotografieren. Wollte wieder losziehen. Neue Fotos machen.

Und das alles, ohne mich zu irgendetwas zwingen zu müssen. Ganz ohne Disziplin. Wer hätte das gedacht. Ich fand meinen Zugang zum Nicht-Perfekten. Zum Komplexen. Unfertigen.

~

All das ist heute Teil meines Fotografierens. Ich zwinge mich nicht, rauszugehen. Das Gegenteil ist der Fall: Ich habe heutzutage extrem viel Lust, neue Fotos zu machen und muss mich eher bremsen, damit der Rest der Arbeit nicht liegen bleibt.

Nein, ich bin nicht geheilt. Immer wieder werde ich neidisch auf andere Fotografen, die hunderttausend Fans auf Facebook haben oder ständig perfekte Fotos zaubern, die dann bejubelt werden.

Doch ich habe mich verändert. Ich verfalle dem Hype nicht mehr und weiß, dass es keinen Sinn macht, all dem hinterher zu hecheln. Der Wert meiner Bilder liegt nicht in der Anzahl der Likes.

Meine Fotos haben sich auch verändert. Ich habe mein Ding gefunden. Und ich weiß, dass meine Fotos nicht perfekt sind. Das müssen sie auch nicht mehr sein.

Einer Person gefällt das.

Mir.

Ein Mann lacht in die Kamera.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
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Eine Minute Stadt

20 May

Vor zwei Wochen sprach ich mit Robert Herrmann zufällig über seine Serie, die er „60″ slices of present“ nennt. Ich erinnerte mich an seine Bildvorstellung „Urbi et Orbi“ vom letzten Jahr und hätte nicht gedacht, dass Robert die Serie immer noch verfolgt. Ich war – ganz ehrlich – etwas baff.

So schlug ich vor, die Serie vorzustellen. Nein, nicht nur wegen der Länge des Projektes. Die Bilder lösten etwas in mir aus. Was, war mir noch unklar. So wollte ich mehr darüber wissen. War angefixt von seinen monochromen Langzeitbelichtungen.

Wer nun das Wort Langzeitbelichtungen hört (und „Urbi et Orbi“ verpasst hat), denkt vielleicht an Landschaftsaufnahmen, an milchige Wasserfälle oder Meeresbuchten. Nimmt man noch das Wort „Stadt“ dazu, stellt man sicht vielleicht langgezogene Lichtstreifen von Autos vor, die sich durch buntbeschilderte Großstädte ziehen. Robert Herrmanns „60″ slices of present“ sind alles, nur nicht das.

Langzeitaufnahme an der Millennium Bridge in London

Millennium Bridge, London, April 2013

Aufnahme vom Parliament Square in London. Im Vordergrund ein Roboter.

Parliament Square, London, April 2013

Langzeitaufnahme an der Via della Conciliazione in Rom.

Via della Conciliazione, Rom, März 2013

Blick auf das Pantheon in Rom.

Pantheon, Rom, März 2013

Blick auf die Weltzeituhr am Alexanderplatz.

Weltzeituhr, Alexanderplatz, Berlin, März 2010

Wir sehen eine Langzeitbelichtung im Görlitzer Plark.

Görlitzer Park, Berlin, Mai 2014

Langzeitaufnahme vom Karaköy Fährhafen in Istanbul.

Karaköy Fährhafen, Istanbul, März 2014

Langzeitaufnahme vom Kapali Carsi in Istanbul.

Kapali Carsi, Istanbul, März 2014

Blick auf das Pantheon in Rom.

Pantheon, Rom, März 2013

60-Sekunden-Aufnahme in der Mahmutpasa Yokusu Sokak in Istanbul.

Mahmutpasa Yokusu Sokak, Istanbul, März 2014

Langzeitbelichtung von der  Hagia Sophia in Istanbul.

Hagia Sophia, Istanbul, März 2014

Aufnahme vom Barbaros Bulvari in Istanbul.

Barbaros Bulvari, Istanbul, März 2014

Aufnahme von einer sehr bevölkterten Sabuncu Hani Sokak in Istanbul.

Sabuncu Hani Sokak, Istanbul, März 2014

Langzeitaufnahme am Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin.

Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Berlin, September 2013

Langzeitbelichtung vom Potsdamer Platz in Berlin über die Kreuzung hinweg.

Potsdamer Platz, Berlin, September 2013

Aufnahme vom Potsdamer Platz in Berlin.

Potsdamer Platz, Berlin, September 2013

Langzeitbelichtung vom Untermainkai in Frankfurt.

Untermainkai, Frankfurt, Juli 2013

Wie breit sind die Straßen einer Stadt? Wie hoch sind ihre Gebäude im Durchschnitt? Hat die Stadt öffentliche Orte, an denen Menschen sich versammeln und gesellschaftlich interagieren können? Wie sehen diese Orte aus? Lässt sich die Stadt gut zu Fuß erschließen? Wie schaffen wir Menschen städtischen Raum und wie wirkt er sich wiederum auf unsere Lebensbedingungen und unser Verhalten aus?

Das sind Fragen, die sich Robert im Laufe der Jahre und der Arbeit am Projekt immer wieder stellte. Sie sind Indiz dafür, dass Robert etwas besitzt, das für die Umsetzung von Serien dieser Länge von grundlegender Bedeutung ist: Neugier.

Ich finde es spannend zu sehen, welche Antworten Robert in Bildform gefunden hat. Sie sind komplex und widersprüchlich, keinesfalls einfach. Jedes Bild wirkt wie ein Film und ist es doch nicht. Menschen sind zu sehen und sind es doch nicht. Die Zeit bleibt stehen und tut es doch nicht.

Wir sehen die Hasselblad an der Millenium Bridge in London

Millennium Bridge, London, April 2013

Wir sehen die Mittelformatkamera an einem Fluss.

Karaköy, Istanbul, März 2014

Die Hasselbladkamera ist auf eine Menschenmenge am Petersplatz gerichtet.

Petersplatz, Vatikan, März 2013

Des Weiteren erzählt Robert:

Mit der Zeit habe ich eine starke Hingabe für diese Arbeit entwickelt. Es bleibt ein stetig faszinierender Prozess, in dem ich meine eigene Raumwahrnehmung weiter schule und lerne zu verstehen, wie sich Menschen durch die Stadt bewegen. Mein Ziel ist es, noch weit mehr Städte zu besuchen und sie in dieser Form zu fotografieren, damit ich einen Fundus schaffe, der dann einmal spannende Vergleiche ermöglicht.

Wer sehen möchte, wie Roberts Fundus weiter wächst kann dies auf seiner Webseite mitverfolgen. Achja: Heute ist mir klar geworden, was Roberts Bilder in mir auslösten: Es ist Neugier.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
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