Ein Beitrag von: Marcus Hasart

kwerfeldein – Fotografie Magazin
Ein Beitrag von: Florian Weiler
Auch Hochzeitsfotografen heiraten mal. Jedenfalls einige und so auch ich. Unwillkürlich schoss mir die Frage durch den Kopf, ob ich meine eigene Hochzeit wohl selbst fotografieren könnte. Zugegebenermaßen eine ziemlich dumme Idee, wenn man länger als zwei Sekunden darüber nachdenkt.
Und so verwarf ich den Gedanken, einen fotografischen Beitrag zu meiner Hochzeit zu leisten, bis Julia eines Morgens klagte, wie schade es doch sei, dass sie ihr schönes Hochzeitskleid nur einmal in ihrem Leben tragen könne.
Das ist sicherlich ein Gedanke, den sie mit jenen Brautpaaren teilt, die sich für ein After-Wedding-Shooting entscheiden – also nach der Hochzeit noch einmal in Kleid und Anzug schlüpfen, um in aller Ruhe an einem besonderen Ort außergewöhnliche Bilder entstehen zu lassen.
Julia entschied sich für Hamburg und ich nutzte die Chance, mich hinter die Kamera zu stehlen – so verwandelte sich das klassische Paarshooting in ein reines Brautshooting.
Unser erstes Bild entstand kurz nach dem Styling im 25hours Hotel, in dem wir die Nacht zuvor verbracht hatten. Ein Fadenvorhang diente uns hier als Requisite und half, ein sehr weiches Licht entstehen zu lassen. Dazu gesellte sich eine extrem geringe Tiefenschärfe durch das Objektiv mit f/1.4 85mm, das ich für diese Aufnahme nutzet. Dadurch wird der Blick des Betrachters unweigerlich auf die extravaganten Wimpern gelenkt, die Julia sich für dieses Shooting ausgesucht hatte.

Was dieses von Ruhe geprägte Bild jedoch nicht verrät, sind die Wassermassen, die während der Aufnahmen am Fenster vorbeirauschten und die Windböen, die unerbittlich dagegen donnerten. Und so fiel unser Plan, die wunderschöne Hamburger Speicherstadt und den alten Hafen als Fotokulisse für unser Brautshooting zu nutzen, mehr als nur sprichwörtlich ins Wasser.
Doch wir hatten den weiten Weg nach Hamburg nicht ohne einen Plan B auf uns genommen: Eine Indoor-Location, in der wir uns für die kommende Nacht einquartiert hatten, das Design-Hotel „Gastwerk“. Das liebevoll restaurierte und sehr stylish eingerichtete Backsteingebäude kannten wir schon von früheren Hamburgreisen, wenn auch nur vom Cocktailsschlürfen.
Im Hotel besorgten wir uns an der Rezeption zunächst die Genehmigung zum Fotografieren – ein wichtiger Punkt, den man nicht auslassen sollte! Da unser Zimmer noch nicht fertig war, schauten wir uns erst einmal in aller Ruhe um.
Mein besonderes Augenmerk galt dem vorhandenen Licht, da ich auf den Einsatz von Blitzgeräten jeglicher Art verzichten wollte – zum einen, um die anderen Hotelgäste nicht unnötig zu stören, um nicht übermäßig Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen, zum anderen hatte ich einfach keine Lust, Unmengen an Ausrüstung durch das Hotel zu schleppen. Es war schließlich unser freies Wochenende und sollte nicht in Arbeit ausarten.
Als Julia am späten Nachmittag dann endlich im Kleid steckte, starteten wir unser Shooting im Eingangsbereich des Hotels. In meiner Tasche lediglich ein 2,8/24-70 und ein 1,4/85 und an der Kamera ein 2,8/70-200. Neben der Tür stand eine rote Ledercouch, beleuchtet von einer überdimensionalen Stehlampe und ein klein wenig restlichem Tageslicht, das sich durch die dicke Wolkendecke und zwei schmale Fenster ins Innere des Hotels kämpfte.
Der Bildausschnitt stand für mich sehr schnell fest: Fenster und Lampe sollten im Bild zu sehen sein, da ich die Quellen des Mischlichtes einbinden wollte. Variiert haben wir dann lediglich Julias Pose, die Position der Stehlampe und ihre Lichtintensität. Zum Glück war das Ding dimmbar, ansonsten wäre die Beleuchtung doch recht unausgewogen geworden.
Im Großen und Ganzen ähnelte die Szene einer einfachen „Studiobeleuchtung“ mit einer großen Softbox auf der linken Seite, ein wenig Aufhelllicht aus dem Eingangsbereich und einem mobilen Spot, den man zum Beispiel als Haarlicht einsetzten kann. Wir spielten verschiedene Varianten durch, wobei mir die hier gezeigte am besten gefällt. Tageslicht und Licht der Stehlampe zu einem großen Hauptlicht kombiniert. Den Winkel der Lampe hatte ich dabei so gewählt, dass ein deutlicher Farbgradient auf dem Kleid, aber nicht auf Julias Oberkörper entstand.

Auch im nächsten Bild haben wir vorhandene, aber ganz unterschiedliche Lichtquellen einbezogen. Es entstand recht spontan auf dem Weg zum Aufzug, als mir das Zusammenspiel aus blauem Abendlicht, dem grünem Neonlicht des Aufzuges und der recht gelben Deckenbeleuchtung auffiel, unter der wir standen. Julia brauchte nur fix ihren Kopf in den Nacken zu strecken, damit ihr Gesicht gleichförmig beleuchtet war und dann war das Bild auch schon im Kasten.
Die Bilder danach im Aufzug waren dagegen in keiner Weise spontan. Die hochglanzpolierten Wände waren mir schon beim ersten Streifzug durchs Hotel aufgefallen und schrien geradezu danach, als Kulisse dienen zu dürfen. Einzig das Licht war alles andere als ideal. Die Neonröhren warfen ein intensiv grünes Licht recht gleichförmig von der Decke in den kleinen Raum, in dem es vielfach an den Wänden reflektiert wurde, was Julia in ein sehr kontrast- und spektralarmes Licht tauchte.
Zum Zeitpunkt der Aufnahme war ich überzeugt, dass sich die Bilder lediglich mit einer Konvertierung in schwarzweiß „retten“ lassen. Ein paar Klicks in Lightroom brachten dann aber doch unter all dem Grün einige Hauttöne zum Vorschein. Also investierte ich noch etwas Zeit in Photoshop und schließlich waren auch die Kontraste, zumindest vom ersten Bild, auf einem Niveau, das mir zusagte.


Zweifellos hätten die Bilder im Fahrstuhl vom Einsatz zusätzlicher Lichtquellen profitiert, denn die Bildqualität hat durch die intensive Nachbearbeitung schon ein wenig gelitten.
Einfachere Lichtverhältnisse und eine wunderschöne Kulisse fanden wir dann in der kleinen Bibliothek mit ihrer dunkelbraunen Couch, der olivgrünen Wand, dem gut gefüllten Bücherregal und den beiden messingfarbenen Stehlampen. Letztere dienten uns mehr oder weniger als einzige Lichtquellen in den beiden folgenden Bildern.
Links oben im ersten Bild ist das Hauptlicht zu sehen, in das Julia direkt hineinblickte. Bei einer 40-Watt-Glühbirne ist das aus der Entfernung durchaus für ein paar Sekunden machbar, ohne die Augen zusammenzukneifen, mit einer 200-Watt-Studioleuchte sollte man das aber besser nicht ausprobieren. Die andere Lampe stand weiter rechts, beleuchtete den Hintergrund und diente zusätzlich als Aufhelllicht.

Mein Lieblingsbild des Abends entstand ein paar Sekunden später unter den gleichen Lichtbedingungen, aber durch das Fenster der Bibliothek fotografiert. Die Reflexionen der Lampen des Nebenraums fügen sich hier meines Erachtens sehr harmonisch ins Gesamtbild ein und füllen es zusätzlich mit Wärme.

Eine ganz andere Lichtstimmung, kühl und nüchtern, herrschte direkt vor unserem Hotelzimmer im Treppenhaus. Und so legten wir noch einen letzten Fotostopp ein, bevor wir in unserer Suite verschwanden.

Alle folgenden Bilder entstanden dann im Zimmer, wo neben der Raumbeleuchtung noch ein bis zwei Striplights zum Einsatz kamen, die lediglich mit Aufsteckblitzen bestückt waren. Außerhalb des Studios arbeite ich lieber mit kleinen batteriebetriebenen Blitzen. Sie sind leicht und aufgrund des fehlenden Stromkabels sehr mobil einsetzbar. In den beiden folgenden Bildern zum Beispiel steckt eines der Striplights in der Fensternische und beleuchtet dabei Julias schmale Gesichtshälfte und einen Großteil des Kleides.


Ein weiterer Vorteil von Aufsteckblitzen ist, dass sich ihre Intensität gut von der Kamera aus regeln lässt, sei es mit zusätzlichem Funksystem wie dem von Pocketwizard oder auch via CLS, wie es bei Nikon heißt.
Wichtig beim Umgang mit Blitzen, insbesondere in Innenräumen, ist für mich, dass man nicht sofort merkt, dass sie zur Ausleuchtung eingesetzt wurden. Also muss ein Farbangleich an die Raumbeleuchtung her. Bei der gegebenen Lichtsituation habe ich zwei Orange-Folien pro Blitz verwendet. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man ruhig etwas überkompensieren kann. Ein Blitz mit etwas zu warmemem Licht fällt weniger auf als einer mit noch recht kaltem Licht – insbesondere, wenn Teile der Raumbeleuchtung im Bild zu sehen sind.

Bei den letzten drei Aufnahmen galt es noch einmal, unseren zweiten Hauptakteur, das Kleid, ins rechte Licht zu rücken. Dabei kann Streiflicht oder zumindest eine nicht allzu weiche Ausleuchtung von der Seite recht hilfreich sein, um die Struktur des Kleides, das Schimmern der Pailletten und das Glitzern der Steinchen voll zur Geltung zu bringen.

Bei den nächsten zwei Bildern habe ich zusätzlichen Glanz in den fließenden Stoff gebracht, indem ich sie in schwarzweiß konvertiert und anschließend die lokalen Kontraste verstärkt habe. Mir geht’s da wie sicherlich den meisten: Bei Schwarzweiß-Bildern toleriere ich stark erhöhte Mikrokontraste sehr viel eher als bei ihren farbigen Varianten. Wie weit man dabei geht, ist natürlich reine Geschmackssache.


Das Licht mit Hilfe von Blitzen gezielt setzen zu können, ist immer ein großer Vorteil. Die Bilder in der Suite profitieren aber hauptsächlich davon, dass wir hier viel intimer arbeiten konnten als vorher in der Lobby, wo Julia mit ihrem extravaganten Outfit einige Aufmerksamkeit auf sich zog.
Und so konnten wir in aller Ruhe bei unserer Lieblingsmusik und einem Gläschen Wein den Fotoabend ausklingen lassen.
kwerfeldein – Fotografie Magazin
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Chris Hadfield might be the hippest astronaut yet.
He shares recordings from space on Soundcloud, chats with William Shatner on Twitter, and plays guitar shows from the International Space Station.
Best of all, he shoots and tweets jaw-dropping photos of Earth from space every. single. day.
Sure you’ve seen a photo from space before, but not like this. Chris’ poignant tweets show us what it’s really like to have a daily view of Earth from far, far above.
Here’s a sampling of some of the best! (Word is he shoots with a Nikon and a 400mm lens.)
If you’re lucky, you could even get featured in one of his photo challenges! Chris will be in space through May 2013, so keep an eye out for more daily photos (see past ones on his Tumblr & Facebook).
Wanna shoot your own space photos? DIY it with a weather balloon or reverse it with this NASA tutorial on how to shoot the ISS from home. Also, the official Chris Hadfield photo contest.
Daily Photos Tweeted from Outer Space
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Gleich fünf verschiedene Cover hat die Sonderausgabe „Young Polish Photographers“ von dienacht. Warum sich der Herausgeber nicht für eins entscheiden konnte, liegt wahrscheinlich am großen Facettenreichtum der jungen polnischen Fotografie.
Für die Ausgabe wählte Calin Kruse 14 Arbeiten der polnischen nationalen Filmschule in Lodz. Ziel war es, die verschiedenen Stile und Ästhetiken zu zeigen und einen Überblick über die aktuelle polnische Fotoszene zu geben.

Im Magazin findet man tatsächlich 14 sehr abwechslungsreiche Bilderserien. Zu jeder gibt der jeweilige Fotograf eine kurze Beschreibung, die, ebenso wie die Fotos, sehr unterschiedlich sind. Von kurzen, klaren und prägnanten Darstellungen bis hin zu verträumten, blumigen Worten über die eigenen Arbeiten ist alles dabei. Jeder Text ist dreisprachig aufgeführt auf Deutsch, Englisch und Polnisch.
Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf den Bildern, was fast schon ein wenig stört, denn viele der Serien kommen nicht mit ein paar Worten aus, sondern wirken erst durch genauere Kenntnise der Hintergründe richtig. Ich möchte schnell mehr über einige Fotoserien erfahren, weshalb die Links zu den Homepages der Künstler unter jedem Text absolut sinnvoll sind.

Persönlich besonders interessant fand ich die Serie „The day before“ von Anna Orlowska. Sie zeigt Bilder vor großen Lebensereignissen und man kann die Gedanken über die baldigen Veränderungen fühlen. Aber auch die Portraits der Arbeiter des Elektrizitätswerkgebäudes in Bytom von Agnieszka Wrzesniak und die emotionalen Diptycha von Gosia Fraszek lassen mich nicht unberührt.
Einzig die Körperlandschaften von Agnieszka Skrzypczak und die Topographien von Ewa Ciechanowska wirken im Heft mit den Maßen 15 x 18 cm nicht so richtig. Diese Arbeiten brauchen viel Platz und große Wände. Man hat dies wohl schon selbst bei Erstellung der Ausgabe bemerkt und sie über zwei Seiten gedruckt. Der Buchknick durch die Bilder macht für mich jedoch mehr kaputt, als dass die größere Darstellung hilft.

Abgesehen von dieser kleinen Kritik kann und möchte ich „Young Polish Photographers“ empfehlen, denn es gibt wirklich einen hervorragenden Überblick über die polnische Fotografie. Viele der vorgestellten Künstler werden sicher noch öfter zu sehen sein, nicht zuletzt, da einige von ihnen mittlerweile bereits internationale Preise gewonnen haben.
Zu kaufen gibt es das Magazin für nur 10 € im „dienacht“-Shop. Es handelt sich um eine limitierte Auflage von 500 Stück. Die Cover werden per Zufallsprinzip verschickt.
kwerfeldein – Fotografie Magazin
Nicht umsonst wird Korsika auch die Insel der Schönheit genannt: Buchten mit türkisfarbenem Wasser, steile Klippen und Berge, die sich bis zu 3000 Meter hoch erheben. Hier gibt es viel Natur zu erleben, besonders an der schroffen Westküste. Dörfer oder gar Städte sind Mangelware.
Noch bevor wir im Juli nach Nordirland aufbrachen, begann die Planung für Korsika. Doch wohin? Korsika ist zwar keine sehr große Insel – knapp 200km von der Nordspitze bis in den Süden – aber wenn man sich genauer informiert, erfährt man, dass die Fortbewegungsgeschwindigkeit mit dem Auto stark eingeschränkt ist. Besonders im Westen der Insel gibt es kaum eine Straße, die mehr als 50 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit zulässt. An der Küste entlang bewegt man sich in Serpentinen.
Somit war klar, dass wir in einer Woche nicht mal schnell um die ganze Insel fahren konnten. Besser, sich da auf ein oder zwei Gegenden zu beschränken. Für mich hieß das herauszufinden, wo die höchste Fotomotivdichte ist und gleichzeitig auch schöne Strände und Städtchen für meine Freundin.
Die Recherche machte uns die Entscheidung nicht gerade einfach. Im Süden lockt Bonifatio mit seinen weißen Klippen, etwas weiter westlich Strände, wie man sie auf den Seychellen erwartet. Im Norden bei Saint Florent warten weitere Strände und im Westen eine spektakuläre Steilküste mit dem Weltkulturerbe Calanche. Als wenn das nicht schon genug wäre, gibt es im Innern der Insel auch noch beeindruckende Berge mit wunderschönen Bergseen. Wenigstens den Osten der Insel konnten wir ausschließen. Der war uns ein bisschen zu eintönig.
Unsere Entscheidung fiel auf die Westküste. Schnell noch einen Flug über Paris buchen, dann den Mietwagen – soweit die Routine. Für die Unterkünfte war etwas Google Translate nötig. Frankreich zählt zu den Ländern, in denen man mit Englisch absolut nichts ausrichten kann.

Corse-du-Sud
Im Oktober verbrachten wir dann eine abwechslungsreiche Woche auf Korsika. Zunächst hatten wir ein Häuschen in der Nähe von Cargese gemietet, im Oktober durchaus bezahlbar. Wärhrend wir den ersten Abend noch an einem lokalen Strand verbrachten, machten wir uns am nächsten Morgen auf zum Plage d’Arone. Die Fahrt dorthin war spektakulär. Mehrere hundert Meter stürzen die Klippen neben der Straße in die Tiefe. Leitplanken oder Absperrungen gibt es dort nicht.
Der Strand selbst ist wunderschön. Dank Nebensaison war kaum etwas los. Ich ließ mich vom blauen, fast wolkenfreien Himmel und der hochstehenden Sonne nicht davon abhalten, auf Motivsuche zu gehen. Für diesen Urlaub hatte ich mir vorgenommen, nicht nur Sonnenauf- und -untergänge zu fotografieren. Ich wollte den ganzen Tag nutzen. Das Stativ kam hier trotz gutem Licht zum Einsatz. Ich war sehr nah am Motiv dran und benötigte Fokus Stacking, um bestmögliche Schärfe zu erhalten.

Noch am gleichen Abend fuhren wir durch die Calanche. Hier war etwas mehr los, mit Bussen werden die Besucher herangekarrt. Für mich wäre das nichts: Aussteigen, ein paar Fotos machen, ein paar hundert Meter die Straße entlang laufen und danach geht’s weiter.
Wir liefen diesen Abend zum Chateau Fort. Ein kurzer Spaziergang durch die spektakuläre Calanche-Landschaft. Am Ende erreichten wir ein exponiertes Felsplateau mit steilen Klippen und einer Aussicht bis zur Scondola Halbinsel.
Ich war überwältigt von der Vielzahl an möglichen Kompositionen. Trotzdem war es nicht leicht, den richtigen Blickwinkel zu finden. Und plötzlich war die Sonne hinter einem Wolkenband verschwunden. Ich positionierte meine Kamera, wartete und hoffte.
Bei diesem Foto kam wieder Fokus Stacking zum Einsatz, erneut war meine Kamera weniger als einen halben Meter vom Vordergrund entfernt. Wenn Ihr Euch jetzt fragt, was ich mit Fokus Stacking meine und wie ich dabei vorgehe, sei mir hier nur kurz der Verweis auf mein Start2Finish-Tutorial erlaubt, in dem ich ausführlich darauf eingehe.

Der nächste Tag war sehr schweißtreibend. Eine Wanderung zum Capu Rossu verlangte uns einiges ab. Das Problem war die pralle Sonne und fast 30°C im Schatten. Nicht schlecht für Oktober. Die Krähen kreisten schon über unseren Köpfen, als wir den Aussichtspunkt erreichten.

Nachmittags fuhren wir wieder durch die Calanche, diesmal bis runter nach Porto. Wir hatten uns wirklich ein Eis verdient. Die Aussicht im Golf von Porto gefiel uns so gut, dass wir bis zum Sonnenuntergang blieben. Ein Motiv war schnell gefunden und als auch noch Wolken durch die Hänge der Calanche zogen, waren alle Zutaten für einen magischen Moment vorhanden.
Ein Polfilter vor der Linse, ein Lee 0.6 hard GND, ein Lee 0.6 soft GND und schließlich noch eine Belichtungsreihe halfen mir, diesen einzufangen.

Der vierte Tag auf Korsika wurde abenteuerlich. Wir hatten schon einige der schmalen Straßen kennengelert und ich dachte, mich könnte nichts mehr überraschen. Aber nun ging es erst richtig los.
Wir fuhren zum Cupabia Strand – 80km entfernt. Erstmal rüber nach Ajaccio, diesen Teil kannten wir schon. Ab da fuhren wir entlang der Küste nach Serra-di-Ferro. Die Straßen wurden immer enger, immer mehr Kurven, bergauf, bergab. Gelegentlich schaute ich mit meinem Handy auf Google Maps nach, wo wir uns gerade befanden. Ernüchterung: Fast kein Vorankommen. Am Ende waren wir über zweieinhalb Stunden unterwegs, bis wir endlich den Strand erreichten.
Bei einer so langen Fahrt war klar, dass wir hier nicht bis zum Sonnenuntergang bleiben würden. Also wieder ein Foto mit blauem Himmel. Ich machte mich gleich auf die Suche nach einer Aussicht, die die Charakteristiken dieses Strandes gut einfing: Felsen im Vordergrund, türkisfarbenes Meer, ein Streifen weißer Strand und bewaldete Hänge am Horizont.
Leider versäumte ich es, den Polfilter abzuschrauben. Im 90°-Winkel zur Sonne zu fotografieren, ist eine der wenigen Situationen, in denen man auf Polfilter verzichten sollte. Auch, wenn ich es am Kameradisplay bei diesem Licht nicht sehen konnte: Später am Notebook stach mir die starke Abdunklung in der oberen, rechten Hälfte des Himmels förmlich in die Augen. Wegen des intensiven Lichts verlor der Himmel durch den Polfilter in diesem Bereich sehr viel an Helligkeits- und Farbinformationen.
Nach reichlich Nachbearbeitung ist davon zwar nichts mehr übrig, ich hätte es mir aber leichter machen können, hätte ich auch ein paar Fotos ohne Polfilter gemacht. Die Nachbearbeitung fand bei mir in Photoshop statt, aber Andreas Resch zeigt in diesem Tutorial sehr schön, wie man auch in Lightroom der Abdunklung entgegenwirken kann. Da bei meinem Foto auch helle Wolken im Himmel sind, war die Sache jedoch nicht ganz so einfach.

Haute-Corse
Als ob die Fahrt zum Cupabia-Strand nicht schon anstrengend genug gewesen wäre, brauchten wir am nächsten Tag mindestens genau so lange, um unsere zweite Unterkunft bei Galeria zu erreichen. Natürlich war erst einmal niemand von den Vermietern vor Ort, wie es abgesprochen war. Wir standen vor verschlossenen Türen.
Jetzt war ein Telefonat nötig: Gut, dass meine Freundin in der Schule Französisch hatte, ich habe nur Bahnhof verstanden. Mit einer Stunde Verspätung kam endlich unsere Vermieterin.
Abends ging’s zurück auf die Straße und in Serpentinen wieder den Berg hinauf zu einer schönen Aussicht auf den Golf von Girolata. Ich entschied mich für ein Panorama. Bei 70mm Brennweite musste ich mir über Paralaxefehler keine Gedanken machen. Mit Hugin war es später problemlos möglich, die einzelnen Fotos zusammenzufügen.

Am nächsten Morgen klingelte sehr früh der Wecker. Diesen Urlaub hatte ich bislang morgens kein Glück gehabt. Dieses Mal begrüßte mich ein klarer Himmel: Perfekt. Ich wollte die Sterne fotografieren und fuhr fast zwei Stunden vor Sonnenaufgang zum Galeria-Strand. Am Vortag hatten wir uns dort kurz umgesehen, damit ich nicht durch die Dunkelheit irren musste. Ich wusste genau wohin mit meinem Stativ.
Mit ISO 6400 und 30 Sekunden Belichtungszeit machte ich ein paar Testaufnahmen, um die Komposition festzulegen. Dann ein paar Aufnahmen für den Himmel bei unterschiedlichen ISO-Werten und Belichtungszeiten. Ich wollte später für die Bearbeitung genug Ausgangsmaterial sammeln.
Um die Sterne scharf abzubilden, waren Belichtungezeiten unter 25 Sekunden nötig. Das reichte selbst bei ISO 6400 nicht für einen ausgeleuchteten Vordergrund. Also ließ ich alles aufgebaut und wartete bis 15 Minuten vor Sonnenaufgang. Endlich konnte ich das Foto für den Vordergrund machen. Mit Photoshop konnte ich aus den Aufnahmen eine surreale Ansicht vom Galeria Strand zusammenfügen.

Calvi stand für diesen Tag auch noch auf unserer Liste. Ein schönes Städtchen mit vielen kleinen Geschäften. Da musste ich dann auch mal geduldig sein, während das bisher meine Freundin sein musste, wenn ich fotografierte. Den Nachmittag über regnete es. Die zahlreichen gemütlichen Cafés am Hafen machten uns das Warten aber leichter. Abends machte ich noch ein Foto von Calvi zur blauen Stunde.
Bedeckter Himmel und etwas Regen machten mir nichts aus. Städte zur blauen Stunde sind immer ein besonderes Fotomotiv. Ich hatte sogar Glück: Nach Sonnenuntergang hörte es für kurze Zeit auf zu regnen und es war windstill. Hier war der Polfilter wieder hilfreich. Richtig herum gedreht wurden die Felsen unter der Wasseroberfläche gut sichtbar.

Die Nacht hindurch regnete es weiter, was dem Wasserstand vom Fluß Fango zu Gute kam. Am Vortag noch ein fast trockenes Flußbett, wuchs der Fango in dieser Nacht wieder zu einem richtigen Fluss an. Mir kam das sehr gelegen, weil sich meine Motivauswahl für den vorletzten Tag dadurch stark vergrößerte.

Zum Mittag zeigte sich dann wieder die Sonne. Wir nutzten das Wetter für einen Strandspaziergang. Doch das Ganze erinnerte mehr an Wandern. Den Galeria-Strand zu überqueren ist wegen des steinernen Untergrunds kein Vergnügen. Aber für die Aussicht vom anderen Ende hat es sich gelohnt.

Der letzte Sonnenuntergang, den wir auf Korsika erleben durften, war gleichzeitig der schönste. Die Aussicht auf dem Foto kennt Ihr mittlerweile auch schon. Es bot sich einfach an, wieder am Galeria-Strand zu fotografieren. So richtig Lust auf eine weitere Fahrt mit dem Auto hatte ich in Anbetracht der bevorstehenden Fahrerei ohnehin nicht. Für die 90km zum Flughafen in Ajaccio benötigten wir am nächsten Tag drei Stunden, mit Pause waren es fast vier.
Rückblickend bin ich froh, dass wir uns auf einen recht kleinen Bereich von Korsika beschränkt haben. Trotzdem gab es viel zu sehen und entdecken. Und es war auch so sehr viel Zeit, die wir auf den kurvigen Straßen verbrachten und nicht an einem der schönen Strände.
Langeweile kam nie auf. Korsika hat viel zu bieten und der Westen der Insel lässt das Herz eines jeden Landschaftsfotografen höher schlagen. Ich beginne schon zu überlegen, wann wir eine weitere Reise nach Korsika machen können.
kwerfeldein – Fotografie Magazin
Wenn wir die Links für die browserFruits zusammensuchen, merken wir immer wieder, wie wahnsinnig viel es noch zu entdecken gibt. Ein Artikel am Tag auf kwerfeldein reicht nicht aus, die unglaubliche fotografische Vielfalt und Entwicklung aufzuzeigen. Gut, dass es so viele andere tolle Seiten gibt, die großartige Beiträge bringen. Hier kommt, wie jeden Sonntag, eine immer noch viel zu kleine Liste dieser Artikel.
Fotospecial: Blütenlandschaften
Flickr

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Deutschsprachig
• Aus Eis am Stiel eine Polaroidkamera machen? Geht. Maxim Grew hat’s gemacht und bei der Gelegenheit auch direkt ein hübsches Video gezaubert.
• Ein schönes Interview mit dem Portraitfotografen Sven Jacobsen haben wir hier gefunden.
• Der Fotograf Gregor Sailer fotografierte auf drei Kontinenten Städte und Siedlungen, von denen bis dato keine Bilder existierten.
• Bei der deutschen Vogue fanden wir einige Bilder aus dem Bildband mit Kate Moss.
• Bruno Itans ist Fotograf in Rio de Janeiro. „Für seine erste Kompaktkamera musste er jahrelang Autos schrubben, jetzt bittet ihn sogar die brasilianische Präsidentin um Fotos.“
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International
• Atemberaubend: Die Firma GigaPan hat das bisher größte digital erzeugte Bild aufgenommen – Ein Panoramafoto von Dubai mit 45 Gigapixeln.
• Der griechische Künstler Hellopanos hat mit dem Smartphone urbane Fragmente fotografiert und durch Spiegelsymmetrie faszinierend verändert.
• Bilder von Touristenattraktionen mal anders: Die „Kontaktbogenbilder“ von Thomas Kellner.
• Falls Ihr zufällig nach einem bloggenden Landschaftsfotografen sucht, schaut mal bei Richard Bernabe vorbei.
• Ceslovas Cesnakevicius macht Bildmanipulationen. Diese sind kaum noch als Fotografien erkennbar, aber wunderschön und einzigartig.
• Die türkische Fotografin Aylin Argun macht bemerkenswerte Selbstportrais. Und mit was? Mit dem iPhone 4.
• Müsst Ihr gesehen haben: Christian Åslund zollt 2D-Videspielen mit aufwändigen Straßenportraits Tribut.
• Diese Tier-„Photobombs“ sind in der Tat zum Lachen.
• Mutig – und eigentlich ein unmögliches Vorhaben: The Independent macht einen Vorschlag, welche die 10 besten Fotoseiten im Netz sind.
• Die Grey Art Gallery der New York University zeigt aktuell unter dem Titel „Beat Memories“ die Fotografien von Allen Ginsberg – auch online.
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Neuerscheinungen und Tipps vom Foto-Büchermarkt
• Wer historische Bilder und die Stadt Leipzig liebt, kann sich jetzt doppelt freuen. Der Bildband „Leipzig: Fotografien 1956-1959“ erscheint Anfang Februar und wird 12,95 € kosten.
• Und wer Fan von Berlin ist, der schaut sich diesen Bildband mal an: Entschwundene Stadt: Berlin 1980-1989 erscheint ebenfalls Anfang Februar, kostet allerdings 24,95 €, ist dafür aber auch doppelt so dick.
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Videos
Insektenmakro-Fotograf Thomas Shahan stellt seine Herangehensweise, Ausrüstung und viele seiner Fotos vor. Kleine Tierchen richtig, richtig groß!
Architekturdarstellung vom feinsten. Und, auch wenn es verdammt danach aussieht – das wenigste in diesem Video ist fotografiert, sondern rechnergeneriert.
Mannomann, wer hätte gedacht, dass in San Diego immer gleich soviel auf einmal runterkommt?
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Ausstellungen
„Die Stadt, die es nicht gibt“ – Bilder globaler Räume
Zeit: 22. September 2012 – 17. Februar 2013
Ort: Ludwig Forum, Aachen
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„everywhere but home“ – Calin Kruse
Zeit: 2. Februar – 1. April 2013
Ort: Museum Schloss Fellenberg, Merzig
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Ausstellung: Erik Chmil – LUMAS Ausstellung im BMW Museum
Zeit: 2. Februar bis 31. März 2013
Ort: BMW Museum, Am Olympiapark 2, München
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seaside moods. Impressionen von Frankreichs Nordküste – Jörg Karrenbauer
Zeit: 17. Februar – 27. April 2013
Ort: Robert Schuman Haus, Trier
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Mehr aktuelle Ausstellungen
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