Ein Beitrag von: Bastian Staude

kwerfeldein – Fotografie Magazin
Ein Beitrag von: Anja Millen
Anja Millen ist eine Geschichtenerzählerin. Beim Betrachten ihrer Bilder fühle ich mich wieder selbst wie ein Kind, das am Lagerfeuer sitzt und ihren Worten lauscht. Nur, dass es eben keine Worte sind, sondern Bilder, die direkt durch mich hindurch gehen.
Dass aber nicht die Fotografie, sondern die Bildbearbeitung ihre Passion ist und ihre Welten somit in der digitalen Dunkelkammer entstehen, hat mich veranlasst, ein bisschen nachzufragen, um mehr über sie und ihre Bilder zu erfahren.
Lieben Dank, dass Du Dich zu einem Interview bereit erklärst. Du hast mir geschrieben, dass Du weniger Fotograf als viel mehr Pixelschieber bist. Aber bevor wir dort anknüpfen, erzähl uns doch ein wenig über Dich. Wer bist Du und was machst Du?
Wer ich bin, frage ich mich manchmal selbst. Manchmal verliere ich mich ganz in meinen Bildern und ein anderes Mal verlieren sich die Bilder in mir. In erster Linie bin ich wohl Mensch, das kann ich nicht ändern, auch wenn der Gedanke durchaus reizvoll wäre. Aber die Realität in Bildern und auf Bildern kann ich ändern, neu erschaffen oder aber Träumen ein Gesicht geben.
Ich liebe alle Arten von künstlerischen Tätigkeiten, die traditionelle Kunst, das Schreiben vor allem von Lyrik und Prosa, ebenso wie das Fotografieren oder mein mich am meisten einnehmender Part, das Manipulieren und digitale Neuerschaffen.

Natürlich würde ich viele Bilder mit entsprechendem Equipment und Crew auch rein fotografisch annähernd so darstellen können – allein: Weder Zeit- noch Geldaufwand wären erschwinglich. Ich liebe Ruhe und Stille und arbeite nachts am kreativsten und am Tag leide ich unter meinen durchwachten Bilderwelten, wenn ich meinen Beschäftigungen nachgehe.
Ich komme aus einem Elternhaus, in dem Kunst nicht wirklich eine Rolle spielte und auch nicht entsprechend gefördert wurde. Ich gehöre noch zu der Generation, die „etwas Anständiges lernen“ und arbeiten musste. Also wurde ich Köchin und beendete diese unerwünschte „Karriere“, nachdem ich länger in Südfrankreich arbeitete.
Dann, inzwischen selbst Mutter zweier, mittlerweile erwachsener, Töchter, machte ich mein Abitur nach, besuchte die Fachoberschule für Gestaltung, begann ein Studium und verbrachte einige Zeit an der hier ansässigen Europäischen Kunstakademie.
Ich habe irgendwann die Fotografie und digitale Kunst für mich entdeckt und bin dabei geblieben, auch wenn mich sehr viele andere Bereiche der Kunst und des Designs interessieren und ich am liebsten ein Tausendsassa wäre.
So bearbeite ich seit nunmehr 15 Jahren Bilder digital, zeichne und manipuliere, zum Teil mit eigenen Fotografien, aber auch sehr viel basierend auf Stockbildern. Da es nicht wirklich genug Anfragen oder Nachfrage gibt, betreibe ich dies weitestgehend als Hobby und freue mich daran, wenn Menschen für einen Moment in meiner Kunst abtauchen und auf eine Reise aus dem Alltag gehen können.

Was inspiriert und motiviert Dich, diese anderen Welten zu erschaffen und wie gehst Du dabei vor?
Ich werde durch alles beeinflusst: Bewusst Gesehenes, Errochenes, Gelesenes, Gehörtes, beiläufig Wahrgenommenes, Erlebtes.
Kurzum, das Leben, die Natur und die Umwelt sind die Künstler, die mich ständig beeinflussen. Wann ich das verarbeite, kann ich nicht steuern; ich gehe ohne Vorhaben an ein Bild heran.
Stockbilder inspirieren mich häufig, ich sehe ein Foto einer Fliege und denke: Ooh, die würde sich gut auf einem Auge machen. Ob ich sie letztendlich dorthin setze oder am Ende gar nicht mehr in das Bild integriere, weiß ich im Voraus nicht.
Ein Bild zu machen ist bei mir ein völlig freier Verlauf und ja, da kann es passieren, dass ich nach Stunden einfach auf den kleinen Papierkorb klicke und alles lösche, weil das Bild mir nichts mehr gibt.
Ich brauche keine Motivation, ich fühle mich wie ein Silo, aufgefüllt mit unzähligen irrealen Bildern, die alle herauswollen, als sei ich nur das Werkzeug, um sie aus mir zu entlassen. Würde ich keine Bilder mehr machen, würde ich wohl irgendwann implodieren oder verrückt werden oder beides.
Einzig wenn ich kleinere Serien mache, folge ich ein Thema oder einem Bearbeitungsstil und weiß bereits zu Beginn, wohin die Manipulationsreise mich führen wird.

Du hast Eingangs erwähnt, dass Du zeitweise auch fotografierst. Das ist sicher ein ganz anderes Arbeiten, weil Du dann auch Kontakt mit dem Mensch vor Deiner Kamera aufnimmst. Sehe ich das richtig?
Natürlich ist ein direkter Kontakt mit Menschen immer anders und da ich mich nicht als Profi sehe, ist auch ein bisschen Nervosität dabei. Allerdings ist mein Arbeiten auch dort nicht viel anders als am Computer oder auf der Leinwand. Ich bin keine Dienstleisterin, sprich, ich mache selten „Wunscherfüllung“.
Das ist nicht mein Job, dazu sind entsprechende Fotografen da. Somit „schiebe“ ich statt Pixeln halt den Menschen über meine Leinwand, bis ich die Positionen, Mimik oder Szenerien eingefangen habe, die ich mag.
Ich habe einige Bilder in meinem Portfolio, die nicht manipulierte Arbeiten sind, liebe es aber, diese Welten zu erschaffen, zu denen mir die Mittel fehlen, sie durch reine Fotografie zu kreieren. Somit wird die Fotografie dann für mich lediglich Mittel zum Zweck, der abgelichtete Mensch erkennt sich häufig danach nicht einmal mehr selbst.
Wo andere Fotografen die Visagisten bereithalten, bitte ich das Modell, ungeschminkt zu kommen, das verunsichert manchmal. Auch die Bitte um ungewohnte Bewegungen oder schlicht Ausdruckslosigkeit, fernab des typischen Posings, ist für manche gewöhnungsbedürftig.
Von daher ist es für mich schon anstrengender, da ich nicht der geduldigste Mensch bin und auch nicht gern Überredungsarbeit leiste. Sprich: Wer es wirklich wagt, sich vor meine kleine Canon zu stellen, sollte funktionieren und sich keine Gedanken machen, ob er noch „schön“ genug aussieht, wenn er den Mund aufreißen soll.

Bildbearbeitung und Fotografie. Wieviel ist erlaubt? Hier scheiden sich immer wieder die Geister. Bildmanipulation als eigenes Medium, abgekoppelt von Malerei und Fotografie oder Verbindung beider Genres?
Zur Frage, wieviel erlaubt ist: Fragt man sich das auch bei einem Maler, Zeichner oder Bildhauer?
Ich sehe die Fotografie als meine „Ölfarbe“ und Photoshop als meinen Pinsel oder als meinen Marmorstein und Meißel. Ein Zuviel gibt es schlicht nicht in meiner Art der Kunst, eher ein Zuwenig, denn dann würde ich ja „nur“ noch ein Foto etwas aufpimpen. Ich möchte eine komplett neue Welt erschaffen, in der man am besten die fotografischen Einzelteile als solche nicht mehr erkennt.
Manipulationen und Kompositionen wurden solange von verängstigten und auch verärgerten Fotografen verschrien und erst in den letzten ein, zwei Jahren mehr und mehr anerkannt. Bei vielen entstand es vor allem aus der Angst heraus, dass die Wertigkeit der Fotografie leidet und auch aus der Scheu, sich mit Produkten wie Photoshop auseinanderzusetzen. Für mich persönlich leidet die Fotografie nur unter der Bearbeitung, wenn jemand, der sein Werkzeug nicht beherrscht, sich daran versucht, z.B. an übertriebenen Beautyretuschen und ähnlichem und das machen besagte Fotografen leider meist selbst.
Ja, ich bin für Bildmanipulationen natürlich vom Bild als Basis abhängig, jedoch nicht für digitale Kunst zwangsläufig, da ich auch digital zeichne, male, rendere. Fotografie ist ein eigenständiges Genre, ebenso wie die darauf basierende künstleriche Verarbeitung.

Wir haben jetzt viel über Bildmanipulation gesprochen und darüber, dass der Computer Dein Werkzeug ist. Wie aber verhält es sich mit der Präsentation Deiner Bilder? Reicht Dir dafür das Netz oder möchtest Du auch eine haptische Erfahrung?
Ich würde gern auch Ausstellungen meiner Bilder oder Installationen verschiedener Ideen machen, Angebote habe ich durchaus, national wie auch international. Der springende Punkt ist, dass dies sehr viel Geld erfordert. Abgesehen vom reinen Drucken, den Rahmen, Materialien und auch Anreisen und Transport.
Das klingt nun vielleicht etwas merkwürdig, ist aber tatsächlich der Hauptgrund, wieso ich das Netz als meine Galerie bevorzuge. Mäzene laufen einem nicht die Tür ein. Ich habe auch bereits als Book on Demand ein Buch gemacht und plane dahingehend durchaus mehr.
So sehr das Internet auch ein Segen für die Verbreitung und Betrachtung von Kunst ist, so sehr können sich die Leute heute daran sattsehen, um danach auf ihre nackten Wände zu schauen, ohne sich Kunst „erarbeiten“ zu müssen, gleich in welcher Form: Durch den Gang zur Galerie, ins Museeum, in den Buchhandel oder durch entsprechende Bilder an eigenen Wänden.
Mit diesem letzten Satz möchte ich das Interview gern beenden. Es lässt Raum für eigene Gedanken.
Vielen Dank für den Einblick in Deine Welt. Es hat auch bei mir einiges umgeworfen und ich konnte einige meiner Vorurteile, dank Deiner Ansichten, etwas geraderücken.
Wer nun mehr von Anja Millen sehen möchte, der schaut bei Facebook vorbei. Dort gibt es immer die neuesten Bilder zu bewundern.
kwerfeldein – Fotografie Magazin
Normen Gadiel hatte zwei Artikel bei uns veröffentlicht, als wir uns dazu entschieden, ihn in die Redaktion einzuladen. Zu gut passten seine Fotos und Texte in unser Magazin, um diese Frage offen stehen zu lassen.
Heute ist Normen als freier Redakteur fester Bestandteil der kwerfeldein-Redaktion. Er hat sich eingelebt und bringt immer wieder neue Gedanken in unsere Konferenzen. Auch ist die Qualität seiner Artikel weiter auf hohem Niveau und ich wurde erst kürzlich dazu beglückwünscht, dass wir Normen aufgenommen haben.
Vorbildhaft finde ich, dass Normen sich und seine Art zu Fotografieren regelmäßig hinterfragt und bereit ist, neue Wege zu gehen. Dass er bereits jetzt großartige (Selbst-)Portraits macht, steht außer Frage.
Ich bin gespannt, wie es mit Normen und kwerfeldein weitergeht und übergebe ihm nun das Mikrofon.
Martin Gommel, Herausgeber
Der erste Gedanke an diesen Artikel ließ mich an den Buchtitel „Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“ von Richard David Precht denken. Und so wurde mir schnell klar, dass ich mich selber kennenlernen würde, während ich diesen Artikel schreibe.
Bei mir gibt es schon seit Ewigkeiten eine kleine Diskrepanz zwischen „Wer bin ich?“ und „Wer will ich sein?“. Kennt Ihr das? Immer besser sein zu wollen, als man ist? Mein Problem in dieser Fragestellung ist es, dass ich immer möglichst viel machen will und das auch möglichst gut, dadurch habe ich manchmal das Gefühl, dass mir die Zeit wegläuft, andere Dinge zu machen. Aber bevor sich jetzt jemand Sorgen macht – mir geht es sehr gut damit. Ich bin glücklich.

Wofür beanspruche ich Zeit? Neben der Arbeit bei kwerfeldein ist das bei mir noch mein Beruf als Chemietechniker, ein Stadtratsmandat und die eigene Fotografie. Die Zeit für Familie, Freunde und die Partnerschaft darf man natürlich auch nicht vergessen.
Zur Fotografie bin ich gekommen, weil ich schnelle Bewegungen nicht mehr verschwommen aufnehmen wollte. Die Kompakt- wurde gegen eine Spiegelreflexkamera ausgewechselt. Es folgten ein paar Jahre, in denen ich alles fotografierte, was nicht bei drei auf dem Baum war.

In die ambitionierte Fotografie stieg ich ein, als ich Fotos von Alex Stoddard sah. Seine Selbstportraits beeindruckten mich so sehr, dass ich Lust bekam, die Fotografie noch weiter zu entdecken. Es war der Start in eine Zeit, in der ich keinen Tag ohne einen Gedanken an die Fotografie verbrachte. Dieser Zeitraum begann vor zwei Jahren und setzt sich bis jetzt fort.
Mein Fokus liegt momentan auf Selbstportraits und Portraits. Portraits mag ich vermutlich besonders, weil ich mir abseits der Fotografie gern Geschichten von Menschen anhöre. Ich liebe es einfach, wenn Menschen Anekdoten erzählen.

In meinen Fotos versuche ich, Situationen zu erschaffen, die eine Stimmung vorgeben, jedoch noch genügend Spielraum für die eigene Interpretation bereithalten. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Bilder, abhängig vom Betrachter, immer ein wenig anders interpretiert werden. Für mich eine schöne Vorstellung und einer der Gründe, warum ich meine Fotos nur selten mit Text unterbaue.
Für kwerfeldein schreibe ich gelegentlich meine Gedanken zur Fotografie in Form eines Essays auf oder führe Interviews mit Fotografen durch. Was natürlich eine tolle Sache ist, weil ich so zum einen Talente präsentiere und zum anderen erfahrenen Fotografen die Fragen stellen kann, auf die ich gern eine Antwort hätte.

Zum Schluss möchte ich noch all den Lesern danken, die mit ihren Kommentaren einen Artikel noch lesenswerter machen. Am Ende ist es immer wieder schön, wenn man nach der Veröffentlichung eine Rückmeldung zum Artikel bekommt.
kwerfeldein – Fotografie Magazin
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Habt Ihr schon bei unserer Leseraktion „Selbstportraits“ mitgemacht? Wenn nicht, schaut schnell mal vorbei. Noch bis zum 23. März könnt Ihr ein Foto einreichen. Und nun viel Spaß mit den Früchten!
Fotospecial: Schaufenster
Flickr

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Deutschsprachig
• Der Stilpirat war im Death Valley unterwegs und hat ein paar tolle Bilder mitgebracht.
• Das Magazin i-ref beschreibt Li Huis Fotos als „simpel und doch emotionsgeladen, blass aber doch voller Ausdruckskraft“.
• Kodak glaubt trotz Milliardenverlusten an den Neuanfang als Druckspezialist.
• 62 Stillleben brachte der Berliner Fotograf Hans-Christian Schink aus Japan mit.
• Die Fotogalerie C/O Berlin ist nun endgültig aus dem Postfuhramt ausgezogen.
• Wie schön deutsche U-Bahnhöfe sind, zeigt der Fotograf Nick Frank in seiner Bilderserie „Subways“.
International
• Gustavo Lacerdas eindingliche Portraits von Albinos.
• Kennt Ihr schon dieses Selbstportrait von Paul McCartney?
• Für die Androiden: 20 Apps, die Ihr auf dem Smartphone haben solltet, vorgestellt von Colby Brown.
• Alfred Wertheimer portraitierte den jungen Elvis Presley und 26 dieser Bilder werden in der TIME Lightbox vorgestellt.
• Kaum zu glauben, dass es sich bei den bunten Langzeitbelichtungen von Andrew Hall tatsächlich um Fotos handelt.
• Unser Redakteur Michael war letzte Woche zu Gast im Podcast von Photography.ca zum Thema Fokus Stacking.
• Was wäre wenn Berlin Hochhäuser wie New York hätte? Finding Berlin zeigt Fabian Freytags Kolossal-Studie.
• Ida Frosk fotografiert ihr Essen mit dem Smartphone. Und repliziert historische Kunstwerke auf Instagram.
• Jason Isley war gelangweilt von der Standard-Makrofotografie und hatte eine gute Idee für seine Unterwasserbilder.
• Handwerker müsste man sein: Eirik Russel baute sich einfach selbst eine Mittelformat-Panoramakamera.
• John Schabel fotografierte zwischen ’94 und ’96 Flugpassagiere durchs Flugzeugfenster. Geht nicht? Geht doch. Zumindest damals war es noch möglich.
• Maciej Dakowicz wird aktiver Teil des Straßenfoto-Kollektivs „In-Public“ – er hat auch ein herausragendes Portfolio.
• Wer bezahlt Fotografen und wieviel gibts für welchen Auftrag? Who pays photographers? nutzt die Crowd als Quelle für Antworten.
Neuerscheinungen und Tipps vom Foto-Büchermarkt
• „Leica Myself“* ist ein Fotoband, in dem Selbstportraits versammelt sind. Die Vorschaubilder auf Amazon sehen auf jeden Fall vielversprechend aus.
• Ein neuer Band aus der Serie „Stern Portfolio“: Dieses Mal gibt es Fotos des großartigen Portraitfotografen Yousuf Karsh zu sehen.
Videos
Dieser Kamera-Liebhaber hat über die Jahre mehr als eintausend Kameras um sich geschart.
Eine bewegende Doku über einen, der auszog um Nordlichter einzufangen.
Ausstellungen
FRAUEN / WOMEN
Zeit: 8. März – 25. Mai 2013
Ort: Fasanenstr. 69, Berlin
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Karl Hubbuch und das Neue Sehen
Die Karlsruher Kunstakademie und die Fotografie um 1930
Zeit: 9. März – 9. Juni 2013
Ort: Städtische Galerie, Karlsruhe
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Rudy Burckhardt – New York/Maine
Zeit: 16. März – 7. Juli 2013
Ort: Museum der Moderne, Salzburg
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Eva Leitolf. Postcards from Europe
Zeit: 13. März 2013 – 4. August 2013
Ort: Sprengel Museum Hannover
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William S. Burroughs – Retrospektive
Zeit: 16. März – 18. August 2013
Ort: Deichtorhallen Hamburg
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Mehr aktuelle Ausstellungen
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kwerfeldein – Fotografie Magazin
Von meinem selbstgemachten Fotobuch „still“ haben wir im Dezember schon ein Exemplar im Adventskalender verlost. Seitdem habe ich noch einige weitere gedruckt, gebunden, verschickt und während dieser meditativen Handarbeiten meine Gedanken kreisen lassen.
Dabei habe ich nicht nur den Ablauf der Buchherstellung und die Qualität der einzelnen Bücher verbessern können, sondern mir ist im Nachhinein auch klar geworden, wie spannend auch die Entstehung des finalen Buchkonzeptes war. In beides – Konzeptentwicklung und Buchherstellung – möchte ich Euch nun Einblicke gewähren, die von Fotos des handwerklichen Prozesses illustriert werden.

Der Plan
Irgendwann im Juli letzten Jahres kam (zugegebenenermaßen nicht zum ersten Mal) die Idee auf, aus meinen eigenen Fotos ein Buch zu machen. Andere machen Abzüge der eigenen Bilder, kleben sie in Alben oder hängen sie sich an die Wand. Ich wollte meine Bilder auch einmal besonders hervorheben, aber nicht nur für mich, sondern für die Menschen, die sie besonders mögen.
Eine Erwähnung von Marit zum Thema Buchbinden gab mir den entscheidenden Anstoß und ich begann, im allwissenden Internet Anleitungen zu verschiedenen Buchbindetechniken zu lesen. Ein paar auch für mich Laien machbare schienen dabei zu sein, also ging ich in meiner Euphorie direkt die nächste große Baustelle des Projektes an: Den Druck.
Da ich ganz generell lieber so viel wie möglich selbst mache, anstatt nur irgendwo einen schnöden Druckauftrag abzuschicken, zog ich verschieden starke Papiersorten, die ich gerade zur Hand hatte, durch meinen Drucker, der zu diesen ersten Testzwecken von mir veranlasst ein paar meiner eigenen Lieblingsbilder ausspuckte.

An diesem Punkt ist mein Hang zum Selbermachen der wichtigste Formgeber des bis dato inhaltlich völlig offenen Buchprojektes geworden. Denn: Wenn ich das Buch selbst machen wollte, würde es sich nach den Möglichkeiten meines Druckers richten. Ausgangspapierformat also am einfachsten A4 und von einer Sorte, die sich leicht im Einzelhandel beziehen ließe.
Beim Anblick der gedruckten Testbilder wurde auch ganz schnell klar, dass die Druckqualität der Farbbilder nicht ausreichend war. Ich hätte nun anfangen können, mich mit der Kalibrierung von Druckern zu beschäftigen, aber diese Möglichkeit zog ich nicht ernsthaft in Erwägung, da die Schwarzweißbilder absolut hervorragend aussahen.
Damit stand bereits der Fundus fest, aus dem ich schöpfen würde: Meine analogen Schwarzweißbilder. Entgegen dem, was ich die meiste Zeit präsentiere, also so gut wie keine Portraits. Eine gute Gelegenheit, wenig beachteten Bildern noch einmal eine neue Öffentlichkeit zu schenken.

Als ich alle in Frage kommenden Bilder sichtete, wurde mir schnell klar, dass das Buchformat – hoch oder quer – eine schwere Entscheidung sein würde. Ich blätterte durch ein paar Fotobände und stellte fest, dass bei genauer Betrachtung alle furchtbar waren: Hochformate müssen damit leben, immer nur halb so groß zu sein wie Querformate, die mit einem hässlichen Falz in der Mitte verunstaltet sind – bisher war mir das nie aufgefallen.
Über diese Unzulänglichkeiten hätte ich mich ärgern können. Tat ich aber nicht, da ich kein fantastisches Wunschprojekt im Kopf hatte, von dem sie mich abbrachten. Sogar ganz im Gegenteil: Ich empfand es als sehr angenehm, durch Einschränkungen der Technik und eigene Ideale zu Form und Inhalt geleitet zu werden, die sich so Stück für Stück fast von selbst ergaben.
So war klar: Die Seiten müssten quadratisch sein, damit ich Hoch- und Querformate jeweils in der gleichen Bildgröße einseitig präsentieren kann. An diese Notwendigkeit musste ich mich erst gewöhnen, da ich quadratische Bücher bisher immer mit den unsäglichen Sprüche- und Geschenk-Büchern für einfallslose Menschen, die in der letzten Minute etwas Billiges für den Geburtstag von Tante Klara suchen, in Verbindung gebracht hatte.

Für quadratische Seiten hätte ich nun entweder große Papierbögen druckergerecht teilen oder von A4-Blättern etwas abschneiden müssen. Die eine Möglichkeit wäre zu viel Schneiderei gewesen, die andere hätte ein zu kleines Endformat zur Folge gehabt. So entstanden die halben Seiten.
Halbe Seiten? Genau. Ich ließ den zum 2:1-Format fehlenden Teil der A4-Blätter einfach weg, um ohne Schneiden die ganzen, normalen Blätter benutzen zu können. Daraus ergaben sich aber wiederum zwei Dinge:
1. Würde man beim Betrachten eines Bildes immer auf der gegenüberliegenden Seite ein halbes anderes Bild sehen.
2. Mussten die halben Seiten zwingend mit Text gefüllt werden, damit sie nicht nur als faule Rudimente mit an Bord sind.

Für das erste Problem hatte ich schnell eine Lösung, inspiriert von alten Fotoalben und ihrem Spinnenpapier: Ich kann zwischen zwei Blätter jeweils Transparentpapier mit ins Buch binden, sodass die gegenüberliegenden Bildseiten stärker verdeckt werden, aber die Bilder noch blass durchschimmern.
Leider löste diese Konstruktion in meinem Kopf eine euphorisch-kreative Kaskade aus: Den Bildern kann ich so etwas wie Gedichte an die Seite stellen, die mit der Halbdurchsichtigkeit des Transparentpapiers spielen, indem sie teilweise auf das Transparentpapier und teilweise auf das normale Papier darunter gedruckt werden. Zwei Gedichte, die übereinander gelegt ein neues ergeben.
Puh. Eine Idee, die so starre formale Vorgaben macht, dass die Qualität der Texte sicherlich leiden wird, da ich ja auch kein erfahrener Poet bin. Zum Glück musste ich mich daran nicht versuchen, da mein Drucker die Idee vereitelte: Die Blätter des Transparentpapiers waren mit insgesamt knapp 80 cm Länge zu lang für ihn.

So musste ich „nur“ noch für die knapp 80 Bilder, auf die ich mich mit mir selbst nach wochenlangem Aussieben, Erweitern, Verwerfen, Sortieren und Wiederneuanordnen geeinigt hatte, jeweils ein paar Worte finden. Nach den ersten niedergeschriebenen Textfragmenten fand sich dafür schnell ein Rhythmus von jeweils drei plus zwei kurzen Zeilen.
Beim Aneinanderreihen der ausgewählten Bilder schaute ich automatisch auf Gemeinsamkeiten, Gegensätze, Assoziationen und hatte schnell so etwas wie eine abstrakte Geschichte im Kopf, die mich von einem zum anderen Bild leitete, Übergänge schuf. Aus diesen Erinnerungen, Gefühlen und den im Laufe der Jahre vergebenen Bildtiteln tippte ich innerhalb von zwei Tagen meine Texte – nachts und mit etwas Rotwein: Meinen persönlich optimalen Rahmenbedingungen für freie Gedankenassoziationsketten.
Da meine Bildtitel normalerweise Englisch sind, der größte Teil des zu erwartenden Publikums – aber wer weiß! – allerdings deutschsprachig, stand auch schnell fest, dass die Ausgabe zweisprachig werden würde. Eine neue Herausforderung, die gleichzeitig aber auch vielen der Textfragmente ihre Form gab, wenn ich eine der beiden Versionen verändern musste, um mit dem vorhandenen Platz auszukommen.

Das Layout der einzelnen Seiten war schnell gefunden: Die Bilder so groß wie möglich, aber mangels formatfüllendem Druck mit so viel Abstand zu den Rändern, dass der bei jedem Blatt etwas anders ausfallende Papiereinzug des Druckers nicht unangenehm auffallen würde oder im abschließenden Beschnitt des Buchblocks korrigierbar wäre.
Beim wunderbaren Buch „The Moon Is For Adults Only“ von Laura Makabresku hatte ich mich ein paar Wochen zuvor in den Umschlag verliebt, der ein gefaltetes Poster ist. Das wollte ich auch haben. Bekam ich dann auch, nachdem ich im Spätherbst mehrere Wochen lang verzweifelt nach einer erschwinglichen, aber qualitativen Möglichkeit suchte, mein Umschlagbild 30 mal in A2 – Papier nicht zu dünn, nicht zu dick – drucken zu lassen.

Die Umsetzung
Dass ich mir bei der Wahl meines Formates gedacht hatte, dass das Zuschneiden von Papier ins Format 2:1 zu viel Schneiderei wäre, ließ mich nun über mich selbst lachen, als endlich alles vorbereitet war und ich zusammentrug, was für ein einzelnes Exemplar alles zu tun war:

Die Herstellung des ersten Buches zog sich so über mehrere Tage und Nachtschichten hin. Viele Schritte machte ich zum ersten Mal, auch wenn ich sie mir in meiner Vorstellung schon genau zurechtgelegt hatte. Natürlich klappte so einiges nicht so wie gedacht, ich war kurz davor, alles hinzuwerfen und machte dann vom Ehrgeiz gepackt doch weiter.
Nachdem ich monatelang am Inhalt, also den Bildern, ihrer Reihenfolge und den Worten, die sie begleiten und hoffentlich beim Betrachter weitere Dimensionen öffnen würden, gearbeitet hatte, war ich damit rundum zufrieden, stolz darauf und energiegeladen genug, für jede Widrigkeit eine Lösung zu finden!
Inzwischen habe ich durch Routine, eine veränderte Reihenfolge und teilweise gleichzeitiges Erledigen von mehreren Arbeitsschritten die Arbeitszeit pro Exemplar auf etwa die Hälfte reduziert. Das sind zwar immer noch etwa zehn Stunden, aber es ist jedes Mal ein überwältigendes Gefühl, ein fertiges Buch in der Hand zu halten. Es zu wiegen.

Der Prozess beginnt damit, das Transparentpapier von der Rolle in knapp 80 cm lange Bahnen zu schneiden. Gar nicht so einfach, dabei keine Flecken oder Knicke zu verursachen und überall rechte Winkel zu erhalten, damit nicht alles krumm und schief wird.
Anschließend drucke ich den Buchinhalt. Jedes Blatt wird einzeln in den Drucker eingelegt, da ich beim Testen bemerkt habe, dass die manuelle Zufuhr das Blatt fast ganz gerade einzieht. Das dauert natürlich richtig lange, aber währenddessen falze ich schon einmal das Transparentpapier und die fertig bedruckten Blätter.
Danach werden alle Blätter mit einer Schablone, Nähnadel und einem Fingerhut für die sich anschließende Bindung vorgestochen. Wenn ich hier sehr ordentlich arbeite, geht die Bindung danach richtig schnell, weil ich alle drei Löcher, die in jedem Heft des Buches übereinanderliegen, mit der Nadel auf einmal finde, anstatt blind und wild im Blätterhaufen herumzustochern.

Nachdem ich mir verschiedene Möglichkeiten zur Buchbindung angesehen hatte, habe ich eine eigene Variante entwickelt, die nicht so furchtbar viel Faden verbraucht wie die meisten anderen, die den Faden am Buchrücken über die ganze Länge hoch und runter führen. Da mein Buch mit gut 2 cm sehr dick geworden ist, binde ich am Rücken vier Mal mit gewachsten, dreifachen Fäden. Fühlt sich stabil an.
Die ersten Exemplare hatte ich bereits an diesem Punkt mit Schraubzwingen zwischen zwei Platten fixiert und den Buchrücken mit Ponal verleimt, verstärkt mit Mullbinde. Den an einer Seite schon verklebten Buchblock dann noch zu beschneiden, wurde aber nicht so richtig schön und auch große Schneidemaschinen fransten die Blätter aus, da der Buchblock durch die halben Seiten nicht gleichmäßig dick ist.
Also beschneide ich inzwischen zuerst und verleime erst dann den Buchrücken. Dabei fiel meine Wahl auf Ponal, da dieser sich als Holzleim auf Wasserbasis nicht nur oberflächlich mit dem Papier verbindet und nach dem Trocknen noch eine gute Flexibilität hat. (Toll, auf welchen Spezialgebieten man lernt.) Immerhin möchte man das Buch nicht nur ins Regal stellen, sondern auch durchblättern, also den Buchrücken hin und her biegen.

Das erste Exemplar – und damit das ganze Projekt – wäre an dieser Stelle beinahe gescheitert, da ich es nach dem Leimen zu früh aus der Presse nahm und dann zusehen musste, wie der ganze Brocken sich wellte und vollkommen verzog, während ich auch noch versuchte, den ganzen Buchblock auf einmal zu schneiden.
Zum Glück war es mitten in der Nacht und ich dachte mir: Pack das Ding wieder in die Presse, schlaf erst einmal richtig aus und träum davon, dass Du morgen früh auf wundersame Weise alles noch rettest. Die Presse hat es geradegebogen und der Morgen brachte die richtige Idee, den Block stückweise zu schneiden.
Die letzten Schritte, in denen die Lesebändchen, das Cover, der Umschlag und die Nummerierung gemacht werden, sind eigentlich nur i-Tüpfelchen. Und trotzdem runden genau diese Rahmenelemente ein Buch erst so richtig ab. Vielleicht kann man diese Verwandlung aber auch nur dann erkennen, wenn man einmal erlebt hat, wie sich das mulmige, verkrampfte Gefühl im Bauch, mit dem man den nackten, verleimten Buchblock betrachtet, der einen schon Stunden des Lebens und der Feinmotorik gekostet hat, durch den letzten Schliff in vollkommen federleichten Stolz auflöst.

Wer bis hierhin gelesen hat, hegt wahrscheinlich ohnehin ein Interesse für Handwerkliches und Kurioses abseits der reinen Fotografie; fragt sich aber möglicherweise dennoch, warum ich so ausführlich meine Erfahrungen bei der Herstellung eines Buches beschreibe, anstatt ein Tutorial zur Bildbearbeitung zu schreiben.
Weil ich Euch anregen möchte, Euren Stolz auf die eigenen Bilder noch einmal um ein Vielfachtes zu steigern, indem: Ihr Euch einmal Eure eigenen Lieblingsbilder aussucht. Sie länger betrachtet als jemals zuvor, dabei Verbindungen und neue Gedanken in ihnen findet. Euch etwas wirklich Großes für diese besonderen Bilder ausdenkt. Euch an der Idee festbeißt. Sie verdammt nochmal umsetzt!
PS: Und meine private Seelenklempnerin ist natürlich ganz vernarrt in die Erweiterung der Fotos um assoziativ-lyrische Textfragmente. Tausend Mal besser als Traumdeutung. Mal sehen, wann ich meinen Artistproof wieder zurück habe…
kwerfeldein – Fotografie Magazin
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You tried running your DSLR photos through phone apps.
But the details got lost, and you were left with a tiny photo!
Cole Rise’s Litely might just have made the perfect preset actions for your digital photos. And it’s no wonder, have you seen Cole’s photos?
Each set comes with twelve presets that gracefully adjust the color and tone of your photos with a look reminiscent of film.
But what makes these so different from all the other presets out there?
They’re impressively subtle and keep the skin tones of your subjects looking natural, all without washing out the detail. Plus, they’re pretty as heck!
The best part is they were each made to work with nearly any kind of lighting. So you can use use them whether you shoot outside, in low light, or in a studio.
We might just call Cole Goldilocks ’cause these presets are just right.
You can check the presets out in action at Lite.ly’s blog. They’re available Photoshop, Lightroom, Aperture, or Adobe Camera Raw.
Litely, Simply Beautiful Photo Presets
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© lisbeth for Photojojo, 2013. |
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