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Archive for the ‘Equipment’ Category

20. Mai 2013

20 May

Ein Beitrag von: Herr Bohn

perception_©_Herr-Bohn


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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Bildvorstellung: Urbi et Orbi

20 May

Wer hier schon länger treu mitliest, mag sich vielleicht noch an einen Artikel erinnern, in dem ich einmal mein Projekt 60-second slices of present vorgestellt habe. Es ging darum, tagsüber im Stadtraum mithilfe von Langzeitbelichtungen absichtlich befremdliche Ergebnisse zu erzielen.

Seitdem ist viel Zeit vergangen und dennoch habe ich an diesem Projekt festgehalten. Was mich inzwischen enorm daran fasziniert, ist, denke ich, wie ich mit dem immer wieder gleichen Versuchsaufbau stets zu neuen und sehr unterschiedlichen Ergebnissen komme.

Das ist auch der Grund, weshalb ich rigide daran festhalte, immer genau 60 Sekunden lang zu belichten. Zum einen handelt es sich um eine gewollte Restriktion, innerhalb derer ich die bestehenden Möglichkeiten auslote und zugleich gefällt mir der symbolische Charakter dieser Zeitspanne: Eine Runde des Sekundenzeigers um das Ziffernblatt.

Was mich darüber hinaus im Verlauf des Projektes immer mehr zu interessieren begann, ist die menschliche Wahrnehmung von Zeit. Eine Fotografie vermag Zeit eben nicht nur momentan einzufrieren, sondern, ganz im Gegenteil, auch zu komprimieren, und zwar in einer Art und Weise, wie wir sie allein mithilfe unserer Sinne nie wahrnehmen könnten.

Ich finde es spannend zu betrachten, wie sich im festgesetzten Zeitrahmen von 60 Sekunden bestimmte kollektive Bewegungsmuster abzeichnen. Das sind erfahrungsgemäß Bewegungen, bei denen möglichst viele Menschen möglichst dicht aufeinander folgen – beispielsweise eine Demonstration, ein Marathon oder ein Verkehrsknotenpunkt zur Hauptbetriebszeit.

Was da als Experiment mit der Zeit begann, hat sich inzwischen zu einer ausgewachsenen Reflexion über das Thema der Stadt entwickelt und darüber, wie der Mensch in Bezug zu seiner gebauten Umgebung steht und den von ihm geschaffenen Raum nutzt.

Angefangen in Berlin, begann ich im vergangenen Jahr, das Projekt geografisch zu erweitern. So fand ich mich im Herbst kurzerhand in Warschau wieder und dieses Jahr zu Ostern schließlich in Rom.

Das geschah natürlich nicht völlig zufällig. Angesichts der erforderlichen, recht schweren Ausrüstung (Stativ und Mittelformatkamera) bedarf es immer einer konkreten Planung. Flexbilität und Spontaneität behalte ich mir dann in der Regel eher für die Erkundung vor Ort vor.

Inspiriert nach Rom zu fahren, war ich durch die Nachricht im Radio über die Wahl des neuen Papstes. Dabei hatte ich sofort ein Bild vor meinem inneren Auge: Den mit Menschenmengen gefüllten Petersplatz. Dieses gedankliche Bild habe ich hier mal anhand einer Skizze visualisiert.

© Robert Herrmann

So setzte ich mir also in den Kopf, solch eine Situation einmal in Form einer Langzeitbelichtung aufzunehmen. Und da gerade das Osterfest bevorstand und der neue Papst feierlich seinen Segen „Urbi et Orbi“ erteilt, so würde sich der Petersplatz abermals mit tausenden Gläubigen aus aller Welt füllen.

Der Platz liegt direkt vor dem Petersdom – dem Herzen des Vatikans – und öffnet sich in Richtung der Via della Conciliazione, die bereits zum Territorium Roms gehört. Von 1656 bis 1667 nach den Plänen des römischen Architekten Gian Lorenzo Bernini erbaut, bildet der Platz ein Oval, in seiner Mitte steht ein Obelisk und an den Enden seiner Hauptachse wird er von zwei symmetrischen Kollonaden gerahmt.

Natürlich war es schwierig, die gedachte Perspektive von oben auf den Platz zu bekommen, da man sie eigentlich nur von den nicht öffentlich zugänglichen Dächern der Kollonaden oder einer frei positionierbaren Hebebühne erhalten würde.

Strategisch und weit vorausgedacht wäre die Organisation eines solchen Zugangs durchaus möglich gewesen, nur hätte sie einen zeitlichen, bürokratischen und sicher auch finanziellen Aufwand erfordert, den ich für mein Ein-Mann-Projekt dann doch für etwas überzogen hielt.

Als ich mich nun am Ostersonntag auf den Weg zum Petersplatz machte, war ich überwältigt von den Menschenmassen, die sich alle in die gleiche Richtung bewegten. So brachte ich schließlich fast eine Stunde lang damit zu, diese Bewegung festzuhalten.

Leider hatte dies dann zur Folge, dass ich nicht mehr auf den Petersplatz kam, da er zu diesem Zeitpunkt schon randvoll war. Also beeilte ich mich, um wenigstens noch einen guten Standpunkt auf der Via della Conciliazione mit Blick auf die Benediktionsloggia des Papstes zu ergattern.

Dort fuhr ich das Stativ auf seine volle Höhe aus, womit ich die Kamera etwas über die Köpfe der Menschen gehoben und somit nun trotzdem die Perspektive eines (wenngleich tieffliegenden) Vogels bekam. Mit dem Petersdom im Fluchtpunkt machte ich eine ganze Reihe Blindversuche, denn durch den Schachtsucher meiner Kamera konnte ich ohne Zuhilfenahme einer Leiter nun nicht mehr schauen.

Dieses Bild hier habe ich aus einem Fundus von etwa 20 Versuchen ausgewählt, weil es kompositorisch das gelungenste ist und die Bewegung der Massen nach dem Ende der päpstlichen Ansprache sehr gut wiedergibt.

© Robert Herrmann

Wenn ich jetzt im Nachhinein auf das Resultat schaue, das ich mit nach Hause bringen konnte, bin ich sehr zufrieden. Sicher, es entspricht nicht eigentlich der Vorstellung, die ich hatte, aber ich finde es genauso gut. Und letztendlich schlägt nichts die Erfahrung, tatsächlich dort vor Ort gewesen zu sein und das Glück, auf die gegebenen Umstände mit einem zufriedenstellenden Ergebnis reagiert zu haben.

Und ich denke, es ist immer gut, mit einem Bild im Kopf zu beginnen…

Dieses und weitere Bilder aus Rom, die ich im Rahmen des Projektes „60-second slices of present“ erstellt habe, könnt Ihr Euch auf meiner Webseite anschauen.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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19. Mai 2013

20 May

Ein Beitrag von: scissabob

© scissabob


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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When Mobile Photography Beats Traditional Photography

19 May

mobile-phone-photos

Photography: Star Rush

For most photographers, the lens on a smartphone is a fun toy. It provides a way to capture a moment — a moment to which they hadn’t brought their DSLR — and it lets them share those snaps with friends and family. But it’s not a real camera. It’s not a device that they would use to shoot for a client or to create the kind of art that they’d expect to see in an exhibition or hang in a gallery. For other photographers though, an iPhone or Android is more than a telephone with some basic imaging capabilities; it’s their main tool, their go-to device for capturing landscapes, people and scenes… and the device they use to create the kinds of pictures that end up on gallery walls and win cash prizes in prestigious competitions.

Star Rush, a Seattle-based street and documentary photographer, has been shooting as a “serious hobbyist” for more than twenty years. She now focuses on mobile photography and last year founded Lys Foto, an online magazine that showcases images captured on mobile phones. Her own work has been displayed in solo exhibitions in Seattle and she’s contributed to group shows in London and Rome. Her 20-photo solo show is currently in preparation for the City of Edmonds Arts Commission in 2014. While the venues and publications that have shown her photos were not exclusive to mobile photography, all of the work was captured using an iPhone 3GS or an iPhone 5.

The Device Determines the Picture

Star’s shift towards mobile photography was inspired by her desire to see what a simple, utilitarian device would do for her photography, to discover what she could create and capture with a fixed lens, fixed aperture and limited exposure meter. The basic editing and sharing functions built into the device were also an attraction, allowing her to shoot, process and publish her imagery quickly and easily.

Asked about the advantages of mobile cameras over traditional cameras, Star listed nine benefits that included accessibility; integrated capture, edit and share functions; simplicity; access to the work of other photographers; reduced clutter; the focus on composition; and fun. All of them, she argues, change not just the way the picture is made but the picture that the photographer produces.

“In the end, it’s all photography, isn’t it?” she says. “The photo is a photo. But the medium and process by which one captures and makes that photo is going to differ and often the medium can impact the process — this is where mobile is different. So, for me, I use a smartphone because the best camera is the one you have with you, as Chase Jarvis has said.”

Star describes mobile photography as “connected photography,” emphasizing a mobile device’s ability not just to always be on the scene but to be connected to other photographers. She uses three photographic social media platforms and notes the difference between the communities found on each of them — and the cultures those communities have created.

Flickr, says Star, is still best used on the desktop and has the most effective tools for photo management. She uses the site to see and communicate with a wide variety of photographers, to access a broad range of different kinds of images and film, both mobile and traditional, and as an off-site back-up for all her photography. Unlike other social media sites, she notes, Flickr is entirely image-based with users sharing little text-based news or other information at all.

Google+ Star describes as a cross between Flickr and Twitter, despite its apparent attempt to compete with Facebook. She contributes to the site because of the diverse photographers in its community and sub-communities. The platform is also useful for building a personal brand.

“The site dynamics are such that an active stream with engaged followers does positively impact search rankings and other matrix, such as visitors to my own personal blog,” she says.

Star has also been active on EyeEm, a Berlin-based service that started when mobile photography was primarily part of the underground art scene. The community, she says, is image-centric rather than social media-centric. Its users are engaged and the quality of the images is high.

“Sometimes communities overlap among these three, but not that much really. So being involved in each permits me to extend my reach and engage followers from a wide spectrum of the photography world in a regular way. It’s rewarding as a photographer to see diverse images so regularly and to communicate with those who create them.”

No Instagram

Star’s following is large enough for her to receive frequent requests to test or join new apps, but one app she’ll no longer use is Instagram. She left during the debacle over their terms of service and hasn’t been back since. The platform, she argues, is not about photography but is an “image-centric social media tool” with too many false accounts and spam, and too little management. “Serious photographers,” she argues, don’t use Instagram’s filters. The service has developed into a network that competes with Twitter, rather than a photographic tool that can push photographers in new directions.

Star Rush does not describe herself as a professional photographer. (She teaches composition and rhetoric at Cornish College of the Arts.) Although she can see the benefits of mobile photography for photojournalists who can use a device that’s light, agile and connected, she concedes that commercial photographers will find the limitations more restrictive. A smartphone might be useful for test shots, for off-site client reviews and as a replacement for the old Polaroid but few commercial photographers will be swapping their Nikons for their iPhones.

“My thinking is this, if you were going to use a point-n-shoot in a commercial job, then sure, you’d use a mobile device. If you were never going to use a point-n-shoot, then you’re never going to use a fixed lens, fixed aperture, limited exposure meter mobile phone in a commercial job as the primary camera.”

Unless, of course, the photographer is switching to street shoots, documentary images and art photography. In that case, they might well find they’re able to conveniently shoot photographs that end up in solo exhibitions and winning awards.


Photopreneur – Make Money Selling Your Photos

 
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browserFruits Mai #3

19 May

Wenn wir die browserFruits anrichten, merken wir immer wieder wie schnell die Wochen vergehen. Kaum haben wir den einen Früchtekorb veröffentlicht, ist es schon wieder Sonntag und Zeit für den nächsten. Dazwischen beantworten wir Eure E-Mails, suchen neue Gastautoren, Anregungungen und überlegen uns neue Aktionen. Und diese Arbeit ist enorm bereichernd, auch für unsere eigenen Fotos. Immer wieder bekommen wir auch E-Mails mit einem einfachen Danke von Euch und wir haben das Gefühl, nicht genug zeigen zu können, wie sehr uns das freut. Deshalb hier auch noch einmal: Danke.

 

Fotospecial: Schmetterlinge

Flickr

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Deutschsprachig

• lens light love nennt sich ein junger, deutscher Blog, der Tipps und Kniffe rund um Fotografie und Bildbearbeitung gibt. Gestartet haben ihn vor Kurzem zwei ebenso junge deutsche Fotografinnen und ein Fotograf. Wir sind gespannt, was da noch kommt.

• Hauke Fischer hat tonnenweise allgemeine und spezielle Tipps für Portraits zusammengestellt. Lesen lohnt sich, auch wenn der schnell runtergeschriebene Stil einem etwas Disziplin abverlangt.

• Eine schöne Seite für alle, die nicht nur gern analog fotografieren, sondern auch filmen: filmkorn.org sammelt und zeigt Interessantes zu 8 und 16 mm breitem Film.

• Über die schrecklich schönen Momentaufnahmen des Magnum-Fotografen Martin Parr weiß ZeitOnline zu berichten.

• Der Ort Epecuén lag nach einem Dammbruch 27 Jahre lang unter Wasser. Spiegel Online hat einige Bilder dieser nun wieder freiliegenden Geisterstadt.

 

International

• Die Debatte um die Echtheit des aktuellen World Press Photo Gewinnerbildes von Paul Hansen habt Ihr mitbekommen? Jens Kjeldsen fächert das Thema auf und analysiert, wie sich die Ästethik der Gewinnerbilder der jüngst vergangenen Jahre gewandelt hat.

• Auch 2013 wurde der Teen Photo International Photo Contest für junge Fotografen zwischen 16 und 22 Jahren verliehen. Schaut rein, es gibt Talente zu entdecken!

• Eine weitere schöne Umsetzung aus der Reihe „viele Bilder über viele Jahre machen“: Vier Schwestern im Verlauf von 36 Jahren, auch technisch und ästhetisch ansprechend umgesetzt.

• Von der Schönheit der Cinemagraph-Gifs.

• Hier könnt Ihr mittels vieler Vergleichsfotos sehen, wie sich die iPhone-Kamera über die Generationen verbessert hat.

• Lust, mal wieder eine lange, einfach nur schöne, sommerliche, gut gelaunte und nicht zu bunte oder kitschige Hochzeitsdokumentation anzusehen? Hier geht’s lang, Robby Cavanaugh hat so eine gemacht.

• Immer noch toll, dieses Polaroid-Prjojekt: BEFORE I DIE I WANT TO…

• Die 3D-geometrische Fotografie von David Copithorne präsentiert Landschaften mit sehr interessanten Mitteln der Bearbeitung.

• Kennt Ihr schon CreativeLIVE? Hier werden Workshops rund um die Fotografie angeboten. Wenn man sie live ansieht, sind sie kostenlos. Nachträglich kann man sie für 149 USD erwerben.

• Unter Brücken lassen sich erstaunliche Bilder machen, wie diese Fotosammlung zeigt.

 

Neuerscheinungen und Tipps vom Foto-Büchermarkt

tipps

• Ihr erinnert Euch an den sehr guten Artikel über Wabi-Sabi von Susan? Das eBook dazu gibt es auch auf Amazon*.

• In einer Zeit, in der viele Regimes (aktuelles Beispiel: Syrien) eine neutrale Berichterstattung unterbinden, publizieren die Reporter ohne Grenzen den Band „Fotos für die Pressefreiheit 2013“*. Zum Hinsehen. Und Nachdenken.

 

Videos

Wir haben ein schönes filmisches Portrait über Marty Knapp, einen amerikanischen Landschaftsfotografen, gefunden und wollen es natürlich gern mit Euch teilen.

 

Ausstellungen

Wolfgang Tillmans
Zeit: 2. März – 7. Juli 2013
Ort: K21 Ständehaus, Ständehausstraße 1, 40217 Düsseldorf
Link

ALEXANDER MAGEDLER – NIGER: LE TEMPS ÉLASTIQUE
Zeit: 11. Juni – 10. August 2013
Ort: EIGENSINNIG – Schauraum für Mode und Fotografie, Wien
Link

ALEXANDER RODTSCHENKO – REVOLUTION DER FOTOGRAFIE
Zeit: 11. Juni – 25. August 2013
Ort: WestLicht, Westbahnstraße 40, 1070 Wien
Link

Stankowski-Stiftung. Fotografien aus dem Archiv
Zeit: 22 Juni – 27. Oktober 2013
Ort: Kunstmuseum Stuttgart, Kleiner Schlossplatz 1, 70173 Stuttgart
Link

Mehr aktuelle Ausstellungen

 

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, bekommen wir eine kleine Provision, Ihr bezahlt aber keinen Cent mehr.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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18. Mai 2013

18 May

Ein Beitrag von: Sabine Fischer

Ephemeral


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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tadaa: Bokeh und Masking für’s iPhone

18 May

Ein Beitrag von: Anne Koch

Für mich ist mein iPhone eine gute Immerdabei-Kamera geworden. Ich fotografiere damit wieder mehr einfach so und zwischendurch ganz ohne Druck. Das ist für mich von großem Wert, da ich beruflich auch fotografiere (da natürlich nicht mit dem iPhone).

Das iPhone hat meine Fotografie ein gutes Stück wieder befreit. Wenn das gemachte Bild etwas kann – super! Wenn nicht – auch nicht tragisch, ich hatte ja kaum Aufwand. Ich probiere wieder mehr aus, einfach so, ohne den Anspruch, dass da jetzt unbedingt Großartiges entstehen muss.

tadaa © Anne Koch

Unverzichtbar ist für mich dabei die App tadaa geworden. Das deutsche Start-up sitzt in der Hamburger Speicherstadt und auch wenn die Funktionen auf den ersten Blick denen von Instagram sehr ähnlich sind, so gibt es doch einige Besonderheiten und ganz klare qualitative Unterschiede. (Ganz abgesehen davon, dass Instagram inzwischen Facebook gehört und damit immer ein komisches Bauchgefühl bleibt, wenn man Bilder teilt.)

Was jetzt kommt, ist eine absolute Premiere, denn normalerweise zeige ich keine Vorher-Nachher-Bilder. Ich bemerke aber bei mir selbst, dass ich immer wieder zwischen Original und Bearbeitung hin- und herwechsle. tadaa kann einfach Dinge aus einem iPhone zaubern, von denen ich nie dachte, dass mein Telefon das kann.

Ich will hier jetzt gar nicht alle Funktionen ausführlich schildern, sondern mich vor allem auf Masking und Bokeh-Tilt-Shift konzentrieren, da das unscheinbar daherkommende, aber unglaublich mächtige Tools sind.

Aber mal von Anfang an, eine kleine Anleitung:

tadaa © Anne Koch

Die Bearbeitungstools von tadaa: Filter

tadaa hat insgesamt 35 unterschiedliche Filter (auch im Liveview, falls man mag), immer wieder kommen neue Filter dazu, kostenlos für alle registrierten User. Die Registrierung kostet auch nichts und lohnt sich sowieso. Wer Filter verpasst hat: Soweit ich weiß, kann man eine Mail an tadaa schreiben und nett danach fragen. Überhaupt ist der Support freundlich, schnell und zuverlässig.

tadaa © Anne Koch

Alle Filter kann man in der Intensität anpassen, was ich sehr gern mag, da sie mir bei 100% oft zu stark sind.

Der unscheinbare Apply-Button unten rechts speichert alle bisherigen Einstellungen zwischen und danach könnt Ihr weiterbearbeiten. Ich benutze bei fast all meinen Bildern nicht nur einen Filter, sondern lege mit Apply mehrere Filter mit geringer Intensität darüber.

Für die Grundierung nehme ich zum Beispiel sehr gern Souvenir oder Laika bei etwa 50-60%, insbesondere Souvenir ist nett zu Hauttönen. Danach swipe/wische ich weiter durch meine Lieblingsfilter, bis ich die perfekte Mischung habe.

Für die grauen Tage bietet sich Campfire an, Doku macht schöne Kontraste und schönes Schwarzweiß, Kino ist auch gut für Haut und macht schöne leicht blaue Schatten bei einer feinen Körnung. In letzter Zeit mag ich es, über die Bilder noch ein kleines bisschen Persico zu legen. Aber all das ist natürlich Geschmacksache. Bei der großen Auswahl findet sicher jeder seine Lieblingskombination.

tadaa © Anne Koch

Bokeh und Tilt-Shift

Jeder kennt diese runden, leuchtenden Kreise auf Bildern, die mit Offenblende fotografiert wurden – wir reden von Bokeh. Durch die Unschärfe wird die Aufmerksamkeit auf das eigentliche Motiv gelenkt.

Nun gibt es viele Apps, die mit dem Tilt-Shift-Effekt spielen und so störenden, unruhigen und ablenkenden Hintergrund entfernen sollen. Doch die Unschärfe ist oft platt und langweilig. Auch der Gaußsche Weichzeichner in Photoshop wirkt wenig überzeugend.

Nun – tadaa hat einen Weg gefunden, Bokeh unglaublich realistisch und schön zu berechnen. Es simuliert die echte Physik eines Tessars, jeder einzelne Pixel fällt wie ein Lichtstrahl durch den Algorithmus, in Fast-Echtzeit.

tadaa © Anne Koch

Man kann über die verschiedenen Regler einstellen, wie groß und wie intensiv das Bokeh und die Unschärfe sein sollen.

Es gibt verschiedene Tilt-Shift-Modi bei tadaa: Linear, rund, oval oder auf das ganze Bild bezogen (das wird nachher für das Masking noch relevant). So handhabt man das Tilt-Shift von tadaa:

Mit zwei Fingern bewegt, vergrößert und verkleinert man den Ausschnitt – die zwei inneren Linien sind ganz scharf, der Zwischenraum zwischen inneren und äußeren Linien reguliert den Übergang, dieser kann über „Radius“ geregelt werden. Je nachdem, wie hart der Übergang sein soll.

Über den Blur-Regler kann man die Intensität der Unschärfe einstellen. Wenn Highlights im Bild vorhanden sind, die zu Bokeh werden sollen, macht mehr Unschärfe (mehr Blur) die Kreise größer, wenig Unschärfe macht die Kreise kleiner.

„Highlights“ regelt die Intensität der Bokehkreise, also wie stark sie leuchten sollen. Natürlich müssen für Bokeh irgendwo im Bild Highlights vorhanden sein – einfach Leuchtkreise auf das Bild zu klatschen, hat noch nie überzeugt.

tadaa © Anne Koch

Ich muss gestehen, ich hatte bis auf wenige Ausnahmen immer Schwierigkeiten, mich mit dem Tilt-Shift-Effekt anzufreunden – ganz gleich von welchem Anbieter. Denn man hat nicht richtig in der Hand, was jetzt scharf ist und was nicht, die Dinge sind nun mal nicht immer nur oval, rund oder in einer Linie.

Um glaubhafte Tiefe zu erschaffen, reicht das selten und genau hier kommt bei tadaa das Masking ins Spiel.

Masking

Mit Masking kann man genau bestimmen, wo die Schärfe liegt, ohne Kompromisse. Man markiert einfach mit dem Finger alles grün, was scharf sein soll. Mit zwei Fingern kann man zoomen und das Bild hin- und herschieben, um noch detaillierter zu arbeiten.

tadaa © Anne Koch

Hier alle Schritte der Bildbearbeitung: Original, Maskieren, Bokeh-Tilt-Shift anpassen, Filter (hier „Kino“) auswählen, fertig.

Wie genau und penibel man dabei ist, ist letztlich jedem selbst überlassen. Nur so viel: Wer Perfektionist ist, wird hier auch voll auf seine Kosten kommen. Mit der Bestätigung der Maskierung landet man direkt im Bokeh-Tilt-Shift Modus. Hier kann man wieder anpassen, wie intensiv die Unschärfe sein soll.

tadaa © Anne Koch

Ein nächtliches Bild mit vielen Lichtern. Im Original … naja. Ein rundes Tilt-Shift in den Vordergrund für einen schöneren Verlauf. Maskiert habe ich dann nur die Person.

Wie man hier sieht, bietet es sich oft an, ein lineares oder rundes Tilt-Shift-Feld in den Vordergrund zu legen, damit das maskierte Objekt nicht so ganz frei in der Unschärfe schwebt.

Grundsätzlich versuche ich auch, es so realistisch wie möglich zu halten. Also Dinge auf gleicher Ebene gleich scharf bzw. unscharf zu machen.

tadaa © Anne Koch

Maskiert habe ich hier die Hand, die Blume (ich gebe zu, die war ein bisschen Gefrickel) und das Mädchen. Filter: Helligkeit, etwas Souvenir und ein bisschen Charleston. Hat man eine gleichmäßige Fläche – wie hier den Himmel – muss an dieser Stelle nicht so sorgfältig maskiert werden.

tadaa © Anne Koch

Maskiert habe ich die beiden Fußgänger mit Regenschirmen, im Vordergrund liegt ein lineares Tilt-Shift, das bis zum Bordstein reicht und da ausläuft.

Ein lustiger Anblick, wie sich die beiden durch Wind und Regen kämpfen. Durch das Masking wird der störende Hintergrund ausgeblendet und der Fokus auf die beiden gelenkt. Der Filter Doku hat echtes analoges Korn. Er bietet sich für Masking oft auch an, da er die Übergänge etwas weicher macht.

tadaa © Anne Koch

Maskiert habe ich das Paar, ein rundes Tilt-Shift liegt im Vordergrund. Filter: Campfire, etwas Helligkeit, etwas Persico. Ganz realistisch ist das hier mit der Schärfe natürlich bei dem Pfosten nicht, aber ich habe ihn zugunsten des Fokus auf den Menschen nicht auch maskiert.

Dieses Bild ist ein Beispiel dafür, dass mein Gefühl von einer Situation und einem Bild nicht unbedingt dem entspricht, was die Kamera im „Original“ ausspuckt. So habe ich die Situation nicht gesehen.

Übrigens finde ich nicht, dass „no filter“ oder „out of cam“ ein Prädikat für ein Bild ist, denn die Kamera und die Voreinstellungen interpretieren ja auch schon immer die Wirklichkeit. Und was ist schon Wirklichkeit? Wie wir eine Situation empfinden, beeinflusst doch auch, wie wir sehen. Aber das nur eine kleine Bemerkung am Rande.

12_masking

Maskiert habe ich hier lediglich die tolle Frau, kein zusätzliches Tilt-Shift. Filter: Helligkeit, Souvenir und ein kleines bisschen Woodstock.

Hier ein Tipp für Haare: Fusselhaare zu maskieren, kann sehr … haarig sein. Hier hilft oft auch ein kleiner Tilt-Shift-Kreis um den Kopf.

tadaa © Anne Koch

Maskiert hier: Mein kleiner Neffe und die Schaukelketten, ein rundes Tilt-Shift liegt auf dem Boden für den Verlauf. Filter: Helligkeit und Souvenir. Für mich ist das Maskieren zu einer Art Meditation geworden; ich muss zwar dabei immer die Luft anhalten, aber es lohnt sich.

tadaa © Anne Koch

Maskiert habe ich die Seifenblasen, die Stäbe und Seile und das Mädchen, wieder liegt ein rundes Tilt-Shift auf dem Boden. Filter: Laika, Kontrast und ein bisschen Persico.

Seifenblasen haben ja per se Potential, aber ohne das Maskieren wären die Seifenblase hier in dem Gewirr untergegangen.

Durch das Masking wurden einige Bilder, die sonst achtlos im Müll gelandet wären zu Lieblingsbildern. Die neueste tadaa-Version (4.6) verfügt außerdem über eine patentierte automatische Kantenerkennung – dadurch wird das Maskieren noch mal deutlich vereinfacht.

Und ja, ich weiß, Instagram ist vielleicht einfacher, aber ich benutze am Computer ja auch lieber Photoshop als Paint.

Die Bilder wurden übrigens alle mit einem iPhone 4 gemacht und ausnahmslos mit tadaa bearbeitet.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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17. Mai 2013

18 May

Ein Beitrag von: Lukas 😉

The Last One © Lukas :)


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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Der Nordlandvirus

17 May

Ein Beitrag von: Christian Schweiger

Ja, ich habe mich angesteckt, bin infiziert von einer heimtückischen, aber wohl harmlosen Krankheit. Der Nordlandvirus hat mich erwischt! Die Aussichten, Therapiemöglichkeiten? Ich habe mit anderen darüber gesprochen, Reisenden, oben in der Arktis in Norwegen und in Island. Leidensgenossen, die bereits seit vielen Jahren mit dem Virus leben.

Festzustellen, dass man nicht allein damit leben muss, ist erst einmal schon sehr beruhigend. Sie sagten mir, das werde ich nie wieder los, damit müsse ich leben. „Arrangiere Dich einfach damit!“ Diesem Rat werde ich folgen und freue mich darauf…

Winter Wonderland © Christian Schweiger

Reisen in den Norden haben mich schon immer ganz besonders fasziniert. Ich war schon immer tief beeindruckt von den atemberaubenden Landschaften nördlich des Polarkreises. Von den endlosen Weiten und der dort vorherrschenden Stille. Von dem Gefühl, sich ganz klein, unbedeutend und eins mit der Natur im Angesicht der grandiosen arktischen Landschaften zu fühlen.

Begeistert von den wie mit einem Pinsel auf Leinwand gehauchten Pastellfarben am Himmel der kurzen Tage im winterlichen Lappland. Sprachlos bei dem Anblick von Eisbären auf ihren unendlichen Wanderungen über das Packeis um Svalbard. Überwältigt von den Naturgewalten auf Island. Bewegt bei dem Anblick einer Bärenmutter mit ihren Jungen im finnisch-russischen Grenzgebiet.

Only A Beautiful Arctic Day © Christian Schweiger

Dass der Norden unweigerlich zu meinem Leben gehört, ist mir eigentlich erst richtig bewusst geworden, als ich nach einer sehr turbulenten und nervenaufreibenden Zeit in meinem Job als Personalreferent mal ein paar Tage mit meiner Partnerin ausspannen wollte. Einfach eine entspannte Weihnachtszeit verleben.

Meine Partnerin setzte die Auswahlkriterien fest: Ein ruhiger Ort sollte es sein, keine Hektik, irgendwo, wo auch endlich mal Schnee liegt, eine schöne Unterkunft mit Kamin, Wellnessbereich und Poollandschaft. Ich nahm mich also der Sache an und durchstöberte das Internet nach Zielen, die besagte Kriterien erfüllten.

Ich wurde auch sehr schnell fündig: Alles Orte, die die Vorgaben erfüllten. Kitzbühl, Garmisch-Partenkirchen, St. Moritz und… und ganz oben auf den Stapel von Ausdrucken legte ich das, wie ich fand, perfekte Angebot – eine Hütte im finnischen Lappland.

Lost in Norway © Christian Schweiger

Das Angebot war doch genau das, was sich meine Partnerin vorstellte: Ein bisschen Schnee, eine Rauchsauna, die garantiert als Wellnessbereich durchgeht, mit dazugehörigem Eisloch. Ein Eisloch ist ja auch irgendwie ein Pool. Vorsichtshalber druckte ich das Lapplandangebot natürlich noch in Farbe aus und die anderen Angebote nur in Schriftgröße sechs – Präsentation ist eben alles.

Siegessicher präsentierte ich das Ergebnis meiner Recherche und man hörte meine bessere Hälfte sagen: „Hmm, Lappland, das klingt ja mal interessant.“ Na bitte, perfekt, jetzt heißt es, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen, also Laptop raus und fünf Minuten später war die Reise auch schon gebucht.

Just For A Moment... © Christian Schweiger

Das Motto war ja entspannen, der Hektik des Alltags entfliehen. Ich packte also eine halbe Bibliothek Bücher in meinen Koffer. Und die Kamera? Mitnehmen oder hier lassen? Dort oben gibt es ja sowie nicht viel zu sehen, dachte ich zu diesem Zeitpunkt noch.

Ich entschied mich dann doch für’s Mitnehmen, besser ist das, sagte ich mir. Könnte ja auch sein, dass ein Einbrecher während unserer Abwesenheit meine schöne Canon entwendet, da ist sie doch bei mir im Rucksack viel besser aufgehoben.

Das Stativ? Brauche ich nicht… oder? Was ist mit Polarlichtern? Was ist, wenn der grünliche Schleiertanz am Polarhimmel beginnt und ich ohne Stativ dastehe? Entsetzlicher Gedanke! Also Bücher wieder raus, Stativ in den Koffer und ab in Richtung Finnland.

Dort oben angekommen, war alles perfekt: Die Hütten sehr schön eingerichtet mit Sauna und Kaminofen, wirklich empfehlenswert. Das Wetter ließ allerdings zu wünschen übrig, jede Menge Schneefall, keine Sicht. Auch hatten wir zugegebenermaßen nicht wirklich mit einer Außentemperatur von -38°C gerechnet.

Blue Hour © Christian Schweiger

Den ganzen Tag nur in der Hütte, das geht natürlich auch nicht. Wir unternahmen also unsere erste Schneeschuhwanderung. Nach gut zwei Stunden hatten wir irgendwie unsere eigene Spur im Tiefschnee verloren. Wie das passieren kann? Weiß ich nicht, aber es kann. Kein Problem, sagte ich, GPS! Und holte mein Smartphone aus der Jackentasche. Dass es bei -38°C nur für ein kurzes Aufblitzen meines vollgeladenen Hightech-Kommunikationsgerätes aus Kalifornien reichte, war schon etwas enttäuschend.

Jetzt hieß es, Souveränität zu zeigen! Schließlich hatte ich jede Menge Nordlanderfahrung, beruhigte ich meine Begleitung. Nach einer kurzen – ich betone: ganz kurzen – Phase des Selbstzweifels habe ich dann auch glücklicherweise unsere Spur wiedergefunden.

Genau an der Stelle, an der ich auf unsere Spur gestoßen bin, sah ich vor uns ein wunderschönes Landschaftsbild mit einem Bach, der sich durch den Tiefschnee schlängelte. Leider waren die Wetterbedingungen alles andere als für ein Foto geeignet. Ich den Moment wusste ich, dass ich dieses Foto haben musste und die Stelle bei besserem Wetter aufsuchen möchte.

Kiilopää-Lapland © Christian Schweiger

Das Wetter wurde in den darauffolgenden Tagen großartig und ich hatte nur das eine Ziel: Ich musste diese Stelle wiederfinden und auf einer Speicherkarte festhalten. Dies war aber leider einfacher gesagt als getan.

Unsere Wanderungen durch den Tiefschnee in den Tundralandschaften bei bis zu -40°C wurden immer länger und anstrengender. Nachts ging ich bei schwachem Polarlicht allein auf die Suche nach diesem kleinen Bach. Nachts bei Vollmond in absoluter Stille und bei hohen Minusgraden allein in der Wildnis zu stehen, ist ein unbeschreibliches Gefühl, auch wenn mir manchmal etwas mulmig wurde.

Am vierten Tag der Suche fanden wir dann endlich diesen Bach wieder. Bei der Überquerung des Bachlaufs bin ich dann vor lauter Aufregung in das Eiswasser gerutscht, konnte aber glücklicherweise
mit einer reflexartigen Bewegung den Fotorucksack retten.

Fragile World © Christian Schweiger

Ich nahm mir viel Zeit für mein langersehntes Foto, die Kälte habe ich nicht mehr gespürt. Dieses Foto zählt auch heute noch zu meinen Lieblingsbildern. Vielleicht auch deshalb, weil ich weiß, wie viel Anstrengungen es mich gekostet hat, um es zu bekommen.

Die Eindrücke dieser Reise waren für uns beide trotz der körperlichen Anstrengungen unbeschreiblich. War das Wellness? Laut Lexikon steht Wellness für Methoden, die das körperliche, geistige oder seelische Wohlbefinden steigern. Also, für uns war es eindeutig ein Wellnessurlaub.

Landmannalaugar Iceland © Shristian Schweiger

Am Ende lässt sich sagen: Ja, ich habe den Nordlandvirus und das ist gut so. Er wird mich auch mein ganzes Leben lang begleiten. Heilung ausgeschlossen. Und noch etwas ist mit klar geworden: Der Nordlandvirus ist hochgradig ansteckend, denn meine Partnerin hat zumindest einen akuten Nordlandinfekt.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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Die Schönheit des Verfalls

16 May

Ein Beitrag von: Jörg Rüger

Das Fotografieren von verlassenen Orten ist gerade oder immer noch sehr en vogue. Das verstehe ich auch nur zu gut, geht doch von diesen Orten ein ganz besonderer Reiz aus. Betritt man einen solchen Ort, wird man gefangen genommen von der Atmosphäre, die dort herrscht.

Es ist das Licht, es sind die Gerüche, die für jeden offensichtlich das Besondere an diesen Plätzen ausmachen. Für mich kommt aber noch etwas anderes, weniger Offensichtliches oder Greifbares hinzu.

Normalerweise würde ich von mir sagen, dass ich eher dazu neige, nur Dinge im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen, die man auch sehen, anfassen, riechen oder schmecken kann oder für deren Existenz in anderer glaubhafter Weise ein Beweis angetreten werden kann.

© Jörg Rüger

Hier ist es anders. Ich spüre irgendwie etwas, was die vielen Menschen, die an den unterschiedlichen Orten gelebt haben. Als hätte deren Wirken, Lachen oder vielleicht auch ihre Gefühle wie Schmerz, Trauer und Wut etwas hinterlassen, was untrennbar mit diesen Orten verbunden ist. Ihre Wände atmen förmlich spürbar diese gesammelten Erfahrungen der Menschen, die dort einst lebten.

Ich war einmal an einem Ort, einer ehemaligen sehr großen Kaserne, wo ich erst nach langem Durchwandern in einem Keller angelangte, der offensichtlich die Arrestzellen der Anlage beherbergte.

Niedrige Decken, wenig bis gar kein Tageslicht, einfache Holzpritschen, grob gezimmerte dicke Holztüren und die Wände voller eingeritzter Nachrichten derer, die an diesem Ort gezwungenermaßen Zeit zugebracht hatten.

© Jörg Rüger

Leider waren diese Inschriften alle in Kyrillisch, so dass ich nicht verstehen konnte, was sie bedeuten. Aber das war auch nicht notwendig, denn die ganze Atmosphäre dort sprach auch ohne Worte ganze Bände.

Oder da war dieses Krankenhaus. Viel war dort nicht mehr zu finden. Aber auch dort war das nicht unbedingt notwendig, um nachzuspüren, dass es sich um einen besonderen Ort handelte. Alte Liegen, die verlassene Kinderstation, OP- oder Seziertische – so etwas wirkt schon im Normalzustand in besonderer Weise auf einen ein.

Oder da war dieses ehemalige Kraftwerk von monströsen Ausmaßen. Es wirkte in seinen Dimensionen fast einschüchternd. Aber auch dort waren die kleinen Dinge zu finden, die daran erinnerten, dass das alles von Menschenhand geschaffen wurde und dass dort einst Menschen täglich zur Arbeit gingen.

© Jörg Rüger

Bei den Besuchen dieser Orte geht es mir nicht darum, diese zu dokumentieren und in ihrem Gesamtzusammenhang darzustellen. Mir geht es viel mehr darum, das Besondere dieser Orte, ihre Atmosphäre einzufangen und wiederzugeben.

Mich interessieren oft auch nur bestimmte Details, die man vielleicht auch an jedem anderen Ort finden könnte, die aber genau an diesem in Verbindung mit der Umgebung zu etwas Besonderem werden.

Wenn ich mir so meine gesammelten Bilder verlassener Orte anschaue, dann fällt mir auf, dass es vor allem immer auch wieder Türen, Fenster und Treppen sind, die meine Aufmerksamkeit auf sich lenken. Oft sind es aber auch nur Farben im Zusammenspiel mit Licht und Schatten.

© Jörg Rüger

Fotografisch betrachtet sind diese Orte oft eine Herausforderung. In Ermangelung künstlicher Lichtquellen, oftmals aber auch wegen teilweise verschlossener Fenster und Türen ist die Lichtsituation eher schwierig.

Oft sind es Motive mit großem Kontrastumfang, die abgebildet werden sollen. Vielfach komme ich für den Bildeindruck, den ich erzeugen möchte, nicht um Belichtungsreihen herum. Bei der Bearbeitung der Bilder achte ich jedoch darauf, möglichst eine dem normalen Sehen entsprechende Bildwirkung zu erzielen.

© Jörg Rüger © Jörg Rüger

Man sieht oft Bilder gerade von verlassenen Orten, die (in meinen Augen) im Übermaß bearbeitet wurden. Mir geht es darum, die Orte möglichst so zu zeigen, wie ich sie tatsächlich gesehen habe.

Vielleicht gelingt es mir ja, mit den Bildern ein bisschen die Atmosphäre dieser Orte zu transportieren und diese Eindrücke zu konservieren, denn viele dieser Orten gibt es heute schon nicht mehr.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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