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Archive for the ‘Equipment’ Category

Landschaftsfotografie bei Nacht

29 Aug

Ein Beitrag von: Raik Krotofil

Landschaften in der Dunkelheit, ohne Lichtquellen und nur mit Sternenhimmel, vom Mond ausgeleuchtet oder auch Großstädte in der Nacht und deren beleuchtete Straßenzüge sind für mich immer wieder reizvolle Motive. Aber diese auf den Sensor zu bannen ist gar nicht so einfach.

Für jede Motivsituation gibt es auch ideale Bedingungen. Der Vollmond ist eine hilfreiche Lichtquelle, wenn es darum geht, die Landschaftsformationen in ein mystisches, befremdliches Licht zu tauchen. Zu diesem Thema hatten wir auf kwerfeldein bereits einen Artikel.

Es erscheinen Schatten, die ohne Mondlicht nicht da wären, Täler werden sanft ausgeleuchtet und Wolken bekommen Struktur. Ich mag Vollmondnächte und fotografiere von mir bereits ausgesuchte Motive gern in diesem Licht. Der Sternenhimmel wird allerdings vom Mond überstrahlt, so dass die Sternendichte auf den Fotos später nicht so spektakulär ist.

Einsames Tipie  © Raik Krotofil

Für Landschaftsfotos mit detailiertem Sternenhimmel sind Nächte ohne Mondlicht ideal. Aber dann hat man als Fotograf oft mit Lichtverschmutzung, dem Störlicht unserer Zivilisation, zu kämpfen. Es ist unglaublich, wie viele Sterne am Himmel sichtbar sind, wenn man sich außerhalb der Großstädte in ländlichen Gebieten oder in Erdteilen mit wenig Besiedlung aufhält.

Von daher bin ich froh, in einer Region zu wohnen, in der ich meine Fototouren in dunkle Waldgebiete legen kann. Der Himmel sollte dann idealerweise klar sein und die Luftfeuchtigkeit niedrig. Perfekt sind windstille Nächte.

Koh Tao  © Raik Krotofil

Das Handicap bei der Fotografie jenseits des Tageslichts ist, per se kein oder sehr wenig Licht zu haben. Der High-ISO-Bereich und weit geöffnete Blenden ermöglichen dennoch „kurze“ Belichtungszeiten. Eine Schwierigkeit ist dabei die bei weit geöffneten Blenden fehlende Schärfentiefe.

Ich achte deshalb auf einen Bildaufbau, der wenig Vordergrund in Kameranähe erzeugt. Fokusstacking wäre ein probates Mittel, um mehr Schärfentiefe zu erzeugen, es ist jedoch nicht meine Arbeitsweise. Gelegentlich kann man Unschärfe im Vordergrund sogar bewusst als Gestaltungsmittel einsetzen.

Und dann ist da noch das Rauschen, das im hohen ISO-Bereich zunimmt. Es gibt hier eine Methode, bei der mehrere Belichtungen unter Hinzunahme sogenannter Darkframes aufgenommen und mit Hilfe von Programmen wie Fitworks oder DeepSkyStacker verrechnet werden. Dabei wird das Rauschen des Kamerasensors aus den Fotos herausgemittelt und es werden mehr Details im Sternenhimmel sichtbar.

Ich oute mich als bequemer Fotograf, der ausschließlich die One-Shot-Fotografie nutzt. Mein Credo lautet: Ich bin lieber eine Stunde mehr unterwegs und genieße das Fotografieren, als eine zusätzliche Stunde am Rechner zu sitzen und mit dem Zusammenbasteln von Fotos beschäftigt zu sein.

Dabei profitiere ich von der Auflösung einer Vollformatkamera und der Möglichkeit, selbst bei ISO-Werten von 1600 bis 3200 noch Fotos mit akzeptablem Rauschen zu machen.

Mit den folgenden Beispielen möchte ich Euch nun ein wenig meine Vorgehensweise bei der Landschaftsfotografie mit Sternenhimmel zeigen.

Landschaften mit detailiertem Sternenhimmel

© Raik Krotofil

Das Foto oben, ein zugefrorener See oberhalb von Sankt Martin in der Pfalz, habe ich unter den oben beschriebenen idealen Bedingungen aufgenommen. Es war in einer klaren Dezembernacht, als ich bei -8 °C loszog. Zum ersten Mal seit mehreren Wochen riss der Himmel auf und ich musste gleich mein neues „Nachtobjektiv“ testen. Das Objektiv meiner Wahl bei Nachtfotos mit Sternenhimmel ist das manuelle Samyang 24mm mit einer Offenblende von f/1.4.

Zum einen werden mit geöffneten Blenden wesentlich mehr Sterne eingefangen, oft mehr als mit bloßem Auge zu sehen sind. Zum anderen bleiben die Verschlusszeiten in dem Bereich, in dem die Sterne gerade noch scharf, ohne Bewegung, abbildet werden. Dieser Bereich ist abhängig von der eingestellten Brennweite. Bei meiner Aufnahme am Vollformat der Canon 5D MkII waren es 20 Sekunden.

Ich nutze hierbei gern die Formel 500 / Brennweite in mm als groben Richtwert, um die maximal mögliche Belichtungszeit zu ermitteln. Astronomen werden vielleicht genauere Berechnungen vornehmen. Für mich ist es als ungefährer Richtwert ausreichend.

Neuscharfeneck © Raik Krotofil

Die Burg Neuscharfeneck in der Pfalz thront mitten im Wald oberhalb der Hügel. Eine wundervolle, exponierte Lage. Ideale Bedingungen für dieses Foto mit der Milchstraße fand ich in einer Nacht kurz vor Neumond. Der Mond ging in jener Julinacht eine Stunde nach Entstehen dieser Aufnahme auf und war somit nicht als störende Lichtquelle anwesend.

Zur Orientierung und Bestimmung der Position der Milchstraße nutze ich im Vorfeld eine drehbare Sternenkarte. Die Milchstraße hat nicht immer die gleiche Position am Firmament des Himmels. Ähnlich den Sternbildern ändert sich diese abhängig von der Uhr- und Jahreszeit.

Ein wolkenloser Himmel und klare Luft ließen die Milchstraße am Nachthimmel so strahlen, wie ich es in unseren Breiten selten gesehen habe. Das Motiv konnte ich nur mit vier Einzelaufnahmen im Hochformat in Form eines Panoramas darstellen. Meine Kameraeinstellungen waren hier ISO 4000 bei Blende f/2.0 und 20 Sekunden Belichtungszeit. Nur durch die Wahl dieser Werte konnten ich die Burgmauern auf dem Foto so hell festhalten.

Teufelstisch  © Raik Krotofil

Der Teufelstisch ist eine skurrile Sandsteinformationen im Pfälzerwald. Monatelang habe ich darauf gewartet, dass der Vollmond nicht von Wolken verdeckt wird. Die Mondphasen sind im Jahr auf zwölf Vollmonde verteilt. Da kann man sich in etwa ausmalen, wie oft der Vollmond sichtbar ist und dann auch noch zum richtigen Zeitpunkt hinter mir steht und den Teufelstisch sanft ausleuchtet.

An einem Aprilabend dieses Jahres war es endlich soweit. Um die Belichtung vor Ort zu ermittelten, stellte ich zunächst einen Schätzwert manuell ein. Mit ISO 1600, Blende f/4 und 15 Sekunden Belichtungszeit machte ich die erste Testaufnahme und tastete mich dann durch Beurteilung des Histogramms an die endgültigen Einstellungen heran.

Das waren in diesem Fall 20 Sekunden, bei Blende f/2.8 und ISO 800. Die Natur meinte es in dieser Nacht gut mit mir. Da es windstill war, wurden die Äste der Bäume scharf abgebildet.

Landschaften mit Sternenspuren

Teufelstisch Trails © Raik Krotofil

Das zweite Foto vom Teufelstisch entstand noch in der gleichen Nacht. Nachdem ich mein Foto mit fixem Sternenhimmel im Kasten hatte, widmete ich mich noch einer Fotoserie mit Sternenspuren. Die Sternenbahnen erzeugen bei langen Belichtungszeiten Striche auf dem Foto. Meine Erfahrung hierbei ist, dass ein sogenannter Oneshot, also nur eine 30- bis 40-minütige Belichtung, wesentlich weniger Sterne zeigt als ein Stacking von kürzeren Einzelaufnahmen.

Auch ist die Himmelsrichtung, in die fotografiert wird, maßgeblich für die Länge der Sternenbahnen. Der Himmel in Richtung Norden, wie auf dem Foto vom Teufelstisch, zeigt um den zentral gelegenen Polarstern bei gleicher Belichtungszeit etwa kürzere Startrails als der Himmel im Süden, der, wenn man sich in der nördlichen Hemisphäre befindet, zusammen mit dem Südosten und Südwesten die längsten Spuren zeigt.

Trails Tipie © Raik Krotofil

Doch wie funktioniert das Stacken von Startrails? Dafür möchte ich an meinem Lieblingsmotiv, einem Tipie ganz in meiner Nähe, den Workflow dafür aufzeigen.

In einer klaren, wolkenlosen Nacht ohne Mondlicht suchte ich das Zelt mit einer speziellen Bildidee auf. Ein leuchtendes Tipie mit Statrails sollte es werden. Den richtigen Bildaufbau zu finden, war im Dunkeln nicht einfach und ich brauchte einige Anläufe, bis kein „Fremdlicht“ der Ortschaften auf dem Foto war.

Der Vordergrund war rabenschwarz. Nur durch Ausleuchten mit einer Stirnlampe war es möglich, einen geordneten Bildaufbau zu finden. Drei Testaufnahmen brauchte ich, um die korrekte Belichtung zu ermitteln und diese anhand des Histogrammes abzuschätzen.

Das erste Foto machte ich dann bei Blende f/5.6 und ISO 1600 für mehr Schärfentiefe. Während der Belichtungzeit von 200 Sekunden leuchtete ich das Zelt von innen mit einer LED-Taschenlampe und einem Lee-Farbfilter aus.

Die nachfolgenden Belichtungswerte sahen dann wie folgt aus: ISO 3200, Blende f/4 und 69 Sekunden Belichtungszeit. Ich programmierte meinen Timer auf 31 Aufnahmen und legte mich entspannt auf meine Isomatte ins Gras. Alle 32 Aufnahmen würde ich später in Photoshop in 32 einzelnen Ebenen mit dem Verrechnungsmodus Aufhellen stapeln.

Während meine Kamera 35 Minuten lang fleißig Fotos machte, beobachtete ich den Sternenhimmel und wurde immer wieder durch das Rascheln im Wald direkt hinter mir aufgeschreckt. Die Waldkauze schrien in die Nacht hinein.

Das sind die Augenblicke in der Landschaftsfotografie, die das Auslösen des Verschlusses in den Hintergrund treten lassen. Die Momente, in denen man die Landschaft spürt, in denen man sie schmecken, riechen und fühlen kann, sind für mich unersetzliche Erinnerungen und Faszination zugleich. Beim Anschauen der Fotos später am Rechner oder als großformatiger Druck kommen diese Erinnerungen wieder und bescheren mir ein tiefes Glücksgefühl.


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Blickfang: Revenge

29 Aug

Der heutige Blickfang ist aus dem Band „Revenge“ von Ellen von Unwerth* und zeigt eindrucksvoll, warum die deutsche Fotografin insbesondere für ihre außergewöhnlichen, erotischen Aufnahmen bekannt ist.

Drei junge, sehr schöne Frauen sitzen auf einer Bank und essen Obst. Sie tragen Sommerkleider und schwarze Strümpfe. Was bis hierhin auch aus einem Rosamunde-Pilcher-Roman sein könnte, wird beim Betrachten der gespreizten Beine und lasziven Blicke in Frage gestellt. Diese Szene ist nicht romantisch. Sie zeigt Sex, ohne zu viel zu zeigen, denn bis auf die Slips sieht man nichts. So mancher Vollakt ist weniger erotisch als dieses Schwarzweißbild.

Revenge © Ellen von Unwerth

Das Bild bricht mit den gängigen Regeln aller Fotostandardwerke. Die Bank, auf der die Mädchen sitzen, kippt nach links und ihre Beine, Füße, sowie eine Hand sind angeschnitten. Und dennoch wirkt das Bild. Ich erinnere mich an einen Fotografen, der mir erklären wollte, dass man Menschen nicht beim Essen fotografieren darf. Dem würde ich jetzt gern dieses wunderbare Bild zeigen.

Das Foto ist Teil einer Bildergeschichte, die sich durch den gesamten Fotoband „Revenge“ zieht. Eine Bildergeschichte für Erwachsene, komplett schwarzweiß gehalten, in schwarzes Leinen eingebunden. Erotik, ohne Porno oder Gewalt.

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhalten wir eine kleine Provision, Ihr bezahlt aber keinen Cent mehr.


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28. August 2013

28 Aug

Ein Beitrag von: Thomas Lieser

Rainy Day © Thomas Lieser


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Straßenfotografie in Hamburg

28 Aug

Hamburg. Ferne Stadt. Ich hatte viel von ihr gehört. Und mich vorletztes Wochenende aufgemacht, meinen Freund Martin Wolf zu besuchen und mit ihm gemeinsam der Straßenfotografie zu frönen.

Mit meinem Namensvetter war ich 2011 schon einmal in einer Stadt. Der ganz großen, New York City. Das war so ganz anders und wir probierten uns daran, wie es ist, auf dem Big Apple Menschen zu fotografieren.

Doch das ist lange her. Mittlerweile hat mich Martin einmal in Karlsruhe besucht und vorletztes Wochenende war ich dann zu Besuch in Hamburg. Es war klar, was wir dort machen würden. Fotografieren, fotografieren und … Videos über Straßenfotografen angucken.

Bis uns die Beine fast nicht mehr tragen wollten, liefen wir Straße um Straße ab, immer auf der Suche nach einem Bild. Martin zeigte mir viele Ecken Hamburgs, wir beide hatten unsere Kameras um und ließen uns von Hamburg überraschen.

Monkey Monkey  © Martin Gommel

Witzigerweise waren wir beide recht frisch mit unseren Kameras bekannt. Martin hatte erst kürzlich seine Leica M9 bekommen und ich war gerade mal zwei Wochen mit der Fuji X100s unterwegs. So verglichen wir immer wieder die Funktionsweisen der Geräte, konzentrierten uns aber alle drei Tage lang voll aufs Fotografieren.

In kurz: Wir hatten eine gute Zeit. Abends bearbeiteten wir dann unsere Fotos und zeigten uns gegenseitig erste Ergebnisse. Schauten „The Bang Bang Club“* und suchten auf Youtube Gary-Winogrand- und Marc-Cohen-Videos. Schauten uns in-sight zum x-ten Mal an.

Und ich? War fast ein wenig überfordert mit der Größe Hamburgs. Den vielen Menschen an einem Ort, den schnellen Veränderungen von Begebenheiten, Gesten und Juxtapositionen. Ich bin doch so gewöhnt an Karlsruhe, sein übersichtliches Gelände und das langsame Treiben der Menschen.

So war Hamburg für mich wie ein Wasserfall voll Möglichkeiten. Und wir – mittendrin.

Never let me go  © Martin Gommel

Martin Wolf  © Martin Gommel

Bild oben: Die Silhouette Martins, umgeben vom Hauptbahnhof. Eines der wenigen Bilder, die ich von Martin machte und auch gelungen finde.

Look, this is how they fly  © Martin Gommel

Study  © Martin Gommel

Up  © Martin Gommel

Foto oben: Dieser Junge spielte einen Fußballer kurz vorm Schuss. Eigentlich waren die beiden schon vorbei, ich haderte mit mir, ob sich ein Foto wohl lohnen würde und riskierte einen Versuch.

No, I can't  © Martin Gommel

Problem  © Martin Gommel

Flowers

Grounded  © Martin Gommel

Bild oben: Etwas verdutzt sahen Martin und ich am Dom dieses Kind am Boden liegen, das sich aus Langeweile auf den Boden gelegt hatte. Ein etwas genauerer Blick auf das Bild (und die Reflexionen) verraten meinen kamerainternen Blitz.

What's he doing?  © Martin Gommel

Um zu bleiben © Martin Gommel

Am Samstag gerieten wir in eine Demonstration und nachdem ich einigen Fotografen zugesehen hatte, wagte ich mich direkt vor die Menge und fotografierte drauf los. Mein allererstes Demofoto.

~

Gleich am Montagvormittag bestellte ich meine Fotos bei Saal Digital in 10 x 15 cm (matt) und Mittwoch trafen sie ein. Qualität: Sehr überzeugend.

Es ist ein gutes Gefühl, das Wochenende nun symbolisch auf Papier in den Händen zu halten. Und weil ich es so genossen habe, möchte ich in Zukunft jeden Monat meine Lieblingsbilder drucken lassen. Ist doch etwas ganz anderes, als sie „nur“ auf dem Bildschirm zu sehen.

Hamburg ist mir in drei Tagen ans Herz gewachsen. Ich hoffe, dass ich bald wieder dort sein und auf den Straßen Menschen fotografieren kann.

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhalten wir eine kleine Provision, Ihr zahlt aber keinen Cent mehr.


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27. August 2013

28 Aug

Ein Beitrag von: Tobias Knoch

Matterhorn Reflection © Tobias Knoch


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Die Sterblichkeit der Dinge

27 Aug

Die Menschen auf seinen Bildern sind manchmal seltsam verzerrt, als hätte gerade eben noch im Bild die Erde gebebt und ein gewaltiger Ascheregen fiel auf sie nieder, verdunkelte ihre Gesichter oder tauchte sie sogar in absolute Schwärze.

Ich denke wieder an Pompeii, wenn ich die Bilder von Arslan Ahmedov sehe. An die stillen Körper, die gerade noch schützend ihre Arme umeinander legten. An Menschen, die dem Endgültigen entgegen blickten und deren Konturen mit jedem Windhauch mehr und mehr verschwanden. Mich hatte das damals zutiefst berührt.

Persephone © Arslan Ahmedov

Jede Fotografie ist eine Art memento mori. Fotografieren bedeutet teilnehmen an der Sterblichkeit, Verletzlichkeit und Wandelbarkeit anderer Menschen (oder Dinge). Eben dadurch, dass sie diesen einen Moment herausgreifen und erstarren lassen, bezeugen alle Fotografien das unerbittliche Verfließen der Zeit.*

Dieses Zitat von Susan Sontag beschreibt, so Arslan Ahmedov, am besten die psychologische Essenz des fotografischen Mediums, besonders im Bezug auf Menschen.

In seinen Bildern versucht er, archetypische Charaktere oder Erinnerungen an jemanden zu erzeugen. Wenn wir an Menschen denken, die wir lange nicht mehr gesehen haben, so löscht die Zeit die Konturen jener Person langsam aus, sagt er. In unserem Kopf wird die Person zu einer unscharfen Erinnerung ihrer selbst.

Paloma Negra © Arslan Ahmedov

Wenn er Menschen portraitiert, dann ist das sein persönliches Ringen mit dem Tod, aber vor allem mit der Zeit, so sagt er. Mit der Fotografie kann er eine Idee oder einen Teil der Persönlichkeit eines anderen sichtbar machen und festhalten und zwar für mehr als nur eine Sekunde.

Ich versuche, die Gegenwärtigkeit und Energie, nicht Erscheinung und Form einer Person vor der Kamera einzufangen.

Und so ist mein Vergleich zu Anfang mit den Toten von Pompeii vielleicht gar nicht so abwegig, wenn ich seinen Worten glauben schenke.

Mother and Daughter © Arslan Ahmedov

Manchmal ziehe ich es vor, die Persönlichkeit zu verstecken, um den Geist der Leute zu zeigen, aber wenn ich das tue, verschwindet sie nicht völlig, ich ziehe nur eine Haube darüber, denn ohne die Aura, den Charakter einer Person käme ich nicht aus.

Er spricht aus, was ich selbst oft denke. Dass der Mensch nicht einfach nur Objekt ist, sondern sich auf einem Bild immer wesentlich mehr abspielt.

Egal ob nun das wahre Wesen einer Person abgelichtet werden will oder eben ein angedachtes oder interpretiertes Gefühl aus der Situation heraus, in der sich Fotograf und Portraitierte befinden.

Danae Ne Dort Pas © Arslan Ahmedov

Arslan Ahmedov ist ein bulgarischer Fotograf, der in Sofia wohnt und arbeitet. Er fotografiert seit 2006 und hat an einigen Gruppenausstellungen in Bulgarien, Brasilien und der Türkei teilgenommen. Seine Arbeiten kannst Du in seinem Flickr-Stream bewundern, wozu ich Dich nun auch inständig dränge.

* aus Susan Sontag: „Über Fotografie.“ Aus dem Amerikanischen von Mark W. Rien und Gertrud Baruch. München/Wien 1989. S. 9-28.


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Blickfang – State and Lake streets, 1987

27 Aug

Gary Stochl ist als Straßenfotograf noch nicht lange bekannt. Das undenkbare Gegenteil ist der Fall. Stochl fotografierte vom 17. Lebensjahr an sage und schreibe 40 (!) Jahre lange auf den Straßen von Chicago. 2004 entschied er sich, seine Fotos dem Photography Department der Columbia College Chicago zu zeigen. Heute verkauft er Vintage Prints für 1500 $ .

Das Bild, das ich heute vorstelle, stammt von Gary Stochl. Es bekam keinen Namen, wie alle seine Bilder. Nur Ort und Jahr sind bekannt, wie der Titel des Blickfangs beschreibt. Lassen wir erst einmal das Foto auf uns wirken.

State and Lake streets, 1987 © Gary Stochl

Das Foto ist in typischer Stochl-Manier, kein Ausreißer. Es ist düster, dunkel und hat einen faden Beigeschmack. Stochl selbst sagt, er habe nichts gegen Glücklichsein, es wäre nur einfach nicht sein Wesenszug. So sehen wir hier einen echten Stochl, mit viel Schwarz und einer Person.

Stochl hat das Bild nicht beschnitten, sonden den Wolkenkratzer im Hintergrund gelassen. So bleibt der urbane Kontext erhalten, jedoch fällt mein Blick unweigerlich auf die linke Hand des Mannes, der in der anderen Hand Bücher und Papier hält.

Ich habe dieses Foto schon einige Male überflogen, doch ich entschied mich, heute mal genauer hinzusehen und das Foto einem längeren Studium zu unterziehen. Und die grundsätzliche Frage, die dieses Bild aufwirft ist:

Hä?

In lang: Was macht dieser Mensch eigentlich? Hält er sich fest? Berührt er gar einen anderen Menschen? Oder drückt er sich nur an die Wand? Schiebt er etwas weg?

Das spannende an der Fotografie ist ja, wie Gary Winogrand (von dem Stochl beeinflusst war) sagte, dass es kein Vorher und kein Nachher gibt. Des Rätsels Lösung liegt in den Sekunden davor oder in denen danach.

Und doch ist es mir das Foto lieber als die Lösung. Denn so behält das Bild eine Magie, etwas Komisches, Unübliches. Und genau das ist es, was ich an Stochls Fotos mag, die ich allesamt im Buch „On City Streets, Chicago 1964-2004“* gefunden habe.

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Meet The Super Secret Smartphone Spy Lens

27 Aug

Extra photos for bloggers: 1, 2, 3

The kittens of the world are onto us. They seem to have learned to cut the cute stuff as soon as we get our camera phones out.

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Yosemite Falls Moonbow and Star Trails

26 Aug

Yosemite Falls Moonbow & Star Trails

Last Spring I decided to hike up Yosemite Falls Trail to spend the better part of an evening photographing Upper Yosemite Falls to capture a moonbow, star trails and a time-lapse. As you might imagine I was the only person nutty enough to try this and the only living creature I saw for much of the evening was a couple of raccoons.  Hiking up to this spot with 2 sets of cameras and tripods seemed like it made good sense at the time, but it was no fun hiking down in the darkness with all this gear when I realized I left my headlamp back at camp.

If you happen to enjoy my star trail photography and you’re in the San Francisco bay area be sure to attend the San Francisco Lightroom User Group meeting this Thursday at 6:30 PM. I’ll be the guest speaker discussing my post-processing techniques in Photoshop & Lightroom.

Copyright Jim M. Goldstein, All Rights Reserved

Yosemite Falls Moonbow and Star Trails

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26. August 2013

26 Aug

Ein Beitrag von: Michel Liesegang

visiting maranello © Michael Liesegang


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