RSS
 

Archive for the ‘Equipment’ Category

Das Wir in mir

05 Oct

Ein Beitrag von: Nikolas Brummer

In den drei Jahren, in denen ich mich jetzt der Fotografie gewidmet habe, hat sich für mich eines deutlich herausgestellt: Kein Modell auf der Welt wird die Gedanken, die ich fühle und denke so ausdrücken können, wie ich sie einfangen möchte.

Vielleicht kratzen sie haarscharf am Ziel vorbei und geben insgesamt ein authentisches Bild. Aber wenn ich da stehe, vor der Kamera, und mir in den Kopf rufe, um was es mir eigentlich geht, automatisiert sich der ganze Prozess und die Sache kommt so, wie sie auch in echt ist. Wie ich sie auch wirklich meine.

Nun, es ist plausibel; jemand modelt für sich selbst, verständlich. Aber welche Frage mir in letzter Zeit häufig gestellt wurde, ist: Warum fotografiere ich mich mehrmals in einem Bild?

2 © Nikolas Brummer

Damit bin ich wohl auch nicht der einzige. Große Fotografen und auch viele aus dem Genre „Jugendlich + Facebookfanpage“ versuchen sich an dieser Darstellung einer multiplen Persönlichkeit. Marwane Pallas hat ein paar sehr gelungene Versuche.

Der Eindruck ist surreal. Irgendwie muss dieses Bild im Nachhinein bearbeitet worden sein oder die Person hat zufällig vier identisch aussehende Geschwister.

Der Ausdruck hingegen ist eigentlich offensichtlich: Hier geht es um die Relation eines Menschen zu sich selbst. Es geht nicht um den Bezug zur Außenwelt, zur Gesellschaft, zu einer realen Person, sondern einfach nur darum, in welchen Beziehungen und auf welche Art und Weise wir zu uns selbst stehen.

Meinen ersten plakativen Versuch an der Thematik hatte ich mit den Bildern „inner voices“ und „in peace“ getan, die in direkter Verbindung und somit im Kontrast zueinander stehen.

3 © Nikolas Brummer

Der Gedanke war, zwei Selbstportraits zu machen. Was mir dabei aber auffiel – und vor allem zu dieser Zeit war das verstärkter: – ich kann mich gar nicht nur einmal darstellen. Meine Stimmungen und vor allem mein Selbstbild überschlagen sich so in ihrer Vielfalt, dass sich das eigentliche „Ich“ ja daraus ergeben müsste.

Also machte ich Fotos von zwei Extremen: Der „vollendeten Zufriedenheit“ und dem „totalen Chaos“. An letzterem lässt sich dann gut beschreiben, was dieses Sich-selbst-mehrmals-Fotografieren bewirkt: Selbsthass, Selbstverletzung, der Wunsch, vor sich selbst zu fliehen, der Drang, sich selbst zu vergessen – all das konnte ich in einem Bild vereinen.

Menschen sind alles andere als einseitig. Die ausdruckstärksten Portraits wirken dadurch, dass sie dem Menschen Facetten geben. Natürlich bricht jene Technik diese Regel, weil sie die Facetten eines Menschen einzeln darstellt und in einem Bild vereint, ohne ein klassisches Portrait zu bleiben.

4 © Nikolas Brummer

Aber wie schon zuvor gesagt: Es ist nicht nur die eigentliche Facette, die angesprochen wird. Es ist auch ein Ausdruck dessen, wie wir zu uns selbst stehen.

In den letzten Monaten kristallisierte sich für mich eines meiner größten Probleme und Freuden zugleich heraus: Egal, was ich tun und machen würde, wie eine zweite Person würde ich mich dabei beobachten, Schlüsse ziehen, Urteile fällen.

Selbstreflexion führt einen weiter, hat mir mal ein Freund gesagt, aber sie kann einen auch ziemlich verwirren. Irgendwann verschwimmt dann die Linie zwischen der eigentlichen Intention und dem Anspruch, diese fiktive zweite Person zufriedenzustellen.

1 © Nikolas Brummer

Und da ich ein ungesundes Interesse daran habe, das darzustellen, was mich am meisten runterzieht, um es dann noch glasklarer vor mir stehen zu haben, packte ich mich ein zweites Mal in ein Bild mit rein. Beim Rauchen, im Garten … und die Serie ist noch längst nicht vollendet. Sie könnte praktisch endlos weiterlaufen.

Denn das ist der Punkt: Egal, was man tut, was man macht, so ist es für mich und wohl viele andere Menschen. Die Möglichkeit, sich dabei Gesellschaft zu leisten, ist immer da. Die einzige Beziehung, an der wir wirklich immer arbeiten, ist die Beziehung zu uns selbst. Ob das nun gut oder schlecht ist, ist etwas anderes. Auf jeden Fall fühle ich mich nicht einsam.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
Comments Off on Das Wir in mir

Posted in Equipment

 

4. Oktober 2013

04 Oct

Ein Beitrag von: Lichtspot

Muehlenplanet © Lichtspot


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
Comments Off on 4. Oktober 2013

Posted in Equipment

 

Augenschmaus: Beeren-Pizza mit Nutella

04 Oct

Ein Beitrag von: Elisabeth Cölfen

Ich hatte einen Haufen Beeren und wusste nicht so genau, was ich damit anfangen sollte. Ein kurzer Inspirations-Trip ins Internet brachte mich auf die Idee, eine Beerenpizza zu machen. Total pervers, aber warum nicht?

Am Ende habe ich mich für eine Kombination aus einem lockeren und weichen Pizzateig und Nutella als Belag entschieden: Wenn schon, dann richtig! Auch, wenn wir das Ergebnis nur probiert und den Rest an unsere Nachbarn verteilt haben, waren wir uns einig: Wow. Der Saft tritt aus den heißen Früchten und vermischt sich mit warmem Nutella … Food-Pornografie pur.

Zutaten

Für den Teig:

450 g Mehl
250 ml Wasser
1 Päckchen Trockenhefe
2 EL Öl (Oliven- oder Sonnenblumenöl)
1 EL Zucker
1/2 bis 1 TL Salz

Für den Belag:

ca. 1/2 Glas Nutella
frische Beeren nach Wahl (z.B. Himbeeren, Erdbeeren, Brombeeren, Blaubeeren)

Beerenpizza mit Nutella © Elisabeth CölfenBeerenpizza mit Nutella © Elisabeth Cölfen

Zubereitung

Zunächst bereitest Du aus den Zutaten einen Hefeteig zu (alles einfach in die Küchenmaschine und richtig gut kneten) und lässt ihn lange genug gehen. Ich habe ihn ca. 2 Stunden lang gehen lassen. Dann den Teig auf einem mit Backpapier belegten Backblech ausrollen und den Backofen auf 225 °C vorheizen.

Nutella kurz in der Mikrowelle erwärmen und dann großzügig auf dem Boden verteilen. Leg Dir einige der schönsten Beeren zu Seite, damit Du sie zur Dekoration verwenden kannst. Der Rest wird wild auf der Pizza verteilt.

Ab in den Ofen für ca. 15 bis 20 Minuten (je nach Ofen). Der Rand sollte schön gebräunt und die Früchte noch zu erkennen sein. Nimm die Pizza aus dem Ofen, verteile noch ein paar frische Beeren darauf und serviere sie schön heiß.

Fotorezept

Ich fotografiere meist mit Studioblitzen, da ich so unabhängig von der Tageszeit bin. Für diese Serie habe ich ein stimmungsvolles Setup gewählt und das Backblech auf den Deckel einer alten Truhe gestellt. Das Licht kam von einer kleinen Softbox hinten links vom Motiv. Die Lichtposition war recht tief, damit die Struktur der Pizza besser betont wird.

~

Du hast auch ein leckeres Rezept und die passenden Food-Fotos dazu, die einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen? Dann werde einfach selbst Teil von „Augenschmaus“!


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
Comments Off on Augenschmaus: Beeren-Pizza mit Nutella

Posted in Equipment

 

Vier Jahre, ein Motiv

04 Oct

Ein Beitrag von: Stefan Weber

Für ein richtiges Langzeitfotoprojekt mögen vier Jahre nicht sonderlich lang sein, doch sind sie ein gutes Stück Zeit, um so einiges über Perspektive sowie Licht und seine Wirkung zu lernen. Eigentlich war es nie meine Absicht, ein Langzeitfotoprojekt zu starten. Doch wie heißt es manchmal so trefflich: „Es war nicht so gewollt, es hat sich so ergeben.“

Ein Fotomotiv, das mich schon seit einigen Jahren begleitet, ist die Theodor-Heuss-Brücke. Sie verbindet nicht nur die zwei Landeshauptstädte Mainz und Wiesbaden, sondern auch die beiden Bundesländer Rheinland-Pfalz und Hessen, die an dieser Stelle durch den Rhein voneinander getrennt sind, miteinander.

Ich überquere die Theodor-Heuss-Brücke nahezu täglich auf meinem Weg zur Arbeit. So war es für mich schon fast naheliegend, sie als Fotomotiv abzulichten. Anfangs war sie für mich, wie für andere sicherlich auch, gar nicht so interessant. Das änderte sich jedoch an einem Herbstmorgen vor fast genau vier Jahren.

Theodor-Heuss-Brücke © Stefan Weber

An besagtem Herbstmorgen zog wolkenartiger Nebel den Rhein flussaufwärts und umhüllte die Brücke, so dass sie sich scheinbar darin auflöste und das Rheinufer auf der anderen Seite nicht mal mehr zu erahnen war. Auf diese Art bewirkte der Nebel eine Freistellung der Brücke von ihrer sonstigen Umgebung und ihrem Hintergrund.

Damit wurde sie mir damals mit einem Mal präsent und zwängte sich mir als Motiv quasi auf. Sie hatte damit mein Interesse geweckt, das bis heute anhält. Nach diesem ersten Foto folgten sehr viele weitere, nicht nur bei Nebel. Dabei waren die wenigsten Fotos zu meiner Zufriedenheit.

Theodor-Heuss-Brücke © Stefan Weber

Durch die zahlreichen Versuche näherte ich mich der Brücke jedoch immer mehr und lernte auf diese Weise einige ihrer Facetten kennen. Über die Jahre lernte ich, wie sehr beispielsweise die Farbe des Wassers vom Stand der Sonne abhängt, wie Reflexionen an der Wasseroberfläche teilweise zur Beleuchtung der Unterseite der Brücke beitragen und welche Bereiche zu welcher Tageszeit im Schatten liegen und welche im Licht.

Ich lernte, in welchen Farbnuancen die rötlichen Sandsteinpfeiler erscheinen können und das Metall der Tragkonstruktion, welche Aufnahmestandpunkte am Rheinufer ich bei niedrigen und welche bei hohem Wasserpegelstand nutzen kann und wie und wo ich das Ufer und seinen Bewuchs abhängig von der Jahreszeit mit einbeziehen kann oder wo es störend wirken könnte.

Theodor-Heuss-Brücke © Stefan Weber

Theodor-Heuss-Brücke © Stefan Weber

Man könnte somit auch sagen, dass ich in dieser Zeit gelernt habe, das Gesehene auch wahrzunehmen. Diese Wahrnehmung ist für mich mittlerweile ein sehr wichtiger Bestandteil in meiner Art der Fotografie.

Diese eben exemplarisch genannten Erfahrungen und Eindrücke führten zu einem sehr guten Gesamteindruck der Brücke. Ich kann inzwischen recht gut einschätzen, bei welchem Licht und von welchem Standort aus ich ein für mich interessantes Foto bekomme.

Theodor-Heuss-Brücke © Stefan Weber

Das bedeutet natürlich nicht, dass ich mir alle Lichtsituationen und Perspektiven der Theodor-Heuss-Brücke hundertprozentig vorstellen kann. Ganz im Gegenteil, ich finde, dass die eigentliche Herausforderung gerade erst beginnt.

Deshalb begebe ich mich immer wieder zum Rheinufer, auf der Suche nach einer neuen Perspektive oder versuche, eine schon bekannte zu verbessern. Ganz einfach, um meine gesammelten Erfahrungen zu erweitern und das Gesamtbild der Brücke in meinem Kopf immer weiter zu vervollkommnen.

Theodor-Heuss-Brücke © Stefan Weber

Manchmal reicht es dafür schon, die Kamera einige Meter neben einem bekannten Standort zu positionieren, um beispielsweise mehr Dynamik im Bild zu erzielen. Zudem habe ich so auch die Möglichkeit, die oben erwähnte Wahrnehmung weiter zu schulen.

Rückblickend habe ich festgestellt, wie viel mir die Schulung meiner Wahrnehmung inzwischen auch bei anderen Motiven und in anderen Bereichen der Fotografie hilft. Ich finde es immer wieder faszinierend, verschiedene Lichtsituationen beziehungsweise Tageszeiten und mögliche Aufnahmestandpunkte und die daraus resultierende Bildwirkung im Kopf durchzuspielen.

Theodor-Heuss-Brücke © Stefan Weber

Theodor-Heuss-Brücke © Stefan Weber

Diese neue Fähigkeit gibt mir eine gewisse Ruhe und Gelassenheit beim Fotografieren selbst. Ich bin weniger in Eile, weil ich nicht mehr im Hinterkopf habe: „Wenn ich mit dem Foto fertig bin, dann noch schnell da rüber und hoffentlich reicht die Zeit dann doch für ein Foto von da oben.“ Ich schaue heute öfter in den Himmel, um zu sehen, wo die Sonne steht und wo entlang sie sich weiter am Himmel bewegen wird.

Eine weitere Sache, die mir mit der Zeit auffiel, ist, wie unterschiedlich Bilder ein und desselben Motivs wirken können. Welche Vielfalt an Stimmungen sich doch in einem einzigen Motiv verbirgt. Es zeigt meiner Meinung nach, dass man – genau wie bei Portraits auch – das Wesen oder den Charakter seines Motivs eben nicht mit nur einem Foto einfangen kann.

Theodor-Heuss-Brücke © Stefan Weber

Ich denke, das zeigen meine Fotos – in diesem Fall am Motivbeispiel der Theodor-Heuss-Brücke – ganz gut. Für mich hat es mittlerweile einen gewissen Reiz, immer wieder neue Stimmungen und Blickwinkel eines bekannten Motivs zu entdecken.

Ich kann anderen nur empfehlen, neben dem, was sie sonst fotografieren, sich einen längeren Zeitraum mal nur auf ein einziges Motiv zu konzentrieren, um alle seine unterschiedlichen Facetten kennenzulernen.

Theodor-Heuss-Brücke © Stefan Weber

Dabei ist es meiner Meinung nach völlig irrelevant, ob es sich bei dem Motiv um eine Brücke, einen Baum, eine Büroklammer, eine Person oder beispielsweise ein Haustier handelt. Ich denke, viel wichtiger ist Beharrlichkeit beim Ablichten und die Reflexion über das Aufgenommene. Mich jedenfalls hat dieser Ansatz in der Fotografie ein gutes Stück weiter gebracht.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
Comments Off on Vier Jahre, ein Motiv

Posted in Equipment

 

3. Oktober 2013

04 Oct

Ein Beitrag von: David Uzochukwu

portrait, licht, gegenlicht, junge,


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
Comments Off on 3. Oktober 2013

Posted in Equipment

 

Photo Magnetism: Super Simple Photo Magnets

04 Oct

Extra photos for bloggers: 1, 2, 3

Simple is the name of the game with these photo magnets.

Using only a few ingredients you can turn small photos into awesome pieces of refrigerator art.

They are fun to make, easy on the brain and cute as all get out. Once you make the first one you’ll want to start an assembly line of relaxation. A very productive assembly line of relaxation.

Simple, short and sweet. Score!

Make Super Simple Photo Magnets

Why It’s Cool

Sometimes it’s nice to have a project to do that doesn’t take much set up or clean up… AND that makes a super cute finished product!

These photo magnets fit the easy bill and dazzle like special little gems showcasing your memories.

Ingredients:

  • Photos
  • Scissors
  • A Quarter
  • A Pen
  • Glue that will adhere to glass and metal (we used “Liquid Fusion”)
  • Small circular magnets (.75 inch in size)
  • Clear glass circles – they look like large squished down marbles and are usually labelled “decorative fillers” at the craft store

STEP 1: Ring Around the George Washington

before

Use a quarter to trace a circle around the part of your photo that you want to turn into a magnet.

 

STEP 2: Cut a circle

before

Cut out the circle you just traced.

Make sure you cut off the pen marks because those will be magnified if ya don’t get rid of them.

STEP 3: A light layer of glue

before

Place glue on the flat side of a glass circle.

Get a nice thin even layer on the entire back of the circle. A little goes a long way.

STEP 4: Make it permanent

before

Place your circular photo face down in the glue.

Hold the image down in the glue for 30 seconds to make sure the photo doesn’t drift around.

STEP 5: Glue the magnet

before

Place a light layer of glue on one side of the magnet.

Adhere the magnet to the back of the the photo you just glued down.

Let the glue dry for a couple of hours, and you’re all set (cuz so is the glue)!

Taking It Further

  • Place a set of the photo magnets in a mint tin for a sweet and simple little photo gift.
  • Words and phrases look cool under the glass circles…take photos of text you’d like to have magnified up on your fridge.
  • Cut all of your circles from the same photo. When they’re on the fridge they’ll be a tiny photo puzzle.

Related posts:

  1. DIY Speech Bubble Photo Fridge Magnets Sticking your photos under refrigerator magnets is old hat. Making…
  2. The DIY CanFrame: Transform a Tin Can into a Simple Photo Frame in 15 Minutes Beautiful! Simple! Cylindrical! All the qualities you look for in…
  3. Magnetic Photo Rope: The Perfectly Simple Photo Frame That Isn’t a Photo Frame We’ll admit it: when we first saw this thing, we…


Photojojo

 
Comments Off on Photo Magnetism: Super Simple Photo Magnets

Posted in Equipment

 

Über Freiheit

03 Oct

Ein Beitrag von: Fabian Rüther

Die letzten 13 Monate arbeitete ich an einem Bildband über Freiheit. Das Ergebnis ist eine Sammlung aus sehr grafischen und surrealistischen Portraits von Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Mit Menschen aus über 35 verschiedenen Nationen arbeitete ich zusammen. Darunter waren Länder wie Korea, Taiwan, China, Vietnam, Weißrussland, die Türkei, Saudi Arabien und viele mehr.

Natürlich konnte ich nicht die Geschichte der Deutschen außen vorlassen und so fotografierte ich unter anderem die Politikerin Vera Lengsfeld, die von ihrem Mann während der Stasi-Zeit 30 Jahre lang bespitzelt wurde. Doch nicht nur politische Themen im Hinblick auf Freiheit sollten behandelt werden.

Tu?rkei - Fatih © Fabian RütherWeißrussland - Zhenya © Fabian Rüther

Wir reden hier von einem Wort, einem Begriff, der viel elementarer ist, als die Politik. Es geht vor allem um den Menschen und seine Geschichte.

Die Welt hat nie eine gute Definition für das Wort „Freiheit“ gefunden.
(Abraham Lincoln)

Eine zutreffende Definition für Freiheit zu ermitteln, ist womöglich ebenso schwierig, wie das Rad neu zu erfinden. Ich kann und möchte somit auch nicht meine Interpretation von Freiheit aufdrücken. Würden Umfragen zur Hilfe gezogen, um zu definieren, was Freiheit eigentlich ist, würden die Antworten mehr Auskunft über den Probanden als Individuum geben, als Auskunft zur Definition.

USA - Abigal © Fabian RütherGriechenland - Errikos © Fabian Rüther

Im Ausschlussverfahren nähern wir uns der Lösung, denn wir haben durch unser kultur- und geschichtlich geprägtes Wertesystem erlernt, was Freiheit zumindest nicht sein kann: Gesetze, Zensuren, Diktaturen und Zwänge. Alles Begriffe, die wir konträr zur Freiheit assoziieren. Jedoch vergessen wir dabei, dass Gesetze (zwar nicht immer und überall) Stützen unserer Freiheit sind. Was passiert, wenn diese nicht vorhanden sind, können wir nahezu monatlich in den USA verfolgen …

Doch wie wichtig ist uns Deutschen das Thema? Denn ist es nicht so, dass wir erst verstehen, wie elementar etwas ist, wenn es uns weggenommen wird? Zumindest ist das ein Eindruck, der mich während meiner Arbeit immer begleitet hat durch den einfachen Fakt, dass vor allem mehr Menschen aus Ländern wie China, der Türkei und Ostdeutschland sich für das Projekt gemeldet haben als Menschen aus der Schweiz oder aus Holland oder eben Westdeutschland. Dennoch, die Bereitschaft eine Message in die Welt zu tragen, war riesig und hat mich einfach überwältigt. Über 200 Anfragen, von denen es letztendlich 70 ins Buch geschafft haben.

Ein Blick ins Buch

Vietnam – Julia – Boat People.

Vietnam - Julia © Fabian Rüther

In der Folge des Vietnamkrieges 1970 in Südostasien versuchten über 1,6 Millionen Menschen aus Angst um das eigene Leben über den Seeweg ins Ausland zu fliehen. An Land war Vietnam ausschließlich von Staaten umgeben, die sich kaum als Zuflucht eigneten. Aus diesem Grund versuchten viele die Flucht über das Südchinesische Meer. Man nannte diese Menschen „Boat People“.

Die meisten Boote trugen zwischen 150 und 600 Personen. Der Zustand der Boote war unzureichend, viele Menschen starben auf dem Seeweg durch Nahrungsmangel, Wasserknappheit und Krankheiten. Deshalb erreichten über 250.000 Menschen nicht die Küste und fanden ihren Tod im Meer.

Viel Glück hatten dabei die Eltern von Julia Nhi. Sie gehörten zu den damaligen Bootsflüchtlingen und konnten durch ein Rettungsboot in Sicherheit gebracht werden. Mit der Rettung wurde nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch der Weg für Julia und ihre Geschwister gesichert.

~

Deutschland – Falk – Wer ist mehr?

Falk © Fabian Rüther

Ich habe mich im Osten nicht wirklich unfrei gefühlt. Ich konnte aus meinem Klassenzimmer Häuser sehen, die in Westberlin standen. Dass ich dort nicht hingehen durfte, war genauso, wie die Tatsache, dass ich nicht so viel Schokolade essen durfte, wie ich gerne wollte und das meine Eltern immer recht haben, auch wenn ich glaube, dass sie manchmal nicht recht hatten. Man darf als Kind nicht alles und muss lernen mit Grenzen umzugehen.

Das finde ich auch heute noch so und ich finde Leute lächerlich, die glauben, dass sie frei sind oder die glauben, dass sie freier sind als jemand anderes. Freiheit hat viel mit Selbstverständnis zu tun. Wenn in Amerika die Freiheit propagiert wurde, sich vom Tellerwäscher zum Millionär hocharbeiten zu können und es tatsächlich Leute gibt, denen das gelingt, so wurde in der DDR propagiert, sich als Arbeiter frei von Ausbeutung zu fühlen und es gibt tatsächlich Leute, die das empfunden haben.

Der Spruch: „Ich bin Bergmann, wer ist mehr!“ Symbolisiert für mich dieses Selbstverständnis. Ich bin in diesem Land großgeworden. Es ist auch mein Selbstverständnis, auch wenn ich nicht aus einer Arbeiterfamilie stamme. Ich sehe Freiheit grundsätzlich kritisch und empfinde Freiheitskämpfer wie Männer, die mit allen Frauen schlafen wollen, alle Autos fahren wollen, alle Schokolade essen wollen und ihre Eltern nicht achten.

~

USA – Abigal – Zu viel Freiheit?

Abigal - Buchblick

Das Massaker von Denver bei der Premiere von „The Dark Knight“ hat wieder einmal die Diskussion um schärfere Waffengesetze in Amerika angeheizt. Doch, wie nach jeder Tragödie die mit einem zu liberalen Waffengesetz ihren Anfang hat, verlief sich auch diese schnell im Sand.

„Ein Sturmgewehr, zwei Glock Pistolen, ein Jagdgewehr, mehr als 6000 Kugeln. Erlaubte Shopping-Tour eines 24-jährigen Studenten“ betitelte die Bild Zeitung den Irrsinn. Die sogenannte liberale Gesetzgebung schafft die Grundlage, dass Bürger Waffen zum Selbstschutz besitzen dürfen – doch die Frage, die sich hier stellt ist eher, warum solche Möglichkeiten derartig ausgenutzt werden. Ein Zeichen dafür was geschehen kann, wenn dem Menschen zu viel Freiheit gelassen wird?

Die blanken Zahlen sind eindeutig – die USA hatte 2010 mehr als 15-mal so viele Opfer durch Schusswaffendelikte im eigenen Land, als durch ihre Auslandseinsätze und Kriege zusammen:

„Zahl der 2010 im Irak gefallenen
oder verunglückten US-Soldaten: 60

Zahl der 2010 in Afghanistan gefallenen
oder verunglückten US-Soldaten: 499

Zahl der 2010 in den USA durch
Schusswaffen getöteten Menschen: 8775“

Quelle: Band Eins – Thomas Schmelzer

~

Dies sind nur drei von insgesamt 70 Beispielen aus dem Buch. Wer sich für mehr interessiert, bekommt auf Behance einen weiteren Einblick.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
Comments Off on Über Freiheit

Posted in Equipment

 

2. Oktober 2013

03 Oct

Ein Beitrag von: Christian Beirle González

kreise, frau, treppe, aufgang, rolltreppe, weiß, architektur, street, interaktion, Christian Beirle González, Interaction of Circles


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
Comments Off on 2. Oktober 2013

Posted in Equipment

 

Blickfang: Son

02 Oct

Der Magnum-Fotograf Christopher Anderson hat sich über Jahre mit Aufnahmen aus Kriesengebieten einen Namen gemacht. Doch seine neue Publikation „Son“, erschienen im Kehrer-Verlag spricht ganz andere Töne. Leiser, zarter und weniger chaotisch beschreibt er darin seine Perspektive auf das Thema Familie. Und zwar seine eigene.

Der Band selbst ist schlicht gestaltet und beinhaltet neben den Fotos nur ein Nachwort des Fotografen zur Entstehung der Bilder. Diese kommen ganz ohne Titel aus und durch die freie gegenüberliegende Buchseite haben sie ausreichend Raum zur Entfaltung.

Auch auf Seitenzahlen oder ein Inhaltsverzeichnis wurde verzichtet. Alles, was der Band zeigt, sind Fotos, die nach Jahreszeiten geordnet aufeinanderfolgen, beginnend im Herbst.

Und diese lassen uns durch die Brille Andersons sehen und legen offen, was er sieht, wenn er an das Wort Sohn denkt. Denn obwohl der Band durch das Titelbild eindeutig auf den tatsächlichen Sohn mit Namen „Atlas“ deutet, fotografiert Anderson auch seinen an Lungenkrebs erkrankten Vater. Und positioniert sich selbst als Sohn zwischen den Generationen; macht nicht nur das Leben, sondern auch das Sterben zum übergeordneten Leitgedanken.

Anderson gewährt Einblick ins Sensibelste des Familienlebens. Er zeigt seinen Sohn gleich zu Beginn nackt und im Laufe des Buches auch seine Frau, Marion. Ein Bild, das die beiden eng umschlungen zeigt, lässt mich jedes Mal, wenn ich die Seiten durchblättere, innehalten. Es spricht zu mir – vielleicht auch, weil auch ich Vater und Sohn gleichzeitig bin.

Son © Christopher Anderson

Wie bei einem Großteil der Bilder steht die Sonne zum Aufnahmezeitpunkt tief und umzeichnet die Personen in warmem Licht. In dieser Wärme sehe ich Atlas, verkrochen und der Kamera abgewandt, umschlungen festgehalten von Mutter Marion. Sie schaut in Gedanken versunken aus dem Fenster. Ein stiller Moment, doch wie bei allen Fotos wird nicht verraten, was davor oder danach passiert ist.

Vielleicht hatte der Sohn auch gar keine Lust auf ein Bad oder war schlicht und ergreifend noch zu müde. Der Duschvorhang ist noch trocken und so auch die Haut der beiden – vielleicht sollte Atlas vor dem Schlafengehen noch baden oder ist traurig, weil er zuvor sein Spielzeug verloren hatte.

All das bleibt verborgen, doch darum geht es auch nicht, sondern um einen Moment tiefster Vertrautheit, wie sie im sicheren familiären Rahmen erlebt werden kann. Und dieses Bild lässt abschweifen. In meine eigenen Erinnerungen an die Nähe zu meinen Eltern. Und daran, wie sehr ich es genieße, mein eigenes Kind auf dem Arm zu halten.

Beim Betrachten des Bildes fühle ich mich angeregt, mit dem Band aufzustehen und ans Fenster zu laufen, in das gerade ebenfalls die Sonne scheint. Wie warm das ist. Ich muss ein wenig blinzeln, denn die Sonne blendet ein bisschen. So prägt sich das Bild ganz anders ein und ich kann erahnen, wie es vielleicht war, als das Bild aus dem Buch „Son“* aufgenommen wurde.

~

Informationen zum Band

Gebundene Ausgabe, 96 Seiten, 44 Farbabbildungen, Englisch. Erschienen am 28. August 2013 im Kehrer-Verlag, Heidelberg. Preis: 39,90 €. Größe: 24,8 x 20,2 x 1,4 cm.

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhalten wir eine kleine Provision, Ihr zahlt aber keinen Cent mehr.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
Comments Off on Blickfang: Son

Posted in Equipment

 

Eine Mischung aus Einsamkeit und Wohlbefinden

02 Oct

Ein Beitrag von: Zweifellos mondbetont

Die eigene Person und Fotografie zu erklären, ist eine Herausforderung. Überhaupt ist es anstrengend, sich erklären zu müssen – viel mehr möchte man doch verstanden werden. Ich verlasse mich immer darauf, dass ein paar Menschen meine Fotos auch ohne viele Worte verstehen oder etwas damit anfangen können.

Fotografie ist ja irgendwie auch nonverbale Kommunikation. Und der große Rest, der meine Sprache nicht spricht – mit dem kann ich leben, den möchte ich auch nicht mit Worten und Geschichten überzeugen.

Aber nun wurde ich nett aufgefordert, etwas zu sagen. Über mich. Und meine Fotografie. Das hier ist der Versuch:

SBK I © Zweifellos mondbetont

SBK II © Zweifellos mondbetont

Ich wurde 1988 geboren und wuchs in einer Kleinstadt im Herzen Sachsen-Anhalts auf. Graue Fassaden. Alte Menschen. Im Gegensatz zu anderen Städten gibt es hier nicht viele Angebote, sich „entertainen“ zu lassen. Es gibt lediglich die Elbe, viele flache Felder, Seen und Windräder.

Das Gefühl in dieser Stadt war eine Mischung aus Einsamkeit und Wohlbefinden. Ein kleiner, vertrauter Kosmos aus einer Handvoll Freunden, der Familie und dem Alltag.

Nichts Aufregendes. Außer den Bindungen zu den geliebten Menschen und den eigenen Emotionen. Das war das, was ich festhalten konnte und wollte.

C © Zweifellos mondbetont

RA © Zweifellos mondbetont

Mit 17 fiel mir die EXA 1c meiner Eltern in die Hand. Ich fand ziemlich schnell Gefallen an dieser Kamera. Ich liebte das schwarze Gehäuse, das Klacken des Spiegels, den Schachtsucher und den Blick hindurch: Alles sah aus wie im Film oder in der Erinnerung oder wie im Traum. Ich ging durch die Welt und betrachtete alles durch den Sucher.

Die nächsten beiden EXAs fand ich im Schrank meiner Großeltern. Bei diesen drei Kameras blieb es dann auch für die nächsten sieben Jahre. Keine Automatik. Kein Belichtungsmesser. Kein Blitz. Kein Selbstauslöser. Kein Schnickschnack. Belichtungszeiten im Rahmen von 1/30s bis 1/175s. Aber für die Technik hinter der Fotografie interessierte ich mich von Anfang an nicht besonders.

A © Zweifellos mondbetont

W © Zweifellos mondbetont

Im Jahr 2007 bin ich dann nach Dresden gezogen, habe dort fünf Jahre gelebt und studiert. Die Großstadt – schnell, bunt und voll – fand sich nie wirklich in meiner Fotografie wieder. Die Inhalte blieben dieselben: Leere, Sehnsucht, Einsamkeit, Intimität, Vertrauen.

Das Vorgehen auch: Intuition. Ich arbeite in einem Beruf, der einen vor allem kognitiv fordert. Man denkt, analysiert und verbalisiert – beim Fotografieren schaffe ich es, den Kopf auszuschalten. Oft vergesse ich sogar, auf Blende oder Belichtungszeit zu achten. Ich bin vollkommen in Moment und in der Beziehung zwischen mir und der Person vor der Kamera gefangen.

Oft wurde ich gefragt, warum auf meinen Fotos keine Gesichter zu sehen sind. Das war keine bewusste Entscheidung, sondern vermutlich das Ergebnis einer Vielzahl von unbewussten inneren Prozessen.

Gesichter ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich und lösen schnell einen Bewertungs- und Kategorisierungsprozess aus: Attraktives Gesicht, altes Gesicht, trauriges Gesicht, geschminktes Gesicht … – und darauf folgen vielleicht noch stereotype Annahmen, die letztendlich die Bildwahrnehmung beeinflussen können oder gar vom Wesentlichen ablenken.

MT © Zweifellos mondbetont

LJ © Zweifellos mondbetont

Ich bilde Menschen gern weitestgehend neutral ab. Es soll nicht darum gehen, ob der Betrachter den Menschen schön, alt, jung, dick, dünn, gut angezogen oder was auch immer findet, sondern welche Stimmung oder vielleicht auch Aura ihn umgibt. Außerdem bewahrt es mir ein Stück Privatsphäre und lässt den Menschen ein Geheimnis.

Manchmal faszinieren mich auch einfach die Details und Besonderheiten an den Menschen: Leberflecke, Schulterblätter, Hände, so etwas. Die Fotografie erlaubt mir, diese aus der Nähe zu betrachten. Es ist manchmal eine Art Rechtfertigung oder ein Anlass, Menschen auf eine besondere Art und Weise nahe zu kommen. Nicht nur körperlich, sondern auch mental. Ich fotografiere keine fremden Menschen oder so genannte Modelle, sondern mir lang bekannte und wertvolle Menschen.

M © Zweifellos mondbetont

MA © Zweifellos mondbetont

Mit jedem Mal des Fotografierens verändert sich auch das Vertrauen, der Blick aufeinander und Nähe zueinander. Manchmal ist dieser Prozess wichtiger als das Foto an sich. Es dauert eine ganze Zeit, manchmal Jahre, bis ich den Menschen so abbilden kann wie ich ihn wahrnehme. Diese Schritte könnte man sicher auch mit Modellen durchleben, aber ich gebe zu, das ist nicht mein Ding.

Das wäre dann auch wie Suchen. Wie: Single sein und suchen. Ich warte, bis der Zufall Menschen in meinen Kosmos schickt, die ich auf eine besondere Art wahrnehme und fotografieren möchte.

Viel hat sich nicht verändert über die Jahre des Fotografierens. Dieses Jahr kam eine Pentax LX dazu – mit Schachtsucher (!), aber ansonsten immer noch dieselben Menschen, immer noch dasselbe Gefühl, immer noch Blende f/2,8 und 1/30s – und – nicht immer noch, sondern jetzt wieder: Eine Kleinstadt in Sachsen-Anhalt. Eine Mischung aus Einsamkeit und Wohlbefinden eben.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
Comments Off on Eine Mischung aus Einsamkeit und Wohlbefinden

Posted in Equipment