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Archive for the ‘Equipment’ Category

Zeremonien der Wahrheit

03 Feb

Ein Beitrag von: Aline Vater

Ein Mann in gestreiftem Pyjama hebt die rechte Hand zum Soldatengruß. Ein zweiter stiehlt eilig diese Pose und schaut mit weit aufgerissenen Augen in die Kamera. Daneben ein unbeteiligter und ein verlorener Blick. So sehen verwundete Krieger aus.

Giampiero Assumma, geboren 1969, ein Fotograf aus Neapel, hat dieses Bild der vier Männer gezeichnet, die er über den Zeitraum von mehreren Jahren in einem von sechs Psychiatrien für Kriminelle in Italien portraitiert hat. Die Serie „The Lower World“ skizziert ein archaisches und poetisches Bild einer Dimension psychischer Erkrankungen.

The Lower World © Giampiero Assumma

Sie hinterfragt auch den Umgang mit psychisch kranken Insassen in Italien. Aber nicht nur ein politisches, sondern vor allem ein persönliches Interesse treibt ihn dabei an. Assumma möchte mit visuellen Mitteln erkunden, was wir unter Wahnsinn verstehen.

Daher ist seine fotografische Arbeit auch eine Studie über emotionale Zustände des Menschen, die uns einen oder voneinander abgrenzen können. Ein Blick, der stets das Besondere und Einzigartige eines jeden Menschen herausarbeitet, ohne dabei den Portraitierten ihre Würde zu nehmen.

The Lower World © Giampiero Assumma

Dieses reife Verständnis für die Psyche des Menschen verdichtet sich in Kombination mit kunstvoll gezeichneten Licht- und Kontrastsetzungen zu einer eigenen analogen Ästhetik. Giampiero Assummas Schwarzweißbilder leben von einer paradoxen Mischung aus Empathie für und Distanzierung zu den Dargestellten.

Die Serie reiht sich nahtlos in das fotografische Werk von Giampiero Assumma ein, das die Themen Wahnsinn, Religion und Rituale umstreift. Er berichtet, dass die „Extreme“ der menschlichen Existenz, die er in seiner Arbeit portraitiert, Wesentliches darüber aussagen, wer wir sind und was uns antreibt. Durch das Erkunden der Vielfalt menschlicher Erfahrungen hinterfragt er die gängige Definition von Normalität.

Lourdes © Giampiero Assumma

In seiner Serie „Lourdes“ begleitete er Menschen mit Behinderung auf ihrer Reise in einen der weltweit am meisten besuchten Wallfahrtsorte im Süden Frankreichs. Der Wunsch nach Wunderheilung und Erlösung fasziniert ebenso wie die Wirkung von Glauben und Gemeinschaft.

Aus soziologischer Perspektive betrachtet, ist „Lourdes“ eine Arbeit über die Bedeutung von Leiden als ein überdauerndes Moment menschlicher Existenz, das in der Religion als metaphysische Chance zur Flucht begriffen werden kann.

Misteri © Giampiero Assumma

In seiner Serie „Bodybuilder“ hat Giampiero Assumma Menschen portraitiert, die ihren Körper zu Kunstobjekten stilisieren. Diese Art der menschlichen Entfremdung stellt einen weiteren Schritt zur visuellen Erforschung des Zusammenspiels emotionaler und physischer menschlicher Extreme dar.

Die maschinenartigen Körper wirken fast entmenschlicht, würde man die Intention hinter der Deformation nicht leise erahnen. Ähnlich wie die Pilgerreisenden begeben sich die Bodybuilder auf eine Suche nach dem Sinn ihres Daseins, mit dem wesentlichen Unterschied, dass diese Sinnsuche für den Einen in der Erlösung durch göttlichen Zuspruch und für den Anderen in der Hoffnung auf Anerkennung durch Abgrenzung im Wettkampf besteht.

Bodybuilder © Giampiero Assumma

Bodybuilder © Giampiero Assumma

Giampieros fotografischer Blick verdeutlicht, dass Kunst nicht nur ein direkter Weg zu essentiellen Fragen des Lebens sein kann, sondern sie schafft auch Raum für eine Sensibilität, die sich im Zuge alltäglicher Abläufe unter der Oberfläche versteckt hält. Er konkretisiert diese Idee mit folgenden Worten:

Wenn die Fotografie ein Spiegel unserer Zeit ist, so geht es in der fotografischen Arbeit darum, dieses Bild genau zu erkunden, zu schauen, was dahinter lauert und den Spiegel notfalls zu zerbrechen. Kunst ist der direkteste Weg, um sich selbst und Andere zu erreichen.

Little Circus © Giampiero Assumma

Vor dem Hintergrund dieser fotografischen Überlegungen ist es umso überraschender, wenn man erfährt, dass Giampiero vormals einen medizinischen Beruf wählte, um die Tradition seiner Familie fortzusetzen. Erst vor einigen Jahren entschied er sich bewusst dazu, einen eigenen Weg fernab von vorstandardisierten Lebensentwürfen zu gehen.

Dieser Mut zur eigenen Stimme spiegelt sich in seiner Sicht auf ‚das Andere‘ wider. Nicht wertend, sondern wertschätzend und beschreibend berichtet er von den Menschen auf seinen Bildern, die Mut zum Anderssein beweisen.

Little Circus © Giampiero Assumma

Was mich bei meiner ersten Begegnung mit Giampiero auch überraschte, war nicht nur sein reifer psychologischer Blick auf die Welt, sondern vor allem die unprätentiöse Art, von seiner Arbeit zu berichten. Tatsächlich ist einer seiner Sätze mir wohl am schärfsten im Gedächtnis geblieben:

Ein großes Problem vieler Künstler ist, dass sie sich selbst zu wichtig nehmen.

Man spürt, dass der Zuspruch Anderer keine zentrale Bedeutung für ihn hat, sondern dass es ihm viel mehr um Wachstum und Erkenntnis geht, die er gern mit denen teilt, die sich dafür interessieren. Giampiero Assumma lebt und arbeitet derzeit in Berlin.

Mehr von Giampiero Assumma kann man auf seiner Webseite sehen und auf Facebook. Wer eher den haptischen Genüssen frönt, dem seien die folgenden Publikationen ans Herz gelegt:

Assumma, G. (2002). A Lisbona. Napoli: Edbye. 30 Seiten
Assumma, G. (2003). Tempo Luogo Metallo. Edizioni banca idea. 128 Seiten.
Assumma, G. (2003). Tracce di Luce. 24 Ore Cultura. 96 Seiten


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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2. Februar 2014

03 Feb

Ein Beitrag von: Thomas Lieser

© Thomas Lieser


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browserFruits Februar, Ausgabe 1

02 Feb

Gerüche, Farben, Gefühle – Inspiration kann man aus so vielen Dingen ziehen. Andere Künstler und ihre Werke, aber auch das alltägliche Leben schenken uns immer wieder erstaunliche Eingebungen und formen neue Ideen in unseren Köpfen. Meist ganz unbewusst. Umso spannender ist es, wenn man beginnt, darüber zu reflektieren. Woher kommt eine Idee und wieso habe ich sie gerade jetzt? In welcher Situation entstand dieses Foto und was war dafür verantwortlich? Vielleicht war ja auch eine unserer sonntäglichen Linksammlungen Schuld an so mancher Eingebung?

 

Fotospecial: Kinderspiele

Flickr

500px

 

Deutschsprachig

• Der Fotograf Peter Lindbergh im Interview mit dem Schweizer Tagesanzeiger über die Darstellung von Frauen.

• Spiegel Online zeigt die Gewinnerbilder des Wettbewerbs „Rückblende“, dem deutschen Preis für politische Fotografie und Karikatur.

• Yun-Fei Tou aus Taiwan fotografiert Hunde, kurz bevor sie eingeschläfert werden. Gute und gleichzeitig traurige Tierportraits.

• Jennifer Wettig war in Hong Kong unterwegs und hat einige Straßenaufnahmen mitgebracht.

• Tipp: Eric Kim wurde letztes Jahr von Spiegel Online zu seiner Arbeit als Straßenfotograf interviewt.

 

International

• Noch einmal etwas für Star-Wars-Fans: Vesa Lehtimäki inszeniert die neuen Star-Wars-Modelle von LEGO fotografisch und filmreich, sehr stimmungsvoll.

• Matt Rainwaters hat eine Portraitserie mit seltsamen und beeindruckenden Bärten aufgenommen.

• Die besten Nachrichtenbilder der Proteste in der Ukraine.

• Ihr sucht nach einer schönen Fotolocation? Hier gibt es eine Liste der beeindruckendsten Plätze der Welt. Deutschland ist gleich zwei Mal dabei.

• Und noch eine Liste: Die besten Fine-Art-Portrait-Fotografen.

• 100 Jahre Zeitreise zurück: Obwohl es 1909 noch keine Farbfilme gab, dokumentierte Prokudin-Gorskii (1863-1944) Russland in Farbe.

• Schöne Selbstportraits vor beeindruckenden Landschaften von Paul Zizka.

• Mikroskopkunst: Arrangements mikroskopischer Algen.

 

Neuerscheinungen und Tipps vom Foto-Büchermarkt

Buchtipps

• Der Bildband „Minutes to Midnight“* von Trent Parke verspricht 90.000 km Abenteuer quer durch Australien. Ursprünglich für 38 € erhältlich, war er kurz nach Erscheinen bereits vergriffen und wird nun für 100 € angeboten. Einen Einblick ins Buch gibt es beim Verlag Steidl selbst.

• Christopher Cappzziello setzt sich im Fotobuch „THE DISTANCE BETWEEN US“* mit der Behinderung seines Zwillingsbruders auseinander, den er 10 Jahre lang mit seiner Kamera begleitete. Das vielfach ausgezeichnete Buch ist für 59 € erhältlich.

 

Wettbewerbe

• Die Unlimited Grain Gallery hat einen Wettbewerb gestartet. Die Teilnahmegebür liegt bei 40 €. Einsendeschluss ist der 14. April 2014.

• Habt Ihr ein bisher unveröffentlichtes Fotobuchprojekt? Dann reicht es doch bis zum 15. Februar in diesen Wettbewerb ein und vielleicht wird es simultan von 5 großen Verlagen europaweit veröffentlicht.

 

Zitat der Woche

Natürlich wird es immer diejenigen geben, die nur auf die Technik schauen und fragen wie, während andere, neugieriger Natur, fragen werden warum. Persönlich habe ich immer Inspiration vor der Information bevorzugt.

Man Ray –

Mehr Zitate

 

Videos

Kennt Ihr Lara Zankoul? Wie ihre halben Unterwasseraufnahmen entstanden sind, könnt Ihr in diesem Making-Of-Video sehen.

 

The Sunday Times – Icons. Eine Verbeugung vor den ikonischen Bildern der Pop-Kultur, die im Moment die öffentliche Wahrnehmung prägen. Und direkt danach das ebenso beeindruckende Making Of – anschauen!

 

 

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhalten wir eine kleine Provision, Ihr bezahlt aber keinen Cent mehr.


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Die Realität ist interessant genug

02 Feb

Ein Beitrag von: Marek Wykowski

Fotografie ist nur ein Medium. Wenn Du etwas sagen willst, kannst Du es malen, singen, aber Du kannst auch fotografieren. Es ist nicht wirklich wichtig, welches Medium Du wählst, viel wichtiger ist der Inhalt Deiner Arbeit.

Mein Interesse an der Fotografie begann recht unspektakulär mit dem Fotografieren meiner Familie. Nachdem ich erste Erfahrungen gemacht hatte, las ich mich ins Thema ein und entwickelte ein wachsendes Interese für den Fotojournismus.

© Marek Wykowski

Zu dieser Zeit fand ich die Arbeiten von Magnum-Fotografen wie Alex Webb, Paolo Pellegrin und Henri Cartier-Bresson spannend. Durch das Studium ihrer Bilder lernte ich einiges über Bildkomposition, Bildgestaltung und die Wichtigkeit des Lichtes.

Des Weiteren begann ich, Fotobücher zu kaufen, was zu einer Erweiterung meiner Interessen beigetrug. Ich bemerkte, wie mich dokumentarische Fotografie mit einem stark persönlichen Bezug mehr und mehr anzog.

© Marek Wykowski

Für mich sind Fotos vor allem dann ansprechend, wenn sie erst auf den zweiten Blick ihre volle Tiefe offenbaren, den Betrachter langsam in sich hineinziehen und die Vorstellungskraft anregen – und das alles, ohne sofort die komplette Geschichte zu erzählen. Beispiele solcher Wirkung finden sich bei Joel Sternfeld, Alec Soth, Guy Tillim oder Clare Richardson.

Ich glaube ganz stark daran, dass ein Fotograf so viele Arten der Fotografie wie möglich ausprobieren sollte, um die zu finden, die zu seiner Persönlichkeit passen. Und ich meine, dass dies nicht mit logischem Denken erreicht werden kann.

© Marek Wykowski

Man muss einfach versuchen, herauszufinden, welche Art der Fotografie einen am zufriedensten macht. Außerdem kann man von jedem dieser Experimente etwas für die zukünftige Arbeit lernen.

Da ich meine Freiheit sehr wichtig finde, ist der optimale Weg für mich, herumzulaufen und ganz langsam nach Bildern zu suchen. Geschichten in meinem Kopf zu spinnen und darauf zu warten, bis alle Elemente des Bildes zusammenpassen, um ein gutes Foto zu kreieren.

© Marek Wykowski

Ich bin eine visuelle Person, achte stark auf eine sorgfältige Komposition und schätze den Wert facettenreicher Farbschattierungen. Ich bevorzuge natürliches Licht und vermeide eine exzessive Nachbearbeitung der Aufnahmen.

Für mich ist die Realität interessant genug. Und wenn man Geduld hat, auf eine spannende Szene zu warten, wird man mit einem großartigen Foto belohnt.

Dieser Artikel wurde von Martin Gommel aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.


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1. Februar 2014

02 Feb

Ein Beitrag von: Juste Pixx

© Juste Pixx


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31. Januar 2014

01 Feb

Ein Beitrag von: Lukas Leonte

© Lukas Leonte


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There’s no key like low key

31 Jan

Ein Beitrag von: Christian Meermann

In der Regel gilt für Fotografen die Regel, dass für ein gutes Foto möglichst gutes Licht gebraucht wird, am besten noch durch Lampen, Blitzgeräte und Reflektoren kontrolliert und gesteuert. Mich interessiert aber oft der diametral entgegengesetzte Zugang: Ich frage mich, mit wie wenig Licht ein Bild auskommen kann.

© Christian Meermann

Dark is beautiful

Wie dunkel darf ein Bild sein, bevor es als zu dunkel empfunden wird? Trotzdem ist das, was ich betreibe, nicht wirklich Low-Light- oder Low-Key-Fotografie im traditionellen Sinne. Die unbearbeiteten Originalfotos meiner Bilder sehen – was die Belichtung angeht – meistens wie ganz normale Fotos aus.

Die Umwandlung in ein Low-Key-Bild geschieht vollständig bei der Nachbearbeitung am Rechner. Der Hintergrund wird oft völlig schwarz und auch ansonsten dominieren die dunklen Töne. Aber: Ich versuche bei allem Hang zur Dunkelheit stets, wenigstens einen kleinen Teil sehr hell zu belassen. Andernfalls ist schnell der Punkt erreicht, an dem ein Bild zu dunkel erscheint.

© Christian Meermann

Lioness

Dieses Foto ist in der Zoom Erlebniswelt in Gelsenkirchen aufgenommen worden. Das Originalbild ist von mäßiger Qualität, was durch die dicke Glasscheibe bedingt ist, die mich von der Löwin trennte – zum Glück.

Das Tier hatte gerade etwas bemerkt und deshalb von seinem Knochen abgelassen, der wohl seine Mahlzeit für den Tag war. Es schaute und regte sich nicht. Aber dann sah es irgendetwas besonders Interessantes. Der Körper spannte sich ein wenig, der Kopf senkte sich ein wenig und die Löwin wirkte ungemein fokussiert – so, wie es nur Raubkatzen sein können. In diesem Moment drückte ich ab.

Dieses Bild ist mein erstes schwarzweißes Tierportrait vor schwarzem Hintergrund. Die Idee, hier überhaupt in schwarzweiß umzuwandeln, war ursprünglich aus dem Wunsch geboren, dadurch die ziemlich ekligen Blutreste am Maul der Löwin verschwinden zu lassen. Ich hatte noc keine Ahnung, wie faszinierend das Fell der Löwin ohne Farbe aussehen würde.

Die Idee, den Hintergrund zu schwärzen, entstand aus dem Wunsch, den Knochen zu entfernen, der vom unteren Bildrand aus ins Bild lugte. Das Schwärzen des Hintergrundes erledigte ich damals mit Kontrollpunkten in Nik Silver Efex sowie mit einem einem ganz weichen Nachbelichten-Pinsel in Apple Aperture.

Auf diese Weise blieben die Haare beim Schwärzen erhalten. Um eine völlige Schwärzung des Hintergrundes zu erreichen, musste ich den Pinsel mehrfach anwenden. Dieses Verfahren ist zwar je nach Motiv ziemlich viel Arbeit, jedoch bietet es eine ziemlich genaue Kontrolle, besonders, wenn man den Pinsel nur auf die dunkle Töne anwendet.

Diese Form der Nachbearbeitung eignet sich hervorragend dazu, Fellstrukturen nicht nur hervorzuheben, sondern überhaupt erst als interessantes Motiv sichtbar zu machen. Mal ehrlich: Wer achtet beim Originalfoto schon auf das Fell? Ich jedenfalls nicht. Außerdem wird der intensive Blick des Tieres hervorgehoben. Auf diese Wiese wird aus einem eigentlich ziemlich langweiligen und belanglosen Profilfoto ein spannendes Tierportrait.

© Christian Meermann© Christian Meermann

Minimalismus – Stepping Down

Echte Künstler haben schon vor dem Beginn der Arbeit eine Vorstellung davon, wie das fertige Produkt am Ende aussehen soll. Previsualization nennt man das auf Englisch. Bei der Tierfotografie ist dies fast immer ausgeschlossen. Wer kann schon sagen, was ein Tier als Nächstes macht – wohin es sich dreht, wie es schaut, ob es noch etwas länger stillhält.

Als Tierfotograf nimmt man, was man bekommen kann und ist dabei nicht wählerisch. Was aus den Fotos wird, entscheidet sich oft erst bei der Nachbearbeitung am Rechner, nicht zuletzt auch deshalb, weil sich beim Fotografieren im Zoo oft gar nicht abschätzen lässt, inwiefern sich die zahlreichen Störfaktoren, die Zoos so mit sich bringen, überhaupt entfernen oder ausgleichen lassen.

© Christian Meermann

Dieses Foto ist eines der ganz wenigen, bei denen ich schon beim Abdrücken wusste, wie es aussehen sollte. Die Glasscheibe war sehr blind bzw. schmutzig und würde viele Details verschlucken. Die Sonne stand sehr ungünstig und schien außerdem sehr grell, so dass sie sehr helle Glanzlichter auf dem Fell des Gorillas erzeugte. Außerdem hatte sich der Gorilla von mir abgewandt.

Aber weil es mir schon beim Fotografieren dieses Mal nur auf die Umrisse des Tieres ankam, drückte ich trotzdem ab. Ursprünglich war der Arbeitstitel des Fotos beim Abdrücken „A Shoulder To Cry/Lean on“. Nachdem das Bild fertig war, sah mir der Gorilla aber eher aus wie ein geschlagener Boxer, der den Ring verlässt, oder wie ein abgewählter Politiker, der sich, nunmehr bedeutungslos, von seinem Publikum abwendet.

So taufte ich das Bild letztlich „Stepping Down“ und benutzte es auf Flickr, um auf die Bedrohung der Tiere in der freien Wildbahn durch den Menschen aufmerksam zu machen. Es war außerdem das erste in einer kleinen Serie weiterer Stepping-Down-Fotos, die andere, ebenfalls bedrohte Tiere in Posen zeigt, in denen sie besiegt, geschlagen, mut- und kraftlos aussehen.

© Christian Meermann© Christian Meermann

Simuliertes Licht – Watusi On Black

Um Tierportraits interessanter zu machen, muss man sie manchmal ein wenig aufpeppen – zum Beispiel, indem man bei der Nachbearbeitung eine Beleuchtungssituation nachempfindet, die eigentlich gar nicht gegeben war. Auf diese Weise löst man auch ein ganz anderes Problem, das sich durch die völlige Schwärzung des Hintergrundes ergibt: Scharf freigestellte Umrisse vor schwarzem Hintergrund wirken oft eher unrealistisch, wie ausgeschnitten und aufgeklebt. Als Beispiel für einen solchen Fall mag das Foto „Watusi On Black“ dienen. Hier zunächst das unbearbeitete Original:?

© Christian Meermann

Im nächsten Schritt übergab ich das Bild an Silver Efex Pro für die Umwandlung nach schwarzweiß und die anfängliche Abdunkelung des Hintergrundes.

© Christian Meermann

Danach benutzte ich den Nachbelichten- sowie den Kurven-Pinsel in Apple Aperture für die vollständige Schwärzung des Hintergrundes. ?

© Christian Meermann

Dieses Bild ging nun wieder an Silver Efex, das mittels seiner Kontrollpunkttechnologie unvergleichlich weiche Übergange von vollständig schwarzen zu belichteten Bereichen schaffen kann. Durch das Hinzufügen von Schattenbereichen wurde hier eine Belichtungssituation geschaffen, die das Bild gleich deutlich realistischer und interessanter wirken lässt:

© Christian Meermann

A Spoonfull of Colour

Ich bin ein ausgesprochener Anhänger des Colour Keying, auch wenn mir klar ist, dass viele Fotografen eine fast schon dogmatisch anmutende Ablehnung gegenüber dieser Technik hegen. Dies mag daran liegen, dass sie allzu oft auf ziemlich grässliche Weise missbraucht worden ist.

Im richtigen Maß – und vor allen Dingen: subtil – eingesetzt, kann ein farbiger Akzent ein Schwarzweißbild ungemein aufwerten. Bei monochromen Tierportraits sind es zumeist die Augen, die ein wenig Farbe sehr gut vertragen und zwar besonders dann, wenn diese Augen den Betrachter gezielt anschauen, also quasi ein Blickkontakt besteht.

Dafür hier drei Beispiele ohne weitere Kommentare, wohl aber mit der Absicht, eine legitime und faszinierende Ausdrucksform der Fotobearbeitung vor ihrer unverdienten Ächtung zu bewahren.

© Christian Meermann

© Christian Meermann

© Christian Meermann

There’s no key like low key.
Dark is beautiful.

Diese beiden Sätze sind mir ein Motto bei meiner fotografischen Arbeit. In Zukunft möchte ich mir irgendwann ein Makroobjektiv anschaffen und mich in diesem Gebiet versuchen. Fast allen meinen Tierfotos ist ohnehin gemein, dass sie möglichst „nah ran“ wollen.

Der Schritt zur Makrofotografie liegt demnach auf der Hand. Die meisten Blüten- und Insektenmakros im Netz sind allerbestens ausgeleuchtet. Es gibt also noch allerhand zu tun, wenn es darum geht, die dunkle Seite dieses Genres zu erforschen.

Im Sommer werde ich eine Woche lang den Hadrian’s Wall entlang wandern und dabei hoffentlich ein paar schöne Landschaftsaufnahmen mitnehmen können. Ohne die Gelegenheiten schon jetzt zu kennen, die sich auf diesem Weg vielleicht auftun, ist jetzt schon eines sicher: Es werden sicher auch einige Low-Key-Schwarzweißfotos dabei sein.

Die beiden Sätze sind aber auch ein Plädoyer an andere FotografInnen, sich der Dunkelheit anzunähern und sie als kreatives Betätigungsfeld zu erkunden.


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Lebendige Geschichten über nicht lebende Wesen

31 Jan

Ein Beitrag von: Dina Belenko

Ich bin Autodidaktin. Meine erste Kamera kam durch Zufall in meine Hände, aber seitdem ich zum ersten Mal versucht habe, etwas Magisches mit Hilfe ganz gewöhnlicher Dinge zu erzählen, kann ich nicht mehr aufhören, zu fotografieren.

Ich glaube, einfache Dinge können genauso ausdrucksstark sein wie menschliche Gesichter. Sie besitzen meist Abdrücke unserer eigenen Emotionen, Erwartungen und Empfindungen. Sie altern und gehen kaputt, ganz genau so wie wir auch.

Pastry adventurer © Dina BelenkoUFO: kitchen thief © Dina Belenko

Jedes Ding, jede Sache trägt irgendein geschicktes Rätsel, ein Geheimnis in sich, das die menschliche Fantasie anregt. Ich liebe dies alles: Tassen, Puzzle, Glasstückchen, Papierflugzeuge, ich liebe all das, was sie mitteilen können. Dies alles ist unsere menschliche Welt, nur etwas langsamer, etwas ausgewogener, etwas harmonischer.

In Russland gilt das Stillleben als eines der eher unbeliebtesten Genres. Es wird lediglich als eine langweilige Anhäufung von Blumen und Früchten angesehen. Das ist etwas unfair, weil auch ein ganz anderes Stillleben als die genannten existiert: Ein metaphorisches, ein erzählerisches und ein interessantes Stillleben.

In solchen Aufnahmen gibt es meist eine wirkliche Geschichte. Diese schafft man dafür, um auch mal nicht schöne Dinge zu präsentieren und ihre Verbindung miteinander aufzuzeigen. Solche Stillleben erzählen Geschichten und ich glaube, dass solche das absolut Wichtigste in jedem Fotogenre sind.

The best coffee in the world © Dina Belenko

Ich bevorzuge das Stillleben, weil genau hier die Rolle des Zufalls unglaublich beschränkt ist. Jedes einzelne Detail kann aufs Genaueste kontrolliert werden. Man darf sich als Regisseur fühlen, dem alles, was sich auf der Fläche vor ihm befindet, unterliegt. Jeder Misserfolg ist nur sein eigener Misserfolg, aber dafür ist auch jeder Sieg komplett sein eigener Sieg.

Jedes einzelne Ding befindet sich in einem Knäuel aus Assoziationen, Erfindungen und Mythen. Man muss nur an einem einzigen Fädchen ziehen und schon eröffnen sich unglaublich viele Geschichten, die man mit anderen teilen will. Ich suche mir einfach die am besten gelungenste Geschichte aus und mache dann davon ein Foto.

Reindeer (Powdered sugar) © Dina BelenkoUnderground © Dina Belenko

Dieser Artikel wurde von Ljuba Gonchar für uns aus dem Russischen ins Deutsche übersetzt. Danke!


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30. Januar 2014

31 Jan

Ein Beitrag von: Olaf Kruber

Wendelstein © Olaf Kruber


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Embroidered Photos

30 Jan
Extra photos for bloggers: 1, 2, 3

Kids, home ec has never been this cool.

Use your sewing skills to give your photos some pizazz with colorful embroidery thread and you can bet that your granny will be proud of every stitch.

Embroidery gives your photos an extra kick of creativity. Plus, they make great DIY gifts and are the epitome of nana chic.

Sew, are we doing this or what?

Learn How to Make Your Own Embroidered Photos

(…)
Read the rest of Embroidered Photos (203 words)


© Erika for Photojojo, 2014. |
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