Ein Beitrag von: Steffen Fischer

kwerfeldein – Fotografie Magazin
Ein Beitrag von: Petra Holländer
Farben sind überall um uns herum, sie sind ständig präsent, doch in der richtigen Kombination faszinieren sie und bringen uns zum Staunen. Inspiriert von Austin Totts Serie „Overly Organised“, beschloss ich, meine eigene Fotoserie von Gegenständen zu machen, jedoch nicht in Form von einer Szene zusammengehöriger Objekte, sondern nach Farbschemata.
Ich fing mit einer unbunten Farbe, nämlich Schwarz an und begann einfach, schwarze Objekte zu sammeln. An diesem Tag war ich mit meiner Familie zu unserem Gartenhaus gefahren – unglücklicherweise war es draußen nass und nicht besonders hell. Ich beschloss, das Foto draußen auf einem Tisch aufzunehmen, da drinnen zu wenig natürliches Licht vorhanden war und breitete also meinen mitgebrachten schwarzen Karton auf dem Tisch aus.

Als ich genügend schwarze Gegenstände gesammelt hatte, legte ich sie auf das Papier auf und versuchte, eine möglichst spannende Anordnung zu erzielen. Nun konnte es eigentlich schon losgehen mit dem Fotografieren!
Doch hier trat schon das erste Problem auf: Ich hatte nur mein 50mm-Objektiv bei mir, mit dem ich sonst eigentlich immer gut zurecht komme, da ich hauptsächlich Portraits mache. Nun war jedoch der Tisch zu hoch und ich zu klein, sodass ich nicht alle Gegenstände vor die Linse bekam.
So musste ich auf eine ziemlich wacklige Leiter steigen, um mein Bild zu bekommen. Finster wurde es auch schon und es dauerte eine Weile, bis ich mein Foto halbwegs scharf hinbekam. Im Nachhinein ist man natürlich immer schlauer und ich hätte das Foto ganz anders gemacht.


Mit diesem neuen Wissen machte ich mich eine Woche später an die nächste Farbe, nämlich Braun. Unbewusst entschloss ich mich, nur Naturmaterialien, sowie meine schrägste Fotorequisite – einen toten Fuchs – im Foto zu zeigen.
Das Sammeln der Naturmaterialien machte einen Riesenspaß, jedoch musste ich dann beim Bearbeiten des Fotos feststellen, dass das Muster des Koffers, den ich als Hintergrund ausgewählt hatte, zu unruhig war und zu sehr vom Eigentlichen ablenkte.
Ich liebe alles, was mit Natur zu tun hat, so auch die Gegenstände auf dem braunen Foto, doch im Nachhinein betrachtet, passt dieses Foto einfach nicht zu den anderen. Trotzdem möchte ich es in der Serie behalten, weil es ja doch irgendwie dazu gehört und mir beim Schießen der weiteren Fotos geholfen hat.

Die folgenden Fotos liefen dann alle nach dem gleichen Schema ab: Ich fuhr zu meinen Eltern nach Hause, meist mit einem geeigneten Hintergrund in der Tasche, und begann mit der Suche nach farblich passenden Objekten.
Die Entscheidung, bei meinen Eltern zu fotografieren, traf ich, weil es in meiner Wohnung nicht besonders hell ist und weil meine Eltern einfach viel mehr Dinge besitzen als ich. Was nicht daran liegt, dass sie zu viel aufheben, sondern daran, dass ich gerade erst ausgezogen bin und ich deshalb noch nicht so viel besitze. Außerdem konnte ich so in meinen alten Spielsachen kramen, was wirklich toll war und viele Erinnerungen hervorrief.


Nach und nach wusste ich immer schneller, wie ich die bunten Gegenstände anordnen musste, damit es mir gefällt. Zum Beispiel, welches Ding ich wohin legen musste, damit es nicht auf etwas Kleineres einen großen Schatten wirft und so weiter. Technisch gesehen wurden die Fotos auch immer besser und vor allem schärfer.
Was mich jedoch am meisten an der Serie fasziniert, ist, dass es so viele unterschiedliche Farbnuancen gibt. Als ich in Schränken kramte und in Kisten wühlte, um bunte Dinge zu finden, hatte ich nur den Namen einer bestimmten Farbe im Kopf und das dazugehörige Bild vor Augen. Doch als ich dann die Objekte nebeneinander legte, merkte ich erst, dass es gar nicht das Gelb oder das Rot gibt, sondern jeder Gegenstand ein klein wenig anders koloriert ist.

Auch, wenn es noch so banal klingen mag, das war einfach eine tolle und faszinierende Entdeckung. Im normalen Alltag achtet man viel zu wenig auf diese kleinen Dinge, aber dann sind es doch sie, die einen zum Staunen bringen.
Die Arbeit an dieser Serie hat mich also nicht nur in puncto Fotografie ein Stückchen weiter gebracht, sondern mir auch wieder gezeigt, wie schön und facettenreich die Welt sein kann.
kwerfeldein – Fotografie Magazin
Vor anderthalb Wochen bekam ich einen Liebesbrief. „Obscura“*: Ein Liebesbrief an die Lochkamera-Fotografie, geschrieben von fünf Frauen mit den verliebten Blicken von über 90 Fotografen. Dieser Brief ist ein Buch mit elf Kapiteln, abstrakten Blicken und Poesie – ein bisschen wie das Leben selbst.
Aufmerksam wurde ich auf das Buchprojekt, an dem die Macherinnen insgesamt über zwei Jahre arbeiteten, im letzten Mai über die dazugehörige Kampagne auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo. Seitdem wurden die Fotos für das Buch ausgewählt, der ganze Brocken gelayoutet, gedruckt und an die Unterstützer verschickt.
Es ist so dunkel.
Wir brauchen Licht.
Einen Sonnenstrahl, vielleicht.
Herausgekommen ist – wie meine Überschwänglichkeit wahrscheinlich schon angedeutet hat – mehr als nur ein Fotoband. Die Aufteilung des Buches in Kapitel mit Namen wie „Das Monströse“, „Die Verlockung“ oder „Die Wirrnis“ sorgt für neue Bezüge zwischen den in diese Kategorien eingeordneten Bildern.
Zu jedem Bild gibt es einige Zeilen Informationen zum Fotografen, Ort und Technik der Aufnahme. Dazu kommen eingestreute kleine Gedichte und ein Layout, das das großzügige Format angenehm luftig und ohne Schnickschnack nutzt, ohne in die Beliebigkeit so manch anderer aktueller Publikation zu verfallen.
Gleich das Titelbild von einer der Herausgeberinnen, Larissa Honsek, hatte es mir von Anfang an angetan. Und obwohl sich unter den restlichen 120 seltsamen, schönen, lustigen und verblüffenden Lochkamera-Aufnahmen viele andere finden, die ich mag, bin ich trotzdem an diesem Foto, „Untitled“, hängengeblieben.

Es ist nicht unter „Das Monströse“, „Das Diffuse“ oder gar „Das Unheimliche“ eingeordnet, sondern eröffnet das Kapitel „Die Verlockung“. Ein leuchtendes, glimmendes, auf langen Bahnen Funken versprühendes, zu allem Überfluss auch noch schwebendes Etwas aus Licht. Gelborangerot, in einem Nadelwald mit Schneeboden.
Ich erinnere mich an die alten Fragen aus den Philosophie-Unterrichtsstunden dieses Landes: Rauscht das Meer auch, wenn niemand zuhört? Macht ein im Wald umfallender Baum ein Geräusch, wenn niemand da ist, es zu hören? Und ich frage mich: Geschehen die Wunder auch, wenn niemand da ist, ihnen beizuwohnen?
Obwohl wir unseren Planeten überbevölkern, gibt es doch zum Glück noch so viel einsame, unbewohnte Fläche. Wiesen, Felder und Wälder, in die sich nur selten eine Menschenseele verirrt. Wenn sich also eine Delegation Außerirdische, ein Wesen aus einer anderen Dimension, eine spontane Zusammenballung von Energie oder einfach nur ein Riss in Raum und Zeit solch ein Fleckchen Erde für seinen Auftritt aussuchen würde – es ist, als wäre es nicht geschehen, weil wir nicht da waren.
Larissa Honseks Arbeit lässt mich einen solchen herbeifantasierten Moment mitansehen. Unwahrscheinlich natürlich, dass ich ihn einmal leibhaftig miterleben werde, ich warte nicht darauf, aber ich gebe zu: Das Kribbeln beim Gedanken daran ist das gleiche wohlige Kribbeln, das mich bei Streifzügen in die unberührte Natur begleitet. Und: Wer weiß.
Informationen zum Buch
„Obscura – 121 Blicke – 121 views“*
Verlag: Revolver Books
Auflage: 800 Stück
Seiten: 200
Sprachen: Deutsch, Englisch
Maße: 28 x 28 x 2 cm
Einband: Hardcover, gebunden
Preis: 39 €
kwerfeldein – Fotografie Magazin
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Meet Galileo. This little guy is one smooth operator. One smooth camera operator.
He’ll hold on tight to your iPhone and tilt, twirl and swivel 360° for butter smooth panning videos, spherical panoramas and moving time lapses.
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Plant Ihr schon Euren diesjährigen Urlaub? Unsere Artikelserie „Fotogenes Deutschland“ zeigt schöne Orte aus ganz Deutschland, die nicht nur fotografisch interessant sind, sondern oft auch zum Wandern und Entdecken einladen. Es fehlt in unserer Serie noch ein ganz besonderer Ort? Dann zeigt Ihn uns, macht tolle Fotos und schreibt darüber.
Fotospecial: Wintersport
Flickr

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Deutschsprachig
• Wie findet man schöne Locations in der nächsten Umgebung? Foufinha kennt ein paar Tricks.
• Eine kleine Bildserie über unsere Einstellung zu Nahrungsmitteln und der Frage, was gut, schön, neu, und frisch ist.
• Der 18-Jährige Hobbyfotograf Philip Paulus sah in einem Musikvideo von Rihanna eine Szene, die fast eins zu eins eines seiner Bilder nachstellte. Vor dem Landgericht Stuttgart reicht er momentan Klage ein.
International
• Rachel Baransi fotografiert Fremde in Amsterdam.
• Der Blogger VSE OK zeigt Miniatur-Superhelden in absurden und lustigen Situationen.
• Sofie Knijff hat Kinder aus ländlichen Gebieten in Südafrika, Indien, Mali, Brasilien, Island und Grönland fotografiert, verkleidet als das, was sie später einmal werden möchten.
• 30 sehr aussagestarke Bilder, die viel über Menschlichkeit und Unmenschlichkeit erzählen. Überlegt, ob Ihr sie wirklich sehen wollt, es sind auch Tote zu sehen.
• Steve McCurry fotografierte auf seinen Reisen auch immer wieder Menschen beim Lesen. Eine Sammlung dieser Bilder haben wir hier gefunden.
• Auf Kickstarter wird für die Entwicklung einer speziellen Tastatur für Photoshop und andere Grafik- und Video-Software-Editionen für PC und Mac gesammelt.
• Der Erste Weltkrieg in Farbe: Fotos der deutschen Front des Fotografen Hans Hildenbrand.
• „In My Bag“ ist dazu da, dass Fotografen den Inhalt ihrer Fototaschen präsentieren. Zu entscheiden, ob das nun wirklich interessant ist, überlassen wir mal lieber Euch.
• Der Franzose Ludovic Florent fotografiert Akt auf äußerst hohem Niveau, wie eines seiner Projekte mit dem Namen „poussière d’étoiles“ zeigt.
• „Die Zwei“ ist ein Fotoprojekt mit dem Ziel, die hektische Welt zum Stillstand zu bringen und romantische Ideale in die Welt zu bringen. Schöne Fotos gibt’s auf jeden Fall.
Neuerscheinungen und Tipps vom Foto-Büchermarkt

• „Hinter den Bergen“ von Lois Hechenblaikner* zeigt, auf welch dramatische Art und Weise sich die Alpen in den letzten zwei Generationen verändert haben. Seine Farbfotografien stellt er den 60 Jahre alten Bildern von Armin Kniley gegenüber und konfrontiert den Betrachter so mit zwei gegensätzlichen Szenarien. Einen Einblick ins Buch bekommt man auch auf der Homepage des Fotografen. Das Buch wird für 28 € erhältlich sein.
• „Topos: Fotografien 1991-2011“ von Tobias Madörin* zeigt großformatige Farbfotografien aus Barcelona, São Paulo, Grindelwald, Uganda, Japan und Indonesien. Der Schwerpunkt liegt dabei auf urbanen Sammlungspunkten. Der große Bildband ist 256 Seiten dick und kostet 80 €.
Zitat der Woche
Es gibt nur eine Regel in der Fotografie: Entwickle niemals einen Film in Hühnchensuppe.
Freeman Patterson –
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Brandon Stanton fotografiert Menschen in New York und seine herzliche, sympatische Art hilft ihm dabei, schnell das Eis zu brechen.
Der Fotograf Robert Nickelsberg spricht über seine Arbeit in Afghanistan seit 1988.
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kwerfeldein – Fotografie Magazin
Bildbände. Unser Magazin ist bekannt dafür, dass wir sie lieben. Denn sie erlauben uns eine Erfahrung, die über das Sehen von Bildern am Monitor weit hinausgeht. Und weil wir so begeistert von ihnen sind, haben wir uns etwas für Euch ausgedacht.
Und zwar haben ein paar Redakteure ihre Bildbände bzw. Bücherregale mit Bildbänden fotografiert, damit Ihr Euch mal ein „Bild“ davon machen könnt, was wir so zu Hause stehen haben. Doch damit es auch praktisch wird, haben wir alle drei Fotobücher ausgesucht, die im Moment zu unseren liebsten gehören. Auf geht’s.

Marit Beer, Redaktion
Zunächst einmal sind alle Bücher, die ich hier zeige meine liebsten und ich kann keines vor das andere stellen. Dennoch sollen drei näher benannt werden:
„Liebes-Paare“* von Joe Gantz
Mein allererstes Fotobuch, damals vom Mund abgespart, denn es hat über 70 DM gekostet. Ich war gerade einmal 14 Jahre alt, als ich das Buch in der Hand hielt. Ich war ergriffen davon, wie sehr mich Bilder in ihren Bann ziehen konnten und mir Emotionen zeigten, an denen ich nicht beteiligt war, aber dennoch ganz genau die Wärme und Zuneigung spürte, die Joe Gantz hier festgehalten hatte.
„Immune“* von Floria Sigismondi
Ich entdeckte ihre Arbeiten das erste Mal in einem Musikvideo von meiner damaligen Lieblingsband Sigur Ros. Ihre verwirrenden und bizarren Welten übten eine starke Faszination auf mich aus. Ich hatte das Gefühl, wenn ich ihre Arbeiten betrachtete, dann war die eigene Gedankenwelt ein riesiger Kreativpool mit Farben und Formen, an denen man sich nur bedienen muss, um sie zusammen zu fügen und etwas Neues zu erschaffen. Ihre Bilder waren und sind Hirnexplosionen.
„1,2,3,4,5“* von Sarah Moon
Ihre Arbeiten haben mich gerade im letzten Jahr immer wieder begleitet. Ihre Art und Weise, Stimmungen zu erzeugen, aus dem Unperfekten Schönes zu schaffen. Ihre Sprache glich, ohne arrogant klingen zu wollen, meiner eigenen. Ich bekam das Buch zu meinem letzten Geburtstag und es ist das schönste Geschenk, das mir jemand machen konnte.

Katja Kemnitz, Redaktion und Pressearbeit
„The Moon is for Adults only“ von Laura Makabresku zeigt ganz wunderbare und dunkle Märchenbilder und ist eines meiner Lieblingsbücher. Jedoch nicht nur der schönen Fotos wegen: Das Buch ist auch schön gebunden, der Schutzumschlag lässt sich zu einem Poster aufklappen und zwischen den Bildern stehen kleine, geheimnisvolle Zitate.
Ein Gesamtkunstwerk ist auch das Leporello „Wasser atmen“ von Susann Probst, das ruhige, melancholische Polaroids enthält. Die Bilder wirken durch den Offsetdruck mit partieller Lackierung wie echte Polaroids. Hätte ich nicht zu große Angst, dass die Bilder verblassen könnten, würde ich das Leporello wohl aufgeklappt auf mein Bücherregal stellen, so schön ist es.
Mein drittes momentanes Lieblingsbuch habe ich zu Weihnachten geschenkt bekommen. „If you leave“ steht auf dem Einband, hinter dem sich die Werke verschiedener zeitgenössischer Fotografen verstecken, deren Stil sehr ähnlich ist. Aber es ist genau die Bilderart, die ich so liebe. Das Buch gehört zu einer Serie, von der ich nur Band 4 besitze. Die anderen drei werden auf jeden Fall folgen.

Aileen Wessely, Redaktion und Lektorat
„Lewis Carroll, Photographer“* von Roger Taylor, Edward Wakeling
Charles Lutwidge Dodgson – besser bekannt als „Lewis Carroll“, Autor von „Alice im Wunderland“ – fasziniert mich schon lange. Vielleicht, weil er wie ich Mathematiker, Künstler und Träumer war. Dieses große, schwere Buch zeigt nicht nur seine wunderbaren fotografischen Arbeiten, sondern trägt auch einen Teil dazu bei, mit dem Mythos aufzuräumen, der nach Dodgesons Tod von seinen Nachfahren aufgebaut wurde.
„Ashes and snow“* von Gregory Colbert
Tiere, Menschen, Natur gehören zusammen, passen genau ineinander, sind ein Ganzes. So sieht es in den Arbeiten von Gregory Colbert aus, auch wenn dieses Bild sicher etwas romantisch verklärt ist, aber genau das trifft einen Nerv bei mir. Die Fotos sind klar und gleichzeitig surreal. Warm und erdfarben, trotzdem mit einem Hauch von Blau. Siehe auch mein Blickfang zum Buch.
„Karl Blossfeldt. The Complete Published Work“* von Hans Christian Adam
Katja ist mir mit ihrem Blickfang zu genau diesem Buch ein wenig zuvor gekommen. Blossfeldts Arbeiten haben mich schon in ihren Bann gezogen, bevor ich mich überhaupt ernsthaft mit der Fotografie beschäftigt habe. Ähnlich wie Colbert sprechen die Bilder einen Teil in mir an, der zurück zur Natur will und sich in dekorativen, floralen Zeichnungen auszudrücken pflegt, wofür Blossfeldts seine Fotos ursprünglich ja sogar angefertigt hat.

Robert Herrmann, Redaktion
„Hiroshi Sugimoto“*
„Ars sine scientia nihil est (Kunst ohne Wissenschaft ist bedeutungslos)“, so die Worte des mittelalterlichen Baumeisters Jean Mignot. Hiroshi Sugimoto, zugleich Künstler, Architekt und Erfinder, ist für mich ein großes Vorbild. Durch seine Wahrnehmung von Licht, Raum und Form sowie seine konzeptuelle Stärke vermag er mich immer wieder zu überwältigen. Seine fotografischen Arbeiten sind nie Selbstzweck, sondern verleihen seinen starken Ideen einen einzigartigen Ausdruck.
„American Prospects“* von Joel Sternfeld
Joel Sternfeld ist neben Stephen Shore einer der Pioniere der künstlerischen Farbfotografie. Sein Buch „American Prospects“ erschien erstmals 1987 und vereint seine von Ende der 70er bis Mitte der 80er Jahre aufgenommenen großformatigen Werke, die irgendwo an der Schnittstelle zwischen Landschafts- und städtischer Straßenfotografie stehen. Sternfelds Arbeiten inspirieren mich, da sie einerseits den ihm eigenen schrägen Bildwitz tragen und nicht zuletzt ein phänomenal absurdes Bild der amerikanischen Gesellschaft jener Zeit zeichnen.
„Torre David. Informal Vertical Communities“* herausgegeben von Alfredo Brillembourg und Hubert Klumpner, Fotografien von Iwan Baan
Kein reines Fotobuch, aber ein Buch mit sehr guten Fotos. Es handelt sich hierbei um ein wissenschaftliches Forschungs- und Entwurfsprojekt, initiiert vom Lehrstuhl für Architektur und Stadtplanung der ETH Zürich, das sich der Untersuchung des weltweit wohl bekanntesten besetzten Hauses widmet – dem Torre David in Caracas, Venezuela. Untermalt werden die Studien von Fotografien des niederländischen Fotografen Iwan Baan. Seine Bilder inspirieren mich, da sie oft mit dem nüchternen Stil menschenleerer, zwanghaft symmetrischer Architekturaufnahmen brechen und er ihnen Elemente aus Reportage- und Straßenfotografie beimischt.

Martin Gommel, Herausgeber und Chefredakteur
„Subway“* von Bruce Davidson
Über dieses Buch hatte ich schon viel gehört, doch als ich es auspackte, hing mir der Kiefer drei Meter tiefer. Ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte. Denn die Aufnahmen von Bruce Davidson, der sonst monochrom arbeitete, waren direkt, mit Stil und aus den 80ern. Der Magnum-Fotograf dokumentierte Menschen in der U-Bahn und meist mit Blitz. Wenn ich heute nach „stylischen“ Street-Fotos gefragte werde, ist dieser Band meine erste Empfehlung.
„Helen Levitt“* von Walker Evans, Helen Levitt
Das genannte Buch ist erst seit Dezember in meinem Besitz, doch als ich kürzlich gefragt wurde, was 2013 mein liebster Fotoband war, nannte ich Helen Levitt. Als Pionierin der Straßenfotografie war sie in New York City unterwegs und der Band präsentiert großartige Aufnahmen aus geschlagenen sieben Jahrzehnten. Davon sind einige Farbfotografien, die mich besonders ansprechen.
„The Last Resort“* von Martin Parr
Mittlerweile werden wohl die meisten Leser wissen, dass Martin Parr mein Lieblingsfotograf ist, von dem ich viele (aber nicht alle) Fotobände habe. Und eines kann ich sagen: Wenn jemand die Arbeit von Martin Parr kennenlernen will, dann ist „The Last Resort“ das Buch. Darin zeigt er ungeschönt das Strandleben der britischen Arbeiterklasse der 80er Jahre, das bis heute noch Kontroversen auslöst. Nicht zufällig wurde es 2008 vom Guardian als eines der „1000 Artworks To See Before You Die“ eingestuft.
Wir hoffen, dass Euch unsere Vorstellung Lust auf Bildbände gemacht hat. Denn wer einmal auf den Geschmack gekommen ist, will sie nicht mehr missen. Ach ja, falls Ihr Lust habt, dürft Ihr gern auch Euren Fotobücherschrank fotografieren und hier den Link zum Bild in einem Kommentar posten. Und wenn Ihr dann noch drei Favoriten dazuschreibt, macht Ihr uns und auch die anderen Leser glücklich.
* Dies ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhalten wir eine kleine Provision, Ihr zahlt aber keinen Cent mehr.
kwerfeldein – Fotografie Magazin
Ein Beitrag von: Mandy Münzner
Die Heimat und die Natur sind die beiden Dinge, die mir Inspiration für meine Fotografie geben. Bei jedem Besuch zuhause bin ich immer wieder fasziniert, was man aufs neue Entdecken kann.
Ich liebe die Traditionen des Erzgebirges und das Gefühl von Geborgenheit. Sie locken Erinnerungen meiner Kindheit hervor. Dieses sensible Gefühl versuche ich oft in meinen Bilder umzusetzen.
Deshalb habe ich meine Heimat als Thema meiner Bachelorarbeit gewählt, um sie wertzuschätzen und anderen Leuten ebenfalls mein persönliches Gefühl zu vermitteln. Ich habe ein Portrait-Magazin über das Erzgebirge entwickelt, der Titel lautet „Dunkelwald“.
Meine Arbeit spiegelt meine intimen Eindrücke und Gefühle wider. Mir ist sehr wichtig, dass dies dem Betrachter vermittelt wird und er sich mitreißen lassen kann, aus dem Alltag zu entfliehen.


Den Weg zur Fotografie fand ich durch mein Studium. Ich habe Kommunikationsdesign in Dessau studiert und die weite Entfernung hat mir immer ein bisschen Sehnsucht bereitet.
In meinem Studium wurde ein Grundkurs Fotografie angeboten. Meine Anfänge waren auf keinen Fall einfach und auch wenig zufriedenstellend. Ich habe mich mit den vorgegebenen Aufgabenstellungen und der Studio-Fotografie etwas schwer getan, aber den Mut habe ich dennoch nicht verloren. Deshalb habe ich mir eine eigene digitale Spiegelreflex-Kamera gekauft, um meine Ideen umsetzen zu können.


Meistens waren das Selbstportraits, Fotos von meiner Schwester und meiner täglichen Umgebung, die ich auf Flickr hochgeladen habe.
Das Besondere an meinen Bildern sind verträumte Inszenierungen, persönliche Momente und Natürlichkeit. Das Licht und die Schönheit des Zufalls prägen meine Arbeiten. Meistens kommt eins mit dem anderen.
Leider musste ich dann auch feststellen, dass mir die digitale Fotografie teilweise zu künstlich wurde. Ich wollte meine Bilder nicht aufwändig bearbeiten oder in Photoshop quälen.


Deshalb wagte ich mich an die analoge Fotografie, die für mich persönlich sehr spannend ist. Man weiß nie, wie die Bilder werden – manchmal ist man enttäuscht und manchmal auch völlig überrascht, was für wunderschöne Aufnahmen entstanden sind.
Dieser Überraschungsmoment ist für mich sehr reizvoll. Ich sammelte mir nach und nach einige analoge Kameras oder benutzte verschiedene Filme, um weiter zu experimentieren.

Ich probiere viel aus und versuche, mich immer wieder neu zu finden: Mal unruhige Bilder oder Doppelbelichtung, mal schwarzweiß.
In Zukunft möchte ich mich mehr auf die Portrait-Fotografie konzentrieren und mich auf neue Gesichter einlassen. Aber vielleicht finde ich auch einen anderen Weg, der mich zu neuen Ideen führt.
kwerfeldein – Fotografie Magazin
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