RSS
 

Archive for the ‘Equipment’ Category

Einfach mal anders

07 Mar

Ein Beitrag von: Petra Holländer

Wenn ich im Internet durch Abertausende Fotos stöbere, kommen mir oft Bilder unter, die durch aufwändige und ungewöhnliche Requisiten auffallen. Es kann aber auch genau das Gegenteil der Fall sein: Einfache Alltagsgegenstände werden gekonnt in Szene gesetzt oder so verfremdet, dass sie besonders interessant wirken.

Genau diesen Gedanken finde ich toll und daher versuche ich, ihn auch in meinen Fotos umzusetzen. Einerseits habe ich nicht das nötige Kleingeld, um mir teure Requisiten für meine Bilder anzuschaffen, anderseits fasziniert mich auch, wie man mit einfachen Mitteln schöne Fotos machen kann.

my own little place © Petra Holländer

Für meine Fotos verwende ich am liebsten Gegenstände, die entweder sehr schlicht sind, wie zum Beispiel Papier, oder Dinge, die noch einen gewissen Raum für Kreativität lassen. Darunter fällt etwa eine Glühbirne, die man, wie Ihr im Folgenden sehen werdet, zum Beispiel mit Wasser füllen kann, was wiederum einen interessanten Effekt hat.

Natürlich finden sich auch Gegenstände in meinen Bildern wieder, die einfach nur ihren Zweck erfüllen, wie beispielsweise ein Koffer. Viel spannender finde ich es aber, wenn Gegenstände zweckentfremdet werden, wenn aus Papier eine Art Riesenschal wird oder ein Vorhang als Kleidungsstück fungiert.

what if I can see into your soul © Petra Holländer

Wie aber findet man am besten solche Gegenstände? In meinem Fall gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder ich suche explizit nach ihnen oder sie finden mich!

Wenn ich auf der Suche nach Requisiten bin, laufe ich meist mit dem Gedanken, was ich denn nur fotografieren soll, durch meine Wohnung. Ich stöbere in Kisten und reiße Schranktüren auf, mit der Hoffnung, endlich eine zündende Idee und die passenden Gegenstände zu finden.

Oft lasse ich mich dann einfach von den gefundenen Dingen inspirieren oder denke krampfhaft nach, was sich wohl damit anstellen lässt. Als besonders hilfreich empfinde ich meine Fotokiste, in der ich Sachen sammle, die ich vielleicht einmal für Fotos verwenden könnte.

Findet jedoch umgekehrt ein Gegenstand mich, dann läuft das so ab: Mir fällt etwas in die Hand oder ich sehe ein Ding, das in mir sofort ein Bild erzeugt, das mir eine genaue Idee für ein Foto liefert oder ich sehe es schon fix und fertig vor meinem inneren Auge. Dabei bin ich meist ziemlich aufgeregt vor Freude und kann es gar nicht erwarten, das Foto zu realisieren!

deceive yourself © Petra Holländer

Das Foto mit den weißen seltsamen Ballons ist so entstanden, dass ich Geld sparen wollte und die billigsten Müllsäcke gekauft habe, die sich finden ließen. Im Endeffekt waren sie zu klein und zerrissen sehr leicht. Es war mir aber auch zu schade darum, sie einfach zu entsorgen. Was sollte ich also damit tun? Natürlich ein Foto machen!

So entschloss ich mich, die Säcke aufzublasen, an Schnüren zu befestigen und sie als so eine Art Luftballons zu verwenden. Im endgültigen Foto erinnern sie mich jedoch eher an flauschige Wolken, die auch das Konzept, sich selbst zu täuschen und zu behaupten, alles sei okay, untermauern, indem sie optisch ein weiches, himmlisches Umfeld erzeugen.

Wie die folgenden Fotos zeigen, kann man mit einfachen Dinge auch tolle Effekte erzielen, die das Bild ergänzen, anstatt die Gegenstände in den Vordergrund zu rücken.

prisoner © Petra Holländer

Dieses Foto war eher ein Versuch, der schlussendlich besser geworden ist, als anfangs gedacht. Dabei habe ich durch eine Glasscheibe fotografiert, an der ich zuvor schwarze Farbe hinablaufen ließ. Zusätzlich habe ich auch etwas Mehl darüber verteilt, das dann einen interessanten Effekt im rechten oberen Bereich ergab. Die bemalte Glasplatte selbst sah eigentlich nicht sonderlich spektakulär aus, weshalb ich über das Ergebnis besonders überrascht war.

winter rose © Petra Holländer

Das Foto mit der weißen Rose ist ein eher simples Portrait, das ich durch Alufolie ein wenig aufzupeppen versuchte. Die Alufolie erkennt man auf den ersten Blick wohl nicht, da ich sie ein wenig zweckentfremdete.

Ich habe nämlich aus einem quadratischen Stück Folie einen Kreis ausgeschnitten, durch den ich dann hindurch fotografierte. Die etwas zerknüllte Alufolie lag außerhalb des Schärfebereichs und reflektierte das Licht, sodass sie eine schönes Bokeh erzeugte, das das Bild umrahmt.

Für mich sind Alltagsgegenstände als Fotorequisiten nicht nur eine preisgünstige Möglichkeit, sondern fordern mich auch auf, meine Kreativität zu nutzen, um Neues zu erschaffen. Es gibt so viele tolle Dinge, die nur darauf warten, fotografiert zu werden und ich kann es gar nicht erwarten, sie alle in Bildern zu verwenden!


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on Einfach mal anders

Posted in Equipment

 

6. März 2013

06 Mar

Ein Beitrag von: Alexandra Höhn

Unbenannt © Alexandra Hoehn


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on 6. März 2013

Posted in Equipment

 

Find Out What It Takes To BeA Profesh Photographer

06 Mar

This is Margo. ->

She takes all the photos for the Photojojo Shop, like these. ->

She gets money (& snacks) for doing that, so that makes her a professional photographer!

We snuck a video camera into the photo studio at Photojojo HQ so you can watch her work … LIVE.

See just what a pro photog does all day.

How does she set up her lights? Where does she position the camera? What kind of snacks are those?

Watch Margo LIVE Today from 12-3pm PST

p.s. She’ll even stop working for a Q&A at 2:30 PST. Leave your questions for her on Facebook, Twitter or Instagram.


© laurel for Photojojo, 2014. |
Permalink |
No comment |
Add to
A Profesh Photographer”>del.icio.us

Post tags:


Photojojo

 
Comments Off on Find Out What It Takes To BeA Profesh Photographer

Posted in Equipment

 

Der Traum von Fotografie

06 Mar

Ein Beitrag von: Friederike Schütze

Ich war immer fasziniert von der Fotografie. Mein Leben, die Menschen und Orte, an denen ich war, in Bildern festzuhalten, das war ein innerer Drang. Aber jeder Gedanke in meiner Jugend, Schritte in Richtung guter Fotografie zu machen, wurden sofort von folgenden Gedanken unterdrückt.

Ich war lange Zeit der Meinung, dass man eine Ausbildung zum Fotografen gemacht haben müsse, um gute Bilder zu machen. Vielleicht nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, was bei Fotoshootings, die man im Fernsehen sehen kann, alles an Equipment und Personal aufgefahren wird.

Man kann ja schließlich auch niemanden operieren, nur weil man viel Emergency Room gesehen hat. Aus heutiger Sicht muss man darüber natürlich den Kopf schütteln und schmunzeln, aber damals war es für mich einfach so.

© Friederike Schütze

Ich hatte mich für eine akademische Laufbahn entschieden, habe mein Abitur gemacht, Chemie studiert und schreibe gerade meine Doktorarbeit. Tatsächlich Fotografie zu „lernen“ war für mich als Teenager nicht erreichbar und so wurde auch der Gedanke daran mit meinem Studium begraben.

Vor drei Jahren war ich dann auf der Hochzeit von Freunden und am Abend wurden die Bilder gezeigt, die die Hochzeitsfotografin tagsüber gemacht hatte. Was soll ich sagen: Mich hat es umgehauen. Man hätte jedes einzelne Bild problemlos in einer Zeitschrift abdrucken können, so perfekt und wunderschön waren sie.

Aber ich hatte die Fotografin gesehen. Sie hatte kein großes Equipment und kein Team, das jeden Gast perfekt ausgeleuchtet hätte. Sie hatte nur ihre Kamera. Und irgendwie hat diese Erkenntnis in meinem Kopf Wurzeln geschlagen und dieser alte Traum der Fotografie wurde wieder wach, fand immer neue Hoffnung, dass vielleicht auch ich gute Bilder machen könnte.

© Friederike Schütze

© Friederike Schütze

Warum es nicht einfach mal probieren, einfach nur für mich? Und das tat ich. Ich kaufte eine gebrauchte EOS 450D und machte mich mit ihr und den grundlegenden Prinzpien von Blende, Belichtungszeit und so weiter vertraut.

Dann, vor neun Monaten, nahm ich meine Freundin Katrin als Modell, ging mit ihr raus ins Reichenauer Schilf und versuchte mich an meinen ersten Portraitaufnahmen. Spielte mit Winkeln, Perspektiven, Sonnenlicht, ihrer Körperhaltung und ihrem Gesichtsausdruck.

Und dann traf es mich – der Moment, in dem einfach alles stimmt, man sich sein Bild erarbeitet hat, die perfekte Mischung aus Pose, Licht und Hintergrund. Ich muss immer noch lächeln, wenn ich daran denke. Es war ein großartiges Gefühl und ist es auch heute noch. In diesem Moment bin ich immer unendlich glücklich.

© Friederike Schütze

Es war für mich klar, dass ich unbedingt damit weiter machen musste. Ich fragte also Bekannte und Freunde, ob ich sie fotografieren dürfte und mit jedem Shooting wurde ich besser, probierte mehr aus und entwickelte mich.

Was mich an der Portraitfotografie besonders begeistert, ist, dass man nicht einfach nur etwas fotografiert, was ohnehin schon da ist. Man wird hinter der Kamera zum Regisseur und inszeniert sein Bild.

Ich lasse mich im Prinzip von meinen Modellen inspirieren. Überlege mir, welche Umgebung und welche Kleider und nicht zuletzt, welchen Bearbeitungsstil ich passend finde und wie ich diesen Menschen für mich interpretieren möchte.

© Friederike Schütze

Menschen einfach nur als schön oder hübsch zu zeigen, reicht mir nicht. Ich möchte Bilder erschaffen, die den Betrachter verharren lassen, die ihn innerlich irgendwo ansprechen. In meinen Bildern lasse ich die Schönheit meiner Modelle immer auch sanft und verletzlich wirken und schaffe so Nähe.

Über meinen eingangs erwähnten Gedanken, fotografieren kann man nur als Fotograf, lächle ich nun. Nicht, weil es nicht wahr wäre, dass man sehr vieles erlernen muss, um ein guter Fotograf zu sein, sondern weil ich damals das Wesentlichste nicht gesehen habe: Man braucht eine Kamera und ein gutes Auge, um gute Bilder machen zu können. Mehr nicht.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on Der Traum von Fotografie

Posted in Equipment

 

5. März 2014

05 Mar

Ein Beitrag von: j0bra

© j0bra


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on 5. März 2014

Posted in Equipment

 

Die ungewöhnliche Welt vor meiner Haustür

05 Mar

Ein Beitrag von: Moritz Aust

Viele Menschen glauben, dass die Kamera das Bild macht. Das stimmt in gewisser Hinsicht auch, doch bei genauerem Überlegen fällt auf, dass der Verstand das Bild erschafft. Unsere Vorstellungskraft und unsere Kreativität lassen uns diese unwirklichen, faszinierenden Orte und Situationen kreieren.

Die Bilder zu dieser Serie sind durch den Wunsch entstanden, sich aus dem Alltag loszureißen und in eine Traumwelt einzutauchen. Die Fotografie erlaubt es mir, diesen Wunsch mit wenigen Mitteln zu erfüllen.

young visions © Moritz Aust

Ich entdeckte meine Leidenschaft für die Erschaffung dieser surrealer Bilder kurze Zeit nachdem ich begonnen hatte, mich genauer mit der Fotografie auseinanderzusetzen. Mich faszinierte es, zu sehen, dass man mit einer Idee, seiner Vorstellungskraft, einer Kamera und Nachbearbeitung solche Orte direkt vor seiner Haustür einfangen konnte.

sleeping farmer © Moritz Aust

Ich erforschte meine Umwelt, die plötzlich viel spannender wirkte und kreierte immer mehr dieser surrealen Bilder. Bald bemerkte ich, dass die Fotos, die ich aufnahm, etwas gemeinsam hatten: Sie spiegelten alle diese verdrehte, unwirkliche Welt wider. Deshalb beschloss ich, aus diesen Bildern eine Serie mit dem Titel „Nightmares & Fairytales“ zu erstellen.

Door In The Woods © Moritz Aust

Das Merkmal der Bilder dieser Serie sollte sein, dass sie irgendwie ungewöhnlich sind. Woher die Inspiration der Fotos kam, kann ich selbst nicht genau sagen, doch ich bin mir sicher, dass sie ihre Quellen hat. Nach meinen Erfahrungen ist es meist eine Mischung aus Gefühlen, Erlebnissen, dem Treffen von spannenden Personen und dem persönlichen Umfeld.

wrong world © Moritz Aust

Zu sehen, wie sich eine Szene, die anfangs noch schlicht und normal, aber trotzdem einzigartig wirkte, in einem neuen Gewand zeigt, fasziniert mich immer noch. Dieses Gefühl ermutigt mich, immer tiefer in meinen eigenen Verstand zu blicken und nach der nächsten Idee zu suchen.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on Die ungewöhnliche Welt vor meiner Haustür

Posted in Equipment

 

4. März 2014

04 Mar

Ein Beitrag von: Michael Wolf

Patterns © Michael Wolf


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on 4. März 2014

Posted in Equipment

 

Umfrage: Fotowettbewerbe

04 Mar

Wir verlinken seit einiger Zeit in den browserFruits auf den Wunsch von Lesern hin Fotowettbewerbe. Gute Fotowettbewerbe zu finden, ist jedoch gar nicht so leicht und kürzlich bekamen wir auch Kritik, denn die Nutzungsbedingungen eines Wettbewerbs waren fragwürdig.

Viele Hobbyfotografen freuen sich über kleine Wettbewerbe und machen auch gern mit, selbst wenn es nur einen Gutschein für Amazon zu gewinnen gibt. Anderen sind genau solche Wettbewerbe ein Dorn im Auge, denn sie werden im Endeffekt nur von Firmen veranstaltet, um Werbung für sich zu machen und kostengünstig an neue Werbebilder zu gelangen, wodurch Berufsfotografen wiederum weniger Aufträge bekommen.

Wettbewerbe sind meiner Meinung nach an sich nicht schlecht. Es kann Spaß machen, sich mit anderen zu messen und ein guter Platz schmückt den Lebenslauf. Große, bekannte Wettbewerbe sind jedoch meist nur für Profifotografen oder junge Fotografen in Ausbildung ausgeschrieben.

Für alle, die die Fotografie als Hobby betreiben, ist es enorm schwer, einen Wettbewerb zu finden, bei dem sie teilnehmen dürfen und der gleichzeitig noch aktzeptable Nutzungsbedingungen sowie ein faires Preisgeld bietet.

Nun habe ich hier schon fast zu viel gewertet, aber das Thema liegt mir schon länger am Herzen. Eigentlich geht es mir hier aber vor allem um Eure Meinung.

Wie empfindet Ihr Fotowettbewerbe? Bei welchen macht Ihr mit und welche Teilnahmebedingungen sind ein absolutes No-Go für Euch?


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on Umfrage: Fotowettbewerbe

Posted in Equipment

 

Yakuza

04 Mar

Ein Beitrag von: Anton Kusters

Das erste Mal sah ich ein Yakuza-Mitglied auf den Straßen von Kabukicho. Ich saß in einer Bar und trank mit meinem Bruder Malik ein Bier. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir die gleiche Vorstellung von ihnen, wie alle anderen auch: Verrückte, tätowierte Gangster, die mit Schwertern und Pistolen herumrennen und sich umbringen, wenn sie die Chance dazu bekommen.

Aber dieser Typ hatte einen Anzug an, benahm sich freundlich, direkt und selbstsicher. Er lief auf der Straße, als ob sie ihm gehören würde und Menschen verbeugten sich vor ihm. Wir liefen zu ihm und fanden heraus, dass er Souichirou hieß.

Kurze Zeit später lächelte er, als wir ihm direkt eine Frage stellten. Er war ein hochrangiger Straßenboss im Bezirk, den seine Familie kontrollierte. „Wir töten heutzutage selten.“ Man beachte das Wort „selten“.

Yakuza © Anton Kusters

Wir fragten ihn, ob es möglich wäre, ihn und die Shinseikai-Familie zu fotografieren. Er war einverstanden, darüber zu verhandeln. Schließlich dauerte es ein Jahr voller intensiver und recht schwieriger Treffen, um die Erlaubnis zu bekommen.

Im Frühling 2009 ging ich zum ersten Mal los, um sie zu fotografieren. Es stellte sich heraus, dass es eine fünf Stunden lange Fahrt zu einem Gefängnis in Niigata werden sollte, wo an diesem Tag zwei Mitglieder freigelassen würden. Und die gesamte Familie fuhr hin, um sie willkommen zu heißen.

Um vier Uhr in der Dämmerung sitze ich in dem Auto, das Nitto-san, den Senior-Boss der Familie fährt. Es ist kalt. Klein in Statur, fährt sein Blick direkt durch mich hindurch, als mich Souichirou anweist, ihn zuerst zu begrüßen.

Ich sage „yoroshiku onegai shimasu“. Verbeuge mich. Sein Händedruck ist fest. Es scheint, als ob er sofort weiß, wer ich bin und während er sich wegdreht, um sich anderen Dingen zuzuwenden, bekomme ich weitere grundlegende Anweisungen.

Was ich sagen und wo stehen soll. Souichirou übernimmt die Verantwortung und lehrt mich sowohl japanische Verhaltensweisen, als auch die der Yakuza. Ich absorbiere alles.

Yakuza © Anton Kusters

Dieser erste Morgen, auf dem Weg zum Gefängnis, markiert den Anfang eines Kennenlernens auf einer anderen Ebene als bisher. Jetzt ist alles real. Mittendrin.

Sie werden sehen, wie ich arbeite, fotografiere, nicht interveniere, mich verhalte und bewege. Zugleich werde ich spüren, was für sie angenehm ist, zu welchem Zeitpunkt Fotografieren passend ist und wann nicht.

Ich merke, dass dies ein extrem sensibler Drahtseilakt ist. Wenn ich heute zurückschaue, dann würde ich sagen, dass zehn Monate vergehen mussten, bis ich jede Situation einschätzen konnte.

Alles ist so subtil. Die Details, die ich im Augenwinkel sehen kann. Manschettenknöpfe, gepflegte Hände, perfekte Frisuren, Narben, Autos, konfektionierte Anzüge, Lederschuhe, fehlende Finger, Bodyguards, Einblicke auf Tattoos.

Yakuza © Anton Kusters

Alles schreit „Kontrolle“ und ja, wenn es so etwas wie dicke Luft voller Spannung gibt, dann ist das hier der Inbegriff davon. Und für manche gibt es diesen Ort in den Bergen, ein paar Stunden entfernt, von dem sie nicht wieder zurückkehren.

So langsam beginne ich, zu realisieren, dass Yakuza mehr eine Lebensart als irgendetwas anderes ist. Es wirkt auf mich, als ob die Jungen nach Zugehörigkeit und Bestimmung suchen, während die Senior-Bosse ihre Aufgabe darin sehen, der Gefolgschaft Werte der Yakuza einzuprägen.

Ab und zu scheinen Einzelne opportunistisch zu sein, um in der Außenwelt für positive Berichterstattung zu sorgen, aber im Großen und Ganzen kümmern sie sich selten um das, was um sie herum geschieht.

Yakuza © Anton Kusters

Die Yakuza haben es geschafft, den schmalen Grat zu gehen, der zwischen guten und schlechten Taten verläuft. Sie haben einen Pfad für sich geschaffen, der so mit Japan als Land verknüpft ist, dass es Leute gibt, die die Gesellschaft ohne Yakuza schlimmer darstellen als die mit.

Im Februar 2013 erleidet einer der wichtigsten Shinseikai-Familien-Bosse, Miyamoto-san, einen fatalen Schlaganfall. Sein Tod ist eine allen drohende Gefahr. Ich lasse alles stehen und liegen und fliege umgehend nach Tokyo. Obwohl er ein Alleingänger war, hatte ich ihn beobachtet, kennengelernt und über 12 Monate lang fotografiert.

Ihn nun in diesem Krankenhausbett zu sehen, hilflos im Koma und ohne die geringste Chance auf Erholung wirkte sehr… menschlich.

An diesem Punkt war es nicht mehr wichtig, dass er Teil der Yakuza-Familie war. Vor mir sah ich einen sterbenden Mann. Ich hielt seine Hand und erzählte ihm von der kurzen Zeit, die wir miteinander erlebt hatten.

Was, wenn er mich hören könnte?

Ich besuchte ihn drei Tage nacheinander. Am dritten Tag, morgens um 2.30 Uhr, starb er. Seine Freundin und der ältere Bruder erlaubten mir, der traditionellen japanischen Beerdigung beizuwohnen.

Yakuza © Anton Kusters

An diesem Punkt schienen alle Bilder, die ich gemacht hatte, zu intim, um sie zu publizieren. Vielleicht würde sich das mit der Zeit herausstellen. Vielleicht würden sie im größeren Kontext des Projektes ihren Platz finden.

Es war kalt an diesen Tagen, und ich hatte nicht die richtige Kleidung an.

In meinem Projekt „ODO YAKUZA TOKYA“ geht es nicht um die Taten der Yakuza. Es ist ein persönliches Testament eines extrem komplizierten Lebensstils.

Yakuza © Anton Kusters

Und obwohl das Schlechte das Gute in dieser Art zu leben bei Weitem überwiegt, denke ich, dass ich nicht in der Position bin, diese Menschen zu verurteilen. Ich denke, dass ich weiter versuchen werde, offen zu sein und mittels Einblick in flüchtige Momente wie diese so viel wie möglich über die Menschheit zu lernen.

Warum

Der Grund für dieses Projekt ist – wie immer – eine sehr persönlicher. Ich lebe in Belgien und mein Bruder in Japan. Ich suchte nach einem Projekt, das wir gemeinsam umsetzen könnten, um einen Grund zu haben, öfter nach Japan zu gehen und ihn und seine Familie dort zu besuchen.

Mein Bruder ist Marketing-Experte, ich bin Fotograf. Wir glaubten, dass eine Kollaboration möglich sei.

Eines Nachts trank ich mit meinem Bruder in Tokyo ein Bier und wir diskutierten über unser Projekt. Auf einmal kam ein Yakuza in die Bar. Wir wussten sofort, dass wir uns auf dieses Thema konzentrieren sollten.

Yakuza © Anton Kusters

Zehn Monate verbrachten wir mit Verhandlungen, um eine Foto-Erlaubnis für zwei Jahre zu bekommen.

Was mich inspiriert? Alles, was in meinem Leben passiert. Glück, Traurigkeit, kleine Dinge, die meine Aufmerksamkeit erhaschen. Mich berühren. Insbesondere andere Menschen. Nahe und weit entfernte, denn mich begeistert das Wunder der Menschheit.

Wie

Ich fotografierte stets mit dem vorhandenen Licht, intervenierte oder konstruierte nichts. Ich war wie eine Fliege an der Wand.

Yakuza © Anton Kusters

Weil das Projekt in sehr engen Räumen und an dunklen Orten stattfand und meist absolute Stille herrschte, entschied ich mich für eine leise Leica M9. Dadurch hatte ich sehr leichtes Gepäck (nur ein Body, eine Linse und eine Backup-Kamera) und war immer bereit, auch an dicht gedrängten Orten wie in Autos oder Bars zu fotografieren, ohne die Stimmung zu zerstören.

In meinem Blog findet sich eine genauere Beschreibung des Inhalts meiner Kameratasche.

Da das 35mm ƒ/1.4 mein Immerdrauf war, konnte ich mit dem vorhandenen Licht und einem extrem schnellen manuellen Fokus fotografieren. Das Potential, auf die Szenen Einfluss zu nehmen, war also deutlich reduziert.

Yakuza © Anton Kusters

In Kombination mit der Messsucherkamera (die keine Vibration eines klappenden Spiegels hat), konnte ich mit bis zu 1/15 oder gar 1/8 Sekunde meine Aufnahmen machen. Durch diese Arbeitsweise gab es häufg exakt einen einzigen perfekten Moment und in vielen Fällen habe ich diesen verpasst. Jedoch gelang es mir immer wieder, etwas „Merk-würdiges“ aufzunehmen.

Ganz oft, wenn ich ein neues Projekt anfange, lerne ich erst mit der Zeit, was die beste technische Unterstützung (lies: die beste Kamera) ist, die mir es ermöglicht, die von mir angestrebten Fotos zu machen.

Yakuza © Anton Kusters

Und wenn es notwendig ist, verkaufe ich meine komplette Ausrüstung, um das richtige Equipment für ein Projekt zu haben. Für das Yakuza-Projekt war das die Leica M9 mit einem 35mm Summilux ƒ/1.4. Im Gegensatz dazu setzte ich mein Projekt „Heavens“ mit verschieden Holga-Kameras um, die ein Polaroid-Rückteil haben.

Jedoch muss ich sagen, dass ich über das Yakuza-Projekt die Messsucher-Kamera sehr zu schätzen gelernt habe und erst einmal bei ihr bleiben werde.

Dieser Artikel wurde von Martin Gommel aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on Yakuza

Posted in Equipment

 

Blickfang: White Album

04 Mar

Seit es Internetdienste gibt, die uns kostenlos Satellitenbilder in hoher Auflösung zur Verfügung stellen, haben wir uns an den Blick auf die Erde von oben gewöhnt. Einer, der allerdings schon seit beinahe 15 Jahren regelmäßig aus dieser Perspektive auf die Welt schaut und sie dokumentiert, ist der Fotograf und Filmemacher Bernd Uhde.

Sein jüngst im Verlag Seltmann+Söhne erschienenes Buch „White Album“* hat mich sofort fasziniert. Darin zeigt er schneebedeckte Landschaften und urbane Strukturen immer mit dem orthogonal von oben nach unten gerichteten Blick.

White Album © Bernd Uhde

Die Bilder, wie beispielsweise die hier gezeigte Doppelseite, wirken teils so abstrakt – man könnte meinen, sie wären digital nachbearbeitet und manipuliert. Doch dem ist nicht so. Was hier manipuliert ist, sind die Landschaften selbst, die Uhde zeigt.

Wir sehen hier zwei in Reihen bepflanzte Felder. Die in regelmäßigen Abständen stehenden Bäume werfen lange Schatten auf den Schnee und erzeugen so ein sich wiederholendes und an Textilkunst erinnerndes Muster.

Uhdes Aufnahmen offenbaren die der vom Menschen geformten Landschaft zugrunde liegenden Muster. Sie sind real und abstrakt zugleich und nicht zuletzt – ästhetisch.

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhalten wir eine kleine Provision, Ihr zahlt aber keinen Cent mehr.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on Blickfang: White Album

Posted in Equipment