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Archive for the ‘Equipment’ Category

Donbass

31 May

Ein Beitrag von: Valerie Myronenko

Die meisten Bewohner von Donbass sind sich sicher, dass die Fremden, die sie fotografieren, höchstwahrscheinlich vom KGB sind. Dieser Stereotyp entstand dank des sowjetischen Kinos. Deswegen werden die Journalisten immer mit großem Misstrauen oder Angst betrachtet.

Viele Menschen, die ihre Erlaubnis für Fotos gegeben haben, seufzen bitterlich: „Und jetzt? Werde ich morgen abgeholt?“

Ich fing während der Schulzeit schon an zu fotografieren, lange bevor Donbass in allen Nachrichten erschien. Noch heute sind Fotografen hier keine alltägliche Erscheinung und damals waren sie eine große Seltenheit.

Zwei Frauen stehen vor einem Kiosk in farbenfroher Kleidung. Ein Hund schläft auf dem Asphalt.

Zwei ältere Frauen halten an einem Kiosk, um verpackte Waren zu kaufen. Die Transaktion geschieht oft durch ein kleines Fenster, so dass man nur die Hand des Kioskbesitzers sieht.

Vier Frauen mit grauen Haaren warten auf den Bus.

Frauen an einer Bushaltestelle.

In Donbass in der Ukraine – es ist sozuagen ein „Staat im Staat“ – sind die Menschen sehr verschlossen. Es ist eben nicht Südostasien, wo die Hälfte der Bevölkerung Kameras besitzt und die andere Hälfte gern vor diesen posiert.

In den 20 Jahren der Unabhängikeit der Ukraine hat sich in Donbass nichts verändert, hier sieht man noch die Kehrseite der UdSSR. Es ist so, als ob Donbass zementierte sowjetische Realität ist – nicht nur auf den Straßen, in den Wohnungen, sondern auch in den Köpfen der Menschen. Es kam mir so vor, als erwischte ich diese Realität durch Zufall noch ein bisschen, bevor sie für immer verschwindet.

Eine alte Frau sitzt mit einer Katze auf einer Steinbank und dreht sich zum Betrachter.

Die Ukraine ist eines der ärmsten Länder des ehemaligen Sowjetblocks. Jahre der Korruption und wirtschaflicher Wirren haben die Älteren der Gesellschaft an den Rand der Armut getrieben.

Mehrere Frauen mit roten Tulpen in der Hand gehen eine Straße entlang.

Obwohl Donbass auf dem Gebiet der Ukraine liegt, identifizieren sich viele noch als Sowjets und schwelgen in der Erinnerung an den Kommunismus.

Es ist sehr wichtig, dass die Leute verstehen, wer Du bist und warum Du sie fotografierst – sie würden nie jemandem vertrauen, der hundert Meilen entfernt lebt. Es war für mich immer leichter, wenn ich Bilder von den Mädchen in Uniformen in der Parade am 9. Mai machte. Ich war eine von denen, die eine Oma mit Akkordeon fotografierte, sie kannte mich und ich begrüßte sie jeden Tag auf dem Weg zur Schule.

Aber manchmal war es auch für mich fast unmöglich, die Wand des Misstrauens zu durchbrechen, jedes Mal musste ich einen neuen, speziellen Weg finden. Es gibt eine riesige Lücke zwischen der alten und der neuen Generation in Donbass, als wären wir in verschiedenen Ländern geboren, mit verschiedenen Ideologien.

Eine Frau spielt auf der Quetschkommode.Eine Frau wärmt sich auf, an einem kalten Wintermorgen.

Donbass ist ein Industriegebiet in der Steppe, mit den gefährlichsten Arbeitsbedingungen der Welt. Eintritt zu lokalen Fabriken und Bergwerken ist für Unbefugte streng verboten. Eine Bekannte von mir, deren Ehemann sein ganzes Leben in der Fabrik gearbeitet hat, sah meine Fotos und staunte:

Oh mein Gott, ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass das so ist!

Die Fabrikarbeiter sind stolz auf ihre Arbeit und alle mit der Arbeit verbundenen Verletzungen nehmen sie mit Humor – scherzend erzählen sie, wer wo seinen Finger verlor. Viele Generationen arbeiten hier – die Fabrik existiert seit mehr als 112 Jahren.

Geschmolzener Stahl blubbert rot und ist an den Rändern grau.

Ein Fluss aus geschmolzenem Stahl fließt durch die Fabrik und umgibt den Hochofen.

Hell erleuchtete Hochöfen in einer Stahlanlage.

Die großen Hochöfen in Donbass werden für die Metallproduktion verwendet. Ein wichtiger Export aus der Ukraine.

Ein Mann steht am Strom von geschmolzenem Stahl mit einer Schaufel.

Die Industrieanlage ist schon 114 Jahre alt und hat bereits viele Generationen von Arbeitern gesehen.

Kopankas – das sind illegale Bergwerke. Sie sind zwar vom Staat nicht legitimiert, wegen der allgegenwärtigen Korruption in der Ukraine, sie sind aber als geheime Orte geschützt. Sie befinden sich in der Steppe, zwischen kleinen Dörfern, wo neben der Bedarfswirtschaft der Kohlewerkbau die einzige verbleibende Möglichkeit ist, Geld zu verdienen.

Auf dem Weg dorthin, nachdem wir vom asphaltierten Weg abbogen, fuhren wir noch 40 Minuten in die Steppe. Ein paar Meilen vor der Kopanka musste mein Führer einen Anruf tätigen und Bescheid geben, dass der sich nähernde Jeep einer von „ihnen“ ist und es keine Notwendigkeit gibt, wegzulaufen oder sich zu verstecken.

Vogelperspektive auf ein illegales Kohlebergwerk.

Nach der Unabhängigkeit entstanden viele illegale Kohleminen und hinterlassen einen permaneten Fußabdruck im Osten der Ukraine in Form von mehrere Kilometer breiten Kratern.

Ein Geräteschuppen der einfachen Art.

Viele illegale Bergwerke sind gerätetechnisch auf dem untersten Niveau. Die Motoren stammen von Mopeds.

Ein Mann sitzt in einer Aluminiumwanne. Doppelt hält besser.

Ein Bergarbeiter sitzt in einer Aluminiumwanne und wartet darauf, in die nur 50 cm hohe und 100 Meter tiefe Höhle zu rollen.

Die einzige Ausrüstung sind Seilwinden von alten sowjetischen Motorrädern oder Autos. Statt „Hunten“ werden gusseiserne Badewannen als Förderwagen benutzt.

Viele Arbeiter legen eine Badewanne in die andere, so wie es auf den Fotos zu sehen ist, weil der Boden durchgerieben ist. Die Arbeiter kommunizieren mit den Bergleuten mittels einer Angelschnur: Zwei Bögen – die Badewanne ist voll – es ist Zeit für eine Raucherpause.

Selbst für mich, die in Donbass aufwuchs, war es sehr schwer, mir vorzustellen, dass die Leute immer noch so wie im vorvorigen Jahrhundert arbeiten. Allerdings erklärten mir die Arbeiter, dass die Arbeit in so einer illegalen Kopanka viel besser ist, als in einem legalen Bergwerk.

Sie sind viel näher an der Oberfläche, das Gehalt wird jeden Tag bezahlt und man muss niemanden bestechen, um einen Arbeitsplatz zu finden. Jedoch wird in den Nachrichten immer wieder berichtet, dass da und dort in einer Kopanka Bergarbeiter verschwinden – sie sind dort verschüttet und niemand holt sie raus, um die Tatsache des illegalen Bergbaus zu verstecken.

Ein junger Mann entlädt eine alte Badewanne mit Kohle.

Ein Arbeiter entlädt eine Badewanne voller Kohle.

Ein Mann sitzt in einem alten Auto ohne Räder.

Ein Mann betreibt einen behelfsmäßigen Hebezug mit Hilfe eines Autos, Metalldrähten und einem Motor. Wozu? Um Arbeiter aus der Mine zu ziehen.

Im letzten Sommer hatte ich die Möglichkeit, nach unten, in eines der Bergwerke in der Nähe der Stadt, hinunterzusteigen. Die Kamera durfte ich aber aus Sicherheitsgründen nicht mitnehmen – die Wahrscheinlichkeit einer Methanexplosion ist hoch, sie kommen sehr oft in den Bergwerken vor. Und schließlich war es auch unmöglich, dort zu fotografieren – der einzige Lichtstrahl ist der auf dem Kopfhelm des Bergarbeiters.

Zusammen mit den Bergleuten bin ich über fünf Kilomenter weit durch die dunklen, nassen Tunnel gegangen, um endlich den Ort zu erreichen, an dem sie nach Kohle graben und hoffnungsvoll veraltete Ausrüstung reparieren. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es möglich ist, dort jeden Tag zu sein. Bergleute glauben, dass so eine Arbeit besser ist als gar keine: „Wir alle haben Kinder, wir müssen sie ernähren“, erzählen sie mir.

Eine Frau mit roten Haaren und Kurzhaarschnitt sitzt an alten Gerätschaften einer Industrieanlage.

Die Arbeiter und die Geräte in den Minen der Regierung haben seit der Sowjetzeit keine Veränderung gesehen.

Ein Mann sitzt in einem fast leeren Raum und benutzt ein Wählscheibentelefon.

Vier Bergleute machen eine Raucherpause.

Die Arbeiter warten draußen, bevor die Schicht beginnt. Für die meisten Menschen in Donbass ist der Bergbau eine der wenigen Beschäftigungsmöglichkeiten.

Viele Leute in Donbass leben an der Existenzgrenze. Viele opfern die Gesundheit, arbeiten unter gefährlichen Bedingungen, um wenigstens ein bisschen Stabiltät in der Zukunft zu haben. Zum Beispiel die Arbeiter in der Chemiefabrik: Sie setzen sich der Strahlung aus und atmen Phenoldämpfe ein, in der Hoffnung, eine größere Rente zu bekommen, obwohl es sehr wahrscheinlich ist, dass sie so lange überhaupt nicht leben.

Alle Bergleute haben Lungenkrankheiten durch den Kohlestaub. Die Lebensdauer der Arbeiter liegt unter 60 Jahren. Doch nach der Revolution in der Ukraine haben sie Angst, dass das, wofür sie hart gearbeitet haben, verschwindet. Die Menschen haben Angst, dass ihre priviligierte Rente und ihre Sozialleistungen annuliert werden, wenn sie der EU beitreten. In der Region herrschen Widersprüche und die Menschen haben Angst.

Zwillinge mit lustiger Frisur lächeln in die Kamera und verkaufen etwas.

Zwillinge verkaufen Sonnenblumenkerne. Ein belieber Snack vor einem Fussballspiel.

Ein Mann sitzt in seinem kleinen Zimmer und schaut fern.

Donbass ist in erster Linie eine ethisch russische Region, die Stark unter dem Einfluss von Putins Propaganda steht.

Ein Mann steht in einem leeren Theater.

Ein verlassenes Theater in Alchevsk, gebaut von den Geiseln der Nazis nach dem zweiten Weltkrieg.

Heute, nach der Krim-Annexion, wurde Donbass das nächste Ziel von Putin. Die Mehrheit in Donbass spricht Russisch und schaut das russische Fernsehen. Alle Nachrichtensender in Russland sind zynisch und verdrehen die Fakten, womit sie einen Bürgerkrieg in der Ukraine begünstigen.

Familien und Freunde streiten miteinander, weil sie verschiedene Meinungen dazu haben. Ich bin in einem demokratischen Land aufgewachsen und es ist schwierig und gefährlich für mich, selbst im Bekanntenkreis, meine eigene Meinung zu äußern – man kann Freunde verlieren.

Alles andere ist in den Schlagzeilen der Reportagen aus Slowjanks, Lugansk und Odessa zu sehen.

Dieser Artikel wurde von Agafia Polynchuk für Euch aus dem Russischen ins Deutsche übersetzt. Danke!


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30. Mai 2014

30 May

Ein Beitrag von: Eric Bénier-Bürckel

Portrait: Ein Mann ruht sich auf dem Boden aus.


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Im Reich der Zwerge

30 May

Im südlichen China, in der Nähe von Kunming, der Stadt des ewigen Frühlings, existiert ein Themenpark, der Heimat von 70 kleinen Leuten ist. Die Bewohner präsentieren zwei Mal am Tag eine Gesangs- und Tanzshow. Gegründet wurde dieses Land von einem großen, reichen Mann, der meinte, etwas Gutes tun zu müssen. Chinesische Wohltätigkeit, verkleidet in kommerziellen Kleidern.

Sanne de Wilde ist groß, blond und kommt aus den Niederlanden. Sie hat diesen Park mit seinen Bewohnern dokumentiert. Sie begab sich auf ein Abenteuer mit einer Handvoll ethischer Fragen über die Kommerzialisierung der sozialen Betreuung.

Jede Geschichte hat zwei Seiten, aber an dieser Stelle schien jede Frage und jede Antwort widersprüchlich. Mein Abenteuer endete als modernes (Anti-)Märchen, eine Sammlung von Bildern, die ich gemacht hatte und die sie gemacht hatten. Mein eigener Trick wurde gegen mich selbst gewendet.

Ein Brautpaar lächelt in die Kamera und steht vor einem rosa Hintergrund mit Glitzereffekten.

Ein riesiger künstlicher Baum.

Ein Mann und ein Kind in gelber Kleidung laufen einen Weg entlang.

Zwei Männer sitzen auf dem unteren Bett eines Hochbettes und sehen auf einen Laptopbildschirm. Die Wände sind mit Postern tapeziert.

Vier große Kugeln liegen auf einer Wiese im Gegenlicht.

Eine Frau in blauem Anzug posiert für die Kamera vor einer Wand.Ein Mann im Hochzeitskleid posiert vor einer Wand für die Kamera.

Eine Frau sitzt nachdenklich auf einem Bett. Die Wände sind mit Postern tapeziert.

Eine Frau hält einen Blumenstrauß und trägt ein auffallendes rosa Kleid.

Zwei Männer in Uniform. Einer davon hält eine kleinwüchsige Frau auf seinem Arm, die in die Kamera lacht.

Ein Mann sitzt mit geschlossenen Augen am Boden in einem Zimmer.

Ein leeres Karussell.

Eine Frau steht in einer unaufgeräumt wirkenden Kammer und sieht ernst in die Kamera. Rechts ist eine Tür offen, durch die man einen Mann sieht.

Ein Mann, als König verkleidet, trägt eine Sonnenbrille und tippt auf seinem Handy.

S. im Wunderland

Die Geschichte nahm eine plötzliche Wendung, die ich nicht vorausgesehen hatte. Ich konnte nicht unbemerkt Fotos machen. Bevor ich überhaupt beginnen konnte, scheiterte ich bereits. Eine Tür schloss sich, aber zur gleichen Zeit wurde ein Fenster geöffnet. Als ein blondes, blauäugiges Mädchen aus dem Westen, verwandelten mich die Menschen in einen Charakter in ihrer eigenen Geschichte. Ich wurde Teil einer voyeuristischen Show, in der der Fotograf und die Fotografierten die Plätze tauschen.

Nicht nur die Touristen, sondern auch die kleinen Menschen nahmen mich in das Thema ihrer Fotografie und in einen Teil der Show auf. Fotografieren war Teil ihrer täglichen Routine, so dass sie glücklich waren, sie zu übernehmen. Ich war nicht mehr eine bloße Touristen-Fotografin. Ich sah nun durch ihre Augen und sah meine eigene Reflexion. Da mein voyeuristischer Trick auf mich selbst angewendet wurde, sahen wir uns gegenseitig als Gleiche, zumindest für eine Fotoweile.

Eine Gruppe von Touristen lässt sich mit den kleinen Bewohnern des Parks fotografieren. Im Zentrum steht die Fotografin mit rosa Sonnenbrille.

Ich versuchte, die „Untertanen“ des „Reichs“ zu verstehen. Bewaffnet mit westlicher Argumentation, dachte ich, dass ich dieses „unethisch Konzept“ angehen kann, wie ich es wahrnahm, aber der persönliche Kontakt mit den Parkbewohnern entwaffnete mich bald. Die Zimmer, die sie sich teilten, waren schäbig und fensterlos, aber es wurde härter und härter, den Park einfach abzulehnen. Klare Antworten bekam ich nicht und am Ende blieb nur Verwirrung in meiner Suche nach Wahrheit. Diese Geschichte hatte zwei Seiten, wie das Gezänk eines siamesischen Zwillingspaars.

Mehr der Bilder findet Ihr auf Sannes Webseite. Hier gibt es auch eine kleine Vorschau auf das Buch, das bei ihrer Reportage in China entstand.


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Die Schönheit des Verfalls

30 May

Ein Beitrag von: Leon Beu

Es fing alles an einem typischen Sonntag in einem kleinen Ort irgendwo im Münchner Outback an. Ich, damals etwa 14 Jahre alt, und ein Freund rollen mit dem Fahrrad über Feldwege, langsam, ohne Ziel. Nichts los eben, Langeweile, keine Beschäftigung. Und so rollten wir dahin, immer weiter aus dem Dorf hinaus, quer über die Bundesstraße.

Dann tauchte hinter einem Gebüsch ein altes Haus auf. Ein Haus mit zerbrochenen Scheiben, zugewachsen mit Efeu. Willkommene Abwechslung im öden Alltag eines bayrischen Kaffs, also schnell rein, in den dunklen Hausflur.

Seitdem bin ich immer wieder dorthin zurückgekehrt. Irgendwann schließlich mit einer Kamera und so nahm alles seinen Lauf. Seitdem sind nun etwas mehr als zwei Jahre vergangen. In diesen Jahren habe ich viele weitere solcher Orte besucht und fotografiert. Zunächst eher, wenn es sich mal ergeben hat, später auf geplanten Touren quer durch Deutschland, Österreich, Italien, Belgien und Luxemburg.

Blick aus dem Fenster eines verlassenes Hauses.

An diesen Orten beeindruckt mich vor allem die Vergänglichkeit der Menschen und der von ihnen geschaffenen Gebäude und Gegenstände. Wo vor fünf Jahren noch Arbeiter ihr Brot verdient haben, wächst heute Moos, in einstigen Küchen bröckelt die Tapete von der Wand und Spinnen rennen über das Geschirr.

Die Häuser wirken oft wie schlagartig verlassen, als wären die Bewohner auf der Flucht und hätten alles stehen und liegen gelassen. Auch das Licht ist hier ganz besonders, oft scheint es nur leicht durch geschlossene Fensterläden und bildet so einige, wenige Lichtstrahlen.

Gerade dieses Licht macht die Orte natürlich auch zu tollen, beeindruckenden Motiven, hinter denen viele Geschichten stehen. Oft werde ich gefragt, wie ich diese Orte finde. Leider finde ich sie selten zufällig auf dem Weg zu Freunden. Solche Zufallsfunde gibt es zwar auch, doch vor den meisten Touren heißt es zunächst tagelang recherchieren und suchen.

Ein verlassenes Gebäude mit Lichteinfall.

Blick in einen Spiegelsaal mit roter Decke.

Dabei untersuche und vergleiche ich Fotos anderer Fotografen auf Hinweise, suche nach Zeitungsartikeln, die ein leerstehendes Gebäude thematisieren oder achte auf kleine Details, die etwas über den Standort verraten könnten. Dabei hilft es zum Beispiel, auf den Baustil zu achten oder die Umgebung, sofern man sie auf den Bildern anderer durch die Fenster erkennen kann, zu analysieren.

Das ist auch einer der Gründe, warum diese Orte von vielen so gut geschützt werden. Keiner „verschenkt“ gern, wofür er selbst stundenlang suchen musste. Ein weiterer Grund für diese Geheimhaltung ist, dass die Orte, sofern der Standort bekannter wird, oft von Vandalen und Dieben heimgesucht werden.

Eine alte Schreibmaschine in einem verlassenen Gebäude.

Eine Lesebrille in einer Ruine.

Manchmal sind es auch Jugendliche aus der näheren Umgebung, aber gerade Metalldiebe fahren unglaublich weit für ihre Beute und zerstören dabei oft noch große Teile der leerstehenden Gebäude. Auch Graffiti, so gern ich sie eigentlich mag, stören hier extrem. Nicht nur, da es auf den Fotos schlecht aussieht, viel eher, da es Sachbeschädigung fremden Eigentums ist und an solchen Orten wirklich nichts zu suchen hat.

Bei der Bearbeitung der Bilder versuche ich, die örtliche Lichtstimmung noch stärker herauszuarbeiten. Dafür entwickle ich die Bilder zunächst in Lightroom und schicke sie danach durch das kleine aber feine HDR-Programm SNS-HDR.

Danach kommt der Feinschliff in Photoshop, meist bestehend aus Ausrichten, diversen Bildoptimierungen und letztendlich einem Farblook. Dabei versuche ich, jede Location individuell zu bearbeiten, aber dennoch einen gewissen Stil beizubehalten. Jedoch retuschiere ich nie etwas aus den Orten weg oder hin, da ich die Bilder, trotz starker künstlerischer Einflüsse, als Dokumentation des Verfalls und des aktuellen Zustands sehe.

Blick auf ein Treppenhaus in einem verlassenen Gebäude.

Ein lichtdurchflutetes Schlafzimmer in einem menschenleeren Gebäude.

In diesen Lost Places ist ein Weitwinkel-Objektiv beinahe Pflicht, daher nutze ich ein Sigma 10-20-mm-Objektiv für die Gesamtübersichten und für die ganzen kleinen, engen Räume. Weiterhin habe ich immer eine 50-mm-Festbrennweite mit dabei, die sich vor allem für Detail-Aufnahmen und so manche Spielerei eignet.

Als Body nutze ich die Canon EOS 600D, wodurch ich zwar gegenüber einer Vollformakamera etwas Qualität einbüße, jedoch auch einiges an Platz und Gewicht spare, was sich vor allem beim Klettern oder langen Touren mit weiten Laufstrecken bezahlt macht.

Ein weiteres Problem, mit dem man sich auseinander setzen muss, wenn man diese Plätze besucht, ist die rechtliche Seite. Ich versuche zwar immer wieder, die Eigentümer herauszufinden und diese um eine Erlaubnis für Fotoaufnahmen zu bitten, doch meistens klappt das nicht ganz so, wie man es sich wünscht.

Ein Klavierzimmer mit Fensterlicht und einem Hocker, auf dem schon lange niemand mehr saß.

Die Reste eine Schlafzimmers in einem verlassenen Haus mit offenem Fenster.

Daher suche ich immer nach einem offenen Eingang (z.B. offenstehende Türen oder Fenster), um in diese Orte zu gelangen. Das ist zwar rein rechtlich gesehen auch Hausfriedensbruch, doch bisher hatte ich noch keine Probleme deswegen. Oft interessiert es die Besitzer auch gar nicht oder sie drücken bei Fotografen ein Auge zu und sind froh, dass es sich bei den Besuchern nicht um Diebe handelt.

Ein absolutes No-Go ist für mich das Einbrechen (Einschlagen von Scheiben oder Aufbrechen von Türen) oder das Stehlen von Gegenständen aus den Gebäuden. Grundsätzlich gilt der Grundsatz:

Take nothing but pictures, leave nothing but footprints.

Nach meinem Besuch soll es genauso aussehen wie vor meinem Besuch. Natürlich darf man bei einem Besuch auch die gesundheitlichen Risiken nicht außer Acht lassen. Oft hat eindringendes Wasser den Orten schon stark mitgespielt und die Böden sind morsch. Auch Schimmel ist eine potenzielle Gefahrenquelle und sollte nicht ignoriert werden.

Die Eingangshalle eines alten Hauses.

Doch trotz all dieser Gefahren sind die Besuche immer wieder ein tolles Erlebnis. Einerseits wegen der vielseitigen Geschichten, die die Gebäude mitgemacht haben, andererseits begeistert es auch, wie die Natur sich das zurückholt, was einst ihr gehörte.

Daher, und natürlich aufgrund der dabei entstehenden Bilder, werde ich auch noch oft früh morgens um fünf aufstehen, mich mit anderen Ruinenbegeisterten in ein Auto quetschen, nur um dann zwei Stunden dem nächsten verfallenen Haus entgegen zu fahren.


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29. Mai 2014

30 May

Ein Beitrag von: dark green ink

Hände drücken auf eine zersprungenen Fläche, die wie Eis wirkt.


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Haiku einer Orchidee

29 May

fragrant orchid —
into a butterfly’s wings
it breathes incense

Ihrer Arbeit „Haiku II“ hat die Grafik-Designerin und Fine-Art-Künstlerin Kate aus Riga in Lettland dieses Haiku des japanischen Dichters Matsuo Basho aus dem 17. Jahrhundert vorangestellt.

Liest man nach, findet man heraus, dass Basho der Versform des Haiku dazu verhalf, zu einem Hauptgenre der japanischen Poesie zu werden, nachdem es vorher fast ausschließlich für kurze Witze oder Wortspiele gebräuchlich war.

Sein meditativer Lebensstil spiegelt sich in der Einfachheit seiner Haikus wider, seine Dichtung bediente sich am Zen-Gedanken und er verwendete viele Naturmotive. Damit schließt sich der Kreis zu Kates hier vorgestellter Serie.

Sie ist die in mehreren Stadien festgehaltene Studie einer Orchideenblüte. Immer weiter nähert die Fotografin sich dem Gegenstand ihres Interesses an. Die Formen werden nach und nach deutlicher zu erkennen, wie man ein Objekt immer besser kennt, umso länger man es untersucht.

Wunderbar durch Unschärfe dargestellt, schälen sich die Formen des fragilen Gebildes immer deutlicher aus dem Raum heraus. Werden von allen Seiten betrachtet. Weder überflüssige Farben noch andere Gegenstände lenken ab, das Farbschema ist monochromatisch und der Hintergrund einfarbig, leer.

Teilweise drängt sich mir der Vergleich zu Röntgenbildern auf, so durchleuchtet wirken die Äderchen der Blätter auf mich. Kate möchte es genau wissen, mit einem Blick von außen bis ins Innerste vordringen.

Detail einer Orchideenblüte.

© Kate

© Kate

© Kate

© Kate

© Kate

© Kate

© Kate

© Kate

© Kate

© Kate

© Kate

© Kate

© Kate

Während Kates Webseite noch in der Entstehung begriffen ist, könnt Ihr diese und andere ihrer Arbeiten auf ihrem Portfolio bei Behance einsehen. Dort findet Ihr auch ihre anderen Werke, in der sie mit Vorliebe natürliche Strukturen mit gezeichneten, konstruierten oder gemalten Formen kombiniert.


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DIY Sunglasses Photo Frames

29 May
Extra photos for bloggers: 1, 2, 3

Not many folks can pull off sunglasses indoors but we think your photos have what it takes.

Upcycle your old shades to create a totally stylin photo frame just in time for summer.

Any frames will do – in fact, the kookier the better.

Ready for some fun in the sun(glasses)? Come bright this way!

Learn How to Make Your Own Photo Frame from Sunglasses

(…)
Read the rest of DIY Sunglasses Photo Frames (222 words)


© Erika for Photojojo, 2014. |
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Menschenleere Gassen voller Geschichten

29 May

Vor ein paar Monaten war ich das zweite mal in Tunesien. Vom ersten Besuch habe ich nur wenige Fotos von den spannenden Orten mitgebracht, weil ich viel zu überrumpelt von den vielen neuen Eindrücken war. Dieses Mal habe versucht, mehr mitzunehmen.

Eigentlich wollte ich, nach all den Warnungen, die mir von vielen Seiten mitgegeben wurden, nicht allein umherstreifen. Aber mit einer Linse vor dem Auge kann man einfacher so tun, als wäre das mulmige Gefühl nur Teil einer Geschichte. Selbst vom offenen Tragen eine „großen“ Kamera wurde mir abgeraten, aber das habe ich erst recht nicht übers Herz gebracht.

Gasse in Sousse, TunesienGasse in Sousse, Tunesien

Den Basar in den Straßen der Medina von Sousse habe ich zwei Mal besucht und obwohl ich ihn schon von meinem ersten Aufenthalt in Tunesien kannte, war es auf’s Neue ein Abenteuer.

Ich werde mich wahrscheinlich nie daran gewöhnen, mit welcher unerschöpflichen Wehemenz die Verkäufer versuchen, die Touristen in ihre engen Läden zu locken und ihre Ware an den Mann zu bringen. Im Notfall auch an die Frau. Immerhin habe ich gelernt, genauso wehement Nein zu sagen und freundlich bestimmt weiter zu gehen.

Gasse in Sousse, TunesienGasse in Sousse, Tunesien

Ich fliehe dann gern in die kleineren Gassen, die in der glühenden Nachmittagshitze verlassen liegen. Sie haben mich sofort in ihren zeitlosen Bann gezogen. In jeder gibt es etwas Neues zu endecken. Die Fassaden sind viel bunter und vielfältiger als in den von Bebauungsplänen geprägten deutschen Straßen.

Die Bewohner sehen das wahrscheinlich anders, aber die Spuren des Zahnes der Zeit machen einen großen Teil ihres Charmes aus. Als hätte jede Geschichte in diesen Gassen ihre Spuren an die Wände gemalt.

Gasse in Sousse, TunesienGasse in Sousse, Tunesien

Weil jede Gasse anders aussieht und ihre eigene Geschichte erzählt, haben sie mich geradezu dazu aufgefordert, sie in einer Serie nebeneinander zu stellen. Wie ein roter Faden verläuft nur der gleichbleibende Bodenbelag, der Staub und die heimelige Enge durch das Laybrinth der Stadt. Es ist wunderbar, dass man nie weiß, was hinter der nächsten Biegung liegt.

Gasse in Sousse, TunesienGasse in Sousse, Tunesien

Selbst jetzt, viele Wochen später, schaue ich die Bilder der Gassen immer wieder gern an. Ich kann das ferne Geräusch der belebteren Gassen hören und der Geruch von staubiger Hitze und alten Gemäuern liegt wieder in der Luft.

Ich erinnere mich daran, wie sehr es mir gefiel, dass die Gassen, bis auf wenige Details, wunderbar zeitlos wirken. Fast könnte man denken, die fernen Rufe stammen nicht von Touristen, sondern einer Gruppe Korsaren.

Gasse in Sousse, TunesienGasse in Sousse, Tunesien

Ich bin verliebt in Orte, die eine Geschichte erzählen. Denn obwohl jeder Ort seine Geschichten haben mag, sind sie selten so spürbar. Selten wurde ich so leicht in eine andere Zeit und Welt entführt und nahm ein so eindringliches, besonders Gefühl des Ortes mit nach Hause.


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28. Mai 2014

28 May

Ein Beitrag von: Anne Puhlmann

Mehrfachbelichtung einer Frau in schwarzweiß.


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Halber Himmel

28 May

„Half the Sky“ ist eine Fotoserie der französischen Fotografin Floriane de Lassée. Sie zeigt in ihren Bildern Frauen aus aller Welt. Für Floriane tragen Frauen die Welt, weshalb sie sie hell erstrahlen lässt. Um diese Portraits gibt es jedoch viel Raum. Dennoch schafft es jedes Foto durch den gekonnten Lichteinsatz und den Bildaufbau, die Frauen in den Mittelpunkt zu stellen.

Von 2004 bis 2011 arbeitete Floriane an ihrer Serie „Inside Views“, ein Projekt über Privatsphäre in Großstädten. Das Women’s Forum und die L’Oréal-Gruppe entdeckten die vielversprechende Fotografin und finanzierten ihr eine Weltreise, um ihr Projekt über Frauen fortführen zu können.

So entstanden die poetischen Portraits rund um die Welt und es finden sich Bilder aus Tokyo, der Türkei, Indien, Namibia und vielen weiteren Orten. Floriane arbeitet immer mit der Umgebung, in der die Frauen leben und bezieht ihr Privatleben und persönliche Geschichten in ihre Bilder mit ein.

Eine Karawanserei. Blick auf Häuser, die durch Treppen miteinander verbunden sind. In einem hellerleuchteten Fenster sitzt eine Frau.

Eine Häuserfront. Eine Frau am Fenster schlägt eine Decke aus.

Nachtaufnahme. Im Vordergrund eine Frau, die von einer Aussichtsplattform auf die nächtlichen Lichter der Stadt blickt.

Zwei Mädchen am Rande eines Pavillons.

Eine Frau läuft über einen Steg über dem Wasser.

Frauen in bunten Gewändern stehen auf dem Dach eines Hauses.

Kinder klettern auf einem Baum.

Die bisherigen Bilder der Fotoserie könnt Ihr auf der Webseite von Floriane de Lassée ansehen. Hier findet Ihr auch die bereits erwähnte Serie „Inside Views“.


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