RSS
 

Archive for the ‘Equipment’ Category

Der Blick auf die Umgebung

09 Jun

Ein Beitrag von: Lotta Heinz

Ich mag Gehen und dabei die Langsamkeit, die vor allem beim Analogfotografieren eintritt. Sie zwingt mich, die Dinge zu betrachten. Man lernt, sich zu bescheiden und eine Wahl zu treffen. Das gefällt mir. Meine letzte Digitalkamera habe ich vor kurzem meinem Vater geschenkt.

Eigentlich ist es so, dass ich mich nicht besonders für Fotos interessiere, sondern Fotografieren einfach zu meinem Leben gehört. Es ist einfach Ausdruck eines bestimmten Lebensstils. Ich würde mich nicht als Fotografin bezeichnen. Ich fotografiere eben; andere machen andere Dinge.

Ich mag die Rauheit und Wildheit in der Gegend, in die ich gezogen bin. In der Oberpfalz, wo ich lebe, ist es nicht satt und üppig. Die Natur hier ist unaufdringlich. Auch das gefällt mir. Ich gehe lieber bei Wind, Regen oder Nebel nach draußen als bei mildem und sonnigem Wetter.

Wein Weg aus Holzplanken, der in ein Nebelfeld führt, in dem einige, vor allem tote Bäume, stehen.

Nebliger Weg im Wald.

Eine Blechhütte, die am Rand zwischen Wald und Feld steht.

Ein Basketballkorb, der vor einem Wald im Wasser steht.

Landschaft mit einem kleinen See.

Ein See, umgeben von Nadelbäumen.See mit einem kahlen Ufer, rechts im Hintergrund ein Wald.

Ein Bauwagen, der an einem bewaldeten Hang steht.

Eine Straße mit Telegrafenmasten, die zwischen zwei Feldern verläuft.

Ein schneebedecktes Feld, auf dem ein Fußballtor steht.

Eine neblige Wiese, auf der vor einem Baum und Gebüsch ein Fußballtor steht.

Ein Haus, umgeben von einigen Bäumen, am Rande eines Feldes.

Eine Hütte in einem nebligen Wald.

Tiefstehende Sonne bricht durch die Bäume in einem Wald.

Ein schneebedecktes Feld im Nebel.

Ein schneebedecktes Feld im Nebel.

Ich habe (möglichst) immer die Kamera dabei. Ich bin fast ständig in der Natur unterwegs. Ich liebe Unterwegssein; ich bewege mich gern in fremden Gegenden. Mein Pferd Csillag ist dabei, es gehört ebenso zu meinem Leben wie die Kamera.

Die Kamera verändert den Blick auf die Umgebung. Ich habe außerdem eine sehr persönliche Beziehung zu meiner Kamera. Diese kommt von meinem Vater, der mir als Kind seine Dunkelkammer gezeigt hat und der mir meine liebste Kamera geschenkt hat.

Mein Fotografieren ist eher intuitiv. In gewisser Weise geht es nicht so sehr um die Fotos, sondern um eine veränderte Haltung, die man einnimmt, wenn man sich mit der Kamera bewegt. Als Zugezogene ist die Kamera für mich auch ein Werkzeug, um mit dem Gefühl von Fremdheit und Nichtverbundenheit umzugehen.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on Der Blick auf die Umgebung

Posted in Equipment

 

Alptraumhaftes Träumen

09 Jun

Wenn wir uns schlafen legen, dann lassen wir los. Alles in uns kommt zur Ruhe und wir begeben uns in die andere Welt, die für jeden eine andere ist. Für die einen ist es eine dunkle Welt voller Gefahren, aber auch Geheimnisse, für einen anderen ist es ein beständiges Schauen auf ein Bild in einem Bild.

Und wehe dem, der nichts träumt.

Michalina Wo?niak träumt auch. Sie liest viel. Sie studiert Germanistik in Lublin, einer Stadt im Osten Polens. Sie findet ihre Helden in Büchern und ihr Gefühl in Dichtungen wieder. Ihre Lieblingsdichter sind Halina Po?wiatowska und Rafa? Wojaczek.

In ihrem Kopf entstehen dann neue Geschichten. Manchmal sind diese himmelblau wie zartgesponnene Mädchenträume.

Ein blaues Zimmer und eine Matratze.

Ein runder Spiegel an einer Wand.

Aber sie sagt auch, sie trägt den Wahnsinn im Herzen und sie muss diesen bändigen. Ihre Dämonen im Kopf verdichten sich zu Bildern und werden alptraumartige Fiktion, die nun nicht mehr nur in ihrem Kopf existieren, sondern Auslass erhalten.

Michalinas Träume erinnern mich an meine Kindertage. Als man gemeinsam durch die Gegend stromerte und alte, verfallene Häuser entdeckte. Und, wer kennt das nicht, man denkt sich Geschichten aus. Ereignisse, die hinter den dunklen und zugewucherten Gemäuern gefangen sind. Spiegelbilder in den Fenstern, die zu Fratzen werden. Das Knarren von trockenem Holz, das im Kopf zu einer Bewegung wird und dort, liefen da nicht eben noch Kinder vorbei und glucksen und lachen über dich?

Ein altes Gemäuer mit grünblättrigen Bäumen davor.Ein altes, zugewuchertes Gemäuer.

Zwei Mädchen halten sich an den Händen und stehen im Wald.

Ihre Bilder sind ein angenehmer Gegenentwurf zur typischen träumerischen Mädchenfotografie, wie man sie allerorten häufig findet. Die Heldinnen ihrer Geschichten sind dunkel und vielleicht sogar böse. Sie erinnern uns an die tiefsten Geheimnisse aus unseren Träumen, die wir niemandem erzählen.

Die Gesichter der Mädchen bleiben oft verborgen. Versteckt hinter langem, strähnigem Haar oder verwischt und verzerrt wie ein Standbild, das nicht stillhalten möchte. Nur allein unsere Fantasie vermag ihnen Ausdruck verleihen.

Meine Lieblingsgeschichten sind diese, die manchmal innerlich zerstören und dich nicht schlafen lassen. Diese, die berühren – nicht alle sind schön, manche sind schrecklich und hässlich, aber echt. Du kannst an ihnen nicht vorbeigehen.

Michalinas Gespinste sind voller Weltschmerz. Irgendwo muss er eben hin, sagt sie und die Fotografie hilft ihr dabei, auszudrücken, was sie fühlt. Dabei ist es egal, ob digitale oder traditionelle Technik zum Einsatz kommt, beides ist hilfreich.

Ein Mädchen hockt auf dem Waldboden vor einem Kreuz.

Ein Mädchen steht im Wald vor einem selbstgebastelten Kreuz.

Es ist nicht verwunderlich, dass ihre Bilder in mir etwas auslösen. Dass ich inne halte und versuche, hinter das Bild zu schauen. Wer ist dort, wer ist dieser Mensch? Aber ich kann diese Frage nicht beantworten. Denn die Bilder des anderen bleiben ein Spiegel, in denen ich „nur“ mich selbst erblicke.

Aber sie kann auch ganz anders. Neben den düsteren Geschichten aus dem Wald gibt es auch mal farbenfrohe Momente und da knüpft sie wieder an das Mädchensein an, ans Träumen und Geborgensein.

Zwei Mädchen mit hübschen, geflochten Zöpfen sind von hinten zu sehen.

Michalina Wo?niak ist jetzt 21 Jahre alt, vor fünf Jahren hat sie mit der Fotografie begonnen, da war sie 16. In diesen fünf Jahren hat sie sich eine eigene Sprache angeeignet, die hier und da ganz klar zum Ausdruck kommt. Aber sie befindet sich noch am Anfang und ich bin gespannt, wie sie sich weiter entwickeln wird.

Bist Du neugierig geworden? Noch mehr Bilder kannst Du auf ihrem Blog oder tumblr verfolgen und natürlich via Facebook.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on Alptraumhaftes Träumen

Posted in Equipment

 

Fenster: Ausstellungstipps, Ausgabe 4

09 Jun

So langsam macht sich die Sommerpause bemerkbar: Es gibt weniger intessante Ausstellungen und unsere eigenen Köpfe schweben auch mehr in den Wolken der Sommerurlaubsplanung. Trotzdem können wir Euch heute vier Ausstellungen in Berlin, Wien und Köln ans Herz legen.

Ein Mann steht auf einem Felsvorsprung und schaut in die Weite.

Berlin

Tipp von Marit Beer

Wer unser Magazon aufmerksam verfolgt, dem müssen wir Bastian Kalous eigentlich nicht mehr vorstellen. Und wer noch einen weiteren Hinweis braucht, dem sei das Wort Polaroid zugeworfen.

Noch bis zum 14. Juli zeigt der Sofortbildshop „Istantland“ in seinen neuen Räumlichkeiten in der Mulackstrasse 22 in Berlin einige seiner Arbeiten. Und da man Nützliches mit Schönem gern verbindet, bin ich diese Woche direkt mal vorbei gegangen. Und diese neuen Räumen sind schön! Auf zwei Etagen zeigen weiß getünchte Wände bayrische Bergseen und Gebirgsketten in himmlischen Farben.

Und wer vom Beine-in-den-Bauch-Stehen schon ganz fertig ist, der kann sich in olivfarbene und bequeme Sessel sinken lassen. Am besten im unteren Geschoss, da, wo der Raum so klein ist, dass nur ein Sessel reinpasst und sonst nichts. Dort kann man verweilen und die Bilder an der Wand aus anbetungswürdiger Pose bewundern.

Wer Bastian Kalous auch persönlich treffen möchte, der sollte sich zum Ausstellungende nach Berlin begeben. Das genaue Datum, zu dem er aus dem bayrischen Exil in die Hauptstadt kommt, steht allerdings noch nicht fest und wird beizeiten auf der Facebookseite der Ausstellung bekannt gegeben.

Nebenbei kannst Du Dich übrigens nett mit dem Besitzer unterhalten, Dich über die neuesten Entwicklungen bei Impossible erkundigen und vielleicht auch einen dieser unglaublich teuren Filme kaufen.

 

Frauen auf einer Bank.

Eine Frau tanzt auf einer Party zwischen Männern.

Wien

Tipp von Katja Kemnitz

Ich weiß nicht, ob man die Galerie WestLicht in Wien überhaupt noch jemandem empfehlen muss, denn ich finde fast jede Ausstellung so interessant, dass ich es jedes Mal bedaure, etwa 900 km weit weg zu wohnen.

Seit dem 6. Juni läuft zum Beispiel die Ausstellung „Women are beautiful“ mit Arbeiten von Garry Winogrand, die 85 Straßen-Fotografien aus den 1960er und 70er Jahren zeigt. Und wie der Name schon sagt, hat Garry Winogrand in seiner Serie Frauen dokumentiert.

Ein Portrait einer Zeit des Aufbruchs: Die Ausübung neu gewonnener – und neu erkämpfter – innerer und äußerer Freiheiten brachte in den Nachkriegsjahrzehnten einen Wandel im Selbstbild der Frau. Winogrands Serie dokumentiert, wie die gesellschaftliche Veränderung im öffentlichen Leben Form annimmt.

Seine Kamera folgt den Frauen durch die Straßen von Manhattan, durch die Parkanlagen und auf High-Society-Partys und beobachtet, wie sie mit selbstbewusster Eleganz den öffentlichen Raum für sich beanspruchen und sich soziale Transformation in Körpersprache, Auftreten und Habitus manifestiert.

Garry Winogrand gilt als manischer Fotograf, der keine Straße entlang gehen konnte, ohne einen Film zu füllen. Als er 1984 starb, hinterließ er etwa 2500 unentwickelte Filme. Die Serie „Women are beautiful“ hat Garry jedoch noch selbst editiert und auch als Buch herausgebracht*. Der Band ist jedoch eine absolute Rarität und daher kaum zu bezahlen.

 

Eine Reihe indischer Gummibäume, auf deren großen Wurzeln zwei Männer sitzen.

Skeen & Co: Indische Gummibäume. 1031, ca. 1870er Jahre, Albuminabzug, 221 x 280 mm,
Museum für Ostasiatische Kunst Köln, P 388

Ein historischer Tempel, in dem eine Säule schief über einem Durchgang lehnt.

Antonio Beato: Hipostyle Halle, großer Tempel und schiefe Säule, Karnak,
ca. 1870er Jahre, Albuminabzug, 283 x 226 mm, Museum für Ostasiatische Kunst Köln, P 564

Kolorierte Aufnahme einer asiatischen Frau, die mit Bällen jongliert.

Anonym: Mit Temari-Bällen jonglierende Frau, ca. 1890er Jahre, Albuminabzug, handkolo-riert, 266 x 206 mm, Museum für Ostasiatische Kunst Köln, P 132

Köln

Tipp von Aileen Wessely

Das Museum für ostasiatische Kunst zeigt noch bis zum 7. September seine Ausstellung „Von Istanbul bis Yokohama: Die Reise der Kamera nach Asien 1839-1900“. Sie feiert das 100-jährige Bestehen des Museums und zeigt 350 historische Fotografien der Sammlung, aufgenommen von europäischen und einheimischen Fotografen.

Diese Fotografien wurden von den Gründern des Museums, Adolf Fischer (1856-1914) und seiner Frau Frieda (1874-1945), auf gemeinsamen Ankaufreisen gesammelt, die sie nicht nur nach Ägypten, Indien, Ceylon, Birma und Singapur, sondern auch nach Japan, China und Korea führten.

Sie stammen zumeist aus kommerziellen Fotostudios, die sich nach der Öffnung des Suez-Kanals gern in der Nähe der großen Häfen ansiedelten, die den Globetrottern die Bilder als fertige Souvenirs anboten. Die populären Dampferrouten werden in der Ausstellung rekonstruiert, mit den Fotografien illustriert und auch zu anderen Objekten der Sammlung in Beziehung gesetzt.

Die Fotografien bezeugen nicht nur das hohe künstlerische Niveau der frühen Fotopioniere, sie machen aus heutiger Sicht auch die romantische Verklärung und den unwiederbringlichen Verlust alter, gewachsener Kulturen im vorderen Orient sowie in Ost- und Südostasien deutlich.

Zur Ausstellung erscheint auch ein Katalog in deutscher und englischer Sprache, der für 34 € im Museum erhältlich ist.

Adresse: Universitätsstraße 100, 50674 Köln
Öffnungszeiten: Di – So 11 – 17 Uhr, Mo geschlossen, 1. Do im Monat 11 – 22 Uhr
Eintritt: 9 € / ermäßigt 5 €

 

Kennedy auf seiner Triumphfahrt durch Berlin, 1963.

Ulrich Mack: Kennedys Triumphfahrt, Berlin 1963

Köln

Tipp von Aileen Wessely

Auch das Forum für Fotografie feiert: Nicht sich selbst, sondern das Doppeljubiläum von 100 bzw. 90 Jahren von Leica. Vor 100 Jahren entwickelte Oskar Barnack das Ur-Modell der Leica, das erstmals eine handliche Kleinbildkamera, ganz aus Metall gefertigt, mit Schlitzverschluss und neuem Bildformat von 24 x 36 mm war.

Vor 90 Jahren beschloss Ernst Leitz die Serienfertigung der Leica mit dem von Max Berek entwickelten Objektiv mit den nun historischen Worten „Es wird riskiert!“ Damit wurde die Leica zum Meilenstein der Geschichte der Fotografie; sie trieb ihre Entwicklung wie nur wenige andere voran und gilt als Basis des modernen Fotojournalismus.

Die Ausstellung „Meisterwerke berühmter Leica-Fotografen“ wurde von Knut Kühn-Leitz, dem Enkel von Ernst Leitz, zusammengetragen. Zu sehen sind ikonische Aufnahmen von Meistern wie unter anderem Henri Cartier-Bresson, Elliot Erwitt, Thomas Hoepker, Sebastiao Salgado und Aufnahmen der Ur-Leica von Oskar Barnack.

Es erscheint zusätzlich eine Biografie über Ernst Leitz, die als Bildband mit Texten verschiedener Autoren konzipiert ist, die die unternehmerischen Risiken und technischen Herausforderungen beleuchten, denen er sich erfolgreich gestellt hat. So wird gleichzeitig auch die Erfolgsgeschichte der Leica nachgezeichnet.

Ausstellungsdauer: 7. Juni – 13. Juli 2014
Adresse: Schönhauser Str. 8, 50968 Köln
Öffnungszeiten: Mi – Fr 14 – 18 Uhr, Sa 12 – 18 Uhr, So 12 – 16 Uhr
Eintritt: Erwachsene 2 €, ermäßigt 1 €

 

Habt Ihr weitere Empfehlungen für andere Leser? Welche Fotoausstellung hat Euch kürzlich begeistert, die noch geöffnet ist? Lasst es uns in den Kommentaren wissen.

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhält kwerfeldein eine kleine Provision, Ihr bezahlt aber keinen Cent mehr.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on Fenster: Ausstellungstipps, Ausgabe 4

Posted in Equipment

 

8. Juni 2014

09 Jun

Ein Beitrag von: Thorsten Nunnemann

La Maison du Gouffre - das Haus zwischen den Felsen © Thorsten Nunnemann


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on 8. Juni 2014

Posted in Equipment

 

browserFruits Juni, Ausgabe 2

08 Jun

Und schon ist Juni mit allen Annehmlichkeiten, die der Monat zu bieten hat: Lange, helle Abende, warme Tage, Sonne, überfüllte Eisdielen, offene Freibäder. Reizt den Juni doch ruhig auch fotografisch aus, zu Beispiel, indem Ihr noch nach Feierabend einen kleinen Fotoausflug plant. Oder eine einfache Unterwasserkamer mit zum Badesee nehmt. Habt Ihr noch weitere gute Ideen? Wie nutzt Ihr den Sommer?

 

Fotospecial: Messer, Gabel, Löffel

Flickr

500px

 

Deutschsprachig

• Fotografie-Projekt „Shift“: „Was ist Rio? Was ist Brasilien?“ Neun Fotografie-Studenten machten sich auf, flogen nach Brasilien und fotografierten das, was sie dort vorfanden. Im ZEIT-Magazin beantwortete einer der Studenten Fragen, die man sich stellt, wenn man die großartigen, analog fotografierten Bilder sieht.

• Wahrscheinlich sagt Euch der Name Bertha Wehnert-Beckmann nicht viel. Sie war die erste Berufsfotografin und hier gibt es einen spannenden Bericht über sie.

• Nun auch hat der Stern Oleg Oprisco entdeckt und stellt seine Fotografie und den konzeptionellen Ansatz dahinter vor.

• Wim Wenders’ neue Doku dreht sich um Sebastião Salgado. Das Monopol-Magagzin hat ihn dazu interviewt und ihn nicht nur über seine Verbindung der Fotografie zum Filmemachen ausgefragt, sondern auch darüber, was es für ihn bedeutet, in Cannes vertreten zu sein.

• Am 2. Juni war Internationaler Hurentag. Zeit Online hat zum Thema spannende Bilder der Agentur Magnum.

 

International

• Die Landung der Alliierten in interaktiven Bildern von damals und heute. Mit einem Klick verwandeln sich die Bilder von damals.

• Wenn beim Reisen schon das Hotel eine einzigartige Fotolocation sein soll, dann schaut Euch diese zehn unglaublichen Hotels an.

• Lustige Portraits von nassen Hunden von der amerikanischen Fotografin Sophie Gamand.

• Fotogeschichte: Eine ausführliche, aufschlussreiche Einschätzung und Analyse der späten Fotografien von Garry Winogrand finden wir bei The Awl. Es ist ein langer Artikel, der sich jedoch lohnt, gelesen zu werden, da die Schlussfolgerungen des Autors Mikanowski in dieser Form einzigartig sind.

• Die Fotografin Lori Nix baut Modelle von post-apokalyptischen städtischen Szenerien und fotografiert sie dann.

• Drei Fotografen der Agentur VII diskutieren den Wert ihrer Fotografien. Die Diskussion dreht sich um Sinn und Zweck ihrer Fotoreportagen und ob/was sie an positiven Veränderungen auslösen können.

• Axel de Stampa und Sylvain Macaux animieren in ihrem Vorhaben „1 Week 1 Project“ bekannte Architektur auf eine ungewöhnliche, humorvolle Weise.

• Sehr, sehr toll: Die Straßenfotografie von Jens Franke wird auf dem Fujifilm–Blog vorgestellt.

• Die Fotojournalistin Kitra Cahana fotografiert für ihre Serie „Nomad“ Obdachlose. Es ist eine Auseinandersetzung mit dem Wanderleben, in dem sie Kreativität gedeihen sah, ihr aber auch bewusst wurde, dass Obdachlose in unserer Gesellschaft keinen Platz haben.

 

Neuerscheinungen und Tipps vom Foto-Büchermarkt

Buchtipps

• Die Photonews empfiehlt das Buch „Ametsuchi“ von Rinko Kawauchi* und wir schließen uns der Empfehlung an. Die Deutsche Ausgabe ist beim Kehrer Verlag erschienen und bereits gut vergriffen, die englische ist noch für 58 € erhältlich.

• „Ute Mahler: Zusammenleben“*: Vor über 40 Jahren begann Mahler, in ihrer Reihe „Zusammenleben“ die verschiedenen Weisen, in denen Menschen miteinander Alltag erfahren, sichtbar zu machen und zeigt, was zwischen den Zeilen ungesagt, in subtilen Stimmungen eingefangen bleibt: Die Schwarzweiß-Aufnahmen erzählen mild und doch ungeschönt vom Leben zu DDR-Zeiten. Das Buch kostet 35 €.

 

Zitat der Woche

Wenn ein Künstler teurer wird, landen seine Arbeiten oft nicht mehr bei den Menschen, zu denen sie am besten passen.

Jeff Wall –

Mehr Zitate

 

Videos

Liebe Lost-Places-Fotografen, wenn Ihr den Eulenmann seht, schlagt doch bitte mit dem Stativ zurück. Das Video zeigt, wie ahnungslose Fotografen ziemlich fies erschrocken werden.

 

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhält kwerfeldein eine kleine Provision, Ihr bezahlt aber keinen Cent mehr.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on browserFruits Juni, Ausgabe 2

Posted in Equipment

 

Die Waldkönigin

08 Jun

Es war einmal ein Mädchen, das im Wald spielte. Sie sammelte Stöcker, Kiefernzapfen und Schneckenhäuser. Auf einer kleinen Lichtung fand sie dabei eine Holzkrone, versteckt im Gebüsch. Sie setzte sich die Krone auf den Kopf und tat, als wäre sie die Königin des Waldes.

Ein Mädchen mit Holzkrone steht im Wald.

Zuerst bereitete es ihr noch großen Spaß, doch schon bald fühlte sie sich seltsam. Als würde die Farbe aus ihrer Existenz schwinden. Irgendetwas ging langsam verloren, die Geräusche wurden wie betäubt. Hinter etwas, das ihr wie eine Wand aus Glas erschien, konnte sie die Realität sehen. In dieser Realität war ein Mädchen, das aussah wie sie, im Wand stand, eine Krone trug – selbstbewusst, während sie selbst ängstlich war.

Ein Mädchen mit Holzkrone steht im Wald.

Als das Mädchen auf der anderen Seite sich bewegte, tat sie es ebenso. Ohne Kontrolle über ihre Bewegungen folgte sie und spiegelte. Hob einen schweren, sehr alten Stock mit rätselhaften Gravuren von Zeit und Wetter auf. Wanderte durch den Wald und ihr Glasgefängnis wanderte mit jedem Schritt mit.

Ein Mädchen in langem schwarzen Kleid steht mit einem Stab und einer Holzkrone im Wald.

Sie kam auf einer weiten Lichtung an, auf der kein Buschwerk wuchs und wo Lichtflecke durch die Baumkronen fielen und Muster von fremdartigen Buchstaben auf dem Waldboden bildeten. Die alten Kopfbuchen traten einen Schritt zur Seite, als die Holzkrone wuchs. Mehr und mehr Zweige und Äste wuchsen aus den hölzernen Zacken, bis sie ein übergroßes Vogelnest geworden waren, das auf den Boden rund um das Mädchen fiel.

Ein Mädchen in langem schwarzem Kleid steht mit einem Stab in einem überdimensionalen Vogelnest.

Das Mädchen sah nun kopfherum runter, über der Realität hängend. Als sie versuchte, das Glas zu berühren, das sie von der Realität trennte, fühlte sie, dass sie, ihrerseits, ebenfalls das andere Mädchen gegen deren Willen bewegen konnte, auch wenn es alle ihrer noch verbliebenen Gefühle brauchte.

Ein Mädchen hält mit einer Hand einen Stab und greift mit der anderen zu ihrem eigenen Spiegelbild über sich.

Sie versuchte, sich dagegen zu wehren, dass ihre Hand sich zur Welt über ihrem Kopf bewegte, sie konnte es fühlen und bündelte all ihre Kräfte. Ihr Haar begann, zu fallen und hoch zu fliegen, ihre Füße hoben sie vom Boden ab, auf die Glasoberfläche zu.

Ein Mädchen hält mit einer Hand einen Stab und greift mit der anderen zu ihrem eigenen Spiegelbild über sich, ihre Haare fliegen.

Als sich ihre Fingerspitzen berührten, begann das Haar der beiden Mädchen, sich ineinander zu verzwirbeln und die Realität stürzte in eine zusammen, das hölzerne Vogelnest und sein Spiegelbild krachten ineinander. Sie hörte und sah nur noch Chaos.

Ein überdimensionales Vogelnest im Wald.

Es sah aus und hörte sich so an wie ein ganzer Wald aus Glasbäumen, die zerbrachen. Die Scherben schwirrten durch die Luft, nahmen sie mit sich. Vor der ältesten Buche des Waldes kam sie zu stehen, während die Bäume um sie herum weiter zersprangen, in einem großen Strudel um sie herum wirbelten.

Ein Mädchen in langem schwarzen Kleid mit Holzkrone und Stab steht vor einem großen Baum in einem Wald, über ihr Lichtreflexionen.

Sie fühlte, wie Schlaf sie überkam, ausgelaugt von ihren Versuchen, dem Glasgefängnis zu entkommen, sich vor den Glasscherben zu schütze, die die zerbrochene Realität waren. Nur die Spiegelwelt wurde zurückgelassen, während die kleinen Stücke der Realität zu einem Faden verschmolzen, dünn wie eine Nadel und bald zu dünn, um noch gesehen zu werden.

Großer Baum im Wald mit Lichtreflexionen.

Sie erwachte in einem großen, leeren Glashaus. Das Dach und die Wände waren aus den Scherben der Realität gemacht, die den Raum mit gleißendem Licht füllten. Nun stand sie auf der anderen Seite der Glaswand. Sie konnte ihr Spiegelbild auf der anderen Seite sehen.

Ein Mädchen in einem weißen Kleid steht in einem leeren Gewächshaus.

Immer noch fühlte sie ihre Zuversicht und ihren Willen. Sie hatte sich den anderen Teil von ihr genommen und es schien, dass sie ihr nur übrig gelassen, was sie nicht gebrauchen konnte und all die anderen nützlichen Teile genommen hatte. Zurückgelassen war eine seltsame Ansammlung von Furcht, Zweifel, Hoffnung und Mitgefühl.

Portrait von einem Mädchen in weißem Kleid.

Doch sie erkannte, dass die Farbe zurück auf ihrer Seite des Glases war. Und sie erinnerte sich daran, dass die andere Seite das Gefängnis war, nicht diese hier. Sie war hier frei, auch wenn dieser Raum nur ein Traum sein sollte, eine Reflexion der Überreste der Realität.

Ein Mädchen in weißem Kleid.

Sie wendete der Glaswand den Rücken zu, trat langsam näher. Sie rollte sich auf einem Bett von Gestrüpp zusamen, ihren anderen Teil in die Arme nehmend. Flüsternd: Angstvolle Hoffnung, zweifelndes Mitgefühl, sie können nicht existieren. Ebensowenig deine Bruchstücke unseres früheren Selbst.

Ein Mädchen in weißem Kleid liegt im Gras.

Sie umarmten sich und sie schliefen, Seite an Seite, auf dem Boden. Sie fragte sich: Wenn ich in einem Traum einschlafe, wohin gehe ich? Gibt es einen noch tieferen Platz in einer anderen Schicht von Träumen? Ist ein Traum im Traum wieder die Realität?

Ein Mädchen in weißem Kleid liegt im Gras.

Als sie erwachte, hatte sie keine Antwort. Auf einem Baum sitzend, der von dem, was vielleicht ein Traum oder die Realität war, hinüber in die Glaswelt ihres Spiegelbildes ragte, baumelten ihre Füße in einen See. Das Wasser war grün und blau und seine Geräusche waren die von Millionen Glassscherben, aber sie schnitten nicht ihre Haut.

Ein Mädchen in weißem Kleid sitzt auf einem Baumstamm, der ins Wasser ragt.

Sie konnte nicht mehr fühlen, wo das Gefängnis war. War es auf ihrer Seite der Glaswand oder der des anderen Mädchens? Beide bewegten und verdrehten die andere, gespiegelte Welt. Sie drehte das Glas herum, sodass es auf der Wasseroberfläche lag.

Ein Mädchen in weißem Kleid sitzt auf einem Baumstamm, der ins Wasser ragt.

Lass uns Realität und Traum wieder in Ordnung bringen, liebe Schwester, sagte sie zum Spiegelbild. Langsam bewegte und balancierte sie die Glasoberfläche genau auf dem Wasser. Stück für Stück glitt sie vom Baum ins Wasser.

Ein Mädchen in weißem Kleid sitzt auf einem Baumstamm, der ins Wasser ragt.

Die kleinen Scherben wurden zu einer neuen Glasoberfläche, direkt auf der Glaswand des Gefängnises. Sie fühlte, wie ihr Verstand und ihr Körper sich wieder zusammenfügten. Hoffnung hatte wieder Hass, Furcht hatte wieder Vertrauen. Die alten gegenspieler waren wieder vereint in ihr. Es gab nur noch ein ihr. Keine Glaswände mehr.

Modell: Katja Kemnitz


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on Die Waldkönigin

Posted in Equipment

 

7. Juni 2014

08 Jun

Ein Beitrag von: Katharina Jung

© Katharina Jung


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on 7. Juni 2014

Posted in Equipment

 

kwerfeldein diskutiert: Über die Straße

07 Jun

Als Martin und Robert sich kürzlich über Fotobücher austauschten, fiel ihnen auf, wie wenig klar die Straßenfotografie eigentlich definiert ist. Daraus hat sich ein um dieses Genre mäanderndes Gespräch entwickelt, das wir Euch nun nicht vorenthalten möchten.

Martin: Robert, könntest Du in einem Satz die Straßenfotografie beschreiben?

Robert: Ganz ehrlich: Nein. Wenn ich es dennoch versuchte, würde das vielleicht so aussehen: Ein Bild, das sich der Straßenfotografie zuordnen lässt, bildet im weitesten Sinne eine Situation des öffentlichen Lebens ab, zeigt Menschen und/oder Tiere in einem Moment der Interaktion, der im besten Fall eine kritische Reflexion auf die Zeit und den Ort der Aufnahme ist und immer Ausdruck des Fotografen. Und wie siehst Du das?

Martin: Mit der Rückfrage habe ich schon gerechnet, aber gehofft, dass ich drum herum komme. Also: Eine Straßenfotografie zeigt Leben in der Öffentlichkeit. So kurz würde ich das, glaube ich, fassen. Wobei ich sicher irgendetwas übersehen habe. Das Problem mit Definitionen ist ja, dass sie uns greifbar machen können, über was wir sprechen, aber immer irgendetwas anderes mitdefinieren.

Denn Leben in der Öffentlichkeit kann ja auch die Makroaufnahme einer Fliege sein. Das ist dann „Straße“, aber auch nicht. Das ist dann auch Makrofotografie, Tierfotografie, Natur und sogar ein Portrait. Oder?

Robert: Klar, so genau ich auch versuche zu definieren, ich kann nie ganz sicher sein, dass andere das Gleiche unter Leben oder Öffentlichkeit assoziieren, wie ich selbst. Aber das finde ich ziemlich normal, das ist doch bei allem so, was abstrakter ist als beispielsweise ein Würfel oder ein Schwein.

Im übrigen denke ich auch, dass es den einen oder anderen Fotografen herzlich wenig interessiert, welchem Genre sich ein Foto, das er gemacht hat, zuordnen lässt.

Straßenfotografie ist ja letztendlich nur ein Begriff, den Menschen, die über Fotografie schreiben, nutzen, um sie zu kategorisieren. So Redakteure wie wir eben. Die Kategorisierung hilft dann wiederum Lesern, ihr eigenes Interessenfeld einzugrenzen.

Und wie schwierig es manchmal sein kann, eine Arbeit einem bestimmten Genre zuzuordnen, merken wir ja regelmäßig bei der Redaktionsarbeit. Manchmal kann Straße eben auch Portrait sein oder Reportage. Die Grenzen sind da fließend.

Ich würde allerdings nicht so weit gehen und ein Insektenmakro der Straßenfotografie zuordnen, wenn es tatsächlich nur eine Fliege in der Bokehfalle zeigt. In dem Fall würde mir einfach der Zusammenhang zur Straße fehlen.

Martin: Nick Turpin hat dahingehend einen interessanten Ansatz. Darf ich zitieren? Ich mache es einmal:

I have talked about Street Photography as an approach, an attitude rather than a place where the pictures are made…

Was mir an diesem Halbsatz gefällt, ist das komplette Auslassen jeglicher Ortsbestimmungen bzw. Definitionen, sondern dass er es als eine Form der Herangehensweise betrachtet.

Würdest Du dem zustimmen?

Robert: Ach ja, der Herr Turpin. Er scheint einer der Fotografen zu sein, denen wichtig ist, welchem Genre sich seine Art von Fotografie zuordnen lässt.

Ich habe, ehrlich gesagt, immer ein bisschen Schwierigkeiten, wenn sich Fotografen ganz bewusst mit einem Genre schmücken. Er erklärt Straßenfotografie damit zu einem, seinem, Lifestyle, was mir persönlich zu wenig ist. Das riecht mir zu sehr nach Aufmerksamkeitsmarketing.

Gleichzeitig finde ich an dem Zitat aber auch gut, dass es die Perspektive des Fotografen darstellt und eben gerade kein wissenschaftlicher Definitionsversuch ist.

Du siehst, ich bin da zwiegespalten.

Martin: Lass uns kurz abschweifen. Warum sollte man nicht sagen, dass man Straßenfotograf ist? Was gefällt Dir daran nicht? Ich habe das unter (Straßen-)Fotografen schon oft gehört, dass sie es nicht mögen, wenn andere sich so nennen. Es scheint mir ein genrebezogenes Phänomen zu sein, zumindest fällt mir das in anderen Bereichen der Fotografie nicht so deutlich auf.

Robert: Och, das soll schon jeder so machen, wie er mag. Ich habe auch nichts dagegen, wenn andere sich so nennen. Ich würde mich nur selbst nie als Straßenfotografen bezeichnen. Auch wenn es vielleicht Fotos gibt, die ich gemacht habe, die sich diesem Genre zuordnen lassen.

Wäre die Straßenfotografie eine Stadt, würde ich gewissermaßen ein Zugezogener sein. Ich schließe aber nicht aus, dass es Fotografen gibt, die sich mit dem Genre indentifizieren möchten.

Mir fällt übrigens immer wieder auf, dass es deutlich mehr männliche Straßenfotografen gibt. Was glaubst Du, woran liegt das?

Martin: Das ist eine sehr gute Frage. Mir fällt da gerade keine wirkliche Antwort ein. Jedes Mal, wenn ich einen Ansatzversuch konstruiere, widerlegt der sich von selbst. Daher muss ich passen.

Wie siehst Du es?

Robert: Ich habe natürlich auch keine allgemeingültige Antwort darauf. Aber vielleicht hat es etwas mit Jagdinstinkt zu tun? Es geht zwar nicht um Wild, aber doch um flüchtige und einmalige Augenblicke, die Aufmerksamkeit erfordern und die Fähigkeit, sie schnell einzufangen. Schau mal: Schon in der Sprache offenbart sich ja die Referenz zur Jagd – einen Moment einfangen. Das finde ich interessant.

Martin: Stimmt, das ist interessant. Jedoch bin ich mir unsicher, ob das tatsächlich etwas mit Straßenfotografie als Genre zu tun hat oder eher in verschiedenen Bereichen der Fotografie ein Phänomen ist. Ich kenne zum Beispiel auch mehr männliche als weibliche: Landschaftsfotografen, Sportfotografen, Tierfotografen, Automobilfotografen und Makrofotografen. In vielen dieser Genres geht es um die Jagd nach dem Bild und möglicherweise trifft da Deine Vermutung sogar teilweise zu.

Robert: Hm, ich glaube, jetzt verstehe ich, was Du meinst. Es ist schwierig, eine genaue Erklärung zu finden, die nicht auch auf andere Bereiche zutrifft. Liegt das aber nicht vielleicht in der Natur der Begrifflichkeiten selbst? Sie sind eben nicht definitiv.

Ich habe keine Ahnung, wann der Begriff Straßenfotografie erstmals aufgekommen ist und wieso eigentlich. Ich denke, es gab vermutlich irgendwann einfach das Bedürfnis, eine bestimmte Art von Fotografie von einer anderen abzugrenzen. Deshalb hat sich diese Bezeichnung dann etabliert. Kategorisierungen sind ja immer auch ein Versuch, Komplexes zu vereinfachen bzw. verständlich zu halten.

Jedenfalls hat es sicherlich nicht plopp gemacht und plötzlich war die Straßenfotografie geboren …

Martin: Ich denke, die Historiker werden sich darüber streiten. Denn es gibt ja vermutlich einen Unterschied zwischen der Geburt eines Genres und der Benutzung des Begriffes für dieses Genre. Was ich interessant finde, ist die Wechselwirkung der Benennung selbst und des Begriffes auf das Genre.

Robert: Ganz genau. Ich glaube, das ist eben nicht direkt kausal. Ein Begriff ist nicht plötzlich da. Viele reden viel. Dann kommt einer und sagt was, das alle wiederholen und so vervielfältigt sich der Begriff. Und es gibt keine klare Regel, nach der das passiert. Es passiert einfach.

Martin: Um auf die Straßenfotografie zurückzukommen: Es gibt ja immer wieder Diskussionen darüber, was sie nun eigentlich ist und was nicht. Und wir zwei sind gerade mittendrin…

Ein Beispiel: Dieses Bild von Daguerre gilt als die erste Aufnahme (1938) eines lebenden Menschen. Die Aufnahme dauerte mehr als 10 Minuten. Lange Zeit haben die Menschen draußen fotografiert, einfach weil da genug Licht war, um die damals noch sehr niedrigempfindlichen Aufnahmemedien zu belichten.

Sie haben ihre Plattenkameras durch die Gegend geschleppt und eben damit fotografiert. Als dann irgendwann Kameras entwickelt wurden, mit denen man aus der Hand fotografieren konnte – die Kodak Box-Kamera ist da sicher vielen ein Begriff – begannen die Menschen, Schnappschüsse des alltäglichen, ungestellten Lebens zu machen.

Populär wurde die Straßenfotografie aber durch Atget. Er fotografierte von 1890 bis 1920 in Paris, das auch als Geburtsstadt der Straßenfotografie gilt. Für Atget waren jedoch Menschen nicht zwingend Bestandteil des Bildes.

Robert: Sicher, das war ja auch nicht seine Absicht. Er bezeichnete das bestimmt selbst auch nicht als Straßenfotografie. Er hielt einfach fest, was er mit der damaligen Technik aufnehmen konnte. Und dass die Menschen in dem von Dir aufgeführten Beispielbild übrigens alles andere als spontan interagierten, dürfte einleuchten.

Uns geht es heute ganz anders. Wir haben ja praktisch jede historisch denkbare Aufnahmetechnik zur Verfügung. Darüber hinaus schaffen wir auch stetig neue. Es wird also immer wichtiger, uns zu entscheiden, welche Technik wir wofür verwenden.

Für das Einfangen von ungestellten Momenten bietet sich natürlich möglichst schnell zu bedienende Technik an. Was vor hundert Jahren die Leica war, ist heute das Smartphone.

Martin: Über die Zeit hat sich die Größe der Aufnahmegeräte zu Gunsten der Straßenfotografie ständig reduziert. Wenn man mal überlegt, wie groß die Kameras zu Beginn waren und dass wir heute selbige einfach aus der Hosentasche ziehen, ist das schon beeindruckend.

Und es ermöglicht uns deshalb zeitgleich Aufnahmen ungestellter Momente, weil die Kamera an sich immer weniger Reaktionen bei den Fotografierten auslöst. Eine Fachkamera auf der Straße wird sofort beäugt und als etwas Besonderes betrachtet. Ein Smartphone hingegen haben viele, selbst, wenn sie nicht damit fotografieren.

Smartphonekameras haben jedoch nach wie vor Grenzen. Mit einer 1/4000 Sekunde bei Blende 16 zu fotografieren wird damit schwierig, auch die Objektivqualität und Sensorgröße spielen eine nicht kleine Rolle. Dennoch ist auch das nur eine Frage der Zeit, bis die Technik da dem Ideal näher kommt.

Robert: Ich finde den Punkt interessant, den Du mit der fehlenden Reaktion der Fotografierten ansprichst. Mittlerweile lassen sich Fotoapparate ja auch schon in Echtzeit über das Smartphone steuern. Übertrieben gesagt: Wir sehen da vielleicht so etwas wie einer Dronifizierung der Fotoapparate entgegen.

Man entkoppelt praktisch den Sucher vom Aufnahmegerät. Die alte Kulturtechnik, eine Kamera ans Auge zu halten, um ein Bild zu machen, ist dafür also nicht mehr notwendig. Sie wird dadurch allerdings nicht ersetzt, sondern existiert neben der entkoppelten Aufnahme weiter.

Das unbemerkte, ungestellte Fotografieren wird nun also leichter. Es würde mich nicht wundern, wenn bald noch mehr Fotografen der Straßenfotografie fröhnten.

Martin: Wenn wir schon bei der Technik sind: Was ist Dein präferiertes Arbeitsgerät für die Straßenfotografie?

Robert: Ich selbst bin eher altmodisch unterwegs. Für schnelle Momente und wenig Gepäck nutze ich gern eine Leica. Mein derzeitiger Liebling ist aber meine Hasselblad. Der Blick in den Schachtsucher auf die Mattscheibe erzeugt ein angenehmes Bildgefühl und ermöglicht eine akkurate Komposition, die ich gelegentlich mit lebendigen Elementen aufmische, die von selbst ins Bild spaziert kommen.

Eine echte Herausforderung wäre für mich allerdings irgendwann, mal mit einer Großformatkamera „Street zu machen“.

Du nutzt ja eher kleinere Apparate, oder?

Martin: Ja, ich mag die Leichtigkeit und Größe der X100s schon sehr. Der Sensor ist super und ich kann, wenn die Sonne scheint, bei 1/4000stel mit Blende 14 fotografieren, ohne hinterher meinen ISO-Rausch ausschlafen zu müssen.

Ab und zu fotografiere ich jedoch noch mit meiner 5D und benutze an der gern feste Brennweiten. Vollformat ist halt dann doch eine nette Abwechslung.

Bald werde ich mich – mal sehen, wie lange – an einer AE-1 versuchen, die mir Katja verkauft hat. Analog und Street, das habe ich bisher noch nicht erfolgreich bewerkstelligt.

Robert: Ah, schön, dass Du das mal analog ausprobieren willst. Klar, eine neue Arbeitsweise ist anfangs immer erst einmal eine Herausforderung. Ich vermute aber, mit mehr und mehr Übung wirst Du Ergebnisse erzielen, die Dich zufrieden machen.

Ich kenne das, ich habe selbst über die Jahre erst einmal eine ganze Menge Mist fabriziert. Ich denke, ein gutes Ziel ist, dass man irgendwann auf vormals Produziertes zurückblicken kann und es dann noch immer die eigenen aktuellen Ansprüche erfüllt.

Martin: Ich mag die Herausforderung, deshalb möchte ich es auch mal probieren – vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass ich mir die Straßenfotografie an sich ausgesucht habe, weil sie für mich genau die richtige Mischung aus Berechenbarkeit und Herausforderung darstellt. Die Straßenfotografie ist einfach toll.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on kwerfeldein diskutiert: Über die Straße

Posted in Equipment

 

Gegen die Ordnung der Natur

07 Jun

Uganda ist seit Langem einer der gefährlichsten Orte der Welt für Homosexuelle. Das kürzlich verabschiedete Anti-Homosexualität-Gesetz ermöglicht nun härtere Strafen für homosexuelle Handlungen unter Männern und kriminalisiert zum ersten Mal lesbischen Sex. Zudem enthält es eine Klausel, die jeden zum Verbrecher macht, der den Behörden Informationen über bekannte Homosexuelle zurückhält.

Die Fotoserie „Against the Order of Nature“ von Lee Price gibt einen Einblick in das Leben der Menschen der homosexuellen Gemeinschaft in Uganda und erzählt davon, was es für die Menschen bedeutet, unter dem Gesetz zu leben.

Eine Gruppe von Menschen steht mit dem Rücken zur Kamera. Ein Junge hält ein Blatt mit beiden Händen nach oben, darauf steht: Homosexuality +  AIDS = 100%

Ein Mann hockt auf einem Bett und betet.

In einer Zimmerecke hängt ein Portrait von einem Mann mit Regenbogen-T-Shirt. An der Decke läuft ein Salamander.

Eine Person zieht ihr Kleid nach oben und zeigt Narben auf Oberschenkel und Po.

Jemand greift nach einem Blatt, das auf dem Boden liegt. Darauf steht: Homosexuality +  AIDS = 100%

Zwei Frauen umarmen sich vor einem Fenster.

Ein Portrait einer Person mit Sonnenbrille.

Ein Rücken. Den Oberarm zeichnet eine tiefe Narbe.

Auf einem Brett mit Nägeln hängt ein Haarreifen.

Eine Hand liegt auf dem Portrait eines geschminkten Mannes.

Lee Price beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit soziologischen und politisch beeinflussten Einstellungen und Reaktionen auf die Sexualität in der Öffentlichkeit und in den Medien. Er stellt gern Fragen und möchte mit seinen Bildern Reaktionen provozieren. Nicht unbedingt mit der Absicht, die öffentliche Wahrnehmung bestimmter Probleme zu verändern, sondern vor allem, um zu kritisieren und mit dem Finger auf die Probleme zu zeigen, die debattiert werden sollten.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on Gegen die Ordnung der Natur

Posted in Equipment

 

6. Juni 2014

06 Jun

Ein Beitrag von: Christian Greller

Christian Greller


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on 6. Juni 2014

Posted in Equipment