Ein Beitrag von: Sandra Drljaca

kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity


Sleep, quiet and relaxation are the three things I have not had in my month long blogging hiatus. As you can tell from the photo above that is because we have a new member of our household. Grant, my second son, arrived on the scene May 27th right between 2 holidays and 3 (nuclear) family birthdays (all with in 6 weeks of each other). Needless to say my wife and I have been elated that Grant is here, but to be honest we’ve been pretty tired.
Ah good times.
As you’d imagine I’m incredibly excited to introduce Grant to the natural world and photography as I have been with Blake. It’s an amazing process to hear the raw interpretation of our world from a child’s perspective. Not only do these innocent and candid interpretations of the world ground you, they help you see the world in new ways. Such experiences are a great reminder for myself to keep pushing for new visual and interpretive perspectives.
Photo Details:
[left] Grant at 21 days (left)
[center] Blake with mustache via Playskool ShowCam
[right] Blake celebrating his 4th birthday
Copyright Jim M. Goldstein, All Rights Reserved
Domestic Adventure Update: Sleep, Quiet & Relaxation
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Ein Beitrag von: Anne Henning
Es ist großartig. Gute Bilder von guten Fotografen sind nur einen Klick entfernt. Tagtäglich verfolgen wir die Portfolios und Streams unserer Lieblingskünstler und lassen uns inspirieren, begeistern, nähren. Kurzum – wir konsumieren.
Ab und an schreiben wir vielleicht einen Kommentar unter ein Bild oder klicken es zu unserer digitalen Favoritenliste dazu. Diese Online-Sammlung unserer schönsten Bilderschätze wächst ständig. Aber wie oft schauen wir uns unsere alten Favoriten wirklich noch einmal an, wie lange schauen wir uns überhaupt Bilder an, die uns gefallen, bevor wir weiterklicken und das nächste konsumieren? Ich glaube, meistens weniger und kürzer als gute Fotos es verdienten.
Manchmal bin ich dieser Klickerei, dieser digitalen Bilderflut, absolut überdrüssig. Und dann kam letztes Jahr dieser Moment, als es in mir Klick gemacht hat.
Ich habe schon einige kleinere und größere bildhauerische Arbeiten von Künstlern und Kommilitonen gekauft oder getauscht und auch zwei ziemlich gute Rüdiger-Beckmann-Drucke hängen an meinen Wänden. Eine geschenkte Leinwand eines befreundeten Malers und auch ein paar fotografische und plastische eigene Arbeiten aus verschiedenen Schaffensphasen hängen um mich herum. Ich liebe den Dialog, den Kunstwerke miteinander eingehen, indem man sie in denselben Raum hängt oder stellt.
Sie wirken ganz anders, je nachdem, an welcher Wand und über welcher Skulptur sie hängen. Sie entfalten eine neue Präsenz und beeinflussen sich gegenseitig. Und auch, wenn mein relativ überschaubares WG-Zimmer schon aus allen Nähten platzt, hat es letztes Jahr wieder in mir drin geklickt und ich wusste:
Ich möchte ein Foto von Nastya Kaletkina kaufen!
Ich verfolge ihre Arbeiten seit längerer Zeit und finde sie fantastisch, surreal, betörend. Letztes Jahr im Februar habe ich dann dieses Foto gesehen. Eine halbnackte Frau liegt auf einem Bett. Um sie herum sind scheinbar wahllos Äpfel, Eier oder andere runde Kleinigkeiten verstreut. Halb fokussiert, halb verwackelt, schwarzweiß. Merkwürdig. Irgendwie nicht greifbar; ich verstehe dieses Bild nicht, doch fühle mich auf einen merkwürdige Art und Weise von ihm angezogen.

In mir wächst schlagartig der Wunsch, genau dieses Bild in meiner analogen Favoritensammlung an der Wand zu haben. Es nicht nur digital auf kleinem Monitor zu sehen, es laden zu müssen und am Ende doch wieder den Tab zu schließen. Ich will es real, hier an meinen eigenen vier Wänden. Gerahmt, groß, echt. Zum Anfassen und immer wieder Ansehen. Also nehme ich Kontakt auf.
Nach einigen Mails mit englisch-russischen Sprachbarrieren erfahre ich, wie es der Zufall so will, dass Nastya im Oktober nach Deutschland kommt, um in Düsseldorf an einer Ausstellung teilzunehmen. Sie wird diesen Akt mit Äpfeln auch ausstellen, ich darf das Original von da aus mitnehmen, habe Vorfreude, aber muss mich noch ein paar Wochen gedulden.
In der Zwischenzeit entdecke in im Luxad in Berlin einen wunderschönen Bilderrahmen. Mit Nastyas Bild im Hinterkopf muss ich das gute Stück einfach mitnehmen, dann habe ich immerhin schon den Rahmen, auch wenn ich auf den Druck noch warten muss. Ein Rahmen mit Geschichte für ein Bild mit Geschichte. Da die Bilderrahmen Einzelstücke aus recyceltem Holz sind und in ihrer Größe sehr individuell, möchte mein Rahmen auch das abenteuerliche Bildformat von 28 x 27,5 cm.


Wie erwartet, ist die Kommunikation etwas holprig und meine exakten Formatwünsche vielleicht auch etwas unpräzise, sodass Nastya im Oktober mit dem falschen Format nach Deutschland kommt. Die Ausstellung ist dennoch wundervoll, es ist spannend, die Fotografin kennenzulernen, etwas über die Entstehungsgeschichte des Fotos zu erfahren und aufregend, das Bild an der Wand zu sehen, das ich von ihr kaufen werde.
Endlich hat es eine Oberfläche, hat den Computer verlassen und hängt dicht vor mir in einer kleinen Galerie in Düsseldorf. Das Schwarz ist viel dunkler als in der digitalen Version, alles wirkt noch verschwommener und surrealer. Leider ist die Qualität des Drucks nicht sonderlich gut, sonst hätte ich es mir vielleicht anders überlegt und es trotz falscher Größe gekauft. Aber auch so bin ich mir absolut sicher: Dieses Bild möchte ich haben.

Nachdem Nastya wieder in Moskau ist und ich ihr meine genaue Wunschgröße mitgeteilt habe, passiert erst einmal länger gar nichts. Wir sind beide zu beschäftigt für die zähe E-Mail-Kommunikation, sodass sich die Odyssee um meinen Druck noch viele Wochen ins neue Jahr trägt. Anfang 2014 meldet Nastya sich plötzlich und fragt nach meinem Wunschpapier. Hahnemühle, natürlich, denn nach dem halben Jahr Warterei kann mir das Papier nicht dick und haptisch genug sein.
Es dauert noch ein paar Tage, dann liegt der Akt mit Äpfeln in Moskau frisch gedruckt und wartet auf die Reise nach Köln. Vielleicht hätten wir es an dem Punkt einfacher haben können, aber nachdem wir eine monatelange E-Mail-Kommunikation, eine Ausstellung mit einer Version im falschen Format und dutzende Übersetzungsprobleme hatten, musste auch die Reise nach Deutschland abenteuerlich sein.
Ein einfacher Paketversand kam also nicht in Frage. Wir entschieden uns dafür, das Bild von Flughafen zu Flughafen zu schicken. Nastya wollte es in Russland irgendjemandem mitgeben, ich sollte es in Deutschland entgegennehmen. Doch das war gar nicht so einfach, wir haben drei Versuche gebraucht, bis Nastya am Schalter in Moskau wirklich jemanden gefunden hat, der bereit war, den gut verpackten Druck per Handgepäck nach Düsseldorf zu bringen.

Nervös und doch voller Vorfreude stand ich also endlich vor ein paar Wochen am Düsseldorfer Flughafen, mit einem kleinen Schild in der Hand, auf der Suche nach einer wildfremden Frau mit Foto im Handgepäck. Die Odyssee ist gut ausgegangen, wir haben uns gefunden und mussten beide sehr lächeln bei der Übergabe. Und auch Nastya freute sich sehr über das gelungene Ende dieses Abenteuers.

Der merkwürdige Akt mit Äpfeln hängt nun an meiner Wand. Auch, wenn ich ihn nach über einem Jahr immer noch nicht ganz verstanden habe, immer noch Neues in ihm entdecke, ist das nun kein Problem mehr, denn ich habe jetzt alle Zeit der Welt, ihn zu betrachten. Kein Klicken, kein Laden, keine Pixel.
Nastyas Druck hängt, liebevoll signiert, in dem alten Holzrahmen, die Glasscheibe habe ich weggelassen, so wird er mit den Jahren vielleicht vergilben, aber dafür bin ich ihm ganz nah, kann über das Papier fahren und mich an diesem Kunstwerk mit der langen Reisegeschichte immer wieder erfreuen.
Umgeben von Erinnerungen an Ausstellungen drei meiner Lieblingsbildhauer, meinem Lieblingskinderbuch und einer schwebenden Wachsarbeit einer befreundeten Künstlerin, hat er genau diese Symbiose und Präsenz im Raum entwickelt, die ich an Drucken so liebe.

Drucke sind das kleine gallische Dorf der Fotografie-Szene, denn das allermeiste setzt sich nur digital fort. Doch Drucke sind widerstandsfähig und haben eine betörende Wirkung, wenn sie erst einmal den Weg in den Bilderrahmen gefunden haben. Darum kann ich jedem nur empfehlen, sich Bilder zu kaufen, die einem am Herzen liegen, die begeistern, die einem nicht aus dem Kopf gehen. Die man sieht und bei denen es Klick macht.
Durch deren Kauf man den Künstlern und Künstlerinnen ein wunderschönes Kompliment macht und ihre Arbeiten auf eine sehr ehrliche Art und Weise belohnt. Die Mühe, das Geld, die Warterei, all das ist es wert, sie raus aus der digitalen Favoritenliste rein in die eigenen Vier Wände zu holen.
Und wie sieht es bei euch aus, welche fotografischen Schätze haben den Sprung von eurer Favoritenliste bis an die Wand geschafft?
kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity
Ein Beitrag von: Dennis Wehrmann
Als die Entscheidung der diesjährigen Städtereise im Mai 2014 auf Venedig fiel, wurde mir – für eine bleibende Erinnerung aus fotografischer Perspektive – schnell bewusst, dass ich mir einen anderen Weg als den der „normalen“ Reisefotografie wünsche.
Auf der Suche nach neuen Ideen durchstreifte ich das Internet nach Venedig-Bildern. Aufgrund der Fülle und der immer gleichen Motive war ich der Resignation nahe und mir kam die Idee, Langzeitbelichtungen mit Graufiltern und Nachtaufnahmen zu versuchen.

Gerade diese Belichtungstechnik hat es mir seit einiger Zeit für Architektur- und Wasseraufnahmen angetan. Der Akt der Langzeitbelichtung ist während der Aufnahme eher technisch und nur bedingt kreativ. Der kreative Prozess ist der eigentlichen Aufnahme, in Form exakter Planung und eines exakten Entwurfs des Bildes im Kopf, vorgelagert. Während der Aufnahme geht es primär um die Umsetzung dieses inneren Bildes.
Die Umgebung am Aufnahmeort wirkt bei diesen Aufnahmen sehr stark auf mich – Emotionen dieser Momente werden zu Bestandteilen des Bildes. Meine Umgebung und die Stimmung nehme ich infolge langer Belichtungszeiten besonders intensiv war. Jedes kleine Detail der Szenerie und dessen Veränderung rückt in den Vordergrund, fordert Aufmerksamkeit und rückt sich als eventueller Bestandteil des endgültigen Bildes in den Aufnahmeausschnitt.
Meine Erinnerungen an bestimmte Orte und Bilder werden durch diese Art der Fotografie besonders intensiv, regelrechte Geschichten, ganze Spaziergänge, Begegnungen mit Menschen und eben auch Städte wie Venedig manifestieren sich so in meinem Gehirn. Es ist meine Art, anhand eines Bildes ein Video der Erinnerung nur für mich zu drehen.
ISO 100, 44 mm, f/8, 97 Sek., schwarzweiß, Nachtaufnahme ohne Filter.
Mit der Entscheidung der Langzeitbelichtung rückte ein neues Problem in den Vordergrund: Es wird ein voluminöses Equipment benötigt – und diese Reise war schließlich als Kurzurlaub und nicht als reine Fotoreise geplant.
Bei näherer Betrachtung erwies sich die Beschränkung auf das minimalistisch Notwendige konsequent – so konnte ich mich ganz auf die Aufnahme konzentrieren und mir drohte kein Zusammenbruch aufgrund von Schwergepäck in den Gassen Venedigs. Ich entschied mich für einen Body (Nikon D610)* und die Linsen Nikon 14 – 24 mm Weitwinkel* – sowie das Sigma 24 – 70 mm*, zwei Schraubgraufilter 10 stop* und ND stop und ein kleines Reisestativ nebst Kabelfernauslöser.
Natürlich ist ein solides Equipment Voraussetzung für qualitativ gute Langzeitbelichtungen, viel mehr aber noch die Idee und deren konsequente Umsetzung.

Als Tourist in einer fremden Stadt ist es für mich eine bewährte Strategie, die Umgebung zumindest am ersten Tag ohne Kamera auf mich wirken zu lassen und mich ein wenig treiben zu lassen. Dieses beherzigend zogen wir nach der Ankunft in unserem Hotel los, um das einzigartige Venedig zu entdecken. Natürlich ist es vermessen zu glauben, diese Schönheit für sich allein gepachtet zu haben – doch die Realität überrumpelte uns gelinde gesagt heftig.
Das touristische Zentrum Venedigs mit den bekannten Sehenswürdigkeiten Rialto-Brücke oder Markusplatz laden eher zum Schieben und „Geschoben-werden“ als zum Flanieren ein, kein Gedanke an ein Foto, geschweige denn eine Langzeitbelichtung. Dieser Zustand hält vom Morgen mit dem Eintreffen der ersten Tagestouristen, bis zum Abend (mindestens 20 Uhr) stetig an, eine entspannte Atmosphäre tritt erst danach ein. Damit waren Aufnahmen zur blauen Stunde von meinem Plan gestrichen.
Auch das Licht und die Wetterbedingungen waren anders als erhofft. Der Himmel war bedeckt von sich sehr langsam bewegenden dicken Wolken, die durchaus auch heftigen Regen über Venedig ergossen.

Als sich der Ankunftstag zum ersten typisch venezianischen Abend-Weißwein neigte, hatte ich vier Lokations im Kopf – Rialto-Brücke, Markusplatz, Accademia-Brücke sowie experimentell Fondamenta Zattere Ai Gesuati.
Am kommenden Tag hoffte ich auf gutes Wetter und Licht zum Sonnenaufgang, denn so früh sollten keine Menschenmassen auf den Beinen sein. Die geplante Location war die Rialto-Brücke. Der Wecker klingelte um 5:20 Uhr, ein kurzer Blick aus unserem Fensterschacht gen Himmel war vielversprechend und so machte ich mich im Halbdunkel auf den halbstündigen Weg durch die engen, verlassenen Gassen Venedigs, die ihrem Ruf in nichts nachstehen und einen morbiden Charme versprühen. Langsam begann ich, mich wohlzufühlen und das morgendlich friedliche Venedig in mich aufzunehmen, die Vorstellung des Bildes von der Rialto-Brücke kam dabei ganz von allein.
Rialto-Brücke Canal Grande, ISO 100, f/13, 98 Sek., 14 mm, Graufilter 10 stop
An der menschenleeren Location angekommen, begann ich, den mir vorschwebenden Bildausschnitt anhand von Testbildern zu erarbeiten, erst dann stellte ich mein Stativ auf. Auch, wenn mich etwa anderthalb Stunden gutes Licht während des Sonnenaufgangs erwarteten – diese Zeit ist bei Langzeitbelichtungen schnell verflogen.
Das frühe Morgenlicht zeigte deutliche Schatten und Reflexionen im Wasser und der Canal Grande ist auch zu dieser Stunde (6.15 Uhr) schon befahren, die Boote führten immer wieder zu unerwünschten Streifen im Bild. Außerdem gab es einen regen Bootslieferverkehr im unteren linken Bildrand. Im Endeffekt gelang mir innerhalb von einer Stunde genau ein Foto meiner Vorstellung ohne störende Einflussfaktoren mit 14 mm. Erst dann wagte ich eine zweite Aufnahme mit 24 mm Brennweite.
Rialto-Brücke Canal Grande, ISO 100, 24 mm, f/8, 51 Sek., Graufilter 10 stop
24 mm ist im Laufe der Zeit zu meiner Lieblingsperspektive geworden – nicht zuletzt wegen des Objektives mit 24 – 70 mm – irgendwie nehme ich meine Umwelt in 24 mm wahr. Auch für dieses Bild forderten mich die Schiffe auf dem Kanal, dennoch reichte es für eine Aufnahme, auf der ein Vaporetto weitestgehend unbeweglich am Anleger verblieb.
Grundsätzlich bevorzuge ich für meine Langzeitaufnahmen schwarzweiß und dennoch versuchte ich, die Aufnahme auch als Farbversion bestmöglich aufzunehmen, denn nur ein gutes Farbfoto ist die Ausgangsbasis für ein gutes Schwarzweißbild. Manchmal fällt mir die Entscheidung zwischen dem Farb- und dem Schwarzweißbild schwer, wie hier bei der Rialto-Brücke.

Nach anderthalb Stunden Fotografieren machte ich mich mit zwei Bildern im Gepäck beseelt auf den Rückweg. Beim Betrachten dieser Bilder erinnere ich mich immer wieder gern an die leeren Gassen auf meinem morgendlichen Spaziergang, die Ruhe und Schönheit an der Rialto-Brücke und nicht zuletzt an die Begegnungen und Gespräche mit den wenigen anderen Fotografen, die ich bei diesen Aufnahmen kennengelernt habe.
Dank des überaus guten Wetters an diesem Tag versuchte ich mich am Nachmittag an einer Aufnahme an der Fondamenta Zattere Ai Gesuati. Ich wählte eine Belichtung von 5 Minuten, nach 275 Sekunden treten immer wieder undefinierbare Lichtreflexionen auf, wobei eine längere Belichtung bei wolkenlosem Himmel keine signifikante Verbesserung des Bildes bringt.
Fondamenta Zattere Ai Gesuati, ISO 100, 24 mm, f/8, 275 Sek., Graufilter 16 stop
Als Ausgangsbasis wähle ich, wenn möglich, die von Joel Tjintjelaar vorgestellte Regel f/8 und 5 Minuten; zum einen infolge der maximalen Abbildungsleistung der meisten Objektive bei f/8 und zum anderen der wundervollen Wolkenverläufe und Weichzeichnung des Wassers bei einer Belichtung von 5 Minuten.
Wie jede Regel sollte diese immer nur als Anhaltspunkt dienen. Beinhaltet das Motiv keine Wolken oder Wasser, so führt eine längere Belichtung nicht zwingend zu einem besseren Ergebnis. Ist zwar Wasser vorhanden, dafür aber keine Wolken, liegt der Fokus – wie hier – auf der Gestaltung des Wassers.
Während der Aufnahme konzentriere ich mich überwiegend auf die drei Farbkanal-Histogramme (rot, grün und blau) und versuche, diese möglichst über den gesamten Bereich auszubalancieren. Je nach gegebenen Lichtverhältnissen ist dies nicht immer möglich.
Zu vermeiden ist das Ausbrennen der hellen Bereiche, ersichtlich durch ein Ausbrechen der Histogramme am rechten Rand. Brechen die dunklen Bereiche etwas über den linken Histogrammbereich aus, ist dies in der Regel unproblematisch, lassen sie sich doch in der Nachbearbeitung leicht wiederherstellen.
Sicher kann dem Bild noch eine Bearbeitung anhand von Masken in Photoshop zuträglich sein. Wie bereits erwähnt, bin ich zur Zeit eher minimalistisch aufgestellt, dies bezieht sich auch auf die Nachbearbeitung. Diese ist, wenn möglich, begrenzt auf Lightroom und Nik Filter, speziell Silver Efex Pro. Die Grundlagen der Bildbearbeitung hat Martin Schmidt bereits in seinem Artikel „Architekturfotografie in schwarzweiß“ beschrieben.
ISO 100, 70 mm, f/8, 30 Sek., Nachtaufnahme ohne Filter
Der folgende Tag war von intensiven und ausgiebigen Regenschauern geprägt. Als ich am späten Abend das Fotografieren für diesen Tag bereits innerlich abgeschrieben hatte, klarte es plötzlich auf. Diese Gelegenheit nutzte ich, um mich ein wenig an den Häuserspiegelungen im Kanal vor unserem Hotel zu versuchen. Die Spiegelungen waren dank der noch nassen Hausfassaden und des von den Straßenlaternen dominierten Lichts besonders intensiv.
Dank der bereits fortgeschrittenen Stunde und einer dichten Wolkendecke war es sehr dunkel, so dass die Lichtverhältnisse längere Belichtungszeiten ohne Graufilter zuließen. Allerdings begrenzten die Straßenlaternen als Lichtquelle die Belichtungszeit.
ISO 100, 44 mm, f/8, 94 Sek., Nachtaufnahme ohne Filter
Nachdem wir uns in Venedig bereits bestens zurechtfinden konnten und uns in das ortsübliche Leben der Venezianer abseits der touristischen Hochgebiete integriert hatten – gutes, erschwingliches italienisches Essen, Spritz oder Weißwein mit dazugehörigen Chips in einem kleinen Café auf einem belebten Marktplatz, die Umgebung und das Treiben beobachtend – nahte auch schon der letzte Tag in dieser uns bereits sehr ans Herz gewachsenen, außergewöhnlichen Stadt.
So hoffte ich am kommenden Morgen erneut auf gutes Wetter, um die noch geplanten Locations (Markusplatz und Accademia-Brücke) bei Sonnenaufgang fotografieren zu können.
Piazza San Marco, ISO 100, 14 mm, f/7.1, 155 Sek., Graufilter 10 stop
Ich hatte Glück und machte mich erneut um 5:30 Uhr auf den Weg. Kaum zu glauben, aber auch um kurz nach sechs am Morgen waren bereits die ersten vereinzelten Touristen auf dem Markusplatz. Also konzentrierte ich mich darauf, die Belichtung in einem menschenleeren Moment vorzunehmen. Leider war ich beim Weitwinkelobjektiv auf einen 10 stop Filter und somit eine kürzere Belichtungszeit beschränkt, obwohl ich die Belichtung gern auf 5 Minuten verlängert hätte. Allerdings ist mir der Bildausschnitt bei 24mm zu beschränkt und so entschied ich mich für die kürzere Belichtungszeit.
Piazza San Marco, ISO 100, 14 mm, f/8, 132 Sek., Graufilter 10 stop
Wie bereits erwartet, benötigte ich für die beiden Aufnahmen am Markusplatz mehr Zeit und so eilte ich danach im Dauerlauf zu meiner letzten Wunsch-Location, der Accademia-Brücke, um die Szenerie noch bei grandiosem Sonnenaufgangslicht aufnehmen zu können.
Auf der Holzbrücke angekommen, baute ich mein für diese Zwecke etwas wackeliges Stativ auf, das ich wegen des Brückengeländers ganz ausziehen musste. Hin und wieder lief ein Jogger über die Brücke und versetzte das Holz in leichte Schwingungen. Zum Glück waren meine Befürchtungen der Verwacklung aufgrund der langen Belichtungzeit unbegründet und mit der ersten Schätzung von Belichtung und Aufnahmezeit entstand dieses Bild.
Accademia-Brücke, Canal Grande, Santa Maria Della Salute, ISO 100, 35 mm, f/8, 309 Sek., schwarzweiß, Graufilter 16 stop
Alle nachfolgenden Aufnahmen sind infolge der sich stetig verändernden Lichtbedingungen und der den Kanal kreuzenden Boote wesentlich schlechter. Gerade bei Langzeitbelichtungen kommt es auf das richtige Timing und auch Glück an. An dieser Location traf ich einen amerikanischen Fotografen, der sich ausschließlich auf Langzeitbelichtungen spezialisiert hat und schmunzelnd mein Equipment belächelte.
Dennoch gab er mir den genialen Tipp, dass auch mit begrenztem Budget jeder Effekt darstellbar ist. So kann man zum Beispiel bei zu geringer Filterstärke die Belichtungszeit durch mehrmaliges kurzes Vorhalten einer Mütze vor das Objektiv verlängern, so wie es beim Lightpainting gang und gäbe ist. Auch das „Dodge and Burn“ der Nachbearbeitung lässt sich bei der Aufnahme bereits sehr effektiv einsetzen: Zu diesem Zweck fährt man mit der flachen Hand vor dem Objektiv mehrfach kurz über die auszubrennen drohenden Bildelemente, um diese zu verdunkeln.
Bei diesem Bild wäre der obere linke Bereich, in dem die Sonne durchscheint, dafür geeignet – leider erfahre ich von dieser Technik erst nach der Aufnahme.

Während ich mich mit meinem Equipment bereits von der Brücke zum Hotel aufmachen wollte, entdeckte ich aus dem Augenwinkel am Fuße der Brücke diese Szenerie und konnte nicht anders, als das Stativ erneut aufzustellen, um in dieser letzten Aufnahme die intensiven Spiegelungen auf dem Canal Grande als Abschluss einer tollen Städtereise festzuhalten.
Accademia-Brücke, Canal Grande, ISO 100, 24 mm, f/8, 109 Sek., Graufilter 10 stop
Auf dem Rückweg ins Hotel – die bevorstehende Abreise im Blick – stellte ich mit gewisser Wehmut fest: Venedig ist mehr als eine Reise wert. Insbesondere, um das italienische Flair, das Alltagsleben und auch die Architektur abseits der bekannten Touristenhighlights zu erleben und fotografisch festzuhalten. Ich kann nur jedem eine Reise in diese wunderbare Stadt außerhalb der Saison ans Herz legen – es gibt so viel Wunderbares zu entdecken.
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Ein Beitrag von: supajug@yahoo.fr
Julien Legrand ist Straßenfotograf und Teil des renommierten Kollektives Street Photographers. Erste Bilder im Netz finden sich auf Flickr aus dem Jahre 2009 und schon da lässt sich sein Können erahnen, das sich heute in voller Farbenpracht bestaunen lässt.
Es klingt wie ein Klischee, wenn ich vom Staunen spreche, doch ich meine das wirklich. Zig mal habe ich mir die Bilder des Franzosen angesehen und bin jedes Mal wieder baff, was der Junge fotografisch auf die Beine stellt.
Legrand wagt den Sprung ins Komplexe, jedoch ohne sich in vewirrend abgedrehten Bildarchitekturen zu verlieren. Und, das ist wohl entscheidend bei Legrand, ohne jemals einseitig zu werden. Nein, er greift auf alles zu, was der Moment erfordert: Farbparallelen, spannende Stukturüberlagerungen, Juxtapositionen und das entscheidende Quäntchen Humor, der nur ab und an hervorblitzt.











Legrand setzt sich durch eine gleichmäßige Bildgestaltung vom aktuell gefeierten Trend des wild-abgedrehten souverän ab, ohne dabei fotografische Lebendigkeit einzubüßen. Und doch durchzieht bei aller Diversität die Fotografien eine stille Stringenz, die seinem Portfolio einen stilistischen Rahmen gibt. Die in sich ruhigen und klar komponierten Aufnahmen enthalten meist keinen Pixel zu viel oder zu wenig.
Julien Legrand kommt mit wenig aus. Ein Mann mit buntem Aktenornder am Straßenrand reicht ihm, um ein spannendes Bild zu machen. Dass dabei am Boden ebenfalls bunte Farbkreise zu sehen sind, ist der alles entscheidende Zufall; der will aber auch gesehen werden.
Für mich persönlich gehört Legrand zu denjenigen Fotografen, deren weiteren Werdegang ich auf keinen Fall verpassen möchte. Deshalb folge ich ihm überall wo möglich: Auf Flickr, Facebook und wenn es sein muss, auch auf Google+.
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Auf einer Fotoreise im Süden Indiens wurden mein Kollege und ich von unserem Gastgeber freundlich darauf hingewiesen, dass es besser sei, in der Öffentlichkeit keine Frauen zu fotografieren. Männer dagegen könnten wir einfach ungefragt ablichten, die meisten würden sich freuen.
Daheim in Deutschland hätten wir einfach um Erlaubnis gefragt oder in manchen Situationen gar nur die Kamera hochgerissen und abgedrückt. Hier war das anders. Selbst mit einer freundlichen Bitte um Erlaubnis hätten wir uns in konservativen Gegenden unter Umständen Ärger eingehandelt. Sich den lokalen Gegebenheiten anzupassen, war für uns selbstverständlich. Also machten wir das Beste daraus.
Nach einigen spannenden Szenen, die an uns vorbeizogen, ohne dass ein Klick-Klack zu hören war, suchte ich mir eine Alternative. Ich begann damit, Männer, die mir auf der Straße begegneten, anzusprechen und zu fotografieren, diese flüchtigen Begegnungen festzuhalten. Ein kurzes Gespräch, ein Wortwechsel im Kampf mit der Sprachbarriere, ließ diese Momente besonders werden.
Fischer, Gemüsehändler, Bettler, Taxifahrer – ein kurzer gemeinsamer Moment, ein schnelles, freundliches Lächeln, um in der Fremde etwas zu teilen.










There are no foreign lands. It is the traveler only who is foreign.
? Robert Louis Stevenson
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© Britta for Photojojo, 2014. |
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Ein Beitrag von: Jan Hinrichs
Eigentlich sollte dieses Projekt ein Geschenk zur Konfirmation meines Patenkindes sein. Die Ausgangsidee war, den analogen fotografischen Prozess so praktisch und essentiell wie möglich zur Darstellung zu bringen. Alle Schritte dieses Prozesses sollten für die Sinne erfassbar sein und mit den Händen ausgeführt werden können.
Ich wollte an den Ursprung der Fotografie zurück und sehen, wohin der Weg uns führen würde. Mit Planfilm und einer selbstgebauten Lochkamera zu beginnen, lag also nahe.
Als erstes arbeitete ich eine ganze Reihe von Lochkameramodellen aus, die sich alle in der Praxis nicht bewährten, weil sich ihre Handhabung durch den Wechsel der Mattscheibe und Planfilmkassetten als unpraktisch erwies. Es dauerte fast ein ganzes Jahr, bis ein funktionierender Prototyp entstanden war.

Eine essentielle Erweiterung erfuhr das Lernprojekt in der Vorbereitungsphase, als ich las, dass sich auch lichtempfindliche Schichten selbst herstellen lassen.
Nachdem ich mich anfänglich in die Negativentwicklung eingearbeitet hatte, um mit gekauften Planfilmen meine Lochkameramodelle testen zu können, kochte ich die erste Siedeemulsion nach einem alten Rezept von Liesegang. Von den Chemiekalien abgesehen, suchte ich mir die dafür notwendigen Utensilien überwiegend auf dem Flohmarkt zusammen.

Unschwer kann man erkennen, dass die Emulsionsherstellung ein Handwerk ist, das seine Werkzeuge überwiegend der Küche entnimmt. In der Pionierzeit, als Fotografen noch ihre eigenen Filme herstellten, nannte man die Fotografie auch „das magische Handwerk“. Denn das ganze Umfeld, in dem eine Emulsion entsteht, legt nicht nur wegen der Werkzeuge den Vergleich zu einer Hexenküche nahe.
Gearbeitet wird bei schwachem Rotlicht. Schon deshalb muss man beim Kochen einer Emulsion eine gewissen Routine und ein Gefühl für den „richtigen Moment“ entwickeln. Zeiten und Temperaturen sind einzuhalten und obwohl ich mittlerweile etliche Emulsionen gekocht habe, stehe ich noch immer unter Strom, wenn es losgeht. Bedenkt man, dass man feinste mineralische Substanzen auf die Lichtempfänglichkeit vorbereitet, so ist eine gewisse innere Anspannung vielleicht auch gar nicht falsch.
Die Zutaten einer Bromsilbergelatine-Emulsion sind Wasser, Gelatine, Silbernitrat und die an das Kalium gebundenen Salze der Halogene Iod und Brom. Kurz zusammenefasst kann man den Herstellungsprozess in vier Schritte unterteilen:
1. Unter Zufuhr von Wärme werden die vorerst noch wenig lichtempfindlichen Bromsilber-Krsitalle durch Fällung von Silbernitrat mit Kaliumbromid in Gelatine erzeugt. Die Anfangs in Wasser gelösten klaren Chemiekalien verfärben sich zu einer gelblich-milchigtrüben Flüssigkeit. In der Durchsicht gegen das Licht hat die Emulsion eine rötliche Farbe.
Feinverteiltes schwarzes Silber in einer flüssigen, anfänglich belichteten Bromsilbergelatine-Emulsion.
2. Die daran anschließende physikalische Reifung wird durch das Wachstum der Silberbromid-Kristalle bestimmt. Wie bei der Zubereitung einer Mahlzeit muss man vorher wissen, was man als Ergebnis will. Die Fragestellungen lauten entsprechend: Grobes oder feines Korn? Hohe oder niedrige Gradation? Immer verbunden mit hoher oder niedriger Lichtempfindlichkeit der Emulsion. Durch kontrolliertes Erkaltenlassen im Eisbad wird das Wachstum der Kristalle unterbrochen.
Getrocknete, ungewaschene Bromsilbergelatine-Emulsion gegen das Licht betrachtet.
3. Nach dem Aushärten der Emulsion im Kühlschrank muss das Kaliumnitrat herausgewaschen werden. Wie am Bild oben zu sehen ist, führt das Kaliumnitrat zu einer kristallinen Strutkur in der Filmschicht, mit minderwertigen Negativergebnissen als Folge. Der blaue Schimmer deutet bereits auf einen gewissen Grad der Lichtempfindlichkeit hin.
4. Nach dem Waschen wird die Emulsion abermals auf etwa 50 °C erhitzt. Während der sogenannten chemischen Reifung wird die Lichtempfindlichkeit der Silberbromid-Kristalle weiter gesteigert. Diese Phase findet schließlich ihren Abschluss mit dem Auftragen der Emulsion auf einen Schichtträger, beispielsweise Polyester oder Glas.
Beschichtete Polyesterfolien 112 x 82 mm.
Soweit die Theorie.
Doch nun zur Praxis. Nach einem ersten, komplett gescheiterten Kochversuch wurden im zweiten Anlauf die getrockneten Filme zwischen fünf und dreißig Minuten lang bei strahlendem Sonnenschein in einer Lochkamera belichtet.
Fixiertes Negativ einer Bromsilbergelatine-Emulsion nach einem Rezept von Liesegang.
Auch, wenn das Ergebnis eher ernüchternd auf mich wirkte: Im Gegensatz zum ersten Durchlauf war dieses Mal etwas auf dem Film zu sehen. Aber bereits beim Kochen wurde deutlich, dass die Farbe der Emulsion in der Durchsicht nicht von rot zu blau wechselte und somit keine hohe Lichtempfindlichkeit zu erwarten war.
Die Emulsion „Formula 1“ aus „Silver Gelantine – A User’s guide to photographic Emulsions“ von M. Reed und S. Jones war der dritte Versuch. Um auszuschließen, dass die verschleierten Negative des zweiten Emulsionsversuch nicht mit der Lochkamera in Verbindung standen, bohrte ich in Ermangelung einer Plattenkamera kurzerhand die Lochblende einer Lochkamera aus und setzte ein Objektiv an ihre Stelle. Ich legte die Kamera 2,5 Minuten in eine Frühlingswiese.


Wie man sieht, funktionierte sowohl die Kamera wie auch die Emulsion. Auch der Entwickler tat seine Pflicht, aber das Fixieren der Bilder klappte jetzt plötzlich nicht mehr. Da ich keine Erfahrung in der Beurteilung eines Negativs hatte, fotografierte ich die nicht fixierten Negative sofort nach der Entwicklung mit einer Digitalkamera und invertierte die Bilder auf dem Computer.
So entstand eine Serie von Lichtimpressionen von äußerst kurzer Lebensdauer, denn ohne Fixierung werden die dem Licht ausgesetzten Negative recht bald schwarz. Das Lichtbild verschwindet wieder restlos in der Dunkelheit. Mit dem wiedergewonnenen Vertrauen, dass die Emulsion ihre Aufgabe erfüllte, begann ich, erneut mit einer Lochkamera zu belichten und verzichtete auf die Linsen.


Lochkamera-Aufnahmen, Bromsilbergelatine-Emulsion auf Polyeser, 112 x 82 mm.
Trotzdem galt es, das Problem der Negativfixierung zu lösen. Ich erkundigte micht bei den liebenswerten „Spürsinn“-Fotografen und man empfahl mir den Entwickler Acurol-N und einen selbstgebauten Fixierer aus dem eigenen Hause.
Als mein Patenkind zum Belichten und anschließendem Entwickeln der zuvor herstellten Filme kam, funktionierte auch die Bildfixierung plötzlich. Wie so oft kamen mehrere Ursachen in Betracht.
Zum einen hatten wir ein neues Emulsionsrezept ausprobiert („Kodak Technical Document AJ-12“), zum anderen hatten wir erneut mit dem Acurol-Entwickler und dem Sprüsinn-Fixierer gerarbeitet. Und drittens kam uns der Zufall zu Hilfe. Als sich das Negativ nach zehn Minuten immer noch nicht geklärt hatte, gaben wir auf und ließen es einfach im Fixierbad liegen. 15 Minuten später war es soweit.
Da die Bromsilber-Gelatine-Emulsion eine nicht sensibilisierte Emulsion ist, die Farben nur bis in den blauen bis hellgrünen Bereich des Spektrums in korrekten Grauwerten wiederzugeben vermag, darf beim Entwicklungs- und Fixiervorgang im Rotlicht zugeschaut werden.
Um auch Positive zum Anfassen erzeugen zu können, wollte ich das einfach zu bewerkstelligende Cyanotypieverfahren anwenden. Ich mischte Amoniumeisen(III)-Citrat mit rotem Blutlaugensalz und Wasser und pinselte die Lösung auf Aquarellpapier.
Ein Schwarzweiß-Negativ druckte ich auf Klarsichtfolie aus und erzeugte anschließend das Positiv im Sonnenlicht.


Um in Zukunft Computer und Drucker umgehen zu können und um trotzdem Positive in akzeptabler Größe zu erhalten, baute ich eine große Kiste, die sowohl Linsen als auch eine Lochblende aufnehmen konnte und die sich mit emulsionsbeschichteten Glasplatten im Format 330×250 mm bestückte.
Von nun an ließen sich Negative erzeugen, die ich mit Hilfe eines Edeldruckverfahrens später ohne digitale Umwege zu Positiven weiterverarbeiten konnte.
Rückblickend kann ich sagen, dass sich durch das Arbeiten mit Emulsionen und Lochkamera vor allem meine Wahrnehmung von Licht und Dunkelheit fundamental gewandelt hat. Was ich vorher als vollkommen selbstverständlich hingenommen habe, dass es mal hell und mal dunkel ist, wurde mir plötzlich zu einem großen Rätsel.
Ein Lichtbild von einem Lichtbild auf einer Mattscheibe.
Ausgelöst wurden die Fragen vor allem durch die Betrachtung von Bildern, die durch die Lochblende auf die Mattscheibe meiner Lochkamera fielen, aber auch durch die sichtbar eingegrabenen Spuren des Lichts in die Negative.
Ich vermute, dass die Frage, was das Licht eigentlich ist, jeden, der einmal ein Negativ in den Händen gehalten hat, irgendwie beschäftigt hat. Aber heute, im Zeitalter der digitalen Bilder, droht diese Frage in Vergessenheit zu geraten.


Kontemplation: Löwenzahn und Gänsefedern, Negativ und Positiv, Bromsilbergelatine-Emulsion auf Glasplatte
Zwar kann das Licht auch aus der digitalen Fotografie nicht heraus gedrängt werden, weil das nicht möglich ist, aber der Zugang zum Usprung der Fotografie, der noch vor der Linse oder der Lochkamera liegt, wird durch die Technik erschwert.
Wenn wir digital fotografieren, sehen wir nicht mehr, dass wir eigentlich Licht einfangen und abbilden und dass es das Licht ist, das uns die ungeheure Vielfalt der Welt zeigt. Schön zeigt sich das, wenn wir Spiegelungen im Wasser betrachten.
Nature Morte. Eingescanntes und invertiertes Negativ.
Wenn jemand sich die Wirkung des „spielenden“ Lichts auf einer Wasseroberfläche oder auf einer Mattscheinbe anschaut und später die (Nach-)Wirkung des Lichts in der Fotografie dagegen hält, dann sieht man, das hier zwei vollkommen verschiedene Lichtbilder in Erscheinung treten, die aus ein und derselben Quelle hervorgegangen sind.
kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity
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