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Archive for the ‘Equipment’ Category

browserFruits Juli, Ausgabe 1

06 Jul

kwerfeldein geht ab morgen zwei Wochen lang in die Sommerpause. Aber keine Angst, Ihr werdet dennoch mit tollen Bildern und Serien versorgt. Wir haben für jeden Tag einen Artikel der Kategorie Vollbild vorbereitet. Ihr habt also etwas weniger zu lesen, aber dafür mehr zum Gucken. Sonntags gibt es weiter wie gewohnt die browserFruits. Wir wünschen Euch einen schönen Sommerurlaub, entspannt Euch gut, egal ob in fernen Ländern oder Balkonien.

 

Fotospecial: Klassisch schön – schwarzweiße Frauenportraits

Flickr

500px

 

Deutschsprachig

• Ein interessantes Interview mit Julius Schrank über die Arbeit als Fotojournalist haben wir bei der Taz entdeckt.

• „Sofortbildtage“ ist eine Serie mit lauter Bildern des selben Himmels, der doch immer ein anderer ist. Im Polaroidformat.

• Die Ausstellung „Paparazzi!“ in Frankfurt thematisiert das ambivalente Verhältnis zwischen Stars und Fotografen. Zeit Online hat Bilder sowie Infos zur Ausstellung.

• „Niemand will diese Fotos sehen“ – Christoph Bangert wurde von Zeit Online zu seinem Buch „War Porn“* interviewt. Herausgeber Martin Gommel hat es hier vor Kurzem ebenfalls rezensiert.

 

International

• Coulton Morris steht buchstäblich Kopf, wenn es um seine Bilder geht.

• Es ist immer wieder spannend, wenn irgendwo uralte, unentwickelte Filme entdeckt werden. Wie dieser Film, der 70 Jahre lang in einer Soldatenkamera in einem Schützenloch bewahrt wurde.

• Aus der Zusammenarbeit zwischen Prue Stent und Honey Long entstand die etwas skurrile Fotoserie „Bush Babies“, die Frauen in der Natur zeigt.

• Manuel Irritier zeigt mit seiner Bildserie „Urban Barcode“ die scheinbar endlosen bienenstockartigen Hochhausfassaden von Hongkong – Sinnbild für die immense bauliche Dichte dieser Stadt.

• Über die Langzeitbelichtungen von Francesca Woodman berichtet NY Books.

• Theron Humphrey beschloss eines Tages, quer durch Amerika zu reisen und ein Jahr lang eine Person pro Tag zu fotografieren. Damit er bei dieser Unternehmung nicht allein ist, holte er „Maddie“ aus dem Tierheim und nahm den Hund mit auf die lange Reise.

• Immer wieder wird darüber geredet, wie stark unser Frauenbild durch die Werbung geprägt ist. Dabei geht es Männern nicht anders.

• Hinter den Kulissen von Filmen entstehen hin und wieder Fotos, die uns zum Lachen bringen und einen komplett anderen Blick zulassen.

• 28 Fotos von Vivian Maier sowie ein Interview mit der Kuratorin der Maier-Ausstellung Anne Morin haben wir bei lensculture entdeckt.

 

Neuerscheinungen und Tipps vom Foto-Büchermarkt

buchtipps

• Den Bildband „Haru and Mina“ von Hideaki Hamada kann man jetzt auch international bestellen. Der Fotograf hat darin die schönsten Bilder seiner beiden Kinder Haru und Mina gesammelt. Wer mehr von diesen Bildern sehen möchte, kann dies in diesem Feature von Fubiz. Das Buch kostet inklusive Versand umgerechnet etwa 30 €.

• Über Robert Capa muss man eigentlich nicht viel sagen, denn er ist einer der bekanntesten Kriegsreporter. Wer einen Bildband von ihm besitzen möchte, dem empfehlen wir: „Robert Capa. Retrospektive.“* Er kostet 39,95 Euro.

 

Wettbewerbe

• Die Vereinigung Professioneller Kinderfotografen hat einen Wettbewerb ausgeschrieben. Gewerbliche Fotografen über 18 dürfen daran teilnehmen und ein Bild kostenlos in eine der sechs Kategorien einreichen. Jedes weitere wird mit 10 € berechnet.

 

Zitat der Woche

A portrait is not a likeness. The moment an emotion or fact is transformed into a photograph it is no longer a fact but an opinion. There is no such thing as inaccuracy in a photograph. All photographs are accurate. None of them is the truth.

Richard Avedon –

Mehr Zitate

 

Videos

Susan kae Grant erschafft ganz wundervolle, traumähnliche Schattenfotografien.

 

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhält kwerfeldein eine kleine Provision, Ihr bezahlt aber keinen Cent mehr.


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Eylül Aslan – Abstrakte Weiblichkeit

06 Jul

Eylül Aslans Fotografie hat vor allem eins: Humor und zwischen all dem auch eine angenehme Portion Poesie. Die 24-jährige Fotografin studierte an der Universität von Istanbul französische Literatur und erzählt anhand von Fotos gern Geschichten, wie sie selbst sagt.

Jedes Foto hat in meinem Kopf eine Geschichte, und es liegt am Zuschauer, diese Geschichte zu finden. Fotografie ist auch ein Hilfsmittel, um meine wahre Persönlichkeit sichtbar zu machen, denn in der Türkei ist die freie Meinung schwer auszusprechen. Durch die Fotografie fühle ich mich frei und wohl.

Ihre Fotos fallen auf, eben weil ihr Blick so anders ist. Weil er sichtbar macht, wo wir nicht genauer hinschauen, weil wir entdecken, und weil sie uns ein Schmunzeln abringen oder nachdenklich stimmen. Ihre Fotos geben den Blick auf Details frei und verschleiern doch das, was wir nur vermuten.

Im Mittelpunkt ihrer Arbeiten steht vor allem der weibliche Körper, den sie mit ihrem ganz speziellen Blick fokussiert und darstellt. Eylül Aslan ist auf dem besten Wege, sich einen ganz eigenen Stil zu schaffen und dem weiblichen Subjekt eine neue Form zu schaffen.

© Eylul Aslan

Zwei Frauen, eine blond, die andere mit schwarzen Haaren, berühren sich.

Frau ohne Kopf und ein Spiegel mit einer hübschen Wand.

Eine Frau mit einem Spiegel und einer halben Frau darin.Zwei Frauen und ein Spiegel.

Eine Frau hinter einem Vorhang, hinter einem Vorhang.

Eine Frau und ihr Nagellack, sowie ein bisschen Glitzer.Eine nackte Frau und bunte Bonbons.

Oh mein Gott, seht ihr das auch? Ein Typ und eine Frau, sowie ein gelber Rock.

Eine liegende Frau mit blonden Haaren und einem Blütenblatt auf dem Auge.Eine Frau liegt auf dem Boden mit einem Tuplenstrauß.

Eine Wand, ein Spiegel und eine recht helle Frau.

Das Portrait einer Frau mit geschlossenen Augen.Eine Frau im Fensterglas mit geöffneten Augen.

Zwei Menschen strecken die Hände aus.

Eylül Aslan ist seit 2012 Wahlberlinerin und möchte zukünftig ihr Wissen und Sehverständnis mit Hilfe der Ostkreuzschule weiter ausbauen.

Man sollten sich diesen Namen unbedingt merken und ihren Arbeiten auf flickr folgen oder aber – für die Liebhaber des Haptischen – ihr Erstlingswerk „Trauerweide“, erschienen 2013, für 40 € erwerben.


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5. Juli 2014

06 Jul

Ein Beitrag von: Marcel Pommer

© Marcel Pommer


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4. Juli 2014

05 Jul

Ein Beitrag von: BastianK80

© BastianK80


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Architekturdialoge

05 Jul

Ein Beitrag von: Sebastian Weiss

Vor der ersten Begegnung mit einem von mir ausgewählten Gebäude bin ich meist etwas angespannt. Selbst dann, wenn das „Treffen“ zunächst nur dazu dient, erste fotografische Notizen für ein späteres Shooting anzufertigen.

Wie wird es sich anfühlen, wenn das Bauwerk und ich uns gegenüber stehen? Finden wir ins Gespräch miteinander? Welche Geheimnisse wird das Gebäude mir preisgeben? Entspricht es meinen Hoffnungen, Erwartungen, Wünschen oder wird die Episode eine völlige Enttäuschung?

Dachdetail eines Hochhauses

Es gab in der Vergangenheit durchaus Situationen, in denen ich vor Ort feststellen musste, dass ein Motiv wider Erwarten überhaupt nicht für meine Zwecke geeignet war. Aber in der Regel finden wir in einen Dialog miteinander, manchmal dauert der Annäherungsprozess länger, manchmal geht es zügig und unkompliziert.

Dieses Zwiegespräch ist wichtig für meine Arbeit und deshalb bin ich stets allein unterwegs, um mich in Ruhe mit dem Gebäude beschäftigen zu können.

Aquatic Center in Bremen

Der erste Impuls für meine heutige Arbeit war vermutlich mein Bauingenieurstudium während der 90er Jahre in Dresden und der Austausch mit Architekturstudenten bei ihren häufigen Besuchen in unserer damaligen WG.

Im Verlauf des Studiums habe ich für mich festgestellt, dass mich die Ästhetik von Bauwerken und konstruktiven Details weitaus mehr fesselte als die Berechnung von Tragwerkskonstruktionen.

Tempodrom Berlin

Während dieser Zeit habe ich bereits fotografische Ausflüge unternommen, mit vielen Motiven, Materialien und Medien experimentiert, die Filme teilweise noch selbst entwickelt und mich bemüht, meiner Faszination für Architektur in Bildern Ausdruck zu verleihen.

Als ich Anfang der 2000er nach Berlin ging, um mich an der Universität der Künste mit Design und Technologie zu beschäftigen, war Berlin eine Riesenbaustelle.

Weit auskragendes Gebäudeteil

Überall in der Stadt entstanden neue Gebäude, nicht immer schön, aber zumindest ambitioniert. Dieses extrem heterogene Umfeld mit Bauwerken aus der Ost- und West-Ära sowie verschiedensten Kulturepochen war perfekt dazu geeignet, meinem Faible zu frönen und an meinem Stil zu arbeiten.

Den endgültigen Kick erhielt ich im Jahr 2010. Seinerzeit war ich als leitender Kreativer in einem Startup-Unternehmen in der Mobilfunkbranche tätig und habe ständig neue Apps, Services und Dienste ausprobiert.

M-förmige Pavillonkostruktion aus Beton

So stieß ich im November 2010 auf die App Instagram und war sofort von dieser Anwendung begeistert, die seitdem der primäre Publikationskanal für meine Fotografie ist.

Mich fasziniert das 1:1-Verhältnis zwischen Fotograf und Betrachter, das diese Plattform begünstigt und mitunter sehr persönliche Beziehungen zu Stande kommen lässt.

edelstahlverkleidete Gebäudeteile

Auch die Existenz vollkommen unterschiedlicher Bildsprachen auf den Kontinenten ist mir erst durch die Smartphone-Fotografie in aller Deutlichkeit vor Augen geführt worden.

Die Bildästhetik vieler Nutzer aus Asien, Südamerika und etwa Nordeuropa könnte verschiedener kaum sein.

Detail einer auskragenden Dachkonstruktion

Jetzt höre ich bereits die ersten Kritiken an der Anwendung aufkochen: „Instagram? Das ist doch keine ernst zu nehmende Fotografie! Alles nur einfallslose, technisch schlecht umgesetzte Schnellschüsse, die in inflationärer Weise das Netz vermüllen.“

In Teilen mag diese Kritik auch absolut berechtigt sein. Die Diskussion, ob Fotografie mit mobilen Endgeräten eine Gefahr für die klassische Fotografie darstellt, ob die millionenfach mittels Smartphones ins Netz geblasenen Fotos die herkömmliche Fotografie entwerten, wurde sowohl hier als auch auf zahllosen anderen Plattformen diskutiert.

Blick nach oben an einer Fassade mit auskragenden Ebenen

Martin hat hier bereits im Jahr 2010 seinen Standpunkt dazu geäußert, dem ich mich nur allzu gern anschließe. Meiner Meinung nach stellt Fotografie mit Smartphones eine zeitgenössische Form der Fotografie dar. Nicht die Qualität des Werkzeugs, sondern die Bildidee ist entscheidend für ein in Erinnerung bleibendes Foto.

Trotzdem hängt der mobilen Fotografie noch immer der Nimbus des Amateurhaften an, was angesichts der vielen fantastischen Fotografen auf Instagram, EyeEm und Co. unberechtigt ist und sich hoffentlich in absehbarer Zeit ändern wird.

Balkon an einer vertikal mit Holz verkleideter Fassade

Ich finde, die Nordamerikaner sind in ihrer Sicht auf diese neue Form der Fotografie – wen wundert es – bereits wesentlich weiter. Meinen Arbeiten auf Instagram folgen gegenwärtig 106.000 Menschen, eine Zahl, die ich zu meinem Start Ende 2010 nicht ansatzweise in Betracht gezogen habe.

Sicher, es gibt Accounts mit noch deutlich größerer Anhängerschaft, jedoch mit anderen Themenschwerpunkten. Mode, Menschen und Landschaft sind da erheblich kompatibler als Architekturfotografie.

die geschwungene Form eines modernen Hochhauses

Umso erstaunter bin ich jeden Tag aufs Neue über die Resonanz auf meine Fotografie und dankbar für das konstruktive Feedback aus allen Teilen der Welt.

Vielleicht liegt ein Teil des Erfolgs in einer guten Dramaturgie der Bildfolge innerhalb des Feeds, einer konsistenten Bildsprache und Dauerhaftigkeit innerhalb dieser schnelldrehenden Fotocommunity begründet.

Detail einer auskragenden Dachkonstruktion

Jedes Gebäude hat einen bestimmten Verwendungszweck und besitzt funktionsgebundene architektonische Charakteristika, die oftmals prägend für sein Erscheinungsbild sind.

Der klassische Architekturfotograf ist häufig angehalten, diese Vorzüge und Qualitäten für den Bauträger in seinen Fotografien zu dokumentieren.

Fassadenansicht mit einer amorphen Fensteröffnung

In meiner „Le Blanc“-Serie bin ich dankenswerterweise vollkommen frei von diesen Anforderungen und kann meiner Begeisterung für urbane Ästhetik weiter ungebunden nachgehen. Ich liebe es, die architektonische Sprache eines Bauwerks zu entschlüsseln.

Mich reizt es, die feinen Details herauszuarbeiten und in den Vordergrund zu rücken – eben jene Geheimnisse, die im Gesamtkontext eines Bauwerks oftmals unberücksichtigt bleiben oder übersehen werden.

Blick hinauf an einer Fassade mit runden Öffnungen und Glasbrüstungen

Dabei versuche ich stets, einen zu hohen Abstraktionsgrad zu vermeiden und dem Betrachter innerhalb des Bildes Größenverhältnisse an die Hand zu geben, die ihm eine Einordnung des Motivs ermöglichen.

Es freut mich natürlich ganz besonders, dass ich auf Grund meiner Arbeiten auf Instagram seit September 2013 als Fotokolumnist für das Magazin AD Architectural Digest Deutschland aus dem Verlag Condé Nast tätig sein darf.

ein rostbrauner Solitär mit runder Form

Da ich weder Architektur noch Fotografie studiert habe, bin ich für diese Anerkennung meiner Arbeit umso dankbarer. Die Redaktion der AD lässt mir im Übrigen vollkommen freie Hand hat und hat also auf meine Arbeit keinerlei Einfluss.

Vor einem Jahr schickte ich der Redaktion meine Idee einer mobilen Fotokolumne und sie waren vom Stand weg begeistert. Leben kann ich natürlich bis dato weder von der Kolumne, noch von meiner Fotografie. Aber ich bin zuversichtlich und kann mir gut vorstellen, dass die Architekturfotografie künftig noch mehr Raum in meinem Leben einnehmen wird.


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5. Juli 2014

05 Jul

Ein Beitrag von: BastianK80

© BastianK80


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Fantastische Bände zur Straßenfotografie, Teil 4

04 Jul

Nachdem die letzte Ausgabe dieser Serie ein komplettes Jahr her ist, wird es dringend Zeit für einen Folgeartikel. Bildbände sind nach wie vor mein persönlicher „Schatzzzz“ und vier von denen stelle ich heute vor. Dabei werden ich auf das Blabla (und die Vorgeschichte des Fotografen) verzichten und mich nur auf die Bände konzentrieren.

Michael Wolf: Tokyo Compression*
112 Seiten | 25,2 x 21 x 2 cm | Vergriffen; derzeit gebraucht ab 32 €

Menschen, die ihre Gesichter an eine beschlagene Scheibe drücken.

So wie es da liegt, macht der Band „Tokyo Compression“ einen stabilen und kompakten Eindruck. Ich nehme es gern in die Hand und ertaste das aufgeprägte Titelfoto. Der inhaltliche Beginn von „Tokyo Compression“ ist schlicht und kommt schnell zur Sache. Kein nervendes Vorwort und auch kein Inhaltsverzeichnis. Der Titel reicht, basta.

Die Seiten selbst sind schwer und dick genug, um nicht billig wie eine Aldi-Einwurf-Werbung daherzukommen und stets beidseitig und formatfüllend mit ein bisschen Platz zum Seitenrand bedruckt. So machen mir Fotobände Spaß.

Kommen wir zur Hauptsache: Die Fotos. Michael Wolf hat in Tokyo Menschen fotografiert, die in der U-Bahn aneinandergequetscht und schwitzend von A nach B transportiert werden. Mit dem Teleobjektiv ist er stets nah dran und die and die Scheibe gedrückten, müden Gesichter füllen oft das gesamte Bild aus.

Menschen, die ihre Gesichter an eine beschlagene Scheibe drücken.

Hände werden an die Scheiben gedrückt und die zugefallenen Augen der Fahrgäste erinnern mich an meditierende, wartende Menschen, die nur einem Gedanken folgend im Moment verharren: „Ich. Will. Hier. Raus.“

Das Kondenswasser an den Scheiben ist die natürliche Folge der vielen Menschen in einem geschlossenen Raum. Kombiniert mit der Kompression Wolfscher Perspektive abstrahieren die nassen Scheiben oft auch das, was dahinter zu sehen ist.

Die Bilder wirken echt, natürlich und glaubwürdig. Ob und wie Michael Wolf die Bilder im Nachhinein justiert hat, weiß ich nicht, jedoch gibt es keinen störenden Hinweis auf eine übertriebe Tätigkeit desgleichen.

All das erzeugt eine Nähe zu den Leuten, die ebenfalls bedrückend ist und auf die man sich einlassen muss. Michael Wolf hat genau gewusst, was er wollte und das passende Werkzeug benutzt, um seine Idee zu verwirklichen.

Auch, wenn es sich in diesem Buch nicht um konventionelle Straßenfotografie handelt, ist es dennoch ein Konzept-Buch, das in sich schlüssig ist und die Grenzen des Genres wieder einmal neu definiert – anders gesagt: Nach außen öffnet.

 

Bruce Davidson: Subway *
135 Seiten |  29,4 x 30 x 1,8 cm | 45 €

Menschen in der U-Bahn von New York City

Bleiben wir in der U-Bahn, doch wir wandern in die 80er und nach New York City. Bruce Davidson, Magnum-Fotograf, schuf hier eines seiner wichtigsten Bücher: „Subway“.

Ich weiß noch genau, wie es mir erging, als ich dieses Buch öffnete. Ich zeigte es stolze meinen Bürokollegen, raufte mir die Haare und sagte ständig: „Oh fuck. Nein, nein, wie geil ist das denn? Fuck! FUCK!!!“

Derart emotionale Ausbrüche gibt es bei mir nur dann, wenn mich ein Buch so richtig vom Hocker reißt. Bei „Subway“ hält die Begeisterung bis zum heutigen Tage an und ich frage mich immer noch, wie krass Bruce Davidson eigentlich ist.

Bleiben wir beim Buch. Es ist ein Hardcover, mit Schutzeinband aus Papier. Es ist groß, aber nicht schwer. Definitiv nichts, was ich einen fetten Schinken nennen würde, aber auch nicht zu klein für einen Fotoband im quadratischen Format.

Das erste Vorwort überspringe ich, doch dann folgen sieben Seiten Text von Davidson selbst, an denen ich nicht vorbeikomme. Ich bin zu neugierig. Der Fotograf beschreibt darin, wie er hart dafür trainierte, in den Subways zu fotografieren, da er einiges an Kraft brauchte, um sein Equipment mehrere Stunden mit sich herumzutragen.

Menschen in der U-Bahn von New York City

Wie er zunächst Angst hatte, ausgeraubt zu werden, sich dann aber als Polizei-Detektiv ausgab, Menschen vor dem Fotografieren ansprach – oder gar nichts sagte. Wie er seinen Magenta-Filter in die Gleise rollen sah und irgendwann tatsächlich ausgeraubt wurde. Geschichten, die ich beim Durchblättern im Kopf habe und versuche, die erwähnten Menschen darin zu finden.

Die Bilder selbst stellen mich immer wieder vor ein neues Rätsel. Selbst, wenn Davidson eine Vielzahl der Fahrgäste vor dem Fotografieren fragte, sehen einige Bilder nicht danach aus. Dazu kommt eine Ästethik, die ich bis heute nur sehr, sehr selten zu sehen bekomme.

Der Fotograf blitzte nämlich nicht an die Decke, sondern richtete das Licht direkt auf die Menschen und das erinnert bezüglich der Farbästhetik an Tiefseeaufnahmen von Fischen. Da Davidson selten Anzugträger, sonder eher die untere Schicht der Gesellschaft fotografiert, bekommt die Gesamtwirkung der Bilder jedoch eine sehr raue und direkte Art.

Die Fotos zeigen zudem die New Yorker U-Bahn in einem sehr schlechten Zustand. Zugetaggte Scheiben und Wände, zersplittertes Glas und mitten drin Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Manch abstrakte Aufnahme erinnert leicht an einen Saul Leiter und hätte sich Davidson nicht gegen schwarzweiß entschieden, wäre der der Vergleich mit Bruce Gilden nicht zu verhindern. Doch so ist „Subway“ ein Unikat, das für mich zu den wichtigsten in meiner Sammlung gehört. Defintiv ein Buch, das ich mit auf die obligatorische Insel nehmen würde.

 

August Sander: (Aperture Masters Of Photography)*
94 Seiten | 21,2 x 20,6 x 1,6 cm | 5,95 €

Ein Konditormeister mit großer Schüssel von vorne fotografiert.

Bei August Sander läuft es mir manchmal kalt den Rücken herunter, wenn ich etwas über ihn schreiben soll. Warum? Weil ich verdammt großen Respek vor ihm und seiner Leistung habe und mir recht unscheinbar dabei vorkomme, irgend etwas Bedeutungsvolles zu äußern.

Doch auch Herr Sander hat nur mit Wasser gekocht und schließlich stelle ich hier Bände vor, die ich essentiell für die Straßenfotografie finde. Ja, manchmal muss man sich selbst erklären, warum das, was man macht, eine Berechtigung hat.

Den vorliegenden Band habe ich im Winter des letzten Jahres gekauft, als mir klar wurde, dass ich so rein gar nichts von und über den Chronisten Sander habe. Bei einem Preis von knapp 5 € für dieses Werk wurde nicht lange nachgedacht, sondern zugeschlagen.

Der Fotoband ist mit seinen knappen 20 cm Breite kein Brecher, aber das soll er auch nicht sein. Im Schutzeinband (ich hasse diese Erfindung, denn meist ist das, was drunter ist, wesentlich besser gestaltet, wenn auch unscheinbarer) mit den abgebildeten Werkstudenten wirkt das Buch ehrlich gesagt etwas billig, doch der Blick ins Buch lässt vom Gegenteil überzeugen.

Ein katholischer Geistlicher.

Meine Ausgabe ist aus dem Jahre 1997 und die Zeit hat ihr schon einiges angetan, denn die Seiten sind zum Rande hin vergilbt. Witzigerweise passt das sogar zum umfangreichen Werk des Fotografen, das in den 00er bis in die 30er Jahren des 20. Jahrhunderts erstellt wurde.

Da ich ein Faible für Zeitgeschichte, insbesondere des vergangenen Jahrhunderts habe, sind die Portraits des Fotografen für mich von beachtlichem Wert. Diese bilden einen Querschnitt durch die Arbeit eines Menschen, der jede Gesellschaftsschicht fotografiert hat (und dessen Bilder später von Nazis verboten wurden).

So finden sich Berufe, die sich damals in der deutschen Gesellschaft durchgesetzt hatten, in ikonischen Portraits und durch ihre Einzigartigkeit erreichen sie stellvertretenden Charakter für den benannten Professions-Strang. Vom Konditormeister über Bauern bis hin zum Schriftsteller ist alles dabei.

Nun stellen sich manche Hardliner sicher die Frage, was August Sander im Rahmen der Straßenfotografie überhaupt zu suchen hat. Die Frage ist berechtigt, lässt sich jedoch problemlos klären: Originale, Originale, Originale.

Durch den Querschnitt des Lebenswerks Sanders erreicht der Band eine sehr hohe fotografische Dichte, die sich – aus heutiger Sicht – in der Selektion einzigartiger Portraits niederschlägt. Menschen mit originell anmutendem Äußerden zu sehen und zu dokumentieren, ist eine Kunst, die der Straßenfotografie ihren Atem verleiht und eine der Haupttugenden eines Fotografen im Genre ist.

Ich empfehle jedem, der unter einem schmalen Geldbeutel leidet, aber von den präsentierten Bildern angetan ist, des Buches habhaft zu werden.

 

Eamonn Doyle: i*
74 Seiten | 34 x 24,5 cm | Vergriffen, derzeit Angebote ab 129 €

Eine Person, zwei Mal aus unterschiedlichen Perspektiven fotografiert.

Das letzte Buch, das ich hier vorstelle, kann man nur noch in Glücksfällen irgendwo erstehen. Dennoch stelle ich es vor, weil die Geschichte dahinter zu cool und der Band kurz gesagt der Hammer ist. Geschichte?

Am 1. April schrieb Martin Parr einen Kommentar ins Internet, und zwar in der Flickr-Gruppe HCSP. Allein diese Tatsache ist schon außergewöhnlich, doch wie betitelt Parr seinen Kommentar? So: „The best new street photo book, I have seen for a decade.“

Nun, der Herr Parr ist nicht irgendjemand und erst recht nicht in der Szene der Straßenfotografie. Wenn er sagt, ein Buch sei gut, dann ist das definitiv ein Tipp, den man sich zu Herzen nehmen sollte.

Das wissen wir spätestens seit der Buchreihe The Photobook, A History*, die mittlerweile in der dritten Ausgabe vorliegt und den Buchmarkt regelmäßig auf den Kopf stellt.

Ohne lange nachzudenken, bestellte ich das Buch. Ich wusste, dass es jetzt schnell gehen musste, da der Band auf 750 Stück limitiert war. Als ich ein paar Tage später das Buch in den Händen hielt, war ich… ja, was war ich denn? Überrascht, irritiert und begeistert zugleich.

Überrascht deshalb, weil das Buch ohne ein einziges Wort auf den Seiten daherkam. Der Titel, Metainformationen auf der letzten Seite und die Signatur von Eamonn Doyle sind alles, was es zu lesen gibt.

Irritiert, weil ich viel erwartet hatte, aber nicht ein solch in sich schlüssiges, durchdachtes Buch, das fotografisch auf allerhöchstem Niveau spielt.

Ein älterer Herr, der sich eine Zigarette anzündet

Und begeistert deshalb, weil ich mit jedem weiteren Betrachten der Bilder langsam zu verstehen begann, was Martin Parr gemeint hatte, als er vom besten neuen Fotobuch gesprochen hatte.

Ich möchte auch ausführen, warum: Die Straßenfotografie ist – im Kontext aller Genres – ein chaotisches Intermezzo. Sie lebt davon, komplexe Situationen einzufangen und ist meist an die Stadt als Lokalität gebunden. Kurz gesagt: Es ist immer viel los.

Nun kommt „i“ ganz anders daher. Eine einzige Person pro Bild wird gezeigt, ohne viel drumrum und sogar der Schnitt des Fotografen ist fast durchgängig gleich. Das ist noch nicht alles, denn es sind immer alte Menschen, die Eamonn Doyle auf der Straße und durchgehend aus dem gleichen Abstand zur Person fotografiert.

All das ergibt beim Betrachten ein Gefühl der Ruhe und Ordnung, ohne langweilig zu werden. Nein, es ist ein Konzept, das mir zu denken gibt. Denn Doyle schafft es, innerhalb sehr enger Grenzen eine Serie vorzulegen, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat.

Er widerlegt auf seine Art und Weise, dass es eben doch möglich ist, etwas Neues zu erschaffen. Und dazu noch, dass es nicht unmöglich ist, im Eigenverlag ein Buch zu publizieren, ganz ohne Riesenverlag, ohne fette PR. Wobei er natürlich die fetteste PR hatte, die man als Straßenfotograf haben kann: Eine Empfehlung von Martin Parr im Internet.

 

Abschließend fällt mir gerade auf, dass ich folgende Frage noch nie gestellt habe: Welche Bücher und Bildbänder im Bereich der Straßenfotografie sind für Euch unverzichtbar? Erzählt doch mal.

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhält kwerfeldein eine kleine Provision, Ihr zahlt aber keinen Cent mehr.


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3. Juli 2014

04 Jul

Ein Beitrag von: Sebastian Grote

Pavillons in filigraner Betonschalenbauweise an einem künstlichen Teich in Valencia.


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Ineinander verschachtelt

03 Jul

Das nicht Greifbare, das nicht Offensichtliche, das Dahinterstehende, all das vereint eine in St. Petersburg lebende Fotografin. Sie schafft es, mit ihren durchweg komplexen Aufnahmen eine Irritation in den ersten Sekunden des Betrachtens zu erzeugen, die dazu zwingt, sich länger als geplant mit einem Bild zu beschäftigen. Herzlich Willkommen in der Welt von Polina Washington.

Was passiert, wenn sich zwei Menschen treffen? Niemand weiß es, nichts kann vorherbestimmt werden. Es wird etwas Neues sein. Und was passiert, wenn Polina Washington zwei Bilder mittels einer Doppelbelichtung übereinander legt? Genau, ebenfalls etwas Neues. Doch die Bilder liegen nicht nur übereinander, als ob sie immer noch voneinander getrennt werden.

Nein, sie verschachteln sich, liegen ineinander, miteinander, vereinen sich und sind im Nachhinein nur schwer in Einzelteile zu zerlegen. Diese Symbiose bildet nicht ab, was man sieht. Denn mittels analogem Handwerk und verträumt anmutenden Arrangements ist Polina Washington an einem Prozess teilhabend, der tiefer geht, als das, was sowieso schon da ist. Natur dient dabei als Manege, Wald als Bühne für Aufführungen schön-verrückter Provokationen all dessen, was unser Auge gewohnt ist.

Doppelbeluichtung mit einer Person, deren Hände zu erkennen sind, auf dem zweiten Bild ein See im Wald.

Doppelbelichtung mit einer Frau im Schleier und Wald.

Doppelbelichtung mit einer Person, die vor einer Licht- oder Feuerquelle steht.

Doppelbelichtung, eine Person und ein Hund im Schnee sind zu sehen.

Doppelbelichtung: Eine Person mit Schwert in der Hand steht am Wasser.

Doppelbelichtung in Farbe, auf der ein Turm und Bäume zu erkennen sind.

Doppelbelichtung, eine Frau und eine Person mit Tiermaske sind zu sehen.

Doppelbelichtung: Eine Hand hält ein Tuch im Vordergrund, ein Mann schaut in den Wald im Hintergrund.

Bunte Doppelbelichtung mit viel Glitzer und Wald.

Frau im Wald, die ihre Arme ausstreckt.

So beschreibt auch sie, die Autorin ihrer Geschichten, das große Ziel:

Zwei oder mehrere Bilder miteinander in eines zu verbinden, gibt mir die Möglichkeit, mich von der Realität zu entfernen. Und das ist es, was ich in meinen Bildern kreieren will: Unreale und imaginäre Welten.

Das schafft sie ganz gewiss. Mich persönlich hat sie angesteckt, denn ich mag es, wenn Fotografie einen zweiten Blick erfordert. Wenn sie nicht unterhält, sondern mitnimmt und mich als Betrachter dazu bestimmt, mir ganz bewusst Zeit zu nehmen und mich in ihre Aufnahmen zu vertiefen.


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Yeehaw! It’s a Firework Photography Roundup

03 Jul

History Fact: Shortly after signing the Declaration of Independence Benjamin Franklin invented fireproof pants. He knew … Freedom = Fireworks.

Before tomorrow night’s celebrations of freedom sparkle across the sky, brush up on your firework photo taking skills.

Study 11 Tips for Photoing Fireworks

Learn to Light-Paint with Sparklers

Or, if you dislike following rules as much as you dislike tea taxes, exercise creative freedom with these twists on firework photography.

  • Shoot a video completely out of focus. Stanislas Giroux did, and it’s so dreamy.
  • Make your firework photos look like sea creature pix with a simple focusing trick á la David Johnson.
  • Or, simply film your fireworks then reverse the video like Julian Tay.

Now, grab your camera, go out, and make ol’ Ben proud.


© laurel for Photojojo, 2014. |
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