Ein Beitrag von: Valentine Winter

kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity
Ein Beitrag von: Sonja Jordan
Die Natur- und Landschaftsfotografie gehört definitiv zu meinem großen Steckenpferd. Hierbei kann ich viel Zeit draußen verbringen und die Natur mit allen Sinnen genießen.
Eines meiner Lieblingsmotive dabei sind Klammen und Schluchten und genau von denen haben wir in Österreich mehr als genug! Ich mag es, geheimnisvolle Schluchten und Höhlen, durch die das Wasser rauscht, zu erkunden. In einer Klamm fühle ich mich wohl, kann stundenlang darin verbringen und immer wieder neue Motive finden.

Die Motivvielfalt, die eine Klamm hergibt, ist unendlich groß! Staunend betrachte ich immer wieder die Felswände rund um mich, deren Farben sich in den unterschiedlichsten Tönen wechseln und die vielen Auswaschungen und Gumpen unter mir, die das Wasser über Jahrhunderte hinweg geschaffen hat.
Es macht mir Spaß, auf Holztreppen direkt über den Bächen zwischen den Felsen die Klamm entlangzuwandern, immer wieder stehen zu bleiben und mir neue Motive zu suchen. Dabei gehe ich immer gleich vor: Zuerst versuche ich, das Offensichtliche auf den Speicherchip zu bannen und mache Übersichtsaufnahmen fotogener Klammenabschnitte.

Später wechsle ich dann auf ein Teleobjektiv und erst dann beginnt es, für mich so richtig spannend zu werden.
Denn wer genauer hinsieht und sich Zeit lässt, wird immer wieder Neues entdecken. Mit dem Teleobjektiv lassen sich bestimmte Details wie Gesteinsstrukturen und –formationen, die vom Wasser umspült werden, besonders gut herausarbeiten.
Kleine Wasserfälle und Bachläufe, gischtendes Wasser und dunkle, geheimnisvolle Ecken – die Möglichkeiten sind schier unendlich.

Aber nicht nur von der Wasserkraft geschaffene Strukturen an Wänden und Gesteinen lassen sich immer wieder finden, sondern auch das oftmals kristallklare Wasser selbst, das je nach Lichteinfall in allen möglichen Farben glitzert, bietet viele fotografische Spielereien, von dynamischen Wasserszenen bis hin zu Langzeitbelichtungen, die das Wasser schön weich und ruhig erscheinen lassen.
Nicht immer klappen meine Fototouren so wie ich es mir vorstelle. Ein großer Besucherandrang macht ein vernünftiges Fotografieren in Klammen und Schluchten, auf denen man auf Stegen und Leitern wandert, so gut wie unmöglich.
Die Stege vibrieren bei jedem Schritt und kaum hat man das Stativ wieder aufgebaut und die Kamera eingerichtet, drängt sich schon der nächste Wanderer an einem vorbei. Da ist der Spaß bei mir meistens recht schnell zu Ende.

Klammenbesuche an Wochenenden versuche ich daher zu vermeiden, unter der Woche ist man hingegen oftmals völlig allein in einer Klamm und kann sie ganz für sich allein genießen! Aber auch das Wetter, nämlich starker direkter Sonnenschein um die Mittagszeit, ist in einer Klamm sehr ungünstig. Der starke Dynamikumfang ist für jede Kamera schwierig und man kommt um Belichtungsreihen oder HDR-Aufnahmen nicht herum.
Da diese technische Spielerei nicht unbedingt zu meinen Stärken zählt, warte ich an solchen Tagen, bis die Sonne nicht mehr direkt in die Klamm scheint oder noch viel besser: Ich gehe überhaupt erst in eine Klamm, wenn der Himmel bewölkt ist.

Dann habe ich schönes gleichmäßiges Licht und keine zu harten Kontraste, die mir das Fotografenleben unnötig erschweren. Die technisch wichtigsten Hilfsmittel für mich sind bei dieser Art von Fotografie ein Polfilter, ein Kabelauslöser und natürlich ein stabiles Stativ.
Der Polfilter hilft mir, störende Reflexionen zu entfernen und mit dem Kabelauslöser und einem stabilen Stativ kann ich Langzeitbelichtungen problemlos realisieren.
kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity
Extra photos for bloggers: 1, 2, 3 |
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Remember cookbooks?
Those dusty tomes that somehow accumulate on your kitchen shelves but you hardly ever crack open?
It’s time to give the ol’ recipe book a 21st century twist.
Just mix one part millennial obsession with technology, a dash of old-fashioned printing, mix in your photo expertise and pair it with some quality cocktails to get the coolest recipe book, ever.
How to Make a Photo Recipe Book
(…)
Read the rest of DIY Photo Recipe Book (379 words)
© Lauren for Photojojo, 2014. |
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Heute stelle ich vor, mit welchem Equipment ich meine fotografische Arbeit erledige. Wie jeder Schreiner genau weiß, welches Werkzeug er braucht, um einen Schreibtisch zu fertigen, habe ich mein Arbeitsgerät, das ich auf der Straße und im Alltag einsetze.
Ich bin immer wieder dankbar, wenn Fotografen verraten, womit sie fotografieren. Nein, nicht diejenigen, die sagen, dass man jetzt die oder die Kamera braucht. Ich meine Künstler, die ich um ihren kreativen Output beneide; Menschen, die eine fotografische Vorbildfunktion für mich haben.
Und um das ewige „Die Technik ist egal“-Paradigma ein wenig bluten zu lassen: Ohne Kamera geht’s halt auch nicht. Mit einer Lochkamera kann ich fotografieren, klar. Die Frage ist nur, ob ich damit das erreichen kann, was ich will und ob sie zu meiner Arbeitsweise passt.
Und das ist für mich auch das Wichtigste: Wie erreiche ich das, was ich will? Allein dieser Maxime dient die Technik. Deshalb möchte ich gleich voran stellen, dass ich mich mit der Straßenfotografie identifiziere, dieses Genre zu bedienen versuche, jedoch auch meine Zeit mit Freunden und Familie kontinuierlich dokumentiere.
Nachdem die „erste“ 2005 ausgedient hatte, war mir nach einer richtigen Kamera. Ja ja, richtig, ich weiß. Jedoch sahen diese schwarzen, klobigen Dinger vielversprechend aus.
So ging ich mit Canon EOS 350D auf Landschaften los und bald darauf folgte die EOS 30D, die irgendwann nicht mehr richtig auslösen wollte und so kaufte ich die Canon EOS 5D Mark II*. Mittleweile fotografierte ich auch Hochzeiten und wollte Paare sowie Ameisendisko in der schwach beleuchteten Kirche festhalten.
Bezogen auf Objektive war ich noch nie ein Telemensch. Landschaften fotografierte ich am liebsten mit einem Superweitwinkel* und Hochzeiten mit der 50 mm f/1.4er Festbrennweite*.

Nachdem ich meinen Wechsel zur Straßenfotografie vollzogen und mich von Landschaft- und Hochzeitsfotografie langsam verabschiedet hatte, fotografierte ich ein Jahr lang nur mit dem iPhone auf der Straße.
Danach hatte ich Lust auf eine typische Straßenkamera und fing an, mich mit der Fuji X100s* anzufreunden. Sie ist superleicht, hochwertig produziert und so leise, dass ich phasenweise einen elektrischen Ton einstellte, um den Klick mitzubekommen.
Da ich gern im Hintergrund arbeite, war die Fuji also perfekt. Die Bildqualität des Sensors ist so gut, dass sie mir – auch abends – keine Wünsche offen ließ.
Zusätzlich probierte ich mich an diversen Blitzsystemen aus, da der Wunsch nach mehr BÄMM immer größer wurde. Also kaufte ich mir den dazugehörigen Blitz*, ein Blitzkabel (TTL brauchte und wollte ich nicht) und blitzte mal entfesstelt, mal nicht.
Später schloss ich auch meine stärkeren Canon Speedlites an, dennoch benötigte ich – durch meine kurze Distanz zu den Leuten – auf der Straße gar nicht so viel Blitzkraft, sondern eher einen breiten Streuradius. Zwischenzeitlich fotografierte ich mit den Yungnuos* auch mit zwei Blitzen, was mir nach zwei Wochen irgendwann auf den Zeiger ging, aber dennoch eine sehr gute Option für selbstgestaltetes Licht auf der Straße war.

Anfang Juni fragte Katja im Redaktions-Chat: „Kennt Ihr jemanden, der ’ne Canon AE-1* mit 3 Objektiven sucht und mir abkaufen würde?“
Ich bejahte das und wurde um ein paar Euronen leichter. Der Gedanke gefiel mir und so lief ich erst einmal zum DM und kaufte mir den billigsten Film, den ich finden konnte. Kollegin Wessely hatte mir dies empfohlen.
Nachdem ich zwei Filme geschrottet hatte (ja, verdammt), knipste ich erst einmal drauflos und entdeckte somit die Fotografie von einer ganz anderen Seite. Ich würde nicht sagen, dass ich nie wieder digital fotografiere, aber aktuell bin ich voll im Fieber. Das Umsteigen war leichter als gedacht und ich komme auf der Straße bisweilen sehr gut klar.
Da die meisten Analogkameras sehr günstig sind, habe ich meine Ausrüstung um eine sehr schicke, schwarze Canon A-1 und das FD 28 mm ƒ/2.8* erweitert, da ich mich mit Brennweiten unter 35 mm am wohlsten fühle. Insbesondere auf der Straße mag ich es, nah ran zu gehen und diese Nähe zur Person wird auch auf den Bildern deutlich.
Desweiteren schaute ich mich etwas um, welche Kamera unter Straßenkollegen gern benutzt wird und stolperte über die Olypmus XA*, die ob ihrer Größe sehr, sehr unscheinbar aussieht und eine präzise Bildleistung hat.
Die XA ist klein, passt in meine Hosentasche und kann (auch mit angeschlossenem Blitz) hervorragend auf der Straße mithalten. Zudem ist sie wesentlich leiser als die Spiegelreflexkameras. Was manche Leute abschreckt, finde ich toll: Ich stelle nur einmal die Filmempfindlichkeit ein und habe dann nur noch die zwei Regler Blende und Schärfe. Das war’s.
So kann ich mich voll und ganz auf’s Fotografieren konzentrieren und bin nicht ständig mit dem Drücken von Knöpfen beschäftigt. Im Sucher bekomme ich die aktive Belichtunszeit mit einer Tacho-ähnlichen Nadel angezeigt.

Meine Filme lasse ich aktuell beim DM entwickeln (Farbfilme selbst zu entwickeln, traue ich mir noch nicht zu). Das dauert zwar meist neun Tage und ich muss Abzüge bestellen, jedoch kosten die günstigsten pro Abzug 5 Cent und somit liege ich pro Film bei 2,75 €, was für mich erschwinglich ist.
Zwischenzeitlich ließ ich beim DM einen Film digitalisieren (DM schickt den Kram zu Cewe) und war von der Qualität der Scans nicht negativ überrascht. Jedoch ist die Auflösung der Scans so niedrig, dass ich nicht damit arbeiten wollte.
Nun habe ich habe das Glück, einen Flachbettscanner mit Durchlichteinheit zu besitzen, nämlich das Modell CanoScan 8800F* der Firma (wer hätte es gedacht) Canon.
Mit der beigelieferten Software kann ich relativ gut arbeiten, wobei die nicht das Gelbe vom Ei ist. Falls ich weiter auf diese Weise verfahren werde, komme ich um einen ordentlichen Negativscanner wie den Epson V700* kaum herum, wobei ich mit größeren Investitionen gern langsam mache. Schließlich ist nicht einmal sicher, ob ich für immer auf analog umsteige.
Die Auswahl der einzuscannenden Bilder läuft bei mir wie folgt: Orientiert an den 9×13-Abzügen vom DM markiere ich die zu scannenden Negative und schneide sie aus. Der Leuchttisch meines Kollegen Marc Böttler hilft mir dabei ungemein.
Sobald der Scanvorgang abgeschlossen ist, importiere ich alle Fotos in Lightroom und korrigiere Farben, Lichter und Kontraste (nein, das ist kein Mogeln).
Seit Anfang 2009 arbeite ich an einem Mac Pro*, den ich damals mit 16 GB Ram bestückt hatte. Dieser ist sehr schnell, leise und zuverlässig. Bisher war er noch nicht einmal in Reparatur.
Wie schon erwähnt, arbeite ich mit Lightroom (5)*, egal, ob die Bilder nun digital oder analog entstehen – wobei die Arbeitszeit an analogen Bildern gefühlt nur 1/10 von dem beansprucht, was ich an digitalen Bildern an Zeit investieren muss.

Ich kann dabei nicht genau erklären, warum, aber Filmfotos kommen nach dem Scan schon meist so gut heraus, dass nur noch minimale Eingriffe vonnöten sind. Ich denke, aus diesem Artikel geht gut hervor, ich welcher Phase ich mich aktuell befinde. Ich bin im Umbruch und das nicht nur bezogen auf die Mittel.
Ich denke täglich darüber nach, wie und was ich fotografieren möchte. Die Straßenfotografie bietet mir so viel Raum für unterschiedliche Ansätze, die ich jedoch nicht alle gleichzeitig verfolgen kann, ohne mich im Detail zu verlieren.
So plane ich ein paar Projektarbeiten, die mich nicht nur thematisch fordern, sondern auch meine Kenntnisse der analogen Fotografie vertiefen werden. Ich bin gespannt.
Abschließend hoffe ich, dass mein Artikel dem einen oder anderen Einblick in meine fotografische Welt bieten konnte. Solltet Ihr Fragen haben, einfach per Kommentar stellen. Ich beiße nicht.
* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhält kwerfeldein eine kleine Provision, Ihr zahlt aber keinen Cent mehr.
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Ein Beitrag von: Jennifer Ressel
Fotografie ist für mich ein Medium sinnlicher Reflexion. Ich habe mich oft gefragt, ob man eigentlich aus einem Moment, dem man beiwohnt, und den man fotografieren möchte, aussteigt oder ob man als Teil des Moments agiert und dem Moment, vermittels der Fotografie, eine Metaebene hinzufügt. Ich möchte das für mich nicht entscheiden, sondern finde es spannend, das im Vagen zu lassen.
Ich stelle mir das Fotografieren manchmal so vor wie eine Flucht von Zimmern in einem Traum. Man kommt einfach nie an. Und darum geht es auch nicht. Es ist eine Reise und ein Spiel mit den Grenzen unserer (menschlichen) Wahrnehmungsfähigkeit, der Erinnerung und der Zeit an sich.
Fotografie ist dabei mehr als nur eine Krücke für einen Gedanken, sie wird zum Gedanken selbst. Im Zentrum steht für mich seit ich denken kann die Frage nach dem „Jetzt“. Das Wort hat mich immer fasziniert. Was ist das „Jetzt“ für eine flüchtige Größe!? Warum erleben wir manche Werke (der Kunst) als „überzeitlich“, „zeitlos“? Ich habe angefangen, mir diese Fragen zu stellen, als ich noch sehr jung war. Sie haben mich über Umwege zur Fotografie gebracht und binden mich weiterhin daran.


Gruppenprojekt mit den Schauspielstudenten der Schauspielschule (Institut „Hans Otto“ an der HMT Leipzig), mit denen ich gemeinsam Bilder Francesca Woodmans nachahmte.
Ich habe bis jetzt stets dort fotografiert, wo ich gelebt und gearbeitet habe. Das war in den letzten Jahren hauptsächlich am Theater. Inzwischen mache ich regelmäßig Portraits von Schauspielern, die sie für Agenturen und ihre Theaterbewerbungen nutzen können. Obwohl dies „Aufträge“ sind und ich meinen eigenen fotografischen Anspruch in gewisser Weise dem Nutzen und Zweck der Fotos unterstellen muss, reizt mich das Medium des Portraits.
Außerdem sehe ich Schauspieler immer noch als Teil einer großen Theaterfamilie an, die auch irgendwie noch meine Familie ist. Auch mit Schauspielern, die ich vorher nicht persönlich kannte, hat man mindestens zwei, drei gemeinsame Bekannte, mit denen man schon mal zusammengearbeitet hat. Das verbindet und intensiviert die Arbeit am Portrait.
Über einen Abendkurs an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig habe ich begonnen, mich auf andere Weise dem Medium Portrait zu widmen. Ich habe eine Reihe Menschen in ihren Schlafklamotten fotografiert. Äquivalent dazu: Den Ort, an dem sie schlafen.



Am Ende habe ich die Fotos der „Schläfer“ und „Bettstätten“ in einem Buch zusammengeführt, wobei es mich nicht interessiert hat, das Portrait der Person neben das Portrait ihres Bettes zu stellen. Die Präsentation sollte sich im Gegenteil einer dokumentarischen Ansicht verwehren und in der Mischung und Zusammenstellung der einzelnen Fotografien etwas Neues kreieren. Ich betrachte das Projekt noch nicht als abgeschlossen und würde gern noch weitere Menschen und Betten fotografieren.
Zentrum meines fotografischen Interesses ist jedoch weiterhin das Theater. Ich suche im Moment nach Möglichkeiten, weiterhin Backstage fotografieren zu können, ohne selbst Teil des Arbeitsprozesses zu sein.
Das ist nicht einfach, da die Theaterwelt ein sehr geschlossener, fragiler Kosmos ist. In naher Zukunft plane ich daher, ein paar befreundete Schauspieler vor oder nach der Vorstellung zu begleiten und zu schauen, was auf diese Weise möglich ist.
Für meine Gedanken über Zeit, Jetzt und Raum sind für mich Theater und Fotografie regelrecht symbiotisch verknüpft: Denn das Theater ist der Frankenstein einer aus der Erinnerung sich selbst formenden Identität. Es erhebt den Anspruch, den Moment (das Jetzt) künstlerisch wiederholbar zu machen.


Ich habe die Fotoserie meiner Backstage-Fotos mit dem Titel „Ich habe keine Angst zu sterben“ versehen. Das hat mehrere Gründe: Zunächst wäre vielleicht anzumerken, dass „sterben“ hier nicht buchstäblich gemeint ist, ich verwende es hier als Idee, vielleicht als Metapher.
Zum einen hat ein reales Theatererlebnis den Ausschlag zum Titel gegeben: Wir haben den Roman „Der Schneesturm“ von Vladimir Sorokin für das Theater inszeniert. In dem Roman reitet ein Arzt in einer nicht näher bestimmten Zukunft durch ein verschneites Sibirien. Seine Kutsche wird von 50 sogenannten Pferdis gezogen und auf dem Weg zu einem Dorf, das er natürlich nie erreichen wird, begegnen ihm gläserne Pyramiden, Zwerge, Riesen, eine schöne Müllerin und Drogenhändler, die sich Dopaminierer nennen und ihm eine spezielle Art der rauschhaften Bewusstseinserweiterung verkaufen. Der Schneesturm ist bei allem der wegweisende bzw. irreführende Protagonist.
In unserer Inszenierung wurde der Schneesturm von einer kleinen Theatergruppe geistig behinderter Menschen dargestellt. Jeder war als Schneeflocke mit einem weißen Tutu auf dem Kopf verkleidet.
In der kurzen Szene, die sie gespielt haben, musste jede Schneeflocke einen kurzen Satz in ein Mikrofon sprechen; die ersten sagten einfach: „Mein Leben“, nur die letzte Schneeflocke sollte den Satz „Ich habe keine Angst zu sterben“ sprechen. Rührend war, dass die Statisten den ersten Teil sehr gut verstanden haben, manche haben sogar darauf bestanden, dass sie unbedingt „Mein wundervolles Leben“ sagen wollten.



Nur der Satz „Ich habe keine Angst zu sterben“ hat dem Statisten kognitive Probleme bereitet. Man hat einfach gemerkt, dass er nicht verstand, was er da sagen sollte. Das hat uns alle verblüfft und in leiser Hilflosigkeit tief berührt. Schließlich sagte er immer wieder „Ich habe keine Angst zum (sic!) Sterben.“ Das war merkwürdigerweise so melodisch und so ein intensives Theatererlebnis für mich, dass es einfach hängen geblieben ist.
Und da mein Interesse an Fotografie und Theater ohnehin aus Fragen nach der Formbarkeit von Zeit hervorgegangen ist und nur das Sterben einen Punkt hinter unsere Zeit setzt, ist es eben zum Titel für diese erste kleine Auswahl meiner Theaterfotos geworden.
Zu Beginn meines Interesses an Fotografie standen sehr frühe, naive Fragen über die Möglichkeit, Zeit anhalten zu können. Irgendwann wurden diese Gedanken mit der Frage nach der Unfassbarkeit des Jetzt erweitert. Im Nachhinein erscheint es mir logisch, dass ich beides mal machen musste: Fotografie und Theater. Im Grunde sind es philosophisch-anthropologische Fragen, die mich reizten und von denen ich denke, dass beide Medien, Theater und Fotografie, irgendwie gezwungen sind, damit umzugehen.
Im dynamischen Prozess des Erinnerns, Wiederholens, Neu-Erschaffens und Vergessens lebt der Mensch und bildet seine Identität. Das Jetzt bleibt für uns unfassbar, fluid, ich selbst erscheine mir im Jetzt möglicherweise anonym. Erst in der Erinnerung schaffen wir ein Bild unseres Selbst und können erahnen, dass wir lebendig sind. Dabei vollbringe ich den Prozess, mir mich selbst vorzustellen.


Das Theater ist ein Ort, der an diesen sensiblen Punkt unseres Daseins rührt. Die Aufgabe des Schauspielers bei jeder Theatervorstellung, wiederholt (!) Körpererinnerung, Textgedächtnis, emotionales Gedächtnis, Bildassoziationen, Träume im Hier und Jetzt zusammenfließen zu lassen, ist die künstlerische Kür, die den Schauspieler vom Alltagsmenschen und anderen Künstlern unterscheidet.
Ich habe in den Jahren seit 2003, in denen ich am Theater gearbeitet habe, zunächst als studentische Darstellerin, dann als Hospitantin, sogar mal als Souffleuse und schließlich 2010 bis 2013 als feste Regieassistentin am Centraltheater Leipzig (heute: Schauspiel Leipzig), den Entstehungsprozess von Stücken, Momente des Luftholens, die Atmosphäre des spielerischen Schöpfens mit einer Kamera begleitet.
Nie hatte ich das Bedürfnis, das „fertige Produkt“, die Szene, das Spiel der Schauspieler vor Publikum zu fotografieren. Immer waren es diese stillen Zwischenmomente am Scheitelpunkt zwischen Realität und Fiktion, die meinen fotografischen Blick angesprochen haben.
Inzwischen weiß ich, dass ich versucht habe, über die Fotografie herauszufinden, was mich eigentlich am Theater so faszinierte. Die komprimierte Lebensenergie, die ein Jetzt produziert, ein Jetzt, dem das Bewusstsein innewohnt, dass es vorübergeht.

Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, die Fotografie besser begreifen zu lernen, wenn ich versuchte, parallel der Theaterarbeit auf den Zahn zu fühlen. Die Vorstellung, mit der Fotografie Zeit anhalten zu können, hat sich dabei für mich als größtes Missverständnis über das Medium Fotografie herausgestellt.
Wohl arbeitet Fotografie mit Zeit und Raum; indem das Ergebnis eine eingefrorene Zeiteinheit visualisiert, friert es Zeit nicht ein, hält sie nicht auf, sondern weist, in dem für das menschliche Auge nur fragmentarisch wahrzunehmenden Augenblick, auf die Möglichkeiten und Grenzen unserer Wahrnehmbarkeit – oder genauer: auf den Scheitelpunkt zwischen Realität und Fiktion – hin.
Ein Punkt, der an die Grundsätze unseres Seins führt, nicht umsonst benennt der Autor Wolfram Lotz ihr Zusammentreffen als „eine heilige Kollision“.
Ich erinnere mich – mich erinnere ich. Realität und Fiktion – die Gleichzeitigkeit dieser beiden Größen liegt beiden künstlerischen Medien, dem Theater und der Fotografie, zugrunde. Beides sind Stöcke mit zwei Enden.
Nur umgekehrt.
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Ein Beitrag von: Ren Rox
Ich fing an, mit meiner ersten SLR-Kamera Fotos zu machen, um zu dokumentieren. Aber auch, weil es ein schier unermesslicher Spaß zu sein schien. Als Kind war ich natürlich mit analogen Kameras aufgewachsen und hatte im Urlaub rumgeknipst, aber ich wollte einfach mehr.
Also las ich eine Menge Bücher, brachte mir selbst die Grundlagen bei und ging dann raus, übte, Fotos vom Leben zu machen und den Leuten, die mich umgaben. Dann wurde es irgendwann zu einer Leidenschaft, ja geradezu zu einem Zwang.
Ich fotografiere immer auf Film, meistens Kleinbild, aber manchmal auch Mittelformat. Von Anfang an habe ich mit Doppelbelichtungen experimentiert, einer meiner liebsten Techniken. Ich liebe es, wie diese Technik zwei Momente der Realität zu einem einzigen Traum verbindet. Seltsame Farben, hochkontrastiges Schwarzweiß, extreme Körnung, glückliche Zufälle – all diese Dinge gefallen mir sehr, obwohl ich auch ein großer Fan von sauberen, schönen Bildern bin. Ich genieße es auch, von Hand auf Abzügen rumzumalen, zu collagieren oder Negative und Abzüge irgendwie zu zerstören.















Was die Genres angeht, in denen ich fotografiere, sind es vor allem Portraits, Selbstportraits, Fashion und Reisefotografie, die mich in den Bann gezogen haben. Ich glaube ja daran, dass das, was Du fotografierst, Dich findet – und viel weniger, dass Du findest, was Du fotografieren möchtest. Ich liebe Analogfilm und werde ihn so lange benutzen, wie er verfügbar ist. Mal abgesehen von seinem Aussehen und seiner Stimmung ist ein weiterer großartiger Aspekt davon das verzögerte Resultat und wie man dadurch lernt, seinen Fähigkeiten zu vertrauen.
Die Zeit zwischen der Aufnahme und dem fertigen Bild hilft mir, Vorurteile und vorgefasste Meinungen über Bord zu werfen. Während einer Session mag ich es, Platz für Improvisation und alles, was der Moment und das allgemeine Befinden diktieren, zu lassen. Die Fotografie kann einem enorme Befriedigung geben. Es ist ein großer Spaß und harte Arbeit. Ich denke, dass sie einem hilft, Schönheit noch mehr zu schätzen. Sie trainiert den Blick und hilft einem, Dinge zu sehen, die man sonst vielleicht gar nicht wahrgenommen hätte.
Wenn Dein fotografisches Genre die Arbeit mit Menschen einschließt, kann die Fotografie einem hier auch noch ein oder zwei Sachen über menschliche Charaktere lehren. Mein Traum ist, noch eine lange und fruchtbare Karriere mit dem, was ich tue und liebe, vor mir zu haben.
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David Oliete ist ein Fotograf und Filmemacher aus Tarragona in Spanien. Die Stadt ist Austragungsort des wichtigsten Wettbewerbs in Katalonien: Der Menschentürme, auf Katalanisch auch „Castells“ genannt. Sie werden traditionell an Festen und Wettbewerben in der Region gebaut.
Während einer Veranstaltungen baut und demontiert jedes Team – auch „Colla“ genannt – seinen eigenen menschlichen Turm. Für den Erfolg brauchen sie ein dicht gedrängtes Gerüst von hunderten Menschen am Boden. In Tarragona treten jedes Mal etwa 30 „Colles“ gegeneinander an. Über 20.000 Zuschauer sehen sich das Spektakel an. Umso höher und schwieriger der Turmaufbau ist, umso mehr Punkte bekommt jedes Team. In der Regel ist ein Turm zwischen sechs und zehn Stufen hoch.
Die Teams bestehen aus zwischen 100 bis 500 Frauen und Männern. Junge und leichte Mitglieder gehen auf die Spitze des Turms, während schwerere Mitglieder die Basis bilden. Die „Castells“ sind seit mehr als 200 Jahren eine der wichtigsten kulturellen Traditionen in Katalonien mit dem Motto: „Stärke, Gleichgewicht, Mut und Verstand“. Die Unesco zeichnete die Menschentürme 2010 als herausragende Tradition des Weltkulturerbes aus.











David Oliete fotografiert nicht nur, sondern ist auch Filmemacher. Wer seine Bilder bewegt sehen möchte, dem empfehlen wir einen Blick auf seine Webseite. Hier findet Ihr auch zwei Kurzfilme über die Castells.
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