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Archive for the ‘Equipment’ Category

Von der Idee zum Bild mit Laura Zalenga

20 Sep

Wie macht man ein Selbstportrait in einer Badewanne? Wie riecht Sojamilch mit Rote-Beete-Saft? Wird das vielleicht der neueste Hautpflegetipp? Überlebt mein Equipment diesen Versuch? Was sagen meine Eltern, wenn sie ins Bad kommen und ihre Tochter in einer Badewanne voll pinkfarbenem Wasser liegt, vor der ein Stativ mit Kamera steht? So viele Fragen und nur ein Weg, es herauszufinden.

Pink? Das war ganz sicher nicht mein Lieblingsfotothema. Zu Pink fällt mir Barbie ein und Glitzer und „Don’t let me get me“. Wenn ich mich anstrenge, fallen mir noch ein paar Lippenstiftnuancen und Blütenblätter dazu ein. Keines dieser Dinge hat mich inspiriert.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Idee zu meinem Bild dann beim Salatessen kam. Rote-Beete-Saft. Mir schwebte ein sehr ruhiges Bild vor, bei dem das einzig Sonderbare die Farbe der Flüssigkeit sein sollte. Wir sind Mädchenportraits in neblig-weißem Wasser gewohnt, aber pinke Brühe? Das erinnert doch eher an Chemielabor. Fand ich gut.

Sojawasser in der Rote Beete Saft geschüttet wird

Als Location hat sich außer der Badewanne nicht viel angeboten. Es war klar, dass ich eine Sauerei hinterlassen würde und eine Schüssel wäre einfach nicht groß genug gewesen, um das Bild umzusetzen, das ich im Kopf hatte.

Also Wasser marsch, dazu 400 ml Sojamilch und 150 ml Rote-Beete-Saft. Handtuch und Funkauslöser bereitlegen, Stativ aufbauen. Kameraeinstellungen so gut wie möglich ohne Objekt im Wasser vorbereiten. Rein in die Wanne und erste Testbilder schießen. (Sojamilch mit Rote-Beete-Saft riecht seltsam, aber weniger unangenehm als erwartet.)

Natürlich gab es von der Wanne aus keine Möglichkeit, die Bilder anzusehen, also raus aus der Wanne, pinke Spuren hinterlassen, Kamera nass machen und sehen, dass die Schärfe noch nicht passt und auch die Pose eher noch nicht so gelungen ist. Das ist ein Brathähnchen in rosa Soße. Also neu einstellen, zurück in die Wanne, nächster Versuch.

Mädchen in Badewanne mit pinker Flüssigkeit

Ich wollte das Bild direkt von oben aufnehmen, bin aber trotz Stativ schnell an Grenzen wie den breiten Badewannenrand gestoßen. Also musste ich mich zwischen einer schräg fotografierten Ganzkörperaufnahme und einem näheren Portrait frontal von oben entscheiden. Getestet habe ich beides. Aber die Ganzkörperaufnahme war mir viel zu unruhig.

Schließlich habe ich das Stativ so gegen die Wanne gelehnt, dass es nur noch auf zwei Beinen stand und die Kamera etwas über der Wanne hing, um wenigstens annähernd den richtigen Winkel zu erhalten.

Zurück in der Wanne halte ich kurz inne: Seltsamer Moment, wenn man so in der Badewanne liegt, mit dem Kopf am Fußende, pinkes Wasser schwabbt um einen herum und über dem Kopf hängt eine Kamera an einem Stativ, das nicht gerade beruhigend stabil steht. Welches andere Hobby muss man eigentlich haben, um so seltsame Sachen zu machen?

Mädchengesicht in pinker Flüssigkeit

Irgendwann war mein Funkauslöser nass und mir kalt und ich habe mich zufrieden gegeben.

Am Laptop war es spannend, die Fotos dann ohne nasses Kamera-Display und rosa Tropfen in den Augen anzuschauen. Schnell habe ich mich für die nahen Portraits entschieden und wusste aber auch sofort, dass ich den Badewannenrand und einige Spiegelungen im Wasser loswerden musste. Leichter gesagt als getan. Beinahe einfarbige Flächen lassen sich schwieriger „aufräumen“ als ich dachte. Nach einer Weile Stempeln und Pinseln hat es aber doch funktioniert.

Mädchengesicht in pinker Flüssigkeit

Mädchengesicht in pinker Flüssigkeit

Obwohl mich das Thema anfangs so gar nicht gereizt hat, bin ich mit dem Bild zufrieden. Und das, obwohl es pink ist. Die zufällig entstandenen Lichtspiegelungen am Hals, die ihn seltsam lang erscheinen lassen, passen für mich sehr gut zum Labor-Effekt. Ich mag die Ruhe, die es ausstrahlt und bin froh, dass ich diese am Ende doch noch erreicht habe.

Schade, dass ich keine zufriedenstellende Ganzkörperaufnahme zu meiner Idee machen konnte, vielleicht werde ich das irgendwann mit einem Modell nachholen. Aber das Bild als Selbstportrait zu wagen, hat mindestens die Hälfte des Spaßes ausgemacht.

Ach ja, bevor ich es vergesse: Der Funkauslöser hat überlebt, aber Soja-Rote-Beete-Wasser wird nicht zu meinem neuen Pflege-Geheimtipp.


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Kolosse

19 Sep

Bei den Begriffen „Koloss“ und „Statue“ denke ich an historische Denkmäler, an Griechenland und Ägypten und vergangene Epochen. Dass diese Bauwerke aber keineswegs der Vergangenheit angehören, zeigt die Fotoserie „Colosses“ des französischen Fotografen Fabrice Fouillet. Um die neuen Standbilder zu dokumentieren, reiste er einmal um die Welt.

In den 90er Jahren brach eine wahre Statuenmanie aus und besonders in Asien entstanden viele neue Denkmäler. Die höchste Statue der Welt wird momentan in Indien gebaut. Mit 182 m wird sie fast doppelt so hoch wie die Freiheitsstatue in New York. Sie soll den Politiker und Gründungsvater des Landes Sardar Vallabhbhai Patel ehren. Millionen von Dollar werden in das Projekt investiert. Die bis zur Fertigstellung höchste Statue ist der 128 m hohe Buddha in der chinesischen Provinz Henan.

Die Serie „Colosses“ ist eine Studie über die Landschaften, die diese monumentalen Denkmäler umgeben. Auch, wenn die gewaltige Größe wirkungsvoll, berauschend, gar bezaubernd ist, war ich zuerst von dem Bedürfnis der Menschen fasziniert, solch gigantische Manifeste zu errichten. Dann fragte ich mich, wie solche „Werke“ mit ihrer Umgebung in Verbindung gebracht werden könnten. Wie passen Sie sich trotz ihrer überhöhten Ausmaße und ihrer grundlegend symbolischen und traditionellen Funktion in die Landschaft ein?

Deshalb entschied ich mich, die Statuen von einem Standpunkt außerhalb ihrer offiziellen touristischen oder religiösen Umgebung zu fotografieren, um einen losgelösteren Blick darauf zu begünstigen. Diese Loslösung bot einen weitreichenderen Blick über die Landschaft und eine zeitgemäßere Verortung der Monumente.

Dai-Kannon Statue

Dai-Kannon Statue in Sendai, Japan. 100m hoch, gebaut 1991.

Mutter-Heimat-Statue

Mutter-Heimat-Statue in Kiew, Ukraine. 62 m hoch, gebaut 1981.

Monumentalstatue von Mao Zedong

Monumentalstatue von Mao Zedong in Changsha, China. 32m hoch, gebaut 2009.

Segnender Christus

Segnender Christus in Manado, Indonesien. 30m hoch, gebaut 2007.

Monument der afrikanischen Renaissance

Monument der afrikanischen Renaissance in Dakar, Senegal. 49m hoch, gebaut 2010.

Kannon Statue

Kannon Statue in Takasaki, Japan. 42m hoch, gebaut 1936.

Guan Yu Statue

Guan Yu Statue in Yuncheng, China, 80m hoch, gebaut 2010.

Atatürk Maske Izmir

Atatürk Maske in Izmir, Türkei. 40m hoch, gebaut 2010.

Den Fotografen Fabrice Fouillet stellen wir heute nicht das erste Mal im Magazin vor. 2013 schrieb er für uns bereits über seine Serie „Corpus Christi“. Weitere Arbeiten von Fabrice findet Ihr auf seiner Webseite.


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19. September 2014

19 Sep

Ein Beitrag von: Marcel Pommer

Eine Frau in schwarzweiss


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Über Pfade und Grenzen hinweg

19 Sep

Ein Beitrag von: Star Rush

Vor etwas mehr als zwei Jahren begann ich, meine Zeit zwischen Seattle und dem ländlichen Pacific County, etwa 230 km südwestlich der Stadt, aufzuteilen. Der Landkreis ist einer der ältesten im Bundesstaat Washington. Die Gründung durch die Regierung des Gebiets Oregon geht zurück auf das Jahr 1851. Die Gegend erhält ihre Dramatik durch den Columbia River, der hier in den Pazifik mündet.

Die Landschaft ist gekennzeichnet durch große Vorkommen an Bodenschätzen, dramatische Geschichte und vielschichtige Erinnerung. An dieser Stelle erwähnte die Expedition von Lewis und Clark 1805 das erste Mal den Pazifik. Sie fanden, was sie gesucht hatten, nachdem sie ein Jahr zuvor in St. Louis aufgebrochen waren.

Die Gruppe hatte sich am Columbia River wochenlang versteckt, an einem Ort, der sich heute „Trostlose Nische“ (Dismal Niche) nennt. Ironischerweise handelt es sich heute um einen Rastplatz am Highway 4, der mit einer Infotafel zur Geschichte und pittoresken Ansichten von Astoria (Oregon) und der Megler Bridge ausgestattet ist.

Eine alte Autowaschanlage im harten Sonnenlicht.

Anderthalb Kilometer weiter westlich liegt das Middle Village Station Camp, seit jeher Heimat der Chinook, die seit Tausenden Jahren entlang des Columbia River lebten und Handel trieben. Heute leben mehr als 20.000 Menschen im Pacific County.

Über dass ganze Land verteilt finden sich Gemeinschaften, die das kulturelle und ethnische Erbe der Auswanderer aus Schweden, Dänemark, der Schweiz, Norwegen und Finnland pflegen, genauso wie die Nachfahren der Chinook, die in Bay Center, Chinook und Ilwaco leben.

Ein Zaun vor einem dunklen Wald.

Forts des Militärs findet man noch als Ruinen, Überbleibsel ihrer vergangenen Bestimmung, vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis zur Schließung nach dem zweiten Weltkrieg die strategisch wichtige Mündung des Columbia River zu überwachen.

Die Forts sind nun als Parks für Besucher zugänglich und bei Campern beliebt als Sehenswürdigkeit oder einfach nur, um sich in der Natur zu erholen. Die Schützenstände stehen immer noch. Von den Bunkern jedoch stehen nur noch die Umrisse der aus Beton gegossenen Fundamente.

Beobachtungsposten gewähren weithin Ausblick auf den Columbia River sowie eine Mischung aus Einkaufszentren, freiem Feld und Campingplätzen.

Blick auf ein entferntes Gebäude.

Zu den Städten des County gehören Raymond, die größte Stadt, South Bend, der Verwaltungssitz, und eine Anzahl kleinerer Städte, deren Wirtschaft einst dank des Reichtums an natürlichen Ressourcen gedieh. Was für die Region dereinst Holz und Fischfang waren, ist heute der Tourismus und die Freizeitindustrie.

Die historischen Stadtzentren verfallen, das alte Schild der Firma Sears & Roebuck an einem Ziegelsteingebäude verwittert langsam. Willapa Bay, ein Meeresarm und durch die Halbinsel Long Beach vom Pazifik getrennt, ist bekannt für seine vielfältige Flora und Fauna.

Es ist eine intensiv genutzte Bucht, die Grundlage der lokalen Austern- und Fischereiindustrie ist. Neun Prozent aller Austern in den USA werden hier von den Austern-Männern und -Frauen gezüchtet. Der Meeresarm und seine Flüsse bieten ein reichhaltiges Ökosystem aus Wald, Grasland sowie Küstenpflanzen und -tieren.

Ein alter Platz, auf dem zwei aufeinandergestapelte Waschmaschinen stehen.

Das Fotografieren in dieser geographischen und kulturellen Landschaft bringt mich auf neues Terrain, nicht nur in Bezug auf die Landschaft und das Meer, sondern auch was meine Vorstellungskraft betrifft. Ich interessiere mich für das Erinnern als aktiven Wandel und als stetige Erneuerung. Ich sehe historische Momente, Bauwerke und Wahrzeichen im Nebeneinander mit dem, was heute daraus geworden ist.

Ich sehe, worauf das heutige wirtschaftliche Wachstum und Gedeihen fußt. Ich sehe die kulturelle Assimilation, die territoriale Inbesitznahme und die Auslöschung der Ureinwohner. Es bleiben Überreste aus einer Zeit, als reger Handel und Industrie die Grundlage für wachsende Wirtschaft waren und gleichzeitig die Ausbeutung der Umwelt quer durch das gesamte, noch immer vorhandene Ökosystem stattfand.

Ein Kreuz an einer Hauswand.

Das „Damals“ und das „Jetzt“ verschwimmen zwischen den Artefakten natürlicher und menschengemachter Landschaften, von gefundenen und gebauten Objekten, die ein imaginiertes und ein reales kulturelles und soziales Erbe durchscheinen lassen.

Oberhalb des Willapa River reiht sich Hügelkette an Hügelkette. Die Anhöhen sehen kahl und leer aus, wenn sie durch die Holzwirtschaft freigelegt werden.

Schnitte wie gerade Linien wirken wie Narben entlang des Highway 101 von Olympia bis zum Pazifik. An jeder Stelle des Highways kann ich, durch das Autofenster wie in ein Bild gerahmt, schauerlich wirkende Sitka-Fichten und Weißkopfseeadler erblicken.

Blick aufs Meer. Weite.

Hinter der nächsten Kurve finde ich Bäume, die bis auf den zersplitterten Stumpf amputiert sind und verstreutes Geäst. Das Land ist verwüstet und Falken kreisen am Himmel; Bilder einer verrückten Fantasie. Im Sommer zieht ein stetiger Strom aus Campern in Wohnmobilen mit Namen wie „Herumtreiber“, „Geschoss“, „Elite“ oder „Expedition“ und Pickup-Trucks mit Bootsanhängern auf dem Weg nach Westen bis an den Ozean.

Sie passieren Middle Village, Dismal Niche und Cape Disappointment, auf ihrem Weg zu den Strandpromenaden mit ihren salzigen Toffees, der Eiscreme und den hell leuchtenden Windsäcken an der sonnigen Urlaubsküste.

Ein altes Motel-Schild am Wegesrand.

Dieser Artikel wurde von Tilman Haerdle aus dem Englischen übersetzt. Danke an Grryo für die freundliche Genehmigung zur Wiedergabe.


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18. September 2014

18 Sep

Ein Beitrag von: Hille Thomasson

disko island © Hille Thomasson


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6 Things You Can Do With Your Old iPhone

18 Sep
Extra photos for bloggers: 1, 2, 3

It’s Apple season everybody! The newest iPhone’s are ripe for the picking.

This is the biggest (literally) iPhone update since the beginning of iPhones.The iPhone 6 and 6 Plus have made their debut, and will be available in stores tomorrow!

If you’re getting ready to part ways with your current iPhone, we’ve rounded up some ideas of what you can do with them instead of tossing them in a desk drawer!

What Do I Do With My Old iPhone?

p.s. Not getting a new iPhone? Cheer yourself up with a chuckle over at whatshouldidowithmyoldphone.com. You might not need that advice, but honestly, it’s not very good. hehe.

(…)
Read the rest of 6 Things You Can Do With Your Old iPhone (599 words)


© Lauren for Photojojo, 2014. |
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Nach dem Horizont greifen

18 Sep

Ein Beitrag von: Tanner Stewart

Das „Shoot The Skies“-Projekt startete 2012 mit einer einfachen Idee: Ein 365-Tage-Projekt durchführen und daraus ein Buch machen, um das öffentliche Bewusstsein für Menschenhandel zu steigern. Die Profite aus dem Projekt wollte ich zu diesem Zweck komplett spenden.

Eine Schneelandschaft mit beeindruckenden Wolken

Nach drei Monaten hatte ich einige Vorstellungsgespräche und musste das Projekt leider aus finanziellen Gründen aufgeben. Einen Monat später ergab sich die Gelegenheit, kostenlos nach Bulgarien zu fliegen, um Freiwilligenarbeit für die NGO „The A21 Campaign“ zu leisten. Diese NGO war der Grund, warum ich mich ursprünglich erst entschieden hatte, Geld sammeln zu wollen.

Da ich das Projekt stoppen musste, entschied ich mich dazu, stattdessen mit Arbeit und Zeit zu helfen. Einfach die eigene Zeit investieren und so einen Beitrag leisten. Als ich in Bulgarien war, warf mich allerdings ein Ereignis wieder aus der Bahn: Während ich in einem Dorf Fotos machte, versuchte ein Zigeuner, mir sein sechs Monate altes Baby für 50 Dollar zu verkaufen.

Ein gigantischer roter Fels

In diesem Moment habe ich verstanden, dass ich gegen das Problem Menschenhandel einen größeren Beitrag zu leisten hatte und dass es immer noch die Gelegenheit gab, mit eigenen Bildern einen Unterschied zu machen. Das Baby war die Inspiration und sein Gesicht, das ich nie vergessen werde, half mir, das „Shoot The Skies“-Projekt doch noch durchzuziehen.

Eine Schlucht in Schwarzweiß

Also begann ich das Projekt am 1. Januar 2013 neu. Ich war die ersten Monate an der nordwestlichen Pazifikküste in Amerika unterwegs, aber ich wusste, dass ich so viel mehr reisen musste, um die besten Fotos zu machen. Deswegen habe ich mein Appartement in Seattle gekündigt, alles außer meiner Kamera verkauft und mein Leben in einen Koffer und ein altes Auto von 1988 gepackt.

Von April bis Dezember reiste ich durch die USA und durch Europa. Ich fuhr 12.000 Meilen, besuchte 20 Nationparks, elf Staaten, fünf Länder. Ich habe im Auto geschlafen, auf Couches und auf dem Boden bei Freunden und in ein paar Fällen auch bei Fremden übernachtet. Einmal, in der Wüste von Arizona, fing mein Auto Feuer und ein völlig Fremder bezahlte mir drei Tage Aufenthalt im Hotel, während es repariert wurde.

Blitze über einem Berg und einem Kornfeld

Die Reise war das Abenteuer meines Lebens und ich war in der Lage, in einem Jahr mehr Orte zu besuchen, als viele Menschen in ihrem ganzen Leben. Und ich habe es geschafft, alles zu fotografieren. Ich bezahlte die Reisen aus meiner eigenen Tasche und fotografiere unterwegs Hochzeiten und Portraits, um die Rechnungen zu bezahlen, die allerdings gering waren: Ich musste nur mein Telefon, Flugtickets und mein Essen bezahlen.

Die Milchstraße über einem Berggipfel

Fertig wurde ich mit „Shoot The Skies“ genau am 31. Dezember 2013 gegen 12 Uhr und fing sofort an, ein Video für die Crowdfunding-Kampagne zu drehen, um das Buch in Eigenregie veröffentlichen zu können. Am 1. Februar startete ich eine 60-Tage-Kampagne, um zu versuchen, 1.000 Exemplare des Buches mit 400 Seiten für jeweils 45 Dollar zu verkaufen.

In jedem Buch sollten alle 365 Bilder und die Geschichten dazu enthalten sein, jedes Exemplar signiert. Das Ziel waren 45.000 Dollar – alles oder nichts. Der Druck auf mich war damals extrem hoch. Ich verbrachte in der Zeit acht bis zwölf Stunden am Tag damit, Medien zu kontaktieren, Blogs, Fotografen, Bekannte und Familie. Am Ende hatte ich fast 1.800 Vorbestellungen und konnte 79.000 Dollar einsammeln.

Ein Canyon aus rotem Stein

Das Beste daran ist, dass ich über 50.000 Dollar von dem Geld direkt für die A21-Kampagne gesammelt habe. Dieses Geld wird dazu verwendet, Opfern von Menschenhandel überall auf der Welt zu helfen. Aber das ist noch nicht die ganze Geschichte.

Ich hörte damit auf, das Buch weiter zu verkaufen und verbrachte zwei Monate mit Design und Schreiben. Ein Video über das Buchprojekt wurde gemacht, das ich auf Reddit postete und die Huffington Post wurde darauf aufmerksam. Sie schrieben einen Artikel über „Shoot The Skies“, veröffentlichten das Video und es bekam noch einmal mehr als 1 Million Views in vier Tagen.

Ich bekam so viele E-Mails zu dem Projekt, dass ich die Kampagne wieder aufmachen musste und weitere 20.000 Dollar in vier Tagen einnehmen konnte. Momentan stehe ich bei 98.000 Dollar, um das Buch zu publizieren – das Doppelte meines ursprünglichen Ziels. Jetzt kann ich 65.000 Dollar für die A21-Kampagne spenden und habe 2.200 Bücher in 30 Länder verkauft. Das Buch erscheint diesen Herbst.

Die Milchstraße über einem Gipfel

Meine Bilder wurden alle mit der Fotostitching-Technik gemacht und in jedem Foto sind ungefähr 15 Bilder zusammengestitcht. Ich fotografierte alle Bilder in dem Projekt mit einer Nikon D300S (mit bereits 350k Auslösungen) und einer Sammlung von Nikon-Objektiven. Mein Equipment war minimalistisch, ich wartete einfach auf das beste Licht und reiste viel.

Fast jedes Foto wurde mit Blende f/8 oder mehr geschossen (außer die Sternenbilder) und ich fing mit „Photomerge“ in Photoshop an und merkte erst nach der Hälfte des Projektes, dass ich über 1000 Stunden Arbeit hätte sparen können, wenn ich sofort Auto Pano verwendet hätte. Vorher dauerte es vier bis sechs Stunden, jedes Bild fertigzustellen, aber mit Auto Pano konnte ich die Zeit auf ein bis zwei Stunden reduzieren. Nach der Fertigstellung des Stitchens benutzte ich Lightroom mit verschiedenen Plugins wie VSCO und Alien Skin Exposure.

Eine Bergkette über einem See

Außer den großen Fotostitches ist es vor allem der Blickwinkel, der die Fotos auszeichnet. Ich kletterte oder versuchte, dorthin zu gehen, wo noch niemand war, ich kletterte die Aurora Brücke in Seattle in der Mitte runter und machte daraus ein 40-Bilder-Panorama (180° in beide Richtungen).

Ich stand am Rand der Yosemite Falls in 2.500 Feet Höhe, bin auf den Buzludzha in Bulgarien geklettert, war die ganze Nacht draußen in den Bergen, fand die versteckten Wälder der Titanen in den Redwoods, kletterte über Zäune und Bäume und begab mich zu oft in Gefahr, um es zu zählen.

Ich mag das Adrenalin, aber was ich herausfand, war, dass ich ein Foto manchmal zu sehr mochte wegen der Arbeit und nicht wegen des Ergebnisses. Einige Bilder hätte ich vielleicht nicht veröffentlichen sollen, aber ich mochte die Entstehungsgeschichte – eine schwierige Gratwanderung. Das ist einer der Kämpfe, den jeder Fotograf mit sich austragen muss, aber es gehört mit zum Abenteuer Fotografie. Und ich mag das Abenteuer!

Ein verscheiter Berggipfel

Ein 365-Tage-Projekt ist schon eine Herausforderung, aber Bilder zu machen, auf die man stolz sein kann und die auch zu einem Buch werden können, das erhöht noch mal die Schwierigkeit. Jedenfalls war die Herausforderung sehr motivierend und sorgte dafür, dass ich mich noch mehr in Fotografie generell verliebte, weil mir klar wurde, das etwas so Einfaches wie ein Foto extrem viel erreichen kann.

Die Bilder in „Shoot The Skies“ repräsentieren etwas, das wir alle tun können, um die Welt besser zu machen. Wir haben alle eine Stimme und meine ist die Fotografie. Ich will kein Schulterklopfen, aber ich will Menschen inspirieren, etwas zurückzugeben, egal, wie viel man hat. Das Projekt startete mit nichts, ich war ein obdachloser Fotograf, der in seinem Auto lebte, mit einer alten und abgenutzten Kamera fotografierte und der eine verrückte Idee hatte.

Steilküsten in Irland

Jetzt, zwei Jahre später, habe ich fast 100.000 Dollar gesammelt und ein Buch mit meinen Bildern trägt ein Stückchen dazu bei, moderne Sklaverei zu bekämpfen. Jetzt seid Ihr dran: Geht raus und macht die Welt zu einem besseren Ort mit einer Leidenschaft, die Ihr habt.

Anmerkung der Redaktion: Das Buch zum Projekt „Shoot the Skies“ kann auf der Projektwebseite zum Preis von 50 USD via Paypal weiterhin vorbestellt werden.

Dieser Artikel wurde für Euch von Sebastian Baumer aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.


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Veränderung versteckt sich in der Stille

17 Sep

Natürlich bin ich eine ernstzunehmende Fotografin des 21. Jahrhunderts und natürlich bestätigen mich meine Facebook-Freunde und Flickr-Beobachter in meinem Schaffen. So läuft das heutzutage eben. Daran müssen sich auch die Älteren langsam mal gewöhnen.

Scherz beiseite. Auch wenn darin natürlich immer ein kleiner Funken Wahrheit, aber vor allem ein großes Blitzgewitter an Selbstironie liegt. Die Aufklärung dazu folgt später im Text.

Ich habe es wieder mal getan. Ich habe die Dunkelkammer aufgebaut. Es ist mühsam, aber ich beschwere mich nicht oft darüber. Nach dem ganzen Aufbau hat man oft schon gar keine Lust mehr, dann noch Negative auf Papier auszubelichten. Ich muss meinen inneren Schweinehund immer besänftigen oder ablenken.

Aber gesagt getan, da stand ich im Dunkeln und musste mir jeden Handgriff ins Gedächtnis rufen. Es war niemand da zum Fragen, zum Kontrollieren und Bestätigen. Die ersten fünf Abzüge gingen schief. Aber ich hatte genug Kaffee intus und vorher genug gegessen, so dass meine Energiereserven nicht sofort aufgebraucht waren.

Also forschte ich nach den Ursachen, immer mit dem Gedanken in meinem Kopf: „Du kannst die Duka gleich wieder abbauen; es hat keinen Sinn, du kannst es einfach nicht.“ Aber ich hörte meinen Gedanken einfach nicht zu und machte weiter.

Nach drei Stunden war mir dann klar, dass die Negative, die ich ursprünglich zum Lithen rausgelegt hatte, sich dafür nicht gut eigneten.

Eine Frau mit Punkten im Gesicht sitzt auf einem Tisch.

Hier ging eindeutig etwas schief. Ich hatte den Abzug im Entwicklerbad nicht genug bewegt. Es entstanden merkwürdige Streifen. Doch dann wuchs mir plötzlich Kreativität aus dem Kopf und ich malte einige Punkte.

Ich nahm mir eine Stunde Zeit und suchte mir neue Negative raus. Ich entschied mich für einen Film von 2011. Ich hatte sie noch nie abgezogen und war gespannt. Und tatsächlich: es erschien mir wie ein Wunder. Nach fünf Stunden Dunkelheit und dem Einatmen von Chemie kann man schon mal an Wunder glauben.

Da war es! DAS Negativ! Der Grund, weshalb ich das alles aufgebaut hatte und warum sich das alles lohnen sollte. Ansel Adams und Susan Sontag standen hinter mir und nickten anerkennend. Natürlich sind die beiden nicht gerade Lith-Experten, aber das sagte ich ihnen nicht.

Ich benötigte noch einmal zwei Stunden um vom perfekten Negativ auch einen perfekten Lithabzug abzuziehen – oder sagen wir eher – einen, mit dem ich zufrieden war.

Eine nackte Frau auf dem Tisch. Hinter ihr liegen kleine Knöchlein eines Fuchses.

Als sich das Bild langsam herausschälte, hatte sich der ganze Aufbau und die Mühe für mich gelohnt.

Aber das Spannendste an der Arbeit in der Dunkelkammer im Eigentlichen waren meine Gedanken während des Prozesses. Ich war fast sieben Stunden komplett allein in der Dunkelheit. Nur eine rote Glühbirne erleuchtete den Raum. Meine Gedanken und ich versammelt auf wenigen Quadratmetern.

Ich hinterfragte meinen Umgang mit meinen Bildern. Warum ich beispielsweise nach dem Entwickeln und Scannen meiner Negative, die gerade mal ein paar Tage alt sind, die Bilder immer schon gleich auf Flickr & Co hochladen muss?

Natürlich liegt eine Form der Selbstbestätigung darin, etwas zu können und sich von Anderen abzuheben, und gleichzeitig die Suche nach Gleichgesinnten. Also die Suche nach der fotografischen Identität.

Das ist nicht verwerflich. Aber als ich am Ende mit gerade mal einem wirklich, wirklich guten Abzug in der Hand da stand, wünschte ich mir auch Ruhe und Zurückgezogenheit. Ich wünschte mir fünf Jahre Leere, nur angefüllt mit Dunkelkammerarbeit, Essen und Trinken.

So eine Dukasession verändert Dich.


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Durchschnittene Zeit

17 Sep

Welche Zeit ist perfekt für ein Bild? Welches Licht wirkt besser: Sonnenauf- oder -untergang? Richard Silver umgeht dieses Fotografen-Problem in seiner Serie „Time Sliced“ und fotografiert berühmte Gebäude, wie die Hagia Sophia, die Statuen der Osterinseln oder das Olympiastadion in Beijing einfach bei jeder Lichtsituation und fügt die Bilder dann zu einem Foto zusammen.

Seine Bilder wurden auf der ganzen Welt aufgenommen: In Peking, Istanbul, London, Warschau, Singapur, Shanghai, Goa, Dubai, in Italien und auf der Osterinsel. Sie alle wurden über einen Zeitraum von zwei Jahren aufgenommen und Richard sucht weiter nach neuen Motiven.

Für jedes Foto benötigt er etwa anderthalb Stunden. Etwa 45 Minuten vor Sonnenauf- oder -untergang beginnt er mit der Aufnahme der Bilder, setzt sie während Sonnenauf- oder -untergang und beendet sie etwa eine halbe Stunde danach. Die Nachbearbeitung dauert eine Stunde pro Bild.

Er fotografiert meistens mit einer Nikon D800 und dem Objektiv f/2.8 24 – 70 mm von Nikon. Für die Aufnahmen nutzt er ein Stativ sowie einen Fernauslöser. Dieser gibt ihm die Freiheit, sich ein wenig vor Ort bewegen zu können und vermeidet Vibrationen beim Auslösen.

Nationalstadion in Peking

Kolosseum in Rom

Hagia Sophia in Istanbul

Die Houses of Parliament in London

Marina Bay Sands in Singapur

Der Mailänder Dom

Pudong in Shanghai

Gateway of India

Ahu Tongariki auf der Osterinsel

Triest

Venedig

Die Idee für dieses Projekt stammt vom Konzept für ein Buch, für das Richard ikonische Gebäude in New York auf ähnliche Weise aufnahm. Aus dem Buch wurde aus finanziellen Gründen nichts, aber die Idee inspirierte ihn und er trug sie hinaus in die Welt.

Mehr Arbeiten von Richard Silver findet Ihr auf seiner Webseite, oder Ihr folgt ihm auf Twitter.


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17. September 2014

17 Sep

Ein Beitrag von: Sebastian Kahl

Portrait einer Frau, die auf dem Boden liegt.


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