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Archive for the ‘Equipment’ Category

Schwarze Jahreszeiten

12 Oct

Ein Beitrag von: Julien Coquentin

Ich weiß nicht, wann diese Serie ernsthaft begann, aber wahrscheinlich nicht mit dem ersten Foto. Ich denke, dass all das viel weiter zurückreicht, sogar über meine eigene Erinnerung hinaus. Da sind Bilder, die sich drängeln: In einen langen schwarzen Umhang gehüllt, geht ein Priester durch den Schnee im Herzen eines Waldes in der Aubrac, auf seiner Schulter eine Kamera.

Kinder, die Wiesen herunterlaufen. Ein Stück Holz, auf das einige Insekten gepinnt sind. Ein Schwan, der in einem Weier auftaucht und ein fallender Schubkasten. Diese Schublade kam aus einem kleinen Bett-Beistelltischchen, das ich zum wiederholten Male verrückt hatte und das nun, im Dezember 2013, freigab, was es verbarg:

Eine Rechnung und ein Rezept, beide von 1947, Baumwolle, ein Foto und eine Schachtel, in der dünne Papierchen lagen, ähnlich wie die, mit denen man Zigaretten rollt, aber diese hier wurden benutzt, um die Linsen zu säubern.

Dieser Beistelltisch gehörte meiner Großmutter, die 2008 gestorben war und ist Teil der Mobiliars, für das ich so etwas wie Zärtlichkeit verspüre und die miteinander verbunden sind. In denen hatte meine Großmutter nun unabsichtlich diese Dinge in einem doppelten Boden hinterlassen.

Was mich am Ende an dieser Entdeckung aber am meisten beunruhigte, waren weniger die Gegenstände und das Foto, das sie so jung zeigt, sondern dieser kostbare Schatz, der dort all die Jahre verborgen war, in zarter Gefangenschaft: Ihr Geruch.

Der Baumwollstoff roch nach ihr.

Ich barg all das mit der seltsamen Faszination, etwas Heiliges zu entweihen, um die Dinge ihrer Tochter, also meiner Mutter, zu zeigen und anschließend alles wieder im doppelten Boden unter der Schublade, fast unerreichbar, zu verstauen. Dort verbleibt der Geruch meiner Großmutter. Ich weiß nicht, wer all das finden wird – wer und wann?

Herbstliche Bäume.

Bäume und ein bemooster Zaun im Nebel.

Hofeinfahrt zu Häusern aus Backsteinen.

Blick über eine verschneite Kleinstadt.

Blick in eine leere Gasse, an deren Ende rotes Licht scheint.

Eine Gruppe Nadelbäume, die auf einem verschneiten Feld im Nebel verschwinden.

Fassade eines Restaurants in trostlosem Licht.

Blick über verschneite Felder in einem Tal.

Morgendliches Licht fällt in eine leere Straße.

Straße mit herbstlicher Flora und Raureif.

Dunkler Waldrand an einer verschneiten Wiese.

Schneewehen an Häuserwänden.

Stuhlreihen in einer Kirche.

Schneewehen an Häuserwänden.

Auf einem Stuhl vor einer Wand mit Geweihen liegt ein Küchentuch.

Herbstliche Bäume.

Ein abgeerntetes Maisfeld im Morgenlicht.

Herbstlandschaft im Nebel.

Tal einer Flussbiegung in diesigem Wetter.

Hausecke mit Madonnenstatue im Nebel.

Mit Decken abgedeckte Dinge, darüber an der Wand der Kopf eines Wildschweins.

Meine schwarzen Jahreszeiten waren die der Kindheit, Jahreszeiten stürzten in die Dunkelheit, wo die Zeit Jahr um Jahr immer etwas weiter begraben werden. Das Land, das ich fotografiert habe, liegt in Frankreich, wo ich aufgewachsen bin und diese Landschaften sind ähnlich wie mein Beistelltischen, sie verstecken meine Erinnerungen mit all ihren Gerüchen, Geschmäckern und Sensationen, die ich erleben durfte.

Wie überschreitet man das Gebiet der Kindheit, wenn es aussieht als würde es einen umzingeln? In meiner Erinnerung ist es eingezäunt von einigen Hügeln, Wiesen, Wald und einem Dorf als Spielplätze. Und das waren wir: Die Kinder des Landes, der Landschaft.

Ich hatte das Glück, in einem geschützten Umfeld aufzuwachsen, wir waren ein paar Freunde, Tiere in ihrem Territorium. Junge Hunde, die ins Gras pinkeln, um ihr Gebiet zu markieren. Wir hatten unsere Hütten, versteckten Plätze und Geheimnisse. Dieses Kind schrieb dann meine Beziehung zum Raum und an diese Plätze zurückzukehren, ist, wie ein Kind zu sein, ewig, Teil der Erde.

Meine schwarzen Jahreszeiten sind Felder, Bauern, die Dunkelheit einer Kirche, die Stille des Waldes, wütende Striche und das Brüllen der Rinder, das unaufhaltsame Entrinnen der Zeit zwischen meinen Fingern.

Dieser Artikel wurde für Euch von Aileen Wessely aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.


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Kleider machen Leute

11 Oct

Vorurteile hat jeder, davon kann sich niemand frei machen. Wir beurteilen fremde Menschen auf den ersten Blick rein nach den Äußerlichkeiten und sortieren sie nach unseren Erfahrungen und den kulturellen Prägungen in Schubladen ein. Das macht es wesentlich einfacher, uns in der sowieso schon stark reizüberfluteten Welt zu orientieren, kann jedoch auch zu Rassismus und Diskriminierung führen.

Der Fotograf Joel Parés zeigt in seiner Serie „Judging America“ die typischen Stereotypen-Bilder: Die Muslima ist Terroristin, die schöne Asiatin Stripperin und der tätowierte Mann gefährlich.

So platt die Vorurteile sind, stellt er diesen die absolut entgegengesetzten Rollen gegenüber. Wieder platte Vorurteile, aber positiv. Aus der Muslima wird eine aufopferungsvolle Krankenpflegerin, die asiatische Frau eine Witwe mit drei Kindern und der Tättoowierer ist ein begnadeter Maler.

Es ist natürlich nicht überraschend, dass Kleidung unseren Eindruck eines Menschen verändert, aber ich finde es immer wieder spannend, wie sehr dieser Effekt doch funktioniert. Und es macht mich nachdenklich, wie stark ich wohl doch von meinen Schubladen an der Nase herum geführt werde.

Frau mit Burka und Maschinengewehr und als Krankenschwester

Mann als Gangster und Mann im Anzug

Mann als Obdachloser und Mann als Veteran

Mann mit Federboa und Mann mit Hemd und Jacket

Mann mit Arbeitskleidung und Mann mit Anzug

Mann mit Strick und Flagge und Mann als Pastor

Mann mit Tattoos und Messer und Mann mit Farbe als Künstler

Vorurteile bekämpfen ist wichtig, aber schwer. Sie helfen uns, uns selbst zu definieren und unsere Identität aufzubauen, führen jedoch im Gegenzug auch dazu, andere auszugrenzen. Deshalb ist es wichtig, sie sich immer wieder neu bewusst zu machen und zu reflektieren. Die Serie von Joel hilft dabei, weshalb ich mich freue, sie hier vorstellen zu dürfen.

Die komplette Serie findet Ihr auf Joels Webseite. Folgen könnt Ihr ihm auf Facebook, 500px und Instagram.


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Farben, Licht und Schatten

11 Oct

Ein Beitrag von: Gustavo Gomes

Meistens fotografiere ich im sogenannten Feld der Straßenfotografie, aber auch nicht exklusiv. Gerade bin ich in Brasilia in eine neue Wohnung mit vielen Fenstern gezogen und liebe es, durch diese die vorbeigehenden Leute zu beobachten. Wenn ich also nicht draußen unterwegs bin, fotografiere ich halt von meinem Schlafzimmer oder meiner Küche aus.

Ich mache zum Beispiel auch Bilder von meiner Freundin. In letzter Zeit versuche ich, eher dokumentarisch zu fotografieren, wie etwa in meiner Serie „Beyond the Arena“, die sich auf Itaquera, die Nachbarschaft, in der die Fußball-WM 2014 statt fand.

Eine von Licht beschienene Frau in Unterwäsche sortiert Kleidung auf einem Bett.

Eine Frau in Turnschuhen passiert eine Wand mit großformatiger Werbung für hochhackige Schuhe.

Auf der Straße schminkt sich eine Frau in einer großen Spiegelfliese, die sie in der Hand hält.

Licht spielt in meiner Fotografie eine wichtige Rolle. In Brasilien ist es meistens sonnig, also habe ich gelernt, wie ich das zu meinem Vorteil nutzen kann; meistens fotografiere ich allerdings früh morgens oder am späten Nachmittag, wenn man gutes gedämpftes Licht und entsprechende Schatten bekommen kann.

Ich bin fasziniert davon, wie Licht die Farbe einer Oberfläche, die es berührt, verändern kann. Als ich anfing zu fotografieren, war ich von Harry Gruyaert und dem Maler Edward Hopper stark beeinflusst, sie haben mich viel über Licht und Farben gelehrt.

Über den Spiegel seines Fahrzeugs schaut ein Busfahrer direkt in die Kamera.

Zwei Personen an einem Straßenimbiss.

Auf einem gefliesten Platz liegt ein Mann und döst, im Vordergrund zwei Tauben.

Hopper ist vielleicht der Maler, der in der Geschichte der Kunst die Fotografie am meisten beeinflusste. Durch seinen Einsatz von Licht ebenso wie durch seine Themen – meistens Menschen in Innenräumen, gesehen durch Fenster oder isoliert in städtischen Umgebungen.

Ich fand es interessant, als ich die Dokumentation „Edward Hopper and the blank canvas“ sah, dass er dort sagte, dass er von Sonnenlicht auf Oberflächen fasziniert sei und wie unterschiedliche Arten von Licht die Natur der Farben ändern können. Da denke ich genau wie er. Es ist einfach: Ein Rot zur Mittagszeit ist nicht das gleiche Rot um 17 Uhr.

Gruyaert hat mit seinem Buch „Lumieres Blanches“ etwas in mir freigesetzt. Ich mag, dass es darin nicht um einen bestimmten Ort geht, sondern er Bilder aus Indien, Belgien, USA, Marokko usw. mischt. Diese Edition macht klar, dass es im Buch nicht um besondere Geschehnisse, Orte oder Menschen geht, sondern um den Autor und seine persönliche Vision, wie er die Welt in Farben, Licht und Schatten sieht.

Ein Paar vor zwei Häusern, in einer Türöffnung sitzt eine weitere Frau.

Eine Person ist durch die Scheibe eines Schwimmbeckens zu sehen.

Straßenszene mit drei Menschen, einem Müllcontainer und einer Werbetafel.

Im Grunde fotografiere ich, weil es mir Spaß macht und vielleicht auch ein bisschen aus Eitelkeit, wie die meisten Fotografen, nehme ich mal an. Mit der Straßenfotografie verdiene ich so gut wie kein Geld, was mir von Anfang an klar war, also musste ich für mich selbst auch einen Weg finden, dass das Fotografieren mir gefällt, damit ich dran bleibe und weiter mache.

Außerdem genieße ich es sehr, herumzulaufen und an Orte zu gehen, die ich niemals aufsuchen würde, wenn ich nicht fotografierte. Es ist eine großartige Möglichkeit, Städte und neue Orte zu entdecken und zudem eine sehr entspannende Übung, eine Form der Meditation.

Oft vergesse ich alles um mich herum vollkommen, wenn ich durch die Gegend laufe und fotografiere. Allein das könnte schon eine großartige Ausrede sein, um weiterhin zu fotografieren. Aber ich bin natürlich auch einfach sehr froh, wenn ich es hinbekommen habe, ein gutes Foto zu machen.

Zwei Jungs bedrängen eine Frau in einem Treppenhaus, daneben laufen draußen zwei Hunde um die Straßenecke.

Auf dem Gehweg einer sonst leeren Straße geht ein Mann vorbei, im Vordergrund liegt der Arm einer Frau auf einem Geländer.

Ernsthafter wurde es 2009, als ich einen Fotografie-Kurs bei Carlos Moreira, einem richtigen Meister, der Sao Paulo seit den 60er Jahren fotografiert, belegte. Durch ihn lernte ich Fotografen wie Kertesz, Atget, Robert Frank, Lee Friedlander, Gruyaert kennen. Ihre Arbeiten faszinierten mich und ich wollte etwas ähnliches machen. Damals war ich gerade wieder nach Sao Paulo gezogen und es war ein guter Weg, meine Stadt besser kennenzulernen.

Idealerweise bin ich jeden Tag draußen auf den Straßen, um zu fotografieren. Manchmal tut es auch gut, für ein oder zwei Tage eine Pause zu machen, aber wenn ich nur faulenze und das Licht draußen gut ist, muss ich zwangsläufig nach draußen gehen, um zu fotografieren.

Dieser Artikel wurde für Euch von Aileen Wessely aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.


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10. Oktober 2014

10 Oct

Ein Beitrag von: Cem Edisboylu

Eine Frau, von Spinnweben bedeckt.


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9. Oktober 2014

09 Oct

Ein Beitrag von: Marco Bekk

Eine Frau beobachtet ein Flugzeug


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Never Run Out of Photo Space on Your Phone Again

09 Oct
Extra photos for bloggers: 1, 2, 3

At the very moment your dog FINALLY is balancing a banana on its nose, your phone camera roll is full. The banana falls, the moment is gone. Boo.

It stinks to lose these special moments when you don’t have enough room on your phone. So, we set out to find the best way for you to have (almost) infinite space.

Eureka! Carousel is a gallery app that connects to Dropbox (which saves your photos on the cloud, so they don’t take up space on your phone). You can delete photos from your camera roll, but still have access to them whenever you want. Sounds almost as magical as a real carousel, right?

It’s easy to set up, then you’re worry free FOREVER!

Never Run Out of Camera Space on Your Phone

(…)
Read the rest of Never Run Out of Photo Space on Your Phone Again (466 words)


© Lauren for Photojojo, 2014. |
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Zwischen Kreativität und Perfektionismus

09 Oct

Achtung, es folgt eine Provokation. In erster Linie provoziere ich mich selbst, aber das mag daran liegen, dass ich gerade anfällig dafür bin. Auf der Suche danach, was ich fotografisch eigentlich will, hatte sich zwischen Fragen nach Bildstil, Genre, Philosophie und Technik eine Menge an Frustration angestaut. Das mag jetzt nach chronischer Unzufriedenheit klingen, aber das ist es nicht. Es ist eher das Bedürfnis innerhalb des eigenen Schaffens, relevant zu sein.

Das ist natürlich ein großes Wort: Relevant. Und es wirft viele weitere Fragen auf. Relevant für wen? In welcher Zeit? Aus welcher Intention heraus? Durch welche Medien? Die Liste ist lang. Irgendwann zwischen solchen wirren Gedankengängen hatte ich dann eine digitale Begegnung mit einem Schulbusfahrer aus New York, die mir subjektiv irgendwie besonders vorkam.

Auf Flickr bin ich, mit eben erwähnten Überlegungen im Hinterkopf, über die Bilder von Kenneth Vogelsberg gestolpert. Bei der Flut an Bildern, die täglich auf verschiedenen Kanälen über mich herein bricht, verwunderte es mich, dass mein Blick an seinen Bildern hängen blieb. Aus fotografischer Sicht fand ich nämlich nichts, womit ich die scheinbar vorhandene Anziehungskraft hätte erklären können.

Sonnenlicht auf einer Veranda

Diese Verwunderung führte nunmehr dazu, dass ich den Bilden länger Aufmerksamkeit schenkte, einzelne herauspickte, analysierte, das spärlich ausgefüllte Profil las und das Bild des Fotografen näher betrachtete. Wirkt das Ganze auf mich skurril oder kann man es schon exzentrisch nennen? Irgendwann war ich wieder bei einem großen Wort angelangt, das mir geeignet vorkam, zu beschreiben, was ich an diesen Bildern fand: Authentizität.

Vom griechischen „authentikós“ abstammend, meint es soviel wie „echt“, „glaubwürdig“, umgangssprachlich auch mit „Originalität“ verbunden. Damit war ich dann auch wieder bei meinen Gedanken zur Relevanz angelangt. Denn Authentizität zählt für mich durchaus zu wichtigen Merkmalen, die etwas relevant werden lassen. Authentizität ist außerdem etwas, um das ich bei jedem Gebrauch der Kamera ringe.

Auf der Gegenseite steht die Reproduktion. Natürlich lassen sich keine klaren Grenzen zwischen Inspiration und Reproduktion ziehen, sofern man sich von der Arbeit anderer inspirieren lässt. Jedoch scheint die perfekte Reproduktion dessen, was als qualitativ gute Fotografie durchgeht, ein Konzept zu sein, das beinahe dem Alleinanspruch auf Seelenheil der katholischen Kirche nahe kommt.

Blick durch Busfenster

Ich habe mich schon vor einiger Zeit aus einer der großen Foto-Plattformen zurückgezogen, weil ich gelangweilt war vom Streben nach technischer Perfektion. Das klingt jetzt ziemlich arrogant, aber das war nun einmal mein Beweggrund. Ich konnte einfach keine HDR-Aufnahmen, Langzeitbelichtungen und perfekt ausgeleuchtete Ringblitz-Studiofotos von Frauen in Unterwäsche mehr sehen. Zwar braucht sich niemand für persönlichen Geschmack zu rechtfertigen, ich möchte aber an dieser Stelle dennoch sagen, dass ich mit diesen vollkommen subjektiven Aussagen niemanden angreifen will.

Zurück zu Kenneth Vogelsberg. Trotz der täglichen Bilderflut bin ich immer noch so grün hinter den Ohren, dass ich ständig auf Fotografen stoße, deren Arbeit mich verblüfft, fasziniert, bewegt und inspiriert. Kenneth Vogelsberg ist keiner davon, aber er hat es geschafft, dass ich ebenso viel Zeit mit dem Betrachten seiner Bilder verbrachte wie mit dem Durchblättern eines schicken Hochglanz-Bildbandes. Und irgendwann fand mein ungeübtes Auge auch Gründe dafür.

Ein kleiner Hund und ein Mensch, der an einem Bus lehnt.

Ein mögliches, weit verbreitetes Kriterium dafür, wie jemand ein Motiv auswählt, das fotografiert werden soll, ist Schönheit. Menschen fotografieren Dinge, die sie schön finden. Zwar hat sich die Fotografie seit ihren Anfängen ein Stück weit von dieser Herangehensweise emanzipiert und neben dieser eine Vielzahl weiterer Ansätze entwickelt.

Jedoch scheint mir die Fotografie, die mich so langweilt und enttäuscht, eben dieses Prinzip, um den Anspruch der Perfektion erweitert, konsequent durchzuexerzieren. Ich habe grundsätzlich nichts gegen technische Perfektion und lese selbst dauernd Tests über irgendwelche Konsumgüter, die mich scheinbar meine Ideen besser umsetzen lassen sollen.

Kürzt man aber die Kreativität aus der Gleichung raus, so erhält man die heutzutage weit verbreitete Formel „Reproduktion + technische Perfektion = hohe Qualität“. Es fliegen einem als Fotograf, der diese Formel in fotografischer Regeltreue befolgt, erbauende Mengen an virtuellen Herzchen und Sternchen zu, aber nach der Persönlichkeit in der Colorkey-Erdbeere, die man sich vom gewonnenen Print-Gutschein auf Acrylglas hat drucken lassen, sucht man vergebens.

Bevor ich nun Drohbriefe von Colorkey-Print-Besitzern bekomme, möchte ich nochmals sagen, dass man diese Ansichten absolut nicht teilen muss. Ich sehe das nun einmal so und versuche, mich dabei auch an die eigene Nase zu packen.

Vielleicht lassen sich all diese Überlegungen auch einfach darauf zurück führen, dass mit mir etwas nicht stimmt, aber ich fasse jede Einladung einer Stock-Foto-Seite, die in meinem Postfach landet, als negative Kritik auf. Das mag wieder schrecklich überheblich klingen, aber ich denke, wenn ich mir in meiner Fotografie ein Ziel stecken will, muss ich Prioritäten setzen. Und das bedeutet auch, zu wissen, was ich nicht will.

Ein Stinktier auf einem Stuhl

Die ständige Reproduktion von perfekt ausgeleuchteten Portraits, beeindruckenden Landschaftsaufnahmen und poetischen Bildergeschichten, der ich, trotz Ringen, dauernd verfalle, kommt in meinen Augen nicht an die Authentizität der Aufnahmen heran, die Kenneth Vogelsberg scheinbar nebenbei in seinem Alltag produziert.

Ich entdecke in seinen Bildern einen Blick für Licht und Schatten, für absurde Situationskomik, für Linien und Spiegelungen, die ich in so manchem Gewinnerfoto eines Foto-Wettbewerbs ebenso vermisse wie in meinen eigenen Arbeiten, die oftmals auch nur gern das wären, was ich bei anderen bestaune.

Diese Faszination mag daher kommen, dass seine Kompositionen außerhalb meines Erfahrungsbereichs liegen, aber vielleicht ist es auch gerade der ehrliche Blick auf die Dinge, die er zeigen möchte. Keine romantisierten Blumenkränze, sondern ein selektiver, offener Einblick in die Welt, wie er sie sieht.

Autos spiegeln sich in einer Glastür

Die Tatsache, dass eine (im konventionellen Sinn) technisch fehlerhafte Fotografie gefühlsmäßig wirksamer sein kann als ein technisch fehlerloses Bild, wird auf jene schockierend wirken, die naiv genug sind, zu glauben, dass technische Perfektion den wahren Wert eines Fotos ausmacht.

Andreas Feininger –

In meiner fotografischen Pubertät mag das gerade eine Phase sein, in der ich diese Schnappschüsse interessanter finde als jene auf Hochglanz nachbearbeiteten Bilder, die viel Lob ernten, in ihrem Kern aber nur die banale Reproduktion eines Erfolgsrezepts sind.

Auf das Wesentliche reduziert wünsche ich mir mehr Elemente eines Kenneth Vogelsberg in der fotografischen Welt, anstatt der ständigen Reproduktion von Motiven, die so auch in der Bilderrahmen-Abteilung eines Möbelhauses hängen könnten. Das ist in Sachen Authentizität alles andere als ein Qualitätsmerkmal, egal wie viele Tutorials zur Belichtung und Bearbeitung nötig waren.

Ich mag Tutorials und lerne gern von Menschen, die etwas von ihrem Können und Wissen weitergeben wollen. Dazu zählt auch, Erfolgsrezepte und Möglichkeiten auszuprobieren, die einem die Fotografie bietet. Irgendwie muss man sich ja auf den Weg begeben. Ich habe deshalb auch eine Liste mit Dingen, die ich gern einmal ausprobieren und nachmachen möchte. Nach meinem Verständnis sollte sich aber daraus ein eigener Weg abzeichnen.

Ein verlassenes Haus

Ich liebe es, durch andere inspiriert zu werden und führe eine lange Liste von Bildern und Künstlern, denen ich nacheifere. Dieser gedankliche Prozess ist keineswegs abgeschlossen. Gerade am Punkt der Relevanz werde ich sicher noch länger verweilen. Momentan denke ich, ein Bild ist relevant – für den Künstler, den Betrachter oder beide – wenn es seinen Zweck erfüllt. Wenn es vermittelt, was es vermitteln soll. Auch die Colorkey-Erdbeere hat so ihre Berechtigung, auf Servietten oder Obstkörbchen vielleicht.


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Burning Man: Willkommen zuhause

09 Oct

Ein Beitrag von: Victor Habchy

Diesen Sommer brannte ich. Ich war einer der glücklichen Menschen, die ein Ticket für das Burning Man bekommen konnten, ein Festival in der Mitte der Wüste von Nevada in den USA. Ich habe zuvor viel darüber gelesen und versucht herauszufinden, wie es sein könnte. Wie ich mich darauf vorbereiten kann, eine Woche ohne Strom zu verbringen, in einem kleinen Zelt bei 40 °C zu schlafen, mit einer stark reduzierten Menge an Wasser und Nahrung auszukommen.

Aber sobald ich ankam, verstand ich, dass man sich darauf nicht wirklich vorbereiten kann, weil man es einfach nicht kennt. Wie kann man auf Krieg vorbereitet sein, wenn man nie erfahren hat, wie man kämpft? Jedoch war, trotz dieses Vergleichs, mein einziger Kampf der, loszulassen, mein Selbstbewusstsein zu vergessen. Von da an war es plötzlich allumfassend.

Denn noch nie in meinem Leben habe ich mehr Liebe, mehr Freiheit und mehr Selbstverwirklichung erfahren. Denn es ist der einzige Platz auf der Welt, an dem Du sein kannst wie Du möchtest, solange Du damit nicht die Freiheit eines anderen beeinträchtigst. Hier merkt man, dass man sich von vielen Regeln der Gesellschaft losmachen kann, ja, sie nicht einmal braucht.

Wisst Ihr, was die erste Nachricht ist, die Ihr hört, wenn Ihr das erste Mal das Burning Man besucht? – „Willkommen zuhause.“

Ein seltsamen Gefährt gefolgt von drei Fahrrädern und einem kleinen Jungen in der Wüste.

Ein Boot auf Stelzen in der Wüste. Zwei Fahrräder davor.

Ein Mann in Kostüm mit ausgebreiteten Armen.

Ein Schiff in der Wüste mit Fahrrad.

Artisten turnen an Stangen.

Artisten zu einem Turm aufgebaut.

Zwei nackte Menschen vor einer Wüstenkulisse.

Zwei Menschen küssen sich im Wüstensand sitzend.

Installation mit zwei Personen, die mit einem Herzluftballon spielen.

Zwei Personen umarmen sich, neben ihnen ein Fahhrad, dahinter ein Auto.

Ein Zug in der Wüste.

Ein Schiff in der Wüste.

Ein Wegweiser. Links davon ein Mann mit Fahrrad, rechts ein nackter Mann mit zwei blauen Regenschirmen.

Große Buchstaben, die das Wort LOVE bilden.

Auf den Kopf gedrehtes Bild von zwei Turnern.

Zwei Menschen umarmen sich, darüber turnen Artisten.

Eine Frau mit Tuch im Wind auf einem seltsamen Holzgerüst.

Oktopusauto, welches Feuer aus den Armen sprüht.

Ein VW in der Wüste.

Eine Reihe Menschen tragen Laternen auf einem Holzgerüst.

Frau auf einem Fahrrad?

Menschen turnen an einem Gerüst. Davor ein Fotograf.

Und dann wiederum: Es war hunderttausend Kilometer von meiner Heimatstadt entfernt und trotzdem fühlte ich sicher aus den Tiefen meines Herzes, dass dieser Platz Heimat für mich ist.

Dieser Artikel wurde von Katja Kemnitz für Euch aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.


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8. Oktober 2014

08 Oct

Ein Beitrag von: Johannes Carolus

Eine Person steht am Meer


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Jane Eyre – Eine Interpretation

08 Oct

Ein Beitrag von: Lisa-Marie Kaspar

Heute morgen habe ich Euch hinter die Kulissen meiner Serienerstellung von „J. E.“ blicken lassen und gezeigt, wieviel Herzblut, Gedanken, Ideen und auch Hilfe von Freunden und Bekannten sich dahinter verbergen. Nun darf ich Euch meine komplette Serie mit einer kurzen Zusammenfassung der Ereignisse des Romans „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë hier vorstellen.

Jane Eyre, ein Waisenkind, wächst bei ihrer Tante auf, die sie stets spüren lässt, dass sie kein Teil der Familie ist. Janes leidenschaftlicher und direkter Charakter tragen zudem ihren Teil dazu bei, dass ihre Tante sie schließlich auf ein Internat schickt. Auch dort ist Jane eher eine Außenseiterin, ihre einzige Freundin Helen Burns stirbt an Tuberkulose.

Somit ist Jane wieder auf sich allein gestellt. Die Schuljahre vergehen und die junge Erwachsene Jane Eyre bleibt noch für einige Zeit als Lehrerin auf dem Internat, bis sie nach dem Weggang der Schulleiterin nichts mehr dort hält.

Sie gibt eine Annonce für eine Stelle als Gouvernante auf und findet wenig später auf dem Anwesen Thornfield Hall eine Anstellung. Der Hausherr Mr. Rochester erscheint Jane zunächst sonderbar und einige mysteriöse Ereignisse gehen vor sich.

Rechts sehen wir einen Baum und links steht ein Mädchen und schaut uns an.

Rechts schaut uns ein junges Mädchen an, jemand greift nach ihrem Haar.

Jemand im Nachthemd steht dort und wirkt leicht verwaschen.

Eine Frau steht im Dunkeln und schaut uns an.

Wir sehen die Rückenansicht eines Mädchens.

Eine Frau schaut uns an und blickt ein bisschen ernst.

Eine Frau liest ein Buch.

Eine Person in mehreren Aufnahmen laufen hintereinander her.

Nach einigem Hin und Her gesteht Mr. Rochester Jane seine Liebe und bittet sie, seine Frau zu werden. Jane wiligt überglücklich ein, doch eine Person aus der Vergangenheit von Mr. Rochester zerstört das Glück der beiden: Er ist bereits mit einer Kreolin verheiratet, die jedoch kurz nach der Heirat geisteskrank geworden ist und seither auf dem Dachboden von Thornfield Hall lebt.

Sie war auch diejenige, die für die nächtlichen Ereignisse verantwortlich ist. Mr. Rochester fleht Jane an, trotzdem mit ihm zu leben, doch Jane kann dies nicht mir ihren Grundsätzen vereinbaren und flieht heimlich von Thornfield Hall.

Nach einigen Tagen des Umherwanderns gelangt sie zu einem Haus und bricht dort auf der Türschwelle vor Erschöpfung zusammen. Die Bewohner des Hauses finden sie und beherbergen Jane für eine Weile bei sich, bis sie wieder zu Kräften kommt.

Es stellt sich heraus, dass es sich bei den Hausbesitzern um Janes Cousinen und ihren Cousin St. John Rivers handelt. Jane lebt zunächst einige Zeit auf deren Grundstück in einem eigenen kleinen Haus und arbeitet als Dorfschullehrerin.

Eine Frau in schwarzweiß schaut ins Nichts.

Eine Frau liest einem Mann etwas vor.

Wir sehen einen Mann und dirkt dahinter eine Frau.

Der Mann schaut uns an. Dahinter verbirgt sich eine Geisterfrau.

Ein unglückliches Hochzeitspaar.

Eine traurige Frau sitzt auf einem Stuhl und weint.

Eine Landschaft auf der einen Seite, sich berührende Hände auf der anderen Seite.

Eine Frau schaut zurück.

Eine Frau mit offenen Haar ist allein.

Eine kranke Frau wird von zwei anderen Frauen getragen.

Ein Mann und eine Frau beraten über eine kranke Frau.

Kurze Zeit später erbt Jane ein kleines Vermögen von einem im Ausland lebenden Onkel und teilt das Geld mit ihren wiedergefundenen Verwandten. Dies eröffnet St. John die Möglichkeit, als Missionar nach Indien zu gehen. Er bittet Jane, ihn zu begleiten und seine Frau zu werden.

Für Jane ist eine rein zweckmäßige Ehe ohne jegliche Gefühle unvorstellbar, doch setzt St. John sie so unter Druck, dass sie kurz davor ist, einzuwilligen. Ein Ruf im Wind, den Jane als Mr. Rochesters interpretiert, hält sie jedoch davon ab und sie spürt, dass sie dem Ruf nachgehen muss.

Zurück auf Thornfield Hall ist nichts mehr so wie es einmal war: Ein Brand hat das Anwesen zerstört. Jane erfährt, dass Mr. Rochester erblindet ist, als er versucht hat, seine Frau Bertha zu retten, die sich vom Dach des Hauses gestürzt hat. Sie findet ihn nahe des Anwesens, die beiden versöhnen sich und heiraten.

Eine Frau sitzt vor einer Staffelei.

Ein Mann steht hinter einer Frau und legt seine Hand auf ihre Schulter.

Ein Mann steht mit dem Rücken zur sitzenden Frau im Vordergrund.

Ein Mann erblindet.

Eine Frau steht hinter einem Mann welcher auf einem Stuhl sitzt.

Alles ist gut und Mann und Frau kommen zusammen.


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