Ein Beitrag von: Zesk MF

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Morgen Kinder, wird’s was geben, denn morgen startet unser beliebter Adventskalender. Langjährige Leser haben sicher schon darauf gewartet und für alle neuen gibt es hier eine kurze Erklärung: Vom 1. bis zum 24. Dezember werden wir täglich neben unseren gewohnten Artikeln noch einen weiteren veröffentlichen. Darin wird ein Produkt vorgestellt und anschließend unter allen Kommentatoren verlost. Wir haben wieder tolle Sponsoren gefunden und freuen uns schon sehr, bald wieder den Weihnachtsmann für Euch spielen zu dürfen.
Fotospecial: Minimalistische, schwarzweiße Wasserlandschaften
Flickr
500px
Deutschsprachig
• Christoph Bangert hat mit seinem Bildband „War Porn“ eine Welle losgetreten, die immer noch anhält. Nun wurde Bangert vom Deutschlandfunk interviewt. Das 30-minütige Gespräch kann auf der zugehörigen Webseite sowohl angehört als auch gelesen werden.
• Sind Neuauflagen erlaubt? Mögliche juristische Probleme bei Neuauflagen von limitierten Fotografien.
• Habt Ihr schon einmal darüber nachgedacht, mit Stockfotos Geld zu verdienen? Hier haben wir ein Interview mit Stockfotograf Luis Alvarez gefunden, der ein paar Tipps für Anfänger hat.
• Yahoo verkauft Bilder von Flickr-Nutzern als Leinwand-Drucke. Rechtlich ist das zwar einwandfrei, viele fühlen sich trotzdem hintergangen.
• Bei den Kollegen von Ignant gibt es ein paar tolle Fotos aus dem Land der Wasserfälle, Gletscher und Geysire.
• Ihr liebt Horror und Science-Fiction? Dann ist dieses Lightroom-Tutorial für Dämonenaugen vielleicht etwas für Euch.
International
• Ivan Sigal und seine bewegenden Schwarzweißaufnahmen finden Einzug auf Booooooom. Weitere Aufnahmen aus der vorgestellten Serie „White Road“ sind auf seiner Webseite zu bestaunen.
• Tipp: Wer gucken will, ob die neue DSLR im Härtetest gegen andere ankommt, darf bei DPREVIEW pixelgenau vergleichen.
• Die drei Zweitplatzierten des International Photography Award, verliehen vom British Journal of Photography, sind sehr unterschiedlich und absolut sehenswert. Das Siegerbild findet Ihr hier.
• Großartige Doppelbelichtungen von Davies Babies.
• „Grauenhafte Bilder von Toten können den Krieg nicht stoppen.“ Ein lesenswerter Artikel vom Guardian.
• Interessiert Ihr Euch für Fashionfotografie? Hier haben wir 15 gute Tipps für den Einstieg gefunden.
• Man kann von Likes nichts kaufen, aber dieses kostenlose E-Book versucht herauszufinden, warum manche Fotos so erfolgreich im Internet sind und andere nicht. Dazu stellt es vielgeklickte Bilder vor und lässt ihre Fotografen berichten.
• Katharina Jung (Ihr erinnert Euch?) wurde auf Fubiz vorgestellt.
• Kinder als alte Menschen zu verkleiden ist eine tolle Projektidee. Leider geriet die Serie unserer Meinung nach deutlich zu unrealistisch und künstlich. Dennoch sehenswert.
• Portraits aus aller Welt von Steve McCurry.
• Nicola Okin Frioli fotografiert seit 2008 verletzte Migranten in Tapachula, Chiapas (Mexiko) und gibt ihnen damit eine Stimme.
Wettbewerbe
• Für den Sony World Photography Award 2015 könnt Ihr noch bis zum 5. Januar 2015 Eure Fotos einreichen.
Neuerscheinungen und Tipps vom Foto-Büchermarkt

• Photographers’ Sketchbooks*: Ein Fotoband, der Einblick in die Notizen wichtiger Fotografinnen und Fotografen gibt. Es kostet 35,75 €.
• „Black Forest“ – ein Fotoband, der nicht vom Schwarzwald handelt, aber skurril-surreale Arbeiten von unterschiedlichen Fotografen in Szene setzt. Lenscratch hat das Buch rezensiert.
Zitat der Woche
Fotografieren Sie Ihr Leben – wenn Sie es verlieren, haben Sie immer noch das Foto.
Detlev Motz –
Mehr Zitate
Videos
Im Video „Restlicht“ begleiten wir Bernd Nicolaisen mit seiner Großformat-Kamera in Gletscherhöhlen.
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Ein Beitrag von: Rob Hudson
Ich kam über die Straßenfotografie irgendwann zur Landschaftsfotografie. Meine früheren Helden waren Josef Koudelka und Cartier-Bresson. Aus diesem Grunde nähere ich mich Landschaften aus einer ähnlichen Perspektive. Es gibt keinen Grund dafür, Fotos zu machen, wenn wir nichts mit ihnen sagen wollen. Das ist vielleicht das, was man allgemein die „Bedeutung“ eines Fotos nennt.

Wenn ich die gegenwärtige Landschaftsfotografie kritisieren müsste, würde ich sagen, dass bei den meisten Leuten die Bilder nicht mehr ausdrücken, als das vom Fotografen Gesehene festzuhalten. Zum Teil ist auch das der Grund, warum ich mich als konzeptuellen Landschaftsfotografen bezeichne.
Es ist mir wichtig, meine Arbeit um Ideen herum zu entwickeln, weil ich genau verstehen muss, was ich tue, um es klar zu kommunizieren und weil ich so die Möglichkeit habe, selbst in Ideen einzutauchen, die ich am Anfang selbst noch nicht ganz verstehe und sie nach und nach entwickeln.
Als Künstler ist es keine Herausforderung, etwas zu tun, das man schon kennt und für den Zuschauer gibt es wenig Interessantes zu entdecken ohne die Zweideutigkeit, die daraus entsteht, dass man ein Konzept selbst erst entdeckt. Es lohnt sich, wenn man ehrlich mit sich selbst ist, man erntet den künstlerischen Lohn und hat eine bessere kreative Erfahrung.


Ich liebe auch die Literatur. Meine Konzepte setze ich auf dieselbe Art um, wie jemand, der kreatives Schreiben betreibt. Wenn man wissen will, was man in seinen Fotos sagt, dann ist darüber Schreiben oft ein sehr guter Ansatz. Schreiben ist die Kunst, zeitgleich zu entscheiden, was man denkt und was man nicht weiß.

Einer meiner wichtigsten Einflüsse ist der Lyrikband „The Remains Of Elmet“ von Ted Hughes mit Fotografien von Fay Godwin. Während Goodwins Fotos ohne Zweifel sehr schön sind, dienen sie im Kontext des Buches eher als Illustrationen. Sie wollen sich gar nicht auf die Gedichte beziehen, sondern nur die Themen zeigen, von denen die Gedichte handeln.
In den Gedichten ist aber viel mehr Tiefe als nur Beschreibungen von Orten. Wenn man mehr ein Künstler als ein Illustrator sein will, dann muss der Prozess wohl immer in beide Richtungen gehen, die Bilder müssen tatsächlich von den Texten beeinflusst sein, sie müssen ihren Ausdruck aus dem Inhalt ziehen.

Ich glaube, meine Serie „Mametz Wood“ ist eine Ansammlung all dieser Einflüsse: Fotografien, die etwas anderes sagen wollen als nur deskriptiv zu sein, das Element der Lyrik und Titel von David Jones, aus seinem langen, modernen Gedicht „In Parenthesis“, geschrieben über seine Erfahrungen in den Schützengräben des ersten Weltkriegs.


Die Schlacht bei Mametz Wood war auf viele Arbeiten eine sinnlose Schlacht in einem sinnlosen Krieg. (Gibt es andere Arten von Kriegen?) Mit hohen Verlusten an Menschenleben wurde diese Quadratmeile Waldland von den Briten erobert und schon eine Woche später wieder von den Deutschen. Was einzigartig daran ist, ist die Tatsache, dass eine erstaunlich große Zahl von Poeten, Schreibern und Künstlern anwesend waren. Für die englischsprachige Welt symbolisiert der Ort die Tragödie des gesamtes Krieges.

Einer der Poeten, die dort waren, war David Jones, ein Private, kein Offizier, wie so viele von den anderen. Jones wuchs in London auf, seine Herkunft war aber Wales, was sich auch in „In Parenthesis“ widerspiegelt, in dem er viele Einflüsse antiker walisischer Literatur und Folklore verarbeitet. Diese Mythen und Legenden, vermischt mit der Realität des ersten, industrialisierten Krieges, schafft das, was wir aus unserer modernen Perspektive „magischen Realismus“ nennen.

Ich glaube stark daran, dass ein Foto nicht nur die Imagination umarmt, sondern dass man auch in Fotografien ein Element des magischen Realismus finden kann. Ich habe beispielsweise schon versucht, mit Doppelbelichtungen die Realität zu dekonstruieren (also den rein deskriptiven Teil von Fotografie) oder Komplexität, Zweideutigkeit und weitere Bedeutungsebenen in Bilder zu bringen. Auf diese Weise sollten die verschiedenen Ebenen selbst Bedeutung tragen, aber tiefere Bedeutung offenbaren, dadurch, wie sie miteinander interagieren.


Die Fotos meiner Serie „Mametz Wood“ sind düster, sowohl im wörtlichen Sinne als auch metaphorisch, sie verstecken die Tragödie nicht, die konzeptuell dahintersteht. Ich finde nicht, dass visuelle Kunst generell fröhlich oder erbaulich sein muss. Kunst sollte meiner Meinung nach alle Facetten unseres Lebens abbilden.
Obwohl der Krieg auf viele Arten industriell und mechanisiert war, kämpften die Soldaten in diesem Krieg in den engen Grenzen der Wälder, es war dunkel und viele der Kämpfe wurden Mann gegen Mann mit Bajonetten ausgetragen.

Ein Teil meiner Inspiration für dieses Projekt war auch die Tatsache, dass der Horror des Krieges unsere Wahrnehmung von den Dingen um uns herum verändert. Die Art, wie wir mit einem Trauma aus einem Augenwinkel unscheinbare Dinge sehen können, die grauenvolle Erinnerungen heraufbeschwören können.
Eines der Hauptmerkmale von Shell Shock, das heute post-traumatische Belastungsstörung genannt wird, ist das konstante Wiedererleben der Ereignisse, die zum psychologischen Trauma geführt haben. Ich bin selbst ein Opfer von PTBS, was mir zu einem besseren Einblick für dieses Projekt verholfen hat.

David Jones hat den Krieg überlebt (er wurde ins Knie geschossen und nach Hause geschickt), aber er war tief traumatisiert von den Dingen, die er miterlebt hatte. Er hattte zwei Nervenzusammenbrüche nach dem Krieg und schaffte es erst 1938, „In Parenthesis“ fertigzustellen.

Zu diesem Zeitpunkt erlebt die Welt einen weitern tragischen Krieg und vielleicht war eben diese Welt zu diesem Zeitpunkt nicht bereit für diese spezielle Erzählung. Deswegen wurde es zu einem lange übersehenen, vergessenen Stück Literatur. David Jones wurde schließlich eher bekannt als Maler, der unter Eric Gill studiert hatte und für einige Zeit in Gills früher Version einer Künstlerkommune auf den Land in den Black Mountains von Wales gelebt hatte.

Es gibt diese Intimität mit der Natur und den Landschaften in Jones Gedichten, geboren aus der Enge von Mametz Wood, die wie eine Trauerrede auf alles Verlorene wirkt. Die Landschaft wird oft zu einer Metapher für die Tragödien, die sich dort abspielten. Oft symbolisiert sie aber auch die Hoffnung, dass die Ereignisse trotz allem nur kleine Bausteine einer größeren Geschichte von uns und den Orten sind.

Er fand Trost in der größten Aufräumarbeit der Geschichte der Menschheit nach dem Krieg und in der Tatsache, dass wir trotz der größten Tragödien aller Zeiten, nach den größten Schlachten, zumindest als Gesellschaft durchgekommen sind und überlebt haben, vielleicht in einzelnen Fällen sogar danach aufgeblüht sind.
Das ist das „magische“ Element des magischen Realismus in meinen Bildern (und in Jones’ Lyrik), das hoffentlich kleine Hoffnungsschimmer verbreitet, der unstillbare Erfindungsreichtung des menschlichen Geistes. Weil wir als Menschen besser sind als der Krieg.
Dieser Artikel wurde von Sebastian Baumer für Euch aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.
kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity
Kompromisse sind ja nicht immer gut. Oft aus der Not heraus entstanden, sind sie im Endergebnis nur eine halbherzige Lösung. In diesem Fall ist das etwas anders, zumindest wenn man weiß, was man will. Dann ist dieser Kompromiss eine willkommene, praktikable Lösung für alle, die ihr Kameraequipment gern quer durch die Natur tragen.
Ich bin gern draußen und gern viel unterwegs. Ich denke, um einen Ort angemessen auf sich wirken zu lassen, um dort einen Blick für stimmungsvolle Bilder zu entwickeln, muss man sich Zeit nehmen. Und die hat man am besten zu Fuß oder zumindest mit vielen Pausen auf der Autofahrt.
Unterwegs richtung Balos Beach, Kreta, Griechenland.

Auf Reisen habe ich selten viel dabei. Ich gebe, wenn ich fliege, ungern Gepäck auf und habe mir daher angewöhnt, Gepäck für alles unter zwei Wochen auf Handgepäck-Größe zu minimieren. Gut komprimiert klappt das mit meinem mittelgroßen Trekking-Rucksack auch, je nach Fluggesellschaft natürlich. Mein Kameraequipment fuhr früher immer in irgendwelche Kleidungsstücke gewickelt mehr oder weniger lose darin herum. Dass diese Art des Transports nicht besonders zu empfehlen ist, wurde mir recht schnell klar. Also musste ein Fotorucksack her.
Ich entschied mich, keinen Reisegedanken im Hinterkopf, für einen Rucksack von National Geographic*. Er ist kompakt, robust, waschbar und sieht nicht so aus, als würde er teure Geräte beinhalten.
Letzteres ist mir unterwegs nicht unwichtig. Ich bin zwar kein grundsätzlich misstrauischer Mensch, aber ich möchte mich gern überall möglichst unauffällig bewegen können. Und die klassischen, schwarzen Kamera- oder Laptoptaschen, die man auf Reisen oft sieht, sind zwar schlicht, könnten aber ebensogut mit glitzernden Dollarzeichen besetzt sein.
Athen, Griechenland.
Athen, Griechenland.
Diese Ansprüche habe ich also auch an einen Outdoor-Rucksack, der mich möglichst allround-fähig auf Reisen begleiten können soll. So bin ich auf den Mantona Elements Outdoor Rucksack* gestoßen. Die Produktbeschreibung des Herstellers ließ eher auf einen Tagesrucksack für ambitionierte Fotografen schließen, die eine kleine DSLR oder Systemkamera dabei haben und Platz für eine Regenjacke und Proviant brauchen.
Selbstsicher an meine minimalistischen Pack-Künste glaubend, beschloss ich, den Rucksack mit auf eine zweiwöchige Griechenlandreise zu nehmen. Mit zwei Rucksäcken unterwegs zu sein, in meinem Fall mit einem Trekking- und einem Kamerarucksack, ist einfach unnötig umständlich.
Dass ich keine zweiwöchige Wandertour mit Zelt und Verpflegung damit durchziehen kann, war mir klar. Aber viel fehlt dem anpruchslosen Reisenden dazu nicht. Hier eine kurze Übersicht über meine Packliste:
Kleidung für 10 Tage
Regenjacke
Medikamente
2 Bücher
Canon 5D Mark II + Canon 50mm f/1.4* +
Canon 85mm f/1.8*
2 CF Karten
Canon AE-1 + Canon 50mm f/1.8 FD
Polaroid 250 Land Camera
1 Fuji FP100c Sofortbildfilm
8 35mm-Filme
Schlafsack
Isomatte
1,5 l Wasserflasche


Damit war der Rucksack prall gefüllt, ging nur noch mit Mühe zu und wog etwa 9 kg. Ein Tablet hätte noch in das dafür vorgesehene Fach im Rücken gepasset, allerdings mit starken Platzproblemen. Ein Stativ hätte außen noch Platz finden können. Die Isomatte habe ich oben festgeschnallt und den Schlafsack, für den natürlich im Rucksack kein Platz war, unten mit zwei Gurten und dem Tragesystem der Schlafsackhülle befestigt.
Der fertig gepackte Rucksack ließ sich bequem tragen ohne lästiges Baumeln von außen befestigten Gegenständen oder schlecht ausbalanciertem Gewicht. Ich behaupte, dass ich sogar mein kleines, leichtes Zelt für eine Person noch hätte befestigen können, hätte dann aber die Trinkflasche tragen müssen.
Das Tragesystem mit Hüft- und Brustgurt ist bequem und gut justierbar. Die Regenschutzhülle ist platzsparend an der Unterseite versteckt und lässt sich schnell überziehen. Der eigentliche Teil des Rucksacks, der ihn als Kamerarucksack qualifiziert, ist an sich nur eine kleine, herausnehmbare Tasche mit optionalem Schultergurt, in der Platz für eine DSLR und zwei Objektive ist.
Ich habe eine Canon 5D Mark II mit zwei kleinen Objektiven darin verstaut, viel mehr passt nicht hinein. Beispielsweise Landschafts-, Tier- oder Naturfotografen, die eine weitaus größere Fülle an Equipment dabei haben, werden damit nicht glücklich, sind aber auch nicht die Zielgruppe. Die beiden analogen Kameras habe ich, altbewährt, oben zwischen der Kleidung untergebracht.
Kreta, Griechenland.
Die herausnehmbare Kameratasche hat natürlich den Vorteil, dass ich den Rucksack jederzeit zurücklassen kann und für einen Ausflug nur das Nötigste dabei haben muss. Quer im Rucksack verstaut ermöglicht das System durch zwei Reißverschlüsse schnellen Zugriff auf das Kamerafach. Das Fach im Deckel des Rucksacks und zwei kleine Fächer am Hüftgurt bieten Platz für Kleinigkeiten wie Landkarten, Medikamente, Kabel, Taschenmesser etc.
Meiner Meinung nach könnten die Gurte zur Befestigung allesamt etwas länger sein. Für kleine Stative sicherlich ausreichend, habe ich vieles nur mit etwas Zerren befestigen können, der Rucksack hatte aber trotzdem keine Probleme, alles sicher verschlossen zu halten.
Insgesamt macht die Verarbeitung einen sauberen und robusten Eindruck. Ich denke, ich habe die Kapazität des Rucksacks stark ausgereizt. Wer mit einem Mietwagen unterwegs ist oder an einem Ort verweilt und Platz für Tagestouren braucht, ist damit gut bedient. Auch für einen langen Wochenendtrip eignet sich der Rucksack vollkommen.
Balos Beach, Kreta, Griechenland.
Ich würde mir nur etwas mehr Platz wünschen, ohne in Bus, Bahn oder per Anhalter mehrere Taschen dabei haben zu müssen. Obwohl der Mantona Elements Outdoor Rucksack* nicht für diesen Anspruch gemacht ist, bin ich problemlos genau so gereist, ohne etwas zu vermissen.
Auch ein Kamerafach, das je nach Bedarf größer oder kleiner genutzt werden kann, wäre eine Option, die den Rucksack für alle interessant machen würde, die doch etwas mehr an Ausrüstung dabei haben oder deren Equipment über die Größe zweier kleiner Festbrennweiten hinaus geht. Für den Anspruch, den der Rucksack hat und den Preis von 129 € erfüllt er voll und ganz seinen Zweck. Kompakt, leicht und funktional. Die beste Lösung, die ich bislang gefunden habe.
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Ein Beitrag von: Christian Klant
Es war dieses Portrait, das Portrait eines Mannes, das ich da auf dem Titelbild des Online-Magazins BLUR sah, das mich nachdenklich machte.
Ich war gerade aus einer Galerie zurückgekehrt – ein tolles Gebäude, das äußerst geschmackvoll und exquisit umgebaut worden war und Werke des bekannten Fotografen Mario Trestino zeigte. Aus großformatigen Drucken in edler Rahmung schauten die Gesichter der bekannten Supermodells von den Wänden der klimatisierten Räume. Inhaltlich ließen mich die Bilder jedoch kalt. Sie wirkten auf mich oberflächlich. Die Emotionen nur gespielt.
So wie das Bild dieses Mannes auf dem Bildschirm vor mir musste ein Portrait doch aussehen! Es hatte viele Artefakte, kleine Fehler, eine Tiefenschärfe von nur wenigen Millimetern und war schwarzweiß. Kein steriles porentief retuschiertes und etwas zu perfektes „Kunstwerk“, sondern ein ganz einfaches, ehrliches und dadurch unglaublich intensives Abbild. Es hatte die Kraft, mich zu berühren.
Dieses Portrait war mit dem Kollodium-Nassplatten-Verfahren aufgenommen worden. Schon häufiger war ich diesen Bildern mit ihrem ganz eigenen Look begegnet. Aber nun, durch den Kontrast zwischen den perfekt inszenierten Welten in der Galerie und diesem so ganz anderen Portrait, war eine Verbindung entstanden.

Wieder zurück in Deutschland entschloss ich mich, auch mit solchen „Wet Plates“ zu fotografieren. Von diesem Moment an dauerte es fast ein halbes Jahr bis ich die dafür notwendige Ausrüstung beisammen hatte.
Vieles musste ich erst selbst bauen, anderes im Ausland bestellen. Hätte ich vorher gewusst, dass es so lange dauern würde und wie viele kleine Details nötig sind, dann hätte ich das Nassplatten-Abenteuer vielleicht nie gewagt. Doch zum Glück wusste ich es nicht.
Als ich die erste Platte mit zittrigen Händen aus der Entwicklerschale fischte, war das für mich wie ein Nachhausekommen von einer langen Reise. Erst jetzt verstand ich, dass ich schon lange auf der Suche gewesen war, auf der Suche nach meinem Medium.
Ich hatte mit Polaroids experimentiert, Rollfime belichtet und für zwei Wochen sogar eine Leica Monochrom zum Testen bekommen – ein Faible für schwarzweiß hatte ich schon immer. Alles in Allem blieb es jedoch bei kurzen Liebschaften. Doch jetzt war alles anders. Ich war Feuer und Flamme für die Nassplatten-Fotografie – mein neues altes Medium.

Wenn ich als Fotograf gefragt werde, was ich fotografiere, antworte ich meist mit „Menschen und Geschichten“. Und so waren es auch Menschen, die ich vor meiner Großformatkamera solange hin und her manövrierte, bis das Abbild auf der Mattscheibe zwar immer noch auf dem Kopf und spiegelverkehrt ankam, aber als Portrait durchgehen konnte.
Schon mit den ersten Aufnahmen war ich durchaus zufrieden und ganz automatisch begannen die Überlegungen zu einer Serie, in der ich meine Arbeit zusammenführen könnte. Kurz vor Weihnachten 2013 war es dann so weit. Auf einmal waren alle Bausteine da und der Name „100 Wet Plates – 100 Words“ stand in großen Buchstaben in meinem Notizbuch.

Ich hatte mir vorgenommen, 100 Menschen zu portraitieren und pro Person nur ein einziges Bild zu machen. Ein sportliches Vorhaben – nicht nur wegen der Anzahl der Personen. Wer sich schon einmal eingehender mit dem Nassplatten-Verfahren beschäftigt hat, wird wissen wie viele Faktoren auf das fertige Bild ihren Einfluss nehmen. Und damit meine ich erst einmal nur die, die man braucht, um ein sauberes Bild zu bekommen.
Ganz bewusst wollte ich das Analoge auf den Punkt bringen. Nicht aus einer Serie von Bildern das beste heraus suchen, sondern einen Raum und eine Atmosphäre schaffen, in der das Bild entstehen kann.
Dazu wollte ich den magischen Moment, in dem sich im Fixierbad der milchige Schleier von der entwickelten Platte lichtet, zu einem Teil der Serie werden lassen. Ich wollte die Menschen bitten, den Moment in dem sie ihr eigenes Bild in der Dunkelkammer entstehen sehen mit nur einem Wort zu beschreiben. Kein Satz, kein Ausschweifen – nur ein Wort.

Das war die Idee und diese verbreitete ich über meinen Blog, meinen Newsletter und über Facebook. Dann ging es los und ich wurde von den Anfragen, die in kürzester Zeit auf mich einprasselten, fast überrollt.
Mitte Januar begann ich mit den ersten Aufnahmen und Mitte April war ich fertig. Abgesehen von einer mir selbst verordneten Kreativpause fotografierte ich im Schnitt ein Portrait pro Tag. Puh! Das war eine intensive Zeit.
Es gab Höhenflüge nach dem ein oder anderen tollen Bild, aber auch Tiefpunkte. Wie sollte ich es nur schaffen 100 unterschiedliche Portraits zu machen, wo doch Licht und Hintergrund immer gleich waren? Doch letztlich durfte ich lernen, dass jeder Mensch anders ist. Manchmal auch anders, als ich es vorher erwartet habe.

Hinter jedem Portrait mit seinem Wort verbirgt sich eine eigene Geschichte. Die Reaktionen der Teilnehmer, die ich nach den Shootings bekam, waren zum Teil sehr bewegend. Ich glaube die Portraits zeigen viel von dem, was im Alltag unter der Oberfläche schlummert. Manchmal sogar Dinge, die schon vergessen geglaubt waren.
Jetzt, nach Abschluss der Serie, geht es für mich weiter. Zum einen bin ich auf der Suche nach einer Galerie, die mit mir gemeinsam das Projekt ausstellen möchte und zum anderen habe ich ein Buch zur Serie gemacht.

Natürlich fotografiere ich noch immer mit dem Kollodium-Nassplattenverfahren. Mittlerweile sogar fast mehr, als in meinem digitalen Alltag als Berufsfotograf. Neben meiner Leidenschaft für Portraits zieht es mich mit einer restaurierten Holzkamera und meiner mobilen Dunkelkammer nach draußen.
Es gibt Orte in der Natur, die für mich etwas Magisches haben. Diese möchte ich portraitieren. Für einen Menschenfotografen durchaus eine Herausforderung, aber ich nehme diese gerne an.
In den folgenden Galerien hast Du die Möglichkeit, Dir eine Auswahl der Wet-Plate-Portraits persönlich anzuschauen.
Galerie Lukasczyk: Vernissage 5. Dezember 2014 – Finissage 21. Februar 2015
Continuum Gallery: Vernissage 6. Dezember 2014 – Finissage 2. März 2015
Das gleinamige Buch zur Serie kannst Du hier bestellen.
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Ein Beitrag von: Isabel Kiesewetter
Mit dem Zerfall der Sowjetunion und dem Ende des Kalten Krieges begann die größte militärische Abrüstung der Geschichte. In Europa wurden nach dem Abzug sowjetischer und westlicher Streitkräfte nach der Wende zahlreiche militärische Einrichtungen geschlossen. Die Fotografin Isabel Kiesewetter hat die Umnutzung dieser ehemaligen militärischen Areale dokumentiert. Auf Kwerfeldein stellt sie ihr Projekt „Konversion“ vor.
1994. Ein Blick nach Brandenburg. „Wjunsdorf“, wie der Ort von den Russen genannt wurde, ist Sitz des Oberkommandos der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Innerhalb des umzäunten Geländes befinden sich zahlreiche sowjetische Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen und Geschäfte.
Unterirdisch erstreckt sich ein durch Gänge verbundenes Netz an bombensicheren Bunkeranlagen, überirdisch stehen zahlreiche Luftschutztürme. Für Bürger der DDR ist das Areal Sperrgebiet.


Das einstige Hauptquartier des Oberkommandos der Wehrmacht beherbergte zu Spitzenzeiten 50.000 bis 75.000 sowjetische Männer, Frauen und Kinder.
1994 erfolgte dann der Abzug der Truppen und hinterließ eine komplette Stadt – menschenleer.
Wünsdorf ist nur ein Beispiel von zahlreichen verlassenen Militärgeländen in Ost- und Westdeutschland. Riesige Militärflächen bleiben zurück, die sich in einem äußerst desolaten Zustand befinden und mit gefährlichen Altlasten kontaminiert sind.


Die Rückführung der ehemaligen militärischen Anlagen in eine zivile Nutzung bringt für die Kommunen deshalb erhebliche Herausforderungen mit sich. Für Flächen, die oft jahrzehntelang in der Stadtplanung unberücksichtigt blieben, muss nun eine neue Verwendung gefunden werden. Die Finanzierung der Konversion stellt die Kommunen vor beträchtliche Probleme.
Der Abzug der Truppen führt zu einem Verlust von 129.000 zivilen Arbeitsplätzen in Deutschland. Wo vorher ein reger Handel zwischen den ausländischen Streitkräften und ortsansässigen Betrieben herrschte, ist plötzlich keine Nachfrage mehr vorhanden. Daher sollen nun neue Märkte erschlossen werden.


Die Kommunen wollen Investoren finden, um durch Steuereinnahmen und Arbeitsplätze Wohlstand für die Region zu sichern. Dabei kann es zu Spannungen kommen, wenn die kommunalen Interessen, nicht mit den Forderungen der Umweltverbände und Gewerkschaften vereinbar sind, die für eine sozial verträgliche Umnutzung eintreten.
20 Jahre nach dem Abzug der Alliierten ist die Konversion einiger Areale bereits abgeschlossen, bei anderen hat sie noch nicht einmal begonnen. Hier ergreift die Natur Besitz vom militärischen Nachlass. Die Betrachtung der derzeitigen Beschaffenheit und Nutzung dieser Gebiete ermöglicht einen differenzierten Blick auf den langwierigen Konversionsprozess in Deutschland.


Das Konzept zu diesem Thema habe ich im Rahmen meiner Abschlussarbeit an der Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin entwickelt. Meine Fotografien zeigen Landschaften. Doch ihr Bezug zur früheren militärischen Vergangenheit erschließt sich nicht immer auf den ersten Blick. Erst bei genauerem Hinsehen und der Betrachtung der Bilder als Serie, entsteht ein Gefühl für die Bedeutung, die diese Orte einmal hatten.
Bei der Konzeption des Projekts war es mir wichtig, keinen Verfall zu zeigen. Ich versuchte, einen neutralen Standpunkt einzunehmen und mich darauf zu konzentrieren, diese Haltung auch technisch umzusetzen. Es gibt kaum Unschärfe in den Bildern. Viele Fotografien wurden aus einer größeren Distanz oder von einem erhöhten Standpunkt aus aufgenommen.


Das Projekt „Konversion“ knüpft direkt an meine vorangegangenen Arbeiten an. Auch in den Arbeiten „places“ und „Hamburg Süd“ habe ich mich bereits mit Orten beschäftigt, die sich aufgrund gesellschaftlicher und politischer Veränderungen einem Wandel unterziehen.
Meine Arbeit soll kein bloßes Dokument sein, sondern eine eigene differenzierte Sichtweise auf ein komplexes Thema erlauben und Fragen aufwerfen. Sie ist eine Momentaufnahme, die einen Einblick in den langwierigen Konversionsprozess in Deutschland ermöglicht.
Wer mehr über Isabel Kieswetters Arbeiten wissen möchte, schaue auf ihrer Homepage nach. Isabel Kiesewetter ist Teil des Fotografenkollektivs Exp12.
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