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Archive for the ‘Equipment’ Category

Die Kraft des Meeres und die Stille des Waldes

16 Jan

Tosende Wellen unter stürmischem Himmel

Ein Beitrag von: David Baker

In den vergangenen drei Jahren habe ich zwei Projekte entwickelt: „Sea Fever“ und „Ridge Trees“.
Das erste konzentriert sich auf die Kraft und Gewalt des Meeres. Menschen fühlten sich schon immer zur See hingezogen, was möglicherweise an der Kraft liegt, die sie ausstrahlt und an ihrem hypnotischen Klang.

Tosende Meereswellen unter heiterem Himmel

Das Projekt streift diese Kraft und ist meine Interpretation der engen Verbundenheit zwischen Himmel und Meer. Im März 2012 hielt ich mich auf den Äußeren Hebriden im Nordwesten Schottlands auf. Während meiner vorherigen Reise dorthin, im Februar 2008, hatte ich überwiegend Aufnahmen in Langzeitbelichtung erstellt.

Doch während meines zweiten Aufenthalts machte ich keine einzige. Da ich zum Ende hin deshalb etwas unruhig wurde, begann ich einige Aufnahmen, um die Kraft der See in einer Art einzufangen, wie ich es nie zuvor getan hatte.

Tosende Meereswellen unter dramatischem Himmel

Das erste Bild, Hebridean Sea III, lud ich Ende April 2012 auf meinen Fotoblog hoch und das war es dann auch vorerst. Das Projekt entwickelte sich bis in den August hinein nicht weiter, bis ich dann ein zweites Bild bearbeitete.

Noch hatte ich nicht bemerkt, dass ich da ein potenzielles Projekt am Wickel hatte. Doch von März 2013 an begann ich, mit weiteren Aufnahmen zu experimentieren, um „Hebridean Sea III“ eine würdige Ergänzung zu geben.

Tosende Meereswellen unter bewölktem Himmel

Ich experimentiere vor Ort immer mit einer Reihe von Verschlusszeiten und Brennweiten und verwende Filter, wobei ich versuchte, auf die Beziehungen zwischen Wellen und Wolken zu achten, die sich ergaben. Ich legte es darauf an, immer mindestens eine Linie in den Vordergrund oder eine zentrale Welle in das gesamte Bild zu bekommen.

Ich versuche mich der Sache mit einem malerischen Ansatz zu nähern, wenn man so will, denn ich möchte, dass die Bilder transportieren, wie es sich anfühlt, bei stürmischem Wind, mit dem Salz in der Luft, in der Gischt und dem dumpfen Schlagen der Wellen am Ufer zu stehen und einen Sinn von der eigenen Verletzlichkeit zu bekommen.

Tosende Meereswellen unter heiterem Himmel

Tosende Seewellen

Die meisten Belichtungen sind nur zwischen 0,3 und 0,6 Sekunden lang, da längere Zeiten dazu tendieren, der See die Struktur und Bewegung zu nehmen. Ich betrachte das Meer kaum vor dem Hintergrund einer statischen Momentaufnahme und für diese Serie war mir wichtig, den ständigen Strom und die Gewalt des Meeres wiederzugeben.

Tosende Wellen treffen auf eine steinerne Küste

Ich hatte Glück und durfte im Juli 2013 an der Ausstellung „Masters of Vision“ teilnehmen. Dort traf ich am ersten Wochenende David Breen von Triplekite Publishing und Dav Thomas. Ich kannte bereits einige von Davids fotografischen Arbeiten und natürlich auch Davs Buch „With Trees“*, das kurz zuvor bei Triplekite erschienen war.

Eine tosende Welle trifft auf den Strand.

Anfang August schlug mir David dann vor, ein Buch zu veröffentlichen, das auf auf mein „Sea Fever“-Projekt aufbauen sollte und das er zuvor in der „Masters of Vision“-Ausstellung gesehen hatte. Welch ein großartiger Tag! Das Buch „Sea Fever“* kam schließlich im Dezember 2013 heraus.

Ein Pferd steht neben einem Baum auf einer nebligen Wiese.

Mein zweites Projekt „Ridge Trees“ konzentriert sich auf den New Forest Nationalpark in der Grafschaft Hampshire. Es wird durch drei Dinge charakterisiert: Dämmerung, Nebel und die Besonderheit des Ortes. Der New Forest Nationalpark ist das ganze Jahr über und besonders bei Tageslicht ein bei Touristen überaus beliebter Ort.

Zartes Morgenlicht stößt durch den Morgennebel in einem Kiefernwald.

Ich möchte zeigen, wie der Wald bei Dämmerung aussieht, im Herbst, im Winter und bei Nebel. Damit hoffe ich, andere Fotografen zu motivieren, ihren eigenen Zugang zum Wald zu finden. Der New Forest wirkt bei Nebel besonders dann wie verwandelt, wenn man auf eine Schonung wunderbar gerader Kiefern blickt, die frei von hohem Dickicht und Unterholz ist.

Neblige Schonung in einem Kiefernwald.

Der Nebel zeichnet das Licht so weich, so dass es gut ist, zuerst einmal nur über mögliche Perspektiven nachzudenken, denn gelegentlich fällt noch Schnee und der Wald verwandelt sich erneut.

Bis Mai 2013 konnte man fast alle meine Werke bis auf einige Ausstellungsdrucke nur digital anschauen. Ich war mit einem Freund auf Fototour und er machte mich darauf aufmerksam, dass ich meine gesamte Bildverarbeitung in Eigenregie durchführte, nicht aber den Druck. Er hatte recht, das ließ ich bis dahin immer andere machen.

Von Raureif bedecktes Unterholz an einer Birkenwaldschonung.

Warum versuchte ich das mit dem Drucken nicht auch einmal selbst? Infolge dieser Überlegungen erwarb ich einen Epson 3880*, kaufte mir etwas Cotton Rag Paper (Fotospeed SC300 und NST Bright White 315g/m²) und begann, meine Kunstdrucke selbst herzustellen.

Die Herstellung von Kunstdrucken bedarf eines langen Lernprozesses, aber es gefällt mir sehr. Ein DIN-A2-Druck auf Cotton Rag Paper von 315 g/m² Gewicht hat eine wunderbar taktile Qualität.

Herbstliche Sonnenstrahlen dringen durch die Wipfel eines Nadelwalds auf einen Weg durch das Unterholz.

Immer wenn ich gefragt werde, wie man ein gutes Fotoprojekt entwickelt, sage ich immer: Glaube an den Wert Deiner Bilder und Dein Talent. Experimentiere und habe Spaß dabei. Wenn Du über ein Projekt nachdenkst, vergewissere Dich, dass es einen persönlichen Bezug zu Dir hat und suche Dir ein Thema, das Dir ermöglicht, die Bilder aufzunehmen, die Du haben willst.

Schlammiger Waldpfad

Und denke nicht zuletzt auch daran, was Du dazu zu erzählen hast und wie die Arbeit einmal präsentiert werden könnte – sei es im eigenen Blog, in einer Ausstellung oder gar in Form eines Buches.

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhält kwerfeldein eine kleine Provision, Ihr bezahlt aber keinen Cent mehr.

Dieser Gastartikel wurde von Robert Herrmann für Euch aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.


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15. Januar 2015

16 Jan

Das Bild des Tages von: Karin Daninger

Ein Mann steht vor einer Landschaft und genießt den Ausblick.

Fotolinks des Tages

1. Äthiopien im Portrait

Man muss die bunten und teilweise romantisierenden Fotos des Magnum-Fotografen Steve McCurry nicht mögen. Doch eines ist ihm zugutezuhalten: Er hat einen unvergleichbaren Eifer, die Menschen ferner Länder zu portraitieren. Heute veröffentlichte McCurry eine Bildstrecke über die Farben des Landes Äthiopien. Und wenn McCurry eines kann, dann ist es der Umgang mit fotografischen Farben. Besonders schade finden wir jedoch, dass sich McCurry nicht die Mühe gemacht hat, außer ein paar Zitaten auch etwas über die Einzigartigkeit des Landes zu schreiben. → ansehen

2. Das Märchen von den erleuchteten Pilzen

Nein, die Makro-Fotografie ist nicht tot. Selten, aber nicht zu übersehen gibt es Lichtpunkte am Ende des Tunnels eines Genres, das kleine Dinge groß macht. Ein Beispiel dafür ist Martin Pfister aus Bayern. Dieser überspringt locker die üblichen Maxime der Makrofotografie und erzeugt mit LED-Lichtern eine fabelhafte Stimmung, die seinen Nahaufnahmen von Pilzen beinahe märchenhaften Charakter verleiht. → ansehen

+ Martin Pfister ist nicht sonderlich aktiv im Netz, aber auf 500px hat er ein Profil mit aktuellen Fotos.

3. Augen auf, Ihr Künste!

Fotografisch keine Meisterleistung, aber die Idee ist genial: Ein neuer Tumblr mit dem Namen „What They See“ beschäftigt sich mit der Frage, was Kunstwerke sehen würden, wären sie dazu in der Lage. Was man daraus lernen kann? Manchmal reicht ein schlichtes Konzept aus, um eine in ihrer Wirkung verblüffende Serie zu gestalten. → ansehen


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How To Take Awesome Instant Portraits

15 Jan
Extra photos for bloggers: 1, 2, 3

Reason #2654 why instant cameras are the coolest thing since sliced artisanal bread: portraits, baby!

Keep these tricks up your sleeve next time you’re photographing your friend/nanna/cat/batman figure to give your portraits a bit of POW!

Embrace instant and give your digital camera a rest, like, this instant.

 

Learn How To Take Awesome Instant Portraits

WHY IT’S COOL

Your portraits can not only be enjoyed instantly, they’ll have some serious attitude.

IDEA 1: EXPOSE LOOOOOOONGER

beforeLong exposures are really fun to play with. You can paint with light, or capture movement. Or both.

Ask your subject to wave fairy lights in front of their face while keeping the shutter open to capture it all.

 

IDEA 2: BLUR, YES SIR

beforeFor a surreal look, throw out all the rules and set the focus to short distance when photographing from a long distance, or visa versa.

Because sometimes a hint at something is better than the real thing.

 

IDEA 3: EMBELLISH

beforeGive your portraits a personal touch and another dimension by painting over it with nail polish or glitter glue.

Who says more isn’t more?
 
 
 

IDEA 4: DOUBLE UP

beforeGive your portraits some texture by turning on your camera’s multiple exposure function, and take a photo of a pattern (graffiti, flowers or even wallpaper work really well) before taking a photo of your subject.

This technique takes a lot of experimentation and always give an interesting result!

GRAB YOURSELF AN INSTANT CAM!

beforeLimited Edition Polaroid SX-70

Calling all nostalgia lovers! This guy is the original instant camera, made only up until 1977 and hand restored to perfect condition just for you.

Lomo Instant Camera

Lomography your thang? The Lomo Instant comes with three additional lenses (fisheye, portrait and close up) and gives you a bunch of creative controls including those sexy long exposures, multiple exposures, manual aperture and gel filters for color flash, if you please.

Instax Mini 8 Camera

Ahh simple pleasures. The classic does one thing: take instant photos. And it does it with a smile on it’s little camera face every time. Just load film, point, shoot and collect your credit card sized photo.

Instax 90 Neo Classic Instant Camera

The wiser, more distinguished sibling of the classic Instax Mini Cam, this sexy beast let’s you play with double exposures, long exposures, adjustable shooting modes and wait for it…a self timer. SELF PORTRAITS OMG!

Instax Wide 300

Instax Mini too…mini for you? Go wide! This is your guy if you want all the features of the classic Instax Mini, but think your mug deserves a larger canvas.

TAKING IT FURTHER

  • Chances are that you will end up with a couple of dud shots but be sure to hang on to them. Just cut out the photos with a craft knife, leaving only the frame. Now hold it in front of your subject’s face for a meta touch.
  • Or what about putting an actual instant photo within another? Then again and again. How deep can you go?
  • Turn your camera upside down or tilt diagonally, get down low or shoot from right above.

© Erika for Photojojo, 2015. |
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Lost Places: Dr. Anna L.

15 Jan

© Leon Beu

In dieser verlassenen Villa in Hessen befindet sich nicht nur eine voll eingerichtete Wohnung, sondern auch eine Arztpraxis mit Wartezimmer, Labor und Bibiliothek. Wer schon in einem normalen Lost Place Gänsehaut bekommt, der wird sich hier beim Anblick des Untersuchungsstuhls und der konservierten Organe sicher alles andere als wohl fühlen.

Oft sind die Geschichten hinter solchen Lost Places doch sehr traurig. Ein Gebäude wird nicht einfach so aufgegeben. Meist stirbt der Besitzer und es gibt keine Erben. Oder im schlimmsten Fall einen großen Erbstreit und das Haus verfällt, während sich Anwälte böse Briefe schreiben. Um diese Villa ranken sich viele Gerüchte. Am wahrscheinlichsten ist, dass nach dem Tod ihres Mannes die Frau Doktor in ein Altenheim ging und nicht mehr fähig war, sich um das Haus zu kümmern.

Ein Flügel in einem verfallenen Zimmer mit rosa Vorhängen

Verwüstetes Untersuchungszimmer eines Urologen.

Konservierte Nieren in Gläsern.

Titelbild und Fotos: Leon Beu

Mit diesem Gedanken im Hintergrund ist der Besuch der alten Villa sehr bedrückend. Sie war noch voll eingerichtet: Bücher stehen in den Regalen, Kleider liegen in den Schränken. Briefe und Fotos findet man auf dem Schreibtisch und im Flur stehen auf einem kleinen Schränkchen Blumen. In ihrer Vase sind sie mit der Zeit getrocknet. Nach dem Tod und Auszug der Besitzer wurde hier vorerst alles genau so belassen wie es war.

In den oberen Etagen finden sich die Wohnzimmer, im Untergeschoss war die Arztpraxis des Urologen-Paares. Auch sie wurde von den Besitzern im ursprünglichen Zustand verlassen. Am beeindruckensten ist dabei wohl der Untersuchungsraum mit Patientenliege. Ordner mit Aufschriften wie „Prostata-Karzinom“ finden sich im Regal und weisen auf den Beruf hin. Auf dem Regal stehen in Formaldehyd eingelegte Nieren in verschiedenen Krankheitsphasen in Gläsern. Einige von ihnen sind mittlerweile zerbrochen, sodass es im ganzen Haus unglaublich stinkt.

Treppenhaus von oben

Altes Bett an einem verlassenen Ort.

Garderobe mit großer Glasfront.

Fotos: Sébastien Ernest

Das Haus ist wohl einer der bekannteren Lost Places und wurde von vielen Menschen besucht. Von vorsichtigen Abenteuerern ebenso wie von Randalierern und Dieben. Viele Bücher wurden mittlerweile aus den Regalen gerissen und bedecken die Böden und das Treppenhaus. Zettel und Kleidung liegen überall verstreut und auch einige Möbel sind bereits zu Bruch gegangen. Wie es hier aussah, als die ersten Entdecker kamen, kann man sich leider kaum vorstellen.

Auf Youtube finden sich unzählige Videos von Rundgängen durch das Haus und auch viele Fotografen haben sich hier bereits eingefunden. Einige von ihnen haben dabei für ihre Fotos viel umgestellt und insbesondere das Untersuchungszimmer stark arrangiert.

Ein Kleid und ein Spiegel hängen über einer alten Liege.

Ein alter Sessel vor einem kleinen Tisch.

Eine alte Kommode und ein kunstvoller Paravant in einem verlassenen Haus.

Fotos: Dirk Theuerkauf

Leider konnte ich bisher niemanden finden, der das Haus in seinem ursprünglichen Zustand festgehalten hat. Ins Auge fällt auf den ersten Bildern jedoch ein Kunstwerk, auf das mich der Fotograf Leon Beu aufmerksam gemacht hat. Ein blauer Paravant mit Skelettfrauen, bei dem es sich wahrscheinlich um ein Original mit einem Schätzwert im mittleren fünfstelligen Bereich handelt. Was damit passiert ist, konnte ich nicht herausfinden.

Nicht nur der Vandalismus setzt dem Haus zu, auch die Zeit tut ihr Übriges. Die Wände sind feucht und schimmeln, die Tapeten fallen ab, die Holztüren und Balken werden morsch und Farbe blättert überall ab. Im obersten Stockwerk wird der Boden nur noch von einzelnen Streben gehalten. Die Villa steht seit 1988 leer und wird wohl nicht mehr lange ohne Gefahr zu betreten sein.


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14. Januar 2015

15 Jan

Das Bild des Tages von: Bassam Allam

Bassam Allam

Fotolinks des Tages

1. Über die Pressebilder des „Charlie Hebdo“-Trauermarsches

Das Foto der aktuellen Machthaber in Paris, die Arm in Arm scheinbar den Trauermarsch anführen, wird vielleicht in die Geschichte eingehen. Es ist jedoch in einer Nebenstraße für den angekündigten Pressetermin aufgenommen wurden. Obwohl dies nicht verschwiegen wurde, stößt die Inszenierung auf Kritik. Ebenfalls für starke Kritik sorgt die ultraorthodoxe Zeitung „Hamodia“ in Israel, die aus religiösen Gründen keine Abbilder von Frauen abdruckt und kurzerhand Frau Merkel und andere Machthaberinnen aus dem Foto retuschierte. → ansehen

2. Gotham City aus dem Hubschrauber

Wie muss es sich wohl anfühlen, sich in tausenden Metern Höhe mitten in der kalten Nacht aus dem Hubschrauber zu lehnen? Man kann nicht fallen, dafür ist der Fallgurt zu sicher, aber furchteinflößend ist eine solche Erfahrung garantiert. Der Filmemacher und Fotograf Vincent Laforet ließ es drauf ankommen und fotografierte New York City in bisher ungesehener Art und Weise aus der Vogelperspektive. Diese besten Aufnahmen präsentiert er nun auf Storehouse – und zwar in groß. Prädikat „unerreicht“. → ansehen

3. Eine geklaute DSLR, 10 Millionen Menschen und ein Start-Up

Das Foto-Startup EyeEm macht in den letzten Monaten immer wieder auf sich aufmerksam. Zwar halten wir die Vermutung, dass EyeEm nun auch Instagram zur Konkurrenz werden könnte, für warme Luft, doch von nix kommt nix. So werden die 10 Millionen Nutzer, mit denen das Unternehmen wirbt, nicht die Foto-App fürs Smartphone nutzen, weil ihnen langweilig wird. Warum der Gründer von EyeEm dem Dieb seiner DSLR dankbar ist und was die App von anderen unterscheidet, ist im Handelsblatt zu lesen. → ansehen

+ Falls Ihr nun Lust habt, EyeEm auszuprobieren, bitte hier entlang: iPhone | Android.


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Manueller Fokus im Zeitalter der DSLR

14 Jan

Ein mann in der Natur

Ein Beitrag von: Christopher Wesser

Kennt Ihr das auch? Ihr habt Hunger, geht in eines der berühmt-berüchtigten Systemgastronomie-Restaurants à la Burger-Donalds, Sub-Piano oder Dunkin Fried Chicken und blickt voller Ehrfurcht und Vorfreude auf diese talentierten Meister der Gaumenfreuden, die voller Inspiration und Leidenschaft ein Gourmet-Essen zaubern. Nein? Ich auch nicht. Mal ehrlich: So ziemlich jeder gönnt sich diese ungesunden Zwischenspeisen hin und wieder, weil sie schlicht einfacher und schneller sind.

Trotzdem läuft uns doch erst dann der Saft im Mund zusammen, wenn wir uns aus einer Speisekarte etwas aussuchen, von dem wir wissen, dass es von einem Koch zubereitet wird, der liebt, was er tut. Der das beste Stück Fleisch heraussucht, es nach seinem ganz persönlichen Bauchgefühl auf den Punkt brät und nochmal eine Prise Salz dazu gibt, weil er das Gefühl hat, dass genau das dem Gericht noch fehlt.

Warum sollte es sich beim Fotografieren anders verhalten? Klar, als ich zum ersten Mal eine Spiegelreflexkamera in der Hand hielt, stand der Programmregler auf „P“ und ich war begeistert, als meine Katze vor einem unscharfen Hintergrund freigestellt war. Als ich dann merkte, welche unglaublichen kreativen Möglichkeiten mir die einzelnen Einstellungen boten, befand sich meine Kamera bald nur noch im M-Modus.

Das Einzige, was ich mir noch vorkauen ließ, war der Fokus. Aber ich dachte mir irgendwann: „Warum eigentlich?“ Wenn die manuelle Veränderung von Blende, Verschlusszeit und ISO-Leistung ein Bild so ausschlaggebend verändern kann, dann sollte das doch beim Fokus nicht anders sein.

Also los, ist ja nichts dabei. Ich stellte einfach den Schalter von AF auf MF und ab ging die Post. Raus in den Garten, die Blumen ins Visier nehmen, Blende auf 1.4 (soll ja schön freigestellt sein) und am Fokusring drehen, bis es scharf aussieht. Pustekuchen.

Die Sichtung meiner ersten manuell fokussierten Bilder auf einem Computerbildschirm ergab folgende Erkenntnis: Ich hatte keine Ahnung, was ich da eigentlich tat. Aber andere schaffen’s doch auch, oder nicht? Manche Objektiv-Schmieden machen sich noch nicht einmal die Mühe, überhaupt ein Autofokus-System in ihre Linsen zu bauen, irgendwie muss es also möglich sein.

Portrait einer jungen Frau

Früher, als die Leute noch auf Film fotografierten, gab es lange Zeit überhaupt keinen Autofokus, wie hat das denn da funktioniert? Da gab es verschiedene Mattscheiben, die dem Nutzer das Fokussieren erleichterten. Die wohl am meisten genutzte war die sogenannte Schnittbild-Mattscheibe. Diese Scheibe hat einen Kreis in der Mitte, der horizontal geteilt ist. Das Bild in der oberen Hälfte des Kreises wird versetzt zum Bild in der unteren Hälfte des Kreises dargestellt.

Würde man eine Person in diesem Kreis sehen, dann würde es so aussehen, als wäre diese Person in der Mitte durchgesägt und Ober- und Unterkörper etwas nach links bzw. rechts versetzt. Dreht man jetzt den Fokus auf die Person, dann passen obere und untere Kreishälfte perfekt zusammen, der Fokus „sitzt“. Klingt jetzt kompliziert, aber wenn man einmal durch den Sucher schaut, versteht man sofort, was man tun muss. Das klang jedenfalls genau nach dem, was ich suchte.

Leider hatte Canon für meine EOS 550D nicht vorgesehen, dass die Mattscheibe gewechselt wird. Dennoch gab es für ca. 25 € auf dubiosen Hong-Kong-Webseiten Schnittbild-Mattscheiben für dieses Kameramodell zu kaufen. Okay, den Preis war es mir wert, auch wenn ich ewig darauf warten musste.

Stolz wie Oskar befreite ich mein Wohnzimmer so weit es eben ging vom Staub und meine arme Kamera musste eine 30-minütige Operation über sich ergehen lassen, in der ich mit filigranen und teils wirklich komplizierten Bewegungs-Kombinationen meine alte Mattscheibe aus- und die neue einbaute.

Ein junger MannEine junge Frau

Es war ganz schön viel Aufwand für so ein kleines Stück Glas, aber ich war endlich soweit. Ich brachte die Kamera an mein Gesicht, schaute durch den Sucher und tatsächlich, da war er: Der Kreis mit den zwei Hälften, die ich perfekt übereinander setzte, abdrückte und… unscharf? Wie jetzt? Nochmal… unscharf! Ich hatte tatsächlich so viel Aufwand und Schweiß investiert, nur um am Ende festzustellen: Kaufe keine komplizierten Kamerateile für kleines Geld aus Hong Kong.

Damit stand es 2:0 für den manuellen Fokus. Meine nächste Herangehensweise erwies sich allerdings als wesentlich fruchtbarer. Moderne Digitalkameras bieten alle die Möglichkeit des sogenannten Live-View-Modus und der eignet sich tatsächlich super, um manuell zu fokussieren. Normalerweise hat man die Möglichkeit, den Bildausschnitt auf dem Display nochmal heranzuzoomen, was das Scharfstellen zusätzlich erleichtert.

Genau so sah dann auch lange Zeit mein Fokus-Workflow aus: Ich schaltete meine Kamera auf Live View um, rückte den Bildausschnitt zurecht und zoomte dann an die Stelle, an der ich den Fokus haben wollte. Jetzt ließ sich das Bild wunderbar und ohne große Probleme scharfstellen und ich hatte es endlich geschafft, erfolgreich manuell zu fokussieren. Zu dieser Zeit fotografierte ich sowieso hauptsächlich Natur- und sehr ruhige, unbewegte Motive, wofür sich diese Methode wunderbar eignete.

Zwei Personen und eine Laterne

Bis ich anfing, Menschen vor meine Kamera zu stellen und mit Live View zu fokussieren. Habt Ihr das schon einmal probiert? Irgendwie peinlich, oder? Ihr habt eine super Location, super Licht, Euer Modell ist in Pose geworfen und wartet nur noch darauf, dass Ihr den Auslöser drückt. Und was macht Ihr? „Warte…“ – Bildausschnitt heranzoomen – „Warte…“ – am Fokusring drehen – „Warte, hab’s gleich…“ – Bildausschnitt wieder rauszoomen und die Komposition nochmal korrigieren – „Ahhh, Mist, jetzt hast Du Dich aus dem Fokus rausbewegt…“ – alles wieder von vorn.

Dieser ewige Fokus-Prozess hat mir bei der Portraitfotografie wirklich viele Dinge zerstört. Die Stimmung, die Spontaneität und vor allem die Kommunikation zwischen Modell und Fotograf. Außerdem kann man eine Tatsache nicht abstreiten: Ein Fotograf, der sich die Kamera ca. 15 cm vor sein Gesicht hält und wie gebannt auf das Display starrt, erinnert einfach wesentlich mehr an einen nervigen Touristen als an einen Künstler.

War es das also mit dem manuellen Fokussieren? Mein Schwerpunkt verlagerte sich immer weiter auf die Portraitfotografie und für mich war klar, dass ich auf keinen Fall weiterhin mit dem Live View Menschen fotografieren wollte. Es war aber noch etwas anderes klar: Ein Upgrade auf Vollformat musste demnächst durchgeführt werden. Das hat mir in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet.

Eine Frau und ein Cello

Habt Ihr schon einmal direkt hintereinander durch den Sucher einer Vollformat- und dann durch den einer Crop-Kamera geschaut? Ich musste eine halbe Stunde lang lachen, als mir klar wurde, was ich die letzten Jahre alles verpasst habe. Der Sucher meiner neuen 5D Mark II war einfach größer, heller und formatfüllender als alles, was ich bisher gesehen hatte. Na also, das sollte mir doch auch beim Fokussieren neue Möglichkeiten bieten!

Etwas Recherche brachte mich dann bald darauf, dass Canon extra für diese Kamera (und übrigens auch für die 6D) eine Mattscheibe mit dem Namen „EG-S“ verkauft, die speziell für das manuelle Scharfstellen gebaut wurde. Konkret heißt es in der Produktbeschreibung: „Erhöht die Kontraste und erleichtert dadurch das manuelle Fokussieren.“

Klingt jetzt etwas weit hergeholt, funktioniert aber tatsächlich! Die Mattscheibe hebt scharfe von unscharfen Bereichen viel stärker ab, was die Trefferquote beim Fokussieren extrem erhöht. Allerdings erfordert diese Methode einiges an Übung. Ich fühlte mich anfangs ein wenig wie beim Augenarzt. Ich stellte scharf, vertraute aber noch nicht genug auf meine Fähigkeiten, deshalb drehte ich noch etwas weiter am Fokusring und fragte mich dann innerlich: Besser oder schlechter?

Eine Person im Wald

Es war immer noch ein extrem langsamer und unbeholfener Prozess, aber mit mehr Übung und Erfahrung wurde ich immer schneller. Bis ich irgendwann sogar den Autofokus übertreffen konnte. Während bei anderen Fotografen noch der kleine Motor im Objektiv summte, hatte ich schon drei Bilder geschossen. Bei schlechten Lichtverhältnissen sogar fünf.

Zudem war mein Ausschuss aufgrund fehlfokussierter Bilder praktisch bei null. Der „Käfig“, der durch die wenigen Fokusfelder meiner Kamera früher bestand, war ebenfalls aufgebrochen. Ich konnte scharfstellen, was immer ich wollte und musste dafür nicht einmal die Kamera bewegen.

Als ich mir kürzlich die Fujifilm X100s als Reisekamera zulegte, lernte ich eine vollkommen neue Methode der Fokushilfe kennen, das sogenannte „Focus Peaking“. Dabei werden die Kanten von fokussierten Bereichen durch überspitzte weiße Linien hervorgehoben, was wirklich wunderbar funktioniert. Bei der X100s lässt sich das Ganze sogar im digitalen Sucher darstellen, wodurch man sich wiederum mehr als Fotograf fühlen kann und nicht ständig auf das Display an der Rückseite starren muss.

Manueller Fokus bedeutete für mich Beschleunigung und Entschleunigung zugleich. Mittlerweile fotografiere ich ganze Hochzeiten zu 100 % manuell und treffe auch bewegte Motive ohne Probleme. Nach so viel Übung und Schweiß drehe ich einmal am Fokusring und weiß ganz genau, wann die Schärfe getroffen ist und wann nicht.

Gleichzeitig heißt es aber auch, dass ich mir, wenn ich genug Zeit habe, viel mehr Gedanken über mein Bild machen und die Schärfe millimetergenau dort setzen kann, wo es das Bild am meisten bereichert. Egal ob es kleine Äste sind oder sogar Haare. Ich hatte sehr schnell das Gefühl, das manuelle Fokussieren bringt mich dem Bild noch ein ordentliches Stück näher und zwingt mich vor allem dazu, mir intensiver Gedanken darüber zu machen, was scharfe und unscharfe Elemente in meinen Fotos bedeuten.

Eine junge Frau mit Wunderkerzen

Wenn Ihr das manuelle Fokussieren selbst ausprobieren wollt, kann ich Euch ein paar Tips geben, die ich vor einigen Jahren selbst gern bekommen hätte:

Startet mit Tele-Festbrennweiten, also alles ab 85 mm. Zum Einen ist der Sucher durch die offene Blende schön hell, zum Anderen lässt sich aufgrund der hohen Freistellung der Fokus sehr leicht erkennen. Geht erst mit etwas Übung auf weitwinkligere Brennweiten. Ab 35 mm wird es verdammt schwierig und erfordert schon einiges an Erfahrung. An einer Vollformatkamera ist es zudem noch um einiges einfacher, da der Sucher wesentlich größer und heller ist als an Crop-Kameras.

Habt Ihr „nur“ eine Crop-Kamera und wollt trotzdem manuell fokussieren, dann versucht es entweder mit der Live-View-Methode oder recherchiert mal, ob es für Euer Kamera-Modell eine Mattscheibe mit Mikroprismen gibt. Diese hatte ich kurz vor meinem Upgrade auf Vollformat ausprobiert und war sehr angetan.

Einfach war mein Weg nicht und vor allem nicht kurz. Aber gelohnt hat es sich definitiv. Ich bin in der Anfangszeit teilweise von Shootings ohne ein einziges scharfes Bild nach Hause gekommen, aber ich habe es immer weiter versucht und fühle mich dadurch mehr mit der Fotografie und meinen Bildern verbunden als jemals zuvor.

Zugegeben, es ist mittlerweile schon viel Arbeit: Manuelles Belichten, Bildkomposition, Kommunikation mit den Modellen, manuelles Fokussieren. Aber dafür fühlt sich jedes Bild an wie ein handgemachtes Unikat, bei dem ich volle Kontrolle über jede Einzelheit habe.


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13. Januar 2015

14 Jan

Das Bild des Tages von: Moni Bergauf

Ein karger Feldweg im Schnee

Fotolinks des Tages

1. Der Fotograf von Auschwitz

Spiegel Online hat einen sehr lesenswerten Artikel über Wilhelm Brasse veröffentlicht, der als Häftling in Auschwitz fotografieren musste. Tagsüber portraitierte er andere Häftlinge zur Dokumentation: Im Profil, von vorne, mit Kopfbedeckung. Nach Feierabend kamen die Aufseher in sein Studio, um hübsche Abzüge von sich für die Familie zu Hause anfertigen zu lassen. Dank seines Könnens überlebte er Auschwitz, konnte danach jedoch nie wieder eine Kamera in die Hand nehmen, ohne erneut das Grauen zu sehen. → ansehen

” target=”_blank” title=”Link zum Artikel auf Boston Globe” >2. „Je suis Charly“

Etwa 3 Millionen Menschen gingen in Paris auf die Straße, um an die Opfer des Terrorangriffs zu erinnern. Auch in anderen Städten gedachten die letzten Tage viele den 17 Menschen, die ihr Leben verloren haben. The Boston Globe zeigt aktuelle Nachrichtenbilder der Solidaritäts­bekundungen.
” target=”_blank” title=”Link zum Artikel auf Boston Globe” >→ ansehen

+ Auch 500px zeigt die besten Fotos seiner Nutzer zum Thema.

3. Kannst Du sehen, was ich sehe?

Die UNHCR, oder auch UNO-Flüchtlingshilfe genannt, veranstaltet in unterschiedlichsten Flüchtlingscamps Foto-Workshops für Kinder. Diese dokumentieren dann ihren Alltag und präsentieren das Leben fernab der eigenen Heimat auf unerschrockene Weise. Ein gutes Beispiel dafür ist die vierzehnjährige Rhagda aus Damaskus, die den Wunsch hat, einmal Rechtsanwältin zu werden. Rhagda zeigt mit einprägsamen Fotografien, was in ihrem Leben wichtig ist, und was fehlt: Zum Beispiel Wasser. → ansehen


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Manueller Fokus Zeitalter der DSLR

14 Jan

Ein mann in der Natur

Ein Beitrag von: Christopher Wesser

Kennt Ihr das auch? Ihr habt Hunger, geht in eines der berühmt-berüchtigten Systemgastronomie-Restaurants à la Burger-Donalds, Sub-Piano oder Dunkin Fried Chicken und blickt voller Ehrfurcht und Vorfreude auf diese talentierten Meister der Gaumenfreuden, die voller Inspiration und Leidenschaft ein Gourmet-Essen zaubern. Nein? Ich auch nicht. Mal ehrlich: So ziemlich jeder gönnt sich diese ungesunden Zwischenspeisen hin und wieder, weil sie schlicht einfacher und schneller sind.

Trotzdem läuft uns doch erst dann der Saft im Mund zusammen, wenn wir uns aus einer Speisekarte etwas aussuchen, von dem wir wissen, dass es von einem Koch zubereitet wird, der liebt, was er tut. Der das beste Stück Fleisch heraussucht, es nach seinem ganz persönlichen Bauchgefühl auf den Punkt brät und nochmal eine Prise Salz dazu gibt, weil er das Gefühl hat, dass genau das dem Gericht noch fehlt.

Warum sollte es sich beim Fotografieren anders verhalten? Klar, als ich zum ersten Mal eine Spiegelreflexkamera in der Hand hielt, stand der Programmregler auf „P“ und ich war begeistert, als meine Katze vor einem unscharfen Hintergrund freigestellt war. Als ich dann merkte, welche unglaublichen kreativen Möglichkeiten mir die einzelnen Einstellungen boten, befand sich meine Kamera bald nur noch im M-Modus.

Das Einzige, was ich mir noch vorkauen ließ, war der Fokus. Aber ich dachte mir irgendwann: „Warum eigentlich?“ Wenn die manuelle Veränderung von Blende, Verschlusszeit und ISO-Leistung ein Bild so ausschlaggebend verändern kann, dann sollte das doch beim Fokus nicht anders sein.

Also los, ist ja nichts dabei. Ich stellte einfach den Schalter von AF auf MF und ab ging die Post. Raus in den Garten, die Blumen ins Visier nehmen, Blende auf 1.4 (soll ja schön freigestellt sein) und am Fokusring drehen, bis es scharf aussieht. Pustekuchen.

Die Sichtung meiner ersten manuell fokussierten Bilder auf einem Computerbildschirm ergab folgende Erkenntnis: Ich hatte keine Ahnung, was ich da eigentlich tat. Aber andere schaffen’s doch auch, oder nicht? Manche Objektiv-Schmieden machen sich noch nicht einmal die Mühe, überhaupt ein Autofokus-System in ihre Linsen zu bauen, irgendwie muss es also möglich sein.

Portrait einer jungen Frau

Früher, als die Leute noch auf Film fotografierten, gab es lange Zeit überhaupt keinen Autofokus, wie hat das denn da funktioniert? Da gab es verschiedene Mattscheiben, die dem Nutzer das Fokussieren erleichterten. Die wohl am meisten genutzte war die sogenannte Schnittbild-Mattscheibe. Diese Scheibe hat einen Kreis in der Mitte, der horizontal geteilt ist. Das Bild in der oberen Hälfte des Kreises wird versetzt zum Bild in der unteren Hälfte des Kreises dargestellt.

Würde man eine Person in diesem Kreis sehen, dann würde es so aussehen, als wäre diese Person in der Mitte durchgesägt und Ober- und Unterkörper etwas nach links bzw. rechts versetzt. Dreht man jetzt den Fokus auf die Person, dann passen obere und untere Kreishälfte perfekt zusammen, der Fokus „sitzt“. Klingt jetzt kompliziert, aber wenn man einmal durch den Sucher schaut, versteht man sofort, was man tun muss. Das klang jedenfalls genau nach dem, was ich suchte.

Leider hatte Canon für meine EOS 550D nicht vorgesehen, dass die Mattscheibe gewechselt wird. Dennoch gab es für ca. 25 € auf dubiosen Hong-Kong-Webseiten Schnittbild-Mattscheiben für dieses Kameramodell zu kaufen. Okay, den Preis war es mir wert, auch wenn ich ewig darauf warten musste.

Stolz wie Oskar befreite ich mein Wohnzimmer so weit es eben ging vom Staub und meine arme Kamera musste eine 30-minütige Operation über sich ergehen lassen, in der ich mit filigranen und teils wirklich komplizierten Bewegungs-Kombinationen meine alte Mattscheibe aus- und die neue einbaute.

Ein junger MannEine junge Frau

Es war ganz schön viel Aufwand für so ein kleines Stück Glas, aber ich war endlich soweit. Ich brachte die Kamera an mein Gesicht, schaute durch den Sucher und tatsächlich, da war er: Der Kreis mit den zwei Hälften, die ich perfekt übereinander setzte, abdrückte und… unscharf? Wie jetzt? Nochmal… unscharf! Ich hatte tatsächlich so viel Aufwand und Schweiß investiert, nur um am Ende festzustellen: Kaufe keine komplizierten Kamerateile für kleines Geld aus Hong Kong.

Damit stand es 2:0 für den manuellen Fokus. Meine nächste Herangehensweise erwies sich allerdings als wesentlich fruchtbarer. Moderne Digitalkameras bieten alle die Möglichkeit des sogenannten Live-View-Modus und der eignet sich tatsächlich super, um manuell zu fokussieren. Normalerweise hat man die Möglichkeit, den Bildausschnitt auf dem Display nochmal heranzuzoomen, was das Scharfstellen zusätzlich erleichtert.

Genau so sah dann auch lange Zeit mein Fokus-Workflow aus: Ich schaltete meine Kamera auf Live View um, rückte den Bildausschnitt zurecht und zoomte dann an die Stelle, an der ich den Fokus haben wollte. Jetzt ließ sich das Bild wunderbar und ohne große Probleme scharfstellen und ich hatte es endlich geschafft, erfolgreich manuell zu fokussieren. Zu dieser Zeit fotografierte ich sowieso hauptsächlich Natur- und sehr ruhige, unbewegte Motive, wofür sich diese Methode wunderbar eignete.

Zwei Personen und eine Laterne

Bis ich anfing, Menschen vor meine Kamera zu stellen und mit Live View zu fokussieren. Habt Ihr das schon einmal probiert? Irgendwie peinlich, oder? Ihr habt eine super Location, super Licht, Euer Modell ist in Pose geworfen und wartet nur noch darauf, dass Ihr den Auslöser drückt. Und was macht Ihr? „Warte…“ – Bildausschnitt heranzoomen – „Warte…“ – am Fokusring drehen – „Warte, hab’s gleich…“ – Bildausschnitt wieder rauszoomen und die Komposition nochmal korrigieren – „Ahhh, Mist, jetzt hast Du Dich aus dem Fokus rausbewegt…“ – alles wieder von vorn.

Dieser ewige Fokus-Prozess hat mir bei der Portraitfotografie wirklich viele Dinge zerstört. Die Stimmung, die Spontaneität und vor allem die Kommunikation zwischen Modell und Fotograf. Außerdem kann man eine Tatsache nicht abstreiten: Ein Fotograf, der sich die Kamera ca. 15 cm vor sein Gesicht hält und wie gebannt auf das Display starrt, erinnert einfach wesentlich mehr an einen nervigen Touristen als an einen Künstler.

War es das also mit dem manuellen Fokussieren? Mein Schwerpunkt verlagerte sich immer weiter auf die Portraitfotografie und für mich war klar, dass ich auf keinen Fall weiterhin mit dem Live View Menschen fotografieren wollte. Es war aber noch etwas anderes klar: Ein Upgrade auf Vollformat musste demnächst durchgeführt werden. Das hat mir in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet.

Eine Frau und ein Cello

Habt Ihr schon einmal direkt hintereinander durch den Sucher einer Vollformat- und dann durch den einer Crop-Kamera geschaut? Ich musste eine halbe Stunde lang lachen, als mir klar wurde, was ich die letzten Jahre alles verpasst habe. Der Sucher meiner neuen 5D Mark II war einfach größer, heller und formatfüllender als alles, was ich bisher gesehen hatte. Na also, das sollte mir doch auch beim Fokussieren neue Möglichkeiten bieten!

Etwas Recherche brachte mich dann bald darauf, dass Canon extra für diese Kamera (und übrigens auch für die 6D) eine Mattscheibe mit dem Namen „EG-S“ verkauft, die speziell für das manuelle Scharfstellen gebaut wurde. Konkret heißt es in der Produktbeschreibung: „Erhöht die Kontraste und erleichtert dadurch das manuelle Fokussieren.“

Klingt jetzt etwas weit hergeholt, funktioniert aber tatsächlich! Die Mattscheibe hebt scharfe von unscharfen Bereichen viel stärker ab, was die Trefferquote beim Fokussieren extrem erhöht. Allerdings erfordert diese Methode einiges an Übung. Ich fühlte mich anfangs ein wenig wie beim Augenarzt. Ich stellte scharf, vertraute aber noch nicht genug auf meine Fähigkeiten, deshalb drehte ich noch etwas weiter am Fokusring und fragte mich dann innerlich: Besser oder schlechter?

Eine Person im Wald

Es war immer noch ein extrem langsamer und unbeholfener Prozess, aber mit mehr Übung und Erfahrung wurde ich immer schneller. Bis ich irgendwann sogar den Autofokus übertreffen konnte. Während bei anderen Fotografen noch der kleine Motor im Objektiv summte, hatte ich schon drei Bilder geschossen. Bei schlechten Lichtverhältnissen sogar fünf.

Zudem war mein Ausschuss aufgrund fehlfokussierter Bilder praktisch bei null. Der „Käfig“, der durch die wenigen Fokusfelder meiner Kamera früher bestand, war ebenfalls aufgebrochen. Ich konnte scharfstellen, was immer ich wollte und musste dafür nicht einmal die Kamera bewegen.

Als ich mir kürzlich die Fujifilm X100s als Reisekamera zulegte, lernte ich eine vollkommen neue Methode der Fokushilfe kennen, das sogenannte „Focus Peaking“. Dabei werden die Kanten von fokussierten Bereichen durch überspitzte weiße Linien hervorgehoben, was wirklich wunderbar funktioniert. Bei der X100s lässt sich das Ganze sogar im digitalen Sucher darstellen, wodurch man sich wiederum mehr als Fotograf fühlen kann und nicht ständig auf das Display an der Rückseite starren muss.

Manueller Fokus bedeutete für mich Beschleunigung und Entschleunigung zugleich. Mittlerweile fotografiere ich ganze Hochzeiten zu 100 % manuell und treffe auch bewegte Motive ohne Probleme. Nach so viel Übung und Schweiß drehe ich einmal am Fokusring und weiß ganz genau, wann die Schärfe getroffen ist und wann nicht.

Gleichzeitig heißt es aber auch, dass ich mir, wenn ich genug Zeit habe, viel mehr Gedanken über mein Bild machen und die Schärfe millimetergenau dort setzen kann, wo es das Bild am meisten bereichert. Egal ob es kleine Äste sind oder sogar Haare. Ich hatte sehr schnell das Gefühl, das manuelle Fokussieren bringt mich dem Bild noch ein ordentliches Stück näher und zwingt mich vor allem dazu, mir intensiver Gedanken darüber zu machen, was scharfe und unscharfe Elemente in meinen Fotos bedeuten.

Eine junge Frau mit Wunderkerzen

Wenn Ihr das manuelle Fokussieren selbst ausprobieren wollt, kann ich Euch ein paar Tips geben, die ich vor einigen Jahren selbst gern bekommen hätte:

Startet mit Tele-Festbrennweiten, also alles ab 85 mm. Zum Einen ist der Sucher durch die offene Blende schön hell, zum Anderen lässt sich aufgrund der hohen Freistellung der Fokus sehr leicht erkennen. Geht erst mit etwas Übung auf weitwinkligere Brennweiten. Ab 35 mm wird es verdammt schwierig und erfordert schon einiges an Erfahrung. An einer Vollformatkamera ist es zudem noch um einiges einfacher, da der Sucher wesentlich größer und heller ist als an Crop-Kameras.

Habt Ihr „nur“ eine Crop-Kamera und wollt trotzdem manuell fokussieren, dann versucht es entweder mit der Live-View-Methode oder recherchiert mal, ob es für Euer Kamera-Modell eine Mattscheibe mit Mikroprismen gibt. Diese hatte ich kurz vor meinem Upgrade auf Vollformat ausprobiert und war sehr angetan.

Einfach war mein Weg nicht und vor allem nicht kurz. Aber gelohnt hat es sich definitiv. Ich bin in der Anfangszeit teilweise von Shootings ohne ein einziges scharfes Bild nach Hause gekommen, aber ich habe es immer weiter versucht und fühle mich dadurch mehr mit der Fotografie und meinen Bildern verbunden als jemals zuvor.

Zugegeben, es ist mittlerweile schon viel Arbeit: Manuelles Belichten, Bildkomposition, Kommunikation mit den Modellen, manuelles Fokussieren. Aber dafür fühlt sich jedes Bild an wie ein handgemachtes Unikat, bei dem ich volle Kontrolle über jede Einzelheit habe.


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Der Tag, an dem es mir zu bunt wurde

13 Jan

© Bettina Güber

Ein Beitrag von: Bettina Güber

Meine ersten Fotomotive (und so ist es wohl schon sehr vielen Fotografen ergangen) waren Blumen und Blüten. Und heute, über zwei Jahre später, sind sie immer noch meine Lieblingsmotive. Ich habe sie auf jede nur erdenkliche Art und Weise fotografiert und in Szene gesetzt – in freier Natur, als Schnittblume vor weißem oder schwarzem Hintergrund, mit Wassertropfen oder ohne, manchmal mit Insekten darauf, oft auch mit Texturen versehen. Aber immer – bunt. Oder allerhöchstens mal schwarzweiß.

Und eines Tages (ich glaube, es war ein Mittwoch – das ist aber wohl völlig irrelevant und hatte keinerlei Einfluss) habe ich mir überlegt: Brauchen Blumen tatsächlich viel Farbe und Licht, um schön zu sein?

Und so ist diese Serie entstanden. Manchen mag sie düster und traurig erscheinen, weil Blumen nun einmal meist fröhlich und hell präsentiert werden. Ich finde, sie ist genau so geworden, wie ich sie haben wollte: Sehr dunkel, sehr reduziert, sehr elegant. Und sehr schwarz.

Schwarze Blume mit schwarzem Hintergrund.

Schwarze Blume mit schwarzem Hintergrund.

Schwarze Blume mit schwarzem Hintergrund.Schwarze Blume mit schwarzem Hintergrund.

Schwarze Blume mit schwarzem Hintergrund.

Schwarze Blume mit schwarzem Hintergrund.

Schwarze Blume mit schwarzem Hintergrund.

Natürlich werde ich auch weiterhin Blumen in ihrer Farbenpracht zeigen und ich freue mich jetzt schon auf den Frühling. Aber es wird sicher auch auch wieder „schwarze“ Serien geben. Und wenn ich damit den einen oder anderen inspirieren kann – umso besser. Das ist das Beste, das ich meiner Meinung nach mit meiner Fotografie erreichen kann.


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8. Januar 2015

13 Jan

Das Bild des Tages von: Manuel Ferlitsch

©  Manuel Ferlitsch

Fotolinks des Tages

1. Fotografien wie Liebesgedichte

Wäre Maud Chalard Poetin, würde sie wohl die schönsten Liebesgedichte schreiben. Diese Art von Gedichten, die nicht zu kitschig, aber doch romantisch genug sind, um sie mit Herzklopfen immer und immer wieder zur Hand zu nehmen. Nun ist Maud aber Fotografin und erschafft ganz wunderbare Bilder von Pärchen mit demselben Effekt. Ignant zeigt ihre schönsten Aufnahmen. → ansehen

2. Gehe dort hin, wo Du schon bist

Was hält junge Fotografen und Journalisten eigentlich davon ab, soziale Ungerechtigkeit im eigenen Land zu thematisieren? Boniface Mwangi, ein kenianischer Aktivist und Fotojournalist spricht dieses Problem in einer Hochschule an und stellt die Studierenden vor die Frage, warum sie unbedingt Armut und Ungerechtigkeit in einem „fernen Land“ zeigen wollen. Er behauptet dass es beispielsweise sinnvoll ist, Afrianer selbst Afrika zeigen zu lassen. Mwangi ist ein bemerkenswerter Mann mit einer Botschaft, die alle betrifft, die sich mit der Kamera für Gerechtigkeit einsetzen wollen. → ansehen

3. William und die Cowboys

Die Los Angeles Times hat den Alt-Meister unter den National Geographics-Fotografen interviewt: William Albert Allard. Falls der Name nicht geläufig ist, reicht ein kurzer (oder langer) Blick auf die Klickstrecke über dem folgenden Artikel. Der Mann hat in seinem Leben so einiges geleistet, wovon viele nur träumen, insbesondere die Dokumentation von Cowboys im Westen Amerikas. Im Gespräch mit der Times geht Allard darauf ein, wie er zu seinem ersten Auftrag bei National Geographics kam, wie wichtig die Gabe ist, unerwartete Momente einzufangen und warum Peru sein Leben veränderte. → ansehen


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