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Archive for the ‘Equipment’ Category

Die 5 Artikel des Monats

25 Jan

Grüne kaputte Schreibmaschine

Liebe Leser, in den letzten Wochen haben wir wie immer fleißig Foto-Artikel gesammelt und gemeinsam mit den Links des Tages im Ausblick gesammelt. Für all diejenigen, die nicht jeden Tag bei uns mitlesen, folgt nun eine handverlesene Auswahl der Texte und Essays, die mir – Martin – imponiert haben.

1. Digitale Transformation

Wenn sich Fotografen mit einem bedeutenden Erfahrungsschatz zu einem Thema äußern, ist die inhaltliche Dichte meist sehr groß. Dies ist auch der Fall bei der Frage, inwieweit die Digitalisierung das Genre der Straßenfotografie beeinflusst hat. Popular Photography ließ drei Street-Koryphäen zu Wort kommen, die Ihre Meinung zum Besten geben: Jack Simon, Melanie Einzig und Richard Bram. Dringende Lese-Empfehlung. → ansehen

+ Melanie Einzig schrieb im Mai 2014 im Rahmen des Artikels „Was es bedeutet, Mensch zu sein“ über ihr fotografisches Credo. Auf kwerfeldein.

2. Gemeinschaft der Fotografen in der Kritik

Für Furore sorgte zu Beginn des Jahres ein Rant des professionellen Fotografen Kenny Coverstone. Er ließ sich darüber aus, wie befremdlich er das Miteinander (und den Neid) unter Fotografen im Netz findet und rief zu gegenseitiger Unterstützung auf. Coverstone unterstrich das mit der Konklusion, dass durch gegenseitige Unterstützung nicht nur Einsteiger fotografisch wachsen, sondern auch die Fortgeschrittenen. Beiträge wie diesen kann es nie genug geben. → ansehen

3. Vordergrund: Muss das immer sein?

Gute Artikel müssen nicht immer 100.000 Zeichen haben, um den Horizont zu erweitern. Dies ist am Beispiel der Bildanalysen des Fotografen Erez Marom zu sehen, der die Frage aufwirft, ob ein beinahe sklavisches Einbinden von Vordergründen in der Landschaftsfotografie nicht kontraproduktiv ist. Marom geht noch weiter: Mit guten Argumenten vertritt er die These, dass gerade das Nicht-Vorhandensein eines Vordergrundes Naturaufnahmen eine individuelle Tiefe gibt. → ansehen

4. Nachts aus dem Helikopter lehnen

Eine Mischung aus beeindruckenden Luftaufnahmen und einem brillianten Bericht von Vincent Laforet wurde in den letzten Wochen durch das Internet gereicht. Laforet präsentierte eine wahnsinnig gut fotografierte Serie über New York City, für die er sich bei Eiseskälte und in der Schwärze der Nacht in bedrückender Angst (aber in Sicherheit) befand. Eines der innovativsten Projekte des Jahres bislang. → ansehen

5. Leidenschaft als treibende Kraft

Die erfolgreiche Fotografin und Psychologin Jenna Martin schrieb sich die Seele aus dem Leib, als sie ein Plädoyer für die fotografische Leidenschaft verfasste. Sie ging der Frage nach, ob Leidenschaft ausreiche, um sich selbstständig zu machen und bejahte dies mit überzeugenden Argumenten. Ihrer Auffassung nach geht eine Passion über das übliche Maß an Begeisterungsfähigkeit hinaus. Des weiteren ist sie davon überzeugt, dass es für alles einen Markt gibt. Wie recht sie doch hat. → ansehen

Fehlt Euch in meiner Sammlung ein Artikel? Habe ich etwas verpasst? Lasst es mich in den Kommentaren wissen. Ich wünsche einen angenehmen Lese-Sonntag!


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24. Januar 2015

25 Jan

Das Bild des Tages von: Michaela Knizova

Frau in der Badewanne von einem Tuch bedeckt.

Fotolinks des Tages

1. Es werde Farbe!

Dass das Kolorieren alter Fotos nicht nur Arbeit, sondern auch Spaß macht, wissen wir. Was noch mehr Freude bereiten kann, ist dabei zuzuschauen, wie sich ein historisches Bild durch das Auftragen der Farbe in seiner Wirkung komplett verändert. Fubiz stellt dies anhand einiger Gifs vor. Wir möchten dennoch anmerken, dass die Gifs nicht die tatsächliche Kolorierungsarbeit nachvollziehen, sondern ein gesonderter Effekt benutzt wurde, um die Wirkung zu verdeutlichen. → ansehen

2. Fotos, die man aushalten muss?

Die Michael-Horbach-Stiftung stellt derzeit eine Retrospektive der Fotografin Bettina Flitner aus, deren Arbeiten stets heftig diskutiert wurden. Der Grund für die vielerorts emotionalen Reaktionen liegt darin, dass Flitner Menschen (auch aus der rechten Szene) zu Wort kommen lässt, ohne dies zu kommentieren. Somit entsteht eine Spannung, die zwar bei der eigenen Reflexion helfen kann, für viele Menschen aber unerträglich ist. Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet. → ansehen

3. Vom Tri-X zum IM5

Kodak wagt die Flucht nach vorne und bringt ein Smartphone heraus: Das IM5. Die Zielgruppe für das Gerät sind allerdings nicht junge Hipster, sondern die älter Generation der Baby-Boomer. Kodak selbst hat das Smartphone dessen ungeachtet nicht selbst konzipiert, sondern die Arbeit dem britischen Unternehmen Bullit überlassen. Ob dieser Schritt das Unternehmen aus der Versenkung retten kann, ist fraglich. → ansehen


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Im Gespräch mit Hana Haley

24 Jan

©  Hana Haley

Ein Beitrag von: Hana Haley

In der Fashionfotografie geht es viel um Perfektion. Nach aufwändigen Shootings mit Visagisten und Stylisten geht es weiter mit stundenlanger Nachbearbeitung in Photoshop und heraus kommt ein perfektes Bild ohne Seele. Das nimmt man zumindest an, hat man die gängigen Mode-Magazine vor Augen. Die Bilder von Hana Haley sind anders. Mit analogem Charme entführt sie in ihren Bildern zurück in die 60er und 70er Jahre.

Die amerikanische Fotografin fotografiert Fashion mit alten analogen Kameras. Ich freue mich sehr, dass sie mir einige Fragen zu ihrer Arbeit beantwortet hat.

Mädchen mit rosa Haaren und Sonnenbrille in der Sonne.

Frauenbeine in einem Diner.

Deine Fotos könnten Original aus den 60ern stammen. Hast Du eine bestimmte Verbindung zu dieser Zeit?

Ich bin bei meinem Großvater in einem etwa 100 Jahre alten Haus aufgewachsen. All unsere Möbel und Einrichtungsgegenstände waren aus den 60ern und 70ern und ich bin daher stark Vintage-Sachen zugewandt. Nach der Schule habe ich gemeinsam mit meinem Großvater seine Lieblingsfilme gesehen, meist Mysterie aus den 60ern wie Alfred Hitchcock.

Ich war immer sehr inspiriert von den weiblichen Charakteren, den Farben und den Details dieser „wahren Kinofilme“. Später entdeckte ich meine Liebe für New Wave Cinema und the Regiekunst dieser Ära. Es macht Sinn für mich, dass sich diese Einflüsse jetzt in meinen Fotografien wiederfinden.

Eine Frau mit Pony und 60er Make-up.

Schwarzweißaufnahme einer Frau, die mit gekreuzten Beinen auf einer Wiese liegt.

Hast Du ein paar Filmtipps? Deine Filmerfahrung klingt großartig.

„Vertigo“, „Heavenly Creatures“, „Persona“, „Me And You And Everyone We Know“, „Dogtooth“ und „Mumsy Nanny Sonny and Girly“ sind einige meiner Favoriten.

In einer Zeit, in der Rauschreduzierung und unglaubliche Schärfe neuer Kameras beworben werden, nutzt Du Unschärfe und Fusseln auf den Negativen. Warum?

Ich bin einfach kein Fan von digitalen Bildern – da fehlt mir die Geschichte, das Geheimnis. Und ich denke, es ist traurig, dass die Bilder als digitale Datei existieren und nicht als konkreter Filmstreifen. Ich ziehe es vor, meine Negative mit den Händen berühren und erlaube mir, mit meinen Fingerabdrücken über die Oberfläche zu schmieren. Es für mich menschlicher, persönlicher.

Du arbeitest also nur mit analogen Medien?

All meine persönlichen Arbeiten, also alle Bilder auf meiner Webseite sind mit analogen Kameras aufgenommen. Ich arbeite digital nur für kommerzielle Projekte, die dies benötigen. In der Regel sind diese Fotos für mich nicht interessant und ich sehe sie nicht als Teil meiner Kunst. Allerdings habe ich eine Menge Fotos auf meinem iPhone! Aber ich glaube nicht, dass diese jemanden interessieren, denn sie zeigen vor allem niedliche fette Hunde und Sonnenuntergänge in der Stadt.

Eine Frau mit Blümchenkleid liegt inmitten von rosa Blumen.

Eine Frau im Lichtschein.Eine Frau in weißem Kleid springt vor einer 60er Tapete.

Wie hast Du überhaupt zur Fotografie gefunden?

Als ich 13 oder 14 war, entdeckte ich Modemagazine wie W und Nylon und war inspiriert von deren Editorials. Sie erzählten schöne Geschichten. Nicht diese billigen, digitalen Geschichten, die sie heute bringen. Ich begann, Bilder von meinem Highschhool-Leben zu machen und zeigte meine halb-langweiligen Fotos im Internet, immer inspiriert von Magazinen und in der Hoffnung, Fashion-Aufnahmen zu machen.

2008 lernte ich einen Fotografen kennen, der vorschlug, ich sollte auf Film fotografieren. Ich war ein bisschen verliebt und wollte ihn vielleicht auch beeindrucken. Ich fand eine Kamera aus den 70ern und begann, Frauen und Dinge um mich herum zu fotografieren. Sechs Jahre sind seitdem vergangen und ich fotografiere immer noch Frauen, aber heute ist es mein Job.

Wie reagieren denn Kunden auf Deine analogen Fashion-Fotos?

In San Francisco zu arbeiten, war schwierig, denn die Nachfrage nach analogen Aufnahmen ist hier sehr gering und mein Stil nicht sehr erfolgreich. Meine Jobs bekomme ich durch internationale Marken und Designer aus Los Angeles. Die wissen natürlich, dass ich auf Film fotografiere und engagieren mich genau für diesen analogen Stil und lieben ihn (sagen sie zumindest).

Eine Frau mit rotem Lippenstift.

Eine Frau mir herzförmiger Sonnenbrille in einer Hängematte.

Was sind Deine fotografischen Ziele?

Ich ziehe in drei Monaten nach New York City, um einen anderen Weg in meiner Fotografie einzuschlagen: Weniger Fashion, mehr Konzeptionelles. Ich dränge mich gerade sehr dazu, an Ideen zu arbeiten und Geschichten zu entwickeln, wie ich es bisher noch nie gemacht habe. Meine Arbeiten irgendwann gesammelt in einem Buch oder einer Ausstellung zu sehen, würde mich natürlich auch glücklich machen.

Hast Du einen Tipp für junge Fotografen, die ebenfalls in Richtung Fashion gehen möchten?

Studiere die Meister der Fashion-Fotografie, finde heraus, was typisch oder langweilig ist und mache diese Dinge niemals. Stürze Dich in Inspiration, übe jeden Tag und sei geduldig!

Vielen Dank, Hana, und viel Erfolg in New York!

Katja hat das Interview mit Hana auf Englisch geführt und anschließend für Euch ins Deutsche übersetzt.


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23. Januar 2015

24 Jan

Das Bild des Tages von: Thomas Graichen

© Thomas Graichen

Fotolinks des Tages

1. Ein produktives Syndrom

Alleine das Wort „Gear Avoidance Syndrome“ (Ausrüstungs-Vermeidungs-Syndrom) ist heute einen Eintrag wert. Die Prämisse der Autoren Vieth und Dietrich ist, dass eine große Masse an Objektiven, Kameras und Kram dazu führt, dass man sich bei einem Shooting zu viele Gedanken um die Technik macht – und deshalb das eigentlich Wichtige vergisst. Sie behaupten: Je länger man das Ausrüstungs-Vemeidungs-Syndrom hat, desto mehr Fortschritte kann man als Fotograf machen. → ansehen

2. 22 mal Fortschritt

Einer der großen Vorteile der Fotografie ist, dass man mittels ihrer Hilfe die „Zeit anhalten“ kann. Tut man dies öfter, beispielsweise einmal pro Jahr von ein und demselben Objekt, beispielsweise eine junge Familie mit Kind, kann eine wunderbare Serie entstehen. Der Fotograf Zed Nelson setzte dieses Vorhaben 22 Jahre lang um und das erstaunliche Ergebnis dürfen wir auf Huffington Post betrachten. → ansehen

3. Düster und traurig: Rumänien

Joseph Rodriguez fotografierte zwischen 1990 und 1996 ein Land, das sich vom Kommunismus gelöst hatte und der Armut verfiel: Rumänien. Dort lenkte er seine Aufmerksamkeit auf die Probleme des Landes, dokumentierte Waisenhäuser und Psychiatrien, setzte aber auch positive Akzente mit Portraits von Bauern und Landsleuten. Die New York Times berichtet. → ansehen

+ Das frisch erschienene Ebook „Romania“ ist für alle iOS-Geräte und Macs jetzt zu erwerben. Dringende Empfehlung.


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Die Dörfer der Yi

23 Jan

Ein Kind mit einer Decke über dem Kopf steht in einem Feld.

Hart arbeitende Menschen auf ihren Feldern, traditionell gekleidete Kinder, eine karge Landschaft, Alltagsmomente in den Bergen Chinas – Methadone Guo dokumentiert Szenen des einfachen Lebens in den kleinen Dörfern des Yi-Volkes.

Der chinesische Fotograf, der Malerei studiert hat und eigentlich Video-Künstler ist, kommt oft im Winter in die Hochgebirge der südwestlichen Provinz Sichuan. 48 Stunden reist er dafür von Beijing aus mit dem Zug, um dann zu Fuß den Rest der Strecke zu den kleinen Dörfern zu wandern.

Die Yi kleiden sich einfach, aber doch individuell und alle singen und tanzen gern. In jeder Region haben sie unterschiedliche Kleidung und Bräuche. Die Männer tragen Filz, die Frauen Faltenrocke. Durchschnittlich leben sie in 2000 Metern Höhe, die Lebensbedingungen sind dementsprechend sehr hart. Dennoch sind die Yi ein lebensfrohes Volk, fleißig, herzlich und gastfreundlich.

Über 3000 Jahre ist die Kultur der Yi alt, sie haben eine eigene Sprache, Schrift und sogar eine eigene Zeitrechnung. Sie sind eine der vielen Minderheiten Chinas und obwohl sie knapp acht Millionen Menschen zählen, schenkt ihnen die Volksrepublik kaum Beachtung und ebenso wenig Förderung. Die meisten Dörfer sind nicht ans Stromnetz angeschlossen, Menschen und Tiere leben zusammen unter einem Dach und immer noch sterben hier Kinder aufgrund mangelnder Hygiene.

Chinesisches Kind schaut in den Himmel.

Eine chinesische Yi-Familie sitzt vor ihrer Hütte.

ein Bauer trägt ein riesiges Paket Reisig auf dem Rücken.

Zwei kleine Mädchen, eines schneidet eine Grimasse.

Ein chinesischer Bauer hütet Schweine.

Drei Generationen von Männern stehen zusammen.

Ein kleiner Junge lacht, hinter ihm steht ein Hund.

Eine einsame Person auf einem nebeligen Acker.

Zwei Fotos chinesischer Menschen.

Eine einfache Feuerstelle umringt von einer Familie.

Ein einsames Kind steht auf einem schlammigen Dorfplatz.

Menschen des Yi-Volkes sitzen zusammen.

Ein chinesischer Mann hüllt sich in einen Decke.

Ein Huhn im Vordergrund, im Hintergrund laufen zwei Menschen.

Mit seiner Mamiya RB67 hält Methadone Guo alle Eindrücke auf Schwarzweißfilmen fest, die er auf seinen Reisen einsammeln konnte. Die Einfachheit der Menschen, das Leben in den kargen Höhen, in denen meist nur Kartoffen und Hirse wachsen – Guo dokumentiert, ohne dabei werten zu wollen. Er betont, seine Bilder seien unpolitisch und haben keinen erhobenen Zeigefinger.

Ich fotografiere einfach nur all die Dinge, die ich sehe. Politik mag ich nicht.

Dennoch schwingen neben all der Tristesse auch Stolz und Zusammenhalt in seinen Bildern mit. Das Leben in mehreren Generationen und lachende Kindergesichter – es fühlt sich nach ehrlicher und authentischer Dokumentation an. Dennoch besteht dieser harte Kontrast zu unserer Überflussgesellschaft. Ich kann Guos Bilder nur immer und immer wieder ansehen und sie doch nicht ganz begreifen.


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22. Januar 2015

23 Jan

Das Bild des Tages von: Timeless Seeker

Ausblick in eine große Bibliothek.

Fotolinks des Tages

1. Portrait des Menschenrechtlers

Wie entsteht ein historisch bedeutsames Foto? Eine allumfassende Antwort darauf gibt es kaum. Umso spannender ist es, zu lesen, wie der Magnum-Fotograf Dan Budnik es schaffte, ein intimes Portrait von Martin Luther King nach seiner Rede „I have a dream“ zu machen. Das Foto wurde zu einer Ikone, die an das Leben und Wirken des Bürgerrechtlers und Aktivisten erinnert. → ansehen

2. (Sehr) gute Aussichten

Um die Abschlussarbeiten von deutschen Fotoakademikern einer breiten Masse zugänglich zu machen, gründete Josefine Raab den Wettbewerb „Gute Aussichten“. Aus 115 Einreichungen aus 40 Institutionen wählte die Jury acht Arbeiten und Preisträger/innen. Die Zeit stellt einige Fotografien der Gewinner vor, die übrigens bis zum 8. März in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen sind. → ansehen

3. Gebrüder Grimm in Europa

Den Namen Kilian Schöneberger wird man Kennern der deutschen und internationalen Landschaftsfoto-Szene nicht zweimal nennen müssen, der mit seiner neuen Serie „Brothers Grimm’s Wanderings“ erneut begeistert. Das Projekt wird derzeit im Netz herumgereicht und verdienterweise gelobt. Aus allen Quellen haben wir das Magazin demilked herausgesucht, das seine märchenhaften Werke in groß präsentiert. → ansehen


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Andrew Darlow: Tail-Wagging Photo Fun with Model Pooches

22 Jan

Some photos illicit an involuntary “awww!” from nearly everyone who views them.

Andrew Darlow’s photos of motivational doggy models fall under that category. His shots of posed pups range from “that’s so adorable” to “that’s so adorable I almost can’t handle it!”

We were so excited about Andrew’s photography that we just had to interview him. Click through to read his photo shoot tips and challenges, equipment and wardrobe, even fave phone apps for adding text to photos!

Andrew Darlow’s Delightful Doggy Photography

(…)
Read the rest of Andrew Darlow:
Tail-Wagging Photo Fun with Model Pooches (1,757 words)


© Taylor for Photojojo, 2015. |
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Photojojo

 
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Die filmischen Bilder von Valentin Astier

22 Jan

© Valentin Astier

Der französische Fotograf Valentin Astier arbeitet als Vorsatzmaler für Spezialeffekte und seine Bilder sind dadurch stark inspiriert. Der filmische Einfluss ist nicht zu übersehen. Während seines Studiums lernte er die Grundlagen der Fotografie, begann jedoch erst danach, seine fotografische Arbeit zu entwickeln. Seine Fotos zeichnen sich durch dichte Atmosphären und Stimmungen aus.

Ich interessiere mich für das, was ein Bild erzählen kann, welche Gefühle es in mir durch seine Komposition, das Licht, die Farben, die Textur auslöst. Meine Arbeit als Vorsatzmaler in Spezialeffekten erlaubt mir, meinen Bildern eine filmische Sensibilität zu geben.

Mein übergeordnetes Ziel ist die Schönheit des Bildes und ich liebe es gleichermaßen, Bilder aufzunehmen und sie zu bearbeiten. Farbkorrektur ist ein untrennbarer Teil meiner Arbeit, bei der ich die Atmosphäre ändern und ein völlig neues Gefühl in meine Bilder bringen kann.

Valentin arbeitet nach Möglichkeit nicht an speziellen Projekten und versucht, sich nicht auf bestimmte Themen festzulegen. Er lässt sich gern überraschen von den Dingen, die ihn umgeben und von den Stimmungen, die sie vermitteln.

Natürlich sind einige Themen in meiner Arbeit dennoch wiederkehrend. Ich staune über die Natur und die Landschaft. Ihre Weite schüchtert mich ein, ihre Schönheit übertrifft alles und ihre Ruhe besänftigt mich. Aber auch Städte und Architektur faszinieren mich. Der Kontrast dieser beiden Welten, die sich gegenüberstehen und doch aufeinander reagieren, fasziniert mich. Implizit oder nicht, ich lasse das Konzept der Beziehung vom Menschen und seiner Umgebung immer mit einfließen.

Zwei Männer unterhalten sich, einer lehnt an einer Mauer.

Blick von oben in ein schneebedecktes Dorf.

Eine Straße führt durch einen nebligen Wald.

Ein Waldsee.

Haus an einem Wasserfall.Blick auf einen See.

Ein Mann geht durch eine dunkle Straße.

Eine Frau am Fenster.

Menschen am Strand.

Ein Mann mit Hund am See.

Ein Mann bewacht eine Tür.Ein Campingwagen unter dem Sternenhimmel.

Nebel über dem See.

Eine Frau vor einer Brüstung.

Wichtig ist Valentin auch eine starke Selektion seiner Aufnahmen. Ihn befremden Fotografen, die jeden Tag eine scheinbar endlose Anzahl an neuen Fotografien veröffentlichen und findet, dass man sich damit selbst benachteiligt, viel Qualität verliert – vor allem aber würde die Intention des Fotografen verwässert werden.

Mehr von Valentin könnt Ihr auf seiner Webseite sehen. Oder Ihr folgt ihm einfach auf Facebook, Tumblr oder Flickr.


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21. Januar 2015

22 Jan

Das Bild des Tages von: Hille Thomasson

Ausblick auf Eisberge

Fotolinks des Tages

1. Smarte Smartphone-Fotografie

Mikal Buck macht qualitativ hochwertige Makrofotografie mit seinem Smartphone. Wobei, nicht ganz. Der englische Fotojournalist benutzt hierfür die Sony QX1, eine Linse, die mit jedem iOS- oder Androidgerät verbunden und gesteuert werden kann. Eines stellen seine Aufnahmen jedoch erneut unter Beweis: Die DSLR muss nicht zwingend das Werkzeug der Wahl sein. → ansehen

2. Abgeschnitten: Tipps zur Bildkomposition

Der folgende Artikel kann Einsteigern beim Portraitieren von Menschen eine große Hilfe sein: Das Team des Blogs „Lichtpoesie“ bespricht drei einfache, aber effektive Tipps, die zum Gelingen eines Portraits beitragen können – wobei auch angeführt wird, dass die milimetergetreue Befolgung des Besprochenen nicht zwingend das Rezept für ein gutes Bild ist. → ansehen

3. Bücher zu Tausenden

Zum Schluss empfehlen wir eine leichte Kost, die die Herzen aller Bücherwürmer höher schlagen lassen wird. Fubiz, unerschöpfliche Queller künstlerischer Inspiration, tischt eine Serie auf, die uns in die Hallen großer Unibibliotheken teleportiert. Wer möchte dort nicht ein paar Tage (Ach was! Jahre!) verbringen? → ansehen


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Straßenfotografie und das poetische Bild

21 Jan

alex webb und rebecca webb

Ein Beitrag von: Alex Webb, Rebecca Norris Webb

Straßenfotografie ist ein Genre in der Fotografie, das ich nicht nur praktiziere, sondern ich versuche auch, meine Sammlung an Büchern zum Thema mit interessanten Werken zu erweitern.

Dieses Jahr hatte ich mir daher auch das neu erschienene „Street Photography and the Poetic Image“* des Fotografen-Ehepaars Alex Webb und Rebecca Norris Webb zugelegt. Außerdem habe ich auch den Blog der beiden abonniert.

Auf diesem Weg erfuhr ich dann von einem Workshop, den die beiden Anfang Dezember in Miami abhielten. Zwar war meine Bewerbung um einen ausgeschriebenen kostenlosen Platz in diesem Workshop nicht erfolgreich, aber ich kam mit Alex und Rebecca ins Gespräch und sie waren bereit, mir einige Fragen zu „Street Photography and the Poetic Image“ und zu „Memory City“* zu beantworten.

Während „Street Photography and the Poetic Image“ eine Art Lehrbuch zum Thema Straßenfotografie ist, dokumentiert „Memory City“ symbolisch am Beispiel der Stadt Rochester, Sitz der Kodak-Zentrale, das Ende der analogen Fotografie, wie wir sie kennen.

Mehrere Personen stehen auf der Wiese, hinter ihnen ist das Meer zu sehen.

Eine Straßenszene in einer Kleinstadt in den USA.

Der Magnum-Fotograf Alex Webb und die poetische Fotografin Rebecca Norris Webb, deren künstlerisches Schaffen mit Lyrik ihren Anfang fand, sind für mich ganz unverkennbare Vertreter einer sehr intuitiven Herangehensweise ans Bildermachen.

Die Straßenfotografie von Alex Webb ist mit wenigen Ausnahmen frei von direkt auffälligen Effekten, ironischen Momenten oder geplanten Szenen. Es ist, als ob er im Vorbeigehen Szenen aus dem Augenwinkel beobachtet und genau diese Momente mit der Kamera festhält.

Bei Rebecca Norris Web dagegen ist es nicht der Mensch, der im Zentrum der Geschichte steht, sondern die Wirkung und die poetische Kraft, die ihre Bilder von Objekten und menschenleeren Szenen auszeichnen. Oftmals nutzt sie auch Reflexionen, um mehrere kontrastierende Bildebenen zu erzeugen.

Das nachfolgende Interview nimmt direkten Bezug auf die beiden Bücher, die ersten Fragen beziehen sich schwerpunktmäßig auf „Street Photography and the Poetic Image“, im zweiten Teil geht es um „Memory City“.

Ein Junge schaut an der Kamera vorbei.

Gemalte Gebeine an einer Häuserwand.

Zum Einstieg eine Frage an Alex und Rebecca: Ihr führt sehr erfolgreich Fotografie-Workshops durch und Euer Buch „On Street Photography and the Poetic Image“ ist auf seine Art ein Lehrbuch, aber weit davon entfernt, sich in die Gilde der üblichen Kochrezept-Führer einzureihen, die man auch in der Fotografie so oft sieht. An wen, von Euren Kursteilnehmern einmal abgesehen, habt Ihr gedacht, als Ihr dieses Buch konzipiert habt und was sollte der Leser nach der Lektüre „gelernt“ haben?

Rebecca Norris Webb (RNW): Das sind alles sehr gute Fragen. Wie kann man dieses eher ungewöhnliche Lehrbuch am besten beschreiben? Ich denke, der nigerianisch-amerikanische Schriftsteller, Fotograf und Kunsthistoriker Teju Cole, einer unserer ehemaligen Studenten bei Aperture, hat es in seiner Einleitung zum Buch treffend ausgedrückt:

„On Street Photography and the Poetic Image“ ist ein ungewöhnliches Fotobuch, seine Umrisse definieren sich über die vielen Dinge, die es nicht ist: Keine Monografie, kein Geschichtsbuch, keine Vorgangsanleitung im herkömmlichen Sinn; dankenswerterweise unberührt von Fragen zu verwendeten Gerätschaften oder Technik; welches Objektiv ideal ist oder welche Kamera man kaufen sollte – hier kein Thema; uninteressiert daran, welche Apps dem Lernenden helfen könnten, eine Abkürzung um die Geduld herum zu finden, die die Fotografie verlangt.

Für den ernsthaften Fotografen, gleich mit welcher Erfahrung, ist es gleichermaßen geistreich und freundlich, Einblicke bietend in das Wesen der Fotografie, wie der Fotograf sie denken sollte.

Ein Blick durch eine Tordurchfahrt. Wir sehen einen Mann entlang gehen.

Alex Webb (AW): Seit dem Erscheinen des Buchs überrascht uns, dass nicht nur Fotografen, sondern auch Schriftsteller und andere Kunstschaffende sich für dieses Buch interessieren. Vielleicht, weil es Parallelen gibt zwischen unserem Verständnis des kreativen Prozesses in der Fotografie und dem in anderen Disziplinen.

Zudem beginnt das Buch mit einer Aussage, die poetische Schöpfung betreffend, die der Dichter und Romancier Denis Johnson mir gegenüber einmal gemacht hat und das berührte mich, weil es dem fotografischen Prozess, der Rebecca und mir zueigen ist, so sehr verwandt ist, ein Prozess, der eher intuitiv als rational ist, eher erforschend als festgeschrieben.

RNW: Alex studierte an der Hochschule Literatur, ich verfasste damals Lyrik, als Lehrende und als Fotografen kommen wir daher immer wieder auf die Literatur und andere Künste zurück, die uns helfen, kreative Räume in uns und anderen zu schaffen.

Schlussendlich, der Versuch, Kreativität zu lehren ist ein schon fast mystischer Prozess per se und es gelingt am besten, wenn man Position gegen den Strom bezieht, „at a slant“, um Emily Dickinson zu zitieren, eine meiner Lieblingsdichterinnen.

Fotografie ist zudem eine visuelle Kunst, wir empfinden die 50 Bilder – unsere eigenen wie die anderer Fotografen, die uns beeinflusst oder inspiriert haben, wie Lee Friedlander, Ralph Eugene Mayard, Joseph Koudelka, Andre Kertesz – als genauso instruktiv, wenn nicht mehr, als unsere Texte im Buch. Mit der Kunst verhält es sich oft so: Schweigen ist der beste aller Lehrer.

Menschen in grünen Shirts auf einem Friedhof.

In der Vorbereitung für dieses Interview habe ich „On Street Photography and the Poetic Image“ das zweite Mal von der ersten bis zur letzten Seite gelesen. Das erste Mal schien es so offensichtlich, von wem welches Bild stammte. Beim zweiten Mal habe ich mich immer wieder gefragt, ob es denn wirklich zwingend so sein muss, wie es sich darstellte: Gibt es einen Alex Webb, der diese eindrücklichen Momente, meist ohne die Präsenz von Menschen, einfängt? Und gibt es eine Rebecca Norris Webb, die Szenen auf der Straße dokumentiert, in denen Menschen, Licht und Farbe so perfekt harmonieren?

AW: Unausweichlich, wir sind immerhin 20 Jahre zusammen, gibt es Überlappungen in unseren Arbeiten, schließlich haben wir über diese Zeit auch zu einer immer engeren Zusammenarbeit gefunden. Ich vermute, wenn man die Reflexionen betrachtet, die in meinem Istanbul-Buch zu finden sind, dann könnte man diese als Widerhall zu Rebeccas Buch „The Glass Between Us“ interpretieren.

Und weil die Art der Fotografie, wie wir sie praktizieren, unsere Welt widerspiegelt und wir auf imaginäre, fiktionale Bilder verzichten, kommt es notwendigerweise zu Ähnlichkeiten zwischen unseren Bildern, gerade dann, wenn wir uns am selben Ort befinden.

Ein altes Haus und davor ein altes Sofa.

Dennoch unterscheidet sich unsere Sicht der Dinge oft deutlich. Wenn man sich unsere Bilder zum Thema „The Day of Remembrance“ in „Memory City“ ansieht, ein Jahrestag, der an die Afrikaner erinnert, die auf den Sklavenschiffen auf der Fahrt über den Atlantik zugrundegegangen sind: Mein Bild ist mit vielen Menschen bevölkert, Rebeccas ist ruhiger, ein Baum wie ein Haiku und ein Vogel, dessen Silhouette wie im Traum durch eine rot-schwarze Flagge zu sehen ist, im Wind, der vom Ontariosee herüberweht.

Letztendlich bin ich durch meine Beziehung zu Rebecca offener geworden für einen sanfteren, freundlicheren Ausdruck, beispielsweise in meinem Bild „St. Patrick’s Day“ in „Memory City“. Vielleicht ist sie, wegen der mit mir verbrachten Zeit, empfänglicher geworden für eine intensive Farbpalette, wie in ihrem Bild „Our Mother of Sorrows Church“ im selben Buch? Mag sein. Aber die fundamentalen Ausrichtungen gehen in der Gesamtansicht unseres Werks doch in unterschiedliche Richtungen.

Eine Brücke und man sieht einen Surfer auf dem Fluss.

Als Münchner hat mich das Bild des Eisbachsurfers, der im Fadenkreuz erscheint, direkt angesprochen. Es erscheint dennoch, verglichen mit den anderen Bildern im Buch, eher als überaus gekonntes Handwerk denn als Kunst. Aufgenommen 1991 ist es auch eines der älteren Bilder und die Frage stellt sich, wie es im Vergleich mit neueren Bildern zu bewerten ist.

Es erscheint unglaublich schwer, bis alle Faktoren zusammentreffen, die das Bild ausmachen, aber lösbar, während die anderen Bilder oftmals einen „sechsten Sinn“ für Komposition, Farbe und Timing erfordern, der schwer zu lernen oder, einfacher gesagt, zu imitieren ist.

AW: Das kann man so sehen. Der Surfer ist ein Foto, das mehr über die visuelle Überraschung als die gefühlsmäßige Komplexität funktioniert. Es fesselt kurzfristig, hinterlässt aber weniger langanhaltenden Widerhall als ich dies von meinen anderen Bildern erhoffe. Die Welt ist manchmal tiefgründig und manchmal ganz leicht. Es scheint, als ob der Moment nur dieses kurze Flackern anbieten konnte.

Viele Männer sitzen an einem Tisch und klatschen. Hinter ihnen ein Bild mit Menschen darauf, die ebenfalls an einem Tisch sitzen.

Beim Betrachten der Bilder von Orten wie Haiti, Kuba oder Mexiko habe ich mich unwillkürlich gefragt, wie lange es dauert, bis man einen neuen Ort wirklich ergründet hat. Es gab ja mehrere Reisen in diese Länder; wie lange dauert es, bis die Neuheit des „Touristischen“ der Essenz des Orts weicht?

Für mich jedenfalls ist das immer eine Herausforderung, weil ich so viele Dinge sehe, die mir erst fremd sind und ich das Gefühl habe, ich müsse das erst überwinden, bevor ich den eigentlichen Charakter einer anderen Kultur, eines anderen Lands oder einer Stadt zu verstehen beginne.

AW: Wenn ich ein Projekt beginne, dann ist das wie der Aufbruch zu einer Reise ohne klares Ziel in Sichtweite. Ich besuche einen Ort, sehe einen Moment und dann setze ich mich in Bewegung, erlaube der Kamera und meinen Erfahrungen, mich dahin zu führen, wohin sie mich ziehen, aufmerksam für das, was vor meinen Augen passiert.

Ich bin nicht frei von Voreingenommenheit und Vorurteilen – wer ist das schon? – aber ich versuche, das von mir wegzuschieben und auf den Moment zu reagieren. Der Prozess kommt ganz aus dem Bauch heraus. Je mehr Zeit ich an einem Ort verbringe, je mehr ich herumschlendere – speziell, nachdem ich mir einige meiner Bilder angesehen habe und zurückgekommen bin – desto eher entwickle ich ein Gespür dafür, wohin ich gehen muss, um mein Projekt abzuschließen. Das mögliche Ende kommt in Sicht und gewinnt an Kontur.

Meine Vorgehensweise auf der Straße bleibt durchgängig intuitiv, nicht rational. Ich treffe spontane visuelle Entscheidungen, getrieben von Wahrnehmung, Instinkt, Drang, nicht durch einen rational gesteuerten Denkprozess.

Ein Mädchen steht hinter einer Fensterscheibe und blickt nach unten.

Die von Rebecca gemachten Kommentare verleiten zur Annahme, dass die Fotografie mit Film in den nächsten Jahren verschwindet. Zwischenzeitlich hat Leica eine neue analoge Kamera vorgestellt und zumindest um mich herum sehe ich eine ganze Reihe von Fotografen zum Film zurückkommen, manchmal sogar für Auftragsarbeiten. Ist das Ende des Films wirklich gekommen oder gab es da inzwischen einen Perspektivwechsel?

RNW: Wim Wenders hat einmal bemerkt, dass Fotografie wie „ein letzer Blick auf die Welt“ ist. Neben anderen Aspekten ist „Memory City“ ein letzter Blick auf die Welt, in der Film als Medium dominierte, für eine Mehrheit, um alles zu dokumentieren von intimen familiären Erinnerungen bis zum Festhalten von Momenten, die Geschichte machten.

„Memory City“ befasst sich unter anderem mit der speziellen Beziehung, die Film und Erinnerung haben. Es wirft Fragen auf, die die breiteren Auswirkungen auf unsere Kultur betreffen, wenn eine wachsende Zahl an Bildern und Dokumenten nicht mehr in stofflicher Form existieren, sondern als rein virtuelle Daten in der Cloud.

Ganz konkret frage ich mich, wie das uns, die Generation Baby Boomer, betrifft, deren Kindheitserinnerungen so eng mit diesem Schuhkarton voller Bilder oder diesem Fotoalbum verknüpft sind, die oftmals ungeschminkt und ungestellt unsere Vergangenheit wiedergeben. Um es mit Keats zu sagen: „Berührungen haben eine Erinnerung.“

Ein blaues Kleid im Wind.

Es gibt Kontaktabzüge kompletter Filme in „Memory City“, die auf jedem Bild nur ein Kleid zeigen. Ich empfand diese Serien als sehr eindringlich, fast schon gruselig, speziell da, wo auf manchen Aufnahmen auf einmal Kinder auftauchen und wieder verschwinden. Als ob man die Bilder einer Überwachungskamera ansieht und von Bild zu Bild merkwürdige Dinge passieren. Mich hat das sehr an „Paranormal Activity“ erinnert. Was war die spezielle Intention, diese Kontaktabzüge ins Buch und seinen Anhang einzubinden?

RNW: Es ist interessant, dass Du das Wort „gruselig“ benutzt, um Kontaktabzüge von festlichen Kleidern zu beschreiben. Während ich an meinem dritten Buch, „My Dakota“, arbeitete, einer Elegie auf meinen Bruder, der sehr unerwartet verstarb, habe ich gelernt, dass Wiederholung ein integraler Teil des Verlusts ist.

In der Dichtung sind es sich wiederholende Textzeilen oder Bilder, die kennzeichnend für Elegien sind und sie stellen ein Echo dar für diesen geheimnisvollen, schmerzlichen und an Obsession grenzenden Vorgang, in dessen Verlauf jemand oder etwas, das einmal ein untrennbarer und körperlicher Bestandteil des Lebens war, in die reine Erinnerung transformiert wird, lebendig nur noch im Herzen des Hinterbliebenen, nur noch für sein geistiges Auge sichtbar.

Eingedenk dessen traf ich die Entscheidung, die festlichen Kleider der Frauen von Rochester als eine Metapher für den Film selbst zu verwenden, diesen dünnen Streifen aus Zelluloid, der mich zu jedem Ereignis begleitet hat, das ich jemals fotografierte. Diese Kontaktabzüge – mit ihren immer wiederkehrenden Ansichten des gleichen Kleidungsstücks – wurden somit zum elegischen Refrain von „Memory City“: Mein Weg, den Film zu verinnerlichen – in die Erinnerung zu überführen – meine lange Beziehung dazu und zur Stadt Rochester selbst.

Kinder in roten Jacken in einem Park.

Im Gegensatz dazu zollt Alex seiner langen Beziehung zu Kodak-Film durch die Verwendung seiner letzten Rollen Kodachrome Anerkennung. Ein Film, den er mehr als 30 Jahre lang benutzt hat und dessen Produktion bei Kodak 2009 zum Ende kam. 2010 wurde dann auch die Entwicklung des Films im traditionellen Prozess eingestellt. Heute kann Kodachrome nur noch schwarzweiß entwickelt werden, was den Bildern einen mitgenommenen, verwitterten Eindruck verleiht, als ob sie lange Zeit gealtert seien.

Ich mag es besonders, wie diese schwarzweißen Kodachromes wie ein visueller Halbreim mit meinen Kontaktabzügen zusammenfallen, denn auch diese Bilder sind manchmal ziemlich eindringlich und verstörend, wie „Mt. Hope Cemetery“, dieses grobkörnige Foto eines Grabsteins an einem düsteren, regnerischen Tag in Rochester, aufgenommen von Alex.

Ein Mann mit Kapuze und ein anderer Mann mit Mütze.

Die Frage kam so schon in ähnlicher Weise in anderen Interviews, ich versuche daher, das aus meinem Blickwinkel zu ergründen: Wie funktioniert Eure Zusammenarbeit als Fotografen, speziell bei der Auswahl der Bilder für dieses Buch? Wie schwer gestaltet sich das, wenn man die Arbeit des Ehepartners auf professioneller Ebene kritisiert? Ist es in der Zusammenarbeit bei beruflichen Projekten eher ein Vorteil oder ein Nachteil, wenn man verheiratet ist?

AW: Unser Auswahlprozess läuft normalerweise so ab: Wenn ich meine eigene Auswahl zu einer Sammlung meiner Bilder getroffen habe, dann ist Rebecca die erste Person, die sie zu Gesicht bekommt – und umgekehrt.

Wenn das Projekt umfangreich wird, sei es als Einzelprojekt oder als Gemeinschaftsprojekt, dann hängen wir unsere Selektionen auf. Zeit ist der beste Kritiker: Wenn man mit seinen Bildern tagein, tagaus lebt, wird es relativ schnell klar, welche Bilder funktionieren und welche nicht. Je länger wir an einem Projekt arbeiten, desto mehr Fotografien kommen hinzu und wir beginnen, mit ihnen zu spielen, um zu sehen, wie sie zusammen harmonieren.

Wir bilden Paare. Wir finden erste Abfolgen von Bildern. Häufig sind Anfang und Ende eines Buchs ziemlich offensichtlich, weit vor dem Mittelteil. Besonders wichtig ist, dass wir uns von unseren Bildern wirklich leiten lassen. Die Selektion wird so genauso instinktiv wie das Fotografieren auf der Straße selbst.

RNW: Für mich war immer besonders passend, was die Dichterin C. D. Wright über ihre Zusammenarbeit mit der Fotografin Deborah Luster geäußert hat:

Eine Riss tut sich auf zwischen einem Mitwirkenden und dem anderen – so findet das Licht seinen Weg.

Die Künstlerin Joyce Kozloff sagt, dass der schwierigste Weg, den ihr Werk zurücklegen muss, der vom Studio zur Tür hinaus ist. Denn ihr Ehemann, der Straßenfotograf und Kunstkritiker Max Kozloff begutachtet das Geschaffene immer, bevor es der Welt präsentiert wird.

Glücklicherweise ist es bei uns eherne Regel, dass der Künstler immer das letzte Wort hat.

Vielleicht ist das mit der Grund, wieso unsere Ehe schon 15 Jahre überdauert. Aber das führt auch dazu, dass unsere gemeinsamen Projekte, wie „Violet Isle“* und „Memory City“ sich komplizierter gestalten als unsere Monografien.

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Alle hier gezeigten Bilder sind aus dem Buch: Memory City, von Alex Webb and Rebecca Norris Webb, publiziert bei Thames & Hudson 30th June 2014. All photographs © 2014 Alex Webb and Rebecca Norris Webb.

Das Interview wurde von Tilman Haerdle auf Englisch geführt und anschließend von ihm für Euch ins Deutsche übersetzt.


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