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Posts Tagged ‘Interview’

CES 2015 Samsung Interview: Mirrorless to outsell DSLRs ‘in three years’

14 Jan

Since releasing the NX1 late last year, Samsung has been gathering feedback from users, and is preparing a major firmware update before the end of this month. We made time at CES in Las Vegas to sit down with Byungdeok Nam, Senior Vice President of Samsung’s R&D team in the company’s Digital Imaging division, to speak about the NX1, the new firmware, and the mirrorless camera market in general. Click through to read our interview

Articles: Digital Photography Review (dpreview.com)

 
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CES 2014 Samsung Interview: Mirrorless to outsell DSLRs ‘in three years’

14 Jan

Since releasing the NX1 late last year, Samsung has been gathering feedback from users, and is preparing a major firmware update before the end of this month. We made time at CES in Las Vegas to sit down with Byungdeok Nam, Senior Vice President of Samsung’s R&D team in the company’s Digital Imaging division, to speak about the NX1, the new firmware, and the mirrorless camera market in general. Click through to read our interview

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Im Interview mit Schnepp Renou

14 Nov

Ein Beitrag von: Schnepp Renou

Als ich das Portfolio von Simon Schnepp und Morgane Renou entdeckte, gefiel mir auf Anhieb die Art, wie sie Architektur und Räume fotografieren. Ihre individuelle Bildsprache begeistert mich, virtuos scheinen sie Architektur- und Dokumentarfotografie miteinander zu verbinden.

Als ich mich mit den beiden in Kontakt setzte, luden Sie mich zu einem Gespräch in ihrem Atelier in Berlin Neukölln ein. Das ehemalige Ladengeschäft, in dem sie arbeiten, ist geräumig und hell. Nachdem wir uns begrüßt hatten und ich mein Fahrrad im hinteren Teil des Raumes abgestellt hatte, nahmen wir mit einem Kaffee am Fenster Platz.

Morgane, Simon, schön, dass ich Euch für ein Interview gewinnen konnte. Die vielleicht schwierigste Frage gleich zu Anfang: Wie würdet Ihr denn selbst Eure Art der Fotografie beschreiben?

Simon:

Ich finde es schwer diese Frage selbst zu beantworten. Was wir machen, hat sich im Laufe der Zeit entwickelt. Es ist eine Art Vermischung unserer beider fotografischen Stile, würde ich sagen. Ich glaube, wenn wir jeder allein arbeiten würden, sähe das von beiden nicht ganz so aus, wie das, was wir in Gemeinschaft realisieren.

Bunte Wohntürme in einer französischen Wohnsiedlung.

Der Kulturpalast in Warschau.

Ihr fotografiert Architektur, ihr macht Dokumentarfotografie und Portraits findet man in Eurem Portfolio auch. Sind das die Genres, in die Ihr Eure Arbeit einordnen würdet?

Simon:

Ja schon, wobei das nicht so ist, dass wir uns all diese Bereiche auf die Fahne schreiben würden.

Morgane:

Was wir machen, ist sehr frei und es funktioniert zum Beispiel in der Werbefotografie nur selten.

Simon:

Vielleicht trifft es Architekturdokumentation ganz gut. Es ist keine reine Architekturfotografie und das macht eine Einordnung schwer. Es nicht klar kategorisierbar; weder ist es klassische Architekturfotografie, noch ist es Reportage.

Eure Arbeit „Monsieur Chevrolet“ beispielsweise, würde ich klar der Reportage zuschreiben.

Simon:

Ja, wobei gerade bei der Serie auch viele gesagt haben, wir seien für klassische Reportage sehr weitwinklig, das sehe geshiftet aus, wir hätten einen gewissen sachlich neutralen Abstand und seien nicht nah an der Person dran.

Ein Chevrolet und ein Kamel stehen an der Küste.

Denkt Ihr, dass Ihr einen besonderen Stil habt und wenn ja, was macht ihn aus?

Morgane:

Ich würde nicht sagen, dass wir einen besonderen Stil haben. Vielleicht ist es eher eine Handschrift, mit der wir arbeiten, wenn man das so sagen kann.

Wir überlegen nicht zwangsläufig, wie das Ergebnis aussehen wird. Wir interessieren uns einfach für bestimmte Motive und häufig resultiert daraus bereits die Bildsprache.

Ein Taxifahrer winkt aus dem Auto heraus einem Mann auf einem Esel zu.

Simon:

Ich glaube, es sind auch die Motive die den Stil unterstreichen. Was sich in unserem Portfolio befindet, sind zum größten Teil freie Sachen.

Bei manchen Architekturfotoaufträgen war es schon eine Herausforderung so zu fotografieren, dass es auch dem Auftraggeber gefällt. Und das Ergebnis wäre vielleicht ein anderes geworden, wenn wir das Gebäude frei fotografiert hätten.

Schwierig finde ich auch auf einer Ausstellung die Frage gestellt zu bekommen: „Was habt ihr Euch dabei gedacht?“ oder „Was wollt Ihr damit sagen?“

Ich glaube die Leute sind oft bemüht, ganz viel im Nachhinein in die Arbeiten hineinzureden. Zu diesem Bild beispielsweise (zeigt auf einen großen Print an der Wand aus der Serie „Monsieur Chevrolet“) könnten wir ja jetzt wahnsinnig lang und viel erzählen.

Tatsächlich waren wir einfach da zum Fotografieren. Wir haben diesen Taxifahrer kennengelernt, er war uns ziemlich sympathisch, das Auto sah gut aus und wir sind dann eben mit ihm ein paar Tage herum gereist. Klingt halt nicht so spektakulär, aber so war es.

Spannend finde ich auch, wenn Bilder allein für sich sprechen. Wir deklarieren auf unserer Webseite ja auch nicht, was wir im Auftrag fotografiert haben und was nicht. Je weniger Text, desto besser. Anfangs hatten wir sogar überhaupt keine Informationen, aber das geht halt nicht.

Wo ein Bild aufgenommen wurde und in welchem Jahr kann man schon sagen. Nur denke ich nicht, dass wir darüber hinaus immer was dazu schreiben müssen. Wir haben uns für die Fotografie entschieden und dann finde ich, können die Bilder auch für sich stehen.

Ein moderner Wohnblock in Südfrankreich.

Ein französischer Wohnblock mit außergewöhnlicher Bauform.

Neben den vielen guten Einzelbildern in Eurem Portfolio finde ich Eure laufende Serie „les grands ensembles“ sehr gut. Wie habt Ihr sie entwickelt? Was hat Euch dazu inspiriert?

Morgane:

Erstmal inspirieren uns immer sehr die vielen gemeinsamen Reisen. Dann hat uns das Thema interessiert; wir haben vielleicht beide eine Art Affinität für Sozialbauten, solche speziellen, einfach absurden Gebäude. In Paris waren wir erstaunt, was man dort so alles in den Vororten finden kann.

Wie findet ihr solche Orte, die eben noch nicht jeder kennt oder fotografiert hat?

Simon:

In Frankreich meist über Bekannte und Freunde.

Morgane:

Ja, man muss Leute fragen, Filme schauen, ganz viel Recherche betreiben …

Simon:

… und manchmal ist es auch einfach der Zufall.

Morgane:

Genau, manchmal ergibt sich auch etwas allein dadurch, dass wir einfach losfahren und suchen.

Simon:

Ja, und anschließend recherchieren wir, wer der Architekt ist und was er noch so gebaut hat und wo diese Gebäude dann wiederum stehen.

Ein französischer Wohnblock mit außergewöhnlicher Bauform.

Ein Verwaltungsgebäude mit ungewöhnlicher Bauform in Georgien.

Ihr habt Euch im Studium kennengelernt?

Morgane:

Ja genau. Die Art zu fotografieren des jeweils anderen hat uns gefallen und so kamen wir auf die Idee gemeinsame Projekte zu machen. Noch im Studium sind wir dann mal nach Paris gefahren. Das war unsere erste gemeinsame Reise.

Simon:

… und dann haben wir uns unsere erste gemeinsame Kamera gekauft, zu der Zeit erstmal vorrangig um die Kosten zu teilen. Dann habe ich mit Bekannten zusammen dieses Atelier hier angemietet. Kurz drauf ist dann Morgane mit reingekommen.

Dann saßen wir hier zusammen und so hat sich das alles ergeben. Ich glaube, am Anfang war gar nicht so klar, dass wir alles zusammen machen würden. Doch mit der Zeit haben wir gemerkt, dass wir zusammen genommen gute Bilder machen und so die Qualität steigern konnten und mehr Spaß hatten.

Morgane:

Und 2010 haben wir dann die gemeinsame Webseite und unser erstes Portfolio gemacht.

Krematorium in Berlin-Treptow

Wenn Ihr zu zweit arbeitet, wie sieht Eure Zusammenarbeit aus? Machen beide alles oder hat jeder ein Spezialgebiet?

Morgane:

Wenn wir fotografieren, machen wir das zusammen. Dass wir jeder ein Spezialgebiet hätten, würde ich nicht sagen. Bei der Organisation vielleicht schon. Aber es ist sicher nicht sehr interessant, was im Büro passiert.

Manchmal stehen wir beide hinter der Kamera, manchmal nicht. Das ist wirklich sehr situationsabhängig.

Simon:

Es kommt auch vor, dass wir vergessen, wer das Foto eigentlich gemacht hat. Das ist jetzt zum Beispiel aus der Hand fotografiert und nicht vom Stativ (zeigt wieder auf Monsieur Chevrolet).

In diesem Fall können wir natürlich nicht sagen, wir standen beide hinter der Kamera. Gut, hier behaupte ich einfach mal, dass ich es war. Andererseits ist das ja auch das Schöne daran: Es wird dann auch irgendwie egal.

Blick über San Francisco bei strahlendem Sonnenschein

Ein altes Haus vor Plattenbauten.

Fotografiert Ihr auch in Eurer Freizeit oder nur beruflich?

Simon:

Inzwischen nur noch beruflich. Ich war gerade mit meiner Familie im Urlaub und hatte nicht einmal Lust eine Kamera in die Hand zu nehmen. Es gibt sicher Fotografen, die sagen, sie wären mit ihrer Kamera zusammengewachsen und würden immer arbeiten. Ich gehöre nicht zu ihnen.

Morgane:

Gut, wir arbeiten oft auch an freien Serien. Freizeit und Beruf ist da schwer zu trennen. In der Freizeit würde ich halt immer etwas für uns machen. Und dann ist es ja sozusagen schon wieder beruflich.

Simon:

Die Art und Weise, wie wir fotografieren ist aufwändig. Wir brauchen viel Zeit, bis wir ein Bild gemacht haben, weil wir fast ausschließlich mit Stativ, mit Shift-Objektiven oder Fachkameras ohne Autofokus arbeiten.

Das allein führt ja schon dazu, dass man viel mehr Ausrüstung herumträgt und ich habe gar keine Lust, das ganze Zeug immer dabei zu haben.

Morgane:

Es ist halt keine spontane Fotografie.

Simon:

Genau, und es ist ja auch nicht so gedacht. Manchmal entdeckt einer von uns vielleicht spontan irgendwo etwas Neues, macht mit dem Smartphone ein Bild und dann fahren wir später nochmal mit der Ausrüstung gemeinsam dorthin.

Das was früher das Polaroid war, ist heute das Smartphone.

Simon:

Genau. Es reicht ja tatsächlich, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Um wieviel Uhr sollte ich hierhin gehen, wie sollte der Himmel und das Licht sein, auf welcher Straßenseite darf ich stehen? Location Scouting mit dem iPhone machen, denke ich, nicht nur wir, sondern auch viele andere.

Lichthof im Neuen Museum in Berlin.

Streng sachliches Interieur in Zentralperspektive.

Ihr hattet schon angesprochen, dass Ihr viel gemeinsam unterwegs seid. Reist Ihr, wenn Ihr Lust habt, oder seid Ihr dann im Auftrag unterwegs und macht freie Sachen nebenher?

Morgane:

Je nachdem, es ist immer unterschiedlich. Wir schauen, dass wir öfter im Jahr reisen, auch für freie Sachen. Uns ist es wichtig, dass wir mindestens einmal im Jahr neue Serien haben.

Simon:

Wir sind sehr viel in Frankreich unterwegs. Wir haben in Marseille auch ein Atelier. Dadurch, dass Morgane Französin ist, bietet es sich eben an, dass wir das Gleiche, was wir hier machen, eben auch nochmal an einem zweiten Standort in Frankreich umsetzen.

Verwaltungsgebäude in Frankreich.

Wie arbeitet Ihr technisch? Wieviel ist Nachbearbeitung, wieviel schon in der Aufnahme selbst?

Simon:

Das kommt ganz auf’s Motiv an; es kommt auf’s Licht an. Auf manche Bilder legen wir vielleicht nur eine kleine Kurve, bei anderen ist es dann wiederum eine sehr ausgeprägte und aufwendige Nachbearbeitung, aber es gibt dafür keine Regel.

Ich würde sagen, unsere Bilder sind in der Tendenz immer etwas heller. Das erreichen wir zum einen durch eine leichte Überbelichtung und dann fotografieren wir auch sehr oft Gegenlichtsituationen, bei denen das lichtbedingt entsteht.

Außerdem ist die Frage, was der Maßstab ist. Würde ich Dir das RAW und das bearbeitete Ergebnis nebeneinander zeigen, würde ein anderer vielleicht sagen, dass da ja fast nichts verändert wurde und Du sagst vielleicht, dass es einen riesigen Unterschied gibt.

Gegenlichtsituation an einer Schnellstraße in Istanbul.

Morgane:

Wir bauen halt nichts in die Rohbilder hinein, aber wir räumen schon auf.

Simon:

Genau, finden wir den Müll vor einem Haus nicht wichtig, dann retuschieren wir den auch weg. Wir sind keine Reporter mit Anspruch auf Authentizität und Vollständigkeit.

Wir hatten mal einen Auftrag, da wollte der Kunde, dass wir die überall festgetretenen Kaugummis wegretuschieren, die so eigentlich nicht zu sehen waren. Klar, das machen wir dann auch, aber was wir nicht machen ist, dass wir zum Beispiel Steckdosen oder Lichtschalter wegretuschieren, die sind da ja nun mal.

Ich habe mir neulich mal ein Bildstrecke in einem Magazin angeschaut und in den Fotos waren nirgends Lichtschalter oder Steckdosen zu sehen – mal ehrlich, das ist doch eigentlich auch Quatsch.

Morgane:

Stimmt, unsere Bilder wirken immer so hell und aufgeräumt. (lacht) Manchmal räumen wir aber auch extra nicht auf.

Simon:

Ja genau, das kommt halt auf die Serie an. Wir haben zum Beispiel Serien in unserem Portfolio von inzwischen entleerten Orten. Zum Beispiel haben wir in Stuttgart im ehemaligen Oracle-Gebäude eine Serie für einen Sammler fotografiert.

Das Gebäude wurde verlassen und danach nicht mehr genutzt. Die Serie lebt eben durch Hinterlassenes – seien das Kabelknoten oder Staub … es hängt immer davon ab, in welchem Zusammenhang wir fotografieren.

Raum in einem verlassenen Bürogebäude.

Wie sehen Eure Pläne für die Zukunft aus?

Morgane:

Längerfristig an der Küste in Südfrankreich, aber auch generell noch mehr in Frankreich zu sein.

Simon:

Ja, das wäre wirklich eine Idee. Und was wahrscheinlich jeder sagt, weil es eben ein Klassiker ist: Wir möchten uns leisten können, mehr freie Sachen zu machen und weniger angewandt zu fotografieren. Das ist ja immer der Spagat, den alle machen … Was ich meine ist, mehr Serien auch gezielt für Ausstellungen zu erarbeiten.

Dieses Jahr haben wir weniger Auftragsarbeiten fotografiert und mehr für Ausstellungen gearbeitet. Wir haben mit einer Kuratorin zusammen Serien für eine Ausstellung geplant, besprochen und umgesetzt. Das ist ein Ansatz, den ich verfolgenswert finde und mir auf Dauer mehr auszubauen wünschen würde.

Wenn man viel unterwegs ist, hat man schnell viele Einzelbilder. Aber selbstverständlich ist es inhaltlich komplexer eine Serie zu verwirklichen als zehn, fünfzehn gute Einzelaufnahmen zu fotografieren.

… und ein guter Kurator schafft es vielleicht diese Einzelbilder zusammenzubringen, in einer Form, auf die man selbst nie gekommen wäre.

Beide:

Ja, definitiv.

Ein Gedenkbauwerk mit eigentümlicher Bauform in Georgien.

Vogelperspektive auf einen Flugplatz

Simon:

Wir haben zum Beispiel kürzlich in Berlin Lichtenberg die ehemalige Fahrbereitschaft der DDR fotografiert. Uns war wichtig, dass wir uns dafür viel Zeit nehmen können, denn es sollte eine stimmige Serie werden. Das langsame Arbeiten fördert dann auch die Qualität.

Morgane:

Ja, wir wollen in Zukunft mehr solcher Projekte machen.

Simon:

Das ist dann doch wirklich genial, wenn diese Projekte der entspannte Ausgleich zum normalen Arbeitsalltag sein können.

Morgane, Simon, ganz herzlichen Dank für das Interview. Ich wünsche Euch gutes Gelingen bei Euren Vorhaben und bin gespannt auf Eure künftigen Arbeiten.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
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Interview mit Fotojournalist Florian Büttner

05 Nov

Ein Beitrag von: Florian Büttner

Florian Büttner hat sich mit seinen einfühlsamen Reportagen einen Namen gemacht hat. Er widmet sich immer wieder Themen, die ohne sein Kameraobjektiv nicht ans Licht der Öffentlichkeit geraten würden.

Ursprünglich brachte ihn seine Reiselust zur Fotografie, heute begeistert er als erfolgreicher Fotojournalist mit Veröffentlichungen in Magazinen wie GEO, dem Stern oder dem ZEIT-Magazin. Zusätzlich unterstützt er durch den Verkauf seiner Bilder soziale Projekte für Flüchtlinge und Straßenkinder. Im Interview erzählt er, wie er auf einer Nazi-Demo zu seinem Beruf fand und welche seiner Bilder ihm besonders wichtig sind.

Florian Büttner, was zeichnet Deiner Meinung nach einen guten Fotografen aus?

Erst einmal gibt es viele unterschiedliche Arten von Fotografen. Ein Werbe-Fotograf braucht andere Fähigkeiten als einer, der in Krisengebieten arbeitet. Ich kann nur aus meiner persönlichen Erfahrung als Fotojournalist sprechen. Natürlich sollte man kreativ sein und braucht einen Sinn für Ästhetik und Komposition – neben technischen Fähigkeiten und dem Wissen, wann und wie man diese einsetzt – das ist Grundvoraussetzung.

Mindestens genau so wichtig ist aber der Umgang mit Menschen. Das klingt klischeehaft, aber meiner Erfahrung nach gibt es viele Situationen, in denen man ohne soziale Kompetenzen wie Humor und Sensibilität gar nicht erst in die Situation kommt, fotografieren zu können. Es braucht zunächst einmal Vertrauen und Sympathie, damit ein Protagonist – insbesondere jemand mit einem eher unkonventionellen Lebensentwurf – sich und seine Welt öffnet und seine Dokumentation zulässt. Das ist die Basis für eine gute Fotostrecke.

Was einen guten Fotografen außerdem noch auszeichnet, ist Biss. Nicht nur bei der Arbeit am Motiv oder wenn man sich mit einer Story auch mal quält, sondern besonders, wenn es um die Akquise geht. Wenn man ein Thema will, muss man dafür kämpfen, die Redaktionen nerven und lernen, sich dabei von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. Notfalls muss man ein Projekt vorfinanzieren und darauf vertrauen, dass es so gut wird, dass man es später loswird.

Jemand sitzt traurig vor einer Wand.

Dokumentation der Situation der Flüchtlinge und die Räumung der Gerhard-Hauptmann-Schule in Berlin: Hafid sitzt in einem der Flure der GHS.

Wie ist es Dir damit als freiberuflicher Fotograf ergangen?

Die ersten drei Jahre waren echt schwer und zäh. Ich kam von der Uni und hatte keinen Plan, wie das ganze Geschäft funktioniert. Akquise – Mappenrunden – Bürokratie. Ich musste erst lernen, hinter meinen Bildern zu stehen, diese selbstbewusst zu präsentieren und zu verteidigen. Gut fotografieren zu können allein reicht nicht, um sich zu etablieren. Man muss sich auch gut verkaufen können und das ist nicht so einfach.

Außerdem ist es schwer, aus dem ganzen Material für eine Story dann eine Auswahl zu treffen und eine finale Strecke zu legen. Das ist aber die halbe Miete! Zu verstehen, welche Bilder in eine Geschichte gehören, welche es braucht, um etwas zu erzählen und manchmal auch tolle Bilder rauszuschmeißen, weil sie die Story nicht weiterbringen, sind einige der wichtigsten Fähigkeiten des Fotojournalisten überhaupt.

?Ich kann das bei Kollegen immer gut und schnell – hadere aber oft bei meinen eigenen Strecken, weil ich teilweise mit einem Motiv emotional zu verknüpft bin. Da ist es sehr sinnvoll, sich von Kollegen ein paar Meinungen zu holen.? Genauso wichtig und schwer ist es, ein Gespür für relevante Themen zu entwickeln.

Das beginnt mit dem persönlichen Interesse und führt auch zur Frage, für welche Magazine sich ein Thema eignet. Oft wundert man sich dann doch wieder, wie falsch man eine Story eingeschätzt hat oder wie gering das Interesse der Redaktionen ist. Mir hilft es dabei sehr, dass ich den Großteil meiner Themen gemeinsam mit freien Schreibern entwickle.

Ein Mann grillt in einem Haus Fleich auf seinem Grill.

Wie bist Du überhaupt zur Fotografie gekommen?

Ich bin keiner, der mit fünf Jahren schon die Kamera seines Vaters in die Hand bekommen hat und seither weiß, dass er Fotograf werden will. Das war bei mir ein bisschen pragmatischer. Ich bin nach dem Zivildienst viel durch Asien gereist und habe in der Zeit überlegt, was ich wohl machen könnte. Es sollte vor allem ein Beruf sein, bei dem ich reisen kann.

Ich habe dann gedacht: Reisejournalist fängt schon mal mit „Reise“ an, das kann ja nicht so verkehrt sein. Dann habe ich aber ein Praktikum bei zwei Bielefelder Fotografen – Veit Mette und Martin Brockhoff – gemacht. Meine erste Aufgabe war die Dokumentation einer Nazidemo in Bielefeld mit einer alten Nikon FM2 und einem 50-mm-Objektiv, schwarzweiß. Da habe ich wirklich etwas gespürt und danach wusste ich: Fotograf – das könnte echt was für mich sein.

Und was gefällt Dir daran besonders?

Ehrlich gesagt weiß ich heute erst zu schätzen, wie richtig diese Berufswahl für mich war. Ich kann relativ kreativ sein, ich komme viel herum, ich lerne sehr viele interessante Menschen kennen, bekomme Einblicke in verschiedenste Lebensweisen.

Die Kamera ist dabei manchmal wie ein goldener Schlüssel zum Leben anderer Menschen – für eine kurze Zeit erlaubt man mir einen tiefen Einblick. Außerdem bin ich relativ frei, was meinen Arbeitsalltag angeht und kann davon gut leben. Klingt doch ziemlich gut.

Demostration am Oranienplatz in Berlin.

Auf einer Demonstration hält ein Mann eine Flagge in der Hand.

Für Deine Arbeit kommst Du also viel herum. Du beschränkst Dich bei Deiner Themenwahl aber nicht nur aufs Ausland. Erst kürzlich hast Du im Magazin der Süddeutschen Zeitung eine Reportage über die Lebensumstände von Flüchtlingen in Deutschland veröffentlicht. Wie kam es dazu?

Ich wollte schon lange eine Geschichte in Berlin machen, aber ich glaube, je länger ich an einem Ort lebe, desto abgestumpfter wird der Blick für das Besondere an ihm. Alles wird gewöhnlich, meine Antennen für Geschichten senden nicht mehr.

Irgendwann hat mir Christoph Cadenbach – Redakteur beim SZ-Magazin und ein guter Freund – von der Situation in der von Flüchtlingen bewohnten Berliner Gerhart-Hauptmann-Schule erzählt und mich mit dorthin genommen. Und eigentlich war mir am ersten Tag schon klar, dass diese Schule ein ganz besonderer Ort ist und dass hier sehr vieles, was gerade politisch in der Welt passiert, in einer Berliner Geschichte zusammen kommt. Ein Mikrokosmos der Flüchtlingsbewegung sozusagen.

Ich hatte im Vorfeld immer mal wieder etwas vom Protestcamp am Oranienplatz und den Protestmärschen gehört, mich aber immer nur passiv damit auseinandergesetzt. Hier war das sofort anders, ich war schnell überwältigt von so viel Input auf so vielen Ebenen. Ich wusste aber auch sehr schnell, dass es extrem schwierig würde, dort zu fotografieren.

Eine Hand, ein Zaun und Polizei in kompletter Montur mit Schlagstöcken.

Während der in dem Artikel beschriebenen Räumung der Schule war Journalisten der Zugang zum Gebäude verboten. Du hast trotzdem fotografiert. Wie war das für Dich?

Am Montag hörte man erste Gerüchte über eine unmittelbar bevorstehende Räumung. Es hieß, der Senat oder der Bezirk sollten am nächsten Morgen um 9 Uhr tagen und darüber entscheiden. Am nächsten Morgen um 9.30 Uhr sind bestimmt 30, 40 Wannen an meinem Fenster in der Hermannstraße vorbeigefahren und da wusste ich, was los war – und dass es verdammt knapp würde jetzt.

Die Entscheidung des Senats muss also schon lange vorher gefallen sein, denn viele der Polizisten waren aus anderen Bundesländern – die bestellt man nicht mal so eben, wenn man nicht weiß, wie das Ergebnis aussieht. Ich hab also meine Kamera geschnappt, zwei Karten und zwei Batterien, habe mich aufs Fahrrad geschwungen und als ich ankam, war alles schon abgesperrt – aber noch ein wenig unorganisiert.

Klar war, die Presse darf noch nicht einmal vor die Schule. Letztendlich hatte ich Glück mit dem Timing. Ich bin im richtigen Moment über einen Hinterhof und dann über eine Mauer direkt auf den Schulhof gelangt. Da herrschte überall Chaos und Verwirrung. Der Bezirkspressesprecher, beschützt von einem Haufen Bodyguards, rannte da durchs Haus und versuchte, Zettel mit den Räumungsbedingungen zu verteilen.

Er sprach immer wieder von „freiwillig“ und „Angebot“, während die erste gepanzerte Hundertschaft sich bereits im Erdgeschoss der Schule aufgestellt hatte. Auch das BKA war da mit mindestens 25 Mann, Knarren und Schlagstöcken. Dann kam Baustadtrat Panhoff mit einer schusssicheren Weste und versuchte, die Bedingungen zu erklären.

In der Schule stehen sich Flüchtlinge und Polizisten gegenüber.

Entgegen der Behauptung der Politik war die Polizei bereits kampfbereit im Erdgeschoss der Schule.

Auf dem Dach der Schule stehen Menschen.

Irgendwann schrie alles nur noch durcheinander. Fast eskaliert wäre die Situation, als das BKA dann in die Schule hinein und die Flüchtlinge die Tür verschließen wollten. Ich weiß nicht, ob meine Anwesenheit und die Dokumentation dieser verbalen Scharmützel dazu beigetragen haben, dass nicht härter vorgegangen wurde von Seiten der Polizei.

Gefallen hat es den Verantwortlichen zumindest nicht. Die haben versucht, mich entfernen zu lassen, aber die Flüchtlinge haben sich dazwischen gestellt. Ich habe in dem Moment auch eine starke Verantwortung gefühlt, da zu sein und mögliche unangemessene Gewalt der Behörden zu dokumentieren. Am Nachmittag haben es noch ein paar weitere Presseleute ins Gebäude geschafft, unter anderem Christoph Cadenbach.

Wir beide haben in der großen Aula übernachtet, wo am Tag vorher noch über 70 Flüchtlinge geschlafen haben. Wir haben eigentlich fest damit gerechnet, dass die Polizei stürmt. Das war schon sehr nervenaufreibend, geschlafen habe ich jedenfalls nicht.

Menschen in einem Raum reden miteiander.

Hans-Christian Ströbele versucht, mit den Flüchtlingen zu verhandeln.

Ein Mann schaut traurig in die Kamera.

Denkst Du, dass Du mit Projekten wie diesem etwas verändern kannst?

Naja, sagen wir: Ich glaube gern daran – auch, wenn ich durch diese Veröffentlichungen wahrscheinlich erst einmal nur auf ein Problem oder eine Situation aufmerksam mache und das vielleicht auch nur bei vergleichsweise wenigen Menschen. Ob so ein Stein je eine richtige Lawine ins Rollen bringt, das weiß ich nie. In Bezug auf die Flüchtlingsgeschichte in Berlin ist es mir wichtig, dass die Leute, die die Geschichte lesen und die Bilder sehen, ihr Herz ein wenig öffnen und etwas mehr Solidarität zeigen.

Die Flüchtlinge sind keine Nummern, die zufällig auf Lampedusa stranden – die wollen nicht nach Europa wegen der Kultur, weil sie mal den Rhein runterschippern oder den Eiffelturm besteigen wollen. Die meisten würden viel lieber in ihrer Heimat bleiben und dort eine Familie gründen. Und – ob es nun Kriege, Diktaturen oder wirtschaftliche Gründe sind, die die Menschen dazu treiben, ihr Leben aufs Spiel zu setzten – unsere westliche Gesellschaft und ihr Konsumhunger sind Ursache und Motor hinter dieser Dynamik.

Jemand betet in einem Raum.

Eine Person macht Sport.

Was sind denn Deine nächsten fotografischen Ziele?

Das frage ich mich auch manchmal: Was will ich eigentlich genau erreichen? Klar habe ich immer kleinere Ziele, aber die sind nicht gerade karriereorientiert. Es fing meistens an mit dem Wunsch, einmal in der GEO, im SZ-Magazin oder im Stern zu erscheinen. Und als ich das geschafft hatte, war ich natürlich erst einmal sehr stolz. Aber der Moment des Genießens ist schnell vorbei, wenn ich neue Veröffentlichungen in der Hand halte.

Ich glaube, je älter ich werde, desto wichtiger wird die kompromisslose Verwirklichung bestimmter Ziele im Gegensatz zum kurzen Erfolgsmoment. Deshalb nehme ich mir aktuell eher vor, bestimmte Länder zu bereisen, ein bestimmtes Thema umzusetzen oder mal auf einem großen Festival ausgestellt zu werden. Aber im Großen und Ganzen bin ich einfach froh, dass ich das machen darf, was ich mache – denn es macht mir viel Spaß.


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Interview: Anne Geddes on photography and philanthropy

29 Oct

We recently had the opportunity to sit down with one of the most recognizable names in photography – Anne Geddes. In our interview, recorded in partnership with CreativeLive, DPR’s Barney Britton talks with the photographer about how her career started, the transition from film to digital, and her efforts as a global advocate for children. See video

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DPReview Live: Interview with Art Wolfe

27 Oct

As part of our DPReview Live event earlier this month, we sat down with renowned wildlife photographer Art Wolfe to ask him some questions about his work, vision and philosophy. With over sixty books published and a public television documentary series under his belt, Wolfe has plenty to offer on the subject of wildlife photography. See video

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Photokina 2014: Fujifilm interview – ‘Over the past few months I’ve been getting more confident’

25 Sep

DPReview attended the Photokina trade show last week in Cologne Germany, and as well as stand reports and hands-on looks at the major new products we also sat down with executives from several of the major camera manufacturers. In this interview, we speak to Toshihisa Iida, Senior Manager of Sales & Marketing in Fujifilm’s Optical Device & Electronic Imaging products division. Click through to read more

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Photokina 2014: Canon interview – Mirrorless ‘in the very near future’

25 Sep

DPReview attended the Photokina trade show last week in Cologne Germany. As well as getting our hands on this season’s newest photo gear we also sat down with executives from several major camera manufacturers. One of them was Masaya Maeda of Canon. Our time with Mr Maeda was brief, but in our conversation he shared reactions to the 7D Mark II, and explained that Canon is very serious about mirrorless, and is also committed to making higher-resolution sensors. Click through to read more

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Photokina 2014: Sony interview – ‘we still need to create more lenses’

24 Sep

At Photokina last week we sat down with Shigeki Ishizuka, the global head of Sony’s Imaging Business. As well as talking us through Sony’s current Alpha strategy, Ishizuka-san also explained why the name ‘NEX’ was dropped and told us a little about how Sony’s sensor business works. Click through for the full interview

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Photokina 2014: Nikon interview – ‘large-sensor mirrorless could be a solution’

24 Sep

When we visited Photokina last week in Germany we made time to sit down with senior executives from several camera manufacturers. Among them was Toshiaki Akagi, Department Manager in Nikon’s 1st Designing Department. In our conversation we spoke about reaction to the D750, the legacy of the D600 oil problem and the potential for a large-sensor mirrorless camera from Nikon in the future. Click through to read the full interview

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