
Bubbles, originally uploaded by Corwyn Celesil.

Thomas Bölke, geb. 1976, ist in Volkmarsen (Hessen) aufgewachsen. Nach dem Biologiestudium in Marburg war er einige Jahre in der Naturschutzplanung tätig. Seit 2007 ergänzt er seinen wissenschaftlich geprägten Blick zunehmend durch fotografische Sichtweisen aus Natur und Landschaft. Einen Schwerpunkt bilden dabei Langzeitbelichtungen bei Nacht.Idyllisch, aber kahl stehen die mächtigen Baumriesen des Kellerwaldes fest in der nordhessischen Sommernacht verwurzelt. Spielerisch werden sie umtanzt von kleinen Lichtern, die Spuren durch die Nacht ziehen, feengleich. Was viele nur erahnen: Hinter diesen bildgewordenen Sinfonien aus Licht, Bewegung und Dunkelheit steckt viel Arbeit. Und jede Menge Freude am Tun. Vier Monate wurde der Nationalpark so zu unserer Bühne, haben wir die Nacht zum Tag gemacht.

Feentanz
Die Idee dafür entstand vor zwei Jahren: Es war ein lauer Sommerabend, als mir die neue Taschenlampe meines Vaters in die Hände fiel. Der Himmel versank gerade in einem malerischen Rot, ich musste unbedingt noch mal raus. Mit Kamera und Stativ zu einem nahe gelegenen Sandbruch hastend, malte ich fünfzehn Minuten später meine ersten Lichtspuren in die Dunkelheit. Es sollte der Beginn einer großen Leidenschaft werden.
Unsere (meine Lebensgefährtin Nadine unterstützte mich tatgräftig) letzte Entdeckungsreise führte mitten hinein ins Reich der urigen Buchen. Die spannende Frage war: Was würde uns abseits der öffentlich zugänglichen Wege erwarten? Durch meine Mitarbeit und die Besuche im Nationalpark hatte ich zumindest eine grobe Vorstellung: Skurrile Baumformen mit eingestreuten Felsfluren und verschlungenen Mittelgebirgsbächen.

Among the Dead
Kompositionen aus Licht und Wildnis
In Absprache mit der Nationalparkverwaltung begannen wir im Oktober mit der Arbeit. Unser erstes Ziel: Herbstimpressionen sammeln. Tagsüber galt es zunächst, nach geeigneten Motiven zu suchen. Das konnten von Wind und Wetter gezeichnete Bäume genauso wie markante Felsformationen sein. Oder wie in unserem Fall: In farbenfrohen Herbstgewändern erstrahlende Buchen.

Wunderland
Ist die geeignete Kulisse gefunden, geht es ans Planen: Welchen Standpunkt wählen wir für die Kamera, wie soll der Bildausschnitt aussehen? Wie wollen wir die Szene ausleuchten und wo setzen wir Lichtfiguren? Ist diese Vorarbeit getan, heißt es warten, warten bis die Dunkelheit einsetzt und die eigentliche Arbeit beginnen kann. D
er Sucher der Kamera ist dann schwarz, einzig die von Taschenlampen oder Fackeln gezogenen Spuren bringen Licht ins Dunkel. Was als Zuschauer lediglich wie ein wandernder Lichtpunkt aussieht, enthüllt erst in der Langzeitbelichtung seine wahre Gestalt: Von Kreisen über Spiralen bis hin zu geschlungenen Linien oder funkelnden Sternen.

Essenz
Manchmal ist weniger allerdings mehr. Hatten wir uns zu Beginn des Projekts noch darauf eingeschworen, möglichst immer mit filigranen Lichtfiguren zu arbeiten, so brach sich bereits nach wenigen Wochen eine neue Sichtweise bahn. Es war einer dieser rauen Herbsttage an denen sich die Sonne, wenn überhaupt, nur selten zeigt. Ich war entlang der Hagensteinroute unterwegs, hatte die mit bizarren Baumgestalten bestandenen Steilhänge gerade hinter mir gelassen. Eigentlich wollte ich umkehren.
Aber wie von Geisterhand gelenkt, ging ich weiter und fand mich Minuten später in einem alten Fichtenforst wieder. Mein Blick schweifte umher, blieb stehen: Was war das? Inmitten der kahlen Fichtenriesen ragte eine vereinzelte Buche empor, erstrahlte in vollem Herbstgewand. Schon bei dieser ersten Begegnung schien sie mir sagen zu wollen: “Ich habe Dich bereits erwartet.“ Solche Worte vergisst man nicht.

Lichtbringer
Alles eine Frage der Beleuchtung
Bis alles so erstrahlt wie es soll, können Stunden vergehen. Auf dem Weg dahin kommen rund zwei Dutzend unterschiedliche, teils modifizierte Leuchten zum Einsatz. Allen gemein ist ihr Zweck: Mit Licht die Kulisse ausmalen, ihr ein völlig neues Erscheinungsbild geben. Es ist, als ob man vor einer dunklen Leinwand steht. Doch während der Maler seinen Pinsel zur Hand nimmt, greifen wir zu Taschenlampe, Fackel, Wunderkerze – eben allem, was leuchtet. Der Verschluss der Kamera bleibt dabei bis zu 45 Minuten offen.

Schicksal
Das Faszinierende an dieser entschleunigten Art von Fotografie lässt sich auf eine einfache Formel bringen: Ihr Grundprinzip ist einfach, die gekonnte Umsetzung aber erfordert viel Übung und nicht weniger Geduld. Auch die Beharrlichkeit, bei widrigen Wetterverhältnissen loszuziehen, wird manchmal belohnt. Es war Anfang Dezember, der Winter stand vor der Tür. Es war kalt und nass, Schnee noch nicht in Sicht. Alles in allem also ein Wetter, bei dem man eigentlich lieber zu Hause bleibt.
Wäre da nicht der Nebel gewesen. Geräuschlos kroch er durch den Wald, hüllte alles in einen gespenstischen Schleier – wunderschön. Unsere Freude währte jedoch nicht lange: Gegen Mittag hatte sich der Nebelschleier gelüftet, was blieb, war Feuchtigkeit und eine durch jede Ritze kriechende Kälte. Sollten wir abbrechen?

Zuflucht
Gegen Nachmittag hatten wir schließlich eine vielversprechende Stelle gefunden. Aber bei dem Wetter? Der Nebel kam unserer Entscheidung zur Flucht zuvor. Kaum setzte die Abenddämmerung ein, da stieg er erneut aus unsichtbaren Quellen empor, kroch langsam auf uns zu. Schnell wurde die Kamera in Position gebracht, die passende Lichtquelle ausgewählt. Und siehe da:
Der bei Tageslicht so unscheinbar wirkende Wald wurde plötzlich zur Kulisse einer mysteriösen Lichterscheinung. Wer das fertige Bild betrachtet, sieht zunächst einmal nur hohe Fichtenstämme, mysteriös beleuchtet. Ein genauer Blick jedoch lenkt das Auge auf eine vereinzelt stehende kleine Buche. Nicht nur einmal wurde ich schon angesprochen, was hinter diesem „Omen“ steckt. Mein Hinweis: Hier wächst die Zukunft. Denn die Fichten sind vom Borkenkäfer befallen, ihre besten Tage gezählt. Fallen sie, machen sie der unscheinbaren Buche Platz. Urwald im Werden.

Omen
Etwas schaffen, das nicht von dieser Welt scheint
Ähnliche Geschichten ziehen sich durch die meisten unserer Bilder, auch wenn sie dem flüchtigen Betrachter oftmals verborgen bleiben. Eine besondere Faszination geht dabei von rauen, kargen Orten aus, an denen sich das Leben seinen Existenzanspruch immer wieder neu erkämpfen muss.
Mein liebstes Beispiel: Die Steilhänge des Hagensteins. Brüllende Hitze und quälende Trockenheit lassen die Bäume hier tagtäglich ums Dasein kämpfen. Ihre Wurzeln tief in den Fels gekrallt, recken sich die knorrigen Körper gen Himmel und regen die Fantasie des Betrachters an. Schon bei Tage drängt sich der Verdacht auf: Hier könnten Kobolde und andere Fabelwesen zuhause sein.

Die Geister von Berich
Mit der Landschaft arbeiten, aber gleichzeitig etwas zu schaffen, das nicht von dieser Welt scheint, das ist die Zauberformel, die uns immer wieder nach draußen treibt. Es gibt noch viel zu entdecken.
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KWERFELDEIN | Digitale Fotografie
Anja Bührer ist Beleuchterin an einem Berliner Theater. In ihrer Freizeit fotografiert sie leidenschaftlich gern und kreiert mit photoshop ihre eigenen Welten. Ihre Bilder kann man sich hier ansehen: Deviantart | Fotoblur | 1x.comIch bin Beleuchterin am Theater. Insofern liegt liegt es vielleicht nahe, dass ich von jeher ein besonderes Faible für Licht, Schatten und Atmosphäre habe. Das Fotografieren hab ich erst vor ca 3,5 Jahren für mich entdeckt und ein Jahr später das Arbeiten mit Photoshop. Ziemlich schnell hat sich herauskristallisiert, dass es vor allem die Schatten und Spiegelungen sind, die mich reizen. Und dass ich diesen mithilfe von Photoshop Athmosphäre hinzufügen kann.
Ich weiß selten vorher, was am Ende dabei herauskommt. Ich öffne ein vorhandenes Foto und lass mich dann mithilfe von Texturen, Landschaften, Wolken etc inspirieren und wenn das Bild dann fertig ist, weiß ich meist sofort, wie es heißt und wie gerade meine Stimmung ist. Ich möchte euch heute drei meiner Bilder vorstellen:
Me, myself and I

“Me, myself and I” ist an einem typischen Aprilwetter-Tag in Berlin Unter den Linden entstanden. Es hatte gerade wie aus Eimern geschüttet und plötzlich schien wieder die Sonne. Da mein Blick auf alles fixiert ist, worin sich etwas spiegeln könnte, waren die Pfützen am Straßenrand natürlich ein Magnet.
Als ich die Laternen entdeckt habe, musste ich mich also nur noch in die richtige Position stellen und schon kam dieser junge Mann im schönen Mantel und die Ampel war rot. Es war so einer dieser Momente, wo man sich freut, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Ihr kennt das ja bestimmt 🙂
Zuhause, als ich mir die Aufnahmen angesehen habe, kam mir dann die Idee, mal zwei zusammenzufügen und mit den Füllmethoden für Ebenen zu spielen. Wo ich mich sonst meist für “multiplizieren” entscheide, gefiel mir hier “Lineares Licht” am besten, weil die zweite Person hier unklarer und gesiterhafter wirkte. Noch ein bisschen an den Farbreglern gedreht und eine Vignette gemacht, war “Me, myself and I” also fertig.
The Visitor

“The Visitor” ist in der Neuen Nationalgalerie in Berlin entstanden. Mein Glück war, dass an diesem Tag im Rahmen einer Ausstellung die Fenster des Foyers mit einer Art Pergamentpapier bezogen waren. Es gab also keinen Blick aus den Fenstern sondern einen für mich perfekten Hintergrund.
Die Spiegelung der klaren Linien hat mich fasziniert und so war ich gespannt, wie diese Kulisse wohl mit Personen bzw Silhouetten wirken würden. Zuhause am Rechner musste ich aber feststellen, dass mir die Personen, die mir quasi ins Bild gelaufen sind, nicht gefielen. Mir schwebte eher etwas “Surreales” vor.
Also durchsuchte ich meine Ordner nach passenden Silhouetten und fand diese dann in Form einer Fußbodenspiegelung aus einem anderen Bild. Es war das “Geisterhafte”, was mir so gut an dieser Spiegelung gefiel. Also hab ich sie ausgeschnitten, etwas weichgezeichnet und eingesetzt. Fehlte nur noch die Spiegelung der Spiegelung. Also hab ich einfach die Ebene dupliziert und noch etwas mehr weichgezeichnet. Fertig war der Visitor.
Letting go

“Letting go” ist in meinem Urlaub in den USA entstanden. Es gibt da so einen Platz am einem Hafen, wo abwechselnd Wasser-Fontänen und Wasserdampf aus mehreren Düsen von unten aufsteigen. Bei über 35° natürlich ein magischer Anziehungspunkt für alle Kinder und auch die etwas größeren.
Mich hat vor allem die spezielle Lichtstimmung nachmittags fasziniert, wenn die Sonne tiefer stand und die Personen als Silhouetten vor den Wasserfontänen erschienen. Eines nachmittags kam dieses bezaubernde Mädchen und war vollkommen eins mit sich und dem Wasser um sie herum.
Zuhause ist mir dann diese schöne Geste aufgefallen. Als würde sie etwas loslassen, war mein erster Gedanke. So kam mir die Idee mit der Möwe, die ich tags zuvor am Strand fotografiert hatte. Diese hab ich also als zweite Ebene mit einer “normalen” Füllmethode addiert.
Um dem ganzen noch ein bisschen mehr Athmosphäre zu geben, hab ich dann noch als dritte und vierte Ebene einen Himmel und die Textur einer Wand “multipliziert”. Fehlte nur noch die Vignette und ich konnte das Bild loslassen 🙂
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KWERFELDEIN | Digitale Fotografie
“Ich finds ein bißchen dünn irgendwie” meinte Holger heute morgen, als ich ihm stolz meine neue Idee für eine Umfrage hier vorstellte. Und ich muss zugeben: Er hat recht. Eine Umfrage über das Geschlecht hat keinen tieferen Sinn, wirkt erstmal oberflächlich und hat auf den ersten Blick überhaupt nichts mit der Fotografie zu tun.
Oder vielleicht doch?
“Kommt aber vielleicht auf den text drum rum an” tippte Holger heute morgen als zweiten Satz in den Chat und er hat schon wieder recht. Denn vielleicht sollte ich einfach kurz erklären, warum diese Umfrage relevant sein könnte.
Ich mache mir schon länger Gedanken darum, warum die Fotografie solch eine Männerdomäne ist. Vielleicht, weil es technisches, teures Spielzeug in Mengen gibt? Vielleicht, weil wir es mögen, uns penibel über Abbildungsleistung, Hyperfokaldistanz oder anderen Firlefanz auszutauschen (ich gebs ja zu, ich mag das auch hin und wieder)? Vielleicht weil… Ich weiss es nicht. Ist eigentlich auch egal.
Denn eigentlich ist die Fotografie ein Bereich, der viel mit Emotionen, Kommunikation (was möchte ich mit dem Foto sagen) und dem Künstlerischen zu tun hat – wo Frauen häufig sehr viel kompetenter sind als wir lieben Männer. Manchmal ist es auch anders – ich schildere hier nur meine Eindrücke.
Für mich geht es hier auch nicht darum, plump und boulevardesk Männer gegen Frauen aufzuwiegeln – im Gegenteil. Ich bin der Meinung, dass wir viel voneinander lernen können und gemeinsam mehr von der Sache haben.
Jedenfalls reizt es mich schon lange, die, wenn auch triviale Frage zu stellen, wie sich das denn hier auf einem Fotografie-Blog verteilt. Das Ergebnis hat zunächst auch mal keine tiefgreifende Aussage oder liesse großartige psychologische Prognosen zu – ist aber dennoch für mich als Herausgeber nicht ganz uninteressant.
Aber wie ist das denn jetzt. Wie verteilt sich denn das Geschlecht auf einen Blog über Fotografie? Das würde ich gerne wissen. Ich bin nunmal etwas neugierig – und vielleicht interessiert es ja auch den ein oder die Andere.
Note: There is a poll embedded within this post, please visit the site to participate in this post’s poll.
Und gerade weil das Thema so wenig Rückschlüsse zulässt, lassen wir heute mal die Kommentare zu – eine Diskussion zu dem Thema wird es hier an anderer Stelle nochmal geben. Ich bin jedenfalls gespannt, hier alle Stunde draufzuschauen und zu sehen, wie sich das entwickelt 😉
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KWERFELDEIN | Digitale Fotografie

I’ve finally compiled a list of iPhone and iPad apps that I’ve found of use on my mobile devices. I’ve received numerous inquiries in the past as to what apps I recommend and to make things simple for everyone I’ve made this one master list. Included in the list are Social Media, Photography Research / Reference Tools, Photography Editing Tools, iPhone Camera Enhancement, Weather, Utlity, Business, Navigation, Entertainment & News, Art and Game app categories.
Take note in the right hand side of my blog I’ve added a section titled “Recommended”. In the near future I’ll be adding more lists here so stay tuned for more. In the meantime enjoy…
100+ Recommended Mobile Apps (iPhone & iPad)
Technorati Tags: photography, mobile, app, iphone, ipad, apple, list
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Copyright Jim M. Goldstein, All Rights Reserved
100+ Recommended Mobile Apps
JMG-Galleries – Jim M. Goldstein Photography
© epSos.deTo find the best photography tips for free, you can try a number of websites that have been helpful for many individuals who are interested in getting free photography tutorials. Howitookit.com is one example of this, where they have built a platform in which individuals can find other talented and aspiring photographer to help guide you in your hobby or profession.
Jeff Thomas, who is the founder of the website, has integrated a social media interaction website with a popular hobby and skill. …

Hobbyfotografie passiert nicht nur vor Ort an der Kamera – sondern auch am Rechner und in diversen Communities: Foren, Blogs, Flickr, FC, Ipernity und so weiter. Viele ambitionierte, junge Fotoleute melden sich dort an, zeigen ihre Fotos und kommentieren die anderer Leute. So auch hier – ein im Grunde alltäglicher Vorgang, um den man sich eigentlich viel zu selten Gedanken macht.
Meisst passiert es dann, wenn einem Blogger mal wieder das Fass überläuft und er in den Kommentaren oder per Artikel “Jetzt reichts!” zu verlauten gibt oder in Magazinen einzelne Wortmeldungen schlichtweg mit der Bemerkung: “Bitte äußern sie sich sachlich und konstruktiv” gelöscht werden. Oder sich jemand aus einer Community mit “Nein, Danke” verabschiedet. Passiert nicht selten.
Dann fragt sich so mancher, was ein guter Weg sein kann, sich miteinander über ein Bild auszutauschen bzw. sich gegenseitig zu unterstützen und die Lust am Fotografieren zu teilen vs. auszubremsen.
Auch hier auf kwerfeldein.de wurde dieses Thema schon von vielen verschiedenen Seiten beleuchtet. Mal sarkastisch, mal direkt, mal etwas analytischer. Der heutige Anlass ist der, dass ich schon länger einige Beobachtungen anstelle und selbstverständlich auf diesem meinen Blog auch meine Meinung kundtun möchte.
Dies geschieht nicht aus einem Zorn auf Einzelne heraus – denn, was das Kommentarverhalten auf kwerfeldein.de im Allmeinen betrifft, habe ich eigentlich keinen Grund zu meckern. Denn wir haben es geschafft, hier in einem freundlichen Spirit miteinander umzugehen.
Und trotzdem gibt es immer wieder Einzelfälle – wie gesagt nicht nur hier – bei denen mir der Gedanke kommt, das erneut aufzugreifen.
Denn die Situation ist meist folgende – und der Ablauf häufig überraschend gleich:
Person A stellt ein Bild vor und schreibt ein paar Gedanken dazu. Sie umreisst ihre Beweggründe, und warum sie sich für diese Perspektive, Brennweite, Verschlusszeit oder anderes entschieden hat. Manchmal wird das durch eine Information über die Bildbearbeitung ergänzt – manchmal fällt sogar beides weg und es ist nur ein Bild zu sehen. Ort der Veranstaltung: Beispielsweise hier, auf Flickr oder im eigenen Photoblog.
Person B sieht das Bild und schreibt folgenden Kommentar dazu:
“Pah! Was für ein schwaches Bild. Das macht ja gar keinen Sinn. Ich finde, Du hättest wesentlich länger belichten müssen und die Blende hätte ich an Deiner Stelle nicht so aufgerissen. Komisches Foto. Wäre bei mir allenfalls schnell im Mülleimer gelandet”.
Hätte, hätte, Fahrradkette.
Mancher möchte da antworten: Hey, kann es sein, dass Du diesen Artikel mit dem “Sag mir, was Du an meinem Bild doof findest – Thread verwechselt hast”?
Wie wirkt das wohl auf Person A? Wir werden es nicht wissen, denn jeder nimmt solche Kommentare individuell auf. Doch weitere Fragen lassen sich stellen, die wir evtl. beantworten können.
Ungebetene Kritik dieser Art hat – zumindest auf mich – meist einen faden Beigeschmack und überschreitet eine gewisse Grenze der Achtung und des Respektes voreinander.
Übrigens ist es völlig egal, in welchem Kontext ungebetene Kritik dieser Art vollzogen wird; sie wird immer deplatziert und destruktiv wirken. Auch ausserhalb der Kunstkritik.
Es gibt in der Hardcoreszene einige Leute, die unter Hardcore “Support, support, support” verstehen und das auch so leben. Da wird gegenseitig geholfen und unterstützt, wo es nur geht. So lernte ich jemanden kennen, der mich lange Zeit mit kwerfeldein.de so gut unterstützt hat, wie es in sein Handlungsspielraum zulies. Als ich gefragt habe, warum er das mache, meinte er: “Hey, Support, support, support. Das ist doch das Normalste, oder?”
Vieles im Leben hat mich geprägt – aber dieses wohlwollende Haltung des gegenseitigen Unterstützens ist etwas, was ich mir schon immer für kwerfeldein.de gewünscht habe. Support, support, support. Gegenseitig unter die Arme greifen, fragen, wo man helfen kann und nicht nur sein eigenes Ding machen.
Letzteres heisst für mich nicht, dass Kritik verboten ist. Nein, es ist für mich eine Frage der Haltung. Und schon mein Vater hat mir zu seinen Lebzeiten immer wieder gesagt: Der Ton macht die Musik. Gerade weil wir übers Internet ausschließlich Worte haben – und eben keinen Tonfall des Gesagten hören, keine Gestik und keine Mimik sehen gibt das Konstrukt eines Kommentares in seiner Ganzheit eine Stimmungsbild ab, das wie im oberen Beispiel kaum zu übersehen ist.
Hingegen wäre es ja auch mal interessant, zu fragen: “Hey, ich sehe, dass Du Dir Gedanken um Dein Foto gemacht hast und habe ein paar kritische Gedanken dazu. Wärst Du daran interessiert, dass ich sie mit Dir teile?”
Klingt erstmal ganz anders, oder? Warum? Weil der Kommentar den Bildautor in seiner Rolle respektiert und nicht völlig überfährt. Er lässt Raum, die Kritik anzunehmen oder nicht. Und wenn der Autor die Einladung sie annimmt, dann ist die Kritik eben nicht mehr ungebeten, sondern gewollt. Was gleichzeitig auch die Chance um ein Mehrfaches erhöht, dass die Kritik auch gehört wird und ankommt- was ganz im Interesse des Kritisierenden liegt.
Natürlich muss eine Kritik nicht genau so klingen – aber eine verlustfreie Formulierung wird ganz andere Reaktionen auslösen und mit hoher Warscheinlichkeit auf offenere Ohren treffen als eine “Ach scheißegal, ich sag halt was ich denk, mir doch wurschd”-Pfeife.
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Ich habe oft mitbekommen, dass Leute hohen Wert auf “meine ehrliche Meinung sagen” legen. Es sei dann nicht mehr echt, wenn sie irgendwelche Floskeln vorschieben würden.
Ein kurzer Satz dazu: Ich bin froh, dass nicht jeder von uns immer und jederzeit 100% ehrlich sagt, was er denkt. Gut, dass wir auch noch ein Hirn haben, das uns reflektieren lässt, ob das jetzt gerade ein guter Zeitpunkt ist und wie wir das, was wir denken, passend ausdrücken können. Alles andere nenne ich jetzt mal doof, den vor lauter “ich ich ich” vergisst man gerne vor lauter Authenitizität, dass man auch mit einer anderen Person spricht.
Sich in die Schuhe des Anderen begeben, die Frage stellen: “Wie könnte das beim anderen ankommen” kann dabei hilfreich sein, eine Bildkritik zu schreiben, wenn man nicht direkt gefragt wurde. Ist gleich: Empathie. Ich finde das wichtig.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin nicht der Meinung, dass man sich beim Betrachten eines Fotos nur mit Wattebäuschchen bewerfen und in Seide packen sollte. Auch ich bin jemand, der Kritik von anderen braucht. Direkt und unverblümt, so, wie es die Person sieht. Doch diese Person(en) suche ich mir explizit aus und bitte sie um ein Feedback. Dann hat alles seinen Rahmen und die Kritik ist sehr gewollt.
Und ich glaube auch, dass jeder, der weiterkommen möchte, solche Kritiker braucht – und auch einiges aushalten muss. Kritik ist nicht gleich Lob. Doch jeder wird sich diese Kritiker selbst raussuchen. Vom Social Web zu erwarten, diese Rolle zu erfüllen, ist meiner Meinung nach verständlich, aber kaum erfüllbar. Denn im Netz gibt es jede Meinung zu jedem Thema.
Da macht es wesentlich mehr Sinn, sich jemanden herauszusuchen, der auf dem betätigten Gebiet kompetent ist und auf eine gewisse Erfahrung zurückgreifen kann. DAS ist nämlich für eine gute Kritik ein wichtiger Punkt.
Um das wieder auf unserer Situation anzuwenden: Person A wird sich vielleicht den Link zur Webseite des Kommentators (wenn einer da ist und nicht anonym kommentiert wurde) anschauen und überprüfen, ob die Person B auch auf diesem Gebiet etwas zeigen kann. In kurz: Wer so weit den Mund aufmacht, sollte auch darüber nachdenken, worauf er selbst sein Häusschen gebaut hat. Kann jedenfalls nicht schaden.
~
Natürlich kann jeder zu jedem Bild eine eigene Meinung haben. Sicher. Manchmal kann das Feedback eines unbekümmerten Neueinsteigers wertvoller sein, als eines sogenannten Profifotografen mit X-Jahren Erfahrung, weil der Einsteiger weniger betriebsblind ist. Doch auch da macht der Ton die Musik.
Zum Schluss noch eine Sache:
Es gibt Situationen, in denen jemand ein Foto ins Netz stellt und mit dem Prozess des Schaffens fertig ist. Heisst: Zufrieden ist, mit dem, was er gemacht hat und keinerlei Absicht hat, jetzt irgendwas zu erreichen, sondern einfach das Foto zeigen will. Wenn das Foto Leuten gefällt, schön. Wenn nicht, auch gut. Ich kenne genügend Leute, die das so machen.
Wenn dann ein jovialer Sprücheklopfender daherkommt, und das Bild wie oben buchstäblich auseinandernimmt, könnte das dem Fotografen herzlich “egal” sein, weshalb er auch nicht auf die Kritik reagieren wird.
Ich glaube auch, dass diese Haltung ein gewisses Level von Reife vorweisst. Jemand, der weiß, was er will, der wird nicht jedem dahergeflogenem Vogel recht geben, nur weil dem ein Bild nicht in den Kram passt oder irgendein Schönheitsfehler auffällt.
Vor allem nicht dann, wenn die Kritik wie oben ausfällt. Auch deshalb plädiere ich dafür, rücksichts- und respektvolle Worte zu wählen, die beim Anderen nicht gleich verletzend oder beleidigend wirken.
Support, support, support.
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Werbepause: Buchtipp – Vom Alltäglichen zum Besonderen!
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