Ein Beitrag von: Felix Schmidt

kwerfeldein – Fotografie Magazin
Es gibt eine Tatsache, die nicht sehr oft thematisiert wird: Die Fotoverbrechen von uns allen, die Grausigabscheulichzumweglaufenfotos.
Jeder Fotograf hat sie mindestens früher zu Hunderten oder Tausenden gemacht und jeder statistischen Wahrscheinlichkeit zufolge liegen auf Festplatten und Speicherkarten von Fotografen überall auf dem Planeten sehr viel mehr absolut beschissene Bilder als die vermeintlich guten, die es ins Netz geschafft haben.

Foto: Katja Kemnitz
Auch wenn man sich bei manchen Fotografen zu Recht die Frage stellen kann, ob er das Prinzip wirklich verstanden hat, dass man tendenziell eher gute Bilder veröffentlicht, so wollen wir uns heute dennoch dafür einsetzen, diesen riesigen, verlorenen Bilderschatz zu heben, den man nie zu Gesicht bekommt.
Die Aufgabe der Leseraktion lautet: Setzt Euch ein für die Bilder, die normalerweise nie das dunkle Innenleben von Chipkreisen verlassen dürfen, die wegen ihrer Hässlichkeit brutal von gnadenlosen Fotografen wegdiskrimisortiertgelöscht werden und zeigt uns Euer schlechtestes Foto!

Foto: Martin Gommel
Um Euch den Einstieg etwas zu erleichtern, haben wir hier schonmal angefangen, ein paar Bilder aus der Redaktion zu sammeln. Bitte helft alle ein Stückchen mit, an dieser Stelle die wirklich abscheulichste, von den Fotografen selbst erstellte Sammlung von Lichtbildverbrechen zu erstellen, die die Welt jemals gesehen hat!
Wenn’s es ein bisschen hübsch ist oder grade noch erträglich, dann denkt lieber noch einmal darüber nach und schickt uns ein anderes Machwerk, denn Ihr habt doch bestimmt noch etwas viel Scheußlicheres auf Lager. Wir sind uns ganz sicher und glauben an Euch!
Der Ablauf

Foto: Aileen Wessely
Hilfestellung
Wer noch nicht eine Kamera in der Hand hatte, der fragt sich jetzt sicherlich: Wie macht man eigentlich ein schlechtes Bild? Hat man als Fotograf mit Ausrüstung für viele Tausend Euro nicht quasi die Lizenz für gute Fotos schon mitgekauft? Wir geben Euch deshalb einige Tipps mit auf den Weg:
Wir sind gespannt auf Eure Beiträge und Geschichten!
kwerfeldein – Fotografie Magazin
Wir hoffen, Ihr findet Eure Süßigkeiten und Eier im Garten auch bei eher winterlichem Wetter. Wenn nicht, dann haben wir hier für Euch wie jeden Sonntag ein paar kleine Leckereien zusammengestellt. Frohe Ostern!
Fotospecial: „Alle Vöglein sind schon da …“
Flickr

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Deutschsprachig
• Der Körper als Erzählung: Ralf Mitsch fotografiert tätowierte Menschen und DIE ZEIT hat ihm ein Feature gewidmet. Übrigens sucht Mitsch für sein Buch noch einen Verleger.
• Vor zehn Jahren verlor eine US-Amerikanerin ihre Kamera beim Tauchen vor Hawaii. Jetzt kann sie sie in Taiwan wieder abholen.
• Die Fotografin Maya Alleruzzo hat berühmte Plätze Bagdads besucht und vergleicht Bilder von damals und heute.
• Was bleibt von einem Menschen, wenn er stirbt? Die Fotografin Sarah Hildebrand hat zehn Jahre lang Wohnungen besucht, ehe sie entrümpelt wurden.
• Der spanische Fotograf Joan Fontcuberta erhält den Hasselbladpreis für seine wirklich ganz großartigen Bilder.
International
• „Der Kampf, den wir uns nicht ausgesucht haben“: Schon kurz nach ihrer Heirat wird bei Jennifer Brustkrebs diagnostiziert. Ihr Mann hält die folgenden vier Jahre Leben mit seiner Frau und dem Krebs fotografisch fest.
• Ignant zeigt Honkey Kong von Christian Åslund – ein erheiterndes, von der 2D-Grafik früher Computerspiele inspiriertes Fotoprojekt.
• Popphoto zeigt, wie man aus einer knuffigen Nex eine digitale Mittelformatkamera macht.
• Kennt Ihr schon die Hyper-Collagen von Jim Kazanjian? Verblüffend real und doch nicht echt.
• Interieurfotografie mal anders. Menno Aden hat Berliner Innenräume aus der Vogelperspektive aufgenommen.
• Sun & Cloud: Die erste digitale Kamera, für die man dank Kurbel und Solarzelle nicht immer Ersatzakkus herumtragen muss.
• Tipps für Fotografen, die mit Modellen arbeiten: „Dear Photographer … Kindest regards, Model. xxx“
• Dieser Fotograf verwandelt rostige Feuerhydranten in Planeten.
• Urlaub geplant? Tauchkurs auch? Auf QKPix gibt’s dazu die passende Kurzanleitung zur Unterwasserfotografie.
• Landschaftsfotografie: Max Rive klettert in Europa über Berg und Tal und dabei entstehen wundersame Aufnahmen.
• Instant Addicts haben den neuen Großformat-Polaroid-Film PQ 8×10 Color Shade getestet, der von Impossible in einer sehr kleinen Auflage an Pioniere verteilt wurde.
• Wer Fotografen wie bezahlt, kannst Du in diesem Tumblr-Blog nachlesen. Da muss man erst einmal schlucken.
Neuerscheinungen und Tipps vom Foto-Büchermarkt

• Tim Hölschers „Experimentelle Wege zum Bild“* zeigt seine Werke von 2007 – 2012. Ob Bunker und Kirchtürme, die zur Lochkamera umgebaut wurden, lichtempfindliche Materialien oder einfach historische Tankstellen, die digital in ihren Originalzustand zurückversetzt wurden – der Buchtitel hält, was er verspricht. Für 19,80 € ist ein signiertes Exemplar auch beim Fotografen selbst erhältlich.
• Sabine von Breunig war in der „Geisterstadt: Sperrzone Wünsdorf“* unterwegs, die eine einhundertjährige militärische Geschichte hat und nun als nach und nach verfallender Ort auch fotografisch fasziniert. Tipp für Liebhaber des Genres Lost Places. Auf 160 Seiten gibt’s Fotos satt.
Videos
Galerie und Fotostudio zugleich – Photobooth in San Francisco portraitiert Menschen im Nassplatten-Verfahren.
Was für Sprüche man so als Fotograf während Shootings hört.
Einfach mal ein paar GoPro Heros nebeneinanderstellen und nette 3D-Effekt damit einfangen.
Ausstellungen
Gudrun Kemsa – Urban Stage
Zeit: 1. Februar – 5. April 2013
Ort: Galerie Bernd A. Lausberg, Hohenzollernstr. 30, 40211 Düsseldorf
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Man Ray | Christer Strömholm
Zeit: 2. Februar – 6. April 2013
Ort: Kicken Berlin, Linienstraße 161A, 10115 Berlin
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Ralph Schulz: „Rekonstruktion unbekannter Interieurs“
Zeit: 8. März – 6. April 2013
Ort: pavlov’s dog, Bergstraße 19, 10115 Berlin
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Hans-Christian Schink „T?hoku“
Zeit: 26. Januar – 6. April 2013
Ort: Galerie Rothamel, Kleine Arche 1A, 99084 Erfurt
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Robby Marias Booklet-Fotografien für sein neues Album „Metropolis“
Zeit: 23. März – 6. April 2013
Ort: Luxad, Mommsenstraße 42, Berlin
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Hartmut Neubauer. Eintracht Braunschweig in den 1970er Jahren
Zeit: 1. Februar – 7. April 2013
Ort: Museum für Photographie, Torhäuser, Helmstedter Straße 1, Braunschweig
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Begegnung der Bilder. 25 Jahre Sammlung Photographie
Zeit: 3. Februar – 7. April 2013
Ort: Stiftung Moritzburg, Friedemann-Bach-Platz 5, 06108 Halle
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AFORK: 10 Jahre – 10 Fotos
Zeit: 2. Februar – 7. April 2013
Ort: Museum Kunstpalast, Ehrenhof 4-5, 40479 Düsseldorf
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Oliver Kern – Die deutsche Aussicht.
Zeit: 28. Februar – 12. April 2013
Ort: FREELENS Galerie, Steinhöft 5, 20459 Hamburg
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angenommen, dass…
Zeit: 13. März – 12. April 2013
Ort: Galerie der Künstler, Maximilianstraße 42, 80538 München
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Von Freiheit zu Grenzen // 8 fotografische Positionen
Zeit: 22. Februar – 12. April 2013
Ort: Stadthausgalerie Münster, Platz des Westfälischen Friedens, 48143 Münster
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Jim Rakete – Vertigo
Zeit: 13. Februar – 13. April 2013
Ort: Münzing Claassen, Holsteinische Str. 29, 10717 Berlin
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Gerda Schütte „Photogrammes“
Zeit: 1. März – 13. April 2013
Ort: Semjon Contemporary, Schröderstr. 1, 10115 Berlin
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HINTERLASSENSCHAFTEN – André Baschlakow
Zeit: 3. März – 13. April 2013
Ort: kunstraum FRÖAUF, Fröaufstr. 7, 12161 Berlin
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ERIC MARRIAN Nude | Carré Blanc · Javel
Zeit: 14. März – 13. April 2013
Ort: immagis Galerie, Franziskanergasse 1, 97070 Würzburg
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Manfred Hamm – Konzerthäuser und andere Räume
Zeit: 16. März – 14. April 2013
Ort: Kunst- und Gewerbeverein, Ludwigstraße 6, 93047 Regensburg
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Kleiden – Verkleiden. Bilder aus der fotografischen Sammlung
Zeit: 2. Februar – 14. April 2013
Ort: Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen
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Horst Hamann. AMERICA
Zeit: 22. März – 14. April 2013
Ort: AusstellungsHalle, Schulstraße 1A, 60594 Frankfurt/Main
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Mehr aktuelle Ausstellungen
* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, bekommen wir eine kleine Provision, Ihr bezahlt aber keinen Cent mehr.
kwerfeldein – Fotografie Magazin
Vor drei Wochen hatten wir dazu aufgerufen, Selbstportraits zu erstellen. Unsere Auswahl Eurer Fotos fiel uns alles andere als leicht, denn Euer Ideenreichtum und die Qualität der Bilder waren wie gewohnt sehr stark.
Ich habe irgendwo gelesen, dass Selbstportraits so ein Frauending wären. Umso schöner, dass wir diese Theorie mit Euch widerlegen konnten, denn unsere Auswahl zeigt vorrangig Männer. Der jüngste davon ist gerade einmal 14 Jahre alt und ziert unser Titelbild.
Jeder Redakteur hat für unsere Auswahl seine Favouriten ins Rennen geschickt und hier seht Ihr nun alle Bilder mit Mehrfachnennung – was wie immer nicht heißt, dass diese Bilder nach irgendeinem objektiven Maßstab die besten wären, sondern einfach nur, dass sie uns persönlich angesprochen haben.

Foto: Jan Plähn
Jan schrieb:
Als ich von Eurer Aktion gelesen habe, wusste ich sofort, was für ein Foto ich schießen möchte. Ich nahm mir einen der Stöcke, die wir normalerweise für Stockbrot verwenden und suchte im Schuppen meines Vaters eine passende Schnur. Ich schaute mir im Internet noch einige Bilder von Anglern an, da ich davon echt absolut keine Ahnung habe und fuhr dann mit meinem Fahrrad zu „Liesbeth eern Diek“, einem Teich, etwa fünf Kilometer von meinem Zuhause entfernt.
Dort angekommen merkte ich erst einmal, dass mir irgendwo auf dem Hinweg der Stockbrotstock vom Gepäckträger gefallen ist und ich suchte mir im Wald einen neuen geeigneten Stock. Ich knotete die Schnur an die Angel, zog mir Socken und Schuhe aus, krempelte meine Hose hoch und nach ein paar Versuchen und komischen Blicken der vorbeikommenden Waldspaziergänger war das Bild in der Tasche. – Den Fisch habe ich natürlich nachträglich eingefügt.

Foto: Petra Holländer
Petra schrieb:
Als ich diese Meeresschnecke zum ersten Mal sah, wusste ich sofort, dass ich mit ihr ein Foto machen musste. Und zwar in Verbindung mit nackter Haut. Ich hatte noch kein wirkliches Konzept im Kopf, aber ich wollte das Schneckenhaus unbedingt auf meinem Körper platzieren und so mit dem Licht arbeiten, dass harte Schatten entstehen. Besonders fasziniert hat mich das Aussehen der Meeresschnecke, da sie einerseits etwas furchteinflößend wirkt, anderseits aber auf der Innenseite wirklich schön ist und dort auch verletzlich wirkt.
Das entstandene Foto hat somit zweierlei Bedeutung für mich: Es geht, wie der Titel schon verrät, zum einen um die dunkle Seite eines Menschen, um grauenhafte Dinge, zu denen er fähig ist. Zum anderen stehen das Schneckenhaus und die nackte Haut aber auch für Verletzlichkeit und innere Schönheit.

Foto: David Uzochukwu
David schrieb:
Als ich von dieser Aktion gelesen habe, dachte ich mir: Das ist doch mal was für mich! Ich mache gerne Selbstportraits – oder wie Laura so schön geschrieben hat: Nichtichselbst-portraits. Wenn ich mich vor die Kamera stelle, will ich nachher nicht mehr mich im Bild sehen, sondern jemand ganz anderen – in dem dann aber meistens ein Teilchen von mir steckt.
Ich habe meistens ein ziemlich klares Konzept vor Augen, lasse mich dann aber beim Fotografieren und Bearbeiten einfach fallen und behalte das Thema im Hinterkopf. Auf jeden Fall hat mich diese Aktion dazu gebracht, mich mal wieder aufzurappeln, die elende Wintermüdigkeit abzuschütteln und ein Foto zu machen, mit dem ich zufrieden bin.

Foto: Thomas Lüttig
Thomas schrieb:
Bereits vor einigen Tagen hatte ich Euren Aufruf hier gesehen und mir gedacht, da mache ich auch mal mit. Man macht als Fotograf ja gelegentlich auch mal ein ein Selbstportrait und sei es nur, um mal etwas zu testen… aber meist ist man mit seinen Fotos dann nicht wirklich zufrieden – zumindest mir geht das oft so.
Dann kam ganz schnell die Frage: Was mache ich für ein Selbstportrait? Ich saß also bei einem Kaffee in der Küche und dachte darüber nach und letztendlich kam ich auf die Idee, genau diese Situation zu fotografieren: Das Nachdenken über ein Selbstporträt, ein Moment der Reflexion über sich selbst und über die – naja, zweitschönste – Sache der Welt, das Fotografieren.
Die Bearbeitung sollte auch etwas mit mir zu tun haben und ich habe mich für diesen matten Schwarzweiß-Look entschieden. Warum? Seit meiner frühen Jugend bin ich immer noch beeindruckt von einigen Platten-Covern der Band „The Smiths“, die ich auch musikalisch immer noch sehr mag. Also kam dieses Bild heraus. Wie gesagt: Zu 100% zufrieden ist man wohl nie, aber ich mag es.

Foto: Martin Melcher
Martin schrieb:
Seit gut einem halben Jahr studiere ich nun Medienkunst und Gestaltung an der Bauhaus-Universität Weimar und habe dort im ersten Semester einen Fotokurs besucht, in dessen Rahmen wir verschiedene Aufgaben umsetzen sollten. Eine davon war die des Selbstportraits. Eine für mich zum damaligen Zeitpunkt kaum zu meisternde Aufgabe, da ich mich selbst nie auf einem Bild sehen konnte. Hiermit ist nicht gemeint, dass ich mich hässlich finde oder ähnliches, nur eben, dass die Person, die ich auf Bildern sehe, irgendwie nicht ich bin.
Im Rahmen meiner Abschlussarbeit für den Fotokurs arbeite ich nun seit Wochen ununterbrochen an einer guten Serie von Selbstportraits, um diese emotionale Hürde zu meistern, allerdings in einem anderen Kontext, und beschäftige mich in den Abendstunden sehr intensiv mit mir und meinem Gesicht und halte dies in Portraits fest.
Mittlerweile merke ich, dass ich selbstbewusster geworden bin; fange an mich zu sehen, beginne zu hinterfragen, wer ich wirklich bin, wie ich gesehen werde, gesehen werden möchte. Daher freue ich mich, hier auch einen Beitrag beisteuern zu können.
Wer sich an technischen Infos erfreut: Pentax K-5, ISO 80, 1/160 s, f/8, zusammen mit einem Yongnuo 560 II und Softboxschirm oberhalb der Kamera.

Foto: Michael Bergmann
Michael schrieb:
Ich habe mir den CamRanger für’s iPad zugelegt, um eigentlich Landschaftsaufnahmen mit ihm zu machen. Portraits sind meiner Meinung nach für diese Lösung geeignet. Nach mehreren Anläufen habe ich das Ganze doch noch einmal probiert – und zwar mit einem Modell, das entsprechend geduldig ist für Experimente. Und das war ich am Ende selbst.

Foto: Ljuba Gonchar
Ljuba schrieb:
Mit einem meiner Modelle hatte ich vor einiger Zeit bei mir zu Hause Fensterbilder gemacht, weil das Wetter einfach nur unglaublich schlecht war. Heute sah ich, dass Eure tolle Aktion abläuft und wollte unbedingt mitmachen. Draußen wütete der Wind bei knapp 3°C, also wollte ich solch ein Fensterbildchen von mir selbst ausprobieren. Alles viel leichter als gedacht…
Zunächst musste natürlich das neue Glätteisen ausprobiert werden. Zwei Stunden später und die Hälfte meiner Haare weniger, hatte ich es geschafft, mir zwei kleine Löckchen zu zaubern. Dann begann die richtige Arbeit. Ich bin fast wahnsinnig geworden bei der Fokussuche. Als Fokuspunkt musste meine halbtote Palme herhalten. Bei knapp 60 Bildern waren nur zwei scharfe dabei! Eines davon seht Ihr hier.

Foto: Benjamin Zapf
Benjamin schrieb:
Mit der Kamera in der Hand bin ich durchs Haus gelaufen und dann ist mir zufällig die Spiegelung in einer Glastür aufgefallen. Mit dem Gedanken an den Artikel hier wusste ich sofort: Das isses. Das 50mm war schon drauf, Kamera auf’s Stativ und mit Fernauslöser ein paar Testbilder gemacht, bis ich wusste, wo ich mich hinsetzen muss.
Um das Fokussieren zu erleichtern, habe ich eine Schnur mit einem kleinen Gegenstand am Ende an die Decke geklebt und dorthin hängen lassen, wo mein Kopf sein sollte. Dann noch ein paar Bilder mit unterschiedlichen Positionen gemacht und letztendlich habe ich mich für dieses entschieden.
Die Bearbeitung war überschaubar, eine einfache Konvertierung nach schwarzweiß in Lightroom, um das Bild auf das Wesentliche zu reduzieren.

Foto: Tobias Pohl
Tobias schrieb:
Ich liebe Pinhole und der nächste World Pinhole Photography Day ist ja auch bald wieder. Was liegt da näher als ein Lochbild?
Damit es nicht völlig verwackelt, habe ich mit Pinhole und Blitz experimentiert. ISO: Keine Ahnung, aber verdammt hoch. Leitzahl 45 und volle Leistung aus ca. 1,5 Metern Entfernung. Aua, das flasht, aber es funktioniert…
Dass bei unserer Aktion leider viele Fotos, die wir auch super fanden, nicht Einzug in diese Auswahl erhalten haben, liegt in der Natur der Sache. Wir empfehlen Euch daher, selbst noch einmal die Kommentare und Einreichungen zur Leseraktion durchzusehen. Am besten mit einer Tasse Tee oder Kaffee.
kwerfeldein – Fotografie Magazin
Ein Beitrag von: Julian Schulze
Dass geometrische Abstraktionen ihren Reiz haben, erkannte ich für mich bereits relativ früh nach dem Kauf meiner ersten Digitalkamera. Hausfassaden und andere urbane Elemente standen seitdem im Zentrum meines Interesses. Ein besonderes Formelement im städtischen Raum, das ich in einer Serie versucht habe zu studieren, ist die Linie.

Auf den ersten Blick eröffneten sich mir nicht die Vielfalt und die gestalterischen Möglichkeiten, die Linien innewohnen, was sich aber nach einigem Experimentieren bei ausgiebigen Spaziergängen mit der Kamera schnell änderte.
Linien kommen in gerader, gewellter, gebogener oder gewinkelter Form vor, sie können in ihrem Erscheinungsbild breit oder schmal, unterbrochen oder durchgängig – und sicherlich noch vieles von mir Unerwähntes mehr – sein.
Ein klassisches Beispiel ist hier für mich die wellenförmige Linie, die Dynamik ausstrahlt und bei einer ganzen Serie von aufeinanderfolgenden Wellenlinien auch eine Art von Macht verkörpert, die in eine Richtung wirkt.

Hier drängt sich mir das Meer auf, das seine ganze Kraft an den Kliffen entfaltet. Gleichzeitig denke ich aber auch an Organisches, wie Rückenpartien oder die Wirbelsäule, die dem gebogenen Charakter der Linie entsprechen.
Von dieser geschmeidigen Art der Linie weg, beherbergt die gerade oder verwinkelte Linie eher Eigenschaften der Präzision bzw. der Konstruiertheit.
Geraden, die in einem ferneren Punkt zusammenzulaufen scheinen, können hier einen Eindruck von Unendlichkeit vermitteln und Verwinkelungen eine Verborgenheit oder einen labyrinthartigen Charakter entfalten.

Gleichzeitig kann die Beschaffenheit der Breite einer Linie maßgeblich dazu beitragen, ob etwas Filigranes oder viel mehr eine Standhaftigkeit und Stabilität von uns wahrgenommen wird.
Das Abstrakte hinter diesen Attributen hat sich auch in den allgemeinen Sprachgebrauch übertragen. So wird nicht selten eine „geradlinige Politik“ gefordert oder „in den entlegensten Winkeln des Landes“ nach etwas gesucht. Wer ein „Strich in der Landschaft“ ist, wird sicherlich mehr als zart denn robust wahrgenommen…
Fotografisch lassen sich solche Bilder natürlich hervorragend im städtischen Umfeld erforschen. Die Linie spielt in der Architektur eine herausragende Rolle und die gewählte Linienform kann den Charakter eines Gebäudes maßgeblich bestimmen.

Ich denke hier beispielsweise an Wolkenkratzer, die durch ihre Geradlinigkeit und auch Höhe endlos erscheinen oder das „Shell-Haus“ in Berlin, das durch seine Bauweise einer einzigen „Welle“ gleichkommt.
Es ist lohnenswert, sich einem Gebäude (oder einem anderen Objekt) auch mal ausschnitthaft zu nähern und das große Ganze mal außer Acht zu lassen, da durch solche Aufnahmen nicht selten das Abstrakte besser zur Geltung kommt.
Ganz puristisch bin ich in meiner Serie zugegebenermaßen nicht immer vorgegangen. So kommen zur reinen Linienform nicht selten noch weitere Elemente wie Farbe und Fläche hinzu, ohne die manche Bilder nicht ihre volle Wirkung entfalten könnten.

Hier ist in jedem Einzelfall zu entscheiden, ob man die minimalistische Variante zur Präsentation wählt oder ob weitere Formelemente den Liniencharakter unterstreichen können.
Auch in der Nachbearbeitung ist durch den Einsatz von Kontrasten möglich, dass ein Bild einen sehr grafischen, beinahe schon computergenerierten Eindruck vermittelt und die Natur der Linie noch besser erkenntlich gemacht wird.
Hier lässt sich beispielsweise durch eine hoch-kontrastierte, schwarzweiße Farbgebung der Linienverlauf noch besser herausarbeiten.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass meine Studie der Linie sehr abwechslungs- und spannungsreich gewesen ist. Es ist erstaunlich, wie alltägliche, meist gar nicht wahrgenommene Elemente auf einmal ihren Reiz entwickeln können.
Als ich mich gedanklich spezialisiert und meinen Fokus auf genau diesen Themenbereich gerichtet hatte, eröffneten sich ganz neue Perspektiven – selbst an mir wohlbekannten Orten.
Die Beschäftigung mit der Linie lohnt sich, da sie als Element in fast jedem Foto und auch vielen anderen Kunstformen vorkommt. Enden möchte ich daher mit einem in meinen Augen sehr passenden Zitat von Walter Crane aus seinem Buch „Line and Form“* (1914, S. 47, 48).
We see, therefore, that line possesses a constructive and controlling function, in addition to its power of graphic expression and decorative definition. It is the beginning and the end of art.
Wir schlussfolgern, dass die Linie über ihr grafisches Ausdrucksvermögen und ihre dekorative Funktion hinaus, auch eine konstruktive und kontrollierende Funktion erfüllt. Sie ist der Anfang und das Ende von Kunst.
* Das Buch steht beim Projekt Gutenberg frei zum Download zur Verfügung.
kwerfeldein – Fotografie Magazin
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