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Archive for the ‘Equipment’ Category

Im Spiegel des Narziss

21 Jun

Ein Beitrag von: Aline Vater

Sind Selbstportraits ein moderner Spiegel von Narziss?

Was sagt ein Selbstportrait über die Persönlichkeit des Fotografen oder bildenden Künstlers aus? Sind Selbstportraits Ausdruck einer narzisstischen Selbstinszenierung? Sind Künstler narzisstischer als andere? Oder ist nicht jeder ein bisschen narzisstisch?

Narzissmus zieht sich von antiken Überlieferungen über literarische Abhandlungen sowie Darstellungen in der Kunst durch die Menschheitsgeschichte. Der Mythos um Narziss ist beispielsweise zentraler Gegenstand in Oscar Wildes „Das Bildnis des Dorian Grey“ und Salvador Dalis „Metamorphose des Narziss“.

Auch heute hat das Thema Narzissmus nichts an seiner Aktualität verloren. Aktuelle Studien zeigen beispielsweise, dass Narzissmus in westlichen Kulturen ansteigt.1

Tatsächlich aktualisieren viele Internetnutzer im wöchentlichen Rhythmus ihr Profilbild bei Facebook oder portraitieren sich täglich im Rahmen von „365-Tage-Projekten“ bei Flickr. Dieser Drang zur Selbstinszenierung wird im allgemeinen Sprachgebrauch häufig mit Narzissmus in Verbindung gebracht.

Personen, die eine höhere Anzahl an Posts und Fotos auf Facebook aufweisen, zeigen tatsächlich höhere Narzissmuswerte als Personen, die weniger aktiv auf Facebook in Erscheinung treten.2 Aber sind Künstler, die sich häufig selbst portraitieren, tatsächlich narzisstischer als andere, die lieber Blumen, Tiere oder Landschaften abbilden?

Ego © Ampelio Zappalorto

Im folgenden Beitrag möchte ich dazu einladen, mich bei der Beantwortung dieser Frage zu begleiten.

Was ist eigentlich Narzissmus? Narzissmus wird von Laien am ehesten mit Selbstverliebtheit oder Egozentrismus in Verbindung gebracht, umfasst heute als psychologisches Konstrukt jedoch mehr: Narzissmus ist ein Persönlichkeitsmerkmal aller Menschen, das bei einer Person mehr und bei einer anderen weniger vorhanden ist.3

Bei milderen Ausprägungen an Narzissmus spricht man von „normalem“ oder „subklinischem“ Narzissmus. Erst bei hohen Ausprägungen an Narzissmus spricht man von einer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung, die mit starkem Leidensdruck einhergeht und behandlungsbedürftig sein kann.4

Personen mit hoher narzisstischer Merkmalsausprägung zeichnen sich unter anderem durch Willensstärke, eine hohe Selbstwertschätzung und Leistungsorientierung aus.5

Dies ist allerdings nur eine Facette des Phänomens, denn häufig zeigen Narzissten im Vergleich zu anderen Personen ein geringeres Einfühlungsvermögen, eine nach außen demonstrierte Unabhängigkeit sowie ein ausgeprägtes Anspruchsdenken.6

Diese vermeintliche Stärke steht jedoch auf einem wackligen Gerüst: Narzissten benötigen die Bewunderung ihrer Umgebung zeitweise zur psychischen Stabilisierung.7 Reagiert das Umfeld nicht in ausreichendem Maße auf dieses Bedürfnis, so reagieren sie mit Ärger und Aggression.8

Selbstportraits zählen zu den klassischen Genres der Kunst. Sie lieferten den bildenden Künstlern Informationen über die menschliche Physiognomie und strapazierten im Gegensatz zu Modellen den Geldbeutel nicht.

Während Portraits den Blick des anderen widerspiegeln, der für das Modell weniger steuerbar ist, sind Selbstportraits maximal gestalt- und manipulierbar. Selbstportraits und Selbstbildnisse sind daher mehr als andere Werke vom Vorwurf betroffen, einer narzisstischen Fotografen- oder Künstlerhand zu entspringen.

Ego © Katja Schrader

Selbstportraits können jedoch mehr sein als die blanke Selbstdarstellung: Nämlich ein starkes Mittel, um mit sich selbst ins Gespräch zu kommen und Klarheit über Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse zu gewinnen, die sich an der Grenze des Sagbaren bewegen. Dies ist insbesondere deshalb interessant, weil nicht alles, was Personen umtreibt, leicht in Worten auszudrücken ist.

Die Bedeutung eines Selbstportraits lässt sich genau an der Grenze markieren, an der eine Auseinandersetzung mit der eigenen Person in einen Dialog mit dem anderen übergeht.

Selbstportraits können in diesem Sinne andere dazu anregen, über sich selbst nachzudenken. Stattdessen betrachten wir Kunstwerke häufig mit einem Scheinwerfer der Rationalität. Susan Sontag wendet sich in ihrer Abhandlung „Against Interpretation“ gegen diese Tendenzen, ein Kunstwerk ausschließlich rational erfassen bzw. verstehen zu wollen. Sie spricht von Interpretation als Zähmung der Kunst, da durch sie das Kunstwerk auf einen bestimmten Inhalt reduziert wird.9

Kunst besitzt jedoch nach Aristoteles die Fähigkeit, nicht notwendigerweise bewusste Emotionen herbeizuführen und im Sinne eines kathartischen Empfindens zu beruhigen.

Empirischen Studien zufolge betrachten Museumsbesucher ein Kunstwerk im Schnitt elf Sekunden lang10 – vermeintlich zu kurz, um ein Kunstwerk vollends auf sich wirken zu lassen. Stattdessen scheinen die Biografie des Künstlers und die Interpretation des Audioguides für manchen Museumsbesucher interessanter zu sein als die Kunstwerke selbst.

Was sagt das Portrait über die Persönlichkeit des Künstlers aus? Wenn man bei der Betrachtung eines Kunstwerks die Persönlichkeit des Künstlers ergründen will, dann sitzt man nicht selten einem Phänomen auf, das man in der Psychologie den fundamentalen Attributionsfehler11 nennt.

Heider argumentiert, dass Menschen häufig als „naive Wissenschaftler“ oder „Alltagspsychologen“ fungieren, die motiviert sind, das Verhalten anderer zu erklären. Der fundamentale Attributionsfehler bezeichnet die Tendenz von Menschen, von gezeigtem Verhalten (zum Beispiel das Selbstportrait) auf die Persönlichkeit eines Menschen (beispielsweis die des Künstlers) zu schließen. Dabei wird die Bedeutung anderer Faktoren (beispielsweise der Intention des Künstlers) unterschätzt.

Bei der Diskussion um Narzissmus und Kunst werde ich oft gefragt, ob Künstler eigentlich narzisstischer sind als andere Personen. Die Frage nach der „Fotografen- bzw. Künstlerpersönlichkeit“ kann nicht hinreichend mit empirischen Befunden beantwortet werden.

Es gibt jedoch Befunde, die darauf hindeuten, dass sich Personen mit Narzissmus insbesondere in solchen Berufssparten wiederfinden, in denen sie im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen und die Möglichkeit haben, ein gewisses Maß an Macht auszuüben.12

Ego © Oliver S. Scholten

Der Beruf des Künstlers gibt Personen eher selten die Möglichkeit, im Rampenlicht zu stehen, daher könnte man die Ansicht vertreten, dass sich Personen mit einer hohen Ausprägung an Narzissmus eher in anderen Berufen wiederfinden.

Einige wenige ältere Studien scheinen diese Hypothese tatsächlich zu untermauern. Zwar zeigen Künstler eine geringere Ausprägung an Beziehungsorientierung, andererseits scheinen sie introvertierter und empathischer zu sein als andere Personen.13

Diese Persönlichkeitsmerkmale stehen der klinischen Beschreibung von Narzissmus entgegen. Narzissmus scheint ebenso nicht mit (höherer) künstlerischer Kreativität assoziiert zu sein – obgleich die Selbsteinschätzung von Personen mit hohem Narzissmus von der realen Performanz abweicht.14

Zumindestens könnte man mutmaßen, dass Narzissmus bei Künstlern nicht höher ausgeprägt ist als Narzissmus bei Automechanikern – und wer einen Blick auf die letzte Rechnung seiner Autowerkstatt wirft, mag darüber eigene Hypothesen bilden.

~

Fazit: Meiner Ansicht nach ist die Frage nach Narzissmus von Künstlern nicht von zentralem Interesse. In jedem Fall kann man Fotografen und bildenden Künstlern nicht Narzissmus zum Vorwurf machen, wenn sie sich mit sich selbst auseinandersetzen.

Dass Künstler auf manche „anders“ erscheinen, mag vielleicht eher daran liegen, dass sie mutig genug sind, sich berufsbedingten Widrigkeiten zu stellen und mühseligere Wege zu gehen, die sozialen Normen entgegenstehen.

Selbstportraits sind nur bedingt Ausdruck einer narzisstischen Selbstinszenierung des Fotografen oder bildenden Künstlers. Ein Selbstportrait ist lediglich ein Ausschnitt der Persönlichkeit eines Menschen und kann inszeniert, überzeichnet, versteckt oder verzerrt werden.

Insbesondere dann, wenn Selbstportraits die Grenze der Selbstinszenierung überschreiten und einen Dialog ermöglichen, tritt meiner Meinung nach die Frage nach Narzissmus in den Hintergrund. Letztlich braucht es Mut, mit sich selbst ins Gespräch zu kommen.

 

Der hier vorliegende Text wurde in Form eines Vortrages auf einer von Oliver S. Scholten kuratierten Fotografieausstellung gehalten. Die abgebildeten Fotografien der Künstler Oliver S. Scholten, Ampelio Zappalorto und Katja Schrader wurden in der Ausstellung „EGO“ in der Fotogalerie Friedrichshain (Berlin, 17. Mai – 21. Juni 2013) ausgestellt.

 

Quellen und Literatur

  1. Twenge, J. M., Konrath, S., Foster, J. D., Campbell, W. K., & Bushman, B. J. (2008). Egos inflating over time: A cross-temporal meta-analysis of the Narcissistic Personality Inventory. Journal of Personality, 76, 875-902.
  2. Buffardi, L. E., & Campbell, W. K. (2008). Narcissism and social networking websites. Personality and Social Psychology Bulletin, 34, 1303-1324.

    Mehdizadeh, S. (2010). Self-Presentation 2.0: Narcissism and Self-Esteem on Facebook. Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking, 13, 357-364.

  3. Cain, N. M., Pincus, A. L., & Ansell, E. B. (2008). Narcissism at the crossroads: Phenotypic description of pathological narcissism across clinical theory, social/personality psychology, and psychiatric diagnosis. Clinical Psychology Review, 28, 638-656.
  4. American Psychiatric Association (2000). Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 4th ed. American Psychiatric Association, Washington D.C.

    Miller, J. D., & Campbell, W. K. (2008). Comparing clinical and social-personality conceptualizations of narcissism. Journal of Personality, 76, 449-476.

  5. Bogart, L. M., Benotsch, B. G., & Pavlovic, J. L. (2004). Feeling superior but threatened: The relation of narcissism to social comparison. Basic and Applied Social Psychology, 26, 35-44.

    Bosson, J. K., Lakey, C. E., Campbell, K. W., Zeigler-Hill, V., Jordan, C. H., & Kernis, M. (2008). Untangling the links between narcissism and self-esteem: A theoretical and empirical review. Social and Personality Psychology Compass, 2/3, 24.

    Morf, C. C., & Rhodewalt, F. (2001). Unraveling the Paradoxes of Narcissism: A Dynamic Self-Regulatory Processing Model. Psychological Inquiry, 12, 177-196.

  6. Fan, Y., Wonneberger, C., Enzi, B., de Greck, M., Ulrich, C., Tempelmann, C. et al. (2011). The narcissistic self and its psychological and neural correlates: an exploratory fMRI study. Psychological Medicine, 41, 1641-1650.

    Ritter, K., Dziobek, I., Preißler, S., Rüter, A., Vater, A., Fydrich, T. et al. (2011). Lack of empathy in patients with narcissistic personality disorder. Psychiatry Research, 187, 241-247.

    Morf & Rhodewalt, 2001.

  7. Campbell, W. K., & Green, J. D. (2007). Narcissism and interpersonal selfregulation. In J. V. Wood, A. Tesser, & J. G. Holmes (Eds.), Self and relationships (pp. 73–94). New York: Psychology Press.

    Morf & Rhodewalt, 2001.

  8. Besser, A., & Priel, B. (2010). Grandiose narcissism versus vulnerable narcissism inthreatening situations: Emotional reactions to achievement failure and interpersonal rejection. Journal of Social and Clinical Psychology, 29, 874-902.

    Bushman, B. J., & Baumeister, R. F. (1998). Threatened egotism, narcissism, self-esteem, and direct and displaced aggression: does self- love or self-hate lead to violence. Journal of Personality and Social Psychology, 75, 219-229.

  9. Sontag, S. (1961). Against Interpretation and Other Essays. New York: Farrar, Straus and Giroux.
  10. Tschacher, W., Greenwood, S., Kirchberg, V., Winzerith, S., van den Berg, K., Tröndle, M. (2012). Physiological correlates of aesthetic perception in a museum. Journal of Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts, 6, 96-103.

    Rauterberg, H. (2012). Wirkung von Kunst: Und die Herzen schlagen höher. [Beitrag zur Wissenschaftlichen Tätigkeit von Martin Tröndle und Kollegen] (Erscheinungsdatum: 20.4.2012; Aufruf der Webseite: 18.6.2013)

  11. Heider, Fritz (1958). The psychology of interpersonal relations. New York: Wiley. deutsch: Psychologie der interpersonalen Beziehungen. Klett: Stuttgart 1977
  12. Kets de Vries, M. F. R., & Miller, D. (1985). Narcissism and leadership: An object relations perspective. Human Relations, 38, 583-601.

    Judge, T. A., Piccolo, R. F., & Kosalka, T. (2009). The bright and dark sides of leader traits: A review and theoretical extension of the leader trait paradigm. The Leadership Quarterly, 20, 855-875.

  13. Cross, P. G., Cattel, R. B., and Butcher, H. J. (1967). The personality pattern of creative artists. British Journal of Educational Psychology, 37, 292-299.
  14. Goncalo, J. A., Flynn, F. J., & Kim, S. H. (2010). Are two narcissists better than one? The link between narcissism, perceived creativity, and creative performance. Personality and Social Psychology Bulletin, 36, 1484-1495.


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Five Ways to Get In with the Photo Community

21 Jun

[Today’s guide comes from rad photographer and Photojojo buddy, Helena Price!]

If you’re a photographer or aspiring photographer-to-be, building community with other photogs is an essential part of getting your work noticed and building your name in the photo world.

Before being a full-time freelance photographer, I built communities for companies and products for a living, and I’ve been an active part of communities ranging from tech to food to photography.

I’ve distilled down everything I’ve learned over the years into the five fundamental ways to start building and connecting with a photo community.

What is the “photo community,” you ask? It’s however you define it. It’s a big social web of photographers, both online and offline, who know each other, inspire each other, and help each other make the best work they possibly can.

You should most definitely be a part of it, and here’s how.

How to Connect with the Photo Community

p.s. Wanna boost your creativity? Our pals at Maine Media are offering some way cool photography and filmmaking workshops designed for just that.

1) Do some research.

before There are many kinds of photo communities out there, big and small. It’s up to you to decide what part of the photo community you’d like to surround yourself with and why. Is it pro photogs with big fancy cameras? Is it Instagrammers? Is it people in your own town? People who love photographing food, or skateboarding, or music? Go after whatever interests you the most, and see where it takes you.

2) Find your inspiration.

beforeThe easiest way to do this is on the interwebs. Follow folks who create work that inspires you. How to find them, you ask? There are many ways, ranging from googling “awesome food photographers,” to browsing Tumblr’s photographer spotlight or Instagram’s suggested user list. Subscribe to their feeds, watch the way they create and post their work, and take good notes.

3) Go make some stuff.

before For every moment you spend networking, you need to spend double the moments making things. Your photo inspirations are who they are because of the work they’ve created, so go take that inspiration and make some work of your own. By constantly improving and sharing your craft, you’re constantly increasing the likelihood that other people will find and like your work too.

4) Support others.

beforePhoto karma is real. In all communities, what you put in will often dictate what you receive down the line. Go like people’s work. Leave genuine, attentive, supportive comments. Don’t post asking for likes or follows, because that’s not what this is all about (and if you haven’t realized by now, people really hate that). Help people spread the word about their projects and exhibitions. If you’re a supportive member of the community and making great work of your own, people will notice you and you’ll soon find support coming back your way.

5) Reach out and say hi.

beforeThe easiest way to connect with people in the photo community is to simply send them a note. Find three (or more!) people whose work you love, send them an email/message/comment, and tell them you dig their work. But not in a “I love you FOLLOW ME CHECK OUT MY GALLERY” kind of way. In a genuine, I’m-not-asking-anything-in-return kind of way. You will not only make the recipient’s day, but that person will likely remember your name for a long time to come.

Have any other tips to add? Tweet them at us at @photojojo!

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20. Juni 2013

20 Jun

Ein Beitrag von: Roger Albani

Treppe © Roger Albani


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Wüste Landschaften in der Al Rob‘a al Kali

20 Jun

Ein Beitrag von: Mark Robertz

Sand, Sand, Sand und noch einmal Sand – soweit das Auge reicht. Die „Al Rob‘a al Kali“ oder kurz Rub genannt, steht für das „Leere Viertel“. Sie gilt als die größte Sandkiste der Welt. Die Wüstentour führte durch die omanischen Ausläufer der Rub im Südosten der Arabischen Halbinsel und gewährt Einblicke in die morgenländische Landschaft zwischen Moderne und Tradition.

Oman © Mark Robertz

Auf dem Weg in die Wüste

Mit dem Geländewagen starten wir, nach einem Abstecher auf den Suq am darauffolgenden Morgen, in der Hauptstadt Muscat, am Arabischen Meer. Als Landschaftsfotograf begleitete ich im Dezember 2012 für den Münchner Wüstenspezialisten Bedu Expeditionen eine Reisegruppe mit ihren Geländefahrzeugen in die Rub. Wüste ist in dem Sinn zwar kein Neuland für mich, allerdings bin ich aus der arktischen-eisgeprägten Wüste Spitzbergens andere Temperaturen gewohnt.

Ich bin optimistisch und lasse mich in den kommenden Tagen überraschen. Auf abenteuerlichen Pisten folgen wir dabei historischen Handelsrouten, vorbei an Siedlungen, deren Grundmauern bereits Jahrtausende vor Christ Geburt gesetzt wurden. Durch das Hadschar-Gebirge (was übersetzt das Steingebirge bedeutet) nähern wir uns der Rub entlang der Grenze zu den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Oman © Mark Robertz

Die letzten Siedlungen liegen bereits einige Autostunden hinter uns, während wir hier und da Ölfelder am Rande der Piste passieren. Am späten Nachmittag erreichen wir die ersten Dünenfelder. Während unser Guide sich mit dem einheimischen Fahrer um das Lager und ein Abendessen kümmert, genießt jeder von uns auf seine Art die faszinierende Stimmung in dieser Parallelwelt.

Ich schnappe mir meine Fotosachen und mache mich auf den Weg, den 40 Meter hohen Dünenkamm hinter uns zu erklimmen. Majestätisch erheben sich die farbenfrohen Sandberge. Je nach Blickrichtung präsentieren sich die Sandstrukturen in den unterschiedlichsten Farbnuancen. Die Sonne im Rücken erleuchtet alles rot, während mit dem Blick Richtung Sonne den Sand farblos weiß erscheint. Bei seitlichem Licht leuchten die Dünen in einem satten Orange.

Oman © Mark Robertz

Die kommenden Tage eröffnen uns ungeahnte Einblicke fernab menschlicher Siedlungen. Wir genießen die nächtliche Stille unter dem großen Sternendach. Wer Lust hat, zählt die Sternschnuppen beim Einschlafen allein auf (s)einer Düne und lässt sich morgens von den ersten Sonnenstrahlen wecken.

Ich baue mein Stativ samt Kamera etwa 15 Minuten vor Beginn der blauen Stunde in der Morgendämmerung auf einem der umliegenden Höhenzüge auf und versuche, die Schatten der vergangenen Nacht mit dem ersten Tageslicht zu fotografieren.

Im Allgemeinen nutze ich während der Wüstenreise wie gewohnt die Dämmerungsphasen zum Fotografieren. Hier besteht am ehesten die Chance auf einzelne Wolkenzieren, damit der unendlich weite, blaue Himmel nicht so leer wirkt.

Die Mittagsstunden zählen, wie zu Hause, mit ihren harten Kontrasten nicht zu meinen liebsten Lichtsituation. Dennoch zücke ich die Kamera, um die ungewohnte Weite als Motiv mitzunehmen.

Oman © Mark Robertz

Nutze ich für gewöhnlich wann immer möglich ein Stativ, arbeite ich im Wüstensand überwiegend aus der freien Hand. Das Stativ, samt Fernauslöser sowie verschiedener Filter, kommt erst in den Dämmerungsphasen zum Einsatz. So kann ich in den Fahrstopps zügig auf mögliche Motive reagieren.

Oman © Mark Robertz

Der Weitblick durch die Wüste, ganz gleich ob in der Ebene oder hoch oben auf der Düne, alles überblickend, lädt geradezu zur Panoramafotografie ein. So entstehen einzeilige Panoramen bestehend aus zwischen 12 und 29 hochformatigen Einzelaufnahmen. Mal aus der Hand, dann wieder vom Stativ. Einziger Wermutstropfen: Das nachträgliche Entfernen der Sensorflecken, denn die vermehren sich mit jedem Objektivwechsel natürlich unweigerlich exponentiell.

Zurück in der vielgeschätzten Zivilisation galt unser Augenmerk als erstes einer warmen Dusche. Zu dritt ziehen wir gegen Abend in die Stadt und gönnen uns einen Besuch beim Barbier: Einmal rasieren mit anschließender Kopf- und Gesichtsmassage. Ein arabischer Genuss, auf den niemand von uns verzichten möchte.

Auf dem Weg zurück zum Flughafen in Muscat erkunden wir das Plateau am Al Jabal al Akhdar, stoßen auf verlassene Bergdörfer und Gärten mit ihren Faladsch, den traditionellen Wasserversorgungen. Am Flughafen angekommen, lassen wir bei einem Kaffee die vergangenen Tage Revue passieren.

Wir durchquerten schroffe Gebirgszüge sowie tiefe Schluchten auf unbefestigten Pisten, erkundeten uralte arabische Lehmfestungen mit ihren Verteidigungsanlagen ebenso wie wir uns durch das Treiben der Suqs bewegten. Die unendliche Weite der Rub allerdings hat uns völlig in ihren faszinierenden Bann gezogen.

Es kommt uns vor wie ein Märchen aus eintausendundelf Nächten. So schön könnte die Arbeit eines Landschaftsfotografen immer sein, auch als begeisterter Nordlandfan …

Oman © Mark Robertz

Wissenswertes zum Reisen im Sultanat Oman

Zu erreichen ist das Sultanat im Direktflug mit Oman Air von München oder Frankfurt (sieben bzw. acht Flugstunden) aus. Die Gepäckrichtlinien sind mit 30 Kilogramm (auch auf mehrere Taschen verteilt) recht großzügig bemessen. In Muscat angekommen, finden sich in der Flughafen-Vorhalle alle bekannten Autovermietungen. Wer Touren abseits der Asphaltstraße plant, benötigt zwangsläufig einen Allrad!

Die Zeitverschiebung beträgt drei Stunden (Gulf Standard Time, GST). Wer für die GPS-Nutzung die Kamerazeit umstellt, wählt die Zeitzone „Abu Dhabi, Muskat“. Diese beträgt vier Stunden Vorsprung.

Das Wüstenklima bietet für (m)ein mitteleuropäisches Temperaturempfinden von Mitte November bis Anfang bzw. Mitte März je nach Region angenehme 24 – 33 °C. Die Nachttemperaturen können in der Wüste bis auf ca. 5 °C absinken. Wer einen Abstecher in die Hochlagen des Hadschar-Gebirge um den Al Jabal al Akhdar oder Jabal Shams einplant, sollte auf alle Fälle warme, winddichte Oberbekleidung mitnehmen.

Hier können die Nachttemperaturen durchaus in den Minusbereich abfallen. Autofahren im Oman ist im Vergleich zu anderen arabischen Ländern sehr gesittet, ja fast schon rücksichtsvoll. Wichtig bei der Mietwagen-Reservierung ist, auf die enthaltene Kilometerpauschale zu achten. Entgegenkommend sind die Benzinpreise. Für 80 Liter Super bezahlten wir im Schnitt unter 20 €.


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Vattenfall, Greenpeace und interaktive Fotografie

20 Jun

Ein Beitrag von: Holger Weber

??Als wir die Anfrage von Greenpeace bekamen, ein Kubikfoto zum Thema Braunkohletagebau zu produzieren, war das natürlich extrem cool. ?Man denkt sofort an riesige Maschinen, gigantische Löcher in der Landschaft, trashige Dörfer und skurrile Bewohner – ein gefundenes Fressen für jeden Fotografen!? Da unsere Produktionen extrem konzeptabhängig sind und jede Szene mit anderen Szenen verknüpft werden muss, steht vor der Fotografie (ja, ist natürlich immer so) sehr pingelige Recherche.

Kubikfotos sind übrigens auf Fotos und Film basierende, wirklich interaktiv erlebbare Welten, durch die sich der Betrachter nahezu frei bewegen kann. Wir haben dafür ein eigene Software entwickelt, die es uns erlaubt, auch sehr große und komplexe Projekte zu realisieren und alles an Funktionalitäten des Web 2.0 einzubinden.

Aber zurück zum Anfang. Da Greenpeace ebenfalls extrem genau und wahrheitsgemäß arbeiten muss, verbrachten wir die ersten Tage vor dem Rechner, dann weitere Tage vor Ort, um zu gucken, wo man was fotografieren kann, welche Leute etwas sagen wollen und wie das Thema überhaupt aussehen kann.

?Und plötzlich waren da keine tollen riesigen Maschinen mehr, sondern stählerne Monster, keine gigantischen Löcher, sondern die totale Zerstörungen einer wunderschönen Landschaft, keine trashigen Dörfer, sondern uralte gewachsene Kulturen und keine skurrilen Bewohner, sondern liebenswerte Menschen, die um ihre Heimat kämpfen müssen und das gegen die Regierung, eine steinreiche Lobby und die Behörden.

© Holger Weber
Der Tagebau Welzow-Süd, ein Ende der Grube sucht man am Horizont vergeblich.

Vattenfall © Holger Weber
Kein Tornado. Diese Katastrophe ist dauerhaft, allein in den drei Kraftwerken in der Lausitz werden jährlich über 52 Millionen Tonnen Braunkohle zu CO2 verwandelt.

Welzow Süd  © Holger Weber
Kippengelände: Hier wird über viele Generationen kein Mensch mehr leben können.

© Holger Weber
Eines von vielen Dörfern, die durch den Tagebau zum Geisterdorf werden.

Atterwasch © Holger Weber
In Atterwasch wurde die Installation einer Solaranlage auf einem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude nicht genehmigt – ist ja auch verständlich – allerdings soll das gesamte Dorf inklusive der über 700 Jahre alten Kirche nebst Friedhof dem Tagebau weichen.

Proschim © Holger Weber
Proschim setzt schon lange und voll auf nachhaltige Energien und kann mit Solar-, Wind- und Biogasanlagen komplett die umliegenden Dörfer und Städte mit Strom versorgen. Proschim kommt natürlich auch unter den Bagger. Nein, das ist leider kein Witz.

Nochten © Holger Weber
Der Tagebau Nochten mit dem Kraftwerk Boxberg. Was aussieht wie ein Acker sind mehrere Meter hohe und kilometerlange Kippenfurchen.

Jänschwalde © Holger Weber
Der Tagebau Jänschwalde. Würde man die Förderbrücke aufstellen, würde sie den Eiffelturm um 180 m überragen.

Verockerung © Holger Weber
Das Rot kommt nicht aus Photoshop, sondern zeigt die durch den Tagebau entstehende extreme Verockerung, die sich auf den Spreewald zubewegt und alles Leben im Fluss über Jahrzehnte vernichtet.

Weißwasser © Holger Weber
Mitten im Märchenwald: Der Weißwasserurwald. Die Naturfotografen werden ihn kennen. Wer ihn sehen will, kann das nur noch hier, weil …

© Holger Weber
… er direkt hinter uns abgeräumt wurde. Diese Eiche war locker 300 Jahre alt.

Warme Hände © Holger Weber
Schön warme Hände sind garantiert, wenn man mit Stahl- und Alustativen arbeitet.

© Holger Weber
Beim ersten Locationcheck bei -12 °C ohne Türen in der Cessna.

Betreten verboten © Holger Weber
Für einige der Bilder haben wir uns tief in das „Betreten verboten“-Gelände gewagt, aber die Mitarbeiter von Vattenfall haben uns meistens sehr großzügig übersehen.

?Die Produktion lief über ein gutes halbes Jahr mit mehreren Aufnahmeterminen vor Ort. Wir haben insgesamt 271.000 MB Rohmaterial und 12.550 Dateien produziert, die wir zu einer 80 Szenen, 350 Dateien und 264 MB umfassenden Welt zusammengebaut haben. Das Ergebnis ist jetzt unter www.braunkohle.info explorierbar.


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19. Juni 2013

20 Jun

Ein Beitrag von: Jan Weiss

© Jan Weiss


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Fotogenes Deutschland – Hornisgrinde

19 Jun

Ein Beitrag von: Daniel Bollinger

Auf 1163 Metern thront die Hornisgrinde als seine höchste Erhebung über dem Nordschwarzwald. Sie ist mein „Hausberg“, den charakteristischen Sendeturm des SWR kann ich seit Jahren von meinem Fenster aus sehen. Und auch, wenn ich ab und zu denke: „Nicht schon wieder“, so zieht es mich – nicht oft, aber regelmäßig – zurück auf das vertraute Terrain.

Als Naherholungsziel und Teil des Westweges ist der Berg vor allem am Wochenende überlaufen von Spaziergängern und Wanderern aus nah und fern. Doch je später der Tag und je unfreundlicher das Wetter, desto mehr leert sich das Plateau. Spätestens in der Nacht hat man es dann für sich allein. Ein etwas seltsames, aber für mich überwiegend erhebendes Gefühl.

Im Sommer präsentiert sich die Hochebene, die einen Teil des Naturschutzgebietes Hornisgrinde-Biberkessel bildet, als idyllisches Hochmoor, dessen Grasdecke in der Abendsonne geradezu zu glühen beginnt.

Der wahre Reiz entfaltet sich für mich allerdings eher bei weniger schönem Wetter. Wenn im Winter alles unter eine windgepeitschten Schneedecke verschwindet oder sich im Frühjahr und Herbst Nebel über dem Moor und zwischen den Bäumen ausbreitet, dann verändert sich der Charakter der Landschaft. Sei es in Richtung einer endlosen Weite im schneebedeckten Moor oder zu einer wilden Schroffheit im sich selbst überlassenen Bannwald.

Auch der am Fuß des Berges gelegene, sagenumwobene Mummelsee entwickelt dann einen besonderen Charme, wenn Wolkenfetzen wie Geister über das Wasser schweben.

Doch nicht nur der Berg selbst bietet interessante Motive. Er ist auch eine – im wahrsten Sinne des Wortes – hervorragende Basis für Fotos der umliegenden Gegend. Gerne packe ich hier das Tele auf die Kamera und fotografiere in die Rheinebene oder das Spiel der Wolken in den Baumkronen und zwischen den benachbarten Gipfeln. Bei klarer Sicht reicht der Blick (nicht nur) von einem der beiden Aussichtstürme bis zur Schwäbischen Alb, zu den Vogesen auf der anderen Rheinseite und im Süden bis zum Feldberg. Sogar die Alpen sind manchmal sichtbar.

Ein besonders atemberaubender Anblick bietet sich ab und an bei Inversionswetterlage. Wer das Glück hat, bei diesem Phänomen abends auf dem Berg zu sein, wird Zeuge des Schauspiels, bei dem die Sonne im rotgefärbten Wolkenmeer versinkt.

Hornisgrinde © Daniel Bollinger

Hornisgrinde © Daniel Bollinger

Hornisgrinde © Daniel Bollinger

Hornisgrinde © Daniel Bollinger

Hornisgrinde © Daniel Bollinger

Hornisgrinde © Daniel Bollinger

Hornisgrinde © Daniel Bollinger

Wer den Ausflug zur Hornisgrinde, der sich entspannt an einem halben Tag bewerkstelligen lässt, zur Ganztagestour ausbauen will, dem sei der Besuch eines der zahlreichen nahegelegen Wasserfälle empfohlen. Über einige davon werden wir in dieser Reihe bei Gelegenheit auch noch etwas mehr erfahren.


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18. Juni 2013

19 Jun

Ein Beitrag von: Synia

I´m torn


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How to Shoot Portraits without People

18 Jun

Here’s a riddle! Or the toughest photo assignment ever.

How do you shoot a portrait without any people in it? Or a landscape without any land?

While thinking about how Ansel Adams might shoot that second one is fun, we’re totally enamored with Camilla Catrambone’s response to the first.

She shoots portraits of people not by having them sit for her but by laying out a person’s belongings and photographing that instead!

Camilla shows us her grandfather with an old rotary phone, a watch, a well-worn leather briefcase. Her grandmother — a red comb, a collection of silver spoons, a pearl necklace.

It’s the things we choose to surround ourselves with that tell the story of who we are.

Photographing a person’s possessions is a way of bringing that person to life. What a way to solve a riddle.

Also, see: Scanography — self portraits via scanner and What’s in your bag?

Portraits of My Family by Camilla Catrambone

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Photojojo

 
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Bildvorstellung: Thomas

18 Jun

Heute möchte ich Euch ein Bild vorstellen, das ich von und mit einem Freund aufgenommen habe. Na, wer kommt auf seinen Namen? Platzierung des Modells, Lichtsituation und Bearbeitung – auf all das werde ich im folgenden Artikel eingehen.

Mein innerer Drang, mich zu verbessern, brachte mich dazu, einen guten Freund zu fragen, ob er mir als Modell zur Verfügung stehen würde. Er wollte und es gab von mir erst einmal nur die Anweisung: „Zieh Dir mal was Schickes an.“ Und so trafen wir uns bei mir zu Hause in meinem kleinen „Heimstudio“ und ich überlegte, was ich mit den vorhandenen Mitteln für ein Foto machen könnte.

Es sollte ein Low-Key-Foto werden, bei der die eine Gesichtshälfte im Schatten liegt. Es war also wichtig, dass ich das Licht nur von einer Seite auf die Person werfe.

© Normen Gadiel

So sah der Aufbau aus. Für das Licht zur Aufhellung des Gesichts nutzte ich einen weißen Stoff, um es etwas weicher zu gestalten. Das andere, von rechts oben kommende Licht setzte ich ein, um die Haare etwas aufzuhellen. Das war auch ganz gut so, weil das Endresultat doch sehr dunkel wurde und das Portrait dann doch nicht komplett absäuft.

Damit die Pose halbwegs natürlich wirkt, bat ich Thomas, sich schräg hinzusetzen und den Blick leicht über die Schulter schweifen zu lassen. Ein Blick in die Kamera wäre unpassend gewesen, weil ich nicht mit dem Modell interagieren, sondern aus der Rolle eines stillen Beobachters heraus das Bild aufnehmen wollte.

Da mich der feine Anzug und die dunkle Stimmung an einen Mafiosi erinnerten, bat ich Thomas noch, eine Zigarette zu rauchen, um diese Assoziation ein wenig zu befördern.

© Normen Gadiel

Da ich bei meiner Kamera grundsätzlich alle internen Einstellungen wie Kontrast, Sättigung und Farbton auf 0 gesetzt habe, sieht das Ausgangsbild für die spätere Bearbeitung sehr flau aus.

Leider habe ich die genauen Arbeitsabläufe zu dem Bild nicht mehr im Kopf, aber in der Regel fange ich immer damit an, das Bild nachzuschärfen. Für diesen Arbeitsschritt habe ich vor einiger Zeit eine sehr nützliche Photoshop-Aktion gefunden, die ich seitdem immer benutze, da sie mir bei der Bearbeitung Zeit spart und sehr gute Ergebnisse liefert.

Danach habe ich mich der Farblichkeit gewidmet. Hierfür nutzte ich die Werkzeuge Farbbalance und die selektive Farbkorrektur. Die Anpassung der Kontraste realisiere ich immer mit Gradationskurven. Bei vielen meiner Portraits nutze ich Dodge & Burn, um damit markante Stellen im Gesicht hervorzuheben. Bei Männern lässt sich so mittels Abdunkeln etwa die kantige Gesichtsform etwas herausarbeiten.

Zum Abschluss habe ich den noch sichtbaren Hintergrund abgedunkelt, sodass alles um Thomas herum schwarz ist. Als Bonbon gab es am Ende dann noch etwas Qualm für die Zigarette, hierfür nutzte ich einen Rauchpinsel, den ich auf einer separaten Ebene eingefügt habe.

Hier das fertige Bild:

© Normen Gadiel

Am Ende bin ich mit dem Ergebnis zufrieden und es zeigte sich einmal mehr, dass es gut ist, sich etwas vorzunehmen, anstatt auf der Couch zu lümmeln.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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