Ein Beitrag von: Florian Weiler

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Jacob Howard besuchte im Winter 2013 Indien und nahm die Serie „Land of Kings“ während seiner Reise auf. Seine Bilder zeigen zum Großteil die Umgebung des Taj Mahal. Tagsüber von Menschenmassen überflutet, nutzte Jacob die frühen Morgenstunden für seine Bilder, bevor Touristen und Einheimische die Hektik in diese dokumentierte Ruhe bringen.
Mit über einer Milliarde Menschen ist Indien intensiv und überwältigend. Es ist ein Ort, der ständig im Wandel ist, mit Baustellen und Schutt überall. Oft war es schwer zu sagen, ob sich etwas gerade noch im Bau befindet oder ob man es einfach zerfallen lässt. Aber unter all dem Chaos gab es auch Momente der Stille, die ich als magisch empfunden habe.
Ich nannte die Serie „Land der Könige“ nach Rajasthan, einer Region, wo ich ziemlich viel Zeit verbracht habe. Mir war nicht bewusst, dass Indien ein unglaubliches Erbe von Königreichen besitzt. Prächtige Burgen und Schlösser sind in den Landschaften und Städten verstreut. Im Gegensatz zur glamourösen Vergangenheit sind sie heute ein alltäglicher Bestandteil der Hektik modernen Lebens.












Mehr Fotos und Projekte von Jacob Howard findet Ihr auf Behance.
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Ein Beitrag von: Lukas Monschein
Eigentlich kannte ich dieses Mädchen bereits einige Zeit durch ihre Fotos auf Flickr und seit Kurzem über diverse Facebook-Chats und Skype-Dates, aber London war die Stadt, in der ich diese junge, talentierte Fotografin aus Norwegen das erste Mal persönlich treffen durfte.
Ihr Name ist Silje Tveitnes und ich kann mich noch genau erinnern, wie unsere Gruppe von Fotografen in einem Hostel nahe der Oxfort Street saß und wir nur noch auf sie warteten. Als sie mir schrieb: „We are close!!“, gingen alle nach draußen, um sie zu dort erwartungsvoll in Empfang zu nehmen. Alle, die zu diesem „London Flickr Meetup“ gereist waren, bekamen eine herzliche Umarmung, inklusive mir. Ein wunderbarer Start.

Unsere Gruppe aus acht Fotografen saß dann noch bis in die Nacht in der Bar des Hostels, um sich besser kennen zu lernen und endlich von Angesicht zu Angesicht miteinander reden zu können. Als es spät wurde, ging einer nach dem anderen etwas Energie für den nächsten Tag zu tanken, bis nur noch Silje und ich übrig waren.
Es fühlte sich so an, als ob wir uns schon seit einer Ewigkeit kannten, obwohl wir uns gerade zum ersten Mal wirklich trafen und wir vertieften uns in lange Gespräche, bevor wir uns schließlich auch auf unsere Zimmer zurückzogen.
Nach einem aufregenden Tag mit den anderen, verbrachten Silje und ich den Abend zu zweit in den Straßen von London auf der Suche nach einer gemütlichen Bank. Ich hatte einige Wochen zuvor einen Traum gehabt, in dem ich mit ihr auf einer Bank mitten in London saß. Davon hatte ich ihr erzählt und sie hatte vorgeschlagen, dass wir beim Meetup einfach nach solch einer Bank Ausschau halten sollten.


Nach einigem Suchen – Bänke sind in der Londoner Innenstadt überraschend schwer zu finden – stießen wir dann doch auf ein ruhiges Plätzchen inklusive Bank. Auch an diesem Abend fühlte es sich so an, als ob wir uns schon viel länger kennen würden. Es fühlte sich einfach richtig an, in ihrer Nähe zu sein. Sie hatte offensichtlich das gleiche Gefühl, denn der Abend endete in einem langersehnten Kuss. Es war einfach perfekt und nichts hätte diese Glücksgefühle trüben können.
Am nächsten Tag wachte ich mit einem Lächeln auf, es fühlte sich großartig an. Aber bereits im Laufe des Tages schoss mir immer wieder ein Gedanke in den Kopf: Entfernung. „Ich lebe in Österreich, sie in Norwegen. Was zum Teufel tue ich da?“ Wie stellten wir uns das vor? Zu diesem Zeitpunkt dachte ich mir nur, dass das nie funktionieren könnte.

Das Ende des Meetups kam natürlich viel zu schnell und jeder unserer Gruppe machte sich wieder auf den Weg nach Hause. Auch Silje und ich traten unsere Wege in verschiedene Himmelsrichtungen an. Auf dem Weg nach Hause dachte ich immer wieder an die vielen neuen Gesichter, die ich kennengelernt, an die Abenteuer, die wir in der Stadt erlebt und an die Fotos, die wir gemacht hatten.
Doch am meisten dachte ich an die erste Umarmung, unsere Gespräche am Abend auf der Bank und vor allem an den ersten Kuss mit ihr. Dieses Mädchen hatte etwas an sich, das mich nicht mehr los ließ. Es tat weh, nach Hause zu fliegen, ohne zu wissen, wann oder ob ich sie jemals wieder sehen würde.
In den nächsten Tagen und Wochen skypten wir mehr den je und trotzdem stand etwas unausgesprochen zwischen uns. Auf einer Schulreise nach Spanien wurde mir dann bewusst, dass es so nicht weitergehen konnte. Nach einer Woche ohne Kontakt vermisste ich sie so sehr, dass ich sie einfach aus Valencia anrief, nur um ihre Stimme zu hören.
Das Gespräch dauerte 90 Minuten und spiegelte sich dementsprechend auf meiner Telefonrechnung wider, aber das war mir egal. Todesmutig fragte ich sie, ob wir es nicht einfach probieren sollten. Meine Erleichterung, als sie dem Experiment „Fernbeziehung“ zustimmte, war riesig.


Das Treffen in London ist mittlerweile zwei Jahre her. Ich sitze gerade in einem Flieger auf dem Weg nach Wien, auf dem Heimweg von einem der unzähligen, viel zu kurzen Besuche in Norwegen. Es wird jedoch das letzte Mal für eine lange Zeit sein, dass ich Österreich als mein Zuhause bezeichne, denn in zwei Monaten, nach zwei Jahren Fernbeziehung, kann ich endlich zu meiner großen Liebe nach Norwegen ziehen.
Es wird das erste Mal sein, dass wir im gleichen Land leben. Es ist der nächste Schritt in unserem Experiment, von dem außer uns fast niemand geglaubt hat, dass es funktionieren könnte.
Es war die Fotografie, die uns zusammen gebracht und uns verbunden hat, wenn viel zu viele Kilometer zwischen uns lagen. Wir haben zusammen Fotourlaube gemacht und Fotoprojekte erarbeitet. Ich kann es nicht erwarten, unser neues Leben in Bildern festzuhalten, um unsere Geschichte weiterzuerzählen.
Morgen erzählt uns Silje selbst die Geschichte aus ihrer Sicht.
kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity
Extra photos for bloggers: 1, 2, 3 |
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Unless you’ve been living under a big fat rock, you are all over our Engineer Prints right?
Yup folks, we are now printing your photos human sized in lo fi black and white ink. Deck the walls! And floor. And ceiling!
If you’ve done just that and want EVEN more pizzazz, we’ve got you covered.
Three ways to give your prints color with some personality to boot coming atcha. Go go go!
Make Your Engineer Prints Even More Amazing
(…)
Read the rest of 3 Ways to Embellish Your Engineer Prints (126 words)
© Erika for Photojojo, 2014. |
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So sehr mir die Technik hinter Fotos egal ist (ich denke bei Foto-Technik unwillkürlich erstens an den uralten Fotografenwitz mit dem Koch und den Töpfen und zweitens an gruselige Foren, in denen alte Männer Testbildreihen miteinander vergleichen), so sehr ist mir paradoxerweise im Laufe der Zeit meine eigene Kamera ans Herz gewachsen.
Ich fotografiere seit knapp drei Jahren mit einer Canon EOS 60D*, an die ich zusätzlich den Batteriegriff BG-E7* geschraubt habe und ich bediene ihre Funktionen inzwischen ziemlich instinktiv.
Als mich bei einem Ausflug eine Freundin kürzlich fragte, wie man denn das Fokusfeld bei der Kamera ändert, war ich nur mit einigen Mühen in der Lage, es ihr auf der abstrakten Ebene „Drücke Knopf A, dann drehe an Rad B“ zu beschreiben, aber als sie mir die Kamera wieder in die Hand gab, konnte ich die notwendigen Griffe fließend und ohne einen Gedanken daran zu verschwenden ausführen.

Ich glaube, in der kleinen Anekdote steckt der eigentliche Punkt, der die Beschäftigung mit Technik interessant macht: Die Technik ist ein Werkzeug, um zum Bild zu kommen, aber sie sollte gut bedienbar sein und zum Fotografen passen.
Je länger man nun mit dem bestimmten Werkzeug arbeitet und je besser die Bedienbarkeit ist, desto intuitiver kann man damit umgehen und desto mehr wird es im Sinne von McLuhan eine Erweiterung des eigenen Körpers und verschwindet bei der Arbeit fast vollständig aus den Gedanken. Es ist also vor allem wichtig, das Equipment zu finden, das gut zur eigenen Arbeitsweise und zum eigenen Stil passt.

Die EOS 60D passt aus verschiedenen Gründen zu mir: Sie ist schwerer und größer als die Vertreter der dreistelligen Serie, mit denen ich vorher für lange Zeit unterwegs war und die mir inzwischen, wenn ich sie mal wieder in die Hand bekomme, ein bisschen wie Spielzeug oder zumindest Einsteigerkameras vorkommen.
Gerade mit dem zusätzlichen Batteriegriff liegt die EOS 60D sehr wuchtig und stabil in der Hand, das Auslösegeräusch ist satt, die technischen Spezifikationen reichen mir für alle Anwendungsfälle und sie hat einen kleinen Extra-Monitor mit den wichtigsten Anzeigen oben auf dem Body, so dass ich den Hauptscreen in vielen Fällen nur nutzen muss, um die gemachten Bilder gegenzuchecken. Ich kann mit der Kamera also relativ „analog“ und unkompliziert arbeiten.
Preis und Leistung der Kamera sind für meine semi-ich-fotografiere-halt-gern-so-rum-professionellen Bedürfnisse perfekt, das Handling liegt mir sehr und mit dem zusätzlichen Akku im Griff und einer großen Speicherkarte muss ich mir im Grunde nie Sorgen machen, dass ich durch irgendwelche Umstände (Speicher voll, Akku leer) eine Fototour abbrechen muss. Auch an die technischen Grenzen der Kamera stoße ich nur sehr selten.

Mein Immerdrauf-Objektiv ist, und das ist wohl eher ungewöhnlich, das Canon EF-S 60 mm f/2.8 Macro*, das sich neben seiner Makro-Funktion auch als normales Festbrennweitenobjektiv mit einer für meine Zwecke relativ gut geeigneten Brennweite nutzen lässt.
Ich wechsle relativ ungern von diesem Objektiv weg und nutze es auch oft, wenn ich Portraits, Straßenfotos oder andere Motive ablichte, denn auch dort macht es einen mehr als nur soliden Job.
In seiner Hauptfunktion als Makro- gefällt mir an dem Objektiv vor allem die Tatsache, dass ich damit ohne Blitz aus der Hand fotografieren kann. Ich will auch körperlich nah ran an meine Subjekte, an die kleinen Dinge, die Pflanzen, die Tiere, die Blätter, den Boden, ich will es fühlen, anfassen, genau betrachten und dann ein Bild machen. Ich krieche gern durch Büsche, verrenke mich und lege mich hin, um das ideale Bild zu kriegen. Mit mehr Brennweite, etwa mit der bei anderen Makrofotografen viel beliebteren Alternative des Canon EF 100 mm f/2.8*, wäre meine Art zu fotografieren sehr viel schwieriger bis unmöglich durchzuführen, denn dann müsste ich viel öfter mit dem Stativ arbeiten, während mir das 60 mm f/2.8 in vielen Fällen die Wahl lässt.

Im Grunde sind die Canon 60D mit Batteriegriff, eine große Speicherkarte und das 60 mm f/2.8 mit einer ausklappbaren Gegenlichtblende schon das vollständige Equipment, das ich für etwa drei Viertel all meiner Bilder einsetze. Dieses eher minimalistische Set-Up reicht absolut aus, um mich selbst für einige Tage im Wald auszusetzen und mit einer Tonne von abstrakten Pflanzen- und Kleintierbildern und vielleicht ein paar surrealen Selbstportraits zurück zu kommen.
Einige andere Bilder mache ich außerdem mit meinem Allround-Objektiv Tamron AF 28-75 mm f/2.8* (das eine exzellente und preiswerte Alternative zu allen gängigen Kit-Objektiven darstellt), manchmal auch noch Portraits und Menschenbilder mit dem Canon EF 85 mm f/1.8* und dem Canon EF 50 mm f/1.8 II* (die beiden Objektive nutze ich vor allem wegen der Möglichkeit, mit noch weiter geöffneter Blende im Portraitbereich zu arbeiten).

Der Rest meines Equipments ist für mich eher experimentelles Zeug, man mag es auch Spielkram nennen: Ich fotografiere ab und zu gern mit einem gekauften* und einem selbstgebauten Lomo-Objektiv (das im Grunde nur ein Body-Deckel ist, in den ich ein größeres Loch gebohrt, es anschließend mit Alu-Folio und Tesa wieder verschlossen und diese schließlich mit einer kleinen Nadel angepikst habe), spiele ab und an gern mit einem Lensbaby und mache auch mal Bilder mit einer alten Polaroid-Kamera, die ich bei eBay erworben habe.
Und, ja: Ich besitze natürlich auch ein stabiles Stativ und einen Blitz, sogar einen Fernauslöser und einen zugehörigen Durchlichtschirm mit Fuß für kleinere Heimstudio-Projekte. Aber diese Dinge kommen doch eher selten zum Einsatz, natürliches Licht und die Natur als Arbeitsumgebung liegen mir deutlich mehr und machen mich vor allem glücklicher, als Modelle in einem Studio vor einfarbigen Hintergründen abzublitzen.

Ich bin alles in allem rundum zufrieden mit meinem eher minimalistischen Equipment. Und wenn ich mich von Zeit zu Zeit dabei ertappe, mit einer EOS 5D (auch, wenn ich weiß, dass sich dieses Upgrade in meinen Bildern nicht wirklich sichtbar niederschlagen würde) oder dem Canon MP-E 65 mm f/2.8* (was wohl die interessanter Anschaffung für mich wäre, auch wenn das Objektiv ganz und gar nicht vielseitig ist) zu liebäugeln, dann denke ich wieder an den Koch, die Töpfe und daran, dass es nicht darum geht, welche Technik man verwendet, sondern darum, was man daraus macht.
* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhält kwerfeldein eine kleine Provision, Ihr zahlt aber keinen Cent mehr.
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„Hometown“ ist ein persönliches Projekt des Fotografen Fábio Miguel Roque. Es ist ein visuelles Tagebuch seiner derzeitigen Lebenssituation. Es spiegelt seinen Gefühlszustand wider, seine Enttäuschungen, aber auch seine Ziele. In kontrastreichen Schwarzweiß-Fotografien zeigt Fábio in seiner Serie Details seines unmittelbaren Umfeldes.
Hometown entspringt aus der Wechselwirkung zwischen meiner derzeitigen Situation und dem Umfeld, in dem ich lebe – und das die Grenzen aufzeigt, in denen ich mich in gewisser Weise bewege. Ich besitze zwar eine fotografische Ausbildung und habe in diesem Bereich auch gearbeitet, wenn auch nur in Teilzeit, dennoch wurde die Fotografie nie zu meiner Haupteinkommensquelle.
Für meinen Lebensunterhalt musste ich immer auch andere Beschäftigungen annehmen, erst recht, um es dann wieder in meine Fotografie investieren zu können. Am 24. August letzten Jahres wurde ich entlassen und seitdem stehe ich ohne Beschäftigung da.
Hometown entstand als Ergebnis meiner Kündigung, das Projekt materialisierte sich genau dann, als mir klar wurde, dass ich ohne Arbeit dastehen würde. Das Projekt begann unbewusst und erst im Laufe der Zeit begann ich, zu verstehen, was ich da fotografierte und so nahmen die Dinge ihre Gestalt an.













Mehr von Fabio könnt Ihr auf seiner Webseite oder auf Facebook finden.
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Ein Beitrag von: Tilman Haerdle
Neben der Fotografie nimmt Musik einen großen Teil meines Lebens ein. Ohne Musik zu leben wäre für mich nur schwer vorstellbar. Konzerte habe ich daher immer gern besucht, schon weil live gespielte Musik noch einmal anders „lebt“ als Studioaufnahmen.
Zu beobachten, wie Musiker sich darstellen, sowohl als Akteure auf der Bühne als auch durch ihre Show, fasziniert mich. Fotografisch habe ich diese Erlebnisse bisher nur auf dem Smartphone festhalten können, meist aus weiter Entfernung von der Bühne, seltener aus einer der vorderen Reihen. Auch das kann durchaus zu guten Ergebnissen führen, wenn man die Möglichkeit hat, die Belichtungsmessung und den Fokus getrennt voneinander einzustellen und wenn der Winkel zur Bühne nicht zu ungünstig ist.

Als ich vor ein paar Tagen morgens einen Anruf erhielt, ob ich nicht einspringen wolle, um Max Herre und sein Kahedi Radio Orchestra vom Fotografengraben aus zu fotografieren, zögerte ich nicht lange. Unsicherheit kam nur auf hinsichtlich der Kameras und Objektive, die ich verwenden wollte. Nach kurzer Recherche entschied ich mich, zwei DSLR-Bodies mitzunehmen. Auf dem einen ein Weitwinkel-Zoom 18 – 105 mm für die Totalen, auf der anderen Kamera auch ein Kit-Objektiv, 55 – 200 mm, für die Nahaufnahmen.

Am Veranstaltungsort angekommen, konnte ich noch Fetsum, der als Support auftrat, fotografieren, dabei gleich ausprobieren, mit welchen Brennweiten welche Resultate zu erzielen waren und wie ich ISO und Blende einzustellen hatte. Ungewöhnlich für eine „Vorband“ war, dass Fetsum mit seinem Gitarristen vom Publikum frenetisch gefeiert wurde, was mich immer freut, weil der Support oftmals keine schlechtere Vorstellung abliefert, aber vom Publikum in der Regel stiefmütterlich behandelt wird.

Die übliche Regel bei Konzertfotografie limitiert die Dauer für Fotografie auf drei Songs, normalerweise ohne Blitz, so auch hier. Nachdem sich mit mir insgesamt vier Fotografen am vereinbarten Treffpunkt neben der Bühne gefunden hatten, standen wir mit dem Fotografenbetreuer des Veranstalters seitlich von der Bühne.
Faszinierend war es, das Publikum von vorn zu sehen, erst die gespannte Erwartung und dann die ausbrechende Begeisterung in den Gesichtern zu sehen, als die Musiker die Bühne betraten und die Musik einsetzte.
Dieser Moment, wenn dem Publikum klar wird, dass es losgeht, ist für mich in jedem Konzert ganz speziell, mir erscheint das Publikum wie ein Organismus, der von einem kollektiven Rausch ergriffen wird. Die Tatsache, dass es sich hier um ein Zusatzkonzert handelte und die Musikarena dennoch brechend voll war, sagt viel über die Beliebtheit von Max Herre aus.

Nach dem Intro wurde ich mit den anderen Fotografen vor die Bühne gelassen – dank der Gitter auf einer Seite und der blutroten Illumination der Bühne, die bis auf die vorderen Reihen abstrahlte, kam kurz die Analogie zu den Löwen auf, die in die Arena gejagt werden.
Welche Songs gesungen wurden und was Max Herre eventuell zur Begrüßung sagte, entzieht sich meiner Erinnerung. Ein Blick auf die Aufnahmezeiten der Bilder zeigt mir jedoch, dass wir genau elf Minuten Zeit zum Fotografieren hatten. Obwohl es mein erstes Konzert war, das sich so fotografieren durfte, konnte ich vermeintlich ruhig arbeiten.
Da ich oft auf der Straße fotografiere und dabei auch auf fremde Menschen zugehe, war die Situation, in der es offiziell erlaubt war, alles zu fotografieren, was auf der Bühne passiert, mit wenig Stress verbunden. Wie sehr ich jedoch von der Situation gefangen war, merkte ich erst, als wir Fotografen dann signalisiert bekamen, den Graben wieder zu verlassen und im Dunkel neben der Bühne die schlagartige Nüchternheit einsetzte.
Im Nachhinein ist die Wahrnehmung eines Konzerts so nah an der Bühne derart intensiv, dass ich mich danach im Publikumsbereich sehr weit weg vom Konzert fühlte. Da ich allein unterwegs war, hielt mich dann, obwohl ich Max Herre sehr mag, auch nichts mehr vor Ort.

Ich hatte mir vorgenommen, Solisten und Band aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu fotografieren, auch in die Totale zu gehen und nicht nur Close-Ups zu machen. Außerdem wollte ich jeden Musiker auch isoliert in ansprechender Haltung erwischen. Mit fortschreitender Dauer stellte sich heraus, dass ich das nicht alles unter einen Hut bekommen konnte und fokussierte mich nach Max Herre auf die im dritten Song auftretende Joy Denalane, deren Emotionen ich in einigen extremen Nahaufnahmen gut einfangen konnte.

Da die Aufnahmen nicht von einer Tageszeitung oder einem Musikmagazin speziell beauftragt waren, konnte ich hier meine persönlichen Vorstellungen gut umsetzen. Ich werde demnächst die Gelegenheit haben, weitere Konzerte zu fotografieren und freue mich darauf – es ist eine ganz eigene Art des Fotografierens, sehr instinktgesteuert und die Musik, die man mehr spürt als hört, macht das Ganze zu einem besonderen Erlebnis.
Nun bin gespannt, ob ich mit den Erfahrungen, die ich hier sammeln konnte, meinen Prozess soweit stabilisieren kann, dass ich unter den gegebenen Rahmenbedingungen zu reproduzierbar guten Ergebnissen komme. Gerade die stark variierende Beleuchtungssituation führte immer wieder dazu, dass Bilder komplett schwarz wurden. Dank Raw-Format waren viele Unterbelichtungen jedoch noch gut zu retten.
Glücklicherweise bewegten sich die Akteure eher verhalten, so dass Bewegungsunschärfe auf praktisch keinem Bild ein Thema war. Zumindest mit dem Smartphone hatte ich bei Musikern wie Adam Green in der Vergangenheit große Schwierigkeiten, auch nur ein scharfes Bild zu bekommen.

Mein Dank geht an Stephan Rescher vom Newsportal Nachrichten München, der mir die Gelegenheit verschaffte, dieses Konzert zu fotografieren.
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