RSS
 

Archive for the ‘Equipment’ Category

Tarot

19 Aug

Charlotte Grimms Handschrift ist düster und emotional. Ihre Bilder sind kleine Märchen für Erwachsene. Die Serie „Tarot“ wurde inspiriert von Tarotkarten und der Anwesenheit dreier schöner Männer. Dass sie selbst auch fotografieren, hat die Umsetzung der Serie sicher einfacher gemacht hat, denn sich so vertraut und gefühlvoll vor die Kamera zu stellen, ist sicher nicht leicht.

Eigentlich war es ein Gemisch aus Zufall, Glück und dem richtigen Moment, aus dem „Tarot“ entstand. Die Idee, die drei gemeinsam zu fotografieren, hing mir schon länger ungesagt im Kopf herum. Aus einem vorherigen Shooting blieben die Tarotkarten zwischen meinen Fingern hängen und wurden so spontan als verbindendes Requisit eingesetzt. Sonne, Mond, Stern. Konstellationen, zueinander, miteinander. Kaum fünfzehn Minuten und eine Serie, die ich liebe wie kaum eine vor ihr, nicht zuletzt, weil sie auf ihre eigene Art so viel Seele zeigt.

Drei Männer stehen nebeneinander und halten jeder eine Tarotkarte vor ihre Brust.

Drei Portraits dreier männer mit Karten vor der Brust.

Sechs Hände halten drei Karten zueinander.

Sechs Hände halten drei Karten zueinander.

Drei Männer stehen zwischen Farn.

Drei Männer liegen auf dem Waldboden und decken gegenseitig ihre Augen mit Karten ab.

Drei Männer liegen auf dem Waldboden und halten vor ihre Brust Tarotkarten.

Mehr von Charlotte Grimm alias Esprit Confus findet Ihr auf Facebook und Flickr. Modelle der Serie sind Nikolas Brummer, Moritz Aust und Martin Valentin Fuchs.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on Tarot

Posted in Equipment

 

18. August 2014

18 Aug

Ein Beitrag von: Katharina Jung

Eintauchen ins Wasser


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on 18. August 2014

Posted in Equipment

 

Der geheime Garten

18 Aug

Miriam Wuttkes geheimer Garten ist eine ehemalige Kleingartenkolonie in Neukölln, die nach über siebzig Jahren für ein neues Bauvorhaben geschlossen wurde. Seitdem wird die Fläche von Pflanzen und Unkraut überwuchert.

Das Areal verwandelte sich in eine geheimnisvolle, verwunschene Idylle, die zum Schauplatz des Projekts „Secret Garden“ der Berliner Künstlerin unter Kooperation des Fotografen Petrov Ahner wurde. Die Vorstellung eines persönlichen und sozialkritischen Performancekonzepts als Beispiel für die Vielschichtigkeit von Kunst.

Eines der seltsamen Dinge über das Leben in der Welt ist, dass man nur ab und zu ganz sicher ist, für immer zu leben. […] Man weiß, dass es manchmal, wenn man bei sich ist, in einem Wald bei Sonnenuntergang, und sich die geheimnisvolle tiefe goldene Stille unter die Zweige schlägt. […] Und es war so mit Colin, als er zum ersten Mal den Frühling hinter den vier hohen Mauern des geheimen Garten sah und spürte.

(Der geheime Garten, Frances Hodgson Burnett, freie Übersetzung)

Seit fast 80 Jahren befand sich die Kleingartenkolonie „Hand in Hand“ im Berliner Stadtteil Neukölln direkt neben der Rütli-Schule. Im Zusammenhang mit der deutschlandweiten Berichterstattung um die Schule beschloss der Berliner Senat, dass die Kleingartenkolonie einem sozialverträglichen „Campus Rütli“ weichen muss. Trotz großem Protest der Kleingärtner wurde das Naturidyll im Jahr 2012 dem Erdboden gleichgemacht.

Fast drei Jahre danach ist noch nichts von einem „sozialen Erlebnisraum“ zu sehen – dem geplantem Jugendclub, Elternzentren sowie der Erschließung neuer Freizeitmöglichkeiten. Stattdessen hat sich die Natur ihr Territorium im Herzen des ansonsten eher betongepflasterten Weichselstraßenkiez zurückerobert und ist Schauplatz des Kunstprojekts „Secret Garden“ der Berliner Künstlerin Miriam Wuttke geworden.

Die Themen der Künstlerin kreisen (teilweise, aber nicht ausschließlich) um Heimat und Erinnerung; Entstehen und Vergehen. Eine Auseinandersetzung mit dem psychologischen Hintergrund der urbanen Gartenidylle scheint daher naheliegend. Wo man zunächst eine Diskussion der sozialpolitischen Thematik, der vieldiskutierte Umgang mit Berliner Freiräumen, vermutet, verbirgt sich weitaus mehr, denn „Secret Garden“ ist im Prinzip eine psychologisch-künstlerische Studie mit literarisch-historisch geprägten Querverweisen.

Ein Durchgang ist hell erleuchtet und grün und braun.

Ein grüner Baum leuchtet an einer weißen Wand.

Der hier vorliegende Beitrag über den geheimen Garten von Miriam Wuttke soll keine endgültige Interpretation bieten, sondern bestenfalls anregen, über eigene Gedanken und Gefühle im Zusammenhang mit dem hier vorgestellten Kunstprojekt zu reflektieren.

Das Gesamtkonzept des Kunstprojekts „Secret Garden“, einer im gewissen Sinne fotografischen Trilogie mit Performancebestandteilen, besteht aus drei zeitlich aneinandergereihten und miteinander verwebten Komponenten. Der Anfang war persönlich: Miriam Wuttke entdeckte die grüne Neuköllner Oase ursprünglich auf Spaziergängen und sie begann sich mit dort neu angesiedelten Guerillagärtnern zu unterhalten. Berührt von persönlichen Geschichten und von der Kraft der Natur in der ansonsten betonbepflanzten Neuköllner Großstadtlandschaft, entstand das Konzept zu „Secret Garden“.

Die Fotografien von Miriam Wuttke, die in dieser ersten Phase der Auseinandersetzung zu dokumentarischen Zwecken entstanden, erinnern an Polaroids. Ähnlich wie in Frances Hodgson Burnetts Buch „Der Geheime Garten“ wird beim Betrachten kindliche Neugier geweckt. Die Bilder erinnern an das Spielen an verborgenen Orten, als man noch klein war und die Zeit kein Uhrwerk kannte. Wie bei Burnett beschrieben, gestalten geheime Gärten Momente, in denen sich „Stille unter die Zweige schlägt“. Diese Mystik hat Miriam Wuttke in ihren quadratischen Arbeiten mit einer feinsilbigen Künstlerhandschrift eingefangen.

Es ist ein ziemliches bunten Durcheinander.

Ein Baum steht sehr sentimental in der Gegend rum.

Nach dieser ersten Erkundungsphase lud die Künstlerin den Fotografen Petrov Ahner ein, den Verlauf einer Performance im geheimen Garten fotografisch zu begleiten. Dies bildet die zweite Phase des Konzepts zu „Secret Garden“. Petrov Ahner ist ein derzeit in Berlin lebender freischaffender Fotograf, der lange Zeit in Paris und anderen Städten als bekannter Modefotograf tätig war, was in gewissem Sinne auch die Ästhetik der Bilder erklärt.

Entstanden ist eine an klassische Modefotografie erinnernde Serie, die zwischen Erotik und Zerfall verzaubernd entrückt wirkt. Auf einem Bild hängt Miriam Wuttke kopfüber an einer Schaukel, eine Pose, die eher Kindern vorbehalten ist und zum Durchatmen einlädt. Auf einem anderen Bild steht die Künstlerin felldrapiert mit ausgestreckten Armen und einer Maske vor dem Gesicht in einer Brachfläche – ein Bild, das an völkische Rituale erinnert.

Durch die dargestellte Körperlichkeit wird deutlich, dass sich die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem geheimen Garten an dieser Stelle über kindliche Erinnerungen hinwegsetzt, denn in dieser zweiten Phase stellt Miriam Wuttke eine Referenz zu Nancy Fridays „My Secret Garden“ (1973) her.

Fridays Untersuchung weiblicher Sexualität (My Secret Garden, 1973) beinhaltet Interviews über sexuelle Fantasien von Frauen, deren Veröffentlichungen im Amerika der 70er Jahre einen flächenweiten Protest auslöste. Die Referenz auf den Übergang von kindlicher Neugier zur Erkundung und (Zurück-)Eroberung (weiblicher) Sexualität enthält somit auch implizite Botschaften über den Bruch mit normativen Grenzen. Die Metapher des geheimen Gartens könnte somit auch als geheimer Aufruf zum Ausbrechen aus gesellschaftlich vorgegebenen Schranken gedeutet werden.

Eine Frau hängt kopfüber von einem Kindergerüst.Eine Frau steht zwischen Grün und breitet die Arme aus.

Man sieht Efeu und das Gesicht einer Frau.

Eine Frau liegt vor einer Wand. Die Sonne erleuchtet ihren Körper.

Den vorläufigen Abschluss, und damit die dritte Phase des Projektes, bildet eine Performance mit dem Titel DELTA in der Berliner Galerie Emerson. In dieser dritten Phase fand eine Integration der beiden ersten Phasen statt. Abwechselnd lasen die Künstler Angelika Sikorska-Mazur und Tim van den Oudenhoven aus Nancy Fidays „My Secret Garden“* (1973) und Frances Hodgson Burnetts „The Secret Garden“* (1911).

DELTA, so heißt es im Ausstellungstext, „ist eine mystische Begegnung. Basierend auf Fantasien eines Kindes und Gedanken eines erwachsenen Menschen, findet ein Versuch satt, mit Zerstörung und Verlust umzugehen.“

Für die Ausstellung nahm Miriam Artefakte des Gartens mit – fast wie ein Kind, das den Traum hat, Archäologin zu werden. Die Besucher wurden eingeladen, an der Performance teilzunehmen, in dem sie sich im Raum bewegen oder Erinnerungen, Geheimnisse oder Wünsche auf ein Papier schreiben konnten, das anschließend verbrannt wurde. Im vernebelten Raum zauberte Wuttke eine ritualhafte, mystische Stimmung herbei, die die neugierige Sicht eines Kindes mit der erotischen Ausstrahlung einer erwachsenen Frau vereinte. Somit bildete DELTA eine Schnittstelle zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Sehnsucht und Abschied, Verfall und Wiedergeburt.

Ein Raum mit Bildern und aufgeschichteten Bausteinen.

Draufsicht der aufgehäufelten Bausteine.

Eine Frau mit verbundenen Augen spielt mit kleinen Pferden.

Eine Frau mit langen Zöpfen sitzt auf dem Boden im Nebel.

Erst kürzlich wurde der geheime Garten versiegelt und die neuangesiedelten Bewohner vertrieben. Der Zugang zu einem der letzten grünen freien Oasen in Neukölln bleibt damit versperrt. Das finale Projekt zeigt, wie vielschichtig und feinfühlig Kunst sein kann, auf wie vielen Ebenen sie gelesen und verstanden werden kann, abhängig davon, was man darin lesen und verstehen möchte.

Der geheime Garten von Miriam Wuttke, eine künstlerische Trilogie, bleibt uns als goldenes Relikt erhalten und fordert gewissermaßen dazu auf, geheime innere Gärten zu erkunden. Sie selbst sagt dazu:

Wenn ich sehe, dass die Dinge so schnell verschwinden, verstehe ich, warum Menschen Angst vor Verdrängung und Verlust haben. Ich versuche, es zu verstehen. Aber mein eigener geheimer Garten dreht sich nicht im diese Angst, die Reflexion über seine psychologische Funktion ist eher ein Teil davon.

Es geht um Stärke und Wachstum einer ununterdrückbaren Kraft und darum, sich gegen Stagnation und Funktionalität zu stellen. Es geht auch um eine bewusste mutige Entscheidung, schmerzhafte Verlusterfahrungen zu akzeptieren, daran zu wachsen und Erinnerungen bewusst als Kraftquelle zu nutzen. In diesem Sinne hat jeder seinen eigenen geheimen inneren Garten, den es zu erobern gilt.

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhält kwerfeldein eine kleine Provision, Ihr bezahlt aber keinen Cent mehr.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on Der geheime Garten

Posted in Equipment

 

17. August 2014

17 Aug

Ein Beitrag von: Marcus Rahm

Nebliger Blick übers Polenztal zum Lilienstein


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on 17. August 2014

Posted in Equipment

 

browserFruits August, Ausgabe 3

17 Aug

Vielleicht ärgern sich jetzt leider einige von Euch, dass sie doch nicht mitgemacht haben: Wir haben genau sechs korrekte Einsendungen zum Wettbewerb „Kreativität entfesseln“ mit Wacom erhalten. (Drei weitere mussten wir leider wegen Formfehlern aussortieren.) Die Auswertung ist schon im Gange. Das Ergebnis werden wir Anfang September verkünden, dann hatten auch die zwei Redakteure, die im Moment noch ihren Urlaub genießen, Zeit zum Sichten und Bewerten.

 

Fotospecial: Vulkane

Flickr

500px

 

Deutschsprachig

• Ein interessantes Interview mit Kulturwissenschaftler Thomas Macho über Schönheitsideale und Unperfektheit.

• Der Stilpirat hat die Petzval-Linse von Lomography getestet und eine Art Hassliebe entwickelt.

• Mode ändert sich. Das wird besonders deutlich bei diesen USA-Touristenbildern aus den 80er Jahren.

• Zeitjung stellt „The Nu Project“ vor, das zeigen möchte, wie schön Frauen sind. Ohne Photoshop und mit alltäglichen Macken.

• Ihr seid reiselustig und voller Fernweh? Auf „Fernwehosophy“ gibt es jede Menge Reiseberichte geschmückt mit wunderschönen Bildern.

• „Freunde von Freunden“ hat Surf-Fotograf Dustin Humphrey getroffen, der einen kleinen Einblick in seine Arbeit und sein Leben gewährt.

 

International

• Lucy Hilmer fotografierte sich über 40 Jahre lang zu ihrem Geburtstag in weißer Unterhose. Eine schöne Serie über den Verlauf der Zeit, die Veränderungen des Körpers und ein tolles Geburtstagsritual.

• Lustig: Ein typisches Neugeborenenshooting ohne Neugeborenes. Dafür mit Hund.

• Mensch und Natur: Auf Stampsy veröffentlicht Elizabeth Gadd einige ihrer Bilder mit dem Titel „Breath“.

• Dudi Ben Simon aus Tel Aviv kombiniert alltägliche Dinge und schafft neue, lustige und erstaunliche Bilder.

• Brauchen kreative Menschen wirklich Unordnung und ist Chaos gut oder schlecht? Dieser Artikel versucht, den Fragen auf den Grund zu gehen.

• Jeder, der mit Programmen schon Panoramen erstellt hat, bekam sicher auch schon sehr verrückte Ergebnisse. Hier sind einige besonders absurde gesammelt.

• Wirklich atemberaubende Fotos von Landschafts- und Astrofotograf Nicholas Buer haben wir hier entdeckt.

• Martín De Pasquale hat einen Hang zum Absurden und erschafft Dank Fotomanipulationen verrückte Selbstportraits.

 

Neuerscheinungen und Tipps vom Foto-Büchermarkt

Buchtipps

• Viele der großen Stars aus den goldenen Jahren Hollywoods von etwa 1920 bis 1960 besaßen Hunde oder ließen sich aus Publicity-Gründen mit ihnen ablichten. Die Bilder des Bildbandes „Hollywood Dogs“* stammen aus der John Kobal Foundation und sind etwas für Fans von Hunden und Filmen.

• Ihr interessiert Euch für die Geschichte der Fotografie? Dann ist dieses Buch vielleicht etwas für Euch: „Neues Licht. Daguerre, Talbot und die Veröffentlichung der Fotografie im Jahr 1839“*. Es versammelt Texte und Diskurse zur frühen Fotografie.

 

Wettbewerbe

• Ein Wettbewerb für alle Kölner: Anlässlich des Kölner Fotografen Chargesheimer und seines letzten und berühmtesten Fotobuchs, „Köln 5 Uhr 30“, sollen menschenleere Bilder, die um 5:30 Uhr morgens in Köln aufgenommen wurden, eingereicht werden. Einsendeschluss ist bereits am Dienstag, den 19. August.

 

Zitat der Woche

My theory about creativity is that the more money one has, the more creative one can be.

Robert Mapplethorpe –

Mehr Zitate

 

Videos

Ein Making-of von Jan von Holleben.

 

Ihr wollt mit Film fotografieren und braucht noch Tipps? Hier gibt es schöne Videos, erklärt von einem Fotografen.

 

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhält kwerfeldein eine kleine Provision, Ihr bezahlt aber keinen Cent mehr.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on browserFruits August, Ausgabe 3

Posted in Equipment

 

Abseits touristischer Faszination

17 Aug

Ein Beitrag von: Tilman Haerdle

Juri Gottschall ist ein Fotograf aus München, der neben seiner journalistischen Tätigkeit für verschiedene Magazine ein sehenswertes Portfolio freier Arbeiten vorweisen kann. kwerfeldein-Gastautor Tilman Haerdle traf ihn in seinem Lieblingscafé.

Der Anruf kommt kurz vor eins. Um halb zwei würde es zeitlich für ein Gespräch passen. Juri Gottschall ist gut beschäftigt und so nutze ich die sich kurzfristig bietende Gelegenheit für ein Treffen mit ihm, um über seine Fotografie zu sprechen.

Am vereinbarten Treffpunkt angekommen, suche ich mir einen Tisch im Schatten, im Innenhof der Glyptothek am Münchner Königsplatz. Juri trifft kurz nach mir ein, er hatte dieses Café vorgeschlagen, ein schöner und stiller Ort, fast wie das Atrium eines römischen Hauses, mit altem Baumbestand, der in der Hitze willkommenen Schatten spendet.

Ein fast leerer Parkplatz.

Ein moderner Flur.

Juri Gottschall ist Fotograf, er arbeitet freiberuflich, häufig für die Süddeutsche Zeitung, unter anderem für das Jugendmagazin jetzt.de. Thema unseres Gesprächs ist nicht seine Arbeit als Journalist, sondern seine Projekte, die er als freischaffender Fotograf realisiert. Natürlich die Frage, wie er zur Fotografie kam.

Der Vater Fotograf, die Mutter Journalistin, da scheint der Weg vorbestimmt. Tatsächlich stellte er sich schon früh hinter die Kamera, experimentierte in der Dunkelkammer, lieferte Fotos für die Schülerzeitung.

Doch die Entscheidung, mit dem Bildermachen auch Geld zu verdienen, fiel erst spät und graduell. Man merkt, dass Juri Gottschall nicht süchtig danach ist, jederzeit den Auslöser betätigen zu können. Zum Termin kommt er ohne Kamera.

Grünfläche in einer Wohnanlage.

Teilweise abgerissenes Hotelgebäude.

Sieht man sich die Projekte an, die er auf seiner Website präsentiert, stellt sich anfangs Ratlosigkeit ein. Spektakuläre Bilder, die den Betrachter in Bruchteilen einer Sekunde, beim schnellen Durchscrollen anspringen, findet man hier nicht.

Fast könnte man den Eindruck gewinnen, er entzöge sich absichtlich dem Wettbewerb um das Extrem: Das höchste Gebäude, die schönste Frau, die irrwitzigste Straßenszene. In seiner Serie „Italia“ beschreibt er das Land, das eine seiner Lieblingsdestinationen ist, mit Bildern, immer knapp an Sehenswürdigkeiten vorbei, sorgsam bemüht, jedes postkartentaugliche Motiv zu vermeiden.

Die Zutaten sind alle da: Meer, Zypressen, der morbide Charme alter Gebäude. Die Vervollständigung passiert im Kopf des Betrachters, der die Bilder mit seiner eigenen Erfahrung des Landes kombiniert.

Portrait zweier Männer neben einer Wand mit verschiedenen Urnen.

Ein Mann sitzt einer Frau und einem Mann gegenüber und denkt.Portrait einer Frau.

In seiner Sammlung „Architektur“ wechseln sich ästhetische, stille Bilder von minimalistischen Innenräumen ab mit Parkplätzen von Supermärkten, Einfamilienhäusern vom Reißbrett und kargen, menschenleeren Grünflächen. Schnappschüsse? Visuelle Tagebücher?

Juri Gottschall plant seine Projekte, er recherchiert, konzipiert, besucht die anvisierten Orte mehrfach. Das gemachte Bild ist nur ein kleiner Teil dieses Prozesses und längst nicht der Endpunkt.

Die Nachbearbeitung des digitalen wie des analogen Bildes nimmt einen weiteren großen Teil seiner Zeit ein. Das Ergebnis ist zeitlos, keiner aktuellen Mode zuzuordnen. Sähe man nicht beispielsweise Autos aktuellen Baujahrs, könnten die Fotos auch Jahrzehnte alt sein.

An der handwerklichen Qualität gibt es keinen Zweifel. Was bewirkt jedoch, dass man sich an diese Bilder erinnert, obwohl auf den ersten Blick nichts dargestellt ist, was das Auge anzieht?

Ein Begriff, gelesen in einem anderen Blog, bringt vielleicht einen Ansatz: Es sind Bilder jenseits der touristischen Faszination. Bilder eines Menschen, der mit dem Terrain vertraut ist und der die naheliegenden Sehenswürdigkeiten bereits abgehakt hat.

Zwei Mädchen albern in der Dämmerung herum und lachen.Eingang zu einer Pizzeria.

Bunte Sonnenschirme auf einer Terrasse im Grünen.

Inmitten der Architektur-Serie ein Foto des im Abriss befindlichen Holiday Inn in Schwabing. Eine Münchner Institution. Das Bild ragt heraus, es ist auch Teil der in den USA gezeigten Ausstellung „The Art of Photography“. Die Entstehung? Gottschall kam mit dem Auto am Ort vorbei, das Licht stand günstig, der Himmel war perfekt blau.

Anhalten, dank Erlaubnis der Bauarbeiter die Baustelle betreten und fünf bis zehn Bilder machen. Spontan. Unüblich für einen, der sonst alles plant und vorbereitet. Der sich Zeit nimmt. Es scheint wie ein Beleg: Außergewöhnliche Ereignisse provozieren außergewöhnliche Bilder.

Ein paar spielt an einem Tischkicker vor einem Meer.Ein verlassener Tisch in einem Café am Strand.
Ein Betonbau in der Nacht.Parkhausausfahrt.

Für das Magazin „jetzt“ fotografiert er oft Menschen. Die Bilder erscheinen einfach, spontan. Tatsächlich sind sie, wie die Serie nächtlicher Heimkehrer, im Verlauf mehrerer Nächte entstanden. Nicht jeder kooperiert. „Architektur dagegen kann nicht weglaufen, sie erlaubt mir, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Wenn es heute nicht klappt, dann ein andermal.“

Die Serie „Schüler“ erinnert mich an frühe Bilder von Thomas Ruff, der überlebensgroße, verstörende Portraits ausstellte. Die Parallele hat Gottschall bisher nicht gezogen, er sieht sie, aber es war keine Vorgabe für ihn. Man hat das Gefühl, den Menschen zu sehen, wie er ist. Kein veredelndes Schwarzweiß, keine beschönigende Lichtsetzung.

Eine Hausfassade mit vielen Fenstern.

Eine Hausfassade mit vielen Fenstern.

Für sein jüngstes Projekt, die Parkhäuser, verwendete er eine Großformatkamera. Hier kommt er zum ersten Mal ins Schwärmen. Das Arbeiten mit Film, mit großen Negativen macht ihm Freude. In Zeiten hochauflösender Digitalkameras vielleicht ein überholter Luxus. Der unglaubliche Detailreichtum dieses Formats reizt ihn.

Sein Wunschtraum: Einmal Abzüge direkt vom Großformat-Negativ machen zu lassen. Auch für dieses Projekt, für das er sich Objekte mit viel freier Fläche und sparsamer Bebauung suchte, war viel Recherche nötig.

Welches Parkhaus erfüllt die Kriterien? Wann ist der beste Zeitpunkt für das gewünschte Bild? Nicht überall lässt sich der Plan in die Tat umsetzen. Wenn jemand mit großem Stativ und auffälliger Kamera lange auf dem Dach eines Parkhauses steht, wird mancher misstrauisch.

Eine Imbissbude mit Koch und drei Gästen an einem Tisch davor.

Leinwand auf einem leeren Parkplatz.

Aktuell wird die Serie noch bis Mitte August im Münchner Goethe-Institut unter dem Titel „VISIONEN“ gezeigt. Im Oktober folgt eine Ausstellung in nochmals größerem Rahmen und Umfang. Die Arbeiten daran laufen schon jetzt. Ohne gute Vorbereitung stimmt auch hier für ihn das Ergebnis nicht.

Als wir uns trennen, steigen wir beide auf’s Rad. Das nächste Vorhaben beginnt bereits in der Nacht: Er begleitet eine Kollegin, die eine ganze Nacht lang mit dem Fahrrad durch München tourt. Auf die Bilder bin ich gespannt.

Mein Entschluss ist es, auch bei anderen Fotografen genauer hinter die Kulissen zu schauen. Wieso fotografieren sie so, wie sie es tun? Was ist der Weg zum Bild?


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on Abseits touristischer Faszination

Posted in Equipment

 

16. August 2014

17 Aug

Ein Beitrag von: Yann Koenig

Blick auf eine ehemalige Bäckerei.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on 16. August 2014

Posted in Equipment

 

Freunde, Fremde, Begleiter. Hunde auf südindischen Straßen

16 Aug

Zwei Wochen nachdem mein Hund bei einem tragischen Unfall ums Leben kam, begab ich mich auf eine Fotoreise nach Südindien. Zwar befand ich mich emotional nicht in bester Reiseverfassung, aber eine Absage wäre auch keine Lösung gewesen.

Schon beim Arzttermin im Vorfeld kam das Thema der vielen Straßenhunde in Indien zur Sprache. Ich war ein wenig nervös bei dem Gedanken, die kommenden Tage ständig mit Hunden konfrontiert zu sein, von denen ich viele vermutlich am liebsten mitnehmen und aus ihrem Straßenköter-Dasein heraus holen wollen würde. Irrational und emotional, aber meiner Gefühlswelt entsprechend.

Zum Teil liefen diese Begegnungen auch genauso ab, wie ich es befürchtet hatte. Die folgenden Bilder entstanden daher auch aus der Flucht hinter die Kamera heraus. Trotz Abstand aus hygienischen Gründen (meine Tollwut-Impfung war nicht vollständig), suchte ich Beziehung zu diesen Hunden, die einen permanenten Überlebenskampf führen, die größtenteils humpelnd überfüllte Straßen überqueren müssen und keinen menschlichen besten Freund haben, so wie meiner es hatte. Aber es war schön, trotz allem würdevolle und anmutige Wesen in ihnen zu sehen, die die Welt mit uns teilen auch auf Indiens vollen Straßen immer wieder Freunde finden.

Hund auf der Straße

Hund auf der Straße

Hund auf der Straße

Hund auf der Straße

Hund und Mensch am Strand

Schlafender Hund

Hund am Strand

Drei Hunde und ihre Besitzer

Schlafender Hund am Strand

© Chris Hieronimus

© Chris Hieronimus

© Chris Hieronimus

Schlafender Hund

Hund neben einem Fisch Stand

The more I know about people, the better I like my dog.

– Mark Twain


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on Freunde, Fremde, Begleiter. Hunde auf südindischen Straßen

Posted in Equipment

 

Der Kreis

16 Aug

Aliza Razells neue Fotoserie „Der Kreis“ zeigt ein kleines Märchen in Bildern, das von Lichtgestalten und Waldfantasien erzählt. Die Fotografin ist selbst Hauptmotiv der Serie und spielt eine Frau im roten Kleid, die eine mysteriöse Entdeckung im Wald macht.

Die Geschichte wurde inspiriert von den Mythen um Irrlichter sowie der germanischen Tradition von Erzählungen um Menschen, die von Waldwesen mit rätselhaften Absichten weggezaubert werden. Ich mochte die Idee, mir diesen Vorgang als nur einen weiteren Kreislauf der Natur vorzustellen – als eine Unumgänglichkeit – daher auch die zyklische Natur der Serie.

Aliza ist eine Meisterin im Nutzen verschiedenster Medien. Oft bemalt sie ihre Fotos nachträglich, wie in der Serie „Die Büchse der Pandora“, die wir bereits auf kwerfeldein vorgestellt haben. Für ihre neue Serie nutze sie invertierte Zeichnungen und in schwarzes Papier gestanzte Löcher.

Eine Frau im roten Kleid folgt seltsamen Lichtern im Wald.

Ein Mann aus Licht bittet die Frau, ihm zu folgen.

Die Frau hält die Hand des Lichtmanns und blickt zurück.

Die Frau schließt sich einem Kreis von Lichtgestalten an.

Die Frau steht im Kreis mit anderen Lichgestalten und löst sich langsam auf.

Ein rotes Kleid liegt am Waldboden. Darüber steht eine Frau aus Licht..

Eine Lichtgestalt lockt einen Mann im roten Anzug in den Wald.

Wenn Euch die kleine Geschichte von Aliza gefallen hat, dann schaut Euch unbedingt auch ihre anderen Fotos an. Mehr von Aliza Razell findet Ihr auf Flickr oder Facebook. Hier verrät sie auch mehr über die genaue Technik, die sie in der Serie angewendet hat.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on Der Kreis

Posted in Equipment

 

Als Zuschauer unter Schauspielern

15 Aug

Ein Beitrag von: Laurent Roch

Mein Interesse an der Fotografie rührt von meiner unablässigen Neugier her, die Welt und insbesondere das Verhalten der Menschen zu beobachten. Als Kind war ich sehr interessiert an der Welt der Erwachsenen. Mein Vater schenkte mir bald eine Kodak Automatic, mit der ich meine Umgebung und Familienfeste fotografierte.

Verwischtes Bild eines Kindes hinter einer Scheibe bei Regen

Seitdem hat mich der Virus Fotografie nicht mehr losgelassen. Die Ratschläge meines Vaters, Filme und Fotobücher (von Mark Cohen, Alex Webb, Garry Winogrand und anderen) haben mein Sehen geschult und hatten ihren Anteil am „Erwachen meines Auges“.

Auto mit halb geöffnetem Fenster, daneben ein Mann mit Hut und am Himmel die Spur eines Flugzeugs.

Frau mit blauem Kopftuch vor blauem Wasser, blauem Himmel mit Flugzeug und neben einem blauen Mülleimer.

Obwohl ich mich ganz klar auf die urbanen Szenen spezialisiert habe, interessiert mich auch jedes andere ästhetische Element. Mein erster Antrieb ist immer die Emotion. Die Fotografie ohne emotionale Bindung zu betreiben, ist nahezu unmöglich. Ich muss Dinge spüren.

Wenn ich mit anderen Leuten auf Ausstellungen oder im Internet spreche, realisiere ich immer wieder, dass Menschen ihre tägliche Umgebung nicht wirklich beachten. Ich wurde schon oft gefragt, wo ich meine Fotos gemacht habe – dabei habe ich sie an Orten aufgenommen, an denen genau diese Menschen leben!

Eine Frau in blauem Badeanzug und mit blauer Badekappe unter einer Dusche am Strand.

Die Beine von zwei Frauen auf bunten Handtüchern am Strand.

Um das Schwinden oder organisierte Chaos des täglichen Lebens einzufangen, gehe ich mit sehr kleiner Ausstattung los, um nicht bemerkt zu werden. Meistens arbeite ich dabei mit einer Festbrennweite von 35 mm, die mich dazu zwingen, mich dem Subjekt zu nähern und die Komposition aktiv zu gestalten.

Natürliches Licht reicht mir aus, ich suche nicht nach künstlichen visuellen Effekten oder arbeite gegen die Realität. Ich passe mich den Bewegungen der Straße an und möchte die Charakteristika dort nicht verändern. Ich versuche, Banalitäten in ihrer klarsten Form einzufangen, während ich mich vom Rhythmus und der Dichte des Moments absorbieren lasse.

Frauenbeine in Strumpfhose und Pumps auf gelben Straßenmarkierungen

Stofftiger auf dem Rücksitz eines Autos.

Wenn ich so durch die urbanen Landschaften wandere, habe ich keine besonderen Ziele oder speziellen Projekte. Ich bin geführt von meinem Instinkt, der mir sagt, dass ich links statt rechts abbiegen sollte oder umgekehrt. Die Ästhetik eines Platzes, das Spiel von Licht, Farben und interessante Personen sind die mir verfügbaren Möglichkeiten.

Ich habe meine Kamera immer in der Hand, bereit, das Unvorhergesehene festzuhalten. Es ist sogar ziemlich zwanghaft, immer die Angst zu haben, einen flüchtigen Moment zu verpassen, der nie wieder kommen wird. Nur Situationen des echten Lebens wecken meine Neugier. Ich suche nach der Wahrheit des Moments, die einem Foto Bedeutung gibt.

Mann mit roter Haut vor rotem Hintergrund.

Schatten eines Menschen durch eine Holzinstallation

Der spontane und zufällige Mensch übersteigt jedes konzeptuell erdachte Bild. Man kann alle verfügbaren künstlichen Methoden nutzen, aber wenn man nicht in der Lage ist, dieses zusätzliche bisschen Seele einzufangen, verpasst man ein interessantes Foto.

In diesen gestohlenen Momenten, die ich der Freiheit der Straße abgerungen habe, versuche ich nicht, irgendetwas zu erklären, sondern nur zu zeigen. Ich agiere wie ein Zuschauer inmitten von Schauspielern, ohne den Prozess des Films zu verändern. Ich bin nur ein eifriger Beobachter.

Dieser Artikel wurde für Euch von Aileen Wessely aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on Als Zuschauer unter Schauspielern

Posted in Equipment