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Archive for the ‘Equipment’ Category

Die vergessene Generation

09 Dec

© Tabea Borchardt

Ein Beitrag von: Tabea Borchardt

Clouds, Sticks, Disks, virtuelle Fotoalben auf Smartphones, Tabletts und Notebooks sowie Sharing-Plattformen im Netz. Dies sind die Orte, an denen ein Großteil all unserer Bildmedien landet.

Physische Kopien? Niemand von uns hat von all seinen wichtigen Bildern einen Ausdruck – viele Handyfotos dienen nur dazu, sie herumzuzeigen, zu „sharen“ und Herzchen oder Likes oder sonst irgendetwas wiederum Virtuelles dafür zu kassieren. Kaum jemand von uns denkt daran, dass jedes Bild in gewisser Form ein Zeitdokument ist – vielleicht könnte es in hundert Jahren zeigen, was sich seitdem verändert hat?

Die Kinder unserer Zeit kennen Kameras mit Display, das Löschen von „unschönen“ Bildern wird meist noch direkt im Aufnahmemedium durchgeführt – wir selektieren unsere eigene Erinnerung.

Ein altes zusammengeklapptes Familenalbum.

So sahen Familienalben vor 100 Jahren aus.

Zudem halten wir sie in einer Form fest, die vielleicht unsere Lebenszeit überdauert – aber was ist mit unseren Nachkommen? Unsere Urenkel haben vielleicht kein Bild mehr von uns. Schlicht, weil es keines gibt, dass die Zeit überdauerte.

Die maximale Haltbarkeit von vielen aktuellen digitalen Speichermedien wird auf circa fünf, maximal fünfzig Jahre angegeben. Natürlich könnten wir alle zehn Jahre neue virtuelle Kopien und Backups erstellen, auf neuen digitalen Medien.

Welcher Müll dabei entsteht, bleibt hier einfach nur am Rande kurz erwähnt. Wir können all unsere Daten in Clouds werfen, die zumindest mehr Sicherheit suggerieren – aber wer weiß denn, wie lange die Technik wirklich noch so rund läuft?

Am 12. November 2007 wurde das zweimilliardste Foto auf Flickr hochgeladen. Knapp ein Jahr später, am 3. November 2008, wurde das dreimilliardste Foto online gestellt. Seit August 2011 befinden sich mehr als 6 Milliarden Bilder auf der Plattform. Im Dezember 2012 waren es bereits 8 Milliarden Fotos. – Wikipedia

Wir haben Massen an Medien im Netz – keiner weiß wirklich, ob das Netz mal „voll“ sein kann. Im Endeffekt vertrauen wir unsere Informationen einem „Ding“ an, das uns mittlerweile besser versteht als wir es.

Nicht nur Bilder gehen vielleicht früher oder später verloren, sondern auch handschriftliche Notizen. Wir bedienen uns eher an den bildinternen Meta-Daten als an unserer Erinnerung, um unsere Bilderflut selbst noch begreifen zu können.

Ein aufgeklapptes Familienalbum.

Unser persönliches, leider sehr schlecht gepflegtes Familienalbum.

Das Wann, Wo und Wie wird in den Hintergrund gedrängt und jeder von uns kennt das Gefühl, eigene Bilder durchzusehen und sich zu fragen, wann man dieses Bild denn gemacht hat. Es ist nicht mehr so besonders eingebrannt und präsent in unseren Köpfen.

Fotos, die früher akkurat mit Ort und Datum versehen in Alben eingeklebt wurden, chronologisch, mit Liebe für die Ewigkeit – auch, wenn das natürlich ebenso eine Illusion ist – existieren kaum noch.

Inschriften in Stein gehauen existieren bis heute – Fotografien zu meißeln ist leider nicht gängig – aber Filme, Glasplatten, mehrfache Abzüge an unterschiedlichen Orten, das sind definitiv Dinge, die unsere Arbeiten und Bilder vor dem Verschwinden schützen. Und auch Schwarzweiß-Filme haben eine nachgewiesene mögliche Haltbarkeit von bis zu 700 Jahren – Farbfilme nur vermutete 150 Jahre – das wäre zumindest für die Ur-Ur-Ur-Enkel noch locker mitzuerleben.

Ein aufgeschlagenes Fotoalbum mit alten Fotos.

Ein Fotoalbum mit bunten Fotos.

Bodo aus Berlin. Mit den Alben kann mein sein Leben rekonstruieren – Bilder von Arbeitsplatz, Familie, Urlaub, Ausflügen – eine spannende Sache, auch wenn ich die Personen nie gekannt habe.

Nostalgien fröhnend schauen wir uns manchmal die Alben unserer Großeltern an, bewundern die Aufnahmen, die Patina, die Ähnlichkeit der Gesichtszüge von Onkel Heinz und Großvater Arnold. Und dabei bleibt es dann – die eigene Ambition in unserer datenüberfüllten Welt, die im Zeitmangel steckt, sich selbst hinzusetzen und eigene Erinnerungsalben anzufangen, ist gering. Es gibt vor allem eine zusätzliche Problematik: Es ist gar nicht so einfach, damit anzufangen.

Wenn wir ein Album mit Bildern füllen, sollten wir keine Discounterausdrucke nehmen. Nach wenigen Jahren sind diese beinahe völlig zerstört, wenn sie Wärme und Licht ausgesetzt waren. Natürlich gibt es qualitative Unterschiede – aber nicht umsonst verlangen zum Beispiel Museen „archivfeste“ Prints.

Hochwertige Papiere müssen benutzt werden, säurefreie Klebstoffe und Passepartouts – welches Fotoalbum im Handel bietet dies? Vermutlich keines. Sonst würden sie deutlich mehr kosten. Und was bedeutet eigentlich dieses „archivfest“? Eigentlich ist dies doch eine Phrase, denn über die meisten Trägermaterialien gibt es überhaupt keine Langzeitstudien oder Erfahrungswerte.

Wichtig dabei ist zu wissen, dass wenn man dies in Erfahrung bringen möchte, man am besten den Papierhersteller direkt anruft. „Säurefrei“ ist dabei das Wort, auf das es zu achten gilt. Bekanntlich zersetzt Säure Papier. Übrigens enthalten auch die meisten Klebstoffe und Fixierbänder sowie Passepartouts Säuren. Wenn also archivfest, dann sollte man alles säurefrei erwerben.

Säurefreies Papier sehen wir hier und Fotos.

Es gilt zuallererst: Datenblätter lesen ist hilfreich.

Denn vielfach findet man sonst diese kleine Randnotiz „archivfest“ nicht. Gern auch „zertifiziert“ oder „museumsecht“ genannt. Gesagt sein kann jedoch immer: Hochwertige Papiere und Anbieter, die keine Discountschleudern sind, haben schon immer bessere Qualität geliefert.

Schwierig ist, dass Archivfestigkeit kein sichtbares Kriterium ist, da es mit dem Herstellungsprozess und der Lagerung zusammenhängt. Temperatur, Feuchtigkeit, Chemiegehalt – speziell welche Chemikalien wurden verwendet zum Beispiel für die Papierbleichung?

Im Zweifel fragt man. Hahnemühle, Römerturm oder Epsonpapiere wären Druckpapieranbieter, die definitiv archivfeste Papiere führen, um hier nur eine kleine Auswahl zu nennen. Dür das Ausbelichten digitaler Dateien wirbt zum Beispiel Fuji mit seinen Chrystal-Archive-Papieren.

Viele Informationen und Nachforschungen gibt es zum Nachlesen von Wilhelm Imaging Research beispielsweise zur Haltbarkeit von Trägermaterialien.

Mehrere Papierseiten übereinander gelagert.

Zeitgemäß ist es, Fotobücher online zu erstellen. An sich eine wunderbare Idee, wobei mir persönlich der Charme der wirklich selbstgestalteten Seiten fehlt. Diese Bücher werden weit unpersönlicher als Alben mit persönlicher Handschrift, sind jedoch hundertmal besser als digitale Ansammlungen, die niemals aus dem System der Einsen und Nullen heraustreten.

Drei der angerufenen Anbieter von Fotobüchern konnten mir keine Archivfestigkeit bestätigen. Ich denke, Buchbinder, die mit alten Leimen (zum Beispiel Hasenleim) und hochwertigen Papieren arbeiten, wären da eine bessere Option, liegen jedoch auch gleich in einer ganz anderen Preisklasse. Aber für wirklich wichtige Arbeiten würde es sich definitiv lohnen – allein schon von der Wertigkeit.

Analoge Drucke auf Barytpapier lassen sich durch Tonung veredeln und haltbarer machen – digitale Ausbelichtungen habe diese Möglichkeit nicht, sind jedoch immer noch haltbarer, wenn man zertifiziertes Papier verwendet.

Negativboxen übereinander gesapelt.

Ein aufgeklappter Negativordner mit Negativen.

Säurefreie Negativkartons mit Pergaminhüllen und Beschriftung des Inhaltes – viel Arbeit, aber definitiv sinnvoll. Analoge Metadaten. Zu jedem Film gehört dann bei mir noch ein Kontaktbogen und Belichtungstabellen, damit ich bei Bedarf schnell wieder 1:1-Abzüge machen kann – ohne Teststreifen und Zeitverlust.

Selbstverständlich ist das mit anderen Kosten verbunden, als wenn man für 9,99 € einhundert digitale Bilder im Laden nebenan im Postkartenformat drucken lässt. Doch ich denke, es ist die Mühe und Zeit wert, sich mit der Thematik zu beschäftigen und sich zu überlegen, welche Bilder vielleicht die Zeit ein wenig länger überdauern sollen als andere.

Und egal wie wir arbeiten – ob analog oder digital – beides sollten wir wertschätzend behandeln. Die Negative sollten wir gut lagern, beispielsweise in säurefreie Boxen und Negativhüllen (besser Pergamin als Acetat wegen der Feuchtigkeitsbindung, die sonst entstehen kann).

Die digitalen Daten machen sich besser, wenn wir sie nicht nur auf Platte oder Stick besitzen, sondern Ausdrucke mindestens der Größe A4 machen. Dann können wir zur Not wenigstens noch, wenn die Originaldatei verloren geht, einen hochwertigen Scan machen.

Vielleicht schaffen wir ja unfreiwillig wichtige historische Dokumente, die den nachfolgenden Generationen unser Leben aufzeigen – wer weiß, was in hundert Jahren so alles anders sein wird? Und zumindest unsere Familien finden es auf jeden Fall schön, wenn sie nicht nur über ihre Vorgeneration fantasieren kann, sondern echte Bilder in den Händen hält, wenn alte Geschichten ausgegraben werden.

Weiterführende Links zum Thema

  • Archivfeste Tonungen
  • Hinweise zur Haltbarkeit von Inkjetdrucken und den Ausstellungsbedingungen
  • Haltbarkeit Fotobücher auf Fotopapier versus digitaler Offset-Druck
  • Negativarchivierung
  • Allgemeine Richtlinien für Archivierung und Museumsvorbereitung für analoge Technologien
  • Infos zu Barytpapier
  • Druckmedien: Inkjet-Barytpapier
  • Anbieter Barytpapier – Untersuchung von moersch


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8. Türchen: Stilpirat

09 Dec

8. Türchen

Steffen „Stilpirat“ Böttcher kennt Ihr sicher schon. Als Fotograf und Blogger macht er schon eine Weile die Fotowelt unsicher und brachte bereits 2011 sein Buch „Abenteuer Fotografie“ heraus.

Dieses Buch hat er nun auch vertont. Ein amüsantes Hörbuch, das der Fotograf selbst eingesprochen hat. Mit einer angenehmen Stimme erzählt er von seinen eigenen Abenteuern in der Fotowelt und man ist als Hörer nicht nur schnell gut unterhalten, sondern lernt auch noch so einiges. Einen schönen Eindruck könnt Ihr mit dieser Hörprobe bekommen.

Drei dieser Hörbücher als Downloads könnt Ihr in unserem heutigen Türchen gewinnen. Der Download hat jeweils einen Wert von 24 €. Wollt Ihr das Hörbuch gern klassisch auf CDs haben, dann könnt Ihr sie für 29 € bei Steffen erwerben.

Um eines der Hörbücher zu gewinnen, schreibe einen Kommentar unter bürgerlichem Namen und gültiger E-Mail-Adresse bis heute um 24 Uhr. Danach verlosen wir sie per Zufallsgenerator unter allen Kommentatoren. Die genauen Gewinnspielregeln findest Du hier. Viel Glück!


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Gift Guide 3Seven New Gifts for Photographers

09 Dec

Gifting time is inching closer and we’ve got another bunch of new products to wrap up in paper and bows.

From the adorablest backup battery to the magical gizmo we used to light paint those floaty words ^^ up there ^^, these gifts are sure to add a little merry and bright to your holidays.

See Photojojo’s Gift Guide #3 of 2014
(…)
Read the rest of Gift Guide 3
Seven New Gifts for Photographers (0 words)


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8. Dezember 2014

09 Dec

Ein Beitrag von: Daniel Book

Ein Weg in den Wald an einer Wiese vorbei


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emerge macht Druck

08 Dec

Es gibt viele Fotografen, die sich über lange Zeit leidenschaftlich einem Thema widmen und auf politische, sozial- oder gesellschaftskritische Art und Weise damit auseinander setzen.

Manch einer dokumentiert gesellschaftliche Randgruppen, ein anderer begleitet eine Zeit lang einen einzelnen besonderen Menschen und zeichnet uns durch seine Bilder ein Portrait der Person, ein dritter zeigt uns das Leben von Menschen in Krisengebieten.

Allen diesen Fotografen ist gemein, dass sie ein Thema gleichermaßen journalistisch und beharrlich verfolgen, um mit ihren Bildern darauf aufmerksam zu machen.

eine exemplarische Doppelseite aus dem ersten emerge Printmagazin

Das Online-Magazin emerge bietet solch engagierten Fotojournalisten seit nunmehr vier Jahren eine Plattform und zeigt immer wieder bewegende Arbeiten junger Bildjournalisten, die mal aufreibend und mal erhellend sind, mal berührend und mal bedenklich.

Des Öfteren schon haben wir Euch in unseren sonntäglichen browserFruits auf solche Bildstrecken aufmerksam gemacht, nicht zuletzt, weil auch uns bei kwerfeldein die Qualität der dort vorgestellten Arbeiten überzeugt und begeistert.

eine exemplarische Doppelseite aus dem ersten emerge Printmagazin

Jetzt wagt emerge den Schritt hin zum Druck. Parallel zu den Online-Bildstrecken, die es auch weiterhin geben wird, soll es von nun an in regelmäßigen Abständen auch ein gedrucktes Magazin geben. „Wir wollen pro Heft ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln und mit unterschiedlichen Stilmitteln darstellen“, so Kevin Mertens, einer der Redakteure von emerge.

Das Thema der ersten Ausgabe ist „Migration“. Durch Interviews, Kolumnen und Artikel wird es aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. „Wir möchten starken Geschichten eine Chance geben, die vielleicht bisher nicht in das Schema der bekannten Magazine gepasst haben“, so Kevin weiter.

eine exemplarische Doppelseite aus dem ersten emerge Printmagazin

Um die Produktion des ersten Heftes zu finanzieren, hat das emerge-Team eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen. Wird die Fundingschwelle von
5.000 € erreicht, ermöglicht das die Herstellung des Magazins im Offsetdruck, mit Fadenbindung, auf hochwertigem Papier und deckt weiterhin die Vertriebskosten.

Wird das Fundingziel von 8.000 Euro erreicht, erhalten auch die Fotografen, Autoren und Grafiker ein Honorar für ihre Arbeit. Ihr könnt das Vorhaben noch bis Sonntag, den 14. Dezember 2014 unterstützen. Als Gegenleistung winken je nach Spendenbeitrag ein Küsschen auf die Wange, ein Exemplar des ersten Heftes, der Bildband emerge 011, signierte Fine-Art-Prints der im Heft publizierten Fotografien, Portfolio Reviews, Workshops und vieles mehr.


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7. Türchen: Polaroid

08 Dec

7. Türchen

Wir hoffen, Ihr habt trotz Besinnlichkeit und dunklen Tagen noch Lust auf Action. Denn in unserem heutigen Türchen liegt etwas kleines Quadratisches mit einem großen Wow-Effekt: Die Actionkamera Polaroid Cube.

Mit ihren Maßen von nur 35 x 35 mm wirkt sie sehr schick, aber bei der Größe kommt man schnell ins Staunen, was diese kleine Kamera alles leistet. Sie zeichnet Videos im HD-Format auf. Man kann zwischen einer Auflösung von 1280 x 720 und 1920 x 1080 Pixeln wählen. Das Weitwinkelobjektiv ermöglicht Aufnahmen mit einer 124°-Rundumsicht. Ebenfalls enthalten ist ein integriertes Mikrofon und ein LED-Licht für den Einsatz bei Dunkelheit.

Polaroid Cube mit Zubehör

Polaroid Cube in rot

Der leistungsfähige Akku ermöglicht Aufnahmen bis zu 90 Minuten. Außerdem kann die Speicherkapazität durch den microSD-Kartenslot auf bis zu 32 Gigabyte erweitert werden. Zur Kamera gibt es viele praktische Accessoires und Zubehör wie etwa den Monkey Stand für wackelfreie Standaufnahmen, Helm- und Fahrradhalter und ein wasserdichtes Gehäuse.

Die Kamera ist in schwarz, rot und blau erhältlich und kostet ohne Zubehör 99 €. Welche Farbe ist Euer Favourit?

Um den Polaroid Cube zu gewinnen, schreibe einen Kommentar mit Deiner Wunschfarbe unter bürgerlichem Namen und gültiger E-Mail-Adresse bis heute um 24 Uhr. Danach verlosen wir ihn per Zufallsgenerator unter allen Kommentatoren. Die genauen Gewinnspielregeln findest Du hier. Viel Glück!


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7. Dezember 2014

07 Dec

Ein Beitrag von: Holunder

Blick in einen langen Raum voller Bücherstapel.


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Die 5 Fotobücher des Monats

07 Dec

Liebe Leute, wir haben uns etwas einfallen lassen. Und zwar werden wir zur Abwechslung ab sofort jeden Sonntag ein Special der besonderen Art publizieren, das nicht so ein Riesengewurschtel Chaos wie die browserFruits darstellt.

Vier Themen werden wir uns annehmen, für Euch das Interessanteste herausfiltern und in kwerfeldein-Manier aufbereiten. Der jeweils erste Sonntag im Monat widmet sich Foto-Bänden, für die ich, Martin, zuständig bin.

Wisst Ihr eigentlich, wie viele Fotobücher jeden Monat erscheinen? Ich jedenfalls habe aufgehört, zu zählen, denn es sind sehr, sehr viele. Da ich selbst leidenschaftlicher Fotoband-Sammler bin und ständig nach Neuerscheinungen auf dem Markt forsche, wird es von meiner Seite einmal im Monat fünf Empfehlungen geben. Heute beginnen wir mit…

 

Cover des Buches Nicholas Nixon: The Brown Sisters

1. Nicholas Nixon: The Brown Sisters*

Im Oktober dieses Jahres machte ein Foto-Projekt im Netz die Runde und weckte die Neugier von Tausenden Menschen. Es handelte sich dabei um vierzig Aufnahmen von vier Schwestern, die nicht direkt nacheinander gemacht wurden, sondern jährlich.

Der Fotograf war Ehemann einer der vier Schwestern und machte aus dem ersten Schnappschuss kurzerhand ein Jahresprojekt, das nach vierzig Jahren nicht zum ersten Mal gekürt wird. Ebenfalls erhältlich ist es in einem Band zum 25.* und zum 33.* Jahresjubiläum.

Das vierzigste Jahr ist für dieses Projekt ein Meilenstein, denn: Die Serie ist noch lange nicht zu Ende. Zu beachten ist jedoch: Wer oben auf die beiden anderen publizierten Bände geklickt und etwas genauer hingesehen hat, wird den Preis nicht übersehen haben. Die Nixon-Bücher haben das Talent zum teuren Sammlerstück und so haben sich heute investierte 25 € (man achte an dieser Stelle auch auf den Verlag: das MoMA) in zwanzig Jahren vielleicht schon vervierfacht.

Informationen zum Buch

Veröffentlichung: 3. November 2014
Gebundene Ausgabe: 96 Seiten
Verlag: Museum of Modern Art
Größe: 1,3 x 29,2 x 24,1 cm
Preis: 25 €

 

Darstellung des Buches Vogue: Das Kleid im offenen Schuber

2. Vogue: Das Kleid*

So manche Leser werden sich fragen, ob es sich bei diesem Buch um Mode oder um Fotografie handelt. Nun, es ist beides. Insgesamt 100 Jahre Modegeschichte verleihen dem Kleid den historischen Kontext, in dem es von diversen Fotografen für die Vogue in Szene gesetzt wurde.

Namen wie der deutschstämmige Horst P. Horst, Cecil Beaton oder Mario Testino werden im Buch nicht nur genannt, sondern ihre fotografische Aufarbeitung des Themas ist Teil des Programms. Die aufwändige Buchgestaltung mit silberner Folienprägung und schwarzem Schuber verleiht dem Buch auch haptisch eine exquisite Note.

Natürlich ist dieses Buch prädestiniert für Portrait-Fotografen und Menschen, die einen persönlichen Bezug zur Mode haben. Denn nur die werden tief in den Gelbeutel greifen – 79 € ist kein Preisknaller, jedoch handelt es sich hier mitnichten um ein schmales Taschenbuch.

Informationen zum Buch

Veröffentlichtung: 10. November 2014
Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: Prestel
Größe: 28,7 x 5,1 x 36,8 cm
Preis: 79 €

 

Cover des Buchs Survey von Stephen Shure

3. Stephen Shore: Survey*

Stephen Shore hat die Farbfotografie beeinflusst wie nur wenige andere. Er war wie William Eggleston einer der ersten, die sich weigerten, das der Kunst verschriebene Schwarzweiß zu benutzen und machte somit den Farbfilm auch außerhalb der Mode- und Werbefotografie salonfähig.

Auch hier im Magazin hielt eine Ikone Shores Einzug: Der rote Bulli. Auch mir hat es der Klassiker „Uncommon Places“ angetan und meine Begeisterung für Shores unaufgeregte Bildästhetik lässt sich kaum in Worte fassen.

„Survey“ vereint mit über 250 Abbildungen die Gesamtkarriere des amerikanischen Fotografen und ist daher vor allem für Neugierige interessant, die sich bisher nicht mit Shore befasst haben. Es befinden sich darin die wichtigsten Werke, die sich über sechs Jahrzehnte von 1960 bis 2014 erstrecken; bisher kaum ausgestellte Monochrom-Arbeiten sind ebenfalls abgebildet. Also auch ein Tipp für Kenner der amerikanischen Nicht-Dramatik.

Informationen zum Buch

Veröffentlichung: November 2014
Verlag: Aperture/Fundación MAPFR
Gebundene Ausgabe: 300 Seiten
Größe: 24,9 x 3,5 x 31,2 cm
Preis: 39,95 €

 

Ausschnitt des Covers von Photographers’ Sketchbooks

4. Photographers’ Sketchbooks*

Willkommen zum hässlichsten Cover eines Fotobuches, das es jemals gegeben hat. Nun, vielleicht nicht das hässlichste, jedoch sollten Betrachter (in diesem Falle) nicht vom Äußeren auf das Innere schließen. Denn das, was das Buch behinhaltet, ist so großartig, dass ich nicht widerstehen konnte, es mir sofort zu kaufen.

Was dieses Buch herausragend macht, ist die Herangehensweise, mit der es sich Zugang zum Allerpersönlichsten verschiedener Künstler verschafft. Nämlich nicht in erster Linie mittels Fotos, sondern Notizenbüchern. Nein, nicht nur Designer haben ständig ein Moleskine zum Kritzeln dabei, auch Fotografen arbeiten damit.

„Photographers’ Sketchbooks“ sind neben Notizen und Zeichnungen von Magnum-Größen wie Peter von Agtmael, Jim Goldberg und Trent Parke auch Vorarbeiten und Geschriebenes von Künstlern wie Michael Wolf, Saul Leiter und Martin Klimas. Vollgekritzelte Kontaktabzüge, in Schreibkladden eingeklebte Fots und Aufnahmen vor dem Shooting machen dieses Buch eine unendliche Inspirationsquelle für Interessierte.

Übrigens ist einer der beiden Autoren des Buches im Netz nicht unbekannt. Es handelt sich um Bryan Formhals, den einige bestimmt von Twitter oder seinem leider nicht mehr aktiven Magazin kennen dürften.

Informationen zum Buch

Veröffentlichung: 13. Oktober 2014
Verlag: Thames & Hudson
Gewicht: 1,9 kg
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Preis: 35,74 €

 

Ausschnitt des Covers vom Bildband Dennis Stock: Time Is On Your Side

5. Dennis Stock: Time Is On Your Side*

Dennis Stock war ein Mitglied der Agentur Magnum Photos — volles Mitglied war er ab 1954 — dessen Name eher selten fiel, obwohl Stock zu den bedeutendsten Fotografen der Nachkriegszeit gehörte. Er fotografierte eines der meistgedruckten Portraits seiner Zeit und jeder wird es kennen: James Dean, mit Kippe im Mundwinkel und durchnässtem Mantel am verregneten Times Square in New York City.

In zahlreichen Publikationen veröffentlichte er neben Hollywood-Schauspielern auch die hohe Riege der Jazz-Musiker, die er fotografiert hat. Heute bekannt ist sein von der Kamera verdecktes Gesicht aus einem Portrait, das Andreas Feininger 1951 von ihm erstellte.

Ende Oktober erschien unter dem Titel „Time Is On Your Side“ ein großer Band mit insgesamt 100 Schwarzweiß-Abbildungen von 1950 bis in die 1970er Jahre im Verlag Prestel. Der Band begleitet eine Ausstellung im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum, die vom 30. Oktober 2014 bis zum 25. Januar 2015 geöffnet ist.

Informationen zum Buch

Veröffentlichung: 27. Oktober 2014
Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
Verlag: Prestel
Größe: 24 x 2,4 x 28 cm
Preis: 45 €

 

Zum Abschluss noch zwei Bücher, die es nicht in die ausführliche Auswahl geschafft haben, aber dennoch sehenswert sind. Zum einen „People Of The 21st Century“*, das sich der Konformität von Kleidungsstilen annimmt und zum anderen wohl der kurioseste Band des Monats, der manchen Lesern Kopfschmerzen bereiten könnte: „Forgotten Brains of the Texas State Mental Hospital“.

Ich hoffe, dass Ihr heute füngdig geworden seid – Fotobände sind übrigens auch ein wunderbares Weihnachtsgeschenk. Falls Ihr Empfehlungen zu Neuerscheinungen auf dem Fotobuch-Markt habt, schreibt mir eine E-Mail. Danke!

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhält kwerfeldein eine kleine Provision, Ihr zahlt aber keinen Cent mehr.


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Wasserwesen

07 Dec

Immer öfter stolpere ich auf Fotoportalen über Frauen im Wasser. Vielleicht kommt es auch nur mir so vor, aber die nasse Schöne wird ein immer beliebteres Motiv. Und obwohl ich mich selbst in der inszenierten Fotografie nicht beheimatet fühle, bewundere ich doch die Spannbreite der Interpretationen. Und ich finde die Thematik aus einem ganz besonderen Grund spannend: Ihrer Rezeptionsgeschichte.

Ich habe mich also aufgemacht, ein bisschen über den Ursprung der Frau im Wasser zu recherchieren und die verschiedenen Erscheinungsformen zu differenzieren. Habe meine alten Unterlagen aus dem Germanistikstudium herausgekramt, denn irgendwann zu Examenszeiten habe ich mal eine wichtige Arbeit über die „Femme fatale“ geschrieben. Aber ich fange lieber vorn an.

Der Ursprung der Wasserwesen liegt bei den Sirenen, die ursprünglich Landwesen waren, in Homers Odyssee aus dem 8. Jahrhundert v.Chr, also ganze 2700 Jahre zurück! Im zwölften Gesang des Epos erfährt der Held Odysseus von der Zauberin Kirke, dass sein Schiff auf dem Heimweg an den Sirenen vorbeifahren wird:

Zu den Sirenen wirst du zuerst gelangen, die all die
Menschen berückend bezaubern, wer irgend hinkommt zu ihnen;
Wer auch immer sich naht, unwissend, und hört der Sirenen
Singenden Laut, dem treten nicht Frau und unermüdliche Kinder,
Wenn er nach Hause kehrt, zur Seite und freuen sich seiner,
Sondern mit hellem Gesang bezaubern ihn die Sirenen,
Sitzend auf einer Wiese; ringsum ein Haufen von Knochen
Von vermodernden Männern, und um sie schrumpfen die Häute.

Antike Vase mit Sirenen-Szene aus der Odyssee

Gewarnt vor dem Gesang der Sirenen verschließen sich die Männer die Ohren mit Wachs und Odysseus lässt sich mutig an den Mast seines Schiffes binden. So entgehen die Heimkehrer der Verführung der Sirenen, die, im Unterschied zu den meisten modernen Darstellungen, tödliche und brutale Wesen waren.

Sucht man in Fotoportalen nach Sirenen-Adaptionen, findet man mit großer Wahrscheinlichkeit sanft im Wasser liegende Mädchen. Überhaupt wird meines Erachtens nach der Fokus auf die zarte Optik der Wasserfrauen gelegt, ich habe nur wenige Beispiele finden können, in denen bewusst eine Anspielung auf den liebreizenden, aber tödlichen Gesang gemacht wird. Dabei ist der eigentliche Kern der Mythe die Stimme, mit der die Sirenen seit jeher die Männerwelt verführen:

Frau mit verstopftem Mund und offenen Haaren.

Foto: Kaia Pieters

Zudem sind die ursprünglichen Sirenen nicht einmal weiblich, sie sind geschlechtlos, manchmal sogar männlich und mit Bart dargestellt. Es sind dämonische Mischwesen, Vögel mit Menschenköpfen und erst in posthomerischen Zeiten haben sie ein estaunliche Transformationsgeschichte durchlebt:

Im 6. Jh. nimmt der Oberkörper Frauengestalt an /…/ und seit klassischer Zeit bis zum Ende des Altertums erscheinen die Sirenen meiste als nackte schöne Frauen, von deren Vogelnatur oft nur wenig mehr als die Flügel und Krallenfüße geblieben sind.1

Diese Darstellung ist in der Fotografie unheimlich selten und ich habe wirklich lange suchen müssen, um eine entsprechende Sirenen-Interpretation zu finden.

Vogel-Mensch-Wesen liegt am Boden

Foto: Diana Dihaze

Der morbide Charakter der Vogelfrauen ist in den Jahren abgestumpft und auch eine weitere optische Veränderungen mussten sie einbüßen: Im Übergang von der antiken zur christlichen Rezeption hat sich der Mythos Sirene in eine fischschwänzige Nixe verwandelt.

Beide Formen – Vogelfrau und Fischfrau – bleiben zu Zeiten des Mittelalters nebeneinander stehen, doch die Fischfrauen gewinnen schon rein ästhetisch schnell die Oberhand. Dies liegt zum einen daran, dass eine Frau mit Fischschwanz ein erotischeres Bild abgibt als eine vogelkrallige Dämonin, zum anderen harmoniert die Fischsirene schlüssiger mit frühchristlichen Meeresmetaphern und antiken Nymphensagen.2

Frauengesicht und Fischkopf gehen ineinander über

Foto: David Martín aka SalaBoli

Ich habe mich hierzu mit zwei Fotografinnen unterhalten, die beide den Sirenen-Stoff fotografisch umgesetzt haben. Dass sie es beide auf so unterschiedliche Weise interpretiert haben, ist nicht nur ihren Fotos abzulesen, sondern auch ein großartiges Beispiel dafür, wie viel Spielraum ein so altes und klassisches Motiv wie die Sirenensage, die Mutter aller Wasserfrauen, bietet.

Ninons Sirene:

Der Startpunkt war für mich ein Zitat von Blaise Pascal: „Ein Nichts vor dem Unendlichen, ein All gegenüber dem Nichts, eine Mitte zwischen Nichts und All.“ Dazu hatte ich mir vorgenommen, ein Foto zu machen. Es sollte ein Unterwasserbild werden und zwar eines, bei dem der ganze Körper zu sehen ist.

Jemand, der vollständig im Wasser versinkt, um niemals wieder aufzutauchen. Wichtig war mir, dass dieses „Jetzt ist es vorbei“-Gefühl eingefangen wird. Hoffnungslos, aber dennoch sicher. Keine Angst, keine Furcht, mehr als würde man einfach einschlafen und leise verschwinden. Ich habe versucht, es genauso umzusetzen, indem ich mich selbst als Modell benutzt habe.

Wir sind zu einem Teich gelaufen, meine Mutter musste den Auslöser drücken, während meine Schwester versucht hat, mich in die richtige Position zu bringen. Die ersten Versuche waren schrecklich, ich habe literweise Wasser verschluckt, aber nachdem ich beiden erklärt habe, wie es genau in meiner Vorstellung aussieht, konnten sie mir auch besser helfen.

Trotzdem war es nicht leicht, alles gleichtzeitig zu beachten: Gesicht über Wasser, den Schal an der richtigen Stelle, die Hände, die Beine … Am Ende habe ich mich für zwei Bilder entschieden. Eines, auf dem der Oberkörper mit der Wasseroberfläche im Gleichgewicht war und eines von meinem Unterkörper, bei dem man meinen Rock auch als Fischflosse deuten könnte. Daraus habe ich in Photoshop das fertige Bild gebaut.

Ich liebe das Ergebnis, allerdings erkannte ich beim Bearbeiten, dass ich mein Ziel, das Zitat umzusetzen, nicht erreicht habe. Stattdessen hat sich eine zweite Inspiration eingeschlichen: Ich war zu der Zeit geradezu besessen von einem Lied namens Sirens Call mit der Textzeile „Die Sirenen rufen mich“ und mir wurde bewusst, dass ich genau diesen Moment geschaffen hatte!

Ich weiß nicht, ob es eine gelungene Interpretation des Motivs ist, weil eigentlich keine Sirene enthalten ist, sie ist quasi implizit. Aber das Bild zeigt die Auswirkung des Sirenenrufs, wie jemand dem Elend nicht entkommen konnte und das liebe ich wirklich an dem Foto.

Frau liegt wie Meerjungfrau im Wasser

Foto: Ninon

Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten, mit dem Stoff in Kontakt zu treten, ob zufällig durch andere Fotografen, im Museum, in der Literatur, im Theater oder wie bei Ninon über Umwege und in der Musik – Inspiration kann man sich überall holen, man muss nur wissen, was man damit anstellen kann. Auch finde ich es spannend, was für Unterschiede es in der optischen Repräsentation der Sirenen gibt, ob klassisch und zeitlos oder modern interpretiert wie von Julia Zhuravskaya:

Ihr müsst wissen, ich studiere in St. Peterburg an der Akademie für Kunst und Theater und wir beschäftigen uns viel mit antiker Literatur. Das Eremitage ist ein großartiges Kunstmuseeum und ich kann mir dort immer und immer wieder die antiken Skulpturen anschauen. Unfassbar schön!

Ich fühle mich seit meiner Kindheit zur griechischen Mythologie hingezogen und die russische Version von Homers Odysee habe ich schon öfter gelesen. Vor allem Odysseus Abenteuer mit den Sirenen haben mich fasziniert, sodass ich mich schon mehrmals mit diesem Thema in meinen Bildern beschäftigt habe.

In diesem speziellen Bild wollte ich mich aber nicht zu tief in die antike Sagenwelt einlassen, mir war es wichtig, dass auch Platz für Ideen aus dem Hier und Jetzt bleiben. Darum habe ich mich entschieden, meine beiden modernen Sirenen in einer typischen Haus-Atmosphäre zu fotografieren. Es hat zwar einen Bezug zur Odysee, das Foto stellt aber eher eine Szene nach dem Ende der Sage dar, nämlich den „Tod der Sirenen“.

Dafür habe ich das Foto sehr ruhig gestaltet, ohne das Singen der Sirenen oder ähnliches, nur einfaches goldenes Make-Up und eine sterbende Frau. Zuerst wollte ich nur mit meiner Freundin Elena arbeiten, aber irgendwie schien mir das zu wenig zu sein.

Dann entsand die Idee, eine zweite Sirene außerhalb des Fensters zu platzieren, sodass jede in einem Rahmen für sich liegt und das Foto in zwei Bereiche geteilt wird. Wir mussten uns beeilen, ein zweites Modell aufzutreiben, denn es war Abend und ich hatte Angst, dass uns das Licht ausgehen würde. Aber glücklicherweise ging alles sehr schnell und nach 15 Minuten kam eine weitere Freundin vorbei und ich konnte endlich meine Szene aufbauen.

Ich schaute durch den Sucher, so lange, bis der Ausschnitt interessant wurde. Genau dann drückte ich den Auslöser. Auch nachträglich habe ich beinahe nichts an dem Bild bearbeitet, nur ein wenig die Farben und Kontraste korrigiert und das Bild war fertig!

Nackte Sirene liegt am Fenster, zweite Frau draußen auf dem Boden

Foto: Julia Zhuravskaya

Es kommt im Laufe vieler Jahrhunderte zu immer mehr Berührungspunkten zwischen Sirenensage und diversen anderen Mythen und Märchen und kein Jahrhundert ist so wasserfrauensüchtig wie das 19. – viele romantische Neuerungen entstehen aus der Vermischungen der Fischfrau mit ihren folkloristischen Schwestern, den Nixen und Melusinen, den Najaden und der Loreley.

Die archetypische Vorstellung von der elementaren Weiblichkeit des Wassers ist Grundlage für die motivgeschichtliche Gemeinsamkeit. Doch der Fokus auf Bedrohung und Erotik weicht einem neuen thematischen Mittelpunkt der Sagen: Der Erlösung. Neben der Melusinensage ist es vor allem die verhängnisvolle Geschichte der Undine, die sich vom dämonischen Verderben abwendet und nach romantischer Vereinigung strebt.

Es gibt zwei besonders schöne Interpretationen des Undinen-Stoffes, der ursprünglich aus dem 12. Jahrhundert stammte, wobei die eine sicherlich einem breiteren Publikum bekannt sein dürfte: „Die kleine Meerjungfrau“ von Hans Christian Andersen. Anders als in der Disney-Version mit Happy End löst sich die kleine Meerjungfrau im Märchen in Schaum auf, da die Vereinigung von Mensch und Wasserwesen scheitert.

Die zweite, etwas unbekanntere Adaption, ist das von Friedrich de la Motte Fouqué 1811 veröffentlichte Kunstmärchen „Undine“. Die Undine ist ein im Wasser lebendes weibliches „Elementarwesen, das dem naturfernen Menschen eine Erweiterung seines eingeengten Seins vermitteln könnte.“3

Allerdings kann sie erst durch die Vermählung mit einem irdischen Mann eine unsterbliche Seele erlangen und somit steht bei ihr – anders als bei den Sirenen – der Aspekt des Wunsches nach Erlösung im Vordergrund. Dennoch küsst Undine ihren treulosen Gatten, nachdem die Bezeihung gescheitert ist, zu Tode und reiht sich damit passend in die Liste der tödlichen Wasserfrauen ein.

Frau schwarzweiß in Badewanne mit Fischen

Foto: Claudia Otto

Claudia Ottos Undine:

Die Undinen-Geschichte interessiert mich wegen ihres märchenhaften, fantastischen Charakters, wird doch die Wassernymphe erst Unsterblichkeit erringen, wenn sie sich mit einem irdischen Mann vermählt. Auch in der slawischen Mythologie gibt es diese Wassergeister, „Russalken“. Hier sind sie, der Sage nach, ertrunkene bzw. vom Wassergeist in sein Reich entführte Jungfrauen.

Vor einigen Jahren hatten wir „Russalka“ von Dvorak auf unserem Theaterspielplan – und die Geschichte ging mir nicht mehr aus dem Kopf! Es geht um Liebe, um Unsterblichkeit, um Lebensebenen, es geht um Verführung und irdisches Vergehen, es geht um den Sog zum Element Wasser und gleichzeitig die Furcht vor den geheimnisvollen, ungebändigten Kräften.

Es gibt ein zweites Kunstwerk, das expressionistische Gedicht „Schöne Jugend“ von Gottfried Benn (1912), das mich fasziniert hat und zu dieser Bildidee trieb:

„Der Mund eines Mädchens, das lange im Schilf gelegen hatte
sah so angeknabbert aus.
Als man die Brust aufbrach
war die Speiseröhre so löcherig.
Schließlich, in einer Laube unter dem Zwerchfell
fand man ein Nest von jungen Ratten.
Ein kleines Schwesterchen lag tot.
Die anderen lebten von Leber und Niere,
tranken das kalte Blut und hatten
hier eine schöne Jugend verlebt.
Und schön und schnell kam auch ihr Tod:
Man warf sie allesamt ins Wasser.
Ach, wie die kleinen Schnauzen quietschen!“

Die Idee der Umsetzung meiner Bildidee kam mir im Sommer, als ich sinnend durch nordische Landschaft fuhr, die Horizonte weit, alles lag klar vor mir – ich wusste auf einmal, was ich für Requisiten brauchte und wie das Bild detailliert aussehen sollte. Ich besorgte extrem glatte, transparente Folie und Blinkerfische, denen ich die Haken abknipsen musste.

Nun galt es, genau dieses Bild mit einem meiner Lieblingsmodelle, Oerni umzusetzen. Die Folie wurde beim Shooting 10 cm über der Wasseroberfläche der gefüllten Badewanne verklebt und mein Modell musste unter Wasser und Folie kriechen. Eine schwierige Aufgabe und nichts für Menschen mit Platzangst!

Ich stellte mich mit beiden Füßen rechts und links auf den Badewannenrand, fixierte, wegen mangelnden Lichtes, meine Ellenbogen am Körper und fotografierte von oben das im Wasser liegende Modell. Die Aufnahme habe ich mit meiner Canon 5D Mark II gemacht (24 mm, f/2.8, 1/15 s, ISO 800).

Oerni ist erfahren und mutig, somit brauchten wir nicht viele Versuche, um das Bild im Kasten zu haben. In der Nachbearbeitung habe ich dann das Bild ins Quadrat geschnitten, mit Photoshop die Schwarzweiß-Umwandlung gemacht, außerdem eine Spreizung der Gradiationskurve und etwas Kontrasterhöhung. Wichtig war mir ein Schwebezustand zwischen laszivem und morbidem Ausdruck und ich denke, das kommt irgendwie rüber.

Schwarzweißportrait einer erschrockenen Frau

Foto: Claudia Otto

Interessanterweise rückt zunehmend die Liebe in den Mittelpunkt. Waren es bei den Sirenen noch dämoische Erotik und Verhängnis, kommt es im Laufe der Zeit im literarischen Diskurs vermehrt zu Liebe und Begehren der Wasserfrauen, Liebesverrat und melancholischen Liebschaften.

Das bekannteste Beispiel für verschmähte Liebe und den unfreiwilligen Liebestod ist in diesem Zusammenhang die Geschichte der Ophelia. In ihr wechselt sich zu guter Letzt auch die Opferseite. Waren es zuvor stets die Männer, die den Wasserfrauen erliegen mussten, ist Ophelia diejenige, die mit dem Leben zu zahlen hat und wählt in Shakespeares „Hamlet“ einen tragischen Freitod im Wasser.

Ophelia ist vielleicht gerade durch ihre Traurigkeit und den stillen, sanften Tod im Blumensee ein beliebtes Motiv. Gerade in den Malerei wurde ihre Sterbeszene oft adaptiert und auch wenn ich mich in Fotoforen umsehe, finden sich zahllose Beispiele für die Interpretation der Geschichte Ophelias.

Mädchen in dunklem Laub

Foto: Chantal Korthout

Chantal Korthouts Ophelia:

Vor einiger Zeit habe ich angefangen, durch Glasscheiben zu fotografieren, auf die ich transparente Folien geklebt hatte. Das führt dazu, dass das Motiv, das nahe an der Scheibe ist, im Fokus liegt und alle weiter wegstehenden Objekte oder Hintergründe verschwommen und weich werden.

Da ich die Folie etwas unpräzise auf die Scheibe geklebt hatte, entstanden Blasen unter dem Plastik. So entstand der Eindruck einer Unterwasserwelt und erst dadurch bin ich darauf gekommen, das Opheliamotiv umzusetzen.

Ich kenn das Gemälde von John Everett Millais, auf dem Ophelia im Wasser treibt, mit ihrem wunderschönen Kleid und Blumen in der Hand. Ich habe auch Hamlet gelesen und erkannt, das Ophelia ein sehr passives Mädchen war, das meistens gemacht hat, was ihr befohlen wurde.

Sie ist wahnsinnig geworden, als ihr Vater von ihrem Liebhaber ermordet wurde und als sie dann aus Versehen in den Strom gefallen ist, hat sie sich einfach nicht gewehrt und ist ertrunken. In meinen Bildern wollte ich genau dieses Gefühl vermitteln, diese Melancholie, den Schmerz und auch dieses Aufgeben und die Hingabe an das Wasser.

Es ging mir darum, manchmal nur ein Gesicht zu zeigen, manchmal nur eine Hand, aus der eine Blume hinweggespült wird. Ich habe für das Shooting hausptsächlich Blumen, Äste und Blätter benutzt, die ich in meinem Garten oder im Park gefunden habe. Es durfte für mich ruhig einfach gehalten sein, quasi als Gegenentwurf zu Millais oder der Malerei von John William Waterhouse.

Am Ende sind es Selbstportraits geworden und so konnte ich während der Aufnahme über die Emotionen und Ausdrücke nachdenken, die ich transportieren wollte und auch über Komposition und Licht. Am Ende habe ich lediglich noch die Bilder in Schwarzweiß- oder Sepiatöne konvertiert. Die Serie ist für mich immer noch ein fortlaufendes Projekt.

Mädchen mit kleinen Ranken und Blättern vorm Gesicht

Foto: Chantal Korthout

Es ist erstaunlich, wie sich im Laufe der letzten 2700 Jahre das Bild der Sirene gewandelt hat, wie es mit Sagen rund um Meerjungfrauen und Nixen verschmolzen ist und die tödliche Vogelfrau zu einem erotischen, aber schwachen Wassermädchen geworden ist. Der Wandel vom negativ-zerstörerischen zum positiv-romantischen Bild der Wasserfrauen ist ein großartiges Beispiel für den Perspektivwechsel, den ein klassisches Motiv im Laufe seiner Jahre durchleben kann.

Ophelia mit schmutzigen Händen liegt im Wasser

Foto: Marta Bevacqua

Ophelia liegt seitlich im Wasser

Foto: Marta Bevacqua

Ich hoffe, ich konnte Euch durch diese kleine Zeitreise die Verwandlung des literarischen Motivs, ihre vielen unterschiedlichen Verwandschaftsgrade, Ähnlichkeiten und Unterschiede näher bringen und meine Faszination darüber ein bisschen teilen.

Vor allem in der Motivwahl vieler Fotografen werden die Begrifflichkeiten etwas unsauber voneinander getrennt, was im Grunde auch völlig in Ordnung ist, da es ja meistens nicht um Illustrierungen der antiken Sage geht, sondern um eine eigene Interpretation der Verbindung von Mensch und Wasser. Darum tauchen Sirenen-Mädchen, im See treibende Ophelias und im feuchten Nass planschende Meerjungfrauen auch bunt gemischt und nebeneinander in diversen Communities auf.

1 M. Moog-Grünewald: Mythenrezeption, 2008, S.655
2 M. Moog-Grünewald: Mythenrezeption, 2008, vgl. S. 658
3 A. und W. Rinsum: Lexikon Literarischer Gestalten II, 1990, S.603

Das Titelbild stammt von Imustbedead.


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6. Türchen: If you leave

07 Dec

6. Türchen

„If You Leave“ wurde 2009 gegründet und hat es sich zur Aufgabe gemacht, jungen, zeitgenössischen Fotografen eine Stimme zu geben. Seitdem sind vier wunderschöne kleine Bildbände entstanden. Über 700 Fotografen aus 44 Ländern wurden bereits vorgestellt.

Es sind Bilder voller Sehnsucht und Melancholie, Roadtripaufnahmen, mysteriöse Portraits und surreale Landschaften. Auf jedem der Bände steht in krakeliger Handschrift „If you leave“, danach folgen im Buch ein kurzes Inhaltsverzeichnis und rund 100 Aufnahmen je mit Hinweis auf den Fotografen und das Herkunftsland.

Erste Seite der Bände If you leave

If you leave

Einen schönen Einblick in die Art der Fotos bekommt man auf der Webseite. Hier werden die Fotografen online präsentiert und man kann die Bücher kaufen. Jeder Band kostet umgerechnet etwa 15,80 €.

Um möglichst vielen Lesern eine Chance zu geben, bei unserem Adventskalender zu gewinnen, verlosen wir die vier Ausgaben, die wir zur Verfügung gestellt bekommen haben, einzeln. So können sich gleich vier von Euch hoffentlich bald freuen.

Um eine der vier Ausgaben zu gewinnen, schreibe einen Kommentar mit Deiner Wunschausgabe unter bürgerlichem Namen und gültiger E-Mail-Adresse bis heute um 24 Uhr. Danach verlosen wir sie per Zufallsgenerator unter allen Kommentatoren. Die genauen Gewinnspielregeln findest Du hier. Viel Glück!


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