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Was wäre, wenn wir die Welt verändern?

12 Aug

Ein Beitrag von: Elizabeth Haust

Ich studiere, um Emotionen und Gefühle zu reproduzieren, um mit Symbolen zu arbeiten. Das Wichtigste ist für mich Durst. Ich studiere einfach nur, aber ich strebe danach, Ideen und Gefühle durch visuelle Kunst zu zeigen.

Die meisten meiner Modelle sind meine Freunde. Manchmal reicht es schon aus, Sorgen in einer Person zu sehen, ein anderes Mal erschaffen wir aus Spaß eine neue Welt. Ich mache Fotos mit digitalen oder auch analogen Kameras, nur selten nutze ich dafür mein Mobiltelefon.

Wenn man so will, besteht meine Nachbearbeitung in Handarbeit. Ich bearbeite meine Bilder mit Bleistiften, Markern, Acrylfarben, Wasserfarben und allen, was ich so zur Verfügung habe, wie etwa Blut, Milch, Kaffee, Erde, Wein. – Ist das nicht eine entzückende Liste? Aber wenn es um Photoshop geht, bin ich ein ziemlicher Idiot.

Ich versuche nicht, die Welt zu verändern, aber was wäre, wenn wir es einfach versuchen würde? Ich möchte, dass Menschen Menschen werden. Ich möchte, dass die Leute Nationen und Unterschiede vergessen, sie an die Vermessenheit des Babylonischen Turmes erinnert werden. Ich möchte, dass sie ihren Durst wiederfinden und laut ihre Gefühle unter Postulaten über Ehre, Moral, Wahrheit, dem Guten und Vertrauen herausschreien, die heutzutage vollkommen vergessen sind.

Eine Frau in roter Jacke vor blauer Wand mit blutender Nase.

Eine Frau, nur mit Unterhose bekleidet, hockt auf dem Rücken eines Mannes auf einem Bett.

Eine Frau mit vielen Pflastern auf der Haut.

Eine Frau liegt auf dem Boden und hält sich einen Gewehrlauf unters Kinn.

Eine Frau, gekleidet in ein Wolfskostüm.

Eine Frau, gekleidet in ein Wolfskostüm.

Eine Frau vor einem Wasserfall.

Eine Frau liegt auf nassen Steinen.

Eine Frau liegt auf nassen Steinen in der Brandung.

Eine Frau zwischen großen Steinen.

Eine Frau liegt im Bett und raucht.

Eine Frau liegt auf einem kaputten Bett.

Eine Frau sitzt auf einem Bett, ein Mann kommt auf sie zugelaufen.

Ein Mann wirbelt wütend einen Fenstervorhang auf.

Eine Frau mit erhobenen Armen vor einem vorbeifahrenden Zug.

Mehrfachbelichtung: Eine Frau in einem Federkostüm.

Eine Frau in einem Federkostüm.

Eine Person mit Hasenohren und abstrakten Bildstörungen.

Eine Frau hat ein fliegendes Tuch über dem Kopf und wirbelt herum.

Ein Kind blickt eindringlich durch Tuchstoff.

Ich möchte, dass die Leute über ihre Komfortzonen hinausgehen, in eine Region, in der visuelle Inhalte nicht nur aus Kätzchen, Blumen und Essen bestehen, sondern etwas mehr, selbst wenn es einen ängstigt und mehr auslöst als nur Speichelfluss.

Ich möchte, dass die Menschen Gott finden – nicht in religiösen Institutionen, sondern in ihren Herzen. Sie sollen sich nicht auf falsche Propheten, politische Manipulationen und Propaganda verlassen. Als würden sie die Zeit anhalten, realisieren und aufmerksam werden.

Ich möchte aufbegehren und ich denke, dass jeder, der kreieren möchte, realisieren sollte, dass seine Kreation nicht nur ein Punkt sein sollte, sondern ein ganzes Wort, ein Wort, dass er oder sie wirklich fühlt. Ich nehme an, dass ein Künstler eher erzählen als auf leere Wände zeigen sollte.

Das einzige, was ein Mensch tun kann, ist Selbstentwicklung und Kunst und es spielt keine Rolle, in welchem Bereich er es tut, ob in der Kunst, der Fotografie, dem Kino, dem geschriebenen Wort oder einfach zuhause auf dem Sofa. Ich möchte wirklich lernen, zu sprechen und wir werden sehen, wie das sein wird.

PS: Ich würde all das nicht ohne meine Großmutter, meinen Großvater, meine Mutter, meinen Vater und meine ganze Familie tun. Ich weiß, das hier ist keine Oscarverleihungsrede, aber es würde ihnen gefallen und mir ist es sehr wichtig, das zu betonen.

Dieser Artikel wurde von Aileen Wessely für Euch aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
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Wenn Liebe zur Musik sichtbar wird

18 Apr

Ein Beitrag von: Grit Siwonia

Es ist für mich besonders, Musiker zu fotografieren. Meine Liebe zur Musik war vor der Liebe zu den Bildern da. Vielleicht musste ich Elif treffen. Ich mochte ihre Stimme schon sehr lang. Wir trafen uns – erst ohne Kamera. Erzählten und lachten und liefen durch die Straßen. Ich wollte sie genauso fotografieren, wie sie singt. Mit Melancholie und Leichtigkeit zugleich.

An einem warmen Oktobersonntag trafen wir uns bei ihr daheim. Wie immer hatte ich vorher keine Idee von dem, was ich wirklich machen würde. Ich kannte nur die Grundstimmung der Bilder. Wir tranken Tee und hörten Olafur Arnalds. Da war sie wieder – die Melancholie.

In meiner Idealvorstellung vom Fotografieren nimmt man mich nicht wahr. Manchmal wünsche ich mir eine Kamera, die von den Menschen, die ich fotografiere, nicht gesehen werden kann. Dann könnten wir reden und lachen und tanzen und weinen und alle Bilder wären echt. Vielleicht fotografiere ich deshalb gern durch Scheiben. Weil es ein bisschen wie unsichtbar sein ist.

© Grit Siwonia

© Grit Siwonia

© Grit Siwonia

© Grit Siwonia

© Grit Siwonia

© Grit Siwonia

© Grit Siwonia

© Grit Siwonia

Wie so häufig entstehen die besten Bilder am Schluss. Es wurde ganz, ganz langsam dunkel. Wir kletterten auf ein Berliner Dach. Schornsteine, Krane, ein Stück näher am Himmel. Elif tanzte – im Wind, mit dem Wind. Anmutig und ein bisschen traurig zugleich. Und ich wusste schon beim Auslösen, dass ich diese Bilder lieben würde – weil sie das sind, was ich fühle.

Ich bin wieder und wieder dankbar für das Vertrauen der Menschen vor meiner Kamera. Und ich bin dankbar für die Momente, die wir teilen dürfen. Und die man sich ins Gedächtnis rufen kann, wenn man die Bilder anschaut – und dazu Olafur Arnalds hört.

Ich werde nicht vergessen, wie es sich anfühlt, auf einem Berliner Dach zu stehen und genau so frei zu sein wie der Vogelschwarm über einem.

Danke, Elif.


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Wenn ich meine Augen schließe

15 Nov

Ein Beitrag von: Teresa Schreibweis Torrents

… ganz still bin, in mich hineinhöre und versuche, mich zu erinnern, dann erscheint es mir, ich blättere in meinem Gedächtnis, als sei es ein Buch. Eines dieser alten, in Leder gebundenen Werke, die nach Staub, Regen und Sonnenlicht riechen und die durch so viele Menschenhände gewandert sind.

Eines, das zwar gebraucht und abgewetzt ist, vielleicht schon beginnt, auseinanderzufallen, aber das so reich ist an Worten wie kein anderes, das aus allen Nähten platzt vor Erinnerungen. Dieses Buch ist wie mein eigenes Spiegelbild. Und doch sind es nicht die Worte, die letztendlich für mich sinngebend sind, sondern viel mehr das Sich-dabei-Erinnern.

© Teresa Schreibweis Torrents

Die Bilder, die plötzlich vor dem inneren Auge auftauchen, während Du Seite für Seite durch Deine Finger gleiten lässt. Ein Schmunzeln wird sich in Dein Gesicht stehlen, ohne dass Du recht weißt, warum. Bild um Bild wird zu einem Ganzen, als hätten sie nur darauf gewartet, dass Du die einzelnen Teile wieder zusammenfügst.

Begriffe wie Zeit und Ort erscheinen Dir dabei so verschwommen wie unwichtig. Zu viel Information hat sich über die Jahre in Deinem Gedächtnis festgesetzt, als dass Du Dich an solche Dinge zu erinnern vermagst, zumal Zeit und Ort in der Erinnerung eine nur sehr kleine Rolle spielen.

Es ist etwas ganz anderes, was Dein Unterbewusstsein als erinnernswert empfindet und ein Bild davon abspeichert. Es sind Dinge, die Du im eigentlichen Moment vielleicht gar nicht bewusst in Dir aufgenommen hast, die aber gerade deshalb so unwiderruflich ein Teil Deiner Selbst geworden sind.

Andreas © Teresa Schreibweis Torrents

Und während sich die Bilder nun zusammenfügen, wirst Du erkennen, dass sich aus dem Nebel heraus Augen formen. Wunderschöne, strahlende Augen, die Dich so sehr zu fesseln vermögen, wie an dem Tag, an dem Du ihnen begegnet bist. Und wie damals werden sie Dir immer noch etwas melancholisch erscheinen, aufmerksam und beobachtend, sanft und warm, aber gleichzeitig wachsam und misstrauisch und wie damals wirst Du Dich auch jetzt noch in ihrer Tiefe verlieren. Wie von selbst werden Nase und Mund, Wangen, Stirn und Kinn entstehen.

Isa © Teresa Schreibweis Torrents

Es heißt, wenn Zeit vergeht, erinnert man sich nur noch an die schönen Details. Aber ist es nicht viel mehr so, dass man sich mit der Zeit einfach traut, zu erkennen, dass Hässliches oft bloß als Synonym für Markantes benutzt wird? Und dass es gerade diese Unregelmäßigkeiten sind, die eine Person zu einem Individuum, zu etwas Besonderem machen?

So formt Deine Erinnerung ein Bild nach dem anderen, von Menschen, denen Du begegnet bist in Deinem Leben. Die Dich geprägt haben auf ihre besondere Weise, sei es für bloß einen kurzen Augenblick oder eine halbe Ewigkeit. In Deinem Gedächtnis entstehen dabei keine perfekten Bilder der Symmetrie oder Ebenmäßigkeit. Ganz im Gegenteil. Das Wort Schönheit erscheint Dir plötzlich als so entsetzlich ungenau und unzureichend, um damit einen Menschen in seiner Ganzheit erfassen und zu beschreiben vermögen.

Jens © Teresa Schreibweis Torrents

Meine Fotografie beobachtet still und aufmerksam. Sieht den Menschen in all seinen Facetten, ob analog oder digital, in seinen schillerndsten Farben oder in seinen düstersten Grautönen.

Man hat schon oft Fotografien als den Versuch beschrieben, Erinnerung festzuhalten. Wenn ich nun meine Fotografien betrachte, in den Gesichtern dieser Menschen lese, mich von ihnen mitnehmen lasse auf ihrer Reise, ob sie nun traurig sind, glücklich lächeln, verschlossen oder offen sind, so ist es sicherlich auch ein Versuch, Momente für immer festzuhalten.

Erinnerung zu schaffen aus Angst oder aus der Überzeugung heraus, dass sie vergehen werden. Doch das ist nur ein Aspekt und erklärt noch nicht, warum gerade Menschen mich so sehr in ihren Bann ziehen.

Meine Fotografie entsteht aus dem Bedürfnis heraus, den Menschen als etwas wundervoll Vielschichtiges zu beschreiben. Auf diese Weise versuche ich, ihren Charakter und ihre Geschichte auszudrücken und forme letztendlich so auch meine Erinnerung, mein Gedächtnis. Denn ihre Geschichte ist schließlich auch meine Geschichte, ein Teil meiner Selbst.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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