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Posts Tagged ‘Welt’

Ein Projekt geht um die Welt

12 Apr

Es war bestimmt ein lauer Frühlingstag irgendwann im März 2013, als Penny Felts, die ihre Sofortkamera über alles liebte und auch überall mit hin nahm, plötzlich bemerkte, dass ihr die Ideen ausgingen.

Zum Glück hatte sie sich mit der Zeit ein großes Netzwerk an Fotografen aufgebaut, die ebenfalls wie sie ihre Sofortfilm-Kameras nicht nur als Objekte sahen, sondern auch als eine Sache, der eine Prise Magie anhaftete, wann immer man sie auf sich oder andere hielt.

Warum sollte man sich also nicht zusammen tun und gemeinsam an einem Projekt arbeiten? Immer allein der Magie hinterherjagen, das hatte sie ja nun gesehen, bringt einen manchmal auch an die Grenze seiner Kreativität.

Surrealism, Sunny Side Up © Penny FeltsSilence, The Great Divide © Rhiannon Adam

Transition, The Passage © Amanda Mason

Sie lud elf Frauen aus der ganzen Welt ein, mit ihr gemeinsam eine Reise zu wagen. Bis zu diesem Zeitpunkt war jedoch noch nicht klar ausdefiniert, wie und wohin die Reise überhaupt gehen sollte, aber alle waren sich einig, sie gemeinsam anzugehen.

Sie entschieden, dass die Reise genau zwölf Monate andauern und jeder Monat unter einem eigenen Thema stehen sollte. Jeder durfte sich ein Thema aussuchen und so war jeder Monat mit je einem Thema bestückt, über das sich jeder Gedanken machen musste, um am Ende ein Bild abzuliefern.

Stranger, No One Remembers Your Name when you’re Strange © Marion Lanciaux

Light, Colors of light © Sarah Seené

Als erstes begann Penny Felts, in Tennessee beheimatet, selbst. Sie gab ihrem Monat das Thema „Surrealismus“ und musste den Monat damit also selbst beginnen. Danach durften die anderen elf ihre Interpretation des Themas erarbeiten und zeigen.

Anschließend folgten die anderen mit den Themen: Silence, Transition, Stranger und Light in den Sommermonaten. Im Herbst kamen die Themen Mystery, Reflection und Hysteria hinzu. Den Winter füllten die Themen Bloom und Childhood. Und der letzte Monat der Reise stand unter dem Titel Connection.

Mystery, the enigma of pluto and charon© Maritza de la Vega

Natürlich ist diese Art von Projekt keine neue Erfindung, aber erschwerend kam hier das Verfahren hinzu. Sofortbildfilme sind teuer und möchte man sich nicht nur auf der sowieso schon künstlerisch wirkenden Erscheinung von Sofortbildfilmen ausruhen, musste man erfinderisch sein. Eine digitale Bearbeitung war nämlich nicht erlaubt.

Und so ist es mitunter recht erstaunlich, welche Lösungswege die Teilnehmerinnen gingen, um das jeweilige Thema umzusetzen.

Zu erwähnen wäre hier die Umsetzung des Themas Surrealismus von Penny Felts, die ein Paar zeigt, über dem große Hände gerade dabei sind, das Innere eines rohen Eis auf die Erde klatschen zu lassen. Der Humor und die Mehrdeutigkeit, die dieses Bild mit sich bringen, machen mich doch erheblich staunen. Auch sehr spannend finde ich das Bild von Rachael Baez und ihre Umsetzung des Themas „Bloom“.

Es wurden also alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die ohne eine digitale Bearbeitung möglich sind. Es wurde geklebt, gebastelt, doppelt belichtet oder aufeinander gelegt. Also alles rein analoge Manipulationen.

Secret, Inside © Emilie Trouillet

Im Mai 2013 unterstützte dann auch das Impossible Project diese Arbeit und spendete jeder Teilnehmerin einen Gutschein für Sofortbildfilme, womit zumindest das leidliche Thema der Kosten teilweise geklärt war und sich die Protagonisten auf ihr Thema und dessen Umsetzung konzentrieren konnten.

Das Projekt gewann an Fahrt und im Blog von Impossible wurden die Teilnehmerinnen in gleich mehreren Artikeln vorgestellt.

Mit dabei ist übrigens auch Agafia Polynchuk, die uns hier bei Kwerfeldein schon einmal einen Blick in ihre Welt gewährt hat und beim Projekt den vorletzten Monat mit dem von ihr gewählten Thema „Childhood“ begann.

Reflection, Reflect © Kat WhiteHysteria, Hysterical Paroxysm - A crack through which evil departs the soul © Carmen De Vos

Bloom, Florescence © Rachael Baez

Nun ist seit der Idee ein Jahr vergangen. Es war wohl ein Jahr voller Hochs und Tiefs, zwischen grübeln und verstehen. Eben all das, was einen umtreibt, wenn man gemeinsam an einer Sache arbeitet. Penny Felts antworte mir auf die Frage, wie es ihr jetzt nach einem Jahr geht und ob sie ihr Ideentief nun überwunden hat, folgendes:

Gewissermaßen war ich traurig darüber, dass das Projekt nun endet und denke darüber nach, zu fragen, ob jemand von dem Mädchen sich an einem zweiten Jahr versuchen möchte. Ich habe es sehr genossen und jeden Monat mit Spannung das neue Thema erwartet.

Einige davon waren sehr schwer für mich und ich habe gemerkt, dass ich bei einigen nicht das Bild zustande gebracht habe, das ich wollte; aber ja, das Projekt hat mir alles gegeben, was ich an Hoffnungen hineingesetzt hatte.

Jeden Monat war ich aufs Neue kreativ gefordert, was wiederum meine anderen fotografischen Projekte verbessert hat. Und zusätzlich hatte ich das Vergnügen, mit all den anderen fantastischen Frauen in dieser Gruppe arbeiten zu können.

Childhood, In my magical Universe © Agafia PolynchukConnection, only connect © Emilie Lefellic

Als krönenden Abschluss wird es zwei Ausstellungen geben: Die erste findet in Paris vom 17. Mai bis 12. Juni 2014 im EN FACE, in der 8 rue Gambey, 75011 statt und die zweite in Berlin vom 15. Juli bis 14. Setpember 2014 im INSTANTLAND (Sofortbildshop), Mulackstrasse 22, 10119.

Wer weder nach Paris noch nach Berlin kommen kann, sollte unbedingt einen Blick auf den Blog des 12.12 Projekts wagen, auf dem alle Bilder zu sehen sind. Außerdem gibt es auch eine Facebookseite, um nichts mehr zu verpassen.

Ich danke Rhiannon Adam, Rachael Baez, Penny Felts, Maritza de la Vega, Carmen De Vos, Marion Lanciaux, Emilie Lefellic, Amanda Mason, Agafia Polynchuk, Sarah Seené, Emilie Trouillet und Kat White für die außergewöhnlichen Arbeiten und fürs Zeigen und Vorstellen dürfen.


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Die ungewöhnliche Welt vor meiner Haustür

05 Mar

Ein Beitrag von: Moritz Aust

Viele Menschen glauben, dass die Kamera das Bild macht. Das stimmt in gewisser Hinsicht auch, doch bei genauerem Überlegen fällt auf, dass der Verstand das Bild erschafft. Unsere Vorstellungskraft und unsere Kreativität lassen uns diese unwirklichen, faszinierenden Orte und Situationen kreieren.

Die Bilder zu dieser Serie sind durch den Wunsch entstanden, sich aus dem Alltag loszureißen und in eine Traumwelt einzutauchen. Die Fotografie erlaubt es mir, diesen Wunsch mit wenigen Mitteln zu erfüllen.

young visions © Moritz Aust

Ich entdeckte meine Leidenschaft für die Erschaffung dieser surrealer Bilder kurze Zeit nachdem ich begonnen hatte, mich genauer mit der Fotografie auseinanderzusetzen. Mich faszinierte es, zu sehen, dass man mit einer Idee, seiner Vorstellungskraft, einer Kamera und Nachbearbeitung solche Orte direkt vor seiner Haustür einfangen konnte.

sleeping farmer © Moritz Aust

Ich erforschte meine Umwelt, die plötzlich viel spannender wirkte und kreierte immer mehr dieser surrealen Bilder. Bald bemerkte ich, dass die Fotos, die ich aufnahm, etwas gemeinsam hatten: Sie spiegelten alle diese verdrehte, unwirkliche Welt wider. Deshalb beschloss ich, aus diesen Bildern eine Serie mit dem Titel „Nightmares & Fairytales“ zu erstellen.

Door In The Woods © Moritz Aust

Das Merkmal der Bilder dieser Serie sollte sein, dass sie irgendwie ungewöhnlich sind. Woher die Inspiration der Fotos kam, kann ich selbst nicht genau sagen, doch ich bin mir sicher, dass sie ihre Quellen hat. Nach meinen Erfahrungen ist es meist eine Mischung aus Gefühlen, Erlebnissen, dem Treffen von spannenden Personen und dem persönlichen Umfeld.

wrong world © Moritz Aust

Zu sehen, wie sich eine Szene, die anfangs noch schlicht und normal, aber trotzdem einzigartig wirkte, in einem neuen Gewand zeigt, fasziniert mich immer noch. Dieses Gefühl ermutigt mich, immer tiefer in meinen eigenen Verstand zu blicken und nach der nächsten Idee zu suchen.


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Die erste Fotografie der Welt

11 Jan

Habt Ihr Euch schon einmal gefragt, wie wohl die erste Fotografie der Welt aussah? Was sie zeigte und wer dabei hinter der Kamera stand? Dieser spannenden Frage bin ich nachgegangen, musste jedoch feststellen, dass die Antwort darauf gar nicht so einfach ist.

Die wahrscheinlich erste dauerhafte, bis heute erhaltene Fotografie zeigt den Blick aus einem Arbeitszimmer in Le Gras. Aufgenommen wurde sie von Joseph Nicéphore Niépce 1826/1827. Er arbeitete zusammen mit Louis-Jacques-Mandé Daguerre an einem Verfahren, die Bilder der Camera obscura für die Ewigkeit festzuhalten.

Niépce verstarb jedoch bereits 1833, weshalb das gemeinsam entwickelte und von Daguerre verbesserte Verfahren „Daguerreotypie“ getauft wurde. Daguerre stellte es am 19. August 1839 der Öffentlichkeit vor – offiziell die Geburtsstunde der Fotografie.

©  Joseph Nicéphore Niépce, 1826

Aber Moment mal! Der „Blick aus dem Arbeitszimmer“ entstand bereits 1826 oder 1827. Dass das genaue Datum nicht feststeht, zeigt vielleicht auch, dass die beiden Erfinder ihr Resultat noch nicht so beeindruckend fanden. Und sieht man sich das Bild an, dann erkennt man zugegebenermaßen auch recht wenig darauf.

Links das geöffnete Fenster, daneben das Taubenhaus, dahinter ein Baum. In der Mitte des Bildes das Dach und ganz rechts der Kamin. Aufgenommen wurde das Bild auf einer Zinnplatte von 20 × 25 cm Größe, die vor der Belichtung mit in Lavendelöl gelöstem Naturasphalt bestrichen wurde. Nach der etwa achtstündigen Belichtungszeit wurde die Platte mit Lavendelöl und Petroleum gewaschen und das Foto fixiert.

Zinnplatte mit erster dauerhafter Fotografie der Welt

Vielleicht hattet Ihr ja das Glück, die Platte in Mannheim anlässlich der Ausstellung „Die Geburtsstunde der Fotografie“ zu sehen? Wenn nicht, müsst Ihr nun nach Austin in Texas reisen. Wegen der hohen Empfindlichkeit wird sie dort in einer Box mit sauerstofffreiem Gas ausgestellt.

Aber natürlich gab es bereits vor diesem Bild viele Versuche, die Zeit einzufrieren und damit viele Fotografien, die wir nie zu sehen bekommen werden, da sie nur kürzeste Zeit existierten. Oder einfach Bilder, die lange unentdeckt blieben, wie dieses Blatt, das Thomas Wedgwood zugeschrieben wird.

© Thomas Wedgwood

Ihm gelang es bereits um 1800, Silhouetten durch Einwirkung von Licht auf Silbernitrat herzustellen. Sein eigentliches Ziel, die Bilder der Camera obscura festzuhalten, erreichte er jedoch nicht, da ihm die Bilder zu schwach schienen, um mit dem Silbernitrat wirken zu können. Hätte er sie ebenfalls wie Niépce acht Stunden lang belichtet, hätte es wahrscheinlich bereits 1800 die erste Fotografie mit Hilfe der Camera obscura gegeben.

Schon Johann Heinrich Schulze (1687 – 1744) entdeckte, das die Schwärzung von Silbernitrat durch Licht hervorgerufen wird. Und geht man noch weiter zurück, lassen sich die Anfänge der fotografischen Verfahren bis in die Antike zurückverfolgen. So findet man sogar bei Aristoteles Notizen zur Camera obscura.

Unter diesem Gesichtspunkt wird deutlich, dass es die erste Fotografie so nicht geben kann. Aber es ist spannend, den Weg ihrer Entdeckung zu verfolgen und diese frühen Bilder zu sehen.

Eines der ersten Selbstportraits dürfte von Robert Cornelius stammen, der sich sicher war, das sein Selbstportrait die erste Fotografie überhaupt war. So schrieb er auf die Rückseite: „The first light picture ever taken. 1839.“ Er lag mit seiner Annahme falsch, hielt sich so aber für die Ewigkeit fest.

© Robert Cornelius

Das älteste bekannte Bild, auf dem Menschen zu sehen sind, stammt von Louis-Jacques-Mandé Daguerre und ist ebenfals ein aus einem Fenster heraus aufgenommenes Bild. Entstanden ist die Aufnahme am 7. Januar 1839 und zeigt den Blick auf den Boulevard du Temple in Paris.

Links unten im Bild sieht man einen Schuhputzer mit Kunden, die wahrscheinlich bewusst plaziert wurden. Die sonst sehr lebendige Straße scheint durch die lange Belichtungszeit sonst vollkommen leer.

Boulevard du Temple ©  Louis-Jacques-Mandé Daguerre

Quellen:
• www.hrc.utexas.edu [Stand: 28.12.2013]
• www.uni-kiel.de [Stand: 28.12.2013]
• Stiegler, Bernd / Thürlemann, Felix: Meisterwerke der Fotografie. Stuttgart 2011.


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Die Welt in Händen

03 Jan

Ein Beitrag von: Xin Li

Ich war sehr jung, als ich die Fotografie entdeckte. Mein Vater hatte diese Kamera, die er überall mit hin nahm, um unser Leben zu dokumentieren als ich ein Kind war. Das inspirierte mich sehr und ich erinnere mich, dass ich damals beschloss, genauso wie mein Vater zu werden. Ich wollte fotografieren.

© Xin Li

© Xin Li

Hattet Ihr jemals das Gefühl, Ihr haltet die ganze Welt in Euren Händen? Das fühlte ich, als ich meine erste Kamera bekam. Ich konnte damit die Zeit einfrieren, etwas ewig machen und eine komplett neue Welt erschaffen. Und das fühle ich immer noch, wenn ich meine Kamera in die Hand nehme.

Inspiriert werde ich von meiner Umgebung, der Kunst anderer Menschen und all den schönen Dingen, die ich täglich sehe. Aber meine eigenen Gedanken und Emotionen spielen die größte Rolle für mich. Ich versuche, mit meinen Bildern etwas zum Ausdruck zu bringen und hoffe, dass diese Gefühle auch beim Betrachter ankommen.

© Xin Li

© Xin Li

Neben der Dokumentation meines Lebens und den Bildern meiner Umgebung mache ich vor allem viele Selbstportraits. Sobald sich eine Idee in meinen Kopf gesetzt hat, nehme ich Stativ, Kamera und Selbstauslöser und nutze mich selbst als Modell. Das klingt ziemlich seltsam für einige Leute, aber für mich ist es irgendwie beruhigend und therapeutisch.

Meine Selbstportraits liegen mir sehr am Herzen, ich mache sie schon viele Jahre. Ich versuche, meine Bilder so persönlich wie möglich zu gestalten, auch deshalb stelle ich mich selbst vor die Kamera. Ich bin sicher, dass alle anderen, die diese Art der Selbstportraits machen, genau wissen, wovon ich rede. Es ist einfach etwas Wunderschönes.

© Xin Li

© Xin Li

Immer, wenn ich nach meinen Plänen für die Zukunft gefragt werde, weiß ich einfach nicht, was ich antworten soll. Ich studiere Film und ich liebe es. Ich möchte in Zukunft einfach etwas machen, das ich mag – wie filmen.

Ob das klappt, wird die Zeit zeigen. Vielleicht mache ich dann etwas ganz anderes als zu fotografieren und filmen. Vielleicht werden meine Träume nicht wahr. Aber was ich weiß, ist, dass ich die Fotografie immer habe und sie immer für mich da sein wird. Vielleicht nicht als Vollzeitjob, aber ich werde immer in der Lage sein, das zu tun, was ich liebe. Das reicht mir.

Dieser Artikel wurde von Katja Kemnitz aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.


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1914 – Welt in Farbe

21 Sep

Was passiert, wenn ein Bankier sein Vermögen in Kunst und Kultur investiert, um ein Zeichen zur Völkerverständigung zu setzen? Was klingt wie eine Utopie, gab es Anfang des 20. Jahrhunderts aber wirklich.

Der Franzose Albert Kahn ließ verschiedene Fotografen mit der neuen Technik der Brüder Lumière um die Welt reisen, um ein Archiv des Planeten anzulegen. So entstand ein Archiv mit über 70.000 Farbaufnahmen aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg. Eine unglaubliche Zahl, bedenkt man zudem, dass es sich um Bilder auf sogenannten Autochromplatten handelt.

Auguste Léon. Serbien, Krusevac: Geflügelverkäuferinnen auf dem Markt. 29. April 1913.

Kahn hielt so eine Zeit fest, die kurz vor dem Umbruch stand. Die Situation vor dem ersten Weltkrieg in Europa, Kulturen und Traditionen auf der ganzen Welt, die nur kurz darauf verloren gingen. Die Bilder des Archivs erzählen von einer vergangenen Welt.

Dieser Bilderschatz steht im Zentrum der Ausstellung „1914 – Welt in Farbe“ des LVR-LandesMuseum Bonn, die vom 24. September 2013 bis zum 23. März 2014 nahe des Hauptbahnhofes läuft. Auch eine weitere Anreise sind diese Fotos sicher wert. Wer jedoch nicht das Glück hat, wie ich in Bonn zu leben, der kann sich vielleicht etwas mit dem zur Ausstellung gehörenden Buch „1914 – Welt in Farbe. Farbfotografie vor dem Krieg.“* trösten.

Cover: 1914 - Welt in Farbe.

Die Schärfe und Farbintensität der alten Autochrome sind beeindruckend und kommen auch im Buch wunderbar zur Geltung. Die Rottöne stechen dabei besonders hervor. Beim Durchsehen der alten Bilder entsteht fast ein bisschen Wehmut über den Verlust dieses alten Fotoverfahrens. Diese Bilder haben ihren ganz eigenen Charme.

Neben der Sammlung Albert Kahns sind auch Bilder aus einer weiteren Sammlung vertreten: Die Farbfotos des russischen Fotografen Sergej M. Prokudin-Gorskii, der ab 1905 im Auftrag des letzten Zaren Russlands, Nikolaus II., das gesamte russische Reich systematisch dokumentieren wollte. Aus diesem beinahe unmöglichen Auftrag sind bis heute noch über 10.000 Aufnahmen erhalten.

China, Peking: Palast des himmlischen Friedens, vierter Hof, östlicher Anbau, ein Hohepriester in zereminiellem Gewand. 26. Mai 1913Auguste Léon. Griechenland, Korfu: Drei Frauen in traditioneller Kleidung 1913

Gorskii arbeitete mit einer anderen Technik zur Erstellung von Farbaufnahmen, die er selbst entwickelte. Er belichtete kurz hintereinander drei monochrome Fotoplatten mit jeweils unterschiedlichen Farbfiltern in Rot, Grün und Blau. Diese Farbaufnahmen reichen qualitativ nicht an die Autochrome der Brüder Lumière heran. Die Farben sind nicht immer originalgetreu und oft muten die Fotos dadurch ein wenig surrealistisch an. Beeindruckend sind sie dennoch, ohne Frage.

Auch die Fotos des deutschen Pioniers der Fototechnik, Adolf Miethe, sind in der Ausstellung zu sehen. Im Buch liegt der Schwerpunkt auf dem Archiv von Albert Kahn, lediglich neun der insgesamt 135 Abbildungen stammen von Gorskii. Empfehlenswert ist das Buch dennoch. Die Bilder haben auf dem Format von 24 x 28 cm auch ausreichend Platz, die Farben wirken großartig, zudem enthält es viele begleitende Texte.

Das Buch
1914 – Welt in Farbe. Farbfotografie vor dem Krieg.*
Broschiert, 144 Seiten
Im Verlag Hatje Cantz erschienen
Preis: 24,80 €

Die Ausstellung
1914 – Welt in Farbe
Zeit: 24. September 2013 – 23. März 2014
Ort: LVR-LandesMuseum Bonn

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhalten wir eine kleine Provision, Ihr bezahlt aber keinen Cent mehr.


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Die Welt des Unscheinbaren

09 May

Ein Beitrag von: Olivia Michalski

Die Welt der Makrofotografie ist faszinierend und wunderschön zugleich. Diese Welt zu entdecken, ist eine Passion vieler Fotografen. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, Menschen klar zu machen, was sie oft verpassen und wie verwundert sie sein können, wenn sie genauer hinschauen würden. Allein schon durch Hinhocken und genauer Betrachten findet man Insekten, Blumen und allerlei andere kleine Wunder der Natur.

© Olivia Michalski

Die Makrofotografie hat viele Tücken und die größte ist es wohl, den richtigen Fokus zu finden. Der Autofokus hat mich oft im Stich gelassen, als es darum ging, eine tolle Stimmung mit Hilfe der Tiefenschärfe zu erreichen. Deshalb habe ich schon früh auf manuelles Fokussieren umgestellt und begann, auf den Modus „A“ bei Nikon umzusteigen.

Die Zeitautomatik erlaubt es mir, die Blende frei zu wählen und meine Kompositionen einfacher zu gestalten. Allerdings möchte ich auch bald den Schritt in die gänzlich manuelle Fotografie tun.

© Olivia Michalski

Ob Blumen, Tiere, oder Gegenstände – in der Makrofotografie gibt es viele Möglichkeiten, sich kreativ auszutoben. Bei dem obigen Bild habe ich zum Beispiel einfach ein Gänseblümchen gepflückt und in eine grüne Pflanze gesteckt.

Schon ein paar künstlich erzeugte Wassertropfen helfen, ein wenig Frische ins Bild zu bekommen. Man kann zum Beispiel eine kleine Spritze benutzen, die Ärzte auch zum Injizieren von Medikamenten benutzen oder eine Sprühflasche, die man mit Wasser gefüllt hat.

© Olivia Michalski

Auch eine Schwarzweiß-Konvertierung kann ein edles Image verleihen. So kann ein einzelner Wassertropfen zum Juwel werden.

Hier sieht man einen Weihnachtsstern, dessen Blütenblätter wasserabweisend sind. Wenn man den Tropfen darauf platziert, breitet er sich nicht auf dem Blatt aus, sondern perlt ab. So kann man tolle, runde Wassertropfen auf ein Foto bannen.

© Olivia Michalski

Die Welt der Makrofotografie ist leicht zu entdecken. Man braucht nicht das teuerste Objektiv dafür. Angefangen habe ich mit meinem Kit-Objektiv 18-55mm, dann auf einen Zoom gewechselt und bin letztlich bei Festbrennweiten geblieben.

Diese haben qualitativ hochwertiger verarbeitete Linsen, die eine hohe Lichtstärke und somit einen geringen Schärfebereich ermöglichen. Mein 50mm f/1.8 von Nikon war das gesamte letzte Jahr mein treuer Begleiter, während ich jetzt vorwiegend mein Tamron 90mm f/2.8 Macro benutze.

© Olivia Michalski

Ein guter Tipp ist es, mit Live-View zu arbeiten. Man kann durch Hineinzoomen den Fokuspunkt sehr präzise wählen und die Vorschau hilft einem, eine geeignete Komposition zu finden.

Doch ein gutes Objektiv und eine gute Komposition helfen nicht immer. Viel wichtiger ist die Lichtstimmung, die mittags oft gar nicht erreicht werden kann, weil die Sonne zu „hart“ von oben auf die Motive scheint. Ich bevorzuge es daher, in den Abendstunden rauszugehen, da ich ein ziemlicher Langschläfer bin.

Wenn abends das Licht golden wird und alles in einen weichen Schein taucht, dann ist die beste Zeit für Blumenfotografen. Die Blüten beginnen, sich langsam zu schließen und wenn die Sonne anfängt, unterzugehen, ist es auch oft noch warm draußen.

© Olivia Michalski

Meine große Passion ist jedoch immer die Marienkäferfotografie geblieben.

Auch mit scheinbar „schlechtem“ Equipment kann man tolle Bilder machen – man muss nur seiner eigenen Kreativität freien Lauf lassen und machen, was man wirklich will, was einen wirklich inspiriert. Ist diese Leidenschaft und Motivation vorhanden, sind gute Bilder nicht fern.

Es lohnt sich auf jeden Fall, einen kleinen Einblick in die Makrofotografie zu wagen und die kleinen Dinge des Lebens zu erforschen!


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Die versunkene Welt

14 Feb

Mit seinem Projekt „The Sinking World“ erweckt Andreas Franke eine seltsame, vergessene Unterwasserwelt wieder zum Leben und erschafft Reiche, die es nie gegeben hat. Alltagszenen und die opulente Welt des Rokoko versetzt der Künstler auf zwei Schiffswracks und stellt die Bilder dort auch wieder aus.

Die Bilder erzeugen ihre Spannung durch die Gegensätze, die sich in sich vereinen: Die sanfte, geheimnisvolle Leere, die in schlafenden Schiffswracks auf den Meeresböden herrscht, wird verbunden mit realen Szenen voller Leben und Vitalität. So entsteht eine neue Welt, die ebenso bizarr wie anziehend ist.

Stavronikita Project by Andreas Franke: Gallery

Die dort unten ruhenden Giganten bilden nicht nur fantastische und einzigartige Hintergründe für die Szenerien in Andreas Frankes Arbeiten – sie bieten auch die besten Ausstellungsräume, die man sich für diese Bilder vorstellen könnte. Diese spektakulären Unterwasser-Galerien ziehen vorbeikommende Taucher in ihren Bann und zeigen auch die Wirkung des Ozeans selbst.

Denn während der Wochen und Monate unter Wasser hinterlässt das Meer eindrucksvolle, unvergleichliche Spuren auf den Bildern. Es schmückt sie mit einer speziellen Patina, versieht sie mit dem Gesicht der Vergänglichkeit und verwandelt sie in einzigartige Schönheiten, ähnlich vergilbten Fotos, die von den Umständen gezeichnet wurden.

Vandenberg Project by Andreas Franke: Mrs. Pawlowana and her girls Original

24.27 N, 81.44 W. An diesen Koordinaten befindet sich die letzte Ruhestätte der USS General Hoyt S. Vandenberg. Im Mai 2009 wurde die Vandenberg in die Dunkelheit vor der Küste Floridas versenkt, um ein künstliches Riff zu werden. Schnell entwickelte sich wieder Leben auf den stillgelegten 10.000 Tonnen, die in knapp 40 Metern Tiefe liegen.

Dieses lebendige, geheimnisvolle Nichts und diese bedrohliche, wilde Leere haben den Österreicher, Fotografen und passionierten Taucher Andreas Franke in ihren Bann gezogen. Er nahm also Studioaufnahmen von Alltagsszenen und setzte sie in diese Unterwasserwelt ein, die vom Schiff und seiner Atmosphäre geschaffen wird.

Vandenberg Project by Andreas Franke: Kenny hits Pete

So findet ein Boxkampf auf dem Boden des Meeres statt und wie in einem Märchen läuft ein Mädchen in einem weißen Kleid mit einem Schmetterlingsnetz über das geisterhafte Deck. Mrs. Smith hängt ihre Wäsche zum Trocknen auf und Mrs. Pawlowana übt mit ihren drei Ballett-Schülerinnen.

Es entsteht eine Welt, die von den blaugrünen Nebeln des Meeres umgeben, irgendwo zwischen Vergangenheit und dem Heute verankert ist. Erinnerungen, Geisterschemen, Spukgestalten – Möglichkeiten? Auf der Vandenberg spielen sich Szenen ab, die ebenso verwirrend wie faszinierend sind.

Vandenberg Project by Andreas Franke: Mrs. Smith

Die Fotos wurden für ihre Ausstellung unter Wasser mit Plexiglas versiegelt, in rostfreie Rahmen mit Magneten gesetzt und schließlich vorsichtig an den Seiten des Schiffes selbst wieder angebracht. Durch die Verwendung von Magneten und besonnener Auswahl der Anbringungspunkte wurde es möglich, das Leben der neuen Bewohner auf der Vandenberg nicht zu stören und auch das Schiff selbst nicht zu beschädigen – so konnten die Bilder später auch leicht wieder abgenommen werden.

Während Taucher durch die Ausstellung schwebten, trugen Algen und Mikroorganismen des Salzwassers ihren Teil zu den Bildern bei, indem sie jedem Bild eine individuelle Signatur des Ozeans verliehen. Ein leiser Hauch von Unbeständigkeit auf den Bildern, die für die Ewigkeit – in menschlichen Maßstäben – gemacht zu sein schienen. Aber alles schwindet, wenn auch langsam.

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Die SS Stavronikita liegt bei 13.8 N, 59.38 W auf dem Grund des Ozeans, direkt neben der karibischen Insel Barbados. Sie fiel vor über 20 Jahren einem Feuer zum Opfer und fand an diesem Punkt ihre letzte Ruhe – versteinert zu einem künstlichen Riff, von dem man dachte, dass es bis in alle Ewigkeit schlafen würde.

Über die Jahre hat das Meer das Wrack mit seltsam schönem Mobiliar eingerichtet. Unzählige schimmernde Korallen, Schwämme und Muscheln hängten sich ans Heck, die Masten und die Wände. Schwärme von Fischen der unterschiedlichsten Arten richteten sich rund um den gesunkenen Frachter ein.

Stavronikita Project by Andreas Franke: Picnic for Three

Dieses Wrack ist ein atemberaubendes Symbol der Unverwüstlichkeit des Lebens. Das Leben kann nicht einfach ausgelöscht werden. Es entfaltet sich, blüht, gedeiht, keimt und knospt. Direkt vor der Küste von Barbados feiert es ein überbordendes Fest seiner unvorstellbaren Kräfte.

Zu diesem Überfluss an kleinteiligem, wuselndem Leben in allen Formen und Farben passt eine Epoche, die ebenso die Extravaganz, Eitelkeit und den Prunk dekadent feierte: Rokoko. Perfekt fügen sich drei junge Damen bei einem verschwenderischen Picknicks in die von Korallen wimmelnde Welt ein.

Stavronikita Project by Andreas Franke: Marie

Das Deck wird zum Ankleidezimmer für eine Dame im Reifrock, die aus den Kleidern in ihrem überquellenden Schrank noch ein für diesen Tag passendes auswählen muss. Wie Voyeure beobachten wir sie dabei, aus dem Schutz einer Koralle heraus.

Auch diese Bilder wurden in 24 Metern Tiefe am Ursprungsort von Ideen und Kulisse, der SS Stavronikita selbst, wieder behutsam ausgestellt. Noch bis April können sie dort im Rahmen eines Tauchgangs besichtigt werden, während das Meer wieder eine Schicht Patina aufträgt, die den späteren Betrachter an Land an die Vergänglichkeit allen Seins und das blühende Leben erinnert.

Stavronikita Project by Andreas Franke: Gallery

Andreas Franke ist seit mehr als 20 Jahren Fotograf und Reisender in der Welt und zwischen den Welten. Seine Arbeit führt ihn regelmäßig in etliche Länder auf etlichen Kontinenten – ebenso wie seine Leidenschaft für das Tauchen. Inspiriert von diesen Eindrucken an Land und unter Wasser überschreiten seine Bilder die Grenzen zwischen Fantasie und Realität.

In meinen Fotografien versuche ich, Scheinwelten zu erschaffen, die weit hinter den oft oberflächlichen und aufmerksamkeitsheischenden Bildern der Werbeindustrie liegen. Deshalb basiert meine Arbeit immer auf einem strengen Konzept, das fotografisch und technisch perfekt umgesetzt wird. Jedes kleine Detail ist Teil einer präzise arrangierten Produktion.

Stavronikita Project by Andreas Franke: Marie and Claudette

Für mich ist es wichtig, den technischen Fortschritt der Fotografie auszunutzen, um die Grenzen der fotografischen Verbildlichung auszuloten. Heute haben wir Möglichkeiten, von denen wir vor einigen Jahren noch nicht einmal geträumt hätten. Sie öffnen den Weg für unsere Vorstellungskraft und Fantasie.

Mit meinen Fotos von gesunkenen Schiffswracks möchte ich den Betrachte in eine unwirkliche und merkwürdige Welt ziehen. Geheimnisvolle Szenen der Vergangenheit, die in einem erdachten Raum spielen. Traumwelten, in denen man verloren gehen oder sich mit ihnen identifizieren kann. All das erschafft eine neue und unerwartete Atmosphäre.

Vandenberg Project by Andreas Franke: Sarah Original

Wer nun beim Betrachten dieser traumhaften Unterwasserfantasien in Seufzern versinkt, dem sei die Webseite des Projektes „The Sinking World“ ans Herz gelegt. Im Shop gibt es auch Poster, Drucke in limitierten Auflagen und wer etwas ganz Besonderes haben möchte, kann auch eines der Originalbilder erwerben, die auf den Schiffswracks ausgestellt wurden.


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Schönheit wird die Welt retten

04 Jul

Als mir Erin Mulvehill auf meine erste E-Mail antwortete, in der ich fragte, ob ich ihre Fotoserie „underwater“ vorstellen dürfe, schrieb sie „yes“ und im PS „beauty will save the world“. Das irritierte mich, doch fand ich den Spruch überaus passend zu ihren Bildern. Denn schön waren sie. Ein wenig irreal, traumhaft, aber schön.

„Schönheit wird die Welt retten“, schrieb schon Dostojewsky in seinem Buch “Der Idiot”. Was genau er mit dem Spruch meint, wird immer noch wild diskutiert und zu einem endgültigen Ergebnis kann man bei diesem simplen, aber schönen Zitat nicht kommen.

Für Erin ist nicht nur die körperliche Schönheit von Menschen gemeint, sondern auch die Schönheit der Natur. Beides wird in ihren Fotos in Übereinklang gebracht. Sie zeigen junge Frauen, die wie im Wasser erstarrt sind. Sie wirken traurig, aber auch beruhigend.

Wie genau diese Bilder entstanden sind? Erin schreibt: „Durch Magie! Es war ein Mix aus Magie und Göttlichkeit – jeder Effekt dieser Serie wurde mit und in der Kamera erzeugt.“ Aber die Technik ist im Grunde auch nebensächlich, bei so großartigen Aufnahmen.

Wer ihre Bilder in groß sehen will, dem kann ich ihre erste Ausstellung in Deutschland in der Candela Project Gallery in München empfehlen, die noch bis zum 30. September läuft.


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