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Posts Tagged ‘Verwandlung’

Die Verwandlung von Realität

15 Oct

Ein Beitrag von: Maria Spyropoulou

Ich widmete mich mit ganzem Herzen dem kreativen Medium der Fotografie, als ich zu meiner Überraschung bemerkte, dass mir meine Kamera es ermöglichte, Geschichten zu erzählen. Ich kann damit meine Gefühle und Fantasien beschreiben, real oder irreal.

Ich suche ständig nach neuem Material, suche mein Motiv in allem, was um mich herum geschieht, in meiner Nachbarschaft und Stadt, auch weiter entfernt, wo auch immer Menschen leben. Mein primäres Ziel ist es, jeden Tag ein unbedeutendes, reales Ereignis aufzunehmen und es in etwas Magisches zu verwandeln, das in erster Linie mich und hoffentlich auch einige weitere Menschen bewegt.

Ein Mensch, Schatten und Licht.

Ein Auto und Schatten zweier Kinder.

Ein ins Wasser springender Junge und ein Schatten, der nicht dazu gehört.

Menschen, Blicke, Mimik und Gestik sind Dinge, die ich beobachte, wie auch alles andere, das ein neues Dasein bekommt, wenn es durch Fotografie dargestellt wird. Seit zwanzig Jahren versuche ich beharrlich, die absolute Kontrolle über Licht und Komposition zu gewinnen.

Licht ist ein Schlüsselelement in der Fotografie, das empfindliche Gleichgewicht zwischen Licht und Schatten kann verklären, etwas Graues und Langweiliges kann verträumt wirken, ein einfacher Gesichtsausdruck oder eine Körperbewegung können in etwas Geheimnisvolles und Vieldeutiges getaucht werden.

Andererseits werden die Komposition der Elemente eines Fotos und ihre harmonische Koexistenz benötigt, um deren Einbeziehung im Bild zu rechtfertigen.

Ein Mann beim Billard spielen.

Jungs in einem Zugabteil schauen zur Fotografin.

Eine Frau mit einem leuchtenden Schirm.

Täglich zu fotografieren ist für mich eine Quelle der Freude und ein Erlebnis, das mir hilft, meine Grenzen zu erkennen und aus meinen Fehlern zu lernen.

Trotzdem behalte und präsentiere ich nur eine Handvoll Fotos, allesamt sorgfältig ausgewählt, nach den Grundsätzen, die die wichtigen klassischen Fotografen uns zu schätzen gelehrt haben: Einfache Formen ohne überladene Komposition, resultierend in kristallklarem fotografischen Ausdruck.

Ich mag einige der modernen Techniken und ihren übermäßigen Einsatz von Technologie nicht. Für mich ruiniert es das essentielle Element eines guten Fotos: Die Einfachheit.

Demgegenüber geben mir die Fotografien, die ich liebe ein Gefühl von Harmonie und Vollständigkeit, das in dieser Welt rar ist, aber so nützlich darin ist, mir zu helfen, mit der Realität zurechtzukommen.

Dieser Artikel wurde von Marit Beer für Euch aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
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Dekonstruktion und Verwandlung

05 Aug

Einen Künstler, der so frei wie Nádia Maria arbeitet, zu entziffern, heißt auch, sich selbst in Bildern zu verlieren, die einen brutal packen und gleichzeitig mit ihrer Schönheit sanft berühren. Über allem aber steht eine Sensibilität, die hinter den gesunden Menschenverstand geht, den Betrachter mit Nuancen des Alltags und Vorgestelltem provoziert.

Nádia Maria ist eine brasilianische Fotografin, die in Bauru, São Paulo lebt. Sie begann, zu fotografieren, als sie sieben oder acht Jahre alt war, als Kind machte sie Fotos von ihren Puppen und Spielzeugen. Kamera und Film waren die Lieblingsspielzeuge ihrer Kindheit. Über die Jahre erforschte sie die Fotografie, begann mit 18, sie zu studieren und seitdem dient die Fotografie ihr als persönliches Tagebuch der Gefühle und Veränderungen, die sie in ihrem Leben durchläuft.

© Nádia Maria

© Nádia Maria

© Nádia Maria

Nádias Arbeiten haben einen großen emotionalen Anteil. Die meisten ihrer Bilder kreiert sie basierend auf inspirierten oder reflektierenden Momenten wie etwa denen kurz vor dem Einschlafen. Irgendwie findet sie einen Weg, diese diffusen Bilder nachzuzeichnen, sie denkt schon immer eher in Bildern als in Worten. Sie ist Zerbrechlichkeit, Stärke, Stille, ein Universum von Stimmen.

Ein einzigartiger Blick auf die Welt, der ihre eigenen Gefühle reflektiert und unsere in Frage stellt. Eine visuelle Chronik von Auseinandersetzungen mit Aspekten des Alltags, die sie aufwühlen und den Anspruch stellen, verarbeitet zu werden. Sie lädt dazu ein, die eigene Identität und die Erfahrung des Lebens selbst zu überdenken.

© Nádia Maria

© Nádia Maria

© Nádia Maria

Die hier gezeigten Bilder stammen aus der Serie „Vacuum“, die von der Melancholie, der Leere und der ständigen Dekonstruktion und Rekonstruktion unserer selbst inspiriert ist. Den Momenten, in denen der Körper mit der Umgebung verschmilzt und nicht mehr weiß, wo er beginnt und endet.

Diese Erfahrung hatte Nádia, als sie nach der Geburt ihres ersten Sohnes, Zion, eine große Melancholie erlebte. Es war eine schmerzhafte Phase der Verwandlung, aber diese war es, die sie zur Mutter machte und die mütterlichen Gefühle zum Ausbruch brachte, die nun ein universelles Gefühl in ihr sind. Kein Gesicht zu haben, keinen Ausdruck und trotzdem ein Teil des anderen und des Ganzen zu sein.

© Nádia Maria

© Nádia Maria

© Nádia Maria

Um sich auszudrücken, bedient sie sich aus der breiten Spanne fotografischer Techniken und mischt sie angenehm unverkrampft, wie es ihr gerade in die Konzepte ihrer sehr verschiedenen Serien passt. Von Langzeit- und Mehrfachbelichtungen bis zu stimmungsvoller Tonung und grafischen Elementen.

Ihre anderen Werke könnt Ihr auf ihrer Webseite und bei Facebook betrachten.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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Die Verwandlung

02 Jul

In meinem letzten Artikel über die Kreativ-Neurose erwähnte ich ja bereits lässig am Rande, dass ich dann doch wieder zur Kamera griff und weiter machte. Dass sich daraus eine Serie entwickelte, die ich mittlerweile mit vier Leuten umgesetzt habe, daran war zu diesem Zeitpunkt nicht einmal im Ansatz zu denken.

Aber es kommt ja oft ganz anders, nicht wahr? Die Idee zu Beginn sah folgendermaßen aus: Meinen bis dahin auf Papier gebrachten Foliengeistern wollte ich eine Ruhepause gönnen und dennoch in einer ähnlichen Richtung weitermachen.

Glücklicherweise fielen mir bei meiner Recherche die Bilder eines gewissen Thomas Devaux (über den zu berichten ich hoffe, bald in der Lage zu sein) in die Hände, die mich sofort ergriffen. Sie zeigten Menschenwesen mit teilweise zerstaubten Köpfen, seltsam entstellt, aber elegant.

© Marit Beer

Das Gefühl, dass dabei entstand und das Kopf und Herz nicht begriffen, das wollte ich auch in meinen Bildern zeigen. Es ist schon immer diese Zwischenwelt, in die ich abdriften möchte, wenn ich zur Kamera greife. Unbegreifliches greifbarer machen.

Da ich aber komplett mit Film arbeite und meine Dunkelkammerfähigkeiten sich bisher nur auf stumpfes Ausbelichten belaufen, musste ich mir überlegen, wie ich den gewollten Effekt bereits vorher ins Bild bringen konnte.

© Marit Beer

Ich hatte zuhause eine Menge Papier liegen, sehr dünnes und zartes. Einige glauben, man benütze es lediglich zum Einpacken von Warengut, aber nichts da! Dies sind natürlich wundersame und ganz zauberhafte Materialien für den Künstler an sich.

Schnell war eine Testperson gefunden und ich modellierte mit Hilfe von Wasser das Papier um den Kopf herum. So entstand ein neues Wesen. Mit dem Ergebnis war ich einigermaßen zufrieden und dachte, nun das Richtige gefunden zu haben.

© Marit Beer

Aber es kam wieder alles anders als gedacht: Durch Zufall, ich weiß nicht, wie ich es sonst nennen soll, fiel mir ein anderer schöner Werkstoff in die Hände. Bei einem Paarshooting kam er zur Verwendung und ich war von den Ergebnissen sofort angetan. Dieses Gewebe konnte man ziehen, verändern oder zerknüllen. Also formen wie es einem beliebt und doch sehr vorsichtig dabei sein.

Als Gloria, der ich zunächst von meiner ersten Idee berichtet und frohlockt hatte, dann den Raum betrat, verflüchtigte sich die Papieridee wie ein Lufthauch aus meinem Kopf. Ich sah, wie sich das Gewebe um ihren Kopf formte und hatte gefunden, wonach ich suchte.

© Marit Beer

Die Ergebnisse sprachen für sich. Gloria und ich fühlten uns wohl mit den Bildern und auch einige andere ruhten sich gern mit den Augen darauf aus. Vor allem machte es mich aber glücklich, Nachrichten zu erhalten, in denen mir einige berichteten, was die Bilder in ihnen auslösten und was sie darin sahen.

Und wie Ihr seht, blieb es nicht bei Gloria und ihrer fast identisch aussehenden Puppe, die mir mitunter mehr seltsames Herzflattern auslöste als die geisterhaften Spinnenweben.

~

Zum Einsatz kamen hier außerdem: Eine Mittelformatkamera, ein Belichtungsmesser, ein Schwarzweiß-Film mit ISO 400 und bei gutem Wetter mit ISO 100, natürliches Licht, Lavendelblütentee, Kaffee oder Orangensaft je nach Wunsch, und bereits erwähnte Spinnenwebenzuckerwatte.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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