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Posts Tagged ‘trifft’

Lisa-Marie Kaspar trifft Jane Eyre

07 Oct

Ein Beitrag von: Lisa-Marie Kaspar

Es war ursprünglich nur eine Semesterarbeit im Fach Fotografie, doch meine Serie „J. E.“ entwickelte sich zu mehr als ich erwartet hätte. Sie war in vieler Hinsicht etwas Neues für mich und das möchte ich gern teilen.

„Fotoroman“ hieß die Aufgabe im zweiten Semester Fotografie. Mir war von Anfang an klar, dass ich das Wort „Roman“ darin wörtlich nehmen und eines meiner Lieblingsbücher irgendwie fotografisch umsetzen wollte.

Aber ich war nach einiger Zeit des Überlegens, welches Buch es nun werden sollte, frustriert. Wie sollte ich das anstellen? Der Gedanke daran, einfach eine 1:1-Wiedergabe des Geschriebenen zu machen, langweilte mich. Ich wollte keine x-te Version von etwas erschaffen, das es so schon als Film gab. Es machte für mich keinen Sinn, ich wollte meine eigene Bildsprache finden.

Aber zuerst musste ich mir über das Buch klar werden, das ich als Vorlage benutzen wollte. Das geschah dann auch relativ schnell, denn ich wusste, dass ich nur bei meinem liebsten Buch über längere Zeit mit Eifer und Spaß arbeiten konnte. „Jane Eyre“ von Charlotte Brontë könnte mich nie langweilen.

Eine Frau steht im Dunkeln und schaut uns an.

Nachdem also der weniger schwierige Teil geschafft war, stand ich wieder vor der Frage der Umsetzung. Schon längere Zeit hatte mich Claudia Wycisks „The Black Series“ inspiriert und dann sponn ich den Faden einfach weiter. Was, wenn die Darsteller alle vor schwarzem Hintergrund agieren? Alles reduziert: Requisiten, Raum, Mimik? Ja, das hörte sich gut an. Doch der Roman lebt von seinen Gefühlen, wie konnte ich das also mit der Reduktion vor allem der Mimik vereinbaren?

Da fiel mir ein, dass die Natur ebenfalls eine große Rolle in der Geschichte spielt, nicht die Hauptrolle, aber sie ist fest mit ihr verbunden.

Langsam begann sich alles in meinem Kopf zu einem klaren Bild zu formen: Meine Darsteller wollte ich in einem einheitlichen Raum fotografieren, nur die nötigsten Requisiten sollten zur Kulisse beitragen. Das Fotostudio in unserer Hochschule war perfekt dafür. Da ich den Roman am Ende als Buch abgeben wollte, überlegte ich mir, Diptychen zu machen: Auf der einen Seite die Szene, auf der anderen Seite ein Naturbild, das die Gefühlslage der Szene verdeutlichen sollte.

Rechts liest Jane Eyre ein Buch.

Als Nächstes musste ich mich um meine Akteure, Kostüme und Requisiten kümmern. Hilfe fand ich bei Freunden, Verwandten, aber auch über Facebook. Die Kostüme waren mir sehr wichtig, es sollte echt aussehen. Und da dachte ich wieder an Claudia Wycisk.

Ich überlegte lange, entschied mich dann aber doch dazu, sie zu fragen, ob sie mir einen Teil ihrer „Black Series“-Kostüme zur Verfügung stellen würde. Als sie zusagte, fiel mir ein großer Stein vom Herzen. Jetzt konnte der nächste Abschnitt beginnen.

Um einen Überblick über alles zu haben, habe ich sogar ein Notizheft geführt, das ich ständig mit mir herumgetragen habe, für den Fall, dass mir neue Ideen einfallen. Darin habe ich neben Rollenverteilungen auch Studioeinstellungen, Checklisten und Skizzen zu den Szenen, die ich fotografieren wollte, festgehalten.

Das war etwas Neues für mich, so genau bin ich vorher noch nie vorgegangen. Auch der Umfang der Serie war ungewohnt, aber ich wollte diesen neuen Weg auf jeden Fall gehen und sehen, was dabei herauskommt.

Ein unglückliches Hochzeitspaar.

Das Fotografieren war für mich am entspanntesten. Ich hatte genaue Bilder im Kopf, so dass nach ein paar Minuten die jeweilige Szene aufgenommen war. Dass ich die Serie schwarzweiß und analog fotografieren wollte, stand für mich schon von Anfang an fest.

Ich fotografiere sonst auch nur auf Film und hier würde es besonders gut passen, fand ich. Es war trotzdem auch eine kleine Herausforderung, da ich mit meiner analogen Kamera vorher erst ein paar Mal im Studio fotografiert hatte.

Zur Sicherheit hatte ich an jedem Tag im Studio eine digitale Kamera als Belichtungsmesser dabei, nur um ganz sicher zu sein, dass die Einstellungen stimmten. Hundert Prozent sicher sein konnte ich mir dennoch nie und ich war immer nervös, wenn ich die Filme entwickelte.

Am Ende war ich schon fast ein bisschen wehmütig, als das Projekt abgeschlossen war. Es hat mir beigebracht, wie wichtig Zusammenarbeit ist, auch wenn man denkt, man schafft alles allein. Für mich war die Serie auch die größte fotografische Herausforderung bisher und ich habe viel dazugelernt.

Mein Dank geht an alle, die mich bei dieser Arbeit tatkräftig unterstützt haben, denn ohne sie alle hätte ich das nie so hinbekommen.

Die komplette Serie „J. E.“ von Lisa Marie Kaspar dürft Ihr in nur wenigen Stunden bei uns im Vollbild bewundern.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
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Realität trifft Mysterium

16 Sep

Ein Beitrag von: Lesley Ann Ercolano

1982 wurde ich in Aberdeen, Schottland, geboren, wuchs aber in der Nähe eines kleinen Dörfchens im italienischen Sardinien auf. Im Alter von fünf Jahren zog ich mit meiner Familie dorthin. Die väterliche Seite der Familie lebte in Neapel und die mütterliche Seite in Aberdeen.

Da wir nicht viele Verwandte in Sardinien hatten, fuhren meine Eltern, meine zwei Brüder und ich oft mit dem Wohnmobil zwischen Schottland und Italien hin und her. Die kulturellen Unterschiede waren faszinierend und obwohl wir immer „Familie“ besuchten, gab es etwas, was ich nicht verstand.

Die Straßen rochen andes, der alltägliche Rhythmus war unbekannt. Das Stadtleben – eine große Entdeckung. Und dann kam die Fotografie dazu.

© Lesley Ann Ercolano

Da ich noch nicht alt genug war, um mich an die Jahre vor Sardinien zu erinnern, fand ich alte Familienfotos schon immer anziehend. Ich stellte mir vor, was vor und nach dem Klick passierte. Jetzt bin ich 30 – ach halt, in ein paar Tagen 31 – Jahre alt, aber diese Familienbilder beeindrucken mich immer doch.

Und weil sich um mich herum so viel verändert, versuche ich, in diesen Bildern die Antwort darauf zu finden, wie all das um mich herum enstanden ist.

Es sind diese Gefühle, die mich die Fotografie so sehr lieben lassen. Es ist die Fähigkeit der Fotografie, mich erfahren zu lassen, was war, Geschichten zu erzählen und durch kurze Momente Gefühle, Menschen, Plätze und das Vorüberziehen der Zeit zu entdecken.

© Lesley Ann Ercolano

Ich habe ein sehr konfuses Konzept von Zeit und während ich älter werde, scheint die Zeit noch schneller zu vergehen. Ich finde es oft schwer, mich an bestimmte Momente zu erinnern und die Fotografie ist zu meinem Kalender, meinem Tagebuch geworden.

Dass ich die Zeit nur schwer festhalten kann, hängt auch damit zusammen, dass ich eine Tagträumerin bin, vielleicht sogar zu sehr. Ich glaube, dass andauerndes Tagträumen ein Art Pendant zu meiner Fotografie ist.

Realität trifft Mysterium, Wahrheit trifft Ambiguität. Die Fotografie leistet mir Gesellschaft, wenn ich allein bin und das kann mich Menschen näher bringen, die ich fotografiere. Denn: So bin ich involviert in Momente, die ich ohne Kamera nicht erlebt hätte.

© Lesley Ann Ercolano

Ich denke, dass es wichtig ist, unterschiedliche Dinge zu fotografieren, das hält die Sinne frisch. Unter den Dingen, die ich mag, sind Portraits, Landschaften, Straße und meine große Liebe: Die Tiere. Offensichtlich weiß ich recht gut, was ich nicht gern fotografiere, aber ich halte meine Augen offen für das, was mir die Welt präsentiert.

Und ich mag es nicht, an Regeln gebunden zu sein. Oft schaue ich meine Arbeit an und denke, dass ich vielleicht nicht konsistent genug bin und was das noch schlimmer macht (insbesondere in der wahnwitzigen Social-Media-Welt) ist, mit Regeln bombardiert zu werden. Jedes Genre hat da seine eigenen.

Ich habe entschieden, dass es keinen Grund gibt, auf irgendjemand zu hören, außer auf mich selbst. Ich weiß, dass ich von meinen eigenen Fehlern gelernt habe und immer noch lerne. Wenn Du engagiert bist, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Du verstehst, was Du von Deiner Arbeit erwartest. Die Audienz, das Publikum, kommt meiner Meinung nach erst an zweiter Stelle.

© Lesley Ann Ercolano

Meine Bilder folgen meiner Stimmung und die ist nicht jeden Tag gleich. Das ist auf so vielen Ebenen therapeutisch und ganz oft mache ich gar keine Bilder, obwohl ich mit der Kamera unterwegs bin. Jedoch verbringe ich so den Tag damit, Menschen zu beobachten.

Menschen sind faszinierende Wesen und es geht kein Tag vorbei, an dem ich nicht etwas Neues über unsere Natur lerne, sei dies etwas Positives oder Negatives.

Obowhl ich mich nicht als Straßenfotografin bezeichnen kann, liebe ich diese Gattung der Fotografie sehr. Es ist die Straßenfotografie, die mir beigebracht hat, die Welt um mich herum zu beobachten und zu studieren und dafür bin ich sehr dankbar. Ohne die Straßenfotografie hätte ich mir niemals die Zeit dafür genommen, die kleinen Gesten, die uns zu Menschen machen, zu schätzen.

~
Meine kleine Reise mit Euch hier auf kwerfeldein kommt nun zu einem Ende und ich möchte mit einen paar Worten über dieses Bild abschließen:

© Lesley Ann Ercolano

Warum möchte ich damit abschließen? Nun, es fasst zusammen, was ich an der Fotografie so liebe. Aus meiner persönlichen Sicht und der eines Betrachters.

Das Bild wurde in Aberdeen aufgenommen und zeigt meine Großmutter mit ihrer Katze „Buddy“. Und nein, das ist kein gestelltes Foto. Nachdem mein Großvater und mein Onkel (dem meine Großmutter sehr nahe stand) verstorben waren, machte sie sich zunehmend Sorgen über alles Mögliche.

Sucht sie nach ihrer Katze?

Ich hatte sie über’s Wochenende besucht und der Nachbar reinigte sein Dach von Moos. Sucht sie jetzt nach ihrer Katze? Nein, tut sie nicht, denn sie schaut nervös dabei zu, was der Nachbar gerade macht.

Dieses Bild bedeutet nicht nur mir pesönlich etwas, da es meine Großmutter und ihre Jahre der Sorge nach den Verlusten dokumentiert, sondern es erzählt auch Euch, die ihr dieses Bild seht, eine Geschichte. Ja, sie sucht ihre Katze.

Realität trifft Mysterium, Wahrheit trifft Ambiguität. Ist das nicht die Magie der Fotografie? Nun, für mich ist es das.

Dieser Artikel wurde für Euch von Martin Gommel aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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