RSS
 

Posts Tagged ‘Reise’

Eine naive Reise nach Island

05 May

Ein Haus an der Küste Islands

Ein Beitrag von: Brenning Hughes

Fotografie und Island sind gleichermaßen wichtig für mich und untrennbar mit meinem Leben verbunden. Aber das war nicht immer so. Während unseres letzten Jahres an der High School entschieden ein Freund und ich uns dazu, nach Abschluss der Prüfungen etwas zu unternehmen. Zuerst alberten wir herum, planten, Raumfahrer zu werden, uns nach Nordkorea zu schleusen oder Blauwale zu reiten. Das Übliche eben. Schließlich schlug ich vor, Island zu besuchen.
kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on Eine naive Reise nach Island

Posted in Equipment

 

Istanbul und der türkische Westen – eine Reise

10 Dec

Sonnenuntergang vor Moscheesilhouette

Ein Beitrag von: Marvin Fuchs

14 Millionen Menschen, eine Million Katzen. Eine Stadt, zwei Kontinente. Istanbul ist unglaublich groß, schnell, laut und voll, kann aber gleichermaßen gemütlich, wandelbar, magisch und wunderschön sein.

Es kommt ganz darauf an, wo und mit wem man die Stadt kennenlernt und seinen türkischen Schwarztee trinkt. Zwei Bootsfahrten über einige Stunden reichten mir kaum, um die Dimensionen dieser Stadt zu erfassen. Istanbul ist eine Stadt, die größer ist, als das Auge reicht und weiter, als die Gesänge der Muezzine, die von den Minaretten schallen.

Blick über den Bosporus auf  die Silhouetten der Moscheen Istanbuls

In keiner anderen Stadt habe ich bisher so deutlich gezeigt bekommen, wo ich bin und wie das Leben dort läuft. Während der Gebetszeiten wird die Stadt eingehüllt in die Gesänge, die gleichzeitig aus hunderten Moscheen erklingen. Das ist beeindruckend und ebenso überwältigend. Es hat etwas Unumstößliches, etwas Mächtiges. Der erste Ruf ertönt morgens um 4 Uhr.

Betende in einer Moschee

Istanbul ist eine Stadt, die einen nicht mit offenen Armen empfängt – ihre Bürger hingegen schon. Gastfreundschaft wird in der Türkei groß geschrieben, alle sind über alle Maßen freundlich.

Kommunikative Schwierigkeiten kann man allerdings schon bekommen, wenn man des Türkischen nicht mächtig ist. Mit Händen und Füßen gelang es mir, ein Eis oder Wasser zu bestellen, alles andere erledigte unsere Freundin, die wir dort besuchten. Ihr gilt großer Dank dafür.

Zwei Hände berühren sich.

Seekrank sollte man in Istanbul nicht sein, denn Fährlinien über den Bosporus bilden einen wichtigen Teil des öffentlichen Verkehrs der Stadt. Mit ihnen gelangt man schnell an das jeweils andere Ufer, ans Schwarze Meer oder auch zu den wunderschönen Prinzeninseln.

Auf letzteren sind lediglich Kutschen und Fahrräder als Fortbewegungsmittel zugelassen, Autos gibt es dort nicht. Zugegebenermaßen sind die Inseln mittlerweile recht touristisch.

Ein Boot auf dem Meer.

Doch hat man erst einmal ein Rad ausgeliehen und entfernt sich vom Fährhafen, wo es nach gerösteten Esskastanien und Fisch riecht, erreicht man schnell ruhigere Gefilde.

Ein, zwei Mal schwitzt man sich Anhöhen hinauf und schon ist man fernab vom Trubel der Menschen. Auf den hohen Straßen rund um die Insel hat man einen wunderbaren Blick auf das Meer. Gelegentlich springt sogar ein Delfin aus dem Wasser und das macht jede Anstrengung wieder gut.

Blick von einer Insel aufs Meer

Autos hat man in Istanbul in der Tat sehr schnell satt. Der Verkehr ist ein Riesenchaos. Wer denkt, er sei ein hartgesottener, deutscher Autofahrer, wird in Istanbul müde belächelt. Wir wurden im Auto von wilden Hunden verfolgt. In den Bus steigt man ein und aus, wie es gerade passt. Die Hupe hat auf der Straße Warnfunktion; alle hupen immer.

Fünfspurige Straßen werden auch gern mal siebenspurig genutzt. Gurte in Taxen gelten als überflüssige Deko und das Mindestalter der zweirädrig motorisierten Jugend liegt bei schätzungsweise 11¾ Jahren.

Eine Menschenmenge vor Moscheen

Wem das alles zu viel wird und wer sich wie wir direkt nach der Ankunft mit all seinem Gepäck tapfer durch den eben beschriebenen Wahnsinn gekämpft hat, dem verspricht ein besonderes Café Entspannung. Auf der asiatischen Seite der Stadt in Höhe des Prinzessinenturms kann man direkt am Wasser in aller Ruhe bei einem Heißgetränk den Sonnenuntergang genießen.

Es ist ein stiller, geradezu romantischer Ort, an dem die Stadt zur Ruhe zu kommen scheint. Dort gelang es mir, exakt das Foto machen, das ich mir zuvor vorgestellt hatte: Schönste Abenddämmerung, ein tieforangefarbener Himmel, Moschee-Silhouetten und fliegende Möwen. Zugegebenermaßen vielleicht etwas kitschig, aber traumhaft.

Sonnenuntergang vor Moscheesilhouette

Auf Reisen findet sich in meiner Fototasche übrigens nicht sehr viel. Die meisten Bilder fotografiere ich mit meinem einfachsten Objektiv und treuen Reise-Allrounder, einem Sigma 18 – 200 mm f/3.5 an meiner Nikon D7000.

Portraits und lichtschwache Situationen nehme ich mit meinem „Immerdrauf“ auf, einem Nikon 35 mm f/1.8, das sehr leicht ist. Blitze bleiben zuhause. Neben der D7000 kommt immer auch meine Fuji Instax Mini mit, über deren Polaroids im Visitenkartenformat ich mich jedes Mal freue wie ein kleines Kind.

Reges Treiben in einem Markt.

Den Rhythmus Istanbuls muss man erleben. Die Basare und Einkaufsstraßen sind ein Erlebnis für alle Sinne. Alles ist bunt und viel. Und doch scheint abends auch der letzte Imbiss leer gekauft zu sein. Sattwerden ist in Istanbul nur ein netter Nebeneffekt des Essens. Das kulinarische Angebot überforderte mich, aber ich war begeistert.

Nach vier Tagen in Istanbul hatten wir das große Glück, auch noch einige Zeit bei der Verwandtschaft unserer Freundin in der Nähe von Çanakkale verbringen zu können.

Kaputtes Tier in Schüsseln

Es war gerade Bayram, die Zeit des Opferfestes und wir erlebten, wie in allen Dörfern gefeiert wurde. Allein, jemandem ein freundliches Hallo entegegenzubringen und ein fröhliches Fest zu wünschen, bringt einem Unmengen an kleinen, leckeren Dingen als Gastgeschenke ein.

Dabei spielt es keine Rolle, ob man sich kennt oder nicht. Wer Glückwünsche zum Fest ausspricht, ist ein Freund und wird beschenkt und das nicht zu knapp. Bedingungslose Freundlichkeit und Freude über unbekannten Besuch – wenn ich etwas von dort mit zurück nach Hause nehmen wollte, dann das.

Frau auf einer Fähre.

Und immer, wenn ich mir die Bilder dieser Reise anschaue, stelle ich fest, dass es nichts Besseres gibt, als sich von ortskundigen Menschen ihre Heimat zeigen zu lassen. Te?ekkürler für diese großartige Erfahrung!


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on Istanbul und der türkische Westen – eine Reise

Posted in Equipment

 

Grünes Land – eine Reise

04 Sep

Vorsicht! Ihr befindet Euch auf einem recht intimen Streifzug durch meine Gedankenwelt. Aber keine Sorge, pornoreske Ansichten, wie man sie bei Shades of Grey findet, sind hier völlig außen vor. Ich sehe schon, die ersten Leser habe ich verloren. Es geht ehrlich gesagt auch nur um Schottland.

Warum fahre ich drei Mal in dasselbe Land, fragte ich mich. Mir steht quasi die ganze Welt offen. Die Flüge in alle Himmelsrichtungen sind günstig. Alles rückt zusammen, alles ist möglich.

Ich kenne Schottland noch immer nicht, obwohl ich das dritte Mal dorthin reiste, obwohl ich zum wiederholten Male auf unbequemem Untergrund schlief, obwohl ich die Schafe auch dieses Mal nicht zählen konnte und ich doch weiß, dass es mehr sind als die Anzahl an Menschen, die ich traf.

Ein Fluss in der grünen Landschaft Schottlands.

Blick aufs Meer und im Vordergrund ein Vogel auf deinem Baum.

Aber dieses Schottland ist mir wohlgesonnen. Es ist groß, es ist weit und vor allem, wenn man zu Fuß unterwegs ist, nimmt diese Weite zu. Es ist vielfältig an Natur und für einen Großstädter wie mich eine Wohltat an Einsamkeit. Und das Beste: Es ist mit Bahn und Bus und ja, auch mit dem Flugzeug, gut zu erreichen.

Beim ersten Mal reiste ich mit meiner Polaroidkamera, ein System steckte dahinter. Denn ich wollte nur ein Bild am Tag machen. Den Eindruck eines Tages auf ein Bild bannen. Geglückt ist mir das nicht wirklich, denn es kommt immer anders als man denkt.

Beim zweiten Mal reiste ich mit meiner Holga und einigen abgelaufenen Rollfilmen. Auf den Bildern entdeckte ich ein anderes Schottland. Es war verwaschen und grau. Es war das Schottland hinter dem Grün. Ich mochte die Bilder sehr.

Dieses Mal nahm ich meine „normale“ Kamera mit, also die, die sowieso immer bei mir ist. Meine Canon A-1 und genügend Kleinbildfilme in allen Variationen. Das fühlte sich an wie immer und so nahm ich eine Gewohnheit mit in das Land, das ich immer noch nicht wirklich kenne.

Detailaufnahme vom Strand mit seltsamen Bewuchs.

Detailaufnahme vom Strand mit Linien im Sand und im Stein.

Ich möchte kein Plädoyer dafür halten, sich genau zu überlegen, wohin jemand reist und warum. Aber für mich ganz persönlich habe ich viele Antworten erhalten, auf Fragen, die ich nie ganz genau ausformulieren konnte.

Nämlich, warum reise ich, warum fotografiere ich und lerne ich über die Fotografie das bereiste Land und die Menschen kennen? Die Antwort ist ja und nein. Das Medium ist ein Schutz, es ist etwas, das ich vor mich halten kann und durch das ich mich fokussiere. Ich blende die Weite um mich herum aus. Ich schaffe Inhalt, wo ich vielleicht vorher Leere fühlte. Ich baue mir meine Welt zuammen wie ein Puzzle, Stück für Stück. Ich klebe die Details aneinander und betrachte sie hinterher, wenn ich wieder zuhause bin.

Denn das Reisen hört nicht auf, wenn ich in den Flieger steige. Es geht weiter, wenn ich die Filme entwickle und darüber schaue. Ich freue mich immer sehr auf dieses Prozedere, denn es ist, als würde ich noch einmal dort sein und es auf eine gänzlich andere Art und Weise bereisen und kennen lernen.

Ein Pferd auf einer Weide.

Eine tote Maus auf Asphalt.

Aber vielleicht fahre ich das vierte Mal ohne meine Kamera in das Land. Halte nicht fest, was nicht festzuhalten ist und stelle mich der Natur und den Dingen ohne das Schutzschild, das die Weite zusammenfasst.

Ich glaube, ich bin langsam soweit.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on Grünes Land – eine Reise

Posted in Equipment

 

Meine innere Reise

25 Jul

Ein Beitrag von: Daniel Dankelmann

Jedes meiner Bilder ist ein Selbstportrait. Ich befinde mich nun seit 21 Jahren auf dieser Reise. Seid knapp einem Jahr halte ich einen Teil davon fotografisch fest.

Da ich nun schon seit einigen Jahren auch videografisch unterwegs bin, war es nur eine Frage der Zeit, bis ich eine neue kreative Ausdrucksform für mich entdeckte – die Fotografie. Somit ersetzte ich meine gammelige „Suff-Knipse“, die überwiegend auf Partys und Skate-Touren zum Einsatz kam, gegen eine Kleinbildfilmkamera. Mein Kleiderschrank wurde daraufhin zur Dunkelkammer und eine neue Leidenschaft war geboren.

Ich betrachte meine Fotografie als Dokumentation meiner persönlichen Reise. Diese führt mich derzeit durch das Skateboard-Filmprojekt „Wild Boyz“, das von mir filmisch und fotografisch festgehalten wird. Einen Trailer wird es in den nächsten Wochen oder Monaten dazu geben, erscheinen wird der Film Anfang 2015 auf DVD. Fotografisch werde ich das Projekt weiterhin dokumentieren. Ob daraus noch ein größeres Fotoprojekt resultiert, ist noch nicht sicher.

Ich liebe es, zu beobachten, zu dokumentieren, zu interpretieren und zu erschaffen. Die Kamera gibt mir die Möglichkeit, diese Liebe mit anderen zu teilen.

Ein Skater cruist schräg durch die Straße.

Ein Skater mit freiem Oberkörper und Shirt auf dem Kopf.

Diese Fahrt geht nicht geradeaus, sie nimmt Kurven, Kreuzungen und Umwege.
Wir balancieren auf einem schmalen Pfad zwischen Licht und Schatten.

Wir sind auf dem Weg des Lichts,
wenn wir größer denken als unser Schatten uns demütigen kann.

Skater auf einer Flutmauer, neben ihm das Meer.

Skater mit freiem Oberkörper liegt auf dem Boden und hält eine Hand ins Wasser.

Wer gegen den Strom schwimmt, stößt auf die Wand des Widerstandes.
Wer mit dem Strom schwimmt, gerät in die Welle des Untergangs.

In der Ruhe liegt die Erkenntnis von systematischer Manipulation und
menschlicher Natur.

Man droht zu ertrinken und die Sicht ist verschwommen.
Die Quelle schickt uns einen Begleiter,
um unseren Horizont zu erweitern.
Du bist niemals allein, wir sind alle eins, in unserem Sein.

Zwei Männer im Meer und viel Filmkorn.

Mich fasziniert das Duett von Schwarz und Weiß auf Film. Das gibt dem Bild die gewisse Balance. Ich mag es gern kontrastreich und habe eine Vorliebe für Korn. Das liegt nicht an der emsländischen Saufkultur, da bin ich eher der gemütliche Biertrinker.

Wenn ich nicht gerade mit meinen „Boyz“ und dem Rollbrett durch die Straßen ziehe, wandere ich auch gern allein durch die Wildnis des menschlichen Seins. Das ist für mich wie eine Art Meditation. Den Verstand abschalten und von der inneren Führung leiten lassen.

Eine Frau steht hinter einem fein verzierten Tor und schaut in die Kamera.

Täglich laufen wir an uns selbst vorbei. Jede Begegnung ist ein Spiegel Deines Selbst.

Solange wir uns der Manipulation des Systems hingeben, stehen wir hinter Gittern.
Wir sind unwissend gefangen in einer Zelle des egoistischen Verstandes.
Wir leben in Angst.
In dieser Angst verschließen wir unsere Öffnung für die universelle, göttliche Liebe.
Du trägst den Schlüssel zum Tor der Freiheit in Dir.
Es ist an der Zeit dieses Tor zu öffnen.

Seit frühester Kindheit verspüre ich das Bedürfnis, mich frei zu entfalten, wobei ich stets auf der Suche nach mir selbst war und bin. Diese Suche hat mich auf eine Reise geschickt, die mich zum Sinn meiner Inkarnation führt.

Mit der Fotografie habe ich eine Kunst gefunden, die mich bei dieser Reise auf kreative, dokumentarische und spirituelle Weise inspiriert und unterstützt. Dafür bin ich sehr dankbar.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on Meine innere Reise

Posted in Equipment

 

Meine fotografische Reise

31 Mar

Ein Beitrag von: Manuel Estheim

Jeder Mensch nimmt die Welt anders wahr und interessiert sich für andere Dinge. Was mich persönlich am Medium der Fotografie so sehr fasziniert, ist die Tatsache, dass alle Fotografen mehr oder weniger mit dem selben Werkzeug arbeiten, aber dabei von Grund auf verschiedene Arbeiten entstehen können.

Sieht man sich den Werdegang verschiedener Fotografen an, so wird einem ganz schnell klar, dass jeder seine ganz eigene, individuelle Reise beschreitet – und das ist meine:

Mein Arbeiten werden oft als dunkel, surreal und komisch beschrieben. Besonders in letzter Zeit frage ich mich oft, wie es dazu kommt, dass so gut wie alle meine Bilder eine zumindest unterschwellige Traurigkeit besitzen. Beantworten konnte ich mir die Frage noch nicht.

Es ist keinesfalls so, dass ich mich hinsetze und mich frage „Was könnte ich heute für ein trauriges Bild machen?“ Viel mehr gibt es da einfach diese Geschichten in mir, die unbedingt den Weg nach draußen finden müssen, um gehört bzw. gesehen zu werden.

Im Folgenden stelle ich Euch einige meiner Bilder chronologisch vor:

The ghost that haunts me, 2012 © Manuel Estheim

Dieses Bild bezeichne ich gern als meine „fotografische Geburt“. Es gab den Startschuss für eine Reihe von interessanten Entwicklungen – einerseits war es der Start eines 52-Wochen-Projektes (das ich später frühzeitig zugunsten eines 365-Tage-Projektes abbrechen sollte, dazu aber später mehr), wodurch ich nun viel öfter fotografierte.

Andererseits versuchte ich ab diesem Zeitpunkt, zu jedem Bild ein Konzept zu entwickeln und kam so meinem Ziel näher, „nicht nur schöne Fotos zu ma­chen“.

Tourist in the waking world, Februar 2012.© Manuel Estheim

Ich erinnere mich sehr gern an diese Zeit zurück, voller Motivation und Inspiration. Dies war auch das erste Bild, das von einer australischen Band als Albumcover verwendet wurde und mir so zeigte, dass ich mich wohl auf dem richtigen Weg befinde.

Take me to wonderland, März 2012 © Manuel Estheim

Auch wenn dieses Bild optisch nicht mehr viel mit meinen heutigen Arbeiten zu tun hat, halte ich es für einen unglaublich wichtigen Punkt in meiner persönlichen Entwicklung. Es war das erste Mal, dass ich über meinen Schatten sprang und mich selbst nackt in der Natur fotografierte.

Ich kann mich noch ganz genau an den Adrenalin-Kick erinnern und wie ich mich plötzlich fühlte, als würde mich nichts mehr zurückhalten. Dadurch, dass ich in dieser Zeit ausschließlich mich selbst als Modell fotografierte, lernte ich, mit dem menschlichen Körper als fotografischem Subjekt umzugehen.

Die Nachricht des Tages, Juli 2012 © Manuel Estheim

Das vielleicht wichtigste Bild in meinem gesamten Portfolio. „Die Nachricht des Tages“ war das Thema der Klausurarbeit der Aufnahmeprüfung an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz, die ich letztendlich bestand und somit seit Oktober 2012 Grafik-Design und Fotografie studiere.

Mir ist durchaus bewusst, dass unter Künstlern Kunst­schulen und Universitäten teilweise sehr negativ bewertet werden, aber für meine persönliche Entwicklung konnte mir nichts Besseres passieren. Endlich war ich unter Leuten, die meine Leidenschaft teilten, aber dennoch komplett anders arbeiten als ich, wodurch spannende, aber auch weniger spannende Diskussionen (Stichwort: Photoshop) praktisch vorprogrammiert waren.

The act of becoming nature, August 2012 © Manuel Estheim

Bis heute eines meiner absoluten Lieblingsbilder, nicht nur, weil es fast alles in einem Bild vereint, was ich liebe: Natur, ein nackter Mensch und die Verbindung dazwischen. Ich erinnere mich auch sehr gern daran zurück, wie mich mein Freund mit Moos und Dreck eindeckte, bis ich endlich zufrieden mit dem Bild war.

Good night, Oktober 2012 © Manuel Estheim

Mit diesem Bild brach ich mein 52-Wochen-Projekt zugunsten des berühmten 365-Tage-Projekts ab. Zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich festgefahren in meinem Stil, die Ideen gingen mir aus und ich wollte unbedingt so schnell wie nur möglich besser werden.

Zwar war mir der enorme Zeitaufwand bewusst, den dieses Projekt mit sich bringt, aber wenn man es selbst nicht zumindest einmal probiert hat, hat man einfach keine realistische Vorstellung davon, wie hart es wirklich ist, jeden Tag ein Bild zu schaffen, mit dem man bestenfalls auch noch zufrieden ist.

The burden, November 2012 © Manuel Estheim

Während meines 365-Tage-Projektes entfernte ich mich immer weiter von Selbstportraits und mein Freund trat viel öfter vor die Linse. Dies ist eines der wenigen Selbstportraits zu dieser Zeit.

Es war einerseits eine Befreiung, ungewohnterweise einmal nur hinter der Kamera zu stehen, andererseits gab es doch besonders in der Anfangszeit einige Kommunikationsprobleme. Ich war es einfach nicht gewohnt, jemanden zu fotografieren, der nicht das fertige Bild zu 100 % im Kopf hat.

The end, Januar 2013 © Manuel Estheim

Mit diesem Bild beendete ich mein nerven- und zeitraubendes Projekt. Dafür gab es mehrere Gründe: Ich habe ganz klar den Stress, den ein Studium mit sich bringt, unterschätzt. Außerdem konnte ich es einfach nicht mehr mit mir selbst verein­baren, Bilder zu veröffentlichen, mit denen ich nicht zufrieden war und daher auch nicht überzeugt dahinter stehen konnte.

Mit dem Beenden des Projektes fiel ich in eine „fotografische Lethargie“. Plötzlich fehlten mir die Ideen und vor allem immer öfter die Motivation, meine mittlerweile angestaubte Kamera aus dem Schrank zu holen.

Half, Februar 2013 © Manuel Estheim

Umso sicherer ich mir vorher gewesen war, meinen eigenen Stil bereits gefunden zu haben, umso mehr machte sich jetzt Un­sicherheit breit. Ich kaufte mir die verschiedensten analogen Kameras und begann, mit fotografischem Film zu fotografieren.

Anfangs befriedigte mich das auch ganz gut, doch ich merkte immer mehr, dass ich mich zu eingeschränkt fühlte – konnte ich vorher meine Bilder mithilfe der Bildbearbeitung genau so umsetzen, wie ich sie in meinem Kopf hatte, so fehlte mir die­se Möglichkeit nun.

Dies soll keineswegs bedeuten, dass man Photoshop oder ähnliche Programme benötigt, um gute Bilder zu machen, es war lediglich in meinem ganz persönlichem Arbeitsprozess der Fall.

Part I, Mai 2013 © Manuel Estheim

Ich experimentierte immer mehr mit der Nacktheit, die ich nun nicht mehr versuchte, durch bestimmte Körperhaltungen oder Requisiten zu verdecken. Ich entschied mich ganz bewusst dazu, sie zu zeigen.

The longest wait, Mai 2013 © Manuel Estheim

Je mehr ich mit den verschiedensten Dingen experimentierte, desto mehr fiel mir auf, dass meine Bilder zwar optisch anspre­chend waren, jedoch immer mehr an Inhalt, der mir immer so immens wichtig war, verloren ging. Einmal mehr stand also fest: Etwas musste sich ändern.

Daher orientierte ich mich wieder mehr an meinen fotografischen Wurzeln und setzte da an, wo ich aufgehört hatte, zufrie­den mit meinen Arbeiten zu sein: Vor dem Start meines 365-Tage-Projektes.

Manche mögen dieses Bild vielleicht als Rückschritt sehen, doch für mich bedeutete es eine Rückkehr zu meinen Wurzeln und den Versuch, meine experimentellen Ansätze und die immer genauer werdenden Konzepte in einem Bild zu vereinen.

Human?, August 2013 © Manuel Estheim

Natürlich hatten auch mein Studium und die zahlreichen Gespräche mit meinem Fotografieprofessor, den ich sehr schätze, Einfluss auf meine Bilder. Ich begann, noch mehr über meine Bilder nachzudenken, aber auch Strukturen waren mir zu die­ser Zeit wichtig. In „Human?“ versuchte ich, einen Menschen darzustellen, der jedoch als Teil der Natur funktioniert.

The heavy weight, Oktober 2013 © Manuel Estheim

„The heavy weight“ ist bis heute mein ungeschlagenes Lieblingsbild. Das erste Mal seit meinen Anfängen war ich wieder richtig zufrieden und auch das Gefühl, endlich (wieder) einen eigenen Stil gefunden zu haben, bereitet mir immer noch ein warmes Gefühl im Herzen, wenn ich daran zurückdenke.

Entwined forever, Oktober 2013 © Manuel Estheim

Das Gefühl, endlich wieder auf dem richtigen Weg zu sein, beflügelte mich regelrecht und so traute ich mich auch an Bilder heran, von denen ich im Vorhinein absolut keine Ahnung hatte, ob sie denn überhaupt möglich wären bzw. ob ich gut genug wäre, sie möglich zu machen.

„Entwined forever“ machte mir eines klar: Das Limit bin ich selbst. Kann ich mir ein Bild vor­stellen, so kann ich es auch umsetzen. Vielleicht nicht beim ersten, zweiten oder sogar dritten Mal, aber irgendwann ganz bestimmt! Das mag sich jetzt sehr naiv anhören, aber diese Änderung meiner Einstellung half mir ungemein.

The Inbetween, März 2014 © Manuel Estheim

Als ich mit diesem Bild abgeschlossen hatte, war eines für mich klar und zwar, dass es sich um ein misslungenes Experiment handelt.

Erst, nachdem ich mich selbst davon distanzierte und es in einem neuen Licht noch einmal betrachtete, kam ich zu der Erkenntnis, dass es manchmal nur ein bisschen Abstand von seinen eigenen Arbeiten braucht, um sie wirklich schätzen zu lernen.

A sacrifice, März 2014 © Manuel Estheim

„A sacrifice“ ist mein aktuellstes Bild und sieht man genauer hin, so fällt einem auf, dass es mein gesamtes Portfolio in einem gewissen Sinn in einem Bild vereint: Der nackte Körper, die dunkle Natur als Hintergrund, die Verschmelzung von Mensch und Natur.

Ich blicke nun also auf meine bisherige Reise als Fotograf zurück und schon drängen sich wieder neue Fragen auf: Hätte ich etwas anders machen, an gewissen Punkten eine Abkürzung nehmen sollen? War das Experimentieren mit Film wirk­lich nötig oder hätte ich die Zeit lieber nutzen sollen, um meinen alten Stil weiterzuverfolgen?

Natürlich wäre mein Portfolio größer, hätte ich den einen oder anderen Umweg nicht eingeschlagen, doch letztendlich sind auch diese Umwege wichtige Pfade meiner Reise gewesen, ohne die ich jetzt nicht der Mensch wäre, zu dem ich geworden bin.

Ich kann mit Stolz sagen, dass ich jetzt an einem Punkt angekommen bin, an dem ich genau weiß, was mein Ziel ist: Dunkle, surreale und seltsame Bilder zu schaffen, die Menschen zum Denken anregen und mit denen sich vielleicht sogar der eine oder andere identifizieren kann.

In der BeHuman Galerie kann man übrigens seit dem 15. März einige meiner Arbeiten sehen. Wer also zufällig in Texas weilt, ist herzlich willkommen.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
Comments Off on Meine fotografische Reise

Posted in Equipment

 

Am Anfang einer Reise

22 Jun

Ein Beitrag von: David Uzochukwu

Die Frage, die mir wohl am häufigten gestellt wird, wenn Leute meine Bilder sehen, ist die nach meinem Alter. Wenn ich dann mit 14 antworte, sind die meisten Menschen erst einmal erstaunt. 14?

Ich habe unglaubliches Glück, dass ich so früh auf die Fotografie gestoßen bin. Im Sommer 2009 entdeckte ich die Digitalkamera meiner Mutter und war sofort fasziniert von der Idee, Momente festzuhalten. Wie besessen fotografierte ich Blümchen und Katzen. Doch nach einer gewissen Zeit war das nicht mehr so befriedigend wie am Anfang und so suchte ich nach etwas Neuem.

Ich fand flickr. Schnell hatte ich mich angemeldet und erforschte die Seite. Was es da alles gab! So viele Farben und so viel Bokeh! Schnell stieß ich an die Grenzen der Kompaktkamera. Vor anderthalb Jahren bekam ich dann meine Canon EOS 500D geschenkt. Der Qualitätsunterschied begeisterte mich. Aber man kann von einem Blumenstrauß nur eine begrenzte Anzahl Fotos machen, bis man sich langweilt. Ich brauchte Abwechslung!

© David Uzochukwu

Da stieß ich auf Alexis Mire und Brendon Burton und war absolut fasziniert – von ihren Bildern und von den Geschichten, die sie erzählten. So begann ich, mich für Portraits zu interessieren und für das Geschichtenerzählen. Bloßes Dokumentieren war mir nicht mehr genug. Ich wollte erschaffen, erzählen, Menschen mit meinen Bildern zum Nachdenken und zum Fühlen bringen. Das wurde mein Ziel.

Ich durchsuchte das Internet nach Möglichkeiten, meine Idee Wirklichkeit werden zu lassen. Ohne die vielen Menschen, die sich dazu entschlossen haben, ihr Wissen online zu teilen, wäre ich wahrscheinlich nie weitergekommen. Die Werke meiner beiden Vorbilder wurden untersucht und im Detail analysiert.

© David Uzochukwu

Ich fragte mich: Wie geht das? Ich war besessen und ich kann nicht sagen, dass diese Besessenheit inzwischen verschwunden wäre. Ich probierte aus und experimentierte, versuchte mich in analoger Fotografie und dann auch in Photoshop. Hier fand ich letztendlich, was ich gesucht hatte: Einen Weg, meine Bilder zu verbessern. Ich las unzählige Artikel über Bildbearbeitung, sah mir Tutorials an, probierte, machte Fehler und probierte erneut.

Um so viel zu üben, brauchte ich viele Bilder. Aber wen sollte ich fotografieren? Ich kam zu dem Schluss, dass ich mir wohl oder übel selbst als Modell dienen musste. Der Anfang war schrecklich. Alles lief schief: Von der Schärfe der Bilder über die Komposition bis hin zu meinem Gesicht, das ich nicht mochte. Doch ich hörte nicht auf. Ich wollte unbedingt so gut werden wie die Fotografen, die ich im Internet gesehen hatte.

© David Uzochukwu

Und mit der Zeit wurden die Bilder besser. Ich konnte Ideen, die ich hatte, genauer umsetzen, die Bilder wurden öfter scharf und manchmal gefielen sie mir auch. Hin und wieder mochte ich es sogar wirklich, wie ich auf einem Foto aussah. Das Fotografieren wurde zu etwas Persönlichem, Therapeutischem.

Ich fotografiere mich heute nicht, weil sich kein anderes Modell auftreiben lässt, sondern weil ich es will. Das hat nichts mit Narzissmus zu tun, sondern mit Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein. – Wie oft blieben Leute schon stehen und schauten mir zu, während ich halbnackt im Wald lag, angezogen in einem halbversunkenen Boot saß, in einen Container auf der Straße kletterte oder mich auf Baustellen in Erde verbuddelte?

© David Uzochukwu

Fotografie hat mich als Person verändert. Sie gibt mir Sicherheit und sie fordert mich heraus. Sie ist ein Teil von mir. Sie hat meine Aufmerksamkeit geschärft, meinen Sinn für Ästhetik geprägt. Sie hat mir neue Freunde verschafft und mir gezeigt, was Leidenschaft ist. Ich weiß jetzt, dass mich die Fotografie nicht mehr freigeben wird und das ist gut so.

Die Frage, die mir wohl am häufigten gestellt wird, wenn Leute meine Bilder sehen, ist die nach meinem Alter. Wenn ich dann mit 14 antworte, sind die meisten Menschen erst mal erstaunt. 14? Und ich nicke, manchmal stolz.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
Comments Off on Am Anfang einer Reise

Posted in Equipment

 

Lofoten: Reise ins Licht

27 Nov

Ein Beitrag von: Moritz Ilmberger

„Ló“ für Luchs und „foten“ für Fuß. Mitten im europäischen Nordmeer liegt die Inselgruppe der Lofoten. Durch den Vestfjord sind sie vom Norwegischen Festland getrennt. Seine Zeit dort zu verbringen, ist wie eine Reise ins Licht.

Wobei Licht hier ein sehr flexibler Begriff ist. Es ist nicht nur Licht im Sinne von Helligkeit, es ist auch Licht im Sinne unvorstellbarer Farben und Formen. Und das auch bei Nacht. Denn wenn der Sonnenuntergang direkt in den Sonnenaufgang mündet, lässt – bei ein wenig Glück mit dem Wetter – das stundenlange Farbspektakel der Mitternachtssonne die Landschaft erstrahlen.

Dann spendet das Licht der Arktis dem eigenen Körper und der Natur, die einen dort umgibt, unglaubliche Energie und Kraft. Die Zeit scheint stillzustehen. Geschlafen wird nur noch sporadisch. Zumindest nicht in den Stunden um Mitternacht, denn dann beginnt die für den Landschaftsfotografen spannendste Zeit.

Die Bedingungen sind, trotz des Lichts, nicht immer die angenehmsten. So ist es nachts meist recht kalt und in Meeresnähe weht eigentlich generell ein starker Wind. Zumindest mit Regen hatten wir in den statistisch gesehen niederschlagsärmsten Monaten April und Mai nie große Probleme.

Aber ganz egal wie sehr Wind und Kälte, der schwere Rucksack und die schwierige Zeltplatzsuche in den Bergen manchmal an einem nagen, so ist es doch immer wieder die wunderschöne Kulisse, die einen in ihren Bann zieht.

Umrahmt wird die Szenerie von scharfkantigen Bergspitzen, auf denen bis in den Sommer hinein noch Schnee liegt. Nahezu senkrecht stürzen sie ins türkisfarbene, eiskalte Wasser, nur noch gesäumt von den weißen Sandstränden, die sich in die Enge zwischen Bergen und Meer schmiegen.

Kurz ist man geneigt, traurig zu sein. Wenn man tagsüber am Meer steht und den Strand und das Meer am liebsten bei südeuropäischer Wärme genießen würde.

Doch der Tag vergeht und die Dämmerung setzt ein. Dann genießt man den Norden wieder in vollen Zügen. Die Kälte, der Wind und jegliche Gedanken an den warmen Süden sind vergessen. Man taucht ein ins Land des Lichts.

00:01 Uhr Insel Moskenesøya
00:01 Uhr, Solbjørnvatnet, Insel Moskenesøya

00:46 Uhr Insel Moskenesøya
00:46 Uhr, Solbjørnvatnet, Insel Moskenesøya

01:14 Uhr Insel Moskenesøya
01:14 Uhr, Solbjørnvatnet, Insel Moskenesøya

01:46 Uhr Insel Moskenesøya
01:46 Uhr, Solbjørnvatnet, Insel Moskenesøya

22:35 Uhr Insel Moskenesøya
22:35 Uhr, Bunes Beach, Insel Moskenesøya

23:22 Uhr Insel Moskenesøya
23:22 Uhr, Bunes Beach, Insel Moskenesøya
00:25 Uhr Insel Moskenesøya
00:25 Uhr, Bunes Beach, Insel Moskenesøya


00:02 Uhr Insel Flakstadøya
00:02 Uhr, Fredvang auf Flakstadøya

01:08 Uhr Insel Værøy
01:08 Uhr, Nordland auf Insel Værøy

Sicherlich gibt es noch viel auf den Lofoten und generell im Norden Europas zu entdecken: Nicht nur die Mitternachtssonne, sondern auch die unglaublich vielseiteigen blauen Stunden und die tanzenden Polarlichter des dunklen Winters. So freue ich mich sehr auf eine erneute Reise ins Licht. Denn die, da bin ich mir ganz sicher, wird es bestimmt geben.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
Comments Off on Lofoten: Reise ins Licht

Posted in Equipment