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Projekt Riga – eine fotografische Fahrradtour

28 Apr

Ein Beitrag von: Tobias Teich

Die Fotografie kam zu mir in Form einer Minolta X500. Analog. Manueller Fokus. Zwar hatte ich mich schon vorher mit digitalen Kameras versucht, sie boten mir jedoch nicht das, was ich benötigte. Was das war, wurde mir erst klar, als ich die ersten Filme der Minolta entwickelte.

Die manuelle Funktionsweise, die Festbrennweite – all das passte anscheinend wesentlich besser zu mir. Die Ergebnisse waren deutlicher mehr an dem, was ich mit den Fotos zeigen wollte, als die digitalen.

Anfänglich war mein fotografisches Interesse auf den urbanen Raum begrenzt. Ich wollte die Stadt Braunschweig, in der ich lebe und studiere, so zeigen wie ich sie empfinde. Sehr schnell konzentrierte ich mich dabei auf die vielen Fahrradleichen, die überall in der Stadt zu finden waren.

© Tobias Teich

So entstand mein erstes Projekt „Tretmühlen“. Bald erweiterte etwas anderes meinen fotografischen Horizont: Der soziale Aspekt. Durch den Austausch mit Menschen, die den gleichen Zugang zur Fotografie hatten wie ich, bekam meine Arbeit einen sichtlichen Schub.

Zunehmend versuchte ich, meine Projekte schärfer zu fassen. Es erwuchs der Wunsch nach Portraits und dem „guten“ Bild, ohne dabei eine gewisse Lässigkeit nicht zu verlieren.

So drängte es mich – wohl unterbewusst, aber bestimmt – zu einem „großen“ Projekt. Ein Projekt, das mir in vielerlei Hinsicht neue Horizonte eröffnen würde.

© Tobias Teich

So erschuf ich Projekt#Riga als Ausdruck des Wunsches, mit Kamera und Fahrrad nach Riga, der Hauptstadt Lettlands, zu fahren. Noch nie war ich allein im Ausland gewesen – und das in einer Zeit, in der gefühlt jeder Jugendliche schon einmal monatelang durchs australische Outback gewandert ist.

Zudem sollte diese Reise dann in einem Bildband und einer Ausstellung münden. Sehr schnell wurde mir bei der Planung klar, dass die Kosten für das fotografische Equipment sowie für den anschließenden Druck des Bildbandes immens werden würden.

Projekt Riga © Tobias Teich

Ein Freund gab mir den Rat, mich über Crowdfunding zu informieren. Letztendlich meldete ich mich bei Startnext an und erstellte dort eine Crowdfunding-Kampagne.

Eine Freundin erstellte ein Logo, weitere Freunde halfen mir bei den nötigen Videobeiträgen. Mit dieser Kampagne erhielt mein Vorhaben eine ganz neue Ebene.

© Tobias Teich

Ich musste mich und mein Projekt bewerben, musste argumentieren, warum ein künstlerisches Projekt, das auf den ersten Blick nur mich selbst betraf, wert war, unterstützt zu werden.

Nun gab es kein Zurück mehr. Ich konnte das Projekt nicht mehr einfach im Sande verlaufen lassen. Ich musste mich der Aufgabe stellen.

© Tobias Teich

Das Feedback war dann überwiegend positiv und so dauerte es nicht sehr lange bis ich den Betrag, der zum erfolgreichen Abschluss der Kampagne nötig war, beisammen hatte.

Er wurde sogar deutlich überschritten. So konnte ich Kleinbild- und Mittelformatfilme kaufen. Mit Unterstützung der Familie wurde ein adäquates Fahrrad gekauft.

Am 14. April 2013 ging es dann auf die am Ende 1760 Kilometer lange Reise. Zuerst durchquerte ich die Uckermark, dann ging es über Stettin (Polen) an die Ostsee.

Projekt Riga © Tobias Teich

Weiter entlang der polnischen Küste gelangte ich schnell nach Danzig. Diese erste Reisewoche ging ich sehr sportlich an und spürte, dass ich erst noch meinen Rhythmus finden musste, um meinen fotografischen Ansprüchen zu genügen.

Viel zu leicht rollt man mit dem Fahrrad an lohnenden Motiven vorbei. So entschied ich mich, die russische Exklave Kaliningrad mit teilweiser Hilfe der Bahn zu umrunden.

Projekt Riga © Tobias Teich

Dies gab mir die Zeit, mehr auf die nun litauische und dann lettische Küste und Natur einzugehen. Nach 20 Tagen hatte ich Riga erreicht.

Unglaubliche Tage lagen hinter mir, atemberaubende Natur hatte ich durchquert und unendlich lange, mal mehr oder weniger stark befahrene Straßen hatte ich befahren, krasse gesellschaftliche Brüche und Unterschiede waren mir begegnet.

Projekt Riga © Tobias Teich

Projekt Riga © Tobias Teich

Polen und das Baltikum erfahren teilweise einen unübersehbaren Boom. Überall wird viel gebaut, vieles soll noch gebaut werden. Dabei stehen oftmals gleich auf der anderen Straßenseite noch bewohnte Häuser aus einer anderen Zeit.

All das Gesehene habe ich letztendlich in den Bildband gefasst. Mit einer dreiwöchigen Ausstellung in der Braunschweiger Galerie ein Raum 5-7 (und einer in eine Party ausufernden Vernissage) beschloss ich das Projekt.

Projekt Riga © Tobias Teich

Doch auch ein Jahr nach dem Start gen Osten ist die Tour noch immer sehr präsent. Vor Kurzem stellte ich einige Bilder des Projektes im LOT-Theater Braunschweig aus, einige stellte ich für eine studentische Arbeit zur Verfügung und ein Bild wurde für eine Werbekampagne verwendet.

Zusammenfassend kann ich mit Sicherheit sagen, dass mich dieses Projekt deutlich selbstbewusster gemacht hat. Fotografisch wie persönlich. Das nächste Projekt kommt bestimmt!


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Ein Projekt geht um die Welt

12 Apr

Es war bestimmt ein lauer Frühlingstag irgendwann im März 2013, als Penny Felts, die ihre Sofortkamera über alles liebte und auch überall mit hin nahm, plötzlich bemerkte, dass ihr die Ideen ausgingen.

Zum Glück hatte sie sich mit der Zeit ein großes Netzwerk an Fotografen aufgebaut, die ebenfalls wie sie ihre Sofortfilm-Kameras nicht nur als Objekte sahen, sondern auch als eine Sache, der eine Prise Magie anhaftete, wann immer man sie auf sich oder andere hielt.

Warum sollte man sich also nicht zusammen tun und gemeinsam an einem Projekt arbeiten? Immer allein der Magie hinterherjagen, das hatte sie ja nun gesehen, bringt einen manchmal auch an die Grenze seiner Kreativität.

Surrealism, Sunny Side Up © Penny FeltsSilence, The Great Divide © Rhiannon Adam

Transition, The Passage © Amanda Mason

Sie lud elf Frauen aus der ganzen Welt ein, mit ihr gemeinsam eine Reise zu wagen. Bis zu diesem Zeitpunkt war jedoch noch nicht klar ausdefiniert, wie und wohin die Reise überhaupt gehen sollte, aber alle waren sich einig, sie gemeinsam anzugehen.

Sie entschieden, dass die Reise genau zwölf Monate andauern und jeder Monat unter einem eigenen Thema stehen sollte. Jeder durfte sich ein Thema aussuchen und so war jeder Monat mit je einem Thema bestückt, über das sich jeder Gedanken machen musste, um am Ende ein Bild abzuliefern.

Stranger, No One Remembers Your Name when you’re Strange © Marion Lanciaux

Light, Colors of light © Sarah Seené

Als erstes begann Penny Felts, in Tennessee beheimatet, selbst. Sie gab ihrem Monat das Thema „Surrealismus“ und musste den Monat damit also selbst beginnen. Danach durften die anderen elf ihre Interpretation des Themas erarbeiten und zeigen.

Anschließend folgten die anderen mit den Themen: Silence, Transition, Stranger und Light in den Sommermonaten. Im Herbst kamen die Themen Mystery, Reflection und Hysteria hinzu. Den Winter füllten die Themen Bloom und Childhood. Und der letzte Monat der Reise stand unter dem Titel Connection.

Mystery, the enigma of pluto and charon© Maritza de la Vega

Natürlich ist diese Art von Projekt keine neue Erfindung, aber erschwerend kam hier das Verfahren hinzu. Sofortbildfilme sind teuer und möchte man sich nicht nur auf der sowieso schon künstlerisch wirkenden Erscheinung von Sofortbildfilmen ausruhen, musste man erfinderisch sein. Eine digitale Bearbeitung war nämlich nicht erlaubt.

Und so ist es mitunter recht erstaunlich, welche Lösungswege die Teilnehmerinnen gingen, um das jeweilige Thema umzusetzen.

Zu erwähnen wäre hier die Umsetzung des Themas Surrealismus von Penny Felts, die ein Paar zeigt, über dem große Hände gerade dabei sind, das Innere eines rohen Eis auf die Erde klatschen zu lassen. Der Humor und die Mehrdeutigkeit, die dieses Bild mit sich bringen, machen mich doch erheblich staunen. Auch sehr spannend finde ich das Bild von Rachael Baez und ihre Umsetzung des Themas „Bloom“.

Es wurden also alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die ohne eine digitale Bearbeitung möglich sind. Es wurde geklebt, gebastelt, doppelt belichtet oder aufeinander gelegt. Also alles rein analoge Manipulationen.

Secret, Inside © Emilie Trouillet

Im Mai 2013 unterstützte dann auch das Impossible Project diese Arbeit und spendete jeder Teilnehmerin einen Gutschein für Sofortbildfilme, womit zumindest das leidliche Thema der Kosten teilweise geklärt war und sich die Protagonisten auf ihr Thema und dessen Umsetzung konzentrieren konnten.

Das Projekt gewann an Fahrt und im Blog von Impossible wurden die Teilnehmerinnen in gleich mehreren Artikeln vorgestellt.

Mit dabei ist übrigens auch Agafia Polynchuk, die uns hier bei Kwerfeldein schon einmal einen Blick in ihre Welt gewährt hat und beim Projekt den vorletzten Monat mit dem von ihr gewählten Thema „Childhood“ begann.

Reflection, Reflect © Kat WhiteHysteria, Hysterical Paroxysm - A crack through which evil departs the soul © Carmen De Vos

Bloom, Florescence © Rachael Baez

Nun ist seit der Idee ein Jahr vergangen. Es war wohl ein Jahr voller Hochs und Tiefs, zwischen grübeln und verstehen. Eben all das, was einen umtreibt, wenn man gemeinsam an einer Sache arbeitet. Penny Felts antworte mir auf die Frage, wie es ihr jetzt nach einem Jahr geht und ob sie ihr Ideentief nun überwunden hat, folgendes:

Gewissermaßen war ich traurig darüber, dass das Projekt nun endet und denke darüber nach, zu fragen, ob jemand von dem Mädchen sich an einem zweiten Jahr versuchen möchte. Ich habe es sehr genossen und jeden Monat mit Spannung das neue Thema erwartet.

Einige davon waren sehr schwer für mich und ich habe gemerkt, dass ich bei einigen nicht das Bild zustande gebracht habe, das ich wollte; aber ja, das Projekt hat mir alles gegeben, was ich an Hoffnungen hineingesetzt hatte.

Jeden Monat war ich aufs Neue kreativ gefordert, was wiederum meine anderen fotografischen Projekte verbessert hat. Und zusätzlich hatte ich das Vergnügen, mit all den anderen fantastischen Frauen in dieser Gruppe arbeiten zu können.

Childhood, In my magical Universe © Agafia PolynchukConnection, only connect © Emilie Lefellic

Als krönenden Abschluss wird es zwei Ausstellungen geben: Die erste findet in Paris vom 17. Mai bis 12. Juni 2014 im EN FACE, in der 8 rue Gambey, 75011 statt und die zweite in Berlin vom 15. Juli bis 14. Setpember 2014 im INSTANTLAND (Sofortbildshop), Mulackstrasse 22, 10119.

Wer weder nach Paris noch nach Berlin kommen kann, sollte unbedingt einen Blick auf den Blog des 12.12 Projekts wagen, auf dem alle Bilder zu sehen sind. Außerdem gibt es auch eine Facebookseite, um nichts mehr zu verpassen.

Ich danke Rhiannon Adam, Rachael Baez, Penny Felts, Maritza de la Vega, Carmen De Vos, Marion Lanciaux, Emilie Lefellic, Amanda Mason, Agafia Polynchuk, Sarah Seené, Emilie Trouillet und Kat White für die außergewöhnlichen Arbeiten und fürs Zeigen und Vorstellen dürfen.


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Ein explosives Projekt

16 Feb

Ein Beitrag von: Ken Hermann

Eins der faszinierendsten Dinge an der Fotografie ist die Möglichkeit, Zeit einzufrieren. Fähig zu sein, das Fragment einer Sekunde zu zeigen, das man normalerweise gar nicht sieht und so ein solches in sämtlichen Details studieren zu können. Das ist es, was ich am Projekt „Explosions“ so interessant finde.

Ich liebe es, die Fotografie zu benutzen, um Momente einzufrieren. Das können völlig langweilige, alltägliche Dinge sein, die plötzlich sehr schön aussehen – oder weit gefährlicheres Zeug: Wie Explosionen.

Mein Projekt ist persönlicher Natur, noch lange nicht beendet und ich arbeite nebenher daran. Die Hauptschwierigkeit, diese Form von Bildern zu machen, besteht darin, den richtigen Moment einzufangen, wenn die Explosion am besten aussieht. Das gibt der Fotografie in Form der Aufnahme eine andere Dimension.

Explosion © Ken Hermann

Explosion © Ken Hermann

Explosion © Ken Hermann

Explosion © Ken Hermann

Explosion © Ken Hermann

Explosion © Ken Hermann

Explosion © Ken Hermann

Mir gefällt die Diversität in den Bildern; dass zwei Explosionen niemals gleich aussehen. Obwohl ich sehr viel vorbereite, kann ich niemals voraussehen, wie die Explosion stattfinden wird.

Kürzlich habe ich den Hasselblad Masters Award gewonnen und für das Buch das Thema Skateboarden benutzt – auch da ging es darum, das richtige Timing zu finden, um die Skateboarder in der richtigen Position in der Luft aufzunehmen.

Eine weitere Herausforderung des Explosionen-Projektes war es, eine passende und entlegende Örtlichkeit zu finden, damit Menschen nicht verletzt oder irgendetwas anderes beschädigt würde. Und dennoch brauchte ich einen bestimmten Hintergrund.

Doch das Schwierigste war das Timing. Ich benutze Studiolicht, um den Effekt der Explosionen anzureichern – jedoch reicht es aus, nur einen klitzekleinen Bruchteil einer Sekunde zu spät zu sein, um nur noch ein bisschen Rauch zu sehen.

Dieser Artikel wurde von Ken Hermann auf Englisch geschrieben und von Martin ins Deutsche übersetzt. 


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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