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Posts Tagged ‘Phantásien.’

Das zersplitterte Phantásien

12 Feb

Kasmodiah 2 © Tabea Simple

Puppenaugen aus Glas schauen mich an. Das Licht ist diffus und die Gestalten darin seltsam verbogen. Die Farben sind da und sind es doch nicht. Aus den Augen einer Frau wachsen Blütenblätter und auf der Anhöhe einer Wüstenlandschaft betrachtet mich eine stolze Königin mit aufgefächertem Kragen.

Ich träume nicht und doch könnte es einer meiner Träume sein, in denen ich mich gefangen fühle, aber mit kindlicher Neugier den Gestalten stelle, die sich vor mir auftun.

Ein Kind mit geschlossenen Augen liegt da und öffnet den Mund.

Eine Frau schwimmt halbnackt.

Ich kenne die Arbeiten von Tabea Simple schon lange und immer wieder verirre ich mich auf ihre Seite. Lasse mich von ihren Bildern in den Geschichten treiben. Warum ich sie nicht schon längst hier vorgestellt habe, ist mir ein Rätsel. Vielleicht ist das manchmal so: Du findest etwas, es berührt Dich und Du verwahrst es für Dich. Aber jetzt ist Schuss damit. Hier ist sie!

Tabea erschafft Wesen, die an eine verzerrte und viel morbidere Alice im Wunderland erinnern. Ihre Geschöpfe können Angst machen und das ist es, was den Betrachter in die Bilder hineinzieht. Sie konfrontiert uns mit dem Schönen und Hässlichen, mit dem Traumhaften und Albtraumhaften. Sie fordert uns auf, weiter zu schauen, die Bilder zu hinterfragen und somit auch uns selbst.

Eine Königin steht auf einer Düne.Eine Frau mit einer Puppe

Was zunächst an sehr gut gemachte Fashion-Fotografie erinnert, ist weit mehr als das, nämlich Bilder mit einer Tiefe, so tief, dass ich Gefahr laufe, zu stolpern und hineinzufallen, wenn ich nicht aufpasse, wo ich meinen Blick absetze.

In ihren Bildern steht kein Label im Vordergrund, keine Firma, die sie beauftragt. Die Kleider und Requisiten findet sie auf Flohmärkten. Sie nimmt sie mit nach Hause und verändert sie, so dass es oft zu einem Überraschungsmoment kommt, wenn sie gewöhnlichen Flohmarktfunden neues Leben einhaucht und eine neue Bedeutung. Und so kann ein einziges Bild eine ganze Geschichte sein.

Eine Frau steht vor einem Einhorn.

Eine Frau trägt einen roten Stern.

In ihrer Welt dürfen wir träumen, singen und tanzen. Wir dürfen Abenteuer bestehen oder uns in der Falte eines alten Kleides wiederfinden, aus dem wir wie ein Winzling blicken und staunen. Ich bin mir sicher, Michael Ende hätte seine wahre Freude an ihren Geschichten.

Seit 2014 muss sie die Outfits ihrer Modelle übrigens nicht mehr allein herstellen. Sie hat die Modedesignerin Florina Farcas kennengelernt und die beiden sind augenscheinlich ein gutes Team.

Eine Frau liegt auf dem Rücken und schaut in die Kamera in einem fast durchsichtigem Kleid.Eine Frau und eine Doppelbelichtung.

Seit vier Jahren fotografiert Tabea Simple und seitdem werden auch die Settings umfangreicher. Dennoch versammelt sie kein großes Team um sich, verlässt sich aber gern auf eine helfende Hand, ihren Mann und eine Visagistin. Es wird auch kein großes Lichtarrangement getroffen, sondern mit natürlichem Licht gearbeitet, was sie immer wieder vor neue Herausforderungen stellt.

Derzeit arbeitet sie an einem Buch, das ihre besten Arbeiten der letzten vier Jahre beinhalten soll. Ich bin sehr gespannt und werde sie nicht aus den Augen verlieren. Und wer noch weiter träumen möchte, der besucht ihre Webseite oder schaut auf Facebook vorbei.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
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Phantásien. (One-way)

07 Dec

Ein Beitrag von: Marina Refur

Erst hat es so lange gedauert, bis sich die Blätter endlich grün färben wollten und nun wandeln sie sich schon wieder in rot, gold, braun und der Wind trägt sie sanft zu Boden. Beinahe lautlos. Nur manchmal hört man ein leises Rauschen, das verträumte Klänge aus dem Wald hinüberträgt.

Klaviermelancholie. Den Kopf verdreht und das Herz noch schnell in die Hand genommen, renne ich los… Phantásien. One-way. Zumindest für die nächsten Stunden.

courageofothers © Marina Refur

Phantásien? Ohja! Sie warten sicher schon auf mich. Lange war es mir gar nicht so bewusst, aber es gibt wohl kaum ein Buch, das mich gleichermaßen in seinen Bann zieht und mit dessen Charakteren ich mich stärker verbunden fühle als mit denen der unendlichen Geschichte.

Fuchur, der gutmütige Glücksdrache mit seinem silbrig schimmernden Fell und den flauschigen Ohren, die zerbrechliche Kindliche Kaiserin, die auf einen neuen Namen hofft, Atreyu, der mutige Krieger mit seinem Pferd Artax, der starke Steinbeißer und all die anderen wundersamen Geschöpfe Phantásiens.

Sie alle teilen das gleiche traurige Schicksal: Sie exisiteren nur, solange die Menschen träumen. Geraten sie in Vergessenheit, wird Phantásien Stück für Stück vom Nichts verschlungen und kann nur gerettet werden, indem die Dinge neu entdeckt und benannt werden, um so in unser Bewusstsein zurückzukehren.

Wer träumt und in die Welt der Fantasie eintaucht, begibt sich just in diesem Moment auf eine Reise in seine eigene Innenwelt. In das unendliche Phantásien, das in jedem von uns schlummert und darauf wartet, gerettet oder einfach noch ein wenig schöner und lebendiger zu werden.

oceanicsecrets © Marina Refur

growtilltall © Marina Refur

Aber wie ist das nun mit der eigenen Fantasiewelt? Wo und wann begegnet sie uns und was passiert, wenn wir anderen einen Teil davon zugänglich machen?

Oft sind es Assoziationen wie seltsam, zauberhaft, mystisch, verstörend, unerklärlich oder wundersam, die mir im Zusammenhang mit meinen Bildern entgegengebracht werden und nicht selten folgt darauf die Frage nach ihrer Bedeutung. Doch muss es denn überhaupt immer für alles eine Erklärung geben?

Muss Kunst immer eine Botschaft überbringen? Oder kann sie auch einfach um der Kunst Willen bestehen? Liegt die Faszination nicht auch oft im Zauber des Unerklärlichen und Rätselhaften?

ivorychild © Marina Refur

swansneck © Marina Refur

Wenn ich fotografiere, ist das für mich sehr viel mehr als das Bild, das ich am Ende des Prozesses vor mir auf dem Bildschirm sehe. Es ist eine Selbsterfahrung, ein Ausflug in eine bunte Welt, der mich nicht selten zu den tiefsten Gefühlen führt, die in mir verborgen liegen.

Ich lasse mich dabei gänzlich von dem leiten, was mich inspiriert und berührt und verliere darüber oft jegliches Gefühl für Raum und Zeit. Ich hüpfe durch den Wald, renne mit dem Wind um die Wette und küsse in den frühsten Morgenstunden die Blumenwiesen wach.

Ich lache, träume, weine, friere, liebe und bin einfach völlig bei mir. Nur ich und meine Träume. Ich empfinde die Fantasie als das Intimste, Ehrlichste und Unbefangenste in uns, wenn man sie denn lässt.

lastteaparty © Marina Refur

Mir ist es wichtig, meine Emotionen und Ideen so einzufangen wie sie sind, ohne sie durch den Filter der gesellschaftlichen Normen und Zwänge zu drücken und ohne abzuwägen, welchen Eindruck dieses oder jenes Bild anschließend bei Außenstehenden hervorrufen mag.

Natürlich gelingt das nicht immer, aber nur dann stellt sich das unbeschreibliche Gefühl ein, einen Teil meiner Seele befreit oder das Bild direkt von der äußersten Zellschicht meines Herzens abgezogen zu haben, wenn ich anschließend einen Blick darauf werfe.

Es geht mir bei meinen Bildern gar nicht so sehr um die eine Aussage, die später eindeutig und unmissverständlich darauf zu erkennen sein muss. Es geht nicht um das Körperliche, nicht um das, was sich an der Oberfläche befindet. Viel mehr geht es um das, was den Körper lebendig werden lässt. Es geht um Emotionen. Um die Fantasie. Um das, was der Kopf denkt und das Herz fühlt.

awakemysoul © Marina Refur

Ja, ich gebe zu, mitunter brauche ich manchmal etwas Mut, um mich auf die Reise nach Phántasien zu begeben, schließlich weiß ich nie so genau, was mich dort erwartet, doch bisher habe ich es nie bereut. Je öfter ich in dieses Land der unbegrenzten Gedanken eintauche, umso vertrauter wird es.

Seine Gerüche, die Lichter und Farben, das Gefühl, allein und dennoch völlig geborgen zu sein. Was mich anfangs selbst noch ein wenig ins Staunen versetzte oder schlichtweg überraschte, fühlt sich mit der Zeit vollkommen vertraut an.

Seltsam erscheint irgendwann gar nichts mehr. Ich genieße es, mich dabei noch besser kennenzulernen, mich gehen zu lassen und mit kindlicher Naivität erforschen und erträumen zu können, was ich selbst nicht für möglich gehalten hätte.

reverence for fallen trees © Marina Refur

Ich lerne, mir zu vertrauen, mich auszuprobieren und auch in die dunklen Ecken zu schauen, wohlwissend, dass ein gutmütiger Glücksdrache nur wenige Meter entfernt aufmerksam über mich wacht. Dieses anmutige Geschöpf wird mich nach Hause bringen, wenn ich erschöpft bin und genug gesehen habe.

Wenn ich einen Teil meines Herzens auf einer Wiese verstreut, den anderen im Wald begraben und den Rest hoch in die Luft geworfen habe und vor Glück oder Zerstreuung den Heimweg selbst nicht mehr finden würde.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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