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Über die Galerie Oben

02 Oct

Über den Wert von Kunst kann man lange Anekdoten schreiben. Keine Bange, die in Falten gelegte Stirn kann gern entrunzelt werden, denn es folgt keine hochintellektuelle kunsttheoretische Abhandlung. Ich möchte ein alternatives Ausstellungskonzept vorstellen, das zeigt, welche Kraft Kunst entfalten kann, wenn man passende Schlüssel zum Verstehen untereinander austauscht.

Ich bin erst vor kurzem Teil der kwerfeldein-Redaktion geworden und Martin hat mich vor einiger Zeit gefragt, ob ich nicht irgendwann Lust hätte, eine fotografische Arbeit von mir vorzustellen. Ich möchte stattdessen gern von einem alternativen Ausstellungskonzept, der (Ge-)Heimgalerie Oben, berichten. Mein Beitrag darf Dich gern zum Nachmachen inspirieren. Bevor ich Euch die Galerie Oben vorstelle, will ich erzählen, wie es dazu kam.

Ein Interesse an Kunst ist bei mir vor Kurzem neu aufgeflammt, nachdem ich mich an meiner eigentlichen Profession satt gedacht hatte. Mittlerweile habe ich einen kleinen Berg Lektüre über Kunst verschlungen und gehe gern auf Ausstellungen. Meine ersten Begegnungen mit der Kunstwelt haben bei mir jedoch relativ schnell rege, rhythmische Salven an Irritation hervorgerufen.

Ausstellungen sind in der Regel recht gut besucht. Mich verwunderte jedoch lange Zeit, dass für so manchen Ausstellungsbesucher das Weinbuffet interessanter zu sein scheint als die Kunst, die an den Wänden hängt. Böse Zungen mögen behaupten, dass Vernissagen die Freitag- und Samstagabendpartys für den Berufstätigen im Alter von 30+ sind.

Auch beschlich mich relativ schnell das düstere Gefühl, dass Galeriekunst ein eher kleines Publikum anspricht. Um die liebevoll an Wände und im Raum drappierten Werke zu verstehen, benötigt man verschiedene Schlüssel, die dabei helfen, Zeichen und Symbole zu deuten. Diese Schlüssel sind meistens auf Vernissagen nicht ganz leicht zu ergattern.

Die letzte Ausstellung, die ich besuchte, umfasste eine Makro-Videoaufnahme von Knöpfen sowie auf dem Boden verteilte, aneinandergeleimte Plastikrohre. Andere Besucher waren wohl ähnlich irritiert, sodass ein Unglücksrabe auf die Installation „Fensterglas am Boden“ trat, in panikartigem Zustand die Flucht ergriff und den Künstler mit vertränten Augen zurückließ. Vergleichbar humoristische Anekdoten über die Kunstwelt sind übrigens bei Glen Coco im Vice Magazine nachlesbar.

Ich will ganz ehrlich sein: Auf den meisten Ausstellungen verstehe ich auch heute nur die Hälfte von dem, was der Künstler wohl sagen will. Meistens fühle ich mich wie Inspektor Columbo, der die Skulptur „Geist eines toten Hundes“ bewundert. Auf den wenigsten Ausstellungen habe ich das Gefühl, persönlich bewegt oder angesprochen zu sein.

Barnett Newman (1905 – 1970) meinte: „Die Bedeutung [von Kunst] muss sich durch das Sehen und nicht das Sprechen ergeben.“ Ich würde Newman zustimmen. Persönlich habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass das Sprechen über Kunst neue Bedeutungsebenen erschließt, die durch das bloße Sehen nicht erfassbar sind. Diese Erfahrung des Mehrwerts durch das Sprechen über Kunst war ein Hauptmotivator für die „Gründung“ der Galerie Oben.

Eine Einladungskarte mit PortraitEin Mann zieht sich den Pullover über den Kopf.

Einladungskarte mit Spielautomat

„Geister“ von Marit Beer

Ein bisschen frustriert von meinen anfänglich tapsigen Versuchen in der Kunstwelt habe ich beschlossen, die Galerie Oben zu eröffnen. Und das zunächst in meiner Wohnung. Ich hatte von ähnlichen alternativen Kunstschauplätzen, also einer Art „geheimer Galerien“, schon gehört. Unter anderem existiert derzeit in Berlin eine von der Künstlerin April Gertler gegründete Wohnungsgalerie namens Sonntag, die Kunst und Kuchen jeden dritten Sonntag in Berlin in einer leeren Wohnung anbietet. Ein tolles Konzept, wie ich fand!

Am Anfang ging es mir vor allem darum, Menschen, die ich schätze, einander vorzustellen und miteinander zu vernetzen. Die Galerie Oben trägt ihren Titel deshalb, weil der Hauptausstellungsraum sich in einer Erhöhung in einem Raum befindet, der nur über eine wacklige Holzleiter begehbar ist. Mir war diese Konzeption wichtig, weil es einen kritischen Bezug zu bestehenden Ausstellungskonzepten herstellt, also einen eher beschwerlichen Weg zum Kunstverständnis physisch spürbar macht.

Die erste Künstlerin, die in der Galerie Oben ihre Bilder zeigte, war Marit Beer, die ich auf ihrer ersten Ausstellung in Berlin kennengelernt habe. Irgendwann habe ich ihr von meiner Idee zur Galerie Oben erzählt und sie hat eingewilligt, ihre Serie „Geister“ auszustellen.

Die Serie thematisiert übernatürliche und mystische Phänomene. Mich sprachen ihre Arbeiten an, weil sie ohne Sprache funktionieren und auf einer ästhetischen Ebene zauberhaft entrückt wirken. Marit sagt über ihre Arbeiten:

Zum einen möchte ich mich mit Menschen, mit denen ich arbeite, austauschen und zum anderen Betrachter erreichen. Ich möchte weder belehren, noch die Welt besser machen. Aber es ist schön, die Fantasie anderer anzuregen und Ideen zu kommunizieren.

Schöner und treffender kann man den Wert von Kunst nicht in Worte fassen. Diese beer’sche Philosophie war maßgeblich für die Zusammenstellung der ersten Ausstellung. Im Rahmen der Eröffnung haben wir 25 Einladungskarten erstellt, die wir über den Postweg versendet haben. Dieser persönliche Kontakt hat für mich vor allem etwas mit Wertschätzung der Besucher und der Künstler zu tun.

Mir war es ein Anliegen, einen Raum für Gespräche zu gestalten, der die Leute zum Austauschen und Kennenlernen anregt. Dazu habe ich die Besucher gebeten, Getränke mitzubringen. Letzteres hat mich nicht nur vor einer privaten Wirtschaftskrise bewahrt, sondern auch dazu beigetragen, dass alle Eingeladenen bei der Gestaltung des Abends involviert waren. Im Verlauf dessen haben sich Gespräche über Kunst und Fotografie, Geister und schottischen Absinth entsponnen. Da sich die Besucher angeregt mit Marit unterhielten und anscheinend wohlfühlten, plante ich eine Fortsetzung.

Eine Frau haucht an eine Folie.Eine Frau steht hinter einer Folienwand.

„A Lower World“ von Giampiero Assumma

Ich lud den italienischen Fotografen Giampiero Assumma ein, in der Galerie Oben auszustellen. Seine Serie „A Lower World“ thematisiert das Thema „Madness“ oder „Verrücktheit“. Dazu hat Giampiero mehrere Jahre Insassen in forensischen Psychiatrien in Italien portraitiert. In seinen Arbeiten geht es vor allem um Grenzen des Normativen und wie sich Anderssein ausdrückt. Seine Arbeiten schätze ich vor allem für ihre psychologische Tiefe und technische Brillianz.

Da mir das Thema für meinen doch sehr gemischten Freundes- und Bekanntenkreis nicht ganz leicht verdaulich erschien, bat ich Christian Kaufmann, einen befreundeten Wissenschaftler, einen kurzen, verständlichen Einführungsvortrag zu halten. Christian stellte verschiedene Definitionen psychischer Erkrankungen vor. Er berichtete auch über historische Veränderungen und aktuelle Entwicklungen psychischer Diagnosen.

In der Galerie Oben entstand eine heitere Atmosphäre, die Raum für Albernheit und lockeren Austausch bot. Vor allem merkte ich, dass man sich in so einem Rahmen eher traut, Fragen an den Künstler zu stellen, für die an anderer Stelle kein Platz ist. Giampiero berichtete über seine persönliche künstlerische Motivation und über humorvolle sowie ernste Begebenheiten während seiner Arbeit in den forensischen Psychiatrien.

Soladatengruß von vier Männern.

Zwei rauchende Männer.

„Romantik in Zeiten des Kapitalismus“ von Oliver S. Scholten

Nach diesem Abend stand das Fundament der Galerie Oben und die nächste Ausstellung wurde geplant: Eine Exkursion in das Atelier Unten (Position Fotografie) von Oliver S. Scholten. Die Idee zu einer Exkursion hatte verschiedene Gründe:

Zum Ersten habe ich den Nachbarn unter mir am darauffolgenden Tag mit einem Blumenstrauß und wackeligen Besserungsbekundungen besänftigen müssen. Er fand die Liebesgesänge auf die Leica M6 doch etwas zu laut. Zum Zweiten fand ich die Idee, dass eine Galerie Oben in ein Atelier Unten wandert, um Kunst zu betrachten, symbolträchtig (der Kunstkenner erspäht vielleicht die Ironie in dieser Analogie).

Thematisch orientierte sich die Idee zur Ausstellung an den Konzepten von Eva Illouz, einer Soziologin, die historische Veränderungen von Gefühlswelten erforscht. Zu diesem besonderen Anlass lud ich Brooke Nolan, eine Wissenschaftlerin aus der Anthropologie, ein, einen Einführungsvortrag zu halten.

Sie berichtete darüber, wie sich die Definition von Liebe zwischen verschiedenen Kulturen unterscheidet und welche Rolle Gesellschaftssysteme bei der Ausgestaltung zwischenmenschlicher Bindungen spielen. Den weiteren Höhepunkt des Abends bildete eine Musikperformance von Lucrecia Dalt.

Im Herzen ist Oliver selbst ein Romantiker. Eine romantisch anmutende Arbeit möchte ich hier kurz vorgestellen, da sie dafür steht, wie sich die Kraft von Kunst voll entfalten kann: Oliver hat vor Jahren auf einem Flohmarkt ein einzelnes Puzzleteil gefunden und aufgehoben. Unerwarteterweise sollte das seltene Fundstück noch sein Gegenstück finden, denn vor ein paar Monaten traf er eine junge Frau, die durch Zufall das Tattoo eines exakt gleichen Puzzleteils im Nacken trug.

Solche magnetischen Anziehungskräfte haben vielleicht eine tiefere Bedeutung: Diese beiden Fotografien können nicht nur symbolisch für Liebe in Zeiten des Kapitalismus stehen (die „Suche nach dem fehlenden Puzzlestück“), sondern unterstreichen auch die Philosophie der Galerie Oben, denn es geht darum, passende Puzzlestücke anzubieten, die das Verständnis von Kunst erleichtern.

Galerie Oben Oliver S Scholten und Brooke Nolan

Vortrag von Brooke Nolan © Giampiero Assumma

Musikerin mit Gitarre

Lucrecia Dalt in der Galerie Oben © Kat Kapo

Was braucht man für eine (Ge-)Heimgalerie?

Eigentlich nicht viel: Leute, die sich für Kunst interessieren und Leute, die (gute) Kunst machen. Es braucht einen Ausstellungsort und ein bisschen Mut zum Chaos. Es braucht eine persönliche, warme Atmosphäre, die Gespräche ermöglicht, die in herkömmlichen Ausstellungsräumen meist nicht entstehen. Es braucht vielleicht ein bisschen Leidenschaft.

Es braucht nicht unbedingt so viel Programm, wie das bei mir der Fall war. Es reicht schon, ein paar Kunstwerke auszustellen und die Leute miteinander ins Gespräch zu bringen. Wenn das gewährleistet ist, dann erreicht man das, was Kunst fernab von marktorientierten Kriterien bedeutet: Miteinander kommunizieren, berührt werden, sich einlassen und mit anderen Personen (zusammen) wachsen.

Das macht im Wesentlichen für mich den Wert von Kunst aus. Das ist im Kern auch das, was bei den meisten Menschen mit Lebenszufriedenheit einhergeht: Enge und warmherzige Kontakte zu pflegen, die nichts Unmenschliches fordern, aber Raum für Entwicklung ermöglichen.

Einige Freunde haben mir bereits von anderen Ausstellungskonzepten aus den letzten Jahrzehnten berichtet, die ähnlich gut funktionierten. In diesem Sinne möchte ich Euch ganz herzlich einladen, eine eigene Galerie zu gründen und Freunde/Bekannte/(für Mutige:)Unbekannte einzuladen. Einen Versuch ist es wert! Und im schlimmsten Fall kennt Ihr Eure Nachbarn etwas besser und verziert deren Küchentische am darauffolgenden Tag mit einem bunten Blumenstrauß.

Galerie Oben Publikum

Galerie Oben © Giampiero Assumma

Lachender Mann

Christian Kaufmann © Kat Kapo

Künstler erklärt Kunst

Oliver S. Scholten © Kat Kapo

Menschen vor Galerie

Galerie Oben © Giampiero Assumma

Wer sich über die ausgestellten Künstler und deren Inhalte informieren möchte, schaue auf der Webseite der Galerie Oben nach. Dort wird voraussichtlich auch die nächste (öffentliche) Galerieschau angekündigt.

Wer sich für die Tücken des Kunstmarktes interessiert und Hintergrundlektüre zum Wert von Kunst sucht, dem seien folgende drei Publikationen wärmstens ans Herz gelegt:

Findlay, Michael (2012). Vom Wert der Kunst. Ein Insider erzählt. München: Prestel Verlag.
Völcker, Wolfram (Hrsg.) (2009). Was ist gute Kunst?. Ostfildern: Hatje Cantz Verlag.
Thornton, Sarah (2009). Sieben Tage in der Kunstwelt. Fischer Verlag.

Über Kommentare Eurerseits, Berichte über eigene „geheime“ Galerieversuche oder Fragen zur Konzeption freue ich mich natürlich.


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Von oben betrachtet

02 Jun

Die „Mall Armenia“, früher Galerie „Gabriel Mejia“, ist das Herz des beliebten Handelszentrums der Hauptstadt der Provinz Quindio in Kolumbien. Für wenig Geld kann man dort alle wichtigen Waren und Dienste erwerben. Auf extrem engem Raum sitzen die Händler und Dienstleister dort in ihren Kabinen, um sie herum drei Metallplatten, an denen alles untergebracht ist, was sie definiert oder was sie anzubieten haben.

Diesem skurrilen Mikrokosmos hat sich Gabriel Linares fotografisch angenommen. Der 23-Jährige ist Journalist und Sozialvermittler, angehender Fotojournalist und Designer für Audiovisuals. Im Spannungsfeld seiner Tätigkeiten interessiert er sich insbesondere für das, was er in seinem direkten Umfeld vorfindet.

Seine Serie „A vuelo de pájaro“ zeigt die Handwerker der Mall aus einer anderen Perspektive, die der normale Bürger nie haben wird, der ihnen und ihren Läden immer von vorn gegenübertritt. Aus der Vogelperspektive werden Details und Gegenstände hinter den Ladentischen ebenso sichtbar wie die unterschiedliche Art der Einrichtung.

Winziges Ladengeschäft eines Schneiders, weitwinklig von oben fotografiert.

Cesar Burbano, Schneider

Winziges Ladengeschäft eines Botanikers, weitwinklig von oben fotografiert.

Cesar Burbano, Botaniker

Winziges Ladengeschäft eines Sammlers, weitwinklig von oben fotografiert.

Alberto, Sammler

Winziges Ladengeschäft eines Händlers, weitwinklig von oben fotografiert.

Gustavo Rincón, Händler

Winziges Ladengeschäft eines Händlers, weitwinklig von oben fotografiert.

Alirio Zuluaga, Händler

Winziges Ladengeschäft eines Technikers, weitwinklig von oben fotografiert.

Gemay Marulanda, Techniker

Winziges Ladengeschäft einer Schuhmacherin, weitwinklig von oben fotografiert.

Laura Gómez, Schuhmacherin

Winziges Ladengeschäft eines Botanikers, weitwinklig von oben fotografiert.

Jose Noel, Botaniker

Winziges Ladengeschäft eines Schneiders, weitwinklig von oben fotografiert.

Edgar Alzate, Schneider

Winziges Ladengeschäft eines Sammlers, weitwinklig von oben fotografiert.

Fernando, Sammler

Winziges Ladengeschäft einer Stylistin, weitwinklig von oben fotografiert.

Luz Sánchez, Stylistin

In diesen winzigen Räumen herrscht teilweise Chaos, teilweise penible Ordnung, aber so richtig einladend wirkt keiner auf mich. Auf so engem Raum bleibt auch wenig Platz für Werbung oder ein ausgefeiltes System. Es muss nur alles untergebracht werden, was verkauft werden soll oder Gerätschaft für ein Handwerk ist.

Vor allem wird sehr deutlich, welche Vielfalt an Dingen hier auf kleinstem Raum seinen Platz findet, von dem aus eine Person ihr Überleben sichert. Gemein ist dabei allen Kabinenläden, dass sie nicht visuell ansprechend eingerichtet sind, wie wir es (hierzulande?) gewohnt sind.


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Mit Schwung nach oben

25 Apr

Dass Treppen nicht bloß funktional dazu dienen, um in Gebäuden von einer Etage auf die nächste zu kommen, hat der Fotograf Steve Simon verstanden. Als architektonische Elemente werden sie mitunter räumlich als materialisiertes Sinnbild für Bewegung inszeniert.

Welche ästhetische Qualität dieses Spiel hat, zeigt uns Steve anhand seiner Serie, deren Leitbild die Konzentration auf die wesentlichen Formen ist. Mit weitwinkligen Perspektiven entlang der Treppenachsen erzeugt er eine Dynamik, die die „eingefrorene“ Bewegung betont.

Wenn er auf seiner Suche nach neuen dankbaren Exemplaren fündig wird, wählt er für seine Aufnahmen nicht selten den Blick von unten nach oben. Da die Ausbeute an natürlichem Licht im Erdgeschoss der Treppenhäuser mitunter recht spärlich ist, wird fast immer die Nutzung eines Stativs notwendig.

Manchmal legt er sich aber auch auf den Boden, um den am besten geeigneten Blickwinkel zu finden. Bei so viel Hingabe hat er dann nicht selten die erstaunten Blicke Treppensteigender auf seiner Seite.

© Steve Simon

© Steve Simon

© Steve Simon

© Steve Simon

© Steve Simon

© Steve Simon

© Steve Simon

© Steve Simon

Mehr von Steves Treppenbildern sowie weitere seiner Arbeiten findet Ihr auf seiner Webseite.


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Island von oben

19 Oct

Ein Beitrag von: Andre Ermolaev

Die Geschichte meiner Luftaufnahmen von isländischen Flüssen begann 2010, als mein Freund Mike Reyfam mir vor unserer Reise nach Island schrieb: „Lass uns ein paar Tage früher anreisen und versuchen, Bilder aus dem Flugzeug heraus zu schießen – das wird sicher interessant.“

Und dann flogen wir wirklich, ich das erste Mal. Michaels Fotos waren interessant, meine eher nicht.

Aber das Thema hatte mich gefesselt und ich las nach unserer Reise mehr darüber. Ich stellte fest, dass die interessantesten Luftbilder von Flussläufen waren und dass es nur sehr wenige Fotografen mit herausragenden Bildern auf diesem Gebiet gab. Ich beschloss also, die schönsten Orte in Island zu finden, um etwas Besonderes zu fotografieren.

© Andre Ermolaev

© Andre Ermolaev

Im Zeitraum der drei Jahren 2011 bis 2013 tat ich dies. In dieser Zeit flog ich mehrere tausend Kilometer und fand atemberaubende Bilder. Ich denke, niemand sonst hat eine solche Bildersammlung isländischer Flüsse.

Durch das viele Fotografieren habe ich unbezahlbare technische und praktische Erfahrungen gemacht: Wie man am besten fotografiert, mit welcher Technik, wie man unter diesen Bedingungen am besten arbeitet.

Das Interessanteste für mich war die Erstellung von Panoramen aus bis zu zehn Fotos, die zusammen ein Bild in hoher Qualität ergeben, das man ohne Weiteres auf 2 x 5 m Größe drucken könnte.

© Andre Ermolaev

© Andre Ermolaev

Die größte Schwierigkeit besteht darin, die Zeit zu finden, den Alltag zu durchbrechen, um für kurze Zeit diese fantastische Welt von oben zu sehen. Natürlich plane ich auch einige Dinge vor jedem Shooting. Das Wesentliche ist, welche Regionen man überhaupt erkunden möchte, aber das Wichtigste ist das Wetter: Die beste Zeit für Flüge ist der frühe Morgen.

Am besten verlässt man Reykjavik abends, denn dieser Flughafen öffnet erst gegen 9 Uhr morgens, und fliegt zu einem kleineren Flughafen, der weiter entfernt ist. Von da aus kann man bereits um 4 Uhr morgens aufbrechen. 

Zu Hause verbringe ich dann viel Zeit am Computer, um die Bilder auszuwählen, zu bearbeiten, zu Panoramen zusammenzufügen und zu drucken.

© Andre Ermolaev

© Andre Ermolaev

Das Fotografieren an sich ist eigentlich ziemlich einfach: Man nimmt neben dem Piloten Platz und fliegt zu einem interessanten Ort. Dann öffnet man das Fenster und fotografiert. Es ist wichtig, dass der Pilot versteht, was genau man fotografieren möchte und möglichst exakt fliegen kann.

Dann drosselt er die Geschwindigkeit und kippt leicht. Nach den vielen Stunden gemeinsam im Flugzeug versteht der Pilot meine Gesten schnell, zum Sprechen ist es im Flugzeug zu laut.

Mein Plan für die Zukunft? Weiter über isländische Flüsse fliegen, denn mir scheint dieses Gebiet unendlich. Vielleicht auch in einem anderen Licht und zu einer anderen Jahreszeit. Die bisherigen Bilder entstanden meist im Juni und Juli. Im September würden sich komplett andere Bilder ergeben.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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