RSS
 

Posts Tagged ‘Norden’

Unterwegs im Norden Irlands

08 Jan

Die grüne Insel zählt neben Großbritannien zu unseren Lieblingsreisezielen. Die Anreise geht zügig und an den Linksverkehr hat man sich schnell gewöhnt. Was einen erwartet, ist eine abwechslungsreiche Landschaft, spektakuläre Küsten, wechselhaftes Wetter und zahlreiche Schafe. Wir haben uns dieses Mal für Ende Juli als Reisezeit entschieden, in der Hoffnung, auch in Irland etwas Sommer zu haben.

Tja, mit Sommer und Sonne in Irland ist das so eine Sache. Egal wieviel man plant, es ist eigentlich immer ein Glücksspiel mit dem irischen Wetter. Grauer Himmel und tief hängende Wolken begrüßten uns nach unserer Ankunft in Antrim im Norden Irlands. Der Regen ließ auch nicht lange auf sich warten und so verbrachten wir den ersten Abend in unserem gemütlichen B&B und nicht an einem der spektakulären Strände Antrims.

Der nächste Tag begann ähnlich. Der Regen nahm sogar noch zu. Aber kein Grund, den Kopf in den nassen Sand zu stecken. Perfektes Wetter, um Wasserfälle zu fotografieren. Fast drei Sunden wanderten wir im strömenden Regen durch den Glenariff Forest Park. Mit Regenschirm am Stativ versuchte ich, etwas von der Stimmung einzufangen.

Ess-na-Laragh

Durchnässt fuhren wir nachmittags wieder zurück an die Küste. Für kurze Zeit zeigte sich nun sogar die Sonne. Das Ergebnis war eine ganz besondere Gegenlichtsituation am Whiterocks Beach. Solchem Licht begegnet man in Irland sehr oft, wenn das Wetter umschlägt. Diese Wechsel sind es, die Irland neben der Landschaft so interessant machen. Nach einer Viertelstunde war es mit dem goldenen Licht wieder vorbei und es deutete sich ein grauer Abend an.

Light - Whiterocks Beach

Aber es war unsere letzte Chance, einen Sonnenuntergang am Giant’s Causeway zu erleben. Nachdem wir am Vortag kein Glück hatten, versuchten wir es noch einmal und fuhren vorbei an Bushmills zum Visitor Center. Nach 21 Uhr parkt man hier kostenlos, da das Visitor Center genau dann schließt. Es lohnt sich also, den Causeway abends zu besuchen. Noch besser ist der frühe Morgen, da dann weniger los ist.

Reichlich vor Sonnenuntergang kamen wir unten an der Küste an und ich hatte genug Zeit, mich auf den hexagonalen Felsen nach möglichen Kompositionen umzusehen. Genug Zeit zu haben, ist mir wichtig beim Fotografieren. Es gibt nichts Schlimmeres als aufkommende Hektik. Das tut den Fotos selten gut.

Ich unterhielt mich auch mit anderen Fotografen vor Ort und wir überlegten, ob der Himmel nochmal aufbrechen würde. Wir erwarteten nicht viel.

Dann, kurz vor Sonnenuntergang, durchbrach die Sonne für wenige Minuten die Wolkendecke. Es tat sich noch nicht viel, aber so dicht schienen die Wolken doch nicht zu sein. Vielleicht würde es für etwas Farbe nach Sonnenuntergang reichen.

Bloody Causeway

Causeway Dream

Was zehn Minuten später geschah, seht Ihr auf diesen Fotos. Fast eine Stunde vom möglicherweise besten Licht, das ich je erleben durfte. Jetzt zahlte es sich aus, dass ich die Felsen vorher in Ruhe erkundet hatte. Zufrieden ging es um 23 Uhr zurück ins B&B.

Am nächsten Tag besuchten wir die Carrick-a-Rede-Hängebrücke und die Dark Hedges. Bei den Dark Hedges handelt es sich um eine wunderschöne Allee alter Buchen. Zeitweise fühlt man sich hier wie in einer Fantasywelt. Kein Wunder, dass dieser Ort so oft fotografiert wird. Wer mal in Nordirland ist und diesen Ort sehen möchte, für den habe ich auf Flickr die Koordinaten markiert.

The Dark Hedges

Wir fuhren weiter nach Donegal in Richtung Rosguill Peninsula. In der Nähe von Millford hatten wir unser zweites B&B gebucht, das Mala Rua. Hier muss ich eine große Empfehlung aussprechen. Vor allem das Frühstück ist etwas ganz Besonderes. Man startet mit einem Drei-Gänge-Menü in den Tag.

Doch vorher hatte ich noch zwei Motive auf meiner Liste. Abends machten wir uns auf die Suche nach dem Boyeegther Strand, von Einheimischen auch liebevoll Murder Hole genannt. Einsam und abgelegen genug war dieser Strand, doch wurde er an diesem Abend nicht zur Murder Hole. Es gab wieder reichlich magisches Licht und eine tolle Brandung zu fotografieren.

The Murderhole

Dann schnell zurück ins B&B. Es war schon sehr spät, da die Sonnenuntergänge im Juli sehr lange dauern. Vier Stunden Schlaf bekam ich, bevor ich zu meinem nächsten Motiv aufbrach: Dem Fanad Leuchtturm. Nach einer Stunde dann der Moment, auf den ich gehofft hatte, als die Sonne über den Wolken hervorkam. Filter allein reichten nicht, um dieses Foto zu machen. Mit der Sonne im Bild waren mehrere Belichtungen und reichlich Nachbearbeitung nötig.

Fanad Light

Auch wenn es sich so anhört, in unseren Urlauben wird nicht nur fotografiert. Ich habe zwar eine sehr tolerante Freundin, aber neben den Sonnenuntergängen und einem gelegentlichen Sonnenaufgang, für den ich dann ganz allein aufstehe, machen wir auch ganz normal Urlaub.

Also ließen wir es nach besagtem Frühstück erst einmal ruhiger angehen. Die Reise war sowohl aus fotografischer Sicht als auch vom reinen Erleben jetzt schon ein Erfolg. Das Wetter zeigte sich an diesem Tag von seiner besten Seite und wir fuhren zu einem der weiten Strände auf der Fanad Peninsula. Ich nutzte die Zeit am Strand, um etwas Schlaf nachzuholen und zu überlegen, wo ich an diesem Abend fotografieren könnte.

Ich hatte noch kein spezielles Motiv im Kopf. Sollte ich das Foto zum Sonnenuntergang etwa mal ausfallen lassen? Nein, dazu sah der Himmel einfach zu vielversprechend aus. Außerdem war nicht sicher, was die nächsten Tage bringen würden.

Eine Stunde vor Sonnenuntergang parkte ich unseren Mietwagen am Atlantic Drive. Von oben sah dieser Küstenabschnit interessant genug aus. Ich schnappte mir Stativ und Kamera und begab mich hinab ans Meer. Eine gute Entscheidung: Sonnenuntergangshattrick.

Atlantic Sunset

Wie gut diese Entscheidung war, zeigte sich die nächsten drei Tage: Regen zu Sonnenuntergang, Regen zu Sonnenaufgang. Und tagsüber? Da gab es das gelegentliche Loch in der Wolkendecke. Wir verbrachten diese Zeit mit kleinen Wanderungen wie hier im Poisoned Glen. Das Foto war kaum im Kasten und schon mussten wir den Spurt zurück zum Auto antreten. Genau: Regen – und dieses Mal waren leider keine Wasserfälle in der Nähe.

Poisoned Glen

Den folgenden Tag schauten wir uns die Gegend zwischen Dungloe und Falcarragh an. Die Küsten dort sind spektakulär. Besonders vom Bloody Foreland hätte ich gern ein paar Fotos mitgebracht. Zwei Mal fuhren wir nach Knockfola Lower, zwei Mal setzte starker Regen ein und die roten Felsen des Foreland blieben in Schatten gehüllt.

Auch am wunderschönen Strand bei Mullaghderg hatten wir Pech. Wir waren noch nicht lange dort und schon setzte der Regen ein. Erneut kein brauchbares Foto. Aber was sollte man nach den vorherigen Tagen erwarten? Ein vierter Sonnenuntergang dieser Art wäre zu viel des Guten gewesen.

Am letzten Tag fuhren wir zur Slieve League, den höchsten Klippen Europas. Über 600 Meter erheben sie sich steil aus dem Meer. Der Wind dort oben war jedoch zu stark, um bei Sonnenuntergang mit Stativ zu fotografieren. Wir fuhren dazu zum Muckross Head, einem zerklüfteten Küstenabschnitt mit interessanten Felsformationen. In der Ferne kann man die Slieve League erahnen.

Muckross Rain

Leider war unser Urlaub danach auch schon zu Ende. Die sieben Tage in Irland waren zu schnell vorüber. Es war wieder eine unvergessliche Zeit. Und der irische Regen – der gehört einfach dazu und so wirklich trüben kann er das Urlaubserlebnis für einen Fan der grünen Insel ohnehin nicht.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
Comments Off on Unterwegs im Norden Irlands

Posted in Equipment

 

Nach Norden, immer wieder

31 Oct

Ein Beitrag von: Werner Bollmann

„Was magst Du denn bloß daran? Da ist es doch immer kalt und nass und so schrecklich einsam und erst die Mücken!“ Tja, wie soll man Menschen, die all diese Ressentiments haben, von seiner großen Liebe überzeugen? Und eine große Liebe ist es nun wahrhaftig, die mich seit so vielen Jahren mit den nordischen Ländern verbindet – mit Schweden, Norwegen und Finnland.

Die Kritiker haben nicht ganz unrecht: Es ist dort meistens wirklich ziemlich kalt und es regnet auch sehr oft. Von den geflügelten Plagegeistern gar nicht zu reden. Und tatsächlich, einsam ist es auch. Ich glaube, was mich an diesen entlegenen Regionen so unglaublich fasziniert, sind eben genau diese Umstände. Es ist alles andere als einfach, dort zu guten Bildern zu kommen.

Papageitaucher

Es ist manchmal sogar ziemlich hart. Die Distanzen, die man im Norden zurücklegen muss, sind riesig, die Witterungsbedingungen stellen Körper und Equipment oft vor echte Herausforderungen, die Tiere leben versteckt und sind in der Regel sehr scheu. Hinzu kommt die majestätische Weite dieser Landschaften, die Monotonie der endlosen Taiga, die brutale Schönheit der kargen Tundra und die grandiose Kulisse der sturmumtosten Küsten.

Man fühlt sich dort klein, unbedeutend und hineingeworfen. Und trotzdem so frei, auf eine ganz eigentümliche Art. Konfrontiert mit sich selbst, mit seinen persönlichen Grenzen, seien sie mental oder physisch. Die Kälte und Dunkelheit der Wintermonate, die irritierende Lichtflut der Mittsommerzeit, wenn an Schlaf gar nicht mehr zu denken ist – das alles mag an Seele und Körper zehren.

Und doch wird gleichzeitig eine ganz große Sehnsucht gestillt. Wer so fühlt, ist zweifelsohne vom „Nordland-Virus“ befallen, einer „Krankheit“, die fast jeden befällt, der einmal dort oben war, im fernen Norden und die einen zeitlebens nicht mehr freigibt.

Steinadler

Die Artenvielfalt im Norden mag nicht groß sein, doch die Vertreter der Fauna, die diese Regionen bevölkern, sind echte „Persönlichkeiten“: Bären, Elche, Adler, Kraniche und Singschwäne, Papageitaucher und Kampfläufer, Auerhähne und Doppelschnepfen. Diese außergewöhnlichen Geschöpfe in ihrem natürlichen Lebensraum zu fotografieren, ist für mich immer wieder Anreiz genug, nach Norden aufzubrechen.

Die meisten von ihnen sind ausgesprochen scheu, so dass es ohne Tarnversteck und großes Teleobjektiv mit Konverter kaum gelingt, sie einigermaßen erkennbar auf’s Bild zu bannen. Manche Tierarten – vor allem Bären und Adler – konnte ich nur mit Hilfe professioneller Anbieter von Fotoansitzen fotografieren.

Diese Tiere hinreichend gut ohne fremde Hilfe fotografieren zu können, dazu fehlte mir definitiv die notwendige Zeit, sofern dieses Vorhaben für einem ortsunkundigen und in Mitteleuropa beheimateten Fotografen überhaupt umsetzbar ist. Vor allem dann, wenn es um spektakuläre Verhaltensweisen oder intime Portraits geht. Doch die meisten Bilder entstanden „irgendwo im Nirgendwo“, auf Wanderungen und Pirschfahrten durch die Wälder oder auf der Tundra.

Siebenstern

Wieder einmal bestätigt sich in diesem Zusammenhang die altbekannte Naturfotografen-Weisheit: Man kann gar nicht oft genug draußen unterwegs sein, irgendetwas Spannendes erlebt man fast immer, wie ich auch in meinem Buch „Nordische Momente“ festgehalten habe.

Die Fotografie aus gemieteten Ansitzen heraus ist in diesen Regionen noch die komfortabelste. Um ohne diese Annehmlichkeiten in Taiga und Tundra erfolgreich zu arbeiten, bedarf es schon einer gewissen Hartnäckigkeit. In vielen Augenblicken muss man die Zähne zusammenbeißen, geduldig bleiben und herbe Rückschläge wegstecken.

Es gab in den letzten Jahren immer wieder Momente, in denen ich einfach nur alles hinschmeißen und nur noch nach Süden, nach Hause, fahren wollte. Als beispielweise der Orkan wochenlang über die Varangerhalbinsel im äußersten Norden Norwegens tobte und gar kein Gedanke daran bestand, ein Tarnzelt am Balzplatz der Kampfläufer aufzubauen. Oder im Februar 2010, als mir beim Fotografieren bei -28°C gleich acht Fingerkuppen abgefroren sind.

Braunbaeren

Auch das Arbeiten in der Taiga im Frühsommer treibt mich jedes Mal wieder an den Rand des Wahnsinns: Wenn man vor einem kleinen Siebenstern liegt, um im Abendlicht eine stimmungsvolle Gegenlichtaufnahme zu machen und man das Motiv vor lauter Stechmücken gar nicht mehr richtig sieht, fragt man sich, warum man sich das alles eigentlich antut.

Dass die fotografische Ausbeute unter solchen Bedingungen in der Regel gering bleibt, lässt die einzelnen Erfolge umso wertvoller erscheinen. Und auch, wenn viele fotografische Vorhaben misslingen, es bleiben doch immer großartige Erinnerungen zurück, an die Begegnungen mit den scheuen Bewohnern des Nordens, an traumhafte Landschaften und einzigartige Lichtstimmungen.

Werner Bollmann in Aktion

Erlebnisse, die ich niemals vergessen und für immer im Herzen tragen werde. Und die mich motivieren, auch in Zukunft wieder dem Ruf des Nordens zu folgen.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
Comments Off on Nach Norden, immer wieder

Posted in Equipment