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Kleider machen Leute

11 Oct

Vorurteile hat jeder, davon kann sich niemand frei machen. Wir beurteilen fremde Menschen auf den ersten Blick rein nach den Äußerlichkeiten und sortieren sie nach unseren Erfahrungen und den kulturellen Prägungen in Schubladen ein. Das macht es wesentlich einfacher, uns in der sowieso schon stark reizüberfluteten Welt zu orientieren, kann jedoch auch zu Rassismus und Diskriminierung führen.

Der Fotograf Joel Parés zeigt in seiner Serie „Judging America“ die typischen Stereotypen-Bilder: Die Muslima ist Terroristin, die schöne Asiatin Stripperin und der tätowierte Mann gefährlich.

So platt die Vorurteile sind, stellt er diesen die absolut entgegengesetzten Rollen gegenüber. Wieder platte Vorurteile, aber positiv. Aus der Muslima wird eine aufopferungsvolle Krankenpflegerin, die asiatische Frau eine Witwe mit drei Kindern und der Tättoowierer ist ein begnadeter Maler.

Es ist natürlich nicht überraschend, dass Kleidung unseren Eindruck eines Menschen verändert, aber ich finde es immer wieder spannend, wie sehr dieser Effekt doch funktioniert. Und es macht mich nachdenklich, wie stark ich wohl doch von meinen Schubladen an der Nase herum geführt werde.

Frau mit Burka und Maschinengewehr und als Krankenschwester

Mann als Gangster und Mann im Anzug

Mann als Obdachloser und Mann als Veteran

Mann mit Federboa und Mann mit Hemd und Jacket

Mann mit Arbeitskleidung und Mann mit Anzug

Mann mit Strick und Flagge und Mann als Pastor

Mann mit Tattoos und Messer und Mann mit Farbe als Künstler

Vorurteile bekämpfen ist wichtig, aber schwer. Sie helfen uns, uns selbst zu definieren und unsere Identität aufzubauen, führen jedoch im Gegenzug auch dazu, andere auszugrenzen. Deshalb ist es wichtig, sie sich immer wieder neu bewusst zu machen und zu reflektieren. Die Serie von Joel hilft dabei, weshalb ich mich freue, sie hier vorstellen zu dürfen.

Die komplette Serie findet Ihr auf Joels Webseite. Folgen könnt Ihr ihm auf Facebook, 500px und Instagram.


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Den Alltag lebendig machen

25 Jun

Ein Beitrag von: supajug@yahoo.fr

Julien Legrand ist Straßenfotograf und Teil des renommierten Kollektives Street Photographers. Erste Bilder im Netz finden sich auf Flickr aus dem Jahre 2009 und schon da lässt sich sein Können erahnen, das sich heute in voller Farbenpracht bestaunen lässt.

Es klingt wie ein Klischee, wenn ich vom Staunen spreche, doch ich meine das wirklich. Zig mal habe ich mir die Bilder des Franzosen angesehen und bin jedes Mal wieder baff, was der Junge fotografisch auf die Beine stellt.

Legrand wagt den Sprung ins Komplexe, jedoch ohne sich in vewirrend abgedrehten Bildarchitekturen zu verlieren. Und, das ist wohl entscheidend bei Legrand, ohne jemals einseitig zu werden. Nein, er greift auf alles zu, was der Moment erfordert: Farbparallelen, spannende Stukturüberlagerungen, Juxtapositionen und das entscheidende Quäntchen Humor, der nur ab und an hervorblitzt.

Ein Mann guckt in einen Strauch hinein.

Ein Mann schaut in seine bunten Akten, am Boden mehrere bunte Kreise.

Blick auf eine in der Ferne stehende Person am Meer.

Blick aufs Meer, im Vordergrund ein Geländer.

Eine Frau mit roter Tasche steht an einem Geldautomat.

Blick auf einen komplexen Vordergrund, weiter hinten die Silhouette eines Mannes.

Die Haare einer Frau werden vom Wind nach oben geblasen.

Eine Frau mit gelbem Fächer steht an der Straße und hält sich den Fächer vor das Gesicht.

Abstrahierte Aufnahme, in der zwei Menschen teilweise zu sehen sind.

Roter Strich auf dem Boden und ein Mann, der seine Schuhe ausgezogen hat und auch rote Socken trägt.

Blick auf eine leere Straße, die von einem großen Plakat mit Pommes Frites geschmückt ist.

Legrand setzt sich durch eine gleichmäßige Bildgestaltung vom aktuell gefeierten Trend des wild-abgedrehten souverän ab, ohne dabei fotografische Lebendigkeit einzubüßen. Und doch durchzieht bei aller Diversität die Fotografien eine stille Stringenz, die seinem Portfolio einen stilistischen Rahmen gibt. Die in sich ruhigen und klar komponierten Aufnahmen enthalten meist keinen Pixel zu viel oder zu wenig.

Julien Legrand kommt mit wenig aus. Ein Mann mit buntem Aktenornder am Straßenrand reicht ihm, um ein spannendes Bild zu machen. Dass dabei am Boden ebenfalls bunte Farbkreise zu sehen sind, ist der alles entscheidende Zufall; der will aber auch gesehen werden.

Für mich persönlich gehört Legrand zu denjenigen Fotografen, deren weiteren Werdegang ich auf keinen Fall verpassen möchte. Deshalb folge ich ihm überall wo möglich: Auf Flickr, Facebook und wenn es sein muss, auch auf Google+.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
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“Ich zeichne, wovon ich kein Foto machen kann und umgekehrt.” Im Gespräch mit Ekaterina Grigorieva

13 Dec

Ekaterina Grigorieva begeistert mich schon lange mit ihren verträumten, fantasievollen und sehr emotionalen Portraits. Viele ihrer Themen wie Zerbrechlichkeit und Verletzlichkeit von Mensch und Natur erkennt man in ihren Arbeiten ziemlich schnell.

Sie arbeitet in der Natur und im Studio und macht Künstlerportraits ebenso wie klassische Aktfotografie. Außerdem malt und zeichnet sie und setzt damit die Ideen um, die außerhalb ihrer fotografischen Möglichkeiten liegen. Im Gespräch erfahren wir mehr über diese und andere Aspekte ihrer Arbeit.

Hallo Ekaterina. Erst einmal danke, dass Du Dir Zeit für unser Interview genommen hast. Zuerst, erzähl uns doch mal ein bisschen über Dich: Wer bist Du, was machst Du?

Ich bin eine Fotografin und Grafik-Künstlerin und lebe in Moskau, Russland. In meinen Fotografien versuche ich, die menschliche Zerbrechlichkeit, innere Ruhe und Harmonie einzufangen. Denn ich glaube daran, dass der Protest gegen die Eitelkeit, Habgier und den allgemeinen Zeitmangel nicht ausgedrückt werden kann, indem man dem Publikum diese Dinge direkt demonstriert. Sehr wohl aber durch Schönheit.

Wie hat sich diese These als Grundlage Deiner Arbeit entwickelt, welche Erfahrungen hast Du gemacht, die Dich dazu geführt haben?

Ich weiß wirklich nicht, ob es nur eine Begebenheit war, die mich dorthin geleitet hat. Meine Wahrnehmung der Fotografie und wie ich sie benutze, hat sich durch eine Vielzahl von Faktoren geformt: Das Leben, das ich lebe; die Bücher, die ich lese; die Menschen, die ich treffe und vieles mehr.

Für mich ist die Moderne Kunst vollkommen belanglos. Wegen der Tatsache, dass sie exakt die Dinge demonstriert, gegen die sie sich eigentlich richtet. Aber wenn man etwas sieht, das wahrhaft schön ist, kann es irgendwie einen selbst und die eigenen Gedanken positiv beeinflussen.

Ein Einfluss war das Ballettstück “Por Vos Muero” von Nacho Duato. Die reine Schönheit der altertümlichen spanischen Musik des 15. und 16. Jahrhunderts. Diese Poesie und die Bewegungen inspirierten mich dazu, klare, einfühlende Portraits mit Schwarzweiß-Film zu machen.

Du bist nicht nur Fotografin, sondern auch Malerin und Zeichnerin. Was haben diese Ausdrucksweisen für Dich gemeinsam und wo sind sie gegensätzlich? Wann machst Du ein Foto und wann nimmst Du lieber einen Pinsel oder Stift zur Hand?

Der hauptsächliche Unterschied zwischen Kunst und Fotografie ist für mich, dass Fotografien mehr äußeren Einflüssen ausgesetzt sind. Die Stimmung wird durch das Zusammenwirken zweier Menschen kreiert – Fotograf und Modell. Darum erscheint mir Fotografie so viel schwieriger, obwohl man die ersten Resultate damit sehr viel schneller und einfacher erreichen kann.

Meine Aufgabe ist es dann nicht nur, dem Betrachter einen Blick auf die innere Welt des Modells zu ermöglichen, sondern auch, mich selbst nicht zu verlieren. Während ich im Falle von Zeichnungen oder Malereien immer mit mir selbst, meinen Gedanken und dem leeren Blatt Papier allein sein werde. In der Fotografie ist die Liste immer schon mit Informationen gefüllt, von der man die unnötigen Details wieder streichen muss.

Wie ich entscheide, wie ich mich ausdrücke: Ich zeichne, wovon ich kein Foto machen kann und umgekehrt. Es gibt Dinge, die man visuell nur auf dem Papier ausdrücken kann, die zu magisch und zu allegorisch sind. Für diese Dinge gibt es einfach keinen Platz in der Realität.

Aber ich hoffe sehr, dass ich im Laufe der Zeit und meiner weiteren fotografischen Entwicklung meine Fotos so werde gestalten können, dass sie meinen Zeichnungen näher kommen. Im Moment bereite ich ein fotografisches Projekt vor, das viel mehr eine Art Kunst-Fotografie ist als die Portraits, die ich normalerweise fotografiere.

Hast Du schon eine Stimmung oder das komplette Bild im Geiste, bevor Du ein Foto machst? Oder bist Du spontan, wenn Du mit Deinen Modellen arbeitest?

Manchmal planen wir, wie die Fotoserie aussehen könnte. Zum Beispiel, wenn wir gemeinsam mit einer Visagistin oder einem Designer arbeiten, dann denke ich über passendes Licht, einen geeigneten Ort und solche Dinge nach, sodass ich mir die fertigen Fotos beinahe vorstellen kann.

Wenn es ein ruhiges Portraitshooting ist, versuche ich, mich selbst nicht zu begrenzen, spontan zu sein und einfach dem Modell zuzusehen, wie es sich bewegt und irgendetwas tut. Aber ich entwerfe in meinem Kopf immer eine Stimmung, indem ich Musik oder so etwas benutze und dann versuche, sie auf das Modell zu übertragen.

Was inspiriert Dich, lässt Ideen in Dir entstehen?

Inspiration kann von überall herkommen, seien es Fetzen einer Unterhaltung oder ein Spaziergang im Wald. Meiner Meinung nach wird die Inspiration immer in Deinem Inneren sein, wenn Du die Welt interessiert betrachtest, fasziniert von den kleinen Dingen, Du einen guten Schlaf hast und ein volles Leben lebst.

Aber es ist wichtig zu verstehen, dass im Kontrast zur kreativen Arbeit bei Auftragsarbeiten die Inspiration nicht von selbst entspringen kann. Dann muss man lernen, sie in sich selbst zu erschaffen.

Vor einer fotografischen Aufgabe sitze ich oft für eine Weile allein und höre Musik, die ich mit der Szene, die ich einfangen will, assoziieren kann. Ich ziehe die Bilder, die in meinem Kopf dadurch entstehen, heraus und versuche, sie in Einklang mit dem zu bringen, was ich vorhabe.

Assoziationen können auch oft nützlich sein. Umso unerwarteter sie sind, desto besser sind sie. Zum Beispiel setzte ich einmal das Licht und dachte einen Moment lang, dass die Lichtflecken auf dem Hintergrund Papierkranichen sehr ähnlich wären. Ich zeichnete daraufhin eine ganze Serie von Assoziationen, die Auswirkungen auf die Stimmung und den visuellen Endzustand der Fotos hatten.

Gibt es bestimmte Themen in Deinen Arbeiten, die immer wieder auftauchen?

Ja, davon gibt es ein paar. Themen wie die menschliche Verletzbarkeit und die Zerbrechlichkeit der Natur. Und was die visuelle Seite der Fotografie angeht, verwende ich sehr oft Wind in meinen Bildern.

Abgesehen davon, dass es mehr Dynamik und Bewegung hineinbringt, fühlen sich Menschen oft beruhigt, wenn sie diese Fotos ansehen. Und ich denke, dass Gemütsruhe heutzutage etwas sehr Wichtiges ist. Es gibt auch viele Bäume in meinen Fotos und Bildern, ich mag das Grafische an den Zweigen der Bäume.

Ganz schön viel Natur – was ist Deine persönliche Verbindung zu ihr?

Ich denke, das kommt vom Leben in der Großstadt. Dadurch nehme ich die majestätische Schönheit und Stille der Natur sehr viel schärfer wahr. Und mir scheint, dass ich als Fotografin versuche, durch meine Arbeiten zu transportieren, was mir im Leben fehlt und was bestimmte Emotionen hervorruft.

In meiner Kindheit habe ich auch viel Zeit nahe am Wald verbracht und ich erinnere mich an das Flussufer bei Nacht, den Klang der Bäume vor einem Gewitter und das Geraschel der Blätter unter den Füßen beim Laufen. Diese Erinnerungen sind für mich einige der wärmsten.

Was sind Deine künstlerischen Ziele und Träume?

Ich wünsche mir, dass ich ein paar Portraits machen werde, die weltbekannt werden. Und ich hoffe auch, dass mein Projekt über kreative Menschen auch allgemein bekannte, interessante Menschen beinhalten wird, die ich immer schon einmal treffen wollte und auch solche, von denen ich noch nicht gehört habe. Es bedeutet mir sehr viel, Menschen kennenzulernen, Erfahrungen und Inspirationen mit ihnen auszutauschen.

Außerdem habe ich eine neue Kunstserie in Planung, die Kindheitserinnerungen gewidmet sein wird. Vielleicht Fotografien, begleitet von einem Kurzfilm. Ich hoffe, dass die Bilder in meinem Kopf in der nahen Zukunft schon Realität werden.

Na, dann wünsche ich Dir, dass all diese Träume für Dich wahr werden und freue mich schon darauf, von diesen vielversprechenden Ideen eines Tages die ersten Bilder zu sehen.

Vielen Dank für das Interview, Ekaterina!

~

Ekaterinas Arbeiten könnt Ihr via Flickr, 500px oder Google+ verfolgen.

Das Interview habe ich mit Ekaterina auf Englisch geführt und anschließend übersetzt.


KWERFELDEIN | Fotografie Magazin

 
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