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Posts Tagged ‘Liebe’

Radikale Liebe

04 Dec

Eine betende Nonne mit Rosenkranz in der Hand.

Als Lauren sich im Alter von 21 Jahren dafür entschied, ihr Leben einem Ort und einer Gemeinschaft zu widmen, veränderte sich ihr Leben „radikal“. Diese Veränderung dokumentierte die Fotojournalistin Toni Greaves über insgesamt sechs Jahre.
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Anamorphe Liebe

06 Apr

Eine Stadt am Wasser, über der dunkle Wolken hängen.

Ein Beitrag von: Louis Hvejsel Bork

Der Moment, in dem sich mir die Tür zur Fotografie wirklich öffnete, war vor etwa vier Jahren; ich war 18 Jahre alt und machte gerade mein Abitur. Ein Freund von mir hatte sich eine Spiegelreflexkamera von Nikon gekauft und seit ich sie das erste Mal in der Hand hatte, war ich angefixt davon, sie zu benutzen.
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Liebe, Leib und Lust

09 Feb

Ein Mensch mit Schweinemaske.

Corinna Sauer beschäftigte sich in ihrer Serie „Consensual“ mit Sadomasochismus. Die Arbeit der Fotografin visualisiert die Gradwanderung zwischen Schmerz und Lust und diskutiert damit die Grenzen des Normativen. Ein Beitrag über eine Serie, die einen künstlerischen Blick auf die Szene wirft, ohne wertend zu sein.

Als ich ungefähr zwölf Jahre alt war, hatte ich das erste Mal Fantasien, in denen ich entführt, in einem Keller gefoltert und erniedrigt werde. Diese Fantasien waren einerseits lustvoll, andererseits habe ich mich dafür geschämt. Die Tatsache, dass meine Fantasien nicht typisch männlich sind, hat mir mein Outing erschwert. Erst im Alter von 45 Jahren lebe ich so frei, wie ich es mir immer erträumt habe.

Diese Aussage stammt von einem Mann, den die Fotografin Corinna Sauer im Rahmen ihrer Serie „Consensual“ portraitiert hat. Für ihre Serie hat sie sich in SM-Studios begeben und Personen während des SM-Spiels fotografiert.

Durch ihre feine Beobachtungsgabe hat Corinna eine eigene Bildsprache entwickelt, die ausdrucksstark und ästhetisch über Menschen mit besonderen sexuellen Vorlieben spricht. Die Fotografin wollte mit ihrer Serie Spielformen der Sexualität aufzeigen, die sich außerhalb des Normbereichs bewegen.

Bondage im SM Studio

Corinna war am Anfang vor allem über den Einfallsreichtum bei sadomasochistischen Praktiken überrascht. Individuelle Fantasien werden in den Studios nach Maß zugeschnitten. Schlachtungsfantasien als Schwein, Entführungszenen oder die Vorstellung, für wenige Stunden als Kleinkind behandelt zu werden, gehörten neben den bekannteren masochistischen Praktiken zum Programm.

Bei einigen wenigen Szenen habe sie kurz das Studio verlassen müssen, berichtet die Fotografin. Die mehrstündigen Fotosessions gingen ihr vor allem am Anfang an die Substanz.

Unter sexuellem Sadomasochismus versteht man im Eigentlichen zwei Arten der Sexualpraktik: Die des Sadismus (dominant) und die des Masochismus (unterwürfig). Bei den meisten Anhängern kristallisiert sich über die Zeit hinweg die Präferenz für den aktiven oder den passiven Teil heraus.

Masochismus tritt jedoch oft zuerst in Erscheinung und ist vierfach so häufig wie Sadismus. Der höhere Bedarf an masochistischen Sexualfantasien wird durch Angebote in Bordellen abgedeckt.

Eine Frau trägt eine Maske.Frau mit Wachs.

Obwohl „sexueller Sadomasochismus“ im ICD-10 als psychische Störung definiert ist, sehen die meisten Psychiater und psychologischen Psychotherapeuten sadomasochistische Praktiken eher als Variante einer gesunden Sexualität an.

Klinisch relevant wird es jedoch dann, wenn sexuelle Fantasien mit einem Leidensdruck einhergehen oder Praktiken nicht einvernehmlich ausgeübt werden. In der Regel werden die sexuellen Praktiken jedoch mit Vorsicht und nach Absprache ausgeübt. Nicht immer, aber häufig gibt es ein Codewort, das die sexuellen Rituale unterbricht, so erzählt Corinna.

Sadomasochismus ist nicht für alle Menschen lustvoll, dennoch machen fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung einmal im Leben eine Erfahrung in diesem Bereich. „Die mangelnde Akzeptanz ist jedoch für viele SMler eine große Belastung“, sagt die Fotografin.

Noch immer herrscht ein allgemeiner gesellschaftlicher Konsens, dass sadomasochistische Neigungen Zeichen einer gestörten Psyche sind. Corinna berichtet, dass einige Menschen, mit denen sie sprach, lange Zeit ohne Beziehungspartner lebten. Tatsächlich sind in den meisten SM-Salons mehr Männer als Frauen anzutreffen.

Eine Frau liegt unter Plastik.Ein Mensch wird gefesselt.

Dass sadomasochistische Praktiken hauptsächlich von homosexuellen Menschen ausgeübt würden, sei jedoch ein Vorurteil, sagt Corinna. Trotzdem drängten sich auch bei der Fotografin zu Anfang ihrer Arbeit vorurteilsbehaftete Gedanken auf. Sie wollte mehr über die Motivation der Leute erfahren, die sich zum Erlangen sexueller Lust erniedrigen lassen oder andere demütigen.

Über die Ursprünge sadomasochistischer Neigungen wurde auch innerhalb der psychologischen Forschung lange Zeit gerätselt. Psychoanalytische Theorien postulieren, dass Masochisten sich in frühkindliche Phasen zurücksehnen und dies in Form von Sexualpraktiken ausleben können.

Auch wird vermutet, dass Masochisten im realen Leben überlegen sein wollen. Wenn dieser Wunsch in der Realität nicht umsetzbar ist, verkehrt er sich ins Gegenteil.

Neuere kognitiv-behaviorale Theorien postulierten dagegen, dass das Aushalten von Schmerz selbstwertstabilisierend wirkt. Manche Menschen könnten beispielsweise Stolz empfinden, wenn sie mehr Schmerz aushielten als andere.

Ein Mann atmet durch eine Schweinemaske.

Aus der Forschung zur Schmerzverarbeitung ist bekannt, dass einige Menschen schmerzinduzierende Techniken ausführen, um negative Gefühle zu regulieren oder starke Anspannung zu reduzieren. In diesem Zusammenhang wird häufig die Vermutung geäußert, dass masochistische Praktiken eine Erleichterung für Menschen darstellen, die unter enormem beruflichen Druck stehen und sich somit für kurze Zeit Entlastung durch Verantwortungsabgabe verschaffen.

„Meine Erfahrung ist jedoch“, so Corinna, „dass Sadomasochisten in allen Berufs- und Gesellschaftssparten auftauchen.“ Nur einmal sei ein Manager einer großen Firma in Lederkutte auf sie zugetreten und habe gebeten, die Bilder sichten zu können, um eine Erkennbarkeit seiner Person auszuschließen.

Während des Gesprächs trug er einen roten Ball im Mund, der Schreie dämpfen soll. Ein bisschen seltsam sei ihr dieses Gespräch zunächst schon vorgekommen, die Scheu vor dem Unbekannten habe sich aber schnell gelegt.

Man merkt der Fotografin an, dass sie sich nicht nur unter ästhetischen, sondern auch wissenschaftlich relevanten Gesichtspunkten mit Sadomasochismus beschäftigt hat.

Eine Domina steht auf dem Boden.

Entstanden ist eine Serie, die nicht nur Mut erfordert, sondern auch das Prädikat künstlerisch wertvoll tragen darf. Ihre Serie ist ein gutes Beispiel dafür, wie Fotografie ein Spiegel gesellschaftlich relevanter Phänomene sein kann.

Erwähnenswert ist an dieser Stelle, dass Corinna nicht die einzige Fotografin ist, die Menschen mit der Vorliebe für sadomasochistische Praktiken portraitiert hat. Auch Fotografen wie Katrin Ingwersen und Florian Müller haben sich diesem herausfordernden Thema gestellt.

Corinna Sauer ist jedoch die einzige (mir bekannte) Fotografin, die sadomasochistische Praktiken außerhalb einer Sicherheitszone dokumentiert hat. Sie nutzte weder Studiolicht noch weniger bedrohlich wirkende Studiosettings. Stattdessen fotografierte sie mit Zustimmung der Beteiligten die sadomasochistischen Praktiken bei deren Durchführung.

Sich in dunklen Kellern aufzuhalten und schmerzverzehrte Gesichter während des Aktes über mehrere Stunden zu portraitieren, erfordert Mut und eine starke Psyche. Der Verzicht auf Farbe und das Setzen starker Schwarz-Weiß-Kontraste trägt zur Ausformung einer persönlichen und charakterstarken Perspektive bei.

Mann mit Gummimaske liegt auf LinoleumbodenAuf dem Boden sind Schatten geworfen.

Corinna Sauer ist derzeit als freie Fotografin in Berlin und bei Prospektphoto tätig. Neben der Umsetzung eigener künstlerischer Projekte ist sie Teil des Musikmagazins Musikmussmit und verbindet dort ihre Leidenschaft für Livemusik mit der Fotografie.


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Zurück zur ersten Liebe

16 Dec

Ein Sänger steht im Rampenlicht.

Ein Beitrag von: Samuel Kümmel

Der 1. April 2009 war in meinem Leben ein wegweisendes Datum. Es war der Tag, an dem ich mich entschieden hatte, in die berufliche Fotografie einzusteigen. Ungefähr drei Jahre lange hatte ich zuvor einigermaßen ernsthaft so gut wie alles und jeden um mich herum fotografiert – oder es zumindest versucht.

Dann kam die Anfrage von zwei guten Freunden, ob ich nicht ihre Hochzeit fotografieren möchte. Sie hatten meine Reportage-Fotos von verschiedenen Veranstaltungen auf unserem Campus gesehen und wollten mich als Hochzeitsfotografen buchen.

Was für eine große Ehre! Mich machte die Anfrage zuerst glücklich, dann nachdenklich. Sind meine Fotos wirklich schon so gut, dass Leute mich zum Fotografieren buchen wollen? Bin ich soweit, für Fotos Geld zu nehmen?

Ich war kein Typ für halbe Sachen. Ich wollte ein 100%-Mensch sein. Damals war der Perfektionist in mir noch sehr stark. Wenn ich etwas machte, dann wollte ich es richtig machen. Und so blieb mir nur die Entscheidung: Entweder Du startest jetzt was in Richtung Fotografie oder Du lässt es ganz sein. Ein Dazwischen gab es für mich nicht.

An diesem Tag meldete ich also mein eigenes Gewerbe an. Ich wollte in die Selbstständigkeit starten. Was zunächst nebenberuflich begann, entwickelte sich durch einige berufliche Umwälzungen und nicht zuletzt eine gute Auftragslage im Spätherbst 2010 zu meinem Hauptberuf. Ab November 2010 war ich Berufsfotograf.

Jetzt steht das Jahr 2014 kurz vor seinem Ende. Die Adventszeit hat begonnen, die Zeit der Besinnung. Besinnen tue ich mich aber bereits seit ungefähr drei Monaten. Ich bin mittlerweile Vater geworden und habe im Herbst letzten Jahres eine Teilzeit-Stelle in meinem alten Beruf angenommen.

Bäume, ein Flugzeug und ein Vogel.

Mein Leben beginnt, sich zu verändern und mit der Geburt unserer Tochter ist mir noch einmal neu klar geworden, was mir wirklich wichtig ist im Leben. Ich werde zum Jahresende aus der Berufsfotografie wieder aussteigen.

Wer sich selbstständig macht, geht ein hohes Risiko ein. Und er muss einige Charaktereigenschaften mitbringen oder entwickeln, wenn er wirklich finanziell erfolgreich sein will – denn darum geht es letztendlich in der beruflichen Fotografie.

Ich habe den Eindruck, dass seit einigen Jahren die Fotografen (neben- oder hauptberuflich) wie Pilze aus dem Boden schießen. Allein aus meinem Bekanntenkreis haben sich in den letzten zwei Jahren fünf Personen fotografisch selbstständig gemacht.

Geht ja auch ganz einfach: Man nimmt seinen Namen, setzt ein „Fotografie“ oder „Photography“ dahinter und erstellt eine Facebook-Seite, eine Webseite und/oder einen Account bei einer gängigen Fotoplattform.

Doch ich behaupte, dass die wenigstens wissen, was es bedeutet, sich selbstständig zu machen, wenn sie anfangen. Deswegen hoffe ich, dass meine Ausstiegsgründe aus der Berufsfotografie manchen die Augen öffnen.

1. Ich bin kein Verkäufer

Was mich mit am meisten genervt hat an der beruflichen Fotografie, war das Sich-verkaufen-Müssen. Du stehst permanent mit Deiner Person und mit Deinen Fotos in aller Öffentlichkeit und musst Dich bzw. Deine Fotos irgendwie an den Mann bringen.

Warum bist Du ein_e bessere_r Fotograf_in als andere, die das Gleiche anbieten? Warum sollen Menschen genau Dich buchen? Natürlich ist mir bewusst, dass es verschiedene Wege gibt, sich zu verkaufen.

Eine Kirche im Fluchtpunkt der Straße.

Manche verkaufen sich marktschreierisch, manche sind einfach über Jahre sehr fleißig und andere haben einfach nur Glück. Sie treffen die richtigen Kunden zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich habe über die Jahre gemerkt, dass ich in diese „Rolle“ des Verkäufers nicht passe. Deswegen bin ich doch nicht Fotograf geworden?!

Damit ich mich selbst permanent irgendwie anpreise, anschließend irgendwelche Kunden meine Fotos bewerten und mir dann dafür Geld geben, dass ich genau das gemacht habe, was sie wollten? In der Masterclass bei Steffen „Stilpirat“ Böttcher, die ich im Frühjahr 2013 besuchte, lernte ich, dass es auch anders geht.

Diese „Persönlichkeitsschulung“ hat mir damals die Augen geöffnet. Und sie hatte große Auswirkungen auf meine Entscheidung heute, mit der ganzen Sache aufzuhören. Genau das, was wir dort lernten – nämlich, dass Fotografie zu 75% aus Psychologie im Kontakt mit den Kunden besteht – hat mir gezeigt, was ich nicht gut kann.

Hätte ich diese Masterclass doch vor meiner Selbstständigkeit besucht. Es wäre sicher einiges anders gelaufen.

2. Ich kann nicht kalkulieren

Wer beruflich fotografiert, muss Preise machen. Ich hatte am Anfang keine Ahnung davon. Die ersten zwei Jahre habe ich für unterirdische Preise gearbeitet. Meine Hochzeitsreportage (ganztägig) kostete damals wenige hundert Euro.

Inklusive allem. Erst als ich gemerkt habe, dass man von diesen Preisen nicht leben kann und dass meine Fotos qualitativ viel besser waren, erhöhte ich sie. Teilweise um 100 oder mehr Prozent im darauffolgenden Jahr.

Ein Elch im Wald.

3. Ich will eigentlich etwas ganz anderes

Leider hatte ich da schon einen „falschen“ Kundenkreis aufgebaut, nämlich hauptsächlich gemeinnützige Vereine und Kunden, die auf der Suche nach einem „günstigen“ Fotografen waren. Jetzt den Kundenkreis komplett zu wechseln, war sehr schwierig und ich habe es bis heute nicht richtig hinbekommen.

Es ist ein Wunder (und ich danke Gott dafür), dass ich in der Zwischenzeit nicht insolvent gegangen bin. Meine anfangs zu niedrigen Preise sind auch dafür verantwortlich, dass ich bis heute noch nicht das Equipment habe, was ich eigentlich zum Fotografieren immer haben wollte.

Wenn ich hier aufzählen würde, womit ich heute teilweise noch arbeite, werden mich einige Berufsfotografen sicherlich belächeln. Aber das ist mir egal. Ich habe gelernt, damit zufrieden zu sein, dass ich nicht die neueste Technik und die besten Objektive habe.

Ich bewundere Berufsfotografen, die einfach nur „ihr Ding“ durchziehen und anscheinend (von außen wahrnehmbar) nur die Projekte machen, auf die sie wirklich Bock haben. Ich habe großen Respekt für alle, die ihre Bildsprache gefunden haben, die sich durch alle ihre Fotos zieht.

Und ich bin irritiert über alle, die anscheinend mit den größten Scheißfotos (subjektiv, ich weiß!) in der Lage sind, soviel Geld zu verdienen, dass sie davon gut leben können.

Ich habe nach fast fünf Jahren beruflicher Fotografie entdeckt, dass ich das alles nicht will. Hätte ich es doch mal vorher entdeckt – vieles wäre mir erspart geblieben. Ich bin schlecht darin, mich für meinen eigenen künstlerischen Ausdruck gegen fixe Kundenideen durchzusetzen.

Eine Frau läuft dem Sonnenuntergang entgegen.

Ich brauche noch einige Zeit, um meine Bildsprache zu finden. Und ich will eigentlich nur Fotos und Projekte machen, die mir selbst gefallen. Ich habe mich jahrelang verbogen – aus dem Gedanken und der Angst heraus, mit meinen Fotos genügend Geld verdienen zu müssen, dass ich davon meine Familie ernähren kann. Aber eigentlich will ich etwas anderes.

Ich will ohne Druck fotografieren. Ich will Fotos machen, die ich mir aufgrund ihrer Ästhetik und persönlichen Bedeutung selbst an die Wand hängen würde.

Und ich bin von Technik fasziniert. Letzteres war der eigentliche Grund, warum ich vor ca. 13 Jahren zum ersten Mal eine digitale Kamera in die Hand genommen habe. Nennt mich einen selbstbezogenen Technik-Nerd. Aber zur Zeit fühle ich mich so „selbst-bewusst“ wie schon seit Jahren nicht mehr.

Vermutlich ist alles, was ich will, auch mit der beruflichen Fotografie möglich. Ich kann es aber nicht. Vielleicht in ein paar Jahren mit deutlich mehr Coaching und Mentoring. Aber in der Zwischenzeit will ich meine Familie ernähren und für die Zukunft vorsorgen.

Deswegen wechsle ich in meinen alten Beruf – für den ich nach wie vor viel Leidenschaft habe, die jahrelang unter der Oberfläche geschlummert hat. Mein Appell an alle, die gerade in die fotografische Selbstständigkeit starten wollen, lautet: Überlegt Euch lange und genau, was Ihr eigentlich wollt und könnt.

Und zwar bevor Ihr in die berufliche Fotografie einsteigt. Und wenn Ihr zu einem Ergebnis kommt: Folgt Eurem Herzen. Macht nichts aus Angst oder Druck. Ein anderer Weg ist immer möglich. Es geht weiter – auch für mich. Nur anders.


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Liebe und Schmerz auf Skandinavisch

27 Jul

Die skandinavischen Landschaften sind so schön und immer, wenn ich wieder Fotos aus dem hohen Norden sehe, möchte ich aufbrechen und diese unglaubliche Natur selbst erleben. Solange das nicht möglich ist, bleibe ich, wo ich bin und begnüge mich mit Bildern wie denen aus der Serie „Scandinavian love and pain“ von Maxie Fischer.

In Reykjavik saßen wir mit Isländern in einer Bar und sprachen über Norwegen. Über Merkwürdigkeiten und wie wir uns das Land eigentlich vorgestellt haben. Über die Regenmassen der letzten Monate, was gesellschaftlicher Wohlstand wirklich bedeutet und wie viel Platz ein jeder für sich braucht.

Die Bilder aus der Serie „Scandinavian Love and Pain“ folgen diesen Gedanken. Sie entstanden zwischen Oktober und Dezember 2013 und zeigen Ansichten aus dem Westen Norwegens, der Gegenden um Bergen, Voss und Flåm sowie aus dem Westen und Süden Islands, aufgenommen auf einer Tour von Stykkishólmur über Vík bis zur Gletscherlagune Jökurlsálón. Sie zeigen aber auch Momente zwischen Hingabe und Einschüchterung, hervorgerufen durch landschaftliche wie gesellschaftliche Schönheiten und Gewalten.

Eine Landschaft von oben.

Schneebedeckte Berge.

Nebel über einem Wald.

Auf einer Straße erhebt sich ein Schwarm Vögel.

© Maxie FischerEine große Welle auf dem Meer.

Ein schneebedeckter Berg von oben.

Eine Hütte auf Stelzen in einer Nebellandschaft.

Eine Tür mit beblümten Vorhängen in den Fenstern.

Eine gewundene Treppe von oben.

Ein Portrait eines Mannes an einer Wand.

Ein Blumenstrauß in einem Fenster.

Ein kleines Dorf im Tal zwischen Wäldern aus der Ferne.

Nebel über dem Meer.

Nebel über dem Wald.Eine regennasse Straße.

Ein Haus am Meer.

Eine Berglandschaft.

Maxie Fischer studiert an der Ostkreuzschule für Fotografie in Berlin. Sie arbeitet analog und digital. Weitere Arbeiten findet Ihr auch auf ihrer Webseite.


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Von Liebe und Zweifeln

15 May

Ein Beitrag von: Ines Rehberger

Ich wollte seit Langem Fotografin werden. Richtig professionell zusammen mit Modellen arbeiten und etwas Großes erschaffen, so wie es einige meiner Vorbilder machten. Also beschloss ich, nach der Realschule auf mein Abitur zu verzichten und mir meinen damaligen Traum zu erfüllen: Fotografin werden.

Ich entschied mich dafür, ein Jahr lang auf eine freie Fotografie-Schule zu gehen. Die Zeit dort war wunderschön und ich fühlte mich so wohl, dass ich beschloss, das Ganze auf den nächsten Level zu heben. Mit Anfang 17 packte ich meine Sachen, verließ die Wohnung und das Dorf, in dem ich groß geworden war und zog in ein weiteres Dorf neben der Stadt, in der ich meine Ausbildung absolvieren würde.

© Ines Rehberger

Es war ein kleines Pass- und Bewerbungsstudio mit viel Fotografie-Zubehör zum Kaufen. Klar, es war nicht das, was ich mir erhofft hatte, aber damals dachte ich, es würde mich eines Tages dorthin bringen. Ich hatte dieses eine Ziel vor Augen und so nahm ich es hin, dass die Ausbildung sich immer mehr zur Fehlentscheidung entwickelte.

Technische Dinge lernte ich im Blockunterricht, für den ich alle paar Monate in einem Internat leben musste, im Geschäft lernte ich wie man mit Kunden umgeht und wie man jeden Tag mit ein und derselben Kameraeinstellung Pass- und Bewerbungsfotos macht, mit denen die Kunden am Ende sowieso nicht zufrieden waren.

© Ines Rehberger

Der Alltagstrott kam schnell und dass ich den halben Samstag arbeiten musste, während ich unglaubliches Heimweh hatte und die Bahnfahrt nach Hause mich einiges an Geld und Zeit kostete, machte es nicht einfacher. Zudem schien ich mit meiner blassen Haut und meinem Hang zur Farbe Schwarz einfach nicht dazu passen zu wollen. Mein Chef und ich waren – untertrieben gesagt – auch nicht gerade auf einer Wellenlänge. Hier war Fotografie ein Handwerk und keine Kunst.

Die Lust am Fotografieren verschwand schnell, aber ich zwang mich, privat zu fotografieren, um mein liebstes Hobby weiterhin an mich zu binden.

© Ines Rehberger

Ich zähle den Tag, an dem ich meine Ausbildung beendet habe, zu einem der schönsten Ereignisse, die ich je erleben durfte. Dass Fotografie nicht das war, was ich beruflich mein Leben lang machen wollte, war mir bereits nach einem Jahr bewusst geworden. Aber ich hatte für diese Ausbildung alles stehen und liegen gelassen und so zog ich es bis zum Ende durch.

Letztendlich war ich froh, einen fertigen Abschluss zu haben, auch wenn ich den Titel „professionelle Fotografin“ nicht besonders mochte. Denn ich wusste nun, dass es eben nur ein Status war und nichts, was etwas über die Person an sich oder ihre Kunst aussagt.

© Ines Rehberger

Seitdem sage ich von mir, dass ich Hobby-Fotografin bin und es auch bleiben werde. Fotografie bedeutet mir sehr viel und ich stecke in meine Bilder all mein Herzblut, viele Gedanken und Gefühle. Und in diesem einen ganz besonderen Hobby möchte ich frei sein. Ich will von niemandem in eine Schublade gesteckt werden oder mich unter Druck setzen lassen. Das mag bei anderen Menschen, die eine solche Ausbildung machen, ganz anders sein.

Diese Zeit war jedoch in einer Hinsicht sehr wertvoll: Ich hatte nun viele neue Emotionen, die ich in meinen Bildern verarbeiten konnte. Bis heute versuche ich, eben diese Gefühle wie Einsamkeit, Heimweh, Fernweh, Sehnsucht, Melancholie und so weiter mit Hilfe von Modellen und meinen Anweisungen in bildlicher Form auszudrücken. Fotografie ist mittlerweile kein Hobby mehr, sondern ein fester, sehr wichtiger und starker Teil von mir.

© Ines Rehberger

Es ist mir wichtig, dass ein fertiges Bild am Ende so ist, dass ich selbst davor verweilen möchte und mir Gedanken dazu mache. Umso glücklicher macht es mich, wenn andere Menschen genauso über meine Fotografie denken und die Emotionen bei ihnen ankommen. Einfacher wäre es wohl, mich selbst zu fotografieren, da ich die Person bin, deren Gefühle ich ausdrücken möchte.

Jedoch liebe ich es, neue Menschen kennen zu lernen und meine Emotionen durch ihre eigenen zu verstärken. Zudem ist es immer wieder eine kleine Herausforderung eine andere Person in meine Gefühlswelt einzuschließen. Da die meisten meine Geschichte nicht kennen, versuche ich, den Betrachtern meiner Bilder Interpretationsfreiheit zu geben und trotzdem dafür zu sorgen, dass eine Serie im Grunde Sinn ergibt. Daher bestücke ich jede mit einem Titel, der alle Bilder miteinander vereint.

© Ines Rehberger

Ich fotografiere mittlerweile ausschließlich bei natürlichem Licht und am liebsten draußen in der Natur. Dort gibt es einfach nichts, was großartig vom Modell ablenken könnte und ich bewege mich gern frei. Während des Fotografierens achte ich sehr darauf, den Bildausschnitt schon so zu legen, dass ich in der Nachbearbeitung nichts daran machen muss.

Wie ich ein fertiges Bild bearbeite, hängt vom Thema des Shootings ab. Farben mag ich in meinen Bildern im Allgemeinen eher gedeckt und meist entweder in bläulichen oder rötlichen Tönen. Mit den Farben versuche ich, die Geschichte der Serie zu intensivieren.

Anfangs machte ich Bilder für mich selbst, um mich auszudrücken und schwierige oder auch besonders schöne Zeiten in Bilderform ablegen und archivieren zu können. Mittlerweile, da ich weiß, dass ich Menschen mit meiner Fotografie emotional erreiche, fotografiere ich auch für sie. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, dass ich nicht mehr missen möchte. Je mehr Menschen es werden, desto mehr scheint der Druck zu steigen.

© Ines Rehberger

Aber ich versuche, stets mir klar zu machen, woher ich komme und wieso ich fotografiere. Und dann weiß ich wieder, dass ich gar nicht mehr brauche als mich, meine Kamera, meine eigene Zufriedenheit, eine Menge Spaß und ein paar Menschen, die mich unterstützen. Und zwar in dieser einen Sache, die ich an meinem Leben und Dasein am meisten liebe: Der Fotografie.


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Wenn Liebe zur Musik sichtbar wird

18 Apr

Ein Beitrag von: Grit Siwonia

Es ist für mich besonders, Musiker zu fotografieren. Meine Liebe zur Musik war vor der Liebe zu den Bildern da. Vielleicht musste ich Elif treffen. Ich mochte ihre Stimme schon sehr lang. Wir trafen uns – erst ohne Kamera. Erzählten und lachten und liefen durch die Straßen. Ich wollte sie genauso fotografieren, wie sie singt. Mit Melancholie und Leichtigkeit zugleich.

An einem warmen Oktobersonntag trafen wir uns bei ihr daheim. Wie immer hatte ich vorher keine Idee von dem, was ich wirklich machen würde. Ich kannte nur die Grundstimmung der Bilder. Wir tranken Tee und hörten Olafur Arnalds. Da war sie wieder – die Melancholie.

In meiner Idealvorstellung vom Fotografieren nimmt man mich nicht wahr. Manchmal wünsche ich mir eine Kamera, die von den Menschen, die ich fotografiere, nicht gesehen werden kann. Dann könnten wir reden und lachen und tanzen und weinen und alle Bilder wären echt. Vielleicht fotografiere ich deshalb gern durch Scheiben. Weil es ein bisschen wie unsichtbar sein ist.

© Grit Siwonia

© Grit Siwonia

© Grit Siwonia

© Grit Siwonia

© Grit Siwonia

© Grit Siwonia

© Grit Siwonia

© Grit Siwonia

Wie so häufig entstehen die besten Bilder am Schluss. Es wurde ganz, ganz langsam dunkel. Wir kletterten auf ein Berliner Dach. Schornsteine, Krane, ein Stück näher am Himmel. Elif tanzte – im Wind, mit dem Wind. Anmutig und ein bisschen traurig zugleich. Und ich wusste schon beim Auslösen, dass ich diese Bilder lieben würde – weil sie das sind, was ich fühle.

Ich bin wieder und wieder dankbar für das Vertrauen der Menschen vor meiner Kamera. Und ich bin dankbar für die Momente, die wir teilen dürfen. Und die man sich ins Gedächtnis rufen kann, wenn man die Bilder anschaut – und dazu Olafur Arnalds hört.

Ich werde nicht vergessen, wie es sich anfühlt, auf einem Berliner Dach zu stehen und genau so frei zu sein wie der Vogelschwarm über einem.

Danke, Elif.


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