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Posts Tagged ‘Leben’

Russisches Leben in der Provinz

02 Oct

Ein Junge mit Pistole schaut in die Kamera.

Ein Beitrag von: Alexander Aksakov

Die Idee zum Projekt „From White to Black Sea“ bekam Oleg Klimov um 2012/2013. Im Frühling 2013, der in St. Petersburg genauso deprimierend ist wie Herbst und Winter (und Sommer), war ich zuhause bei meiner schwangeren Frau, als Oleg mich anrief und fragte, ob ich mitmachen würde.
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Leben in der Einflugschneise

11 Sep

Langzeitbelichtung eines landenden Flugzeugs über einer abendlichen Straßensituation

Ein Beitrag von: Arnd Dewald

Shanghai hat mit seinen rund 23 Millionen Einwohnern zwei internationale Flughäfen, die ich in meinen vier Jahren dort häufig genutzt habe. Bei Start und Landung kann sich je nach Smog- und Wetterlage ein fantastischer Blick auf die unzähligen Hochhäuser der Stadt auftun.
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Kosovo: „Für mich ist das Leben hier scheiße.“

17 Aug

Ein Kleinkind verschwindet hinter einer Tür.

Gjakove. Ich besuche mit Zef und Sara eine kleine Kommune für Roma, Ashkali und Ägypter – die Caritas hat hier einige Häuser für die Ärmsten gebaut. Nach einer kleinen Einführung mit der Projekt-Leiterin führt uns der Sozialarbeiter, der hier Angebote für Kinder macht, zum Haus einer Familie.
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Beengt leben

09 Jun

© Won Kim

Ein Beitrag von: Won Kim

Die Japaner sind für die effiziente Nutzung von kleinen Wohnbereichen bekannt, eine Notwendigkeit bei der hohen Bevölkerungsdichte. Ich selbst empfinde oft die gebärmutterähnlichen Eigenschaften dieser Räume als tröstlich, nicht beschränkend.
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Auf der Schwelle – Leben im Frauenhaus

26 May

Als ich in der Wikipedia unter deutschen Straßenfotografen die dort aufgeführte Brigitte Kraemer entdeckt und ihre Webseite durchgesehen hatte, war ich neugierig. Zum einen gibt es in Deutschland sehr wenige Straßenfotografen, zum anderen sind Frauen leider eine Seltenheit im Genre.

So bestellte ich mir „Mann und Auto“* und nahm, beeindruckt von den Aufnahmen des Bandes, telefonischen Kontakt mit der Fotografin auf. Es stellte sich heraus, dass sie gerade ein neues Buch veröffentlicht hatte. Wir einigten uns darauf, hier einige Bilder aus der Serie zu veröffentlichen. Es handelt sich dabei um Aufnahmen aus einem Frauenhaus, die Brigitte Kraemer seit den 80ern mit ihrer Leica M6 auf Schwarzweiß-Film erstellt hatte.

Nun, nicht jeder weiß, was ein Frauenhaus ist. Aus dem Wort geht hervor, dass es sich um einen Ort für oder von Frauen handelt. In der Tat ist ein Frauenhaus dafür bestimmt, Schutz suchende und oft unter Gewalt von Männern leidende Frauen aufzunehmen und ihnen sowohl Wohn- als auch Zufluchtsort zu sein. Es handelt sich also um eine Welt, die der Öffentlichkeit aus gutem Grund nicht zugänglich ist.

Somit ist es eine Besonderheit, dass Brigitte Kraemer es geschafft hat, dennoch Aufnahmen vom Leben im Frauenhaus zu machen und diese zu veröffentlichen. So bietet sie Einblick in den sehr privaten Bereich der Frauen, den sie ihr geöffnet haben, um die Umsetzung eines solchen Vorhabens möglich zu machen.

Zwei Frauen umarmen sich gegenseitig.

Kinder und Erwachsene in der Küche.

Szene mit Wunderkerzen.

Eine Frau steht mit ihrem Kind am Fenster, neben ihr dreht sich ein zweites im Vorhang.

Kinder toben im Zimmer.

Zwei Frauen liegen nebeneinander im Bett.

Zwei Jungs schauen gemeinsam zum Fenster hinaus.

Tanszene draußen.

Eine Frau liegt auf einem Herd.

Ein Mädchen, dem die Haare elektrisiert zu Berge stehen, lacht in die Kamera.

In ihrer Danksagung auf der letzten Seite des Buches berichtet Kraemer über ihren fotografischen Prozess Folgendes:

Ich habe keine fertigen Bilder im Kopf, ich bin dabei, schaue und eine Situation entwickelt sich. Und dann entstehen Kompositionen, die etwas erzählen vom Leben der Menschen.

Weiter beschreibt sie, wie wichtig ihr die Schicksale der Frauen waren und immmer noch sind, denn die Kontakte zu den ehemaligen Mitarbeiterinnen und Bewohnerinnen hätten sie Jahrzehnte begleitet. Damals wie heute sei sie erstaunt darüber, was Machtausübung bewirken kann.

Ihr ganz persönlicher Dank gelte den Frauen und ihren Kindern. Sie hätten ihr Vertrauen geschenkt und ihre Geschichten erzählt. Ihrem Mut, sich ihrer eigenen Situation zu stellen und sich zu öffnen, ist es zu verdanken, dass die Fotografin die Frauen ein Stück ihres Weges begleiten durfte.

Entstanden ist dadurch ein Projekt, das seit April in Buchform* erhältlich und im Klartext-Verlag erschienen ist. Ich möchte es uneingeschränkt empfehlen, da es mir einen tiefen und bewegenden Einblick in das Leben der Frauen gewährt hat.

Nachdem ich nun diesen Artikel fertig geschrieben habe, geht für mich die Beschäftigung mit der sensiblen Thematik vorerst zu Ende. Die Bilder der Frauen und Kinder haben mich jedoch insofern berührt, als dass ich sie so schnell nicht vergessen werde.

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhält kwerfeldein eine kleine Provision, Ihr zahlt aber keinen Cent mehr.


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Alles, was mich am Leben interessiert

09 Jan

Ein Beitrag von: Chema Hernández

Meinen ersten ersthaften Kontakt mit der Fotografie hatte ich an der Universität, an der ich Kunstwissenschaften studierte. Ich interessierte mich für dokumentarische Fotografie und im Besonderen für Cartier-Bressons Arbeiten.

Nachdem ich mich jahrelang der Malerei gewidmet hatte, erwachte mein Interesse mit dem Aufleben der neuen Straßenfotografie im Internet. Dort fand ich Weggefährten mit den gleichen Vorlieben, die ich mit meinem Schaffen konfrontieren konnte. Und natürlich gab es eine ganze Menge Informationen.

© Chema Hernández

Ich nehme an, dass ich kein Fotograf im engeren Sinne bin. Ich mag es einfach, Bilder zu machen indem ich male, zeichne oder fotografiere. Und als Fotograf bin ich daran interessiert, Bilder aus meiner nahen Umgebung zu extrahieren, indem ich den direkten Stil der Schnappschuss-Fotografie auf eine offene, nicht gestellte Art benutze.

© Chema Hernández

Dafür benutze ich eine kleine Kamera, die ich in meine Tasche stecken kann. Wenn ich auf der Straße fotografiere, halte ich für gewöhnlich nicht nach einem bestimmten Thema Ausschau. Ich reagiere auf das, was mir ins Auge fällt: Zum Beispiel eine ungewöhnliche Situation, ein Licht-Effekt oder bestimmte Farben.

© Chema Hernández

Ich bevorzuge suggestive Fotos, die eine Geschichte erzählen, offen sind und dem Betrachter die Möglichkeit geben, das, was er sieht, zu interpretieren.

Manchmal ist der Inhalt des Bildes nicht so wichtig und die formalen Aspekte wecken meine Aufmerksamkeit. Ich versuche meist, eine bestimmte Magie einzufangen. Eine Kombination von Elementen, die unterschiedliche Interpretationen und Emotionen zulassen.

© Chema Hernández

In meinen Fotos treten anonyme Menschen auf. Sie sind Charaktere ohne Identität, deren Funktion die Darstellung menschlicher Archetypen ist. Gewöhnlich bin ich nicht an Gesichtsmerkmalen oder -ausdrücken interessiert, eher an menschlichem Behehmen oder Situationen, in die Menschen involviert sind.

© Chema Hernández

Wenn wir gerade schon beim Stil sind: Ich glaube ich nicht, dass ich einen eigenen habe. Meine Bilder sind unterschiedlich, wie alles, was mich am Leben interessiert. Vielleicht ist das der Stil ohne Stil?

Dieser Artikel wurde von Martin aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.


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Über das Leben und meinen Platz darin

20 Sep

Ein Beitrag von: Jeffrey Ladd

In den späten 1980er Jahren studierte ich Fotografie an der „School of Visual Arts“ in New York City und einer meiner wichtigsten Lehrer dort war ein Mann namens Thomas Roma.

Tom ist ein sehr angesehener Fotograf und hat einen immensen fotografischen Output: Er ist der Autor von 15 Fotobüchern, wurde mit der Guggenheim Fellowship geehrt und hatte 1996 eine Einzelausstellung am Museum of Modern Art in New York.

Daneben stellte er in seiner Freizeit Kameras unter dem Namen Siciliano Camera Works in Brooklyn her. Seine Mittelformatkameras wurden von Lee Friedlander, Tod Papageorge, Henry Wessel, Len Jenshal und vielen andern Fotografen seit den 70ern benutzt.

Eines seiner Kamera-Designs, das mein Interesse weckte, war eine 35mm-Panorama-Kamera, die eine Mittelformat-Mamiya-Linse mit einer Nikon-F-Kamera durch einen Aluminium-Adapter, den er selbst hergestellt hatte, verband.

Es war eine sehr schöne Kamera mit einem klaren, hellen Sucher, die ein 3×1″-Format auf Kleinbild-Film belichtete. Er nannte sie „Pannaroma 1X3“ nach seiner Frau Ann und stellte insgesamt 60 Exemplare davon her.

07-1668-41 © Jeffrey Ladd

1991 hatte ich das Glück, eine Kamera aus zweiter Hand etwas günstiger kaufen zu können und arbeitete zehn Jahre daran, mit ihr zu fotografieren. Obwohl es eine einfach zu bedienende Kamera war – alles war manuell einzustellen, Belichtungszeit und Blende, fokussiert wurde über die Schärfentiefe-Skala auf dem Objektiv – war das Erstellen eines schnellen Bildes mit einer einfachen Juxtaposition zweier Objekte extrem schwierig. Ich habe eine kleine Handvoll Bilder gemacht, die ich als gelungen bewerte.

Bevor ich diese Kamera hatte, fotografierte ich hauptsächlich mit einer Messsucherkamera von Leica in U-Bahnen, Nachtclubs und auf den Straßen. Mit diesem neuen Werkzeug erweiterte sich mein Interesse jedoch und schloss Landschaften, Nachbarschaften, intime Portraits meiner Beziehungen, Freunde und Familie mit ein.

10-4138-12 © Jeffrey Ladd

Diese Arbeit mit der Pannaroma 1X3, die hier vorgestellt wird, stellte ich später unter dem Projekt-Titel „Lay of the Land“ zusammen.

In meiner Praxis hat Fotografie weniger damit zu tun, „gute Fotos“ zu machen. Ich fotografiere stattdessen, um über das Leben und meinen Platz darin zu lernen.

Kameras sind treue Begleiter geworden und manchmal fühlen sie sich an wie eine Erweiterung meines Schreibarmes und die guten Fotos, die selten in meinen Kontaktbögen auftauchen, sind erfreuliche Nebenprodukte meiner Neugier und Ausdauer.

Während ich auf den Straßen von Manhattan fotografierte, war ich mehr an kleinen, unscheinbaren Gesten des Lebens interessiert als an den offensichtlichen Dingen wie einem dramatischen Streit auf der Straße.

14-2040-15a © Jeffrey Ladd

Ich bin während meiner „Karriere“ an viele unterschiedliche Themen herangegangen, jedoch stoßen immer noch die Dinge, die ich in meinem Hinterhof fotografiere, auf Resonanz.

Die Sprache, derer sich meine Fotografie bedient – schwarzweiß und im Dokumentarstil – wird sicher vielen bekannt vorkommen, die mit der Geschichte der Fotografie vertraut sind.

Ich möchte nicht das Rad neu erfinden, eher etwas über meinen Instinkt und meine Neugier herausfinden, indem ich dieselbe Sprache der Künstler benutze, zu denen ich immer wieder aufgeschaut habe, um mich zu inspirieren.

13-2008-13 © Jeffrey Ladd

Fotografie in dieser digitalen Epoche scheint so einfach: Du machst die Kamera an, richtest sie auf irgendetwas, wählst den Ausschnitt und einen Moment. Diese Aktion kann fast jeder durchführen und etwas machen, das wie ein „tolles Bild“ aussieht.

Doch die wesentlich schwierigere Aufgabe ist es, etwas zu machen, das ein Betrachter über Jahrzehnte oder ein ganzes Leben lang ansieht und das für ihn jedes Mal eine neue Entdeckung ist.

Das ist es, was mich an der Fotografie begeistert. Wie kann ich über 25 Jahre lang ein Foto von Robert Frank ansehen und es packt mich immer noch?

08-2089-05 © Jeffrey Ladd

Ich kann nicht denselben Witz hören, das gleiche Buch lesen oder den gleichen Film hunderte Male ansehen, ohne dass es langweilig wird. Aber manche Fotografien können mich nach Hunderten (oder vielleicht Tausenden?) Betrachtungen immer noch mitreißen und mein Verständnis von ihnen – gar vom Leben selbst – aufrütteln.

Darüber bin ich verwundert. Wie kann ich das in mit meinen eigenen Bildern erreichen, ohne auf große Theatralik oder künstlerisches, intensives „Lifting“ angewiesen zu sein?

Nach 25 Jahren bin ich aus New York weggezogen und habe eine deutsche Frau geheiratet, die meine Sehnsucht, in Europa zu leben, teilte. So zogen wir nach Köln. Mein neues Projekt dreht sich um das Erfassen der Feinheiten dessen, was es bedeutet, „zu Hause zu sein“, da ich nun mein Leben woanders führe und versuche, eine neue Sprache zu lernen.

05-1757-20 © Jeffrey Ladd

Ebenfalls entwickle ich gerade eine neue visuelle Sprache mit einer alten Mittelformat-Mamiya, mit der ich meine Wohngegend in Köln fotografiere. Und ich verstehe, dass viele Betrachter ganz anders denken werden über das, was ich an meinen Fotos als wichtig erachte. Ich respektiere das.

Meine Beziehung zur Fotografie ist von außen betrachtet vollständig undramatisch, jedoch ist sie der stärkste Leitfaden in meinem täglichen Leben und der Neugier. Ich wüsste nicht, was ich sonst tun sollte und werde dies mein Leben lang weiter verfolgen.

Martin Gommel hat diesen Artikel für Euch aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.


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Totgesagte leben länger:

20 Aug

Ein Beitrag von: Sandro Schroeder

Was mich an der Analogfotografie begeistert

Ja, ich gehöre der Generation Y an. Der Generation Smartphone, die mit Instagram ihr Essen dokumentiert. Die Selbstportraits bei Facebook hochlädt. Die Urlaubsbilder mit dem Handy macht. Alles am liebsten mit Filtern, die irgendwie oldschool oder retro aussehen.

Die Generation Y, die das „Fotoalbum“ fast nur noch als Symbol auf einem Display kennt. Die Generation der Digital Natives, die schon als Kind eine Digitalkamera hatte. Ja, ich gehöre der Generation Y an. Und trotzdem: Ich begeistere mich für die analoge Schwarzweiß-Fotografie. Warum? Sie ist eine willkommene Abwechslung zu meinem digitalen Alltag, ein bisschen Ruhepol im digitalen Datensturm.

Bei meiner freien Mitarbeit für eine Zeitung gibt es Situationen, in denen ich keinesfalls eine Analogkamera in der Hand halten möchte. Gruppenfotos zum Beispiel. Alle müssen genau in diesem einen Bruchteil einer Sekunde, in dem ich auf den Auslöser drücke, in die Kamera schauen und passable Gesichtsausdrücke aufsetzen.

Das klappt selten beim ersten Versuch. Eigentlich nie. Ein kurzer Blick auf das Display verrät mir, wer die Augen geschlossen hatte. Zweiter Anlauf. Bildkontrolle. Dritter Anlauf.

Bildkontrolle. Vierter Anlauf. Bildkontrolle. Egal, wie viele Anläufe es braucht, die Speicherkarte ist geduldig. Mich kostet es nur minimal Zeit – aber keinen Film, keine Chemie. Ein Bild nach dem anderen, bis alles passt. Im Zweifel ein Bild mehr als zu wenig. In dieser Situation bin ich froh, digital arbeiten zu können und empfinde Respekt für die Zeit, als es noch nicht möglich war.

Fotografiere ich zum Vergnügen, dann verzichte ich bewusst auf diese digitalen Vorzüge. In der Freizeit arbeite ich analog und fast nur für mich. Ein Großteil der Bilder ist allein für meine Augen bestimmt. Meistens sind es schlichte Motive, die es mir angetan haben: Linien, kleine Details im Alltag, nichts Aufregendes, nichts, was ich unbedingt mit anderen teilen muss.

Die Generation Y teilt sonst nahezu alles in Echtzeit mit den Freunden, der Welt, so ziemlich jedem. Facebook übernimmt dann schon die Selektion der Inhalte. Analog zu fotografieren heißt für mich Verzicht: Auf Vorteile, auf das Komplizierte und auf Öffentlichkeit. Bewusster Verzicht auf die digitale Realität also.

Der Prozess des Fotografierens ist dabei mindestens genauso wichtig wie das Endprodukt. Deswegen lasse ich mir vor dem Auslösen bei allem Zeit: Ausschnitt bestimmen, die Fokussierung läuft butterweich. Belichtung einstellen, das Zeitenrad klickt mechanisch beim Drehen. Blende auswählen, der Blendenring rastet in seiner Stellung ein. Zur Sicherheit eine letzte Kontrolle, ob der Ausschnitt stimmt. Alles in Gelassenheit, alles ohne Hektik.

Die Analogfotografie und die dreißig Jahre alte Kamera sind ein absoluter Kontrast zum beschleunigten und digitalen Alltag meiner Generation. Druck auf den Auslöser. Dann knallt der Spiegel einmal robust im Metallgehäuse. Das Bild ist im Kasten. Die Kamera ist schwer, groß, hat Ecken und Kanten – sie ist eben aus einer anderen Zeit.

Ihre mechanische Präzision begeistert mich immer wieder. Auch wenn es diese Technik ist, die klar über die Ergonomie gesiegt hat. Natürlich könnte ich auch mit dem Smartphone losziehen. Aber das imitiert mit seinem Auslösegeräusch nur auf alberne Art das Gefühl, das analoge Kameras und Film bieten.

Die Analogfotografie hat etwas Entspannendes. Jede Auslösung kostet Material, Geld und später auch Zeit in der Entwicklung. Die Filme sind teurer geworden, die Chemie ist ebenfalls nicht billig. Das erzeugt aber keinen Druck, im Gegenteil. Analog fotografiere ich viel bewusster, nehme die Kamera oft auch ohne auszulösen wieder vom Auge.

Im Zweifel ein Bild weniger als zu viel. Manchmal dauert es Wochen, bis 36 Auslösungen auf dem Film sind. Es kommt vor, dass ich in dieser Zeit vergesse, was auf den Filmanfang gebannt ist. Kein schnelles Nachgucken, keine Bildkontrolle. Gut so. Nur das Wissen, dass jede Auslösung es in diesem Moment wert war.

Die Filmentwicklung fügt sich dann schließlich in den meditativen Prozess von der Aufnahme bis zum fertigen Bild: Jeder Schritt ist streng vorgegeben, der Ablauf bleibt immer der gleiche.

Nachmittags im Keller die Patrone knacken. Film aufspulen. Abends dann im Bad einschließen. Dose mit Entwickler füllen. Bewegen. Warten. Leeren. Fixierer rein. Bewegen. Warten. Fixierer raus. Wasser einfüllen. Bewegen. Wasser auskippen. Aufhängen. Trocknen lassen. Und dann die Freude am nächsten Morgen. Auch das ein Reiz, den die Analogfotografie selbst für einen Kontrollfreak wie mich hat: Unvorhersehbarkeit.

Es kann immer etwas schief gehen. Fehler unterlaufen und es gibt kein STRG+Z, keine Rückgängig-Funktion, falls mir etwas nicht gefällt. Natürlich kann auch in der Analogfotografie nachgebessert werden. Aber ich nehme diese Möglichkeiten nicht wahr, ich will größtmöglichen Kontrast zur Digitalfotografie.

Ich will nicht die weiche Schwammigkeit, die immer mögliche Umkehrbarkeit von digitaler Nachbearbeitung. Ich will niemanden, der mich wie sonst fragt: Sind Sie sich sicher? Wollen Sie den Vorgang trotzdem ausführen?

Die Bilder, die es auf Papier schaffen, sammele ich dann in einem schwarzen Karton. Privatsphäreneinstellung: Nicht öffentlich, sozusagen. Ich nehme die Bilder immer wieder heraus, schaue die Filme wirklich Bild für Bild durch. Kein immergleiches Scrollen und Klicken, sondern etwas Reales in den Händen. Dafür kann ich mich begeistern.

Dabei wurde der Analogfotografie immer wieder der Tod ausgestellt. Nämlich immer dann, wenn die Produktion einer legendären Kamera eingestellt wurde. Wenn die letzte Charge einer Filmsorte produziert ist. Wenn digitaler Speicherplatz wieder ein bisschen billiger geworden ist.

Das Internet, so hieß es, werde das Analoge begraben. Im Gegenteil. Auf der analogen Insel lässt sich wunderbar Urlaub vom digitalen Stress machen. Und das „Reisegepäck“ kann man bequem im Internet bestellen. Man muss ja nicht immer auf die Vorteile verzichten.


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Einblicke in das Leben der Feldhasen

10 Aug

Ein Beitrag von: Christoph Ruisz

Die einen sehen ihn als süßes Haus- und Kuscheltier, die anderen empfinden ihn als Schädling und Plage. Für uns Naturfotografen stellt er ein wunderschönes und willkommenes Motiv dar.

Feldhase © Christoph Ruisz

Der Feldhase ist ein scheuer Bewohner unserer Feld-, Wald- und Wiesenlandschaften. Oft wird er angesichts seiner ausgezeichneten Tarnung gar nicht erst wahrgenommen und übersehen. Das liegt auch daran, dass sich Feldhasen bei nähernder Gefahr in eine Kauerstellung begeben (in der Jägersprache nennt man diese Stellung „Sasse“) und sie dadurch noch schwieriger auszumachen sind.

Auch die rückläufigen Bestände in unseren Breitengraden tragen dazu bei, dass es immer wieder eine neue Herausforderung darstellt, Meister Lampe in einem ansprechenden Moment vor die Linse zu bekommen.

Insbesondere auch deshalb habe ich mich in den vergangenen Monaten auf diese interessanten Säuger konzentriert und dabei Einblicke in ihr tägliches Leben erhaschen dürfen.

Feldhase © Christoph Ruisz

Die wohl interessanteste Zeit für das Fotografieren und Beobachten von Feldhasen stellt das Frühjahr dar. Durch die kalten Wintermonate ist die Vegetation in dieser Zeit noch nicht so weit vorangeschritten wie beispielsweise in den Sommermonaten.

Dadurch ist es wesentlich einfacher, die Tiere zu entdecken und ohne störende Elemente wie Grashalme oder Ähnliches in den Sucher zu bekommen.

Feldhase © Christoph RuiszFeldhase © Christoph Ruisz

Allem voran ist dies aber der Beginn der Paarungszeit, was sich besonders auf die männlichen Tiere auswirkt. Mit ein bisschen Glück lassen sich die wilden Paarungskämpfe aus unmittelbarer Nähe verfolgen. Dabei handelt es sich um Boxkämpfe, bei denen der Gewinner die Gunst des Weibchens erwirbt.

Selten kristallisiert sich der Sieger nach nur einer einzigen Auseinandersetzung heraus. Die „Boxer“ richten sich dabei auf ihre Hinterpfoten auf und versuchen, sich gegenseitig mit den Vorderpfoten auf die Köpfe zu schlagen. Abgesehen davon kämpfen manchmal auch mehrere Hasen zugleich gegeneinander und verbünden sich zudem.

Aus großer Entfernung konnte ich genau solch eine Gruppenbildungen beobachten, bei der sich drei Säuger verbündeten und die restlichen Kontrahenten in die Flucht schlugen.

Feldhase © Christoph Ruisz

In der Paarungszeit steigt der Hormonspiegel bei den Männchen auf ein absolutes Maximum an und lässt die sonst schreckhaften Zeitgenossen auch abseits der Rivalitäten ihre Scheu ablegen.

Sie entwickeln in diesem Zeitraum eine regelrechte Neugierde, wie man sie sonst im restlichen Jahr nicht erlebt. Diese wirkt sich sehr positiv auf das Fotografieren aus, weil man die Feldhasen mit etwas Geduld und Glück dadurch aus nächster Nähe ablichten kann.

Feldhase © Christoph Ruisz

Oft ist es bei meinen Beobachtungen vorgekommen, dass die Hasen sogar unter die Naheinstellungsgrenze des Objektives kamen und mir direkt in die Augen blickten.

Die meisten meiner Eindrücke entstanden, als ich auf dem Bauch liegend mit meiner Kamera durch Wiesen und Felder robbte, um auf gleicher Augenhöhe mit den Tieren zu sein. So empfanden sie mich nicht als Bedrohung und ließen sich in ihren Handlungen kaum stören.

Feldhase © Christoph RuiszFeldhase © Christoph Ruisz

Besonders intensiv empfand ich auch jene Begegnung, bei der ein Feldhasen-Pärchen in der Abendsonne den Tag ausklingen ließ. Dabei robbte ich bis auf 20 Meter an die beiden heran und wartete mehrere Minuten, als plötzlich einer der beiden Hasen aufsprang und in meine Richtung hoppelte.

Unmittelbar danach setzte sich auch der zweite Mümmelmann in Bewegung und steuerte ebenfalls meine Richtung an. Dermaßen beeindruckt von dieser Entwicklung entschloss ich mich, auf das Fotografieren zu verzichten, um das Geschehen einfach zu genießen.

Für ein paar Sekunden hielten die beiden in ungefähr fünf Metern Entfernung vor mir inne, um danach einen regelrechten Tanz aufzuführen. Dabei umkreisten sie mich mehrmals und verfolgten sich gegenseitig.

Es sah aus wie ein Spiel, vermutlich handelte es sich aber um einen Paarungstanz zwischen Männchen und Weibchen. Solche Verfolgungen leiten oft die Kopulation ein. An diesem Abend kam es jedoch zu keiner Rammelei.

Feldhase © Christoph Ruisz

Genau das sind die Momente, die die Wildlife-Fotografie so besonders und wunderschön machen. Bei solchen Begegnungen vergisst man fast, dass es sich dabei um wilde Tiere in freier Wildbahn handelt.

Für die Zukunft erhoffe ich mir im Speziellen, dass die Bestände in Europa wieder eine positive Entwicklung erfahren und der Feldhase von der Roten Liste der gefährdeten Arten verschwindet.


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Der Frühling: Neues Leben überall

26 Mar

Ein Beitrag von: Hermann Hirsch

„Alles freuet sich und hoffet, wenn der Frühling sich erneut.“ – Friedrich Schiller

Gezwitscher klingt von überall her, ein feiner Duft von frischem Gras und den ersten Blumen liegt in der Luft. Es ist Frühling! Nichts ist so erfrischend wie diese jahreszeitliche Erneuerung der Natur. Während die letzten Schneereste schmelzen und die Temperaturen tagsüber den einstelligen Bereich verlassen, sprießt überall neues Leben hervor.

Auch für die Naturfotografen ist der Frühling eine wunderbare Zeit. Die Vögel singen und balzen um die Wette und während die Männchen um die Gunst der Weibchen buhlen, hat der Fotograf jedes Jahr aufs Neue die Möglichkeit und Chance, dieses Gebaren festzuhalten. Es ist ein faszinierendes Schauspiel, das sich jedes Jahr von Neuem abspielt.

Frühling © Kevin Winterhoff & Hermann Hirsch

© Kevin Winterhoff & Hermann Hirsch

Bei den Vögeln ist das Frühjahr geprägt von der Rückkehr aus den Überwinterungsgebieten. Kaum im Brutgebiet angekommen, beginnt der Streit um die besten Reviere. Die Männchen singen sich die Seele aus dem Leib und versuchen, die weiblichen Vögel mit sogenannten Brautgeschenken zu beeindrucken.

Es gibt aber auch Vögel, die nicht durch ihren Gesang auf sich aufmerksam machen, sondern andere Arten und Weisen finden, auf sich aufmerksam zu machen. Der Flussregenpfeifer ist ein Beispiel dafür: Das Männchen plustert sich auf, spreizt das Seitengefieder und lässt es seltsam hängen. Dies wird durch eigentümliche Bewegungen unterstützt.

Flussregenpfeifer © Kevin Winterhoff & Hermann Hirsch

Auch bei den Säugetieren beginnt im Frühjahr der Zyklus der Fortpflanzung von Neuem. Überall werden nun Tierkinder geboren, sei es bei den Wildschweinen, den Hirschen oder den Rehen.

Letztere legen ihre Kitze im hohen Gras der Wiesen ab, wo sie in den ersten Wochen, ohne sich zu bewegen, vollkommen von der Mutter abhängig sind. Dieses Verharren führt teilweise zu schrecklichen Ereignissen.

Kitz © Kevin Winterhoff & Hermann Hirsch

Nämlich dann, wenn die großen Mähmaschinen durch die Wiesen fahren, um die erste Mahd einzufahren. Kitze fliehen nicht und wenn zuvor die Wiese nicht durchsucht wurde, zerstört das dumpfe Geräusch eines stockenden Mähwerks die Idylle der Natur.

Von alledem bekommen die jungen Uhus im entfernten Steinbruch nichts mit. Sie sind bereits im April geschlüpft und verharren die erste Zeit in der Brutnische. Wenn es wärmer wird und sie bereits ausreichend groß sind, verlassen sie diese und sitzen zumeist gemeinsam an einer Stelle und üben das Flügelschlagen, während sie auf die nächste Fütterung durch die Mutter warten.

Uhu-Jungvögel © Kevin Winterhoff & Hermann Hirsch

Waldkauz Ästling © Kevin Winterhoff & Hermann Hirsch

Nicht ganz so sicher sind die jungen Waldkäuze, die in der sogenannten Ästlingszeit das sichere Nest verlassen müssen, um fliegen zu lernen. In dieser Zeit können sie nur klettern und sind somit den Gefahren durch Füchse oder freilaufende Hunde schutzlos ausgesetzt.

Für uns Naturfotografen ist das Frühjahr die wohl schönste Zeit im Jahr. Es gibt Motive im Überfluss und oft weiß man nicht einmal, wo man als erstes anfangen soll. Da hilft nur eines: Konzentration auf einige Themen und diese Projekte konsequent durchziehen.

Frühling © Kevin Winterhoff & Hermann Hirsch

Nur so können ausdrucksvolle Bilder entstehen, die das Leben der Tiere in vielfältiger Weise darstellen. Dieses Jahr haben wir uns den Dachs vorgenommen, bereits jetzt suchen wir wieder nach besetzten Bauen, denn schon bald beginnt die Zeit:

Dann blüht das Schneeglöckchen wieder, es wird wärmer und Gezwitscher liegt in der Luft…


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