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Posts Tagged ‘Kreativität’

Zwischen Kreativität und Perfektionismus

09 Oct

Achtung, es folgt eine Provokation. In erster Linie provoziere ich mich selbst, aber das mag daran liegen, dass ich gerade anfällig dafür bin. Auf der Suche danach, was ich fotografisch eigentlich will, hatte sich zwischen Fragen nach Bildstil, Genre, Philosophie und Technik eine Menge an Frustration angestaut. Das mag jetzt nach chronischer Unzufriedenheit klingen, aber das ist es nicht. Es ist eher das Bedürfnis innerhalb des eigenen Schaffens, relevant zu sein.

Das ist natürlich ein großes Wort: Relevant. Und es wirft viele weitere Fragen auf. Relevant für wen? In welcher Zeit? Aus welcher Intention heraus? Durch welche Medien? Die Liste ist lang. Irgendwann zwischen solchen wirren Gedankengängen hatte ich dann eine digitale Begegnung mit einem Schulbusfahrer aus New York, die mir subjektiv irgendwie besonders vorkam.

Auf Flickr bin ich, mit eben erwähnten Überlegungen im Hinterkopf, über die Bilder von Kenneth Vogelsberg gestolpert. Bei der Flut an Bildern, die täglich auf verschiedenen Kanälen über mich herein bricht, verwunderte es mich, dass mein Blick an seinen Bildern hängen blieb. Aus fotografischer Sicht fand ich nämlich nichts, womit ich die scheinbar vorhandene Anziehungskraft hätte erklären können.

Sonnenlicht auf einer Veranda

Diese Verwunderung führte nunmehr dazu, dass ich den Bilden länger Aufmerksamkeit schenkte, einzelne herauspickte, analysierte, das spärlich ausgefüllte Profil las und das Bild des Fotografen näher betrachtete. Wirkt das Ganze auf mich skurril oder kann man es schon exzentrisch nennen? Irgendwann war ich wieder bei einem großen Wort angelangt, das mir geeignet vorkam, zu beschreiben, was ich an diesen Bildern fand: Authentizität.

Vom griechischen „authentikós“ abstammend, meint es soviel wie „echt“, „glaubwürdig“, umgangssprachlich auch mit „Originalität“ verbunden. Damit war ich dann auch wieder bei meinen Gedanken zur Relevanz angelangt. Denn Authentizität zählt für mich durchaus zu wichtigen Merkmalen, die etwas relevant werden lassen. Authentizität ist außerdem etwas, um das ich bei jedem Gebrauch der Kamera ringe.

Auf der Gegenseite steht die Reproduktion. Natürlich lassen sich keine klaren Grenzen zwischen Inspiration und Reproduktion ziehen, sofern man sich von der Arbeit anderer inspirieren lässt. Jedoch scheint die perfekte Reproduktion dessen, was als qualitativ gute Fotografie durchgeht, ein Konzept zu sein, das beinahe dem Alleinanspruch auf Seelenheil der katholischen Kirche nahe kommt.

Blick durch Busfenster

Ich habe mich schon vor einiger Zeit aus einer der großen Foto-Plattformen zurückgezogen, weil ich gelangweilt war vom Streben nach technischer Perfektion. Das klingt jetzt ziemlich arrogant, aber das war nun einmal mein Beweggrund. Ich konnte einfach keine HDR-Aufnahmen, Langzeitbelichtungen und perfekt ausgeleuchtete Ringblitz-Studiofotos von Frauen in Unterwäsche mehr sehen. Zwar braucht sich niemand für persönlichen Geschmack zu rechtfertigen, ich möchte aber an dieser Stelle dennoch sagen, dass ich mit diesen vollkommen subjektiven Aussagen niemanden angreifen will.

Zurück zu Kenneth Vogelsberg. Trotz der täglichen Bilderflut bin ich immer noch so grün hinter den Ohren, dass ich ständig auf Fotografen stoße, deren Arbeit mich verblüfft, fasziniert, bewegt und inspiriert. Kenneth Vogelsberg ist keiner davon, aber er hat es geschafft, dass ich ebenso viel Zeit mit dem Betrachten seiner Bilder verbrachte wie mit dem Durchblättern eines schicken Hochglanz-Bildbandes. Und irgendwann fand mein ungeübtes Auge auch Gründe dafür.

Ein kleiner Hund und ein Mensch, der an einem Bus lehnt.

Ein mögliches, weit verbreitetes Kriterium dafür, wie jemand ein Motiv auswählt, das fotografiert werden soll, ist Schönheit. Menschen fotografieren Dinge, die sie schön finden. Zwar hat sich die Fotografie seit ihren Anfängen ein Stück weit von dieser Herangehensweise emanzipiert und neben dieser eine Vielzahl weiterer Ansätze entwickelt.

Jedoch scheint mir die Fotografie, die mich so langweilt und enttäuscht, eben dieses Prinzip, um den Anspruch der Perfektion erweitert, konsequent durchzuexerzieren. Ich habe grundsätzlich nichts gegen technische Perfektion und lese selbst dauernd Tests über irgendwelche Konsumgüter, die mich scheinbar meine Ideen besser umsetzen lassen sollen.

Kürzt man aber die Kreativität aus der Gleichung raus, so erhält man die heutzutage weit verbreitete Formel „Reproduktion + technische Perfektion = hohe Qualität“. Es fliegen einem als Fotograf, der diese Formel in fotografischer Regeltreue befolgt, erbauende Mengen an virtuellen Herzchen und Sternchen zu, aber nach der Persönlichkeit in der Colorkey-Erdbeere, die man sich vom gewonnenen Print-Gutschein auf Acrylglas hat drucken lassen, sucht man vergebens.

Bevor ich nun Drohbriefe von Colorkey-Print-Besitzern bekomme, möchte ich nochmals sagen, dass man diese Ansichten absolut nicht teilen muss. Ich sehe das nun einmal so und versuche, mich dabei auch an die eigene Nase zu packen.

Vielleicht lassen sich all diese Überlegungen auch einfach darauf zurück führen, dass mit mir etwas nicht stimmt, aber ich fasse jede Einladung einer Stock-Foto-Seite, die in meinem Postfach landet, als negative Kritik auf. Das mag wieder schrecklich überheblich klingen, aber ich denke, wenn ich mir in meiner Fotografie ein Ziel stecken will, muss ich Prioritäten setzen. Und das bedeutet auch, zu wissen, was ich nicht will.

Ein Stinktier auf einem Stuhl

Die ständige Reproduktion von perfekt ausgeleuchteten Portraits, beeindruckenden Landschaftsaufnahmen und poetischen Bildergeschichten, der ich, trotz Ringen, dauernd verfalle, kommt in meinen Augen nicht an die Authentizität der Aufnahmen heran, die Kenneth Vogelsberg scheinbar nebenbei in seinem Alltag produziert.

Ich entdecke in seinen Bildern einen Blick für Licht und Schatten, für absurde Situationskomik, für Linien und Spiegelungen, die ich in so manchem Gewinnerfoto eines Foto-Wettbewerbs ebenso vermisse wie in meinen eigenen Arbeiten, die oftmals auch nur gern das wären, was ich bei anderen bestaune.

Diese Faszination mag daher kommen, dass seine Kompositionen außerhalb meines Erfahrungsbereichs liegen, aber vielleicht ist es auch gerade der ehrliche Blick auf die Dinge, die er zeigen möchte. Keine romantisierten Blumenkränze, sondern ein selektiver, offener Einblick in die Welt, wie er sie sieht.

Autos spiegeln sich in einer Glastür

Die Tatsache, dass eine (im konventionellen Sinn) technisch fehlerhafte Fotografie gefühlsmäßig wirksamer sein kann als ein technisch fehlerloses Bild, wird auf jene schockierend wirken, die naiv genug sind, zu glauben, dass technische Perfektion den wahren Wert eines Fotos ausmacht.

Andreas Feininger –

In meiner fotografischen Pubertät mag das gerade eine Phase sein, in der ich diese Schnappschüsse interessanter finde als jene auf Hochglanz nachbearbeiteten Bilder, die viel Lob ernten, in ihrem Kern aber nur die banale Reproduktion eines Erfolgsrezepts sind.

Auf das Wesentliche reduziert wünsche ich mir mehr Elemente eines Kenneth Vogelsberg in der fotografischen Welt, anstatt der ständigen Reproduktion von Motiven, die so auch in der Bilderrahmen-Abteilung eines Möbelhauses hängen könnten. Das ist in Sachen Authentizität alles andere als ein Qualitätsmerkmal, egal wie viele Tutorials zur Belichtung und Bearbeitung nötig waren.

Ich mag Tutorials und lerne gern von Menschen, die etwas von ihrem Können und Wissen weitergeben wollen. Dazu zählt auch, Erfolgsrezepte und Möglichkeiten auszuprobieren, die einem die Fotografie bietet. Irgendwie muss man sich ja auf den Weg begeben. Ich habe deshalb auch eine Liste mit Dingen, die ich gern einmal ausprobieren und nachmachen möchte. Nach meinem Verständnis sollte sich aber daraus ein eigener Weg abzeichnen.

Ein verlassenes Haus

Ich liebe es, durch andere inspiriert zu werden und führe eine lange Liste von Bildern und Künstlern, denen ich nacheifere. Dieser gedankliche Prozess ist keineswegs abgeschlossen. Gerade am Punkt der Relevanz werde ich sicher noch länger verweilen. Momentan denke ich, ein Bild ist relevant – für den Künstler, den Betrachter oder beide – wenn es seinen Zweck erfüllt. Wenn es vermittelt, was es vermitteln soll. Auch die Colorkey-Erdbeere hat so ihre Berechtigung, auf Servietten oder Obstkörbchen vielleicht.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
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Wettbewerb: Kreativität entfesseln mit Wacom

01 Jul

Überraschung: Wir haben nicht nur das neue Wacom Cintiq Companion zum Testen bekommen, sondern veranstalten ab heute in Kooperation mit Wacom auch den größten Wettbewerb, den es bei kwerfeldein bisher gab. Und dieses Mal wird es einen Gewinner geben, der sich das Companion verdienen kann.

Du kannst das gewinnen: Ein Tablett-PC mit ingetriertem Grafik-Tablett im Wert von 1.799 €, wenn Du bei diesem Wettbewerb mitmachst und ein Projekt einreichst, das so wahnsinnig gut ist, dass es uns aus den Latschen haut. Was das Wacom Cintiq Companion ist, kannst Du in der gestrigen Rezension nachlesen.

Wacom Cintiq Companion mit Stift.

Die Regeln

Sechs Wochen Zeit. Ab jetzt habt Ihr genau sechs Wochen Zeit, der Einsendeschluss ist der 12. August 2014 um 7 Uhr morgens. Einsendungen, die zu spät eintreffen oder zum Teilnahmeschluss unvollständig sind, werden nicht berücksichtigt.

Abgeben: Eine Kleinserie. Euer Projekt sollte eine Kleinserie von drei oder mehr Bildern umfassen und einen Titel haben. Falls Ihr eine großartige Idee habt, die nicht in unser Kistendenken von „3 Bilder“ passt, schreibt eine E-Mail an Aileen und fragt sicherheitshalber nach. Da wir kreative, ungewöhnliche Arbeiten sehen möchten, soll auch anderes möglich sein.

Abgeben: Eine Dokumentation. Dokumentiert von der ersten Idee an Euer Projekt. Beschreibt Euer Konzept, zeigt Zwischenschritte, beschreibt Techniken, zeigt Details und haltet den Verlauf Eures Projektes fest. So sehr wir hier gern Ausführlichkeit und Tiefgang haben, bitten wir Euch gleichsam, so kurz und knackig wie möglich zu bleiben.

Einsendung anonymisiert. Achtet darauf, dass in Euren eingereichten Bildern (auch EXIF-Daten) und der Dokumentation Euer Name und Links zu Euren Portfolios nicht auftauchen. Um eine möglichst faire Auswertung zu garantieren, wird jede Einsendung mit einer Nummer versehen. Für die Veröffentlichung der Gewinner-Arbeiten aktualisieren wir diese gemeinsam mit den Preisträgern natürlich noch.

Große Dateien bitte per Download. Eure eingesendeten Bilder sollten eine Mindestbreite von 960 px haben, können aber auch größer sein. Sollte Eure Einsendung (alle Bilder + Dokumentation) eine Gesamtgröße von 5 MB überschreiten, nutzt bitte Dienste wie Wetransfer zur Übertragung.

Einsendungen nur per E-Mail an Aileen. Damit nichts verloren geht und wir die Anonymisierung zur Auswertung konsequent umsetzen können, wendet Euch mit allen Fragen sowie Einsendungen ausschließlich an Aileen. Sie schickt Euch auch eine kurze Eingangsbestätigung.

Wacom Cintiq Companion mit Stift, Tastatur und Aufsteller.

Auswertung

Wir machen einen Zeitplan. Sobald kurz nach dem Einsendeschluss feststeht, wie viele gültige Einsendungen wir erhalten haben, lassen wir Euch wissen, wann die Auswertung abgeschlossen sein und der Gewinner feststehen soll.

Wir bewerten Eure Arbeiten. Jeder Redakteur bewertet die anonymisierten Einsendungen anhand der Kriterien „Innovativität des Konzepts“, „technische Umsetzung“, „Dokumentation“ und „Gesamtwirkung“ auf einer Skala von 1 (wenig/schlecht) bis 10 (viel/gut). Die Einzelbewertungen der Redakteure werden zu einer Gesamtbewertung jeder eingereichten Arbeit zusammengefasst.

Wir schicken Euch Feedback. Leider werden wir nicht jedem Einsender eine ausführliche Bewertung zukommen lassen können, aber jeder erhält zumindest die Gesamtbewertung der einzelnen Kriterien der Redaktion. Optional können die Redakteure Kommentare zu den Einsendungen hinterlassen, die wir Euch auch zustellen.

 

Wir haben einen Gewinner

Den stellen wir vor. Natürlich präsentieren wir die Arbeit, die nach Punkten das Wacom Cintiq Companion gewinnt, hier für alle. Außerdem vielleicht noch Platz zwei, drei und lobende Erwähnungen. Das machen wir von der Anzahl und Überzeugungskraft der Einsendungen abhängig.

Frau mit Federschmuck, um die drei Papierraben fliegen.

Digitale Collage von Aileen, erstellt mit dem Wacom Cintiq Companion. Modell: Miss Souls

Die Idee

Macht etwas Neues. Wir möchten keine Arbeiten aus Euren Archiven sehen, sondern eigens für diese Aktion erstellte Werke, die Ihr von der ersten Idee bis zur letzten Verkleinerung für Web durchdenkt. Macht etwas ganz anderes aus Euren Fotos als bisher.

Macht etwas Kreatives. Da auch das Wacom Cintiq Companion, das dem Gewinner winkt, kein reines Fotografie-Tool ist, möchten wir mit Euch die üblichen Grenzen der Fotografie sprengen. Bezieht andere Medien mit ein, denkt out of the box.

Traut Euch. Nehmt ein Projekt oder Konzept in Angriff, das Ihr vielleicht schon länger vor Euch herschiebt, weil es so richtig groß und aufwändig wird. Oder für das Ihr persönliches Neuland betreten, etwas ausprobieren müsst. Jetzt ist der Zeitpunkt dafür gekommen, packt es an!

Frau mit Geäst auf dem Kopf, um die frei Kolibris fliegen.

Digitale Collage von Aileen, erstellt mit dem Wacom Cintiq Companion. Modell: Miss Souls

Teilnahmebedingungen

Einverstanden: Mit der Teilnahme an diesem Wettbewerb willigt Ihr ein, dass Eure Arbeiten unter Eurem Namen auf kwerfeldein vorgestellt werden dürfen, sofern wir sie dafür auswählen. Die Anschrift des Gewinners wird zum Zwecke der Zustellung des Gewinns an Wacom weitergegeben.

Erklärung: Mit der Einsendung von Arbeiten erklärt Ihr ausdrücklich, eigenes Material zu verwenden und Fremdmaterial als solches zu kennzeichnen sowie eine schriftliche, ausdrückliche Erlaubnis der Rechteinhaber zur Verwendung zu besitzen. Minderjährige Teilnehmer benötigen eine Einverständniserklärung des/der Erziehungsberechtigten.

Versprochen: Wir veröffentlichen keine Teile Eurer Einsendungen oder große Versionen Eurer Werke ohne Rücksprache mit Euch. Außerdem geben wir keine Daten wie Namen oder Anschrift an Dritte weiter; davon ausgenommen ist die Weitergabe der Anschrift des Gewinners zur Gewinnzustellung.

Berechtigt: Mitmachen dürfen alle natürlichen Personen mit Wohnsitz (bzw. Lieferadresse) in Europa. Die einzureichende Dokumentation ist auf Deutsch zu verfassen.

Ausgeschlossen: Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mitglieder der Redaktion sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Wir behalten uns vor, Einsendungen mit diskriminierenden, gewaltverherrlichenden, diffamierenden, beleidigenden oder rechtsverletzenden Inhalten auszuschließen.

 

Trotz der vielen Formalien sind wir sicher, dass wir nun das kreative Feuer in Euch geweckt haben. Sechs Wochen sind eine lange Zeit, also fangt noch genau heute an, an Eurem Projekt zu feilen. Denn alle anderen tun das auch und jeder Tag ist ein Vorsprung. Also: Ran an die Kameras!


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
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Kreativität

14 Mar

Mein Psychologielehrer machte mit uns zu Beginn der Lehreinheit „Kreativität“ ein Experiment: Wir hatten eine Minute Zeit, alle weißen Lebensmittel aufzuschreiben, die uns in den Sinn kamen. Alle schrieben eifrig und die Blätter füllten sich schnell.

Bei der Auswertung ging es jedoch nicht darum, möglichst viele Lebensmittel gefunden zu haben, sondern besonders einzigartige. Mehl und Eier standen wahrscheinlich auf jedem Zettel, während Mäusespeck und Zuckerwatte kaum einer aufgeschrieben hatte.

Gezeigt werden sollte uns damit, dass kreative Ideen durch originelles, einzigartiges Denken entstehen. Künstler können gut assoziativ denken, ihre Leistung liegt meist darin, gängige Denkstrukturen zu durchbrechen, wodurch ihre Arbeiten häufig nicht nur als etwas Besonderes bewertet werden, sondern auch schnell als verrückt.

Warum einige Menschen kreativer sind als andere, ist wahrscheinlich sogar genetisch verankert. Einer Studie der Semmelweis-Universität in Budapest zufolge gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Neuregulin-Gen und der Kreativität eines Menschen. Gleichzeitig besteht jedoch auch ein Zusammenhang des Gens mit Schizophrenie.

Das Gen kommt in einer C- und einer T-Variante vor. Probanten, die von ihren Eltern jeweils die T-Variante vererbt bekamen, gaben originellere Antworten, neigten jedoch auch häufiger zu Schizophrenie. Probanten mit der CC-Variante wurden als am wenigsten kreativ bewertet, während Träger der CT-Variante mittelmäßig abschnitten.

Nun nahmen an dieser Studie nur 200 Probanden teil, die zum Großteil aus künstlerischen und akademischen Berufen kamen. Um die Ergebnisse zu untermauern, wäre eine größere, repräsentativere Studie nötig. Aber das Ergebnis zeigt schon in die Richtung einer gängigen Meinung: Genie und Wahnsinn liegen dicht beieinander.

Schon Aristoteles meinte, es gäbe kein großes Genie ohne einen Schuß Verrücktheit. Und viele berühmte Künstler scheinen es zu bestätigen: Robert Schumann, Vincent van Gogh oder Sylvia Plath, um nur einige wenige zu nennen.

Nun heißt das nicht, dass jeder, der kreativ ist, auch droht, wahnsinnig zu werden oder gar selbstmordgefährdet ist. Kreativität ist etwas, zu dem jeder Mensch fähig ist und zeigt sich bei jedem Menschen anders: Fotografieren, Malen, Schreiben, Musizieren, Witze machen oder ganz anders.

Um die eigene Kreativität zu fördern, gibt es viele Möglichkeiten. Wie bereits geschrieben, geht es darum, neue Denkstrukturen zu entwickeln. Anbei ein paar Tipps, die aus meiner persönlichen Erfahrung schöpfen:

1. Sich selbst nicht zu ernst nehmen.
Habe ich Angst, etwas falsch zu machen oder albern zu wirken, dann blockiere ich mich. Dabei ist es doch völlig egal, denn wenn das Resultat wirklich albern ist, hatte ich zumindest viel Spaß. Zudem verpflichte ich mich ja nicht, es auch zu veröffentlichen.

2. Kreativität kann man nicht erzwingen.
Kreativität kommt oft zu Besuch, wenn sie möchte, man muss es ihr nur gemütlich machen. Zum Beispiel durch einen schönen Spaziergang, einen lustigen Abend mit Freunden, Tanzen, Lachen. Unter Druck bleibt sie jedoch gern weg.

3. Inspirieren lassen.
Arbeiten und Werke anderer Künstler können stark inspirieren. Diese müssen nicht einmal auch Fotografien sein. Auf mich selbst wirkt Musik sehr stark, aber auch Gedichte und Malerei formen oft Bilder in meinem Kopf, die ich anschließend umsetzen kann.

4. Ideen auf Vorrat sammeln.
Manchmal gibt es einfach Zeiten, in denen ich so viele Ideen habe, dass ich sie gar nicht alle umsetzen kann. Dann schnappe ich mir einen Stift und mein Notizbuch und zeichne sie oder schreibe sie auf. Kommt dann wieder eine Zeit, in der mir nichts einfallen will, ist mein Notizbuch Gold wert. Oft bringen mich meine früheren Einfälle zum Staunen und ohne Buch wären sie wohl verloren gewesen.

5. Inspiration aus Fehlschlägen.
Es gibt hin und wieder fertige Bilder, die mich trotz toller Grundidee einfach nicht überzeugen. Ich hebe sie dennoch auf und sehe sei mir nach einiger Zeit noch einmal an. Mit etwas Abstand finde ich leichter die Fehler, die ich gemacht habe und kann es noch einmal versuchen. Meine Möglichkeiten und Fähigkeiten verändern sich und wachsen und das schlechte Bild vom letzten Jahr wird so vielleicht zu einem zeigenswerten Foto.

Was hilft Euch dabei, kreativ zu werden? Ergänzt meine Punkte gern in den Kommentaren und erzählt, wann die Kreativität bei Euch zu Besuch kommt oder auch, wann sie sich versteckt hält.

Titelbild von Laura Zalenga.


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Kreativität

12 Mar

Mein Psychologielehrer machte mit uns zu Beginn der Lehreinheit „Kreativität“ ein Experiment: Wir hatten eine Minute Zeit, alle weißen Lebensmittel aufzuschreiben, die uns in den Sinn kamen. Alle schrieben eifrig und die Blätter füllten sich schnell.

Bei der Auswertung ging es jedoch nicht darum, möglichst viele Lebensmittel gefunden zu haben, sondern besonders einzigartige. Mehl und Eier standen wahrscheinlich auf jedem Zettel, während Mäusespeck und Zuckerwatte kaum einer aufgeschrieben hatte.

Gezeigt werden sollte uns damit, dass kreative Ideen durch originelles, einzigartiges Denken entstehen. Künstler können gut assoziativ denken, ihre Leistung liegt meist darin, gängige Denkstrukturen zu durchbrechen, wodurch ihre Arbeiten häufig nicht nur als etwas Besonderes bewertet werden, sondern auch schnell als verrückt.

Warum einige Menschen kreativer sind als andere, ist wahrscheinlich sogar genetisch verankert. Einer Studie der Semmelweis-Universität in Budapest zufolge gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Neuregulin-Gen und der Kreativität eines Menschen. Gleichzeitig besteht jedoch auch ein Zusammenhang des Gens mit Schizophrenie.

Das Gen kommt in einer C- und einer T-Variante vor. Probanten, die von ihren Eltern jeweils die T-Variante vererbt bekamen, gaben originellere Antworten, neigten jedoch auch häufiger zu Schizophrenie. Probanten mit der CC-Variante wurden als am wenigsten kreativ bewertet, während Träger der CT-Variante mittelmäßig abschnitten.

Nun nahmen an dieser Studie nur 200 Probanten teil, die zum Großteil aus künstlerischen und akademischen Berufen kamen. Um die Ergebnisse zu untermauern, wäre eine größere, repräsentativere Studie nötig. Aber das Ergebnis zeigt schon in die Richtung einer gängigen Meinung: Genie und Wahnsinn liegen dicht beieinander.

Schon Aristoteles meinte, es gäbe kein großes Genie ohne einen Schuß Verrücktheit. Und viele berühmte Künstler scheinen es zu bestätigen: Robert Schumann, Vincent van Gogh oder Sylvia Plath, um nur einige wenige zu nennen.

Nun heißt das nicht, dass jeder, der kreativ ist, auch droht, wahnsinnig zu werden oder gar selbstmordgefährdet ist. Kreativität ist etwas, zu dem jeder Mensch fähig ist und zeigt sich bei jedem Menschen anders: Fotografieren, Malen, Schreiben, Musizieren, Witze machen oder ganz anders.

Um die eigene Kreativität zu fördern, gibt es viele Möglichkeiten. Wie bereits geschrieben, geht es darum, neue Denkstrukturen zu entwickeln. Anbei ein paar Tipps, die aus meiner persönlichen Erfahrung schöpfen:

1. Sich selbst nicht zu ernst nehmen.
Habe ich Angst, etwas falsch zu machen oder albern zu wirken, dann blockiere ich mich. Dabei ist es doch völlig egal, denn wenn das Resultat wirklich albern ist, hatte ich zumindest viel Spaß. Zudem verpflichte ich mich ja nicht, es auch zu veröffentlichen.

2. Kreativität kann man nicht erzwingen.
Kreativität kommt oft zu Besuch, wenn sie möchte, man muss es ihr nur gemütlich machen. Zum Beispiel durch einen schönen Spaziergang, einen lustigen Abend mit Freunden, Tanzen, Lachen. Unter Druck bleibt sie jedoch gern weg.

3. Inspirieren lassen.
Arbeiten und Werke anderer Künstler können stark inspirieren. Diese müssen nicht einmal auch Fotografien sein. Auf mich selbst wirkt Musik sehr stark, aber auch Gedichte und Malerei formen oft Bilder in meinem Kopf, die ich anschließend umsetzen kann.

4. Ideen auf Vorrat sammeln.
Manchmal gibt es einfach Zeiten, in denen ich so viele Ideen habe, dass ich sie gar nicht alle umsetzen kann. Dann schnappe ich mir einen Stift und mein Notizbuch und zeichne sie oder schreibe sie auf. Kommt dann wieder eine Zeit, in der mir nichts einfallen will, ist mein Notizbuch Gold wert. Oft bringen mich meine früheren Einfälle zum Staunen und ohne Buch wären sie wohl verloren gewesen.

5. Inspiration aus Fehlschlägen.
Es gibt hin und wieder fertige Bilder, die mich trotz toller Grundidee einfach nicht überzeugen. Ich hebe sie dennoch auf und sehe sei mir nach einiger Zeit noch einmal an. Mit etwas Abstand finde ich leichter die Fehler, die ich gemacht habe und kann es noch einmal versuchen. Meine Möglichkeiten und Fähigkeiten verändern sich und wachsen und das schlechte Bild vom letzten Jahr wird so vielleicht zu einem zeigenswerten Foto.

Was hilft Euch dabei, kreativ zu werden? Ergänzt meine Punkte gern in den Kommentaren und erzählt, wann die Kreativität bei Euch zu Besuch kommt oder auch, wann sie sich versteckt hält.

Titelbild von Laura Zalenga.


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