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Posts Tagged ‘Konzertfotografie’

Max Herre und die Konzertfotografie vor der Bühne

06 Aug

Ein Beitrag von: Tilman Haerdle

Neben der Fotografie nimmt Musik einen großen Teil meines Lebens ein. Ohne Musik zu leben wäre für mich nur schwer vorstellbar. Konzerte habe ich daher immer gern besucht, schon weil live gespielte Musik noch einmal anders „lebt“ als Studioaufnahmen.

Zu beobachten, wie Musiker sich darstellen, sowohl als Akteure auf der Bühne als auch durch ihre Show, fasziniert mich. Fotografisch habe ich diese Erlebnisse bisher nur auf dem Smartphone festhalten können, meist aus weiter Entfernung von der Bühne, seltener aus einer der vorderen Reihen. Auch das kann durchaus zu guten Ergebnissen führen, wenn man die Möglichkeit hat, die Belichtungsmessung und den Fokus getrennt voneinander einzustellen und wenn der Winkel zur Bühne nicht zu ungünstig ist.

Der Bühnengraben

Als ich vor ein paar Tagen morgens einen Anruf erhielt, ob ich nicht einspringen wolle, um Max Herre und sein Kahedi Radio Orchestra vom Fotografengraben aus zu fotografieren, zögerte ich nicht lange. Unsicherheit kam nur auf hinsichtlich der Kameras und Objektive, die ich verwenden wollte. Nach kurzer Recherche entschied ich mich, zwei DSLR-Bodies mitzunehmen. Auf dem einen ein Weitwinkel-Zoom 18 – 105 mm für die Totalen, auf der anderen Kamera auch ein Kit-Objektiv, 55 – 200 mm, für die Nahaufnahmen.

Die Bühne mit Musikern

Am Veranstaltungsort angekommen, konnte ich noch Fetsum, der als Support auftrat, fotografieren, dabei gleich ausprobieren, mit welchen Brennweiten welche Resultate zu erzielen waren und wie ich ISO und Blende einzustellen hatte. Ungewöhnlich für eine „Vorband“ war, dass Fetsum mit seinem Gitarristen vom Publikum frenetisch gefeiert wurde, was mich immer freut, weil der Support oftmals keine schlechtere Vorstellung abliefert, aber vom Publikum in der Regel stiefmütterlich behandelt wird.

Fetsum mit Mikrofon im Konzert

Die übliche Regel bei Konzertfotografie limitiert die Dauer für Fotografie auf drei Songs, normalerweise ohne Blitz, so auch hier. Nachdem sich mit mir insgesamt vier Fotografen am vereinbarten Treffpunkt neben der Bühne gefunden hatten, standen wir mit dem Fotografenbetreuer des Veranstalters seitlich von der Bühne.

Faszinierend war es, das Publikum von vorn zu sehen, erst die gespannte Erwartung und dann die ausbrechende Begeisterung in den Gesichtern zu sehen, als die Musiker die Bühne betraten und die Musik einsetzte.

Dieser Moment, wenn dem Publikum klar wird, dass es losgeht, ist für mich in jedem Konzert ganz speziell, mir erscheint das Publikum wie ein Organismus, der von einem kollektiven Rausch ergriffen wird. Die Tatsache, dass es sich hier um ein Zusatzkonzert handelte und die Musikarena dennoch brechend voll war, sagt viel über die Beliebtheit von Max Herre aus.

Max Herre im Portrait

Nach dem Intro wurde ich mit den anderen Fotografen vor die Bühne gelassen – dank der Gitter auf einer Seite und der blutroten Illumination der Bühne, die bis auf die vorderen Reihen abstrahlte, kam kurz die Analogie zu den Löwen auf, die in die Arena gejagt werden.

Welche Songs gesungen wurden und was Max Herre eventuell zur Begrüßung sagte, entzieht sich meiner Erinnerung. Ein Blick auf die Aufnahmezeiten der Bilder zeigt mir jedoch, dass wir genau elf Minuten Zeit zum Fotografieren hatten. Obwohl es mein erstes Konzert war, das sich so fotografieren durfte, konnte ich vermeintlich ruhig arbeiten.

Da ich oft auf der Straße fotografiere und dabei auch auf fremde Menschen zugehe, war die Situation, in der es offiziell erlaubt war, alles zu fotografieren, was auf der Bühne passiert, mit wenig Stress verbunden. Wie sehr ich jedoch von der Situation gefangen war, merkte ich erst, als wir Fotografen dann signalisiert bekamen, den Graben wieder zu verlassen und im Dunkel neben der Bühne die schlagartige Nüchternheit einsetzte.

Im Nachhinein ist die Wahrnehmung eines Konzerts so nah an der Bühne derart intensiv, dass ich mich danach im Publikumsbereich sehr weit weg vom Konzert fühlte. Da ich allein unterwegs war, hielt mich dann, obwohl ich Max Herre sehr mag, auch nichts mehr vor Ort.

Die Band mit Gitarren

Ich hatte mir vorgenommen, Solisten und Band aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu fotografieren, auch in die Totale zu gehen und nicht nur Close-Ups zu machen. Außerdem wollte ich jeden Musiker auch isoliert in ansprechender Haltung erwischen. Mit fortschreitender Dauer stellte sich heraus, dass ich das nicht alles unter einen Hut bekommen konnte und fokussierte mich nach Max Herre auf die im dritten Song auftretende Joy Denalane, deren Emotionen ich in einigen extremen Nahaufnahmen gut einfangen konnte.

Joy Denalane

Da die Aufnahmen nicht von einer Tageszeitung oder einem Musikmagazin speziell beauftragt waren, konnte ich hier meine persönlichen Vorstellungen gut umsetzen. Ich werde demnächst die Gelegenheit haben, weitere Konzerte zu fotografieren und freue mich darauf – es ist eine ganz eigene Art des Fotografierens, sehr instinktgesteuert und die Musik, die man mehr spürt als hört, macht das Ganze zu einem besonderen Erlebnis.

Nun bin gespannt, ob ich mit den Erfahrungen, die ich hier sammeln konnte, meinen Prozess soweit stabilisieren kann, dass ich unter den gegebenen Rahmenbedingungen zu reproduzierbar guten Ergebnissen komme. Gerade die stark variierende Beleuchtungssituation führte immer wieder dazu, dass Bilder komplett schwarz wurden. Dank Raw-Format waren viele Unterbelichtungen jedoch noch gut zu retten.

Glücklicherweise bewegten sich die Akteure eher verhalten, so dass Bewegungsunschärfe auf praktisch keinem Bild ein Thema war. Zumindest mit dem Smartphone hatte ich bei Musikern wie Adam Green in der Vergangenheit große Schwierigkeiten, auch nur ein scharfes Bild zu bekommen.

Ein Gitarrist am Mikrofon

Mein Dank geht an Stephan Rescher vom Newsportal Nachrichten München, der mir die Gelegenheit verschaffte, dieses Konzert zu fotografieren.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
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Tipps zur Konzertfotografie mit Kitobjektiven

25 Aug

Ein Beitrag von: Lothar Dornieden

„Konzerfotos ohne lichtstarke Objektive sind nicht möglich.“ So lautet wohl die hinlänglich bekannte Meinung zum Thema Konzertfotografie. Doch auch mit üblichen Objektiven und Lichtstärken, die sich meist um Blende f/4 bis f/5.6 bewegen, lassen sich recht akzeptable Ergebnisse erzielen.


110 mm, 1/250, f5.6, ISO 3200

Probleme und Technik

Beim Fotografieren von Konzerten gibt es im Allgemeinen zwei Hauptprobleme:

  • Wenig Licht mit stark wechselnden Lichtverhältnissen
  • Viel Bewegung auf der Bühne

Hier sind dann in der Regel lichtstarke Objektive das erste Mittel der Wahl. Die sind aber aus unterschiedlichsten Gründen nicht immer zur Hand. Was jetzt? Auf den ersten Blick unterbelichtete oder verrauschte Fotos lassen sich im Nachinein durch gezielte digitale Nachbearbeitung zu einem guten Ergebnis korrigieren. Die digitale Nachbearbeitung der Fotos erledige ich fast ausschließlich mit Lightroom 3.


55 mm, 1/160, f4.0, ISO 3200

Meine eigene Ausrüstung

  • Nikon D5000
  • Objektive 18-55 mm (Blende f/3.5 – f/5.6)
  • 55-200 mm (Blende f/4 – f/5.6)

Je nach Lichtsituation (Open Air mit Tageslicht, Hallenkonzert, Clubkonzert, etc.) und dem eigenen Standort (im Publikum oder im Fotograben) fange ich meistens mit ISO 800 an und erhöhe diesen Wert dann entsprechend der Lichtverhältnisse schrittweise weiter nach oben (1200, 1600 oder 3200). Im Extremfall gehe auch schon einmal auf ISO 6400, aber dann rauscht es meistens doch sehr stark.

Die Blende habe ich normalerweise immer so weit wie eben möglich geöffnet. Wenn es das Licht erlaubt, blende ich aber trotzdem ein wenig ab. Somit besteht nicht die Gefahr, dass man die falschen Stellen fokussiert.


110 mm, 1/200, f7.1, ISO 3200

Die Kamera ist im manuellen Modus, sodass ich dann die Belichtungszeit während des Fotografierens wählen und kontrollieren kann. Dabei versuche ich, eine Verschlusszeit von 1/125 oder 1/100 Sekunde möglichst nicht zu unterschreiten. Ich habe aber auch schon mit Belichtungszeiten von 1/30 Sekunde recht akzeptable Ergebnisse erzielt. Es kommt nun einmal immer darauf an, wie ruhig das Motiv vor der Kamera ist. Allerdings braucht das ein wenig Übung und vor allem eine ruhige Hand.

Die Belichtung darf auch, falls nicht anders möglich, schon einmal eine bis drei Belichtungsstufen unter dem vom Belichtungsmesser vorgeschlagenen Wert liegen. Da ich immer im Raw-Format fotografiere, lässt sich diese Unterbelichtung in der Nachbearbeitung zumeist in gewissem Maße recht gut wieder ausgleichen.


165 mm, 1/30, f5.6, ISO 6400

Nachbearbeitung mit Lightroom 3

Nachdem ich die Fotos in Lightroom 3 importiert habe, geht es ans an die eigentliche digitale Nachbearbeitung. In der Regel verändere ich dann hier hauptsächlich die folgenden Werte, um einem Foto mehr Farbe und Ausdruckskraft zu geben, um Unterbelichtungen auszugleichen und um gegebenenfalls einen Grauschleier zu entfernen.

  • Belichtung
  • Aufhelllicht
  • Schwarz
  • Luminanz zur Rauschentfernung

Bei Fotos mit einem sehr starken Orangestich, der meist dann entsteht, wenn das Foto zu stark unterbelichtet wurde, versuche ich, diesen durch Anpassung der Farbtemperatur im Bereich Grundeinstellungen im Entwicklungsmodul in Lightroom 3 auszugleichen. Bei Aufnahmen mit starkem Rauschen entferne ich dieses anschließend über die Luminanz im Bereich Details im Entwicklungsmodul von Lightroom 3. Hier ist aber Vorsicht geboten, damit das Foto dabei nicht zu sehr seinen natürlichen Charakter und Schärfe verliert.

Ein Bearbeitungsbeispiel aus der Praxis

Das Originalfoto öffne ich in Lightroom und wechsle in das Modul „Entwickeln“. Das hier gezeigte Foto ist mit den Einstellungen 82 mm, ISO 2500, 1/100 sek., f/4.2 entstanden.

Zuerst habe ich die Farbtemperatur von 2950 auf 2092 reduziert, um den deutlich sichtbaren Orangestich zu reduzieren.

Im nächsten Schritt habe ich nun die Belichtung für etwas mehr Helligkeit auf + 0,40 erhöht.

Die Erhöhung des Schwarzwertes auf 24 bringt etwas kräftigere Farben und reduziert einen möglicherweise bestehenden Grauschleier. Das Aufhelllicht auf 43 hellt die durch den vorherigen Schritt zu sehr abgedunkelten Stellen wieder auf.

Durch Erhöhung der Rauschreduzierung auf 24 in der Luminanz wird das Rauschen im Foto reduziert.

Um den Blick mehr auf den Mittelpunkt des Fotos zu lenken und dabei den Musiker noch mehr in den Fokus des Interesses zu stellen, habe ich hier zum Schluss noch „Vignettierung nach Freistellen“ auf -43 eingestellt.


82 mm, 1/100, f4.2, ISO 2500

Die ausgewählten Werte der einzelnen Einstellungen sind keine festen Werte, die ich bei jedem Foto so verwende, sondern ich wähle diese individuell von Foto zu Foto immer wieder neu, frei nach Augenmaß. Der grundsätzliche Weg der Bearbeitungsschritte ist aber fast immer der oben gezeigte.

In Fällen, bei denen die Beleuchtungsverhältnisse vor Ort sehr ungünstig sind – beispielsweise, wenn die Bühne dauerhaft in orange oder rot ausgeleuchtet wird oder wenn ich sehr hohe ISO-Werte verwendet habe – lässt sich durch Konvertierung nach Schwarzweiß auch aus diesem Material in vielen Fällen noch ein sehr ansprechendes Ergebnis machen. Hier gibt das Rauschen, das ich dann auch nicht versuchen würde, vollständig aus dem Foto zu entfernen, diesem zusätzlich noch einen gewissen künstlerischen Reiz.


200 mm, 1/160, f5.6, ISO 6400

Nehmt doch beim nächsten Konzert Eure Kamera mal mit und probiert das oben Gezeigte ein wenig aus. Mit etwas Geduld solltet Ihr dann recht schnell zu wirklich brauchbaren Ergebnissen kommen. Mit der Zeit findet man auch immer wieder neue kleine Tricks heraus, um aus den Fotos noch ein klein wenig mehr herauszuholen.

Wenn Ihr zu dem Thema noch Fragen oder selbst weitere Tipps auf Lager habt, so würde ich mich freuen, wenn Ihr diese hier als Kommentar hinterlasst. Bei Interesse findet Ihr weitere Konzertfotos von mir auf meinem Fotoblog.

Viel Spaß beim Bearbeiten Eurer Konzertfotos!


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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