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Warum ich keine Sonnenuntergänge, Blumen und Katzen fotografiere

20 Nov

Ein Beitrag von: Georgie Jerzyna Pauwels

Wie oft habe ich früher von Freunden und Familie gesagt bekommen, ich solle etwas „Vernünftiges“ fotografieren. Gewöhnliche Straßen und normale Menschen üben auf viele Fotografen keinen Reiz aus, auf mich aber schon.

Auch für viele andere Fotografen ist die urbane Umgebung ein El Dorado für Motive, Stimmungen und Szenen, die lustig, traurig, nachdenklich aber auch unschön sind. Ich habe schon seit meiner frühen Jugend fotografiert, den Wendepunkt gab es jedoch erst vor etwa zweieinhalb Jahren. Da bin ich der Straßenfotografie verfallen.

© Georgie Jerzyna Pauwels

© Georgie Jerzyna Pauwels

Ich reise viel und gern, die traditionellen Motive wie Sehenswürdigkeiten interessieren mich jedoch fotografisch gesehen weniger als die Besucher, deren Herkunft, ihr Verhalten, ihre Emotionen und die „nicht spektakulären“ Nebenstraßen mit ganz normalen Bewohnern sowie ihre Leben, Sorgen und Freuden.

Per Zufall und durch soziale Netzwerke habe ich entdeckt, dass es ziemlich viele gibt, die die Straßen ähnlich betrachten wie ich. Also besuchte ich einige Workshops, las ziemlich viel, knüpfte Kontakte, besuchte Ausstellungen – aber ohne das fast tägliche Ausgehen auf die Straßen und Fotografieren entwickelt man sich nicht weiter.

© Georgie Jerzyna Pauwels

© Georgie Jerzyna Pauwels

Ich bearbeite meine Bilder nur minimal, denn ich ziehe es vor, mit meiner Kamera nach draußen zu gehen, anstatt vor einem Computer zu sitzen.

Ich bin pragmatisch und ich teste verschiedene Kameras, aber die Kamera ist nicht das Wichtigste. Ich habe eine DSRL, aber ich bin lieber mit kleinen, unauffälligen und guten Kameras unterwegs. Diese kleinen Modelle passen in jede Handtasche und sind diskret, sodass der Fotograf nicht bemerkt wird und in Ruhe fotografieren kann.

Ich mag Einfachheit, klare Linien und Strukturen. Ich mag keine überladenen Bilder, sondern Effizienz und Klarheit. In vielen meiner Bilder sieht man nur eine oder ein paar Personen, da mich die Einsamkeit in der urbanen Welt am meisten berührt.

© Georgie Jerzyna Pauwels

© Georgie Jerzyna Pauwels

Natürlich sind auch die Bilder, die ich auf meinen Reisen in Indien oder Südostasien gemacht habe, unterschiedlich, dynamischer und mehrschichtig, denn die Straßen und die Stimmung dort unterscheiden sich sehr von den Straßen in Europa.

Straßenfotografie lehrt mich, Geduld zu haben, zu beobachten, meine Umgebung genauer wahrzunehmen und das Unerwartete zu meistern.

Ich habe keine „tiefsinnigen“ Erklärungen für meine Bilder – sorry. Ich fotografiere intuitiv und spontan, achte auf die Lichtverhältnisse, die Umgebung und hauptsächlich auf die Menschen. Viele meiner Bilder entstehen zufällig.

© Georgie Jerzyna Pauwels

© Georgie Jerzyna Pauwels

Hin und wieder jedoch kehre ich an einen Ort zurück, betrachte diesen genauer und warte auf die Situationen, die sich dort ergeben. Ich wünsche mir für die Zukunft mehr Anerkennung für die Straßenfotografie sowie deren Vertreter und weniger Restriktionen und rechtliche Beschränkungen.

PS: Okay, eine Katze habe ich doch fotografiert, es war aber nicht absichtlich.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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anderStark – Starke Frauen brauchen keine Muskeln

24 Aug

Aus einer Idee wuchs bei dem ungewöhnlichen Fotoprojekt „anderStark“ Schritt für Schritt eine Erfolgsgeschichte. Frauen mit muskulärer Erkrankung sollten portraitiert werden, schließlich enstand nicht nur ein Bildband und eine große Vernissage mit fast 1.000 Besuchern, sondern auch eine Wanderausstellung und eine große Fangemeinde.

Unter dem Motto „Starke Frauen brauchen keine Muskeln“ wurden dabei eindrucksvolle Konzept-Portraits gemacht, die sich nicht nur sehen lassen können, sondern auch öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema Umgang mit körperbehinderten Menschen schaffen sollen.

Die Reise © Jessica Prautzsch

Organisiert und initiiert wurde das ganze Unterfangen von der 25-jährigen Hamburgerin Anastasia Umrink, die selbst an spinaler Muskelatrophie erkrankt ist. „Die meisten Menschen haben wenig mit schönen und starken körperbehinderten Frauen zu tun, sie haben Ängste, Unsicherheiten und große Hemmschwellen. Mit diesem Projekt soll versucht werden, die negativen Emotionen abzubauen. Es gibt nichts zu verstecken und das sollen alle erfahren“, sagt sie zu ihrer Motivation für die Sache.

Die Entwicklung © Anna-Lena Ehlers

Über diverse Netzplattformen kamen zunächst mehrere Fotografen mit ins Boot, die ehrenamtlich in das Projekt einstiegen. Den Großteil der insgesamt über 60 Shootings im Verlauf von zwei Jahren absolvierten schlussendlich die beiden ebenfalls in Hamburg ansässigen Fotografinnen Jessica Prautzsch und Anna-Lena Ehlers, die in ihren Fotos mit diversen Klischees über Behinderung und Schönheit aufräumen, aber auch andere ungewöhnliche Ideen mit den Modellen aus ganz Deutschland realisierten.

„Ich hatte den Wunsch, das Thema Scho?nheit anders zu visualisieren als es das Gros der Fotografen tut und wollte den Menschen einen neuen Blickwinkel auf das Thema zeigen. Anastasia hat mir die Mo?glichkeit gegeben, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen. Mit anderStark kann ich mit meinen Fotos der Gesellschaft zeigen, dass eine behinderte Frau zuna?chst auch einfach mal nur eine scho?ne Frau und nicht einfach ‚die Behinderte‘ ist. Und: Das Sta?rke nicht immer nur etwas mit dem A?ußeren zu tun hat, sondern vor allem eine Einstellungssache ist“, so Jessica Prautzsch über ihre Herangehensweise an die Shootings.

Am Pool © Jessica Prautzsch

Das parallel mit dem Wachsen des Projektes entstandene Buch finanzierte das Team von anderStark über die lokale Crowdfunding-Plattform „Nordstarter“. Die sich im Laufe der Zeit über Facebook eingefundene Fangemeinde sorgte dabei in zwei Finanzierungsrunden für Einnahmen von fast 5.000 €, die für den Druck des Bildbandes und der Fotos für die Ausstellung verwendet wurden.

Ganz ohne Hürden lief das aber nicht ab, erinnert sich Jessica: „Das Gute am Crowdfunding ist, dass es so unkompliziert funktioniert, wenn man einmal die Regeln und Abla?ufe verstanden hat. Trotzdem war es fu?r mich und das Team eine große Herausforderung, das Projekt bei Nordstarter richtig zu pra?sentieren und andere Menschen darauf aufmerksam zu machen.

Die gro?ßte Barriere beim Crowdfunding ist auf jeden Fall das Marketing. Alle bekannten sozialen Netzwerke wie Facebook und Co. sind hierfu?r sehr gut geeignet. Dabei muss dann allerdings ein gesundes Maß gefunden werden. Zu viele Posts ziehen eher einen negativen Effekt nach sich, wa?hrend zu wenig natu?rlich auch keinen positiven Effekt haben.“

Heilen © Anna-Lena Ehlers

Den vorläufigen Höhepunkt erlebte anderStark schließlich im Juni mit einer Ausstellung in Hamburg inklusive Modenschau mit den Modellen und Vorführung von diversen Videoberichten und Dokumentationen über das Projekt. Aus über 400 finalen Motiven wählte das Fotografenteam zusammen mit Initiatorin Anastasia Umrink die vierzig Motive aus, die auch im Bildband des Projekts angesehen werden können.

„Die Vernissage war für mich groß – ich hätte nie damit gerechnet, dass so viele Menschen unserer Einladung folgen würden. Der Abend war für mich Inklusion pur – weil wirklich fast alles an Menschen vertreten war: Generationen von schwangeren Frauen bis hin zu älteren Herrschaften, Schwarze, Weiße, ‚Rollis‘, Kleinwüchsige, Prominente, Modelle, Kinder, Musiker.

Ein buntes Gewusel unterschiedlichster Menschen – und im Herzen alle gleich“, beschreibt Anna-Lena das für alle Teammitglieder überwältigende Interesse an der Ausstellung, zu der schon am ersten Eröffnungsabend fast 1.000 Menschen kamen.

Memento Mori II © Jessica Prautzsch

Das Projekt ist damit aber noch nicht abgeschlossen: Im Herbst soll anderStark in eine internationale Wanderausstellung übergehen, zunächst ist eine Station in Wien geplant, ein Kalender für 2014 mit neuen Motiven soll außerdem veröffentlicht werden. Anastasia Umrink hat derweilen schon ihr nächstes Projekt in Arbeit, das sich wiederum um Inklusion dreht und den Titel „InkluWAS“ trägt.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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