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Posts Tagged ‘Kameraband’

Das Kameraband II

09 Aug

Ein Beitrag von: Silje Tveitnes

Gestern hat Lukas erzählt, wie er Silje kennengelernt hat. Heute lesen wir die Geschichte aus ihrer Sicht.

Regen. Alles, was ich höre, ist der Regen. Es ist früh am Morgen, ich sitze im Zug und bin auf dem Weg zurück zum Gatwick Flughafen in London. Auf dem Weg nach Hause. Obwohl ich in diesem Moment, mit den Gefühlen, die ich habe und nachdem ich all diese tollen Menschen getroffen habe, nicht genau weiß, wo mein Zuhause wirklich ist.

Auf meinen Kopfhörern beginnt „Kings and Queens“ von „30 Seconds to Mars“ zu spielen und der Regen rinnt nun geräuschlos, genau wie meine Tränen. Es ist verwirrend, von Freude erfüllt zu sein und gleichzeitig zu fühlen, wie das eigene Herz mit jedem Meter ein wenig mehr zerbricht. Alles, woran ich denken kann, ist die Wärme und Sicherheit von Deiner Hand in meiner und wie ich wünschte, sie nicht mehr loslassen zu müssen. Das ist der Anfang. Ich weiß das jetzt noch nicht, aber das ist der Anfang unserer Liebesgeschichte.

junger Mann vor Bäumen im Abendlicht

sich umarmendes Paar

Viel früher. Es ist es Sommer. Ich sitze in meinem Zimmer, in unserem Haus, in Bergen in Norwegen und klicke durch eine endlos scheinende Liste talentierter Fotografen in einer neuen Gruppe auf Facebook. Plötzlich unterbricht mich eine Freundschaftsanfrage von einem gewissen Lukas Monschein – von Dir. Ich kenne Deine Fotografien schon seit einer Weile von Flickr und als ich mich durch Deine Profilbilder klicke, kommt zu der Tatsache, dass Du tolle Fotos machst, noch eine weitere hinzu: Du sieht unverschämt gut aus.

Kurz nachdem ich Deine Anfrage angenommen habe, beginnen wir, miteinander zu schreiben. Schnell werden aus kurzen Nachrichten längere Texte und schließlich kleine Romane. Ich fühle mich mehr denn je wie ich selbst, wenn ich mit dir rede und es fühlt sich völlig selbstverständlich an, dass sich nach wenigen Monaten eine enge Freundschaft entwickelt. Eine „2245-Kilometer-Freundschaft“. Du lebst in Österreich. Ich in Norwegen.

Paar vor Klippenlandschaft

Junger Mann in weißem Hemd vor blauer Abendlandschaft

Das erste Mal wirklich getroffen haben wir uns am 31. August 2012 abends um kurz nach 23 Uhr in London bei einem Flickr-Foto-Meetup. Nach stundenlangem Suchen nach richtigen U-Bahnen, Straßen und Hostels stand ich vor einer Gruppe junger Menschen. Ich sah sie auf mich zu rennen und innerhalb von Sekunden hatte ich alle umarmt. Nur einer blieb ein Stück zurück. Du. Unsere erste Umarmung. Du riechst wunderbar.

Ich erinnere mich, wie wir spät abends zu zweit losgezogen sind. Wir gingen gefühlte Stunden durch die Straßen auf der Suche nach einer gemütlich Bank und etwas Stille. Die Bank, für die wir uns dann entschieden haben, stand in der wohl dunkelsten Gasse Londons. Immerhin hingen überall kleine bunte Fahnen und vermischten so eine leicht unheimliche mit einer bezaubernden Sommernachtsstimmung.

Stundenlang saßen wir einfach da und hörten zusammen Lieblingslieder des anderen. Zu „Kings and Queens“ haben wir uns zum ersten Mal geküsst und es fühlte sich wie das einzig Richtige an. Aber schon auf dem Weg zurück zum Hostel stand der unangenehme Gedanken zwischen uns, dass wir in wenigen Tagen wieder viel zu weit entfernt voneinander leben würden.

Mädchen mit Fernglas

Nachdem ich wieder zuhause war, dauerte es nicht lange, bis ich einen Flug nach Österreich buchte. Fünfzehn Tage, um genau zu sein. Wir wussten beide nicht, woran wir waren, wohin es führen würde und erst, nachdem wir eine Woche keinen Kontakt haben konnten, weil du im Urlaub warst, wurde uns bewusst, wie viel Zeit wir täglich miteinander verbachten und wie wichtig wir uns tatsächlich waren.

Es war mein wahrscheinlich schönstes Ferngespräch, als du angerufen hast, um mir zu sagen, dass Du es nicht länger aushälst, mich nicht als Deine Freundin zu haben. Damit hattest Du mich endgültig. Von da an hieß es: Wir gegen den Rest der Welt.

Trotzdem waren es noch fast 70 Tage bis zu meinem Flug nach Österreich. Wir beschlossen, ein Zehn-Wochen-Projekt zu starten, um das Warten zu verkürzen. Jeder machte jede Woche ein konzeptuelles Bild für den anderen. So konnten wir uns immer auf etwas freuen, egal wie schlimm sich die Entfernung gerade angefühlt hat.

Paar das sich an den Köpfen berührt

You & Me © Silje Tveitnes

Einige meiner absoluten Lieblingsbilder sind durch dieses Projekt entstanden. Einfach deshalb, weil ich mein Herz und meine Seele besonders in jedes dieser Bilder gesteckt habe und mich ganz neu über die Fotografie mit Dir verbunden gefühlt habe. Du wurdest meine größte Inspirationsquelle und bist es immer noch.

Meine erste Reise zu Dir war am 23. November 2012. Heute, zwei Jahre, vierzehn Reisen und ungefähr 30.000 Kronen später, beginnt das letzte Kapitel dieser Fernbeziehung. Wir suchen gerade nach einer gemeinsamen Wohnung in Norwegen, um ein neues Kapitel aufzuschlagen. Es fühlt sich wunderbar an. Frei, voller Tatendrang, Liebe und Dankbarkeit. Dankbarkeit vor allem auch für die Fotografie. Sie hat uns zusammengebracht und sich wie ein unsichtbares Band um uns gelegt.

Dieser Artikel wurde für Euch von Laura Zalenga aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.


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Das Kameraband

08 Aug

Ein Beitrag von: Lukas Monschein

Eigentlich kannte ich dieses Mädchen bereits einige Zeit durch ihre Fotos auf Flickr und seit Kurzem über diverse Facebook-Chats und Skype-Dates, aber London war die Stadt, in der ich diese junge, talentierte Fotografin aus Norwegen das erste Mal persönlich treffen durfte.

Ihr Name ist Silje Tveitnes und ich kann mich noch genau erinnern, wie unsere Gruppe von Fotografen in einem Hostel nahe der Oxfort Street saß und wir nur noch auf sie warteten. Als sie mir schrieb: „We are close!!“, gingen alle nach draußen, um sie zu dort erwartungsvoll in Empfang zu nehmen. Alle, die zu diesem „London Flickr Meetup“ gereist waren, bekamen eine herzliche Umarmung, inklusive mir. Ein wunderbarer Start.

Mädchen vor einem Auto auf einer Straße

Unsere Gruppe aus acht Fotografen saß dann noch bis in die Nacht in der Bar des Hostels, um sich besser kennen zu lernen und endlich von Angesicht zu Angesicht miteinander reden zu können. Als es spät wurde, ging einer nach dem anderen etwas Energie für den nächsten Tag zu tanken, bis nur noch Silje und ich übrig waren.

Es fühlte sich so an, als ob wir uns schon seit einer Ewigkeit kannten, obwohl wir uns gerade zum ersten Mal wirklich trafen und wir vertieften uns in lange Gespräche, bevor wir uns schließlich auch auf unsere Zimmer zurückzogen.

Nach einem aufregenden Tag mit den anderen, verbrachten Silje und ich den Abend zu zweit in den Straßen von London auf der Suche nach einer gemütlichen Bank. Ich hatte einige Wochen zuvor einen Traum gehabt, in dem ich mit ihr auf einer Bank mitten in London saß. Davon hatte ich ihr erzählt und sie hatte vorgeschlagen, dass wir beim Meetup einfach nach solch einer Bank Ausschau halten sollten.

Mädchenportrait auf einer Brücke

Kleine Person vor Waldlandschaft

Nach einigem Suchen – Bänke sind in der Londoner Innenstadt überraschend schwer zu finden – stießen wir dann doch auf ein ruhiges Plätzchen inklusive Bank. Auch an diesem Abend fühlte es sich so an, als ob wir uns schon viel länger kennen würden. Es fühlte sich einfach richtig an, in ihrer Nähe zu sein. Sie hatte offensichtlich das gleiche Gefühl, denn der Abend endete in einem langersehnten Kuss. Es war einfach perfekt und nichts hätte diese Glücksgefühle trüben können.

Am nächsten Tag wachte ich mit einem Lächeln auf, es fühlte sich großartig an. Aber bereits im Laufe des Tages schoss mir immer wieder ein Gedanke in den Kopf: Entfernung. „Ich lebe in Österreich, sie in Norwegen. Was zum Teufel tue ich da?“ Wie stellten wir uns das vor? Zu diesem Zeitpunkt dachte ich mir nur, dass das nie funktionieren könnte.

Zwei Menschen stehen am Strand mit ihren Surfbrettern hinter sich

Das Ende des Meetups kam natürlich viel zu schnell und jeder unserer Gruppe machte sich wieder auf den Weg nach Hause. Auch Silje und ich traten unsere Wege in verschiedene Himmelsrichtungen an. Auf dem Weg nach Hause dachte ich immer wieder an die vielen neuen Gesichter, die ich kennengelernt, an die Abenteuer, die wir in der Stadt erlebt und an die Fotos, die wir gemacht hatten.

Doch am meisten dachte ich an die erste Umarmung, unsere Gespräche am Abend auf der Bank und vor allem an den ersten Kuss mit ihr. Dieses Mädchen hatte etwas an sich, das mich nicht mehr los ließ. Es tat weh, nach Hause zu fliegen, ohne zu wissen, wann oder ob ich sie jemals wieder sehen würde.

In den nächsten Tagen und Wochen skypten wir mehr den je und trotzdem stand etwas unausgesprochen zwischen uns. Auf einer Schulreise nach Spanien wurde mir dann bewusst, dass es so nicht weitergehen konnte. Nach einer Woche ohne Kontakt vermisste ich sie so sehr, dass ich sie einfach aus Valencia anrief, nur um ihre Stimme zu hören.

Das Gespräch dauerte 90 Minuten und spiegelte sich dementsprechend auf meiner Telefonrechnung wider, aber das war mir egal. Todesmutig fragte ich sie, ob wir es nicht einfach probieren sollten. Meine Erleichterung, als sie dem Experiment „Fernbeziehung“ zustimmte, war riesig.

Mädchen in blühender Berglandschaft

Nahes Mädchenportrait in blühender Landschaft

Das Treffen in London ist mittlerweile zwei Jahre her. Ich sitze gerade in einem Flieger auf dem Weg nach Wien, auf dem Heimweg von einem der unzähligen, viel zu kurzen Besuche in Norwegen. Es wird jedoch das letzte Mal für eine lange Zeit sein, dass ich Österreich als mein Zuhause bezeichne, denn in zwei Monaten, nach zwei Jahren Fernbeziehung, kann ich endlich zu meiner großen Liebe nach Norwegen ziehen.

Es wird das erste Mal sein, dass wir im gleichen Land leben. Es ist der nächste Schritt in unserem Experiment, von dem außer uns fast niemand geglaubt hat, dass es funktionieren könnte.

Es war die Fotografie, die uns zusammen gebracht und uns verbunden hat, wenn viel zu viele Kilometer zwischen uns lagen. Wir haben zusammen Fotourlaube gemacht und Fotoprojekte erarbeitet. Ich kann es nicht erwarten, unser neues Leben in Bildern festzuhalten, um unsere Geschichte weiterzuerzählen.

Morgen erzählt uns Silje selbst die Geschichte aus ihrer Sicht.


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