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Posts Tagged ‘Herz“’

Das Herz und die Schwere

09 Aug

In Heather Evans Smith’ Bildern könnte ich mich verlieren. Sie schafft das, was ich so liebe: Mit einem Foto eine Geschichte zu erzählen. Eine sehr gute wohlgemerkt, bei der man auf das Ende gleichermaßen gespannt ist, wie man es fürchtet.

Um Geschichten geht es vor allem in ihrer Serie „The Heart and The Heavy“ (Das Herz und die Schwere). Sie schreibt dazu:

Das Leben ist voll von Geschichten – einige sehr persönlich und spezifisch, andere universell. Meine Geschichte ist schön und kompliziert und bittersüß und hart. So wie das Leben ist, so sind die Fotografien.

the heart and the heavy © Heather Evans Smith

Auf dem ersten Bild der Serie sieht man Heather selbst auf einem Feld stehend. Auf ihrem Rücken ist ein kleines Haus festgebunden, Rauch steigt aus dem winzigen Schornstein. Heathers Gesicht ist zur Seite gedreht, ihre Haare scheinen noch in der Bewegung. Alles um sie herum ist unscharf. Der Fokus liegt mittig auf dem Häuschen.

Diese erste Geschichte ist sehr persönlich. Nachdem Heather ihre Tochter bekam, empfand sie neben der großen Freude auch die Schwere der Verantwortung für ein anderes Leben. Um dies bildlich umzusetzen, band sie sich das Häuschen um. Es wirkt schwer auf ihrem Rücken und ist umständlich zu tragen, wirkt aber gleichzeitig so auch liebevoll behütet.

the junk of the heart © Heather Evans Smith

Auch die weiteren Bilder der Serie sind von Heathers Leben inspiriert. Zu einigen Bildern finde ich leicht Zugang und glaube zu wissen, was sie bedeuten, kann sie sogar auf mein Leben übertragen. Andere scheinen direkt einem Märchen entsprungen zu sein und ich finde keinen Bezug zum Leben. Fazinierend sind sie jedoch alle auf ihre Weise.

Da ist zum Beispiel dieses Mädchen, das unter ihrem Kleid Zahnräder und anstelle ihres Herzens ein Schloss trägt. Mit der einen Hand zieht sie das Kleid zur Seite, die andere hält den Schlüssel. Schließt sie ihr Herz auf oder zu? Und warum liegt sie am Boden, mit schmutzigen Fingern?

rooted © Heather Evans Smith

Bei diesem Bild überschlagen sich meine Gedanken. Ich möchte zu gern wissen, was vorgefallen ist und wie die Geschichte wohl ausgehen mag. Aber Heather verrät nicht viel und lässt ihre Bilder sprechen. Und die haben einiges zu erzählen.

Wer Lust hat, ihnen zu lauschen, dem empfehle ich auf jeden Fall einen Blick auf Heathers Homepage oder Ihr folgt ihr direkt auf Facebook, um keines ihrer Fotos zu verpassen.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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Serielles Arbeiten: „Verwaistes Herz“

01 May

Wenn man intensiv fotografiert, geht man oft zwei Schritte vor und einen wieder zurück. Ich will damit sagen, es geht langsam voran, jedenfalls bei mir. Und mir macht das auch nichts, ich kenne das ja schon ganz gut aus Momo: Besenstrich für Besenstrich und dann schaut man sich um und sieht, was für ein Berg an Negativen hinter einem liegt.

Vor ungefähr einem Jahr durchblätterte ich meine beiden Negativordner, angefüllt mit zwei Jahren von Freude, Tränen, Spaß, Willkür, Wehmut und Fernweh. Mit vielen Bildern verband ich natürlich entweder ein persönliches Ereignis, eine Reise, ein Spaziergang oder meine vielen Treffen mit zunächst fremden Menschen, die zu mir kamen und die ich fotografierte und so näher kennenlernen durfte.

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Die Frage war, was mache ich mit den vielen noch unentdeckten und nicht für sich selbst sprechenden Bildern und Schnipseln meines Lebens? Natürlich das, was man mit Schnipseln im Allgemeinen tut – nein, nicht wegwerfen. Ich setzte sie zusammen. Schnipsel für Schnipsel zu einer Geschichte und ich hatte Spaß daran. So entstanden neue Geschichten, für sich Stehende und Erzählende.

Eine meiner Lieblingsgeschichten ist die von Anne. Wir lernten uns 2011 kennen und sie brachte mir eine Geschichte mit. Die Geschichte des schwarzen Hochzeitskleides. In meinem Kopf überschlug es sich und auch meine Kamera überschlug sich bei all den vielen Fotos, die ich seitdem von ihr machte.

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Wir schreiben jetzt das Jahr 2013 und die Geschichte geht weiter. Immer wieder finden wir Zeit füreinander, sitzen dann beieinander oder durchwühlen den Wäscheberg, den sie mitbringt, nehmen einen Ring nach oben oder eine Schleife. Wir durchstöbern meine Wohnung nach Dingen, die uns jetzt in diesem Moment gefallen und zu der Stimmung, in der wir uns befinden, passen.

Und so entstand die Serie „Verwaistes Herz“ mit offenem Ende. Denn ich weiß nicht, wann und ob sie überhaupt einen Schlusssatz haben wird. Doch habe ich mich in diese Geschichte, ich muss es zugeben, einfach verliebt. Mit ist ja selbst schleierhaft, wie sich diese Geschichte entwickeln, welcher Schnipsel angefügt wird und welcher lieber im Geheimen bleibt.

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Aber ihr Gesicht, ihre Hände und vor allem ihr Mund sind für mich reine Poesie. Und so schaukeln die Bilder zwischen Traurigkeit und Wehmut. Zeigen Verlorenes und Vergangenes. Ein Herz, das nach Leben ruft und all die angeschwemmten Dinge des Lebens in sich trägt und versteckt vor der Welt.

Oft finde ich dann in meinen Negativordnern Bilder, die zur Geschichte passen und die schon längere Jahre darin ruhen und nie gezeigt wurden. Sie passen zum Gefühl der Portraits, spinnen die Worte weiter, lassen Freiraum für das nächste Bild.

Auffällig ist, dass ich mich oft für körnige Bilder entscheide. Vielleicht, weil sie mich an den Film Noir erinnern. Immer ein wenig entrückt, seltsam, schwermütig und das pefekte Medium zur Darstellung der Realitätsfremde.

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Ich frage mich alledings auch, ob ich nicht genau das demnächst durchbreche. Denn die sehr konspirativen Treffen sind auch gern mit einer Spur Aufbruchstimmung durchtränkt. Ich bin deswegen recht zuversichtlich, dass wir der Serie noch einige andere Aspekte des Lebens hinzufügen werden. Immerhin bricht draußen gerade der Frühling aus und es wird Zeit für einen Waldspaziergang.

So habe ich vorerst meinen fotografischen Weg gefunden. Aus Einzelbildern etwas Neues formen. Ich fühle mich dabei wie ein Regisseur und Autor zusammen und hoffe. einfach weiter zu spinnen wie bisher.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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