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Posts Tagged ‘Freiheit’

Verloren gegangene Freiheit

17 Oct

Ein Beitrag von: Christy Lee Rogers

Durch Zufall fand ich vor etwa zehn Jahren heraus, dass Wasser ein großartiges Element ist, um Bilder weich zu machen und etwas zu kreieren, das mehr ist als das, was das bloße Auge normalerweise sehen kann.

Zu dieser Zeit war ich in Los Angeles, vermisste das Meer vor Hawaii und bei einem experimentellen Shooting mit einer Freundin fragte ich sie, ob sie nicht in den Pool springen würde. Es schien der perfekte Weg zu sein, um die Unordnung und Leidenschaft auszudrücken, die ich in meinen Bildern wollte, die ich in mir selbst hatte.

Ich folgte dabei einem sehr natürlichen Instinkt, da ich rund um die Gewässer von Hawaii aufwuchs und sie auch so sehr liebte. Als ich also die Bilder von besagtem Shooting sah, war es wie ein Funke, der in mir entzündet wurde. Danach wollte ich nur noch im Wasser fotografiere, nichts anderes interessierte mich mehr.

All That's Left to Hold on to © Christy Lee Rogers

Wie ein Kind, das Magie gesehen hatte, schmiedete ich danach tags und nachts Pläne, wie ich diese Gemälde kreieren könnte, die mir vorschwebten und die ich vorher mit einer Kamera und der realen Welt noch nicht umsetzen konnte.

Danach experimentierte ich für etwa sechs Jahre, bevor ich meine erste Serie „Siren“ vorstellte. Während dieser Zeit überzeugte ich einfach jeden, den ich kannte, für mich ins Wasser zu springen – inklusive meiner Mutter und meinem Vater.

Dies war eine berauschende Zeit der Forschung und Studien darüber, was funktioniert und was nicht. Wasser war ganz einfach das Element gewesen, das bis zu diesem Zeitpunkt in meiner Arbeit gefehlt hatte; die Entdeckung setzte alles frei.

Image of a Villain Hero © Christy Lee RogersLady Mercy © Christy Lee Rogers

Mich auf meine erste Veröffentlichung so lange vorbereiten zu können, war wahrscheinlich das Beste, was mir passieren konnte. Meine Arbeit zu zeigen war ja, als würde ich der Welt meine Seele offenbaren und zu der Zeit war ich noch gar nicht sicher, ob ich das wirklich will. Bis dahin hatten nur etwa eine Handvoll Menschen die Bilder gesehen.

Ich machte die Arbeiten, ließ sie drucken, legte sie dann zur Seite und widmete mich dem nächsten Projekt. Das hatte ein bisschen was von besessenem Schaffenszwang.

Aber heute genieße ich es sehr, dass meine Arbeiten für mich zu diesem großartigen Weg der Kommunikation geworden sind. Es ist, als könnte ich mit dem Publikum auf eine viel umfassendere Art und Weise ein Gespräch führen. Wenn mir Menschen schreiben und erzählen, wie sehr die Arbeiten sie berührt haben, dann treibt mich das so sehr an, weitere Bilder zu zeigen. Ohne diesen Austausch wüsste ich nicht, was passieren würde.

Fountain of Life © Christy Lee Rogers

Es gab ein paar sehr gute Freunde, die mich in dieser Zeit angetrieben haben, meine Arbeit fortzusetzen. Aber ich hatte keine wirklichen Mentoren und habe es auch abgelehnt, auf jede Art der Kritik zu meinen Arbeiten zu hören. Ich wollte jede Form der Beeinflussung dessen, was ich als „rein“ für mich betrachtete, vermeiden. Ich wollte mich nicht der Gesellschaft beugen oder den Dingen, die vorher schon gemacht wurden.

Ein Freund von mir, der Spezial-Effekte für die Filmindustrie gemacht hatte, riet mir, dass ich den Leuten deutlich sagen sollte, dass ich diese Bilder direkt in der Kamera und nicht erst in der Nachbearbeitung mache. Er dachte, dass dies wichtig sei und ich hatte vorher nie darüber nachgedacht.

The Heart is a Lonely Hunter © Christy Lee RogersReckless Unbound © Christy Lee Rogers

Aber im Allgemeinen habe ich sehr auf mich allein gestellt gearbeitet. Tatsächlich habe ich sogar viel gegen den Strich der Gesellschaft gearbeitet. Viele Leute haben mich versucht, davon zu überzeugen, dass es hart ist, sein Leben als Künstler zu bestreiten. Fragten mich, wie ich denn überleben wolle. Rieten mir, als Absicherung auch einen sicheren Job zu haben. Sagten, dass es nett wäre, zu träumen, aber die Realität und so weiter.

Das hat mich allerdings noch zielstrebiger und dickköpfiger gemacht, was meine Beschäftigung angeht. Das war doch genau das, was ich in meinen Arbeiten ausdrückte. Eine Art von Freiheit, von der ich fühlte, dass sie verloren gegangen war!

Riders of the Dawn © Christy Lee Rogers

Mein heutiger Prozess ist immer noch sehr grob und experimentell. Muss er auch sein. Wenn zu viele Erwartungen von einem Besitz ergreifen, ist es für mich wieder Zeit, loszulassen und zu den Grundlagen zurückzukehren.

Wasser ist so unvorhersehbar, dass man sehr schnell und gerissen dabei sein muss, etwas zu sehen, es zu formen und in ein funktionierendes Ergebnis zu verwandeln. Deshalb liebe ich es auch, mit realen Menschen zu arbeiten: Sie machen ganz natürliche Fehler, die ich liebe.

Es ist echt. Sie tun interessante Dinge, die zu neuen Ideen führen. Jedes Shooting beginnt mit einem Notizbuch voller Ideen, Inspirationen, Farbschemen, Worten, Gefühlen und Zeichnungen, die ich ständig sammle. Irgendwann währenddessen manifestiert sich ein großes Konzept und ich fange an, in diese Richtung zu gehen.

The Unending Journey © Christy Lee RogersThe Triumphants © Christy Lee Rogers

Momentan bereite ich ein großes Shooting in Las Vegas vor, bei dem einige der talentiertesten Schauspieler und Tänzer der Stadt mitwirken werden. Es ist ein besonderes Vergnügen, diese Chance zu bekommen.

Danach geht’s zur Fotofever Art Fair in Brüssel und ich werde im November in Paris und Lissabon für eine Kunstmesse und die Eröffnung meiner Einzelausstellung zur neuen Serie „Of Smoke and Gold“ sein.

Außerdem gestalte ich eine Frauen-Schmucklinie für Silver Luthier, eine Marke für Rocker-Schmuck und Gitarren-Accessoires. Meine Arbeiten werden die eher weichere Seite des Labels zeigen und gegen Ende des Jahres erscheinen.

Soul by the Sea © Christy Lee Rogers

Dann gibt es noch die musikalische Seite der Dinge: Eine EP ist in Arbeit. Wann immer ich freie Zeit habe, arbeite ich daran. Der Musiker und Produzent Ryan Murphy nimmt das Album auf und produziert es mit mir. Er ist auch mein Vocal Coach und Vater meines ersten Babies, das ich im März erwarte.

Nach all diesen konkreten Plänen für die direkte Zukunft träume ich noch davon, später an Spielfilmen zu arbeiten und Grafiken für Opern zu gestalten.

Dieser Artikel wurde von Aileen aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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Über Freiheit

03 Oct

Ein Beitrag von: Fabian Rüther

Die letzten 13 Monate arbeitete ich an einem Bildband über Freiheit. Das Ergebnis ist eine Sammlung aus sehr grafischen und surrealistischen Portraits von Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Mit Menschen aus über 35 verschiedenen Nationen arbeitete ich zusammen. Darunter waren Länder wie Korea, Taiwan, China, Vietnam, Weißrussland, die Türkei, Saudi Arabien und viele mehr.

Natürlich konnte ich nicht die Geschichte der Deutschen außen vorlassen und so fotografierte ich unter anderem die Politikerin Vera Lengsfeld, die von ihrem Mann während der Stasi-Zeit 30 Jahre lang bespitzelt wurde. Doch nicht nur politische Themen im Hinblick auf Freiheit sollten behandelt werden.

Tu?rkei - Fatih © Fabian RütherWeißrussland - Zhenya © Fabian Rüther

Wir reden hier von einem Wort, einem Begriff, der viel elementarer ist, als die Politik. Es geht vor allem um den Menschen und seine Geschichte.

Die Welt hat nie eine gute Definition für das Wort „Freiheit“ gefunden.
(Abraham Lincoln)

Eine zutreffende Definition für Freiheit zu ermitteln, ist womöglich ebenso schwierig, wie das Rad neu zu erfinden. Ich kann und möchte somit auch nicht meine Interpretation von Freiheit aufdrücken. Würden Umfragen zur Hilfe gezogen, um zu definieren, was Freiheit eigentlich ist, würden die Antworten mehr Auskunft über den Probanden als Individuum geben, als Auskunft zur Definition.

USA - Abigal © Fabian RütherGriechenland - Errikos © Fabian Rüther

Im Ausschlussverfahren nähern wir uns der Lösung, denn wir haben durch unser kultur- und geschichtlich geprägtes Wertesystem erlernt, was Freiheit zumindest nicht sein kann: Gesetze, Zensuren, Diktaturen und Zwänge. Alles Begriffe, die wir konträr zur Freiheit assoziieren. Jedoch vergessen wir dabei, dass Gesetze (zwar nicht immer und überall) Stützen unserer Freiheit sind. Was passiert, wenn diese nicht vorhanden sind, können wir nahezu monatlich in den USA verfolgen …

Doch wie wichtig ist uns Deutschen das Thema? Denn ist es nicht so, dass wir erst verstehen, wie elementar etwas ist, wenn es uns weggenommen wird? Zumindest ist das ein Eindruck, der mich während meiner Arbeit immer begleitet hat durch den einfachen Fakt, dass vor allem mehr Menschen aus Ländern wie China, der Türkei und Ostdeutschland sich für das Projekt gemeldet haben als Menschen aus der Schweiz oder aus Holland oder eben Westdeutschland. Dennoch, die Bereitschaft eine Message in die Welt zu tragen, war riesig und hat mich einfach überwältigt. Über 200 Anfragen, von denen es letztendlich 70 ins Buch geschafft haben.

Ein Blick ins Buch

Vietnam – Julia – Boat People.

Vietnam - Julia © Fabian Rüther

In der Folge des Vietnamkrieges 1970 in Südostasien versuchten über 1,6 Millionen Menschen aus Angst um das eigene Leben über den Seeweg ins Ausland zu fliehen. An Land war Vietnam ausschließlich von Staaten umgeben, die sich kaum als Zuflucht eigneten. Aus diesem Grund versuchten viele die Flucht über das Südchinesische Meer. Man nannte diese Menschen „Boat People“.

Die meisten Boote trugen zwischen 150 und 600 Personen. Der Zustand der Boote war unzureichend, viele Menschen starben auf dem Seeweg durch Nahrungsmangel, Wasserknappheit und Krankheiten. Deshalb erreichten über 250.000 Menschen nicht die Küste und fanden ihren Tod im Meer.

Viel Glück hatten dabei die Eltern von Julia Nhi. Sie gehörten zu den damaligen Bootsflüchtlingen und konnten durch ein Rettungsboot in Sicherheit gebracht werden. Mit der Rettung wurde nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch der Weg für Julia und ihre Geschwister gesichert.

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Deutschland – Falk – Wer ist mehr?

Falk © Fabian Rüther

Ich habe mich im Osten nicht wirklich unfrei gefühlt. Ich konnte aus meinem Klassenzimmer Häuser sehen, die in Westberlin standen. Dass ich dort nicht hingehen durfte, war genauso, wie die Tatsache, dass ich nicht so viel Schokolade essen durfte, wie ich gerne wollte und das meine Eltern immer recht haben, auch wenn ich glaube, dass sie manchmal nicht recht hatten. Man darf als Kind nicht alles und muss lernen mit Grenzen umzugehen.

Das finde ich auch heute noch so und ich finde Leute lächerlich, die glauben, dass sie frei sind oder die glauben, dass sie freier sind als jemand anderes. Freiheit hat viel mit Selbstverständnis zu tun. Wenn in Amerika die Freiheit propagiert wurde, sich vom Tellerwäscher zum Millionär hocharbeiten zu können und es tatsächlich Leute gibt, denen das gelingt, so wurde in der DDR propagiert, sich als Arbeiter frei von Ausbeutung zu fühlen und es gibt tatsächlich Leute, die das empfunden haben.

Der Spruch: „Ich bin Bergmann, wer ist mehr!“ Symbolisiert für mich dieses Selbstverständnis. Ich bin in diesem Land großgeworden. Es ist auch mein Selbstverständnis, auch wenn ich nicht aus einer Arbeiterfamilie stamme. Ich sehe Freiheit grundsätzlich kritisch und empfinde Freiheitskämpfer wie Männer, die mit allen Frauen schlafen wollen, alle Autos fahren wollen, alle Schokolade essen wollen und ihre Eltern nicht achten.

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USA – Abigal – Zu viel Freiheit?

Abigal - Buchblick

Das Massaker von Denver bei der Premiere von „The Dark Knight“ hat wieder einmal die Diskussion um schärfere Waffengesetze in Amerika angeheizt. Doch, wie nach jeder Tragödie die mit einem zu liberalen Waffengesetz ihren Anfang hat, verlief sich auch diese schnell im Sand.

„Ein Sturmgewehr, zwei Glock Pistolen, ein Jagdgewehr, mehr als 6000 Kugeln. Erlaubte Shopping-Tour eines 24-jährigen Studenten“ betitelte die Bild Zeitung den Irrsinn. Die sogenannte liberale Gesetzgebung schafft die Grundlage, dass Bürger Waffen zum Selbstschutz besitzen dürfen – doch die Frage, die sich hier stellt ist eher, warum solche Möglichkeiten derartig ausgenutzt werden. Ein Zeichen dafür was geschehen kann, wenn dem Menschen zu viel Freiheit gelassen wird?

Die blanken Zahlen sind eindeutig – die USA hatte 2010 mehr als 15-mal so viele Opfer durch Schusswaffendelikte im eigenen Land, als durch ihre Auslandseinsätze und Kriege zusammen:

„Zahl der 2010 im Irak gefallenen
oder verunglückten US-Soldaten: 60

Zahl der 2010 in Afghanistan gefallenen
oder verunglückten US-Soldaten: 499

Zahl der 2010 in den USA durch
Schusswaffen getöteten Menschen: 8775“

Quelle: Band Eins – Thomas Schmelzer

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Dies sind nur drei von insgesamt 70 Beispielen aus dem Buch. Wer sich für mehr interessiert, bekommt auf Behance einen weiteren Einblick.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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