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Posts Tagged ‘Frauen’

Frauen in Kabul

27 May

Ich weiß, zugegeben, sehr wenig über Afghanistan. Den Krieg, das Taliban-Regime, das alles kenne ich nur aus dem Fernsehen. Aber wie sieht es heute in Afghanistan aus? Die französische Fotografin Delphine Renou gibt einen Einblick in das aktuelle Leben von Frauen in der Hauptsdtadt Kabul.

Ihre Portraits zeigen starke Frauen, die selbstbewusst und voller Stolz in die Kamera schauen. Politikerinnen, Rapperinnen, Jornalistinnen – sie alle formen ein neues Gesicht Afghanistans und streben nach Unabhängigkeit und Freiheit.

Die Portraitserie „Kabul Women“ gehört zu einem Dokumentarfilm, der diese modernen Frauen seit 2013 begeleitet und noch in der Entstehung ist.

Dank einer NGO kam ich 2012 das erste Mal nach Afghanistan. Die Entdeckung des Landes war eine Offenbarung. Ich sah Hoffnung in den Augen der Menschen. Dies ist eine Nation, die versucht, trotz einer schmerzhaften Vergangenheit und einer ungewissen Zukunft, einen Neuanfang zu schaffen.

Wie der Journalist Lyse Doucet sagte: „Niemand geht nur einmal nach Afghanistan, man kommt immer wieder zurück oder hofft es. Wir scherzen oft, dass es wie eine Krankheit ist: Afghanitis. Es ist wie eine unheilbare Krankheit und niemand ist auf der Suche nach einem Heilmittel.“

Eine junge Frau mit Kopftuch trägt Boxhandschuhe und hält diese in Pose zur Kamera.

Fahima, 19 Jahre alt, trainiert drei Mal pro Woche im Olympiastadion Ghazi in Kabul. Dieses Stadion wurde berühmt durch die Steinigung von Frauen während des Talibanregimes. „Ich will mein Land stolz auf mich machen. Ich träume davon, Champion zu sein.“

Eine junge Frau mit Baseballkappe trägt Lippenstift auf. Man sieht nur ihr Spiegelbild.

Paradise Sorouri, 25 Jahre alt, ist eine der ersten weiblichen Rapperinnen in Afghanistan. Paradise tritt provokativ auf in einer sehr konservativen Gesellschaft, was nicht ohne Risiko ist. „Viele Menschen akzeptieren nicht, dass eine Frau rappt. Ich erfahre oft Beleidigungen und manchmal auch Bedrohungen.“

Eine Frau sitzt im Auto am Steuer. Der Fahrlehrer greift ihr gerade ins Lenkrad.

Zohra, 21 Jahre alt, lernt Autofahren bei der Mamozai Fahrschule. „Autofahren ist eine große Chance für Frauen, um unabhängiger zu werden. Aber ein Auto zu kaufen ist immer noch teuer.“

Eine Frau in rotem Umhang und schwarzem Kopftuch hällt ihren mit Tinte getränkten Zeigefinger nach oben.

Massouda Habib, 30 Jahre alt, ist Kandidatin bei der Landeswahl für die Provinz Kabul. Nach der Wahl zeigt sie stolz ihren mit blauer Tinte gefärbten Finger. „Ich bin stolz darauf, für was ich mich verpflichte, ich will kämpfen, um diesen Teil meines Landes zu verändern, wie er es verdient. Auch wenn ich nicht gewinne, werde ich weiterhin aktiv bleiben.“ Während des Krieges unter dem Taliban-Regime hat Massouda Afghanistan nie verlassen. „Ich habe das Leid meines Volkes gesehen.“

Eine junge Frau sitzt in einem Studio auf einem Stuhl.

Aisha Ilyad, 21 Jahre alt, ist Moderatorin des Senders 1TV. Sie floh nach Pakistan während des Taliban-Regimes. Aisha träumt davon, im Rampenlicht zu stehen. Allerdings bedeutet vor der Kamera zu stehen für einige Familien noch eine Schande. „Die Leute denken, dass der Journalismus kein Beruf für Frauen ist. Es braucht Zeit, gegen die Vorstellung anzukämpfen.“

Eine Frau inmitten von Männern steht an einer Videokamera.

Eine Filmemacherin während Nouruz, dem persischen Neujahrsfest.

Eine Frau posiert vor einer Graffittiwand.

Shamsia Hassani, 25 Jahre alt, ist eine Graffiti-Künstlerin. „Als ich anfing mit Graffiti, wollte ich für die Gleichstellung der Frauen kämpfen. Ich dachte, durch Kunst könnte ich die Wunden des Krieges reinigen.“

Eine Frau auf einem Pferd am Strand.

Eine Frau auf einem Pferd in der Nähe des Qargha See, wenige Kilometer von Kabul entfernt. Es ist noch sehr selten, dass eine Frau auf einem Pferd reitet.

Eine Frau liest auf einem Bett ein Buch.

Shabnam, 21 Jahre alt, ist ein Studentin an der Universität Kabul.

Eine Frau sitzt an einem Schreibtisch.

Ein freiwillige Helferin während der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Afghanistan. 5. April 2014 – Es ist ein historischer Tag für das Land.

Eine Frau bekommt von einer anderen Frau die Augenbrauen gezupft.

In einem Haar-Salon in Aria City, dem neuen Wohnviertel von Kabul.

Vier Frauen sitzen auf einer Decke im Park.

Picknick in den Babur Gärten. Diese Familie aus Kandahar kam ein paar Tage nach Kabul, um hier Zeit zu verbringen.

Die Fotografin Delphine Renou hat ein unabhängiges Kollektiv von Dokumentarfotografen und Filmemachern für soziale und humanitäre Fragen rund um die Welt geschaffen: Digitalmill. Mehr über die Reportage „Kabul Women“ findet Ihr auf der Webseite des Projektes.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
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anderStark – Starke Frauen brauchen keine Muskeln

24 Aug

Aus einer Idee wuchs bei dem ungewöhnlichen Fotoprojekt „anderStark“ Schritt für Schritt eine Erfolgsgeschichte. Frauen mit muskulärer Erkrankung sollten portraitiert werden, schließlich enstand nicht nur ein Bildband und eine große Vernissage mit fast 1.000 Besuchern, sondern auch eine Wanderausstellung und eine große Fangemeinde.

Unter dem Motto „Starke Frauen brauchen keine Muskeln“ wurden dabei eindrucksvolle Konzept-Portraits gemacht, die sich nicht nur sehen lassen können, sondern auch öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema Umgang mit körperbehinderten Menschen schaffen sollen.

Die Reise © Jessica Prautzsch

Organisiert und initiiert wurde das ganze Unterfangen von der 25-jährigen Hamburgerin Anastasia Umrink, die selbst an spinaler Muskelatrophie erkrankt ist. „Die meisten Menschen haben wenig mit schönen und starken körperbehinderten Frauen zu tun, sie haben Ängste, Unsicherheiten und große Hemmschwellen. Mit diesem Projekt soll versucht werden, die negativen Emotionen abzubauen. Es gibt nichts zu verstecken und das sollen alle erfahren“, sagt sie zu ihrer Motivation für die Sache.

Die Entwicklung © Anna-Lena Ehlers

Über diverse Netzplattformen kamen zunächst mehrere Fotografen mit ins Boot, die ehrenamtlich in das Projekt einstiegen. Den Großteil der insgesamt über 60 Shootings im Verlauf von zwei Jahren absolvierten schlussendlich die beiden ebenfalls in Hamburg ansässigen Fotografinnen Jessica Prautzsch und Anna-Lena Ehlers, die in ihren Fotos mit diversen Klischees über Behinderung und Schönheit aufräumen, aber auch andere ungewöhnliche Ideen mit den Modellen aus ganz Deutschland realisierten.

„Ich hatte den Wunsch, das Thema Scho?nheit anders zu visualisieren als es das Gros der Fotografen tut und wollte den Menschen einen neuen Blickwinkel auf das Thema zeigen. Anastasia hat mir die Mo?glichkeit gegeben, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen. Mit anderStark kann ich mit meinen Fotos der Gesellschaft zeigen, dass eine behinderte Frau zuna?chst auch einfach mal nur eine scho?ne Frau und nicht einfach ‚die Behinderte‘ ist. Und: Das Sta?rke nicht immer nur etwas mit dem A?ußeren zu tun hat, sondern vor allem eine Einstellungssache ist“, so Jessica Prautzsch über ihre Herangehensweise an die Shootings.

Am Pool © Jessica Prautzsch

Das parallel mit dem Wachsen des Projektes entstandene Buch finanzierte das Team von anderStark über die lokale Crowdfunding-Plattform „Nordstarter“. Die sich im Laufe der Zeit über Facebook eingefundene Fangemeinde sorgte dabei in zwei Finanzierungsrunden für Einnahmen von fast 5.000 €, die für den Druck des Bildbandes und der Fotos für die Ausstellung verwendet wurden.

Ganz ohne Hürden lief das aber nicht ab, erinnert sich Jessica: „Das Gute am Crowdfunding ist, dass es so unkompliziert funktioniert, wenn man einmal die Regeln und Abla?ufe verstanden hat. Trotzdem war es fu?r mich und das Team eine große Herausforderung, das Projekt bei Nordstarter richtig zu pra?sentieren und andere Menschen darauf aufmerksam zu machen.

Die gro?ßte Barriere beim Crowdfunding ist auf jeden Fall das Marketing. Alle bekannten sozialen Netzwerke wie Facebook und Co. sind hierfu?r sehr gut geeignet. Dabei muss dann allerdings ein gesundes Maß gefunden werden. Zu viele Posts ziehen eher einen negativen Effekt nach sich, wa?hrend zu wenig natu?rlich auch keinen positiven Effekt haben.“

Heilen © Anna-Lena Ehlers

Den vorläufigen Höhepunkt erlebte anderStark schließlich im Juni mit einer Ausstellung in Hamburg inklusive Modenschau mit den Modellen und Vorführung von diversen Videoberichten und Dokumentationen über das Projekt. Aus über 400 finalen Motiven wählte das Fotografenteam zusammen mit Initiatorin Anastasia Umrink die vierzig Motive aus, die auch im Bildband des Projekts angesehen werden können.

„Die Vernissage war für mich groß – ich hätte nie damit gerechnet, dass so viele Menschen unserer Einladung folgen würden. Der Abend war für mich Inklusion pur – weil wirklich fast alles an Menschen vertreten war: Generationen von schwangeren Frauen bis hin zu älteren Herrschaften, Schwarze, Weiße, ‚Rollis‘, Kleinwüchsige, Prominente, Modelle, Kinder, Musiker.

Ein buntes Gewusel unterschiedlichster Menschen – und im Herzen alle gleich“, beschreibt Anna-Lena das für alle Teammitglieder überwältigende Interesse an der Ausstellung, zu der schon am ersten Eröffnungsabend fast 1.000 Menschen kamen.

Memento Mori II © Jessica Prautzsch

Das Projekt ist damit aber noch nicht abgeschlossen: Im Herbst soll anderStark in eine internationale Wanderausstellung übergehen, zunächst ist eine Station in Wien geplant, ein Kalender für 2014 mit neuen Motiven soll außerdem veröffentlicht werden. Anastasia Umrink hat derweilen schon ihr nächstes Projekt in Arbeit, das sich wiederum um Inklusion dreht und den Titel „InkluWAS“ trägt.


kwerfeldein – Fotografie Magazin

 
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