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Posts Tagged ‘Fotografie’

Feministische Fotografie von Goodyn Green

27 Oct

Eine Frau liegt im Bett.

Ein Beitrag von: Brooke Nolan

Die Fotografin und Regisseurin Goodyn Green kommt zu unserem Treffen mit einem alten blauen Fahrrad, alten Jeans, Lederjacke und kurzen scharlachroten Haaren. Zwei Tattoos auf ihren Armen zeigen die Sprüche „How feminine is this?“ und „pretty damn fucking feminine“. Ich berichte über die Arbeit von Goodyn Green, die Rollenklischees hinterfragt.
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Die junge Fotografie und die Romantik I

07 May

© Marit Beer

In den letzten Jahren tauchen bestimmte Motive immer wieder in der jungen Fotografie auf. Wobei der Begriff „junge Fotografie“ nicht als zu statisch angesehen und überstrapaziert werden sollte. Aber einige dieser Motive, die stark an den Leitgedanken der Romantik erinnern, möchte ich ein wenig mehr beleuchten, da die Häufigkeit ihres Auftauchens und die Reaktionen darauf kontroverser nicht sein könnten.
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SEO und Fotografie

30 Apr

Lupe, die auf einem Buch liegt und das Wort „Fotografie“ vergrößert

Ein Beitrag von: Artur Kosch

Kürzlich hat ein guter Freund (der Fotograf ist) für Recherchearbeiten nach Bildern gesucht. Dabei hat er eines seiner eigenen Bilder in den Suchergebnissen bei Google gefunden, das aber nicht auf seiner Webseite veröffentlicht war.
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Fotografie – warum?

24 Mar

Brennende Schuhe mit Pärchen am See

Ich bin ein Technik-Freak. Und ein Qualitätsjunkie. Ich liebe überragende Bildqualität. Ich bin begeistert darüber, was mit heutigen Kameras und Objektiven möglich ist und welch technisch hochqualitative Fotografien damit machbar sind.
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Fotografie mit flimmernden Fäden

03 Dec

Ich traf den chilenischen Künstler Jose Romussi in seinem Berliner Atelier. Eingedeckt mit Künstlerbüchern, Fäden und Nadeln, einer Nähmaschine und inspirierender Kunst an den Wänden lud der kleine Studier- und Arbeitsraum zu einem längeren Gespräch ein.

Vor einiger Zeit begann ich, mich für fotografische Collagen zu interessieren, die mit Fäden gearbeitet sind. Als eine der Gründerinnen der „Stick- und Fadencollage“ gilt Annegret Soltau, die private Bilder unter Berücksichtigung eines biografischen Hintergrunds vernäht hat.

Neuere Beispiele stammen von Maurizio Anzeri, Melissa Zexter, Claudia Gutierrez oder Inge Jacobson.

Ich stieß schließlich im kürzlich im Gestalten Verlag erschienenen Buch „The Age of Collage“ auf Jose Romussis Kunst. Besonders interessant fand ich das Zusammenspiel aus historischen Fotografien und neuzeitlichen Elementen.

Mann mit roten und blauen Fäden.

Fotografie mit Stickerei.

Jose ist ein chilenischer Künstler, der eigentlich Landschaftsarchitektur studiert hat. Damals war dies, wie er berichtet, eher ein Versuch, bestimmten gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen. Ein großes Bedürfnis, sich künstlerisch auszudrücken, verspürte er aber schon während seiner Studienzeit, als er bemerkte, dass Landschaftsarchitektur nicht zu seiner Berufung gehört.

Zur Kunst kam er eher durch Zufall. Ein Bekannter aus Amerika fragte ihn, ob er ein Künstler sei und er sagte spontan, aber nicht unüberlegt: „Ja!“ Der Bekannte bat ihn, ein paar Arbeiten zu schicken. In kürzester Zeit erstellte Jose Romussi eine große Anzahl an Collagen, auf denen er unter anderem Bilder seiner Familie integrierte. Er zeigte die Arbeiten dem Bekannten, der ihm begeistert ein Kooperationsprojekt vorschlug.

Fotocollage zweier Personen.

Nach einigen Wochen war er genauso gut wie Freunde, die Kunst an der Universität studierten. „Das war der aufgesparten Leidenschaft zu verdanken“, erzählt Romussi. Schnell hatte er sich in der Künstlerszene einen Namen gemacht. Ein stolperhafter Einstieg in die Kunst, der nur knappe drei Jahre zurückliegt.

Seitdem hat Jose Romussi an einer Vielzahl ein Einzel- und Gruppenausstellungen teilgenommen und plant die nächsten Künstleraufenthalte in New York und Chile. Die nächsten Jahre möchte er gern in der Welt unterwegs sein und seine Technik verfeinern. Eine Rückkehr zur Landschaftsarchitektur scheint eher ausgeschlossen.

Torrero © Jose Romussi

Dabei wertschätzt Romussi insbesondere die Bedeutung des Austauschs mit anderen. Vor allem in der Anfangszeit, in der sich sein künstlerisches Selbstbild langsam manifestierte, schätzte er die wohlwollende, aber auch kritische Rückmeldung seiner Freunde.

Regelmäßig arbeitet Jose Romussi eng mit anderen Künstlern zusammen. Durch die unterschiedliche Expertise, so berichtet er, käme es zu Synergie-Effekten, die ihn und andere weiterbrächten. So kam es beispielsweise zum Projekt „String Figures“, auf denen Personen, ähnlich einem Fingerspiel, Schriftzüge, U-Bahnkarten und Symbole zwischen den Händen spannen. Das Projekt entstand mit der Fotografin Rocio Aguirre Venegas.

Fingerspiel und Mann

Fingerspiel und Mann.

Wie arbeitet Jose Romussi? Er zeigt mir einige neuere Arbeiten und berichtet, dass jede der großformatigen Stickereien mehr als zwei Monate Zeit (und Geduld) benötigt. Romussi verwendete insbesondere am Anfang Vintagefotografien und vernähte die eingefrorenen Tänzerinnen und Ballerinas.

Er spricht begeistert davon, wie er die Fotografien der Ballerinas entdeckte. Die vernähten Tänzerinnen waren eine der ersten Fadencollagen, die er gestaltete. Durch die Verknüpfung der Schwarzweiß-Fotografien mit den farbigen Fäden gewinnen die Arbeiten an starkem Kontrast und wirken lebendig.

In meiner Arbeit versuche ich, meine Ideen eher intuitiv umzusetzen. Ich fertige anfangs Zeichnungen an und arbeite ein Konzept aus, aber oft entdecke ich nur über die Zeit vielfältige Schichten, die zu Beginn nicht planbar sind.

Tänzerin und Stickerei

Letztes Jahr nahm Jose Romussi an einer Ausschreibung der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK) zum Thema „Kunst im Untergrund“ teil und wurde mit 12 anderen Künstlern aus 380 weltweiten Einreichungen ausgewählt, die Berliner U-Bahn mit Kunst zu bespielen.

Seine großformatigen Portraits verzierte er mit Symbolen, Schrift sowie Linien und lehnte sie konzeptuell an Pop-Art und Graffiti-Kunst an. „Die Bilder geben […] keine detaillierte Auskunft über das Leben eines Individuums, sondern transportieren Lebensgefühle“, heißt es im Ausstellungskatalog zu „Kunst im Untergrund“. Im Zentrum der Arbeiten stehen Gefühle junger Menschen, die das Großstadtbild prägen.

Porträit und Stickerei.

Jose Romussi erzählt, dass viele Leute glauben, dass er diese Technik von seiner Mutter oder Großmutter gelernt habe. Tatsächlich hat er sich das Sticken und Vernähen selbst beigebracht und nur bei schwierigen Projektideen Freunde um Rat gebeten.

Er zeigt mir die feinen Nadeln, mit denen er die Bilder verstickt. Da das Papier leicht reißt, muss er sehr sorgfältig arbeiten. So auch bei einer aktuellen Arbeit, die in Kooperation mit der Künstlerin Amanda Charchian entstand. Jose Romussi nutzte eine ihrer Fotografien und nähte der abgebildeten Frau ein schwarzes Rückgrat ein. Seine neueren Arbeiten der „Xserie“ wirken morbider und düsterer als seine vorangangenen Arbeiten. Sie markieren auch eine neue Phase seines künstlerischen Schaffens, die sich stärker inhaltlichen (statt ästhetischen) Gesichtspunkten widmet.

Frau mit genähten Knochen

Frauen mit Augen

Jose Romussis Stickereien, die nicht nur Fotografien, sondern auch Landschaftsaufnahmen und Zeitschriften verzieren, stellen eine spielerische Auseinandersetzung mit Bildsprache und Bildästhetik dar. Ungewöhnliche Materialien setzt er derzeit auch in skulpturalen Arbeiten ein, die mit Holz, Stecknadeln und Nägel verarbeitet sind.

Mehr über Jose Romussis Arbeiten findet Ihr auf seiner Webseite.


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Zeichnung und Fotografie

19 Aug

Ich zeichne gern. Hauptsächlich Konstruktionsskizzen für Skulpturen oder kleine Kritzeleien, aber die Zeichnung begleitet mich genauso wie die Fotografie durch meinen Alltag. Und manchmal kombiniere ich sie auch. Und damit bin ich nicht allein.

Das erste Mal, dass mir bewusst die Kombination von Zeichnung und Fotografie aufgefallen ist, war vor einigen Jahren beim Durchblättern eines Auguste-Rodin-Katalogs. Der französische Bildhauer hat schon Mitte des 19. Jahrhunderts, also zu einer Zeit, in der die Fotografie noch in den Kinderschuhe steckte und erst wenige Jahrzehnte erprobt wurde, seine Skulpturen abfotografieren lassen.

Diese Silbergelatineabzüge hat er stets behalten und sie zum Teil benutzt, um seine Arbeiten weiter zu skizzieren und Änderungen an den Skulpturen zu markieren.

„Er bearbeitete die Abzüge mit Gouache und Bleistiftmarkierungen und seine Kommentare führten oft zu kreativen Kreuzungen von Zeichnung und Fotografie“, ist es im Katalog FotoSkulptur (2011) zu lesen.

Zwei alte Skizzen von Rodin auf denen man das Foto einer Skulptur sowie feine Korrekturstriche Rodins sehen kann.

Es hat mich damals sehr beeindruckt, dass Rodin schon 1880 das Potential der Verbindung dieser beiden Medien erkannt hat und ich habe mich seitdem immer wieder bewusst oder unbewusst auf die Suche nach solchen Kombinationsmöglichkeiten gemacht, ob in meiner eigenen Arbeit oder beim Durchstöbern der Portfolios anderer Fotografen.

Herausgekommen ist dabei eine Vielzahl an Techniken und Möglichkeiten, die Zeichnung mit der Fotografie zu verbinden, um so ganz neue, gemeinsame Sinnpotenziale zu erhalten. Frei nach dem Motto „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ erzählen kombinierte Foto-Zeichnungen ganz eigene Geschichten, die das einzelne Bild oder die einzelne Skizze vielleicht nicht erzählen könnte.

Ich habe mich mit verschiedenen Fotografen und Fotografinnen darüber unterhalten, welche Bedeutung die Zeichnung in ihrem Werk einnimmt und habe speziell nach der Technik gefragt, durch die die beiden Arbeiten kombiniert wurden. Darum kann ich Euch heute eine kleine Übersicht über verschiedene Positionen geben, die mich besonders interessieren und die ich als gelungen und spannend empfinde.

Um dem Ganzen einen Rahmen zu geben, habe ich die Arbeiten nach ihrer Entstehungsweise und dem technischen Verfahren sortiert, von analog bis digital, mit all ihren Mischformen.

 

1. Kombinieren

Die Schweizer Fotografin Sarah Michel ist als „Böses Munggi“ mehr für ihre fotografischen Portraits als für Zeichnungen bekannt, dennoch gibt es in ihrem Portfolio ein großartiges Selbstportrait. Hierfür kombinierte sie ein Foto mit einer verwaschenen, düsteren Skizze von ihr. Die Kombination läd zum Vergeleichen ein und gibt einen Einblick in Sarahs Fähigkeiten, nicht nur mit der Kamera, sondern vor allem auch mit Stift und Papier.

Zwei Bilder, links das Foto einer Frau mit aufgezeichnetem verarzteten Mund und rechts eine Zeichnung eines Gesichts mit roten Flecken.

Ich zeichne hauptsächlich in meine Skizzenbücher. Zu manchen Zeichnungen gehören Fotos, die ich daneben oder dazu klebe. Das Polaroid einiger Origamivögel kam erst nachträglich dazu; bevor ich das Foto schoss, füllten gezeichnete Vögel die Buchseite. Manchmal wandern die Linien der Skizze auch auf das Foto, manchmal haben sie ihre Stärke durch reine Gegenüberstellung oder schriftliche Elemente.

Ein aufgeklapptes Buch, darin ein Foto mit Origamikranichen und gezeichneten Vögeln.

 

2. Auf Fotos zeichnen

Auch bei Sol Exposure wandern die Linien über ihre Fotos. Die Fotografin kombiniert Bild und Zeichnung ganz analog. Mit einem Fineliner maht sie kleine Tierskizzen auf Drucke ihrer Polaroids, wobei sie sich in der Wahl des Motivs vom Inhalt des Foto leiten lässt.

Zuerst suche ich das Bild aus und dann inspiriert das Foto mich ganz von allein, ob ich ein Tier oder ein Insekt darauf zeichne.

Wir sehen einen gezeichneten Gecko und einen Hirsch.

 

3. Aufmalen auf das Modell

Eine weitere rein analoge Kombinationsweise ist das direkte Zeichnen auf das Modell. Für mich ist es eine wunderschöne Arbeit, sich vorher Gedanken zu machen, welche Elemente ich meinem Motiv noch zusätzlich hinzufügen könnte, um dem späteren Foto eine Botschaft mit auf den Weg zu geben.

Das Malen auf der Haut bringt mich dem Ganzen sehr viel näher als ein nachträgliches digitales Rumbasteln, ich fühle lieber Haut, halte den Stift und habe eine intensive haptische Nähe zu dem Modell oder der Situation, die ich fotografieren möchte. Einer Freundin die Muttermale auf dem Rücken wie bei Malen-nach-Zahlen verbinden zu dürfen, hat uns in dem Moment sehr nah gebracht.

Eine Melodie im Kopf zu haben und mir dabei in aller Seelenruhe Klaviertasten auf die Wade zu malen, hat mir Ruhe und Zeit gegeben, das Foto genauer durchdenken zu können. So verbinde ich auch heute noch ein sehr intensives Gefühl mit dem Moment, in dem ich die Bilder geschossen habe.

Ein Rücken, auf dem die Punkte mit einer Linie verbunden wurden.

Zwei Bilder, auf denen man ein Menschen mit aufgemalter Klaviertastatur auf dem Bein sieht.

 

4. Papierskizze digitalisieren

Nur noch zum Teil analog arbeitet die Künstlerin Aliza Razell. „Ich liebe es die Möglichkeiten der Fotografie zu überschreiten“, hat sie mir erzählt und ich kann ihr darin nur zustimmen; es ist wunderbar fruchtbar, die Grenzen des einen Mediums zu verlassen und sich in neue Grenzgebiete vorzutasten. Aliza spricht von einem spannenden Spiel, wenn sie ihren Fotos „real-world elements“, wie sie ihre Zeichnungen nennt, durch Digitalisierung hinzufügt.

Man sieht die Zusammensetzung von Zeichnung und Fotografie. Ein Junge am Strand dreht uns den Rücken zu und hält die Hand eines Mädchens, das aber nur gezeichnet ist.

Eine Frau verbirgt sich hinter einer Zeichnung und wischt mit ihren Händen einen Teil davon weg.

Mit den hybriden Arbeiten aus analogen Zeichnungen und digitalen Bildern arbeitet auch Monique Zimmer unter dem Namen Bumbleandbees. Für sie sind es spannenderweise gerade die Fotos, die der realen Welt ensprungen sind:

Ein Foto zeigt einen realen, eingefrorenen Moment, der eine im Bild kombinierte Zeichnung oder Malerei zum Leben erwecken kann.

In jedem Fall lassen sich durch solche Hybride zwei Welten miteinander kombinieren, die sich sonst vielleicht nicht treffen würden. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich der Enstehungsprozess oftmals in die Länge zieht und viele Stunden oder Tage nach der richtigen Kombination gesucht wird.

Erst, wenn mich das Zusammenspiel von Zeichnung und Bild in irgendeiner Weise berührt, wenn in mir ein zärtliches, komisches, staunendes oder bedrückendes Gefühl keimt, belasse ich das Zusammenspiel so wie es ist.

Gezeichneter Hirschkopf neben einem Frauengesicht

Für Yuliana Mendoza, unter dem Künstlernamen Silence Effects, ist das Kombinieren eine Möglichkeit, eine Balance zwischen zwei Leidenschaften zu schaffen, die sie liebt: Zeichnen und Fotografieren. Sie hat es mir wunderschön poetisch mit „volare con i piedi per terra“ (mit den Füßen auf dem Boden stehend fliegen) versucht, zu erklären.

Ein zweigeteiltes Bild einer nackten Frau, die eine Hälfte ist ein Foto, die andere gezeichnet.

Ich bewundere die drei Fotografinnen dafür, dass sie es schaffen, Zeichnungen anzufertigen, die sich dann in einem zweiten Schritt perfekt in das Foto einfügen. Um möglichst wenig Änderungen digital an den Skizzen durchführen zu müssen, sollte das Bild auf dem Papier schon in Größe und Form auf das Foto abgestimmt sein.

Ebenfalls gut mitdenken muss Ben Heine. Er fotografiert seine Modelle mit Papierskizzen in der Hand, die er vorher weitestgehend an Ort und Stelle angefertigt hat. Ben bemüht sich, so präzise wie möglich die Linien von Skizze und realer Szene ineinander übergehen zu lassen, sodass er später am Rechner nur noch die Linien überarbeiten oder verstärken muss.

Ich möchte zeigen, dass es möglich ist, Zeichnung und Fotografie auf einem fantasievollen, harmonischen und dennoch ins Auge springenden Weg zu kombinieren. Ich habe diese Technik extra dafür erfunden, sie erlaubt mir, mich mit starken Botschaften auszudrücken und zwar mit den Werkzeugen, die ich am meisten benutze.

Der Fotograf hat sich in zahlreichen Ausstellungen einen Namen gemacht und vielen sind seine meist humorvollen Szenen ein Begriff.

Eine Ziege sehen wir und eine Hand, die vor den Ziegenkopf ein Stück Papier hält, auf dem der Ziegenkopf gezeichnet ist.

Auch für Ryan Grees geht es um die Erweiterung des Realen durch das Fantastische.

Für mich ist und bleibt die Fotografie ein Abbild des „realen“ Momentes und meine Illustration dazu, das, was ich für mich selbst ausdrücken bzw. kommunizieren möchte – das macht es für mich zu einem persönlichen und einzigartigen Bild.

Seine Papierzeichnungen, weiterentwickelt in Photoshop, sind surreal und eindringlich, manchmal bedrohlich oder verwirrend. Ich verfolge seine Arbeiten seit einigen Jahren und es lohnt sich, immer mal wieder auf Ryans Webseite zu schauen.

© Ryan Grees

Eine rotrosa Zeichnung eines Portraits.

 

5. Analoges Foto, digitale Zeichnung

Die Fotos von Dilsad Aladag entstehen analog und ihre Geschichte über Zeichnung und Fotografie begann durch einen Zufall: Sie fotografiert mit einer Minolta XG-1 und hat sich oft darüber geärgert, dass das letzte Foto ihres Film halb weggebrannt war. Einmal hat sie eine Freundin portraitieren wollen, doch unglücklicherweise war die Hälfte ihres Gesichts nicht mehr auf dem Film.

Dilsad entschloss sich kurzerhand dazu, den fehlenden Teil comicmäßig und bewusst undetailliert hinzu zu skizzieren. Damals benutze sie noch Paint als Hilfe, inzwischen hat sich daraus eine ganze Serie entwickelt, sodass Dilsad immer wieder mal auf das letzte halbierte Foto eines Films zurückgreift und es in Photoshop vervollständigt. Ihre wunderbaren Hybriden aus gescanntem Foto und digitaler Zeichnung sind im Album „Little Drawings“ in ihrem Flickr-Portfolio zu bestaunen.

© Dilsag Aladag

 

6. Komplett digital

Vollständig digital arbeiten viele Fotografinnen und Fotografen, von denen ich Euch zu guter Letzt noch die kolumbianische Künstlerin Andrea Carvajal vorstellen möchte. Sie ist Grafik-Designerin und erstellt all ihre Zeichnungen auf dem Wacom Bamboo Fun.

Für sie ist jede Zeichnung wie eine Erinnerung an ihre verlorene Kindheit, lauter kleine Hinweise, die sie auf ihrem einsamen Weg verstreut.

Meine Zeichnungen sind Brotkrumen, wie die, die Hänsel gestreut hat, für diejenigen, die sie und mich sehen.

Man kann sich durch Andreas märchenhaft-melancholische Welt klicken, versuchen, ihre Zeichnungen zu verstehen und gerade in der Kombination mit Fotografien sind sie noch viel verschlüsselter.

Eine zweigeteilte Frau, die Augen sieht man nicht.

Ich hoffe, ich konnte Euch eine kleine Übersicht über die vielen Möglichkeiten aufzeigen, denn das Feld der Kombination aus Zeichnung und Fotografie ist weit und sowohl analog als auch digital zu bestreiten.

Ich freue mich immer wieder, wenn ich solche Mischformen in Portfolios entdecke und es gibt sicherlich noch eine Vielzahl toller Künstlerinnen und Künstler, die ich hier nicht vorgestellt habe. Auf jeden Fall kann ich jedem, der sich in beiden Medien zuhause fühlt, nur raten, das Skizzenbuch und die Kamera einander mal vorzustellen.


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Fotografie zur blauen Stunde

03 Jul

Vor einiger Zeit habe ich mich in einem Artikel der Landschaftsfotografie zur Mittagszeit gewidmet. Hartes Licht und grelle Farben zeichnen diesen Tagesabschnitt aus. Die blaue Stunde bildet dazu einen starken Kontrast. Sie wird von indirektem Licht dominiert. Fotos, die dann aufgenommen werden, wirken oft mystisch und bekommen einen leicht bläulichen Farbstich.

Die blaue Stunde beginnt nach Sonnenuntergang und dauert in Europa je nach Jahreszeit zwischen 30 Minuten und einer Stunde lang. Wem diese Zeit nicht reicht, um das gewünschte Foto einzufangen, der hat morgens vor Sonnenaufgang noch einmal das gleiche Zeitfenster.

Noch vor ein paar Jahren war die blaue Stunde für mich eher eine Notlösung. Oft wartete ich auf einen glühend roten Himmel nach Sonnenuntergang, doch stattdessen musste ich mit tiefem Blau vorlieb nehmen. Nach und nach fand ich aber Gefallen an den resultierenden Fotos.

Das schöne an der blauen Stunde ist, dass man immer mit ihr planen kann. Egal ob bei klarem oder bewölktem Himmel und sogar bei Regen, es lassen sich immer tolle Fotos machen. Sofern man einen leicht mystischen, teils düsteren Look mag.

Warm erleuchtete Gasse unter einem dunklen, blauen Himmel

Städte

Am liebsten fotografiere ich Städte im Licht der blauen Dämmerung. Ich warte dann ganz gezielt auf den Moment, wenn das warme Licht der Straßenlaternen und das kühle Umgebungslicht die perfekte Balance bilden.

Die hell erleuchtete Karlsbrücke mit dem Blick auf die Prager Altstadt

Ein Stativ ist bei solchen Fotos Pflicht. Die Belichtungszeiten liegen bei f/11 und ISO 100 zwischen 15 Sekunden und einer Minute, wenn ich ein perfektes Histogramm erhalten möchte. Zudem mache ich immer mehrere Belichtungen, um zusätzlichen Spielraum bei der Bearbeitung der Fotos zu haben.

Meistens steht mein Stativ gute 30 Minuten an einem Fleck und ich mache über den Zeitraum der Dämmerung hinweg mehrere Fotos. So fange ich unterschiedliche Lichtstimmungen ein, teils mit weniger künstlichem Licht, teils mit mehr. Zuhause kann ich dann ganz bequem auswählen.

Mit Kopfsteinen gepflasterter Weg führt durch eine Gasse mit historischen Häusern

Landschaften

Während es mir bei Städten nicht schwer fällt, zur blauen Stunde zu fotografieren, ich diese Zeit sogar gegenüber Sonnenauf- und -untergang bevorzuge, muss ich mich bei Landschaften deutlich mehr anstrengen, um ein überzeugendes Foto zu erhalten.

Mir fehlt hier meist der Farbkontrast, das Blau beherrscht die komplette Szenerie und hat keinen Gegenspieler. Bei manchen Landschaften ist das aber gar nicht nötig. Das sind solche Landschaften, die von besonderen Formen und Strukturen dominiert werden. Oder wo die Linienführung im Bild den Reiz ausmacht und weniger das Licht.

Die markanten Felsen am Giant’s Causeway im blauen Licht der Dämmerung

Es sind solche Fotos, die auch gut in schwarzweiß funktionieren würden. Die sanften Kontraste der blauen Sunde und das fast schon monochromatische Licht erschaffen einen ausgeglichenen Bildeindruck.

Als Fotograf kann man sich voll auf die Komposition konzentrieren. Es gibt keine Ablenkungen und ich selbst kann an solchen Abenden oder Morgen die Landschaft viel intensiver genießen, als wenn ich mit meinen Fotos spektakulärem Licht nachjagen würde. Zur blauen Stunde ist weniger oft mehr.

Ein einsamer Leuchtturm an einer felsigen Küste

Über die Jahre habe ich gelernt, dass es für einen Landschaftsfotografen weit mehr gibt, als einen gelegentlichen spektakulären Sonnenuntergang oder eine glühende Dämmerung am Morgen. Ich kann mittlerweile mit fast jeder Lichtsituation etwas anfangen. Wichtig ist die geeignete Motivauswahl und etwas Flexibilität, um vorgefertigte Pläne auch mal über den Haufen zu werfen.

Lasst Euch also nicht entmutigen, wenn der Himmel am Abend zuzieht und das erhoffte Lichtspektakel ausbleibt. Wartet noch ein bischen länger und nutzt das Licht der blauen Stunde, um ein Foto zu machen, bei dem die Landschaft im Vordergrund steht. Oder wechselt zu einem Motiv, das einen schönen Farbkontrast mitbringt.


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Zum Ursprung der Fotografie

23 Jun

Ein Beitrag von: Jan Hinrichs

Eigentlich sollte dieses Projekt ein Geschenk zur Konfirmation meines Patenkindes sein. Die Ausgangsidee war, den analogen fotografischen Prozess so praktisch und essentiell wie möglich zur Darstellung zu bringen. Alle Schritte dieses Prozesses sollten für die Sinne erfassbar sein und mit den Händen ausgeführt werden können.

Ich wollte an den Ursprung der Fotografie zurück und sehen, wohin der Weg uns führen würde. Mit Planfilm und einer selbstgebauten Lochkamera zu beginnen, lag also nahe.

Als erstes arbeitete ich eine ganze Reihe von Lochkameramodellen aus, die sich alle in der Praxis nicht bewährten, weil sich ihre Handhabung durch den Wechsel der Mattscheibe und Planfilmkassetten als unpraktisch erwies. Es dauerte fast ein ganzes Jahr, bis ein funktionierender Prototyp entstanden war.

Eine selbstgebaute Lochkamera.

Eine essentielle Erweiterung erfuhr das Lernprojekt in der Vorbereitungsphase, als ich las, dass sich auch lichtempfindliche Schichten selbst herstellen lassen.

Nachdem ich mich anfänglich in die Negativentwicklung eingearbeitet hatte, um mit gekauften Planfilmen meine Lochkameramodelle testen zu können, kochte ich die erste Siedeemulsion nach einem alten Rezept von Liesegang. Von den Chemiekalien abgesehen, suchte ich mir die dafür notwendigen Utensilien überwiegend auf dem Flohmarkt zusammen.

Utensilien für eine Emulsionsherstellung.

Unschwer kann man erkennen, dass die Emulsionsherstellung ein Handwerk ist, das seine Werkzeuge überwiegend der Küche entnimmt. In der Pionierzeit, als Fotografen noch ihre eigenen Filme herstellten, nannte man die Fotografie auch „das magische Handwerk“. Denn das ganze Umfeld, in dem eine Emulsion entsteht, legt nicht nur wegen der Werkzeuge den Vergleich zu einer Hexenküche nahe.

Gearbeitet wird bei schwachem Rotlicht. Schon deshalb muss man beim Kochen einer Emulsion eine gewissen Routine und ein Gefühl für den „richtigen Moment“ entwickeln. Zeiten und Temperaturen sind einzuhalten und obwohl ich mittlerweile etliche Emulsionen gekocht habe, stehe ich noch immer unter Strom, wenn es losgeht. Bedenkt man, dass man feinste mineralische Substanzen auf die Lichtempfänglichkeit vorbereitet, so ist eine gewisse innere Anspannung vielleicht auch gar nicht falsch.

Die Zutaten einer Bromsilbergelatine-Emulsion sind Wasser, Gelatine, Silbernitrat und die an das Kalium gebundenen Salze der Halogene Iod und Brom. Kurz zusammenefasst kann man den Herstellungsprozess in vier Schritte unterteilen:

1. Unter Zufuhr von Wärme werden die vorerst noch wenig lichtempfindlichen Bromsilber-Krsitalle durch Fällung von Silbernitrat mit Kaliumbromid in Gelatine erzeugt. Die Anfangs in Wasser gelösten klaren Chemiekalien verfärben sich zu einer gelblich-milchigtrüben Flüssigkeit. In der Durchsicht gegen das Licht hat die Emulsion eine rötliche Farbe.

Silber in einer flüssigen Bromsilbergelantineemulsion.

Feinverteiltes schwarzes Silber in einer flüssigen, anfänglich belichteten Bromsilbergelatine-Emulsion.

2. Die daran anschließende physikalische Reifung wird durch das Wachstum der Silberbromid-Kristalle bestimmt. Wie bei der Zubereitung einer Mahlzeit muss man vorher wissen, was man als Ergebnis will. Die Fragestellungen lauten entsprechend: Grobes oder feines Korn? Hohe oder niedrige Gradation? Immer verbunden mit hoher oder niedriger Lichtempfindlichkeit der Emulsion. Durch kontrolliertes Erkaltenlassen im Eisbad wird das Wachstum der Kristalle unterbrochen.

Getrocknete Bromsilbergelantine sieht aus wie ein Vogel.

Getrocknete, ungewaschene Bromsilbergelatine-Emulsion gegen das Licht betrachtet.

3. Nach dem Aushärten der Emulsion im Kühlschrank muss das Kaliumnitrat herausgewaschen werden. Wie am Bild oben zu sehen ist, führt das Kaliumnitrat zu einer kristallinen Strutkur in der Filmschicht, mit minderwertigen Negativergebnissen als Folge. Der blaue Schimmer deutet bereits auf einen gewissen Grad der Lichtempfindlichkeit hin.

4. Nach dem Waschen wird die Emulsion abermals auf etwa 50 °C erhitzt. Während der sogenannten chemischen Reifung wird die Lichtempfindlichkeit der Silberbromid-Kristalle weiter gesteigert. Diese Phase findet schließlich ihren Abschluss mit dem Auftragen der Emulsion auf einen Schichtträger, beispielsweise Polyester oder Glas.

Drei beschichtete Polyeserfolien nebeneinander liegend.

Beschichtete Polyesterfolien 112 x 82 mm.

Soweit die Theorie.

Doch nun zur Praxis. Nach einem ersten, komplett gescheiterten Kochversuch wurden im zweiten Anlauf die getrockneten Filme zwischen fünf und dreißig Minuten lang bei strahlendem Sonnenschein in einer Lochkamera belichtet.

Fixiertes Negativ und kaum was zu sehen.

Fixiertes Negativ einer Bromsilbergelatine-Emulsion nach einem Rezept von Liesegang.

Auch, wenn das Ergebnis eher ernüchternd auf mich wirkte: Im Gegensatz zum ersten Durchlauf war dieses Mal etwas auf dem Film zu sehen. Aber bereits beim Kochen wurde deutlich, dass die Farbe der Emulsion in der Durchsicht nicht von rot zu blau wechselte und somit keine hohe Lichtempfindlichkeit zu erwarten war.

Die Emulsion „Formula 1“ aus „Silver Gelantine – A User’s guide to photographic Emulsions“ von M. Reed und S. Jones war der dritte Versuch. Um auszuschließen, dass die verschleierten Negative des zweiten Emulsionsversuch nicht mit der Lochkamera in Verbindung standen, bohrte ich in Ermangelung einer Plattenkamera kurzerhand die Lochblende einer Lochkamera aus und setzte ein Objektiv an ihre Stelle. Ich legte die Kamera 2,5 Minuten in eine Frühlingswiese.

Ein Negativ mit Gänseblümchen.Man sieht Gänseblümchen.

Wie man sieht, funktionierte sowohl die Kamera wie auch die Emulsion. Auch der Entwickler tat seine Pflicht, aber das Fixieren der Bilder klappte jetzt plötzlich nicht mehr. Da ich keine Erfahrung in der Beurteilung eines Negativs hatte, fotografierte ich die nicht fixierten Negative sofort nach der Entwicklung mit einer Digitalkamera und invertierte die Bilder auf dem Computer.

So entstand eine Serie von Lichtimpressionen von äußerst kurzer Lebensdauer, denn ohne Fixierung werden die dem Licht ausgesetzten Negative recht bald schwarz. Das Lichtbild verschwindet wieder restlos in der Dunkelheit. Mit dem wiedergewonnenen Vertrauen, dass die Emulsion ihre Aufgabe erfüllte, begann ich, erneut mit einer Lochkamera zu belichten und verzichtete auf die Linsen.

Ein Negativ und zwei Personen darauf.Ein Mann mit einer Kamera sitzt auf einer Bank.

Lochkamera-Aufnahmen, Bromsilbergelatine-Emulsion auf Polyeser, 112 x 82 mm.

Trotzdem galt es, das Problem der Negativfixierung zu lösen. Ich erkundigte micht bei den liebenswerten „Spürsinn“-Fotografen und man empfahl mir den Entwickler Acurol-N und einen selbstgebauten Fixierer aus dem eigenen Hause.

Als mein Patenkind zum Belichten und anschließendem Entwickeln der zuvor herstellten Filme kam, funktionierte auch die Bildfixierung plötzlich. Wie so oft kamen mehrere Ursachen in Betracht.

Zum einen hatten wir ein neues Emulsionsrezept ausprobiert („Kodak Technical Document AJ-12“), zum anderen hatten wir erneut mit dem Acurol-Entwickler und dem Sprüsinn-Fixierer gerarbeitet. Und drittens kam uns der Zufall zu Hilfe. Als sich das Negativ nach zehn Minuten immer noch nicht geklärt hatte, gaben wir auf und ließen es einfach im Fixierbad liegen. 15 Minuten später war es soweit.

Da die Bromsilber-Gelatine-Emulsion eine nicht sensibilisierte Emulsion ist, die Farben nur bis in den blauen bis hellgrünen Bereich des Spektrums in korrekten Grauwerten wiederzugeben vermag, darf beim Entwicklungs- und Fixiervorgang im Rotlicht zugeschaut werden.

Um auch Positive zum Anfassen erzeugen zu können, wollte ich das einfach zu bewerkstelligende Cyanotypieverfahren anwenden. Ich mischte Amoniumeisen(III)-Citrat mit rotem Blutlaugensalz und Wasser und pinselte die Lösung auf Aquarellpapier.

Ein Schwarzweiß-Negativ druckte ich auf Klarsichtfolie aus und erzeugte anschließend das Positiv im Sonnenlicht.

Arbeitsraum eines Fotografen, der zum Ursprung gelangen möchte.

Eine Cyanotypie und darauf ein Baum.

Um in Zukunft Computer und Drucker umgehen zu können und um trotzdem Positive in akzeptabler Größe zu erhalten, baute ich eine große Kiste, die sowohl Linsen als auch eine Lochblende aufnehmen konnte und die sich mit emulsionsbeschichteten Glasplatten im Format 330×250 mm bestückte.

Von nun an ließen sich Negative erzeugen, die ich mit Hilfe eines Edeldruckverfahrens später ohne digitale Umwege zu Positiven weiterverarbeiten konnte.

Rückblickend kann ich sagen, dass sich durch das Arbeiten mit Emulsionen und Lochkamera vor allem meine Wahrnehmung von Licht und Dunkelheit fundamental gewandelt hat. Was ich vorher als vollkommen selbstverständlich hingenommen habe, dass es mal hell und mal dunkel ist, wurde mir plötzlich zu einem großen Rätsel.

Zwei Äpfel im Licht.

Ein Lichtbild von einem Lichtbild auf einer Mattscheibe.

Ausgelöst wurden die Fragen vor allem durch die Betrachtung von Bildern, die durch die Lochblende auf die Mattscheibe meiner Lochkamera fielen, aber auch durch die sichtbar eingegrabenen Spuren des Lichts in die Negative.

Ich vermute, dass die Frage, was das Licht eigentlich ist, jeden, der einmal ein Negativ in den Händen gehalten hat, irgendwie beschäftigt hat. Aber heute, im Zeitalter der digitalen Bilder, droht diese Frage in Vergessenheit zu geraten.

Glasplatte mit einem Negativ.Ein Löwenzahn im Positiv.

Kontemplation: Löwenzahn und Gänsefedern, Negativ und Positiv, Bromsilbergelatine-Emulsion auf Glasplatte

Zwar kann das Licht auch aus der digitalen Fotografie nicht heraus gedrängt werden, weil das nicht möglich ist, aber der Zugang zum Usprung der Fotografie, der noch vor der Linse oder der Lochkamera liegt, wird durch die Technik erschwert.

Wenn wir digital fotografieren, sehen wir nicht mehr, dass wir eigentlich Licht einfangen und abbilden und dass es das Licht ist, das uns die ungeheure Vielfalt der Welt zeigt. Schön zeigt sich das, wenn wir Spiegelungen im Wasser betrachten.

Vergammeltes Obst.

Nature Morte. Eingescanntes und invertiertes Negativ.

Wenn jemand sich die Wirkung des „spielenden“ Lichts auf einer Wasseroberfläche oder auf einer Mattscheinbe anschaut und später die (Nach-)Wirkung des Lichts in der Fotografie dagegen hält, dann sieht man, das hier zwei vollkommen verschiedene Lichtbilder in Erscheinung treten, die aus ein und derselben Quelle hervorgegangen sind.


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Nirav Patel und die stille Fotografie

18 Apr

Nirav Patel lebt heute in San Francisco, Kalifornien und ist eigentlich Hochzeitsfotograf. Seine Eltern stammen aus Indien und als Nirav zwei Jahre alt war, siedelten sie mit ihm in das große und so anders anmutende Land, die USA.

Er wuchs mit der Mentalität auf, dass Kunstmachen nur ein Hobby ist und sich damit kein Geld verdienen lässt. Doch er sollte eines anderen belehrt werden. Nach der Beendigung seines Studiums entdeckte er wie viele andere auch die Liebe zur Fotografie. Doch die Leidenschaft ließ ihn nicht los und so beschloss er, diesen neuen Weg zu gehen und seiner Fotografie Stabilität zu geben.

In seiner Arbeit konzentriert er sich auf die stillen Momente und verleiht seinen Bildern dabei einen filmischen Charakter. Vor allem seine Schwarzweiß-Arbeiten haben es mir angetan und setze ich die Bilder aneinander, glaube ich, eine Geschichte zu entdecken:

© Nirav Patel

© Nirav Patel

© Nirav Patel

© Nirav Patel

Seine Arbeiten sind sehr einfach und der Einsatz von Licht erzeugt bei vielen Bildern ein Gefühl von Geheimnis, Stille und Ruhe. Manchmal auch Einsamkeit.

Die Landschaften, mit oder ohne Menschen, erscheinen dabei majestätisch. Ist ein Mensch Teil des Bildes, rückt er zur Seite und gehört zur Gesamtheit der Komposition, ist aber nicht alleiniger Träger des Augenblicks. Auf seinen Landschaften lässt sich soviel entdecken und fast schon könnte man meinen, selbst das Rauschen des Meeres hinter den Klippen zu hören oder den Nebel zu schmecken.

© Nirav Patel

© Nirav Patel

© Nirav Patel

Aber neben seinen Landschaften konzentriert er sich auch gern auf das Subjekt Mensch. Nimmt er sich diesem an, dann spielt er auch hier mit Licht und Schatten, mit Formen und Linien. Er lässt den Menschen als Teil seiner Komposition wirken oder aber transportiert tiefere Gefühlsschichten an die Oberfläche.

Was mich an den Bildern in der Gänze so fasziniert, ist, dass sie mich immer wieder festhalten, obwohl sie nie laut sind. Sie halten sich zurück und ich kann mir vorstellen, dass nicht jeder so empfindet und sie schnell wieder vergisst. Doch nimmt man sich die Zeit und schaut über seine Arbeiten, so findet man darin eine Ordnung, die beruhigend wirkt.

© Nirav Patel© Nirav Patel
© Nirav Patel© Nirav Patel
© Nirav Patel© Nirav Patel

Und ob Mensch oder Landschaft, ob mit Mensch in einer Landschaft oder mit Landschaft in einem Menschen, so hat sich Nirav Patel – und das sage ich aus tiefster Überzeugung – für das Richtige entschieden. Nämlich darin, seiner Passion Stabilität zu verleihen. Seine Bilder tragen einen stillen Zauber, der nicht immer sofort sichtbar ist.

Sie benötigen etwas, das im Konsum von Bildern nicht mehr gern gegeben wird, nämlich Raum und Zeit. Raum, um das Ausmaß des Sichtbaren zu begreifen und Zeit, um sie wirken zu lassen.

© Nirav Patel

Ich bin jedenfalls froh, seine Bilder im Pool der Möglichkeiten entdeckt zu haben und konnte nicht unkommentiert lassen, was sie in mir auslösen.

Da Du hier nur eine kleine Auswahl an Bildern entdecken konntest, darfst du gern Niravs Webseite besuchen oder auf Facebook und Tumblr seine Arbeiten verfolgen.

Und natürlich kannst Du ihn auch gern auch als Hochzeitsfotograf buchen.


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21 Wege, die eigene Fotografie zu verbessern

18 Apr

Ein Beitrag von: Brooks Jensen

Auf einer Ausstellung wurde ich von einem Jungen, der gerade erst anfing, zu fotografieren, gefragt: „Ganz spontan: Was sind die wichtigsten Dinge, um mich selbst in der Fotografie zu verbessern?“

Es war eine so direkte Frage und ich hatte mich so lange mit Fotografie beschäftigt, aber glaubst Du, ich hätte eine einfache und kurze Antwort parat gehabt? Ich stockte und entschied mich, ernsthaft darüber nachzudenken, um eine zufriedenstellende Antwort geben zu können. „Ich komme auf dich zurück“, antwortete ich.

Wie beantwortet man eine solche Frage? Indem man zurückblickt: Zurück auf meine Negative, meine Drucke, meine Methoden, Erfolge, Fehler und, um es kurz zu machen, meinen persönlichen Werdegang in der Fotografie.

Eine Portraitfotografie, die einen alten Herrn auf einem Hocker zeigt, der ins Licht schaut.

Nach dieser Prüfung (eine gute Quelle, wie man es nicht machen sollte) stellte ich eine Liste zusammen, reduzierte sie auf das Wesentliche und hatte die Antworten gefunden. Auch mit dem Risiko, etwas autoritär zu klingen, hier sind die …

21 Wege, die eigene Fotografie zu verbessern

  1. Fotografiere mehr, drucke mehr, nachbearbeite mehr. Das meine ich ernst. Das Beste daran, mehr zu produzieren ist nicht, einfach mehr Fotos zu haben, sondern das Üben an sich. Neben dem Üben selbst hat das „mehr“ auch noch einen zweiten Effekt: Glück. In der Fotografie zählt ein Foto, das durch Glück entstanden ist, genauso viel wie eines, das vorher gut geplant war. Mehr? Was bedeutet mehr? Wenn Du nicht von zehn Drucken für eine Ausstellung neun aussortierst und nur einen verwendest, dann bist Du nicht kritisch genug. Wenn Du nicht 100 Bilder machst, um am Ende nur eines davon zu drucken, dann bist Du nicht energisch genug.
  2. Wenn ich nur eine Sache empfehlen könnte, die die meisten Fotos mehr als irgendetwas sonst verbessert, dann würde ich empfehlen, einen dicken Punkt in die Mitte des Suchers zu kleben. Somit kann man nicht sehen, was sich dort befindet. Vermeide eine mittige Bildkomposition, wann immer es möglich ist. Immer, wenn ich ein Motiv sehe, was sich im Zentrum das Bildes befindet, dann weiß ich, dass der Fotograf unsicher ist. Unsicher über sein Bild und unsicher, warum er Kunst macht. Wir machen keine Kunst, um zu zeigen, wie etwas aussieht. Dafür braucht man nur Augen (oder ein Objektiv). Kunst soll Bedeutung haben, Gefühle spiegeln, Kraft ausstrahlen und eine gewisse Magie beinhalten. Zeig nicht einfach, was das Motiv ist, sondern zeig, was es nicht ist, was es bedeutet, wieso es existiert, für wen es ist, wo es sich befindet und wann es ist. Stell dir einen Roman vor, der nur aus Beschreibungen besteht; ohne Handlung, Motivation, Tiefe oder Dramaturgie wäre ein Roman nur ein Katalog von Objektbeschreibungen. Bei Fotografien ist es genauso.
  3. Denk zweidimensional. Du machst kein Bild von etwas, Du machst etwas – und was Du machst, ist zweidimensional. Wenn es Dir schwer fällt, dieses Sehen zu lernen, dann benutz Deinen Bildschirm an der Kamera. Oder mach vor dem Bild eine Skizze, um zu sehen, wie es aussehen wird bzw. soll. Lerne, Kanten und Formen zu sehen und nicht Details und Farben. Kneif die Augen zusammen und lass die Details der Welt verschwimmen. Sieh Deine Bildkomposition zuerst als große Flächen und lass die Kamera die Details erwecken. Komposition dreht sich um Flächen und die Texturen zeigen die Details.
  4. Das beste Teleobjektiv der Welt sind Deine Füße. Geh näher ran. Noch näher. Nimm weitwinkligere Objektive und geh näher ran. Die besten Fotos sind fast immer die, in denen sich der Betrachter direkt in der Welt des Bildes wähnt. Der leichteste Weg ist, ein weitwinkligeres Objektiv zu benutzen und näher an das Motiv oder die Szenerie heranzugehen. Sicher ist nicht jedes gute Bild mit einem Weitwinkel entstanden. Aber wenn 30 % Deiner Bilder mit einem Weitwinkelobjektiv und 70 % mit einem Teleobjektiv entstanden sind, dann tausche dieses Verhältnis und Deine Bilder werden sich rapide verbessern.
  5. Fotografie ist teils Kunst und teils Technik. Sie bezieht das Herz ein, wird aber durch Optik, Chemie, Elektronik und die Gesetze der Physik erstellt. Der technische Teil wird durch eine Reihe von Variablen beeinflusst und ist viel einfacher zu erlernen, wenn man die Zahl der Variablen reduziert. Beschränke Dich auf das Wesentliche. Benutze nur wenige Kameras und lerne, wie sich die Kamera verhält. Besseres Equipment macht keine besseren Fotos. Denk immer daran: Die großartigsten Fotos der Geschichte wurden mit primitiveren Kameras gemacht, als denen, die Du im Moment besitzt.
  6. Arbeite in Projekten. Mache viele Bilder und sieh genauer hin. Nimm Dir Zeit, Motive zu fotografieren, die du schon einmal fotografiert hast. Sieh Dir Deine Bilder an und suche nach den Dingen, die diese Bilder besonders machen. Denk darüber nach, was Du mit Deinem Foto hast sagen wollen. Denk Dir Deine erste Fotografie-Runde als ein Aufwärmtraining, ein Notizbuch mit Skizzen. Wenn Du noch einmal daran arbeitest, dann siehst Du neue Aspekte. Sieh Deine bisherigen Fotos als Lehre. Jedes Projekt erfordert, sich intensiv damit zu beschäftigen. Lies, studiere, stell Dir Fragen, sieh Dir die Arbeiten derer vor Dir an. Denk nach, frag noch einmal und mach Dir Notizen. Ein abgeschlossenes Projekt, das nicht einen guten Teil an Notizen beinhaltet, ist wahrscheinlich ein Projekt, das vor dem Abdrücken nicht genug bedacht wurde.
  7. Entwickle Dein Equipment zurück. Jedes Bild, jedes Projekt wird am besten mit einem bestimmten Satz aus Werkzeugen erstellt. Schau Dir an, was Du vorhast und such Dir die Werkzeuge aus, die dafür passen. Wenn Du ständig neues Equipment brauchst, dann lies noch einmal Tipp #5.
  8. Nimm an Workshops teil. Lies Bücher. Suche nach Tipps von erfahrenen Fotografen. Man muss das Rad nicht neu erfinden. Wenn Du großartige Fotos machen willst, dann sieh Dir großartige Fotos an und sprich mit großartigen Fotografen. Sei für eine Weile Assistent. Mach Dir zur Aufgabe, großartige Fotos zu reproduzieren, so gut wie möglich. Wenn Du dabei erfolgreich bist, dann lösch diese Fotos und zeig sie niemandem. Lerne von den Meistern, aber werde nicht wie sie. Frage nicht nach den Meistern, sondern frage, was sie gesucht haben. Dies hängt zusammen mit…:
  9. Arbeite Dich durch die Pflichtlektüre. Um weiter zu sehen als andere, musst Du auf den Schultern derer stehen, die vor Dir gearbeitet haben. Große Fotografen und Künstler vor Dir haben Arbeiten erstellt, die heute noch als Testament ihrer Kreativität dastehen. Um ihre Fackel weiter zu tragen, musst Du erst ihren Weg beschreiten. Lass Dich nicht davon entmutigen, wenn es Jahre dauert. Auch für sie hat es Jahre gedauert. Schau Dir die Geschichte an. Sieh Dir ihre Grundsätze, Regeln, Klischees und Techniken an. Beantworte damit Deine Fragen.
  10. Bring es zu Ende. Lass nicht zu, dass Deine Dateien wie in einem Lagerhaus für gute Kunst liegen bleiben. Beende die Arbeit daran. Um einen Film zu zitieren: Wenn Du es beendest, werden sie kommen. Es gibt ein universelles Gesetz der Zuschauer, das aussagt, dass, wenn Du eine Arbeit beendest, das Universum nicht zulassen kann, dass diese ungesehen bleibt. Möglichkeiten werden sich wie durch Magie entfalten. Wenn Du einmal alt bist, dann kannst Du zurückblicken und sehen, welche Projekte Deine besten waren. Wenn Dein bestes Projekt das zehnte war, dann konntest Du dieses nur schaffen, weil Du die neun Projekte davor beendet hast. Es gibt keinen schnelleren und effizienteren Weg, die Vorarbeit zu leisten, damit die nächste Arbeit wahrscheinlich Deine bisher beste wird. Beende es, leg es beiseite und mach weiter.
  11. Kreativität arbeitet nicht nach der Uhr. Die Ideen kommen und gehen von selbst. Bereite Dich darauf vor. Nimm immer ein Diktiergerät oder einen Notizblock mit. Fotografiere oder zumindest denk jeden Tag über Fotografie nach. Deine Ideen kommen in den unmöglichsten Situationen. Schreib sie auf.
  12. Leg die Fotografie beiseite und fang an, Kunst zu machen. Der höchste Zweck der Fotografie als Kunst ist die Kommunikation durch Bilder mit Deinen Mitmenschen. Kunstvolle Fotografie ist nicht dafür da, Sammler und Kuratoren zu beeindrucken. Die wirkliche Arbeit ist, Dich mitzuteilen. Auf dem Weg dabei übergibst Du dem Betrachter ein Bild, das ihn in Deine Welt blicken lässt und damit auch auf Dich. Wenn Deine Arbeit nicht jemanden bewegt, bewegt sie gar nichts.
  13. Entwickle Deine eigene fotografische Bildung. Lies Bücher, schau Dir Ausstellungen an, abonniere Fotozeitschriften (meist sind die Zeitschriften mit guten Fotos gerade keine Fotomagazine) und entwickle Deine eigene gedankliche Galerie mit Fotos, Fotografen und Vorlieben. Je mehr Du über andere Fotografen weißt, um so mehr weißt Du über Dich selbst. Dies hilft dabei, zu erkennen, ob Du Deinen eigenen Weg gehst oder auf dem Weg von jemand anderem wandelst.
  14. Ignoriere Ratschläge von anderen, wenn sie Dir erzählen, es wie sie zu machen. Natürlich schließt das wahrscheinlich auch diese Liste mit ein. Genauer gesagt geht es aber um Fotokritik. Es gibt keine nutzlosere Kritik als „Wenn das mein Foto wäre, dann würde ich…“. Es ist nicht ihr Foto, also ist der Ratschlag vollkommen unlogisch. Die besten Kritiker werden Dir sagen, was sie in Deinem Foto sehen und Dir überlassen, ob es ihre Interpretation ist und ob Du mit der Ideen Deines Bildes Dein Ziel erreicht hast oder nicht.
  15. Warte eine Weile, bevor Du Deine Arbeit veröffentlichst. Richte Dir einen Platz zuhause oder im Studio ein, wo Du viele Bilder anheften kannst. Bewahre sie dort auf, schau sie Dir wiederholt an, zu unterschiedlichen Tageszeiten, in unterschiedlichem Licht, in unterschiedlichen Stimmungen. Beobachte, wie sich Deine Reaktion zu einem Bild mit der Zeit verändert. Denk über die Idee nach, die Du beim Erstellen dieses Bildes hattest. Vielleicht entwickelst Du das Bild noch einmal neu, bearbeitest es anders oder fotografierst es noch einmal komplett neu. Das ist gut und zeigt, dass das Bild mit Dir spricht und Du auch zuhörst.
  16. Verlass Dich nicht auf Versprechen und finde selbst einen Weg. Lasst Dich nicht von irgendetwas abhalten, auf dem Weg Deine Kunst zu kreieren. Sei unabhängig. Verlass Dich nicht auf die Großzügigkeit von anderen, dies ist eine Falle. Du bist der einzige, dem Deine Bilder wichtiger sind als allen anderen. Das künstlerische Leben ist ein Weg, für den man bereit sein muss, zu zahlen.
  17. Denk genau über Deine Ziele nach. Was ist Dir wichtiger: Deinen Lebensunterhalt zu verdienen oder Deine Arbeiten zu verbreiten? Ist es Dir wichtiger, dass Deine Bilder der Masse gefallen oder es die Bilder sind, die Du machen musst? Wenn Du Glück hast, fallen diese Ziele zusammen. Wenn nicht, dann vereinfacht es alles weitere, zu wissen, was Dir wichtiger ist. Es gibt hier kein Richtig oder Falsch. Aber es bringt einen nur durcheinander, wenn sich die Ziele überschneiden.
  18. Fotografieren ist keine Gruppenaktivität. Lerne, allein zu arbeiten. Lerne, ohne Ablenkungen zu arbeiten. Mach die Musik aus. Umgib Dich mit Stille. Die Kreativität in uns spricht leise. Um sie zu hören, muss man sich an einem ruhigen Ort befinden.
  19. Fotografiere nicht, was fotogen ist. Fotografiere das, was Dich interessiert, selbst wenn das unmöglich ist. Es ist so gut wie unmöglich, ein gutes Foto von etwas zu machen, was Dich nicht interessiert. Empfindung für das Motiv, wie es mit dem Licht reagiert, wie es sich bewegt und verändert, wie es Dich fühlen lässt – das ist das Motiv Deiner Arbeit und nicht, was im Bild zu sehen ist. Es gibt keine langweiligen Motive, aber es gibt viele langweilige Fotos, gemacht von gelangweilten Fotografen. Wenn Du etwas empfindest, dann wird sich – mit Zeit und Hingabe – diese Empfindung auch in Deiner Arbeit zeigen.
  20. Denk nach. Denk aus der Sicht Deines Motives. Denk aus der Sicht Deines Betrachters. Denk darüber nach, was Du sagen willst. Denk darüber nach, wie das Bild mit der Zeit aussehen wird. Denk darüber nach, was an den Rändern ist, was innerhalb und was außerhalb des Fotos ist. Denk daran, was Du gesagt hast. Denk daran, was Du nicht gesagt hast. Am wichtigsten: Sei Dir im Klaren darüber, wann Du nachdenkst und wann Du aufhörst, zu denken. Kunst ohne Gedanken ist unvollständig. Kunst mit Gedanken ist unvollständig. Kunst zu machen, bedeutet beides und mehr als nur schöne Bilder zu machen.
  21. Kunst dreht sich nicht um Kunstwerke: Kunst dreht sich um das Leben. Um ein besserer Künstler zu werden, muss man zuerst ein besserer Mensch werden. Nicht moralisch gesehen, sondern im Verstehen. Der größte Künstler ist nicht der mit der besten Technik, sondern der mit dem größten Herzen.

Eine Landschaftsfotografie, die zeigt, wie ein Wald von Wolken eingenommen ist.

Dieser Artikel stammt von Brooks Jensen aus dem LensWork Magazine. Mit seiner Erlaubnis wurde er von Matthias Haltenhof ins Deutsche übersetzt.


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