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Posts Tagged ‘Faszination’

Abseits touristischer Faszination

17 Aug

Ein Beitrag von: Tilman Haerdle

Juri Gottschall ist ein Fotograf aus München, der neben seiner journalistischen Tätigkeit für verschiedene Magazine ein sehenswertes Portfolio freier Arbeiten vorweisen kann. kwerfeldein-Gastautor Tilman Haerdle traf ihn in seinem Lieblingscafé.

Der Anruf kommt kurz vor eins. Um halb zwei würde es zeitlich für ein Gespräch passen. Juri Gottschall ist gut beschäftigt und so nutze ich die sich kurzfristig bietende Gelegenheit für ein Treffen mit ihm, um über seine Fotografie zu sprechen.

Am vereinbarten Treffpunkt angekommen, suche ich mir einen Tisch im Schatten, im Innenhof der Glyptothek am Münchner Königsplatz. Juri trifft kurz nach mir ein, er hatte dieses Café vorgeschlagen, ein schöner und stiller Ort, fast wie das Atrium eines römischen Hauses, mit altem Baumbestand, der in der Hitze willkommenen Schatten spendet.

Ein fast leerer Parkplatz.

Ein moderner Flur.

Juri Gottschall ist Fotograf, er arbeitet freiberuflich, häufig für die Süddeutsche Zeitung, unter anderem für das Jugendmagazin jetzt.de. Thema unseres Gesprächs ist nicht seine Arbeit als Journalist, sondern seine Projekte, die er als freischaffender Fotograf realisiert. Natürlich die Frage, wie er zur Fotografie kam.

Der Vater Fotograf, die Mutter Journalistin, da scheint der Weg vorbestimmt. Tatsächlich stellte er sich schon früh hinter die Kamera, experimentierte in der Dunkelkammer, lieferte Fotos für die Schülerzeitung.

Doch die Entscheidung, mit dem Bildermachen auch Geld zu verdienen, fiel erst spät und graduell. Man merkt, dass Juri Gottschall nicht süchtig danach ist, jederzeit den Auslöser betätigen zu können. Zum Termin kommt er ohne Kamera.

Grünfläche in einer Wohnanlage.

Teilweise abgerissenes Hotelgebäude.

Sieht man sich die Projekte an, die er auf seiner Website präsentiert, stellt sich anfangs Ratlosigkeit ein. Spektakuläre Bilder, die den Betrachter in Bruchteilen einer Sekunde, beim schnellen Durchscrollen anspringen, findet man hier nicht.

Fast könnte man den Eindruck gewinnen, er entzöge sich absichtlich dem Wettbewerb um das Extrem: Das höchste Gebäude, die schönste Frau, die irrwitzigste Straßenszene. In seiner Serie „Italia“ beschreibt er das Land, das eine seiner Lieblingsdestinationen ist, mit Bildern, immer knapp an Sehenswürdigkeiten vorbei, sorgsam bemüht, jedes postkartentaugliche Motiv zu vermeiden.

Die Zutaten sind alle da: Meer, Zypressen, der morbide Charme alter Gebäude. Die Vervollständigung passiert im Kopf des Betrachters, der die Bilder mit seiner eigenen Erfahrung des Landes kombiniert.

Portrait zweier Männer neben einer Wand mit verschiedenen Urnen.

Ein Mann sitzt einer Frau und einem Mann gegenüber und denkt.Portrait einer Frau.

In seiner Sammlung „Architektur“ wechseln sich ästhetische, stille Bilder von minimalistischen Innenräumen ab mit Parkplätzen von Supermärkten, Einfamilienhäusern vom Reißbrett und kargen, menschenleeren Grünflächen. Schnappschüsse? Visuelle Tagebücher?

Juri Gottschall plant seine Projekte, er recherchiert, konzipiert, besucht die anvisierten Orte mehrfach. Das gemachte Bild ist nur ein kleiner Teil dieses Prozesses und längst nicht der Endpunkt.

Die Nachbearbeitung des digitalen wie des analogen Bildes nimmt einen weiteren großen Teil seiner Zeit ein. Das Ergebnis ist zeitlos, keiner aktuellen Mode zuzuordnen. Sähe man nicht beispielsweise Autos aktuellen Baujahrs, könnten die Fotos auch Jahrzehnte alt sein.

An der handwerklichen Qualität gibt es keinen Zweifel. Was bewirkt jedoch, dass man sich an diese Bilder erinnert, obwohl auf den ersten Blick nichts dargestellt ist, was das Auge anzieht?

Ein Begriff, gelesen in einem anderen Blog, bringt vielleicht einen Ansatz: Es sind Bilder jenseits der touristischen Faszination. Bilder eines Menschen, der mit dem Terrain vertraut ist und der die naheliegenden Sehenswürdigkeiten bereits abgehakt hat.

Zwei Mädchen albern in der Dämmerung herum und lachen.Eingang zu einer Pizzeria.

Bunte Sonnenschirme auf einer Terrasse im Grünen.

Inmitten der Architektur-Serie ein Foto des im Abriss befindlichen Holiday Inn in Schwabing. Eine Münchner Institution. Das Bild ragt heraus, es ist auch Teil der in den USA gezeigten Ausstellung „The Art of Photography“. Die Entstehung? Gottschall kam mit dem Auto am Ort vorbei, das Licht stand günstig, der Himmel war perfekt blau.

Anhalten, dank Erlaubnis der Bauarbeiter die Baustelle betreten und fünf bis zehn Bilder machen. Spontan. Unüblich für einen, der sonst alles plant und vorbereitet. Der sich Zeit nimmt. Es scheint wie ein Beleg: Außergewöhnliche Ereignisse provozieren außergewöhnliche Bilder.

Ein paar spielt an einem Tischkicker vor einem Meer.Ein verlassener Tisch in einem Café am Strand.
Ein Betonbau in der Nacht.Parkhausausfahrt.

Für das Magazin „jetzt“ fotografiert er oft Menschen. Die Bilder erscheinen einfach, spontan. Tatsächlich sind sie, wie die Serie nächtlicher Heimkehrer, im Verlauf mehrerer Nächte entstanden. Nicht jeder kooperiert. „Architektur dagegen kann nicht weglaufen, sie erlaubt mir, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Wenn es heute nicht klappt, dann ein andermal.“

Die Serie „Schüler“ erinnert mich an frühe Bilder von Thomas Ruff, der überlebensgroße, verstörende Portraits ausstellte. Die Parallele hat Gottschall bisher nicht gezogen, er sieht sie, aber es war keine Vorgabe für ihn. Man hat das Gefühl, den Menschen zu sehen, wie er ist. Kein veredelndes Schwarzweiß, keine beschönigende Lichtsetzung.

Eine Hausfassade mit vielen Fenstern.

Eine Hausfassade mit vielen Fenstern.

Für sein jüngstes Projekt, die Parkhäuser, verwendete er eine Großformatkamera. Hier kommt er zum ersten Mal ins Schwärmen. Das Arbeiten mit Film, mit großen Negativen macht ihm Freude. In Zeiten hochauflösender Digitalkameras vielleicht ein überholter Luxus. Der unglaubliche Detailreichtum dieses Formats reizt ihn.

Sein Wunschtraum: Einmal Abzüge direkt vom Großformat-Negativ machen zu lassen. Auch für dieses Projekt, für das er sich Objekte mit viel freier Fläche und sparsamer Bebauung suchte, war viel Recherche nötig.

Welches Parkhaus erfüllt die Kriterien? Wann ist der beste Zeitpunkt für das gewünschte Bild? Nicht überall lässt sich der Plan in die Tat umsetzen. Wenn jemand mit großem Stativ und auffälliger Kamera lange auf dem Dach eines Parkhauses steht, wird mancher misstrauisch.

Eine Imbissbude mit Koch und drei Gästen an einem Tisch davor.

Leinwand auf einem leeren Parkplatz.

Aktuell wird die Serie noch bis Mitte August im Münchner Goethe-Institut unter dem Titel „VISIONEN“ gezeigt. Im Oktober folgt eine Ausstellung in nochmals größerem Rahmen und Umfang. Die Arbeiten daran laufen schon jetzt. Ohne gute Vorbereitung stimmt auch hier für ihn das Ergebnis nicht.

Als wir uns trennen, steigen wir beide auf’s Rad. Das nächste Vorhaben beginnt bereits in der Nacht: Er begleitet eine Kollegin, die eine ganze Nacht lang mit dem Fahrrad durch München tourt. Auf die Bilder bin ich gespannt.

Mein Entschluss ist es, auch bei anderen Fotografen genauer hinter die Kulissen zu schauen. Wieso fotografieren sie so, wie sie es tun? Was ist der Weg zum Bild?


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
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Faszination für Unterwasser-Fotografie

04 Aug

Ein Beitrag von: Foufinha

Meine gesamte Familie ist wasserverrückt. Zwischen Tauchern, Wakeboardern und Unterwasser-Rugby-Spielern komme ich mir oft vor wie ein schwarzes Schaf. Ich bin froh, wenn ich mich beim Schwimmen über Wasser halten kann, habe keinen Tauchschein und mein Rekord auf Wasserskiern liegt bei stolzen zwei Sekunden. Nur in einer Hinsicht merkt man mir meine Familienzugehörigkeit dann doch an: Meine Faszination für Unterwasser-Fotografie.

Also machte ich letztes Jahr meine ersten Geh- bzw. Schwimmversuche mit einer analogen Kompaktkamera. Im Nachhinein kann ich aber sagen, dass Film für mich – gerade für den Anfang – nicht das beste Medium für Unterwasserfotografie ist. Das liegt hauptsächlich daran, dass es Unterwasser meist sehr schnell gehen muss und ich gerade hier lieber ein paar Fotos zu viel mache als ein Gutes zu wenig.

Der Mangel an (bezahlbaren) Alternativen und einem See mit zuverlässig klarem Wasser führte dann letzten Endes dazu, dass ich nach nur zwei Unterwasser-Shoots die Kamera wieder beiseite legte. Kommt Zeit, kommt Rat.

Zwei Frauen im Wasser. Die Gesichter sind über der Wasseroberfläche und nicht zu sehen.

Zwei Frauen im Wasser. Die Gesichter sind über der Wasseroberfläche und nicht zu sehen.

Und der kam dann dieses Jahr ganz zufällig, als ich von meinem Mitbewohner den Tipp zu einem Tauchsee in meiner Region bekam und ein befreundeter Fotograf mir anbot, seine Unterwasserhülle* auszuleihen. Mit zwei Modellen und einem Kofferraum voller Klamotten machten wir uns also auf den Weg. Trotz wechselhaftem und eher kühlem Wetter wollte ich unbedingt ins Wasser und einen weiteren Versuch wagen. Mein Glück war, dass alle Beteiligten genauso dafür brannten wie ich.

Nun hört man von solchen Hüllen oft nichts Gutes und auch ich war zunächst etwas skeptisch. Mehrere Tauchgänge später war ich aber überzeugt und ich denke, sofern man vorsichtig ist, den Beutel nicht unbedingt mit spitzen Gegenständen transportiert und vor jedem Einsatz testet, sollte man jede Kamera auch trocken wieder aus dem Wasser holen können.

Zwei Frauen im Wasser. Die Gesichter sind über der Wasseroberfläche und nicht zu sehen.

Zwei Frauen im Wasser. Die Gesichter sind über der Wasseroberfläche und nicht zu sehen.

Die vorliegende Serie war so eigentlich nicht geplant. Sie entstand in einer Aufwärmpause aus einer fixen Idee heraus und zu meiner Freude waren beide Modelle sofort begeistert dabei. Wo es Unterwasser schon bei einer Person schwierig ist, sie posen zu lassen und im richtigen Moment den Auslöser zu finden, wurde es bei zwei Personen gleich doppelt so schwer.

Zum Glück haben die Modelle sich so gut verstanden, dass auch ihr Umgang miteinander sehr natürlich war und ich keine ausführlichen Anweisungen geben musste. Ich ließ die beiden also immer wieder tauchen, umeinander schwimmen und wartete den richtigen Moment ab.

In der Nachbearbeitung habe ich nicht viel verändert, lediglich die Farben etwas ins Bläuliche gezogen, Schwebeteilchen entfernt und die Kontraste verstärkt. Die Lichtpunkte der letzten beiden Bilder sind beim Fotografieren entstanden, als mir die Luft ausging und ich unbedacht ausgeatmet habe – manchmal muss man ja auch etwas Glück haben!

Eine Frau liegt im Wasser. Viele Lichter als Bokeh liegen im Wasser um sie herum.

Zwei Frauen im Wasser. Lichterbokeh um sie herum.

Ich neige dazu, meine Shoots durchzuplanen. Es gibt mir Sicherheit, wenn ich vorher weiß, was und wo ich fotografieren will. Wenn ich dann doch mal ohne eine genaue Idee losziehe, merke ich häufig, wie ich mich auf der Suche nach einem passenden Thema selbst blockiere, bis ich gar nicht mehr fotografieren mag.

Diese Serie hat mir gezeigt, dass ich nicht alles vorher planen muss und dass auch spontane Ideen zu liebgewonnen Bildern führen können.

 

* Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon. Wenn Ihr darüber etwas bestellt, erhält kwerfeldein eine kleine Provision, Ihr bezahlt aber keinen Cent mehr.


kwerfeldein – Fotografie Magazin | Fotocommunity

 
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Faszination Pflanzenfotografie

04 Nov
Dieser Artikel wurde von Radomir Jakubowski (24) verfasst. Radomir ist Betriebswirtschafsstudent der Universität des Saarlandes. Fotografisch befasst er sich ausschließlich mit der Naturfotografie. Seine Fotos sind unter www.naturfotocamp.de sowie auf  Facebook zu finden.

Bereits seit vielen Jahren zieht mich die Natur immer wieder in ihren Bann. Es ist faszinierend, so viele Facetten, so viele Farben, so viele Formen, so viel Leben, einfach so viel zu entdecken.

Es ist einfach unbeschreiblich: Wo auch immer ich in der Natur unterwegs bin, immer gibt es etwas Neues, das ich noch nicht gesehen habe. Verhalten, die ich noch nicht dokumentiert habe. Arten, die ich noch nicht gesehen habe oder Licht-, Farb- und Formspiele, die mir neu sind. Für mich ist die Naturfotografie die perfekte Art, um abzuschalten.

Ich beschäftige mich mit Naturfotografie, also mit Landschafts-, Tier-, Pflanzen- und Detailfotografie. Heute möchte ich etwas über Pflanzenfotografie erzählen. Wenn ich von Natur- und Pflanzenfotografie spreche, denken viele an weit entfernte Regionen dieser Welt. Aber STOPP – es gibt direkt vor unserer Haustür unglaublich viel zu entdecken.

Wenn ich jemandem sage, es gibt Orchideen im Saarland und zwar wilde, dann schauen mich die meisten Leute sehr kritisch an. Dabei gibt es allein in meinem Lieblingsgebiet im Saarland 21 verschiedene Orchideenarten. Es gibt in Deutschland und Umgebung wirklich viel Fauna und Flora zu entdecken und mindestens genauso viel zu fotografieren.

Wer glaubt, Pflanzenfotografie sei einfach, dem möchte ich sagen: Ein gutes Pflanzenfoto ist sehr schwer zu machen, so wie in jedem anderen Bereich der Fotografie auch. Jedes Pflanzenfoto fängt an mit der Art: Wenn man eine bestimmte Pflanzenart fotografieren möchte, sollte man im Vorfeld in Erfahrung bringen, wann diese Art wächst und blüht und wo sie zu finden ist.

Der nächste Schritt besteht zwangsläufig in der Locationsuche. Man muss sich einfach ein Bild von der Umgebung machen: Ist sie fotogen? Welche Dinge muss ich beachten und wo steht wann die Sonne? Erst, wenn man das alles geklärt hat, kann man wirklich anfangen zu fotografieren.

Ich möchte an dieser Stelle betonen: Achtet darauf, was ihr in der Natur macht. Der Naturfotograf hat generell einen schlechten Ruf und er wird nicht besser, wenn Pflanzen auf Grund von Fotos ausgegraben, abgeschnitten, zertreten oder sonstwie manipuliert werden. Naturfotografie sollte mit Naturschutz einhergehen und nicht mit ihrer Zerstörung. Alle hier gezeigten Fotos sind unmanipulierte Naturdokumente.

Nun zurück zur Pflanzenfotografie. Es gibt zwei Typen von Pflanzenfotos: Zum einen das dokumentarische und zum anderen das kreative. Den Anspruch, eine Pflanze dokumentarisch abzubilden, wie sie im Bestimmungsbuch zu finden ist, habe ich nur selten und immer nur dann, wenn ich eine mir neue Art finde.

Ich versuche immer, ein kreatives Foto einer Pflanze zu machen und dabei mit den Farben und Formen zu spielen. Ich möchte mit Hilfe von Licht und Fototechnik meine eigene Interpretation einer Pflanze erzeugen.

Dabei kann man unendlich viele verschiedene Techniken verwenden, man kann mit geringer Schärfentiefe arbeiten, mit unterschiedlichen Brennweiten, mit unterschiedlichem Licht, mit Kamerabewegungen und vielem mehr. Es hängt nur davon ab, wie kreativ der Fotograf ist.

Mir kommt es immer auf meine persönliche Interpretation des Bildes an. Nachfolgend möchte ich einige Ideen zur Herangehensweise und Technik liefern.

Ich bevorzuge bei vielen Pflanzenfotos eine lange, hoch lichtstarke Festbrennweite und verwende hier häufig ein f/2.8-300mm- oder ein f/4.0-500mm-Objektiv, mit dem man Pflanzen hervorragend freistellen kann.

Wenn man mit so einem Objektiv den Vorder- und Hintergrund richtig gestaltet, wirkt ein Pflanzenbild recht ansprechend, jedoch nutzt sich ein solcher Effekt sehr schnell stark ab und man muss ihn ergänzen mit dem passenden Licht und der passenden Stimmung. Erst das macht das Bild zu deinem eigenen Bild.

Hier kann es das erste Morgenlicht sein, das sich in den Tautropfen spiegelt, das letzte Abendlicht, das in den Bäumen verschwindet oder auch Regentropfen im Wind.

Eine weitere Option ist das Darstellen von Pflanzen mit dem traditionellen Makro-Objektiv. Hier kann man sich frei entfalten, verschiedene Anschnitte probieren, unterschiedliche Abbildungsmaßstäbe verwenden und hin und her probieren:

Ein Bild muss nicht scharf sein, es muss sich nichts im goldenen Schnitt befinden, Regeln sind dazu da, um sie zu brechen. Erst, wenn man sich von Regeln und Denkweisen befreit, kann man wirklich frei und neu gestalten.

Andererseits kann man auch mit den Formen und Farben spielen, in dem Sinne, dass man “Draufsichten” von Pflanzen oder Details erzeugt oder deren Strukturen fotografiert. Immer wiederkehrende Muster sind unglaublich vielfältig und fotogen.

Besonders schön ist es, wenn dann noch ein Detail, eine Anomalie heraussticht und dem Bild den letzten Kick gibt. An einer solchen Serie arbeite ich seit vielen Jahren und jedes Jahr kommt das ein oder andere Bild hinzu.

Eine vierte Möglichkeit der Bildgestaltung ist die Darstellung einer Pflanze in ihrem Umfeld. Hierbei muss das Umfeld natürlich ansprechend sein. Besonders wichtig ist dabei, dass man nicht nur den Vordergrund mit der Pflanze gestaltet, der Hintergrund ist ebenso wichtig.

Man muss immer darauf achten, welche Bäume man anschneidet, welche Linien man wie führen möchte und so weiter. Generell muss man der Gestaltung des Hintergrundes in der Pflanzenfotografie immer die höchste Priorität geben!

Zuletzt möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass häufig auch die Bewegung der Kamera zu interessanten Effekten führen kann. Hierzu gibt es keine Regeln, man muss sich selbst überlegen, welche Formen man wie durch Bewegung betonen kann.

In der Regel werden diese Bilder “Wischer” genannt und wirken, wenn sie richtig gemacht sind, ähnlich wie ein impressionistisches Gemälde. Dabei finde ich es wichtig, dass bildwesentliche Teile eine gewisse Zeichnung und einen Wiedererkennungswert haben, das sollte man beim Bewegen der Kamera nicht vergessen.


KWERFELDEIN | Fotografie Magazin

 
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