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Posts Tagged ‘Farben’

Farben, Licht und Schatten

11 Oct

Ein Beitrag von: Gustavo Gomes

Meistens fotografiere ich im sogenannten Feld der Straßenfotografie, aber auch nicht exklusiv. Gerade bin ich in Brasilia in eine neue Wohnung mit vielen Fenstern gezogen und liebe es, durch diese die vorbeigehenden Leute zu beobachten. Wenn ich also nicht draußen unterwegs bin, fotografiere ich halt von meinem Schlafzimmer oder meiner Küche aus.

Ich mache zum Beispiel auch Bilder von meiner Freundin. In letzter Zeit versuche ich, eher dokumentarisch zu fotografieren, wie etwa in meiner Serie „Beyond the Arena“, die sich auf Itaquera, die Nachbarschaft, in der die Fußball-WM 2014 statt fand.

Eine von Licht beschienene Frau in Unterwäsche sortiert Kleidung auf einem Bett.

Eine Frau in Turnschuhen passiert eine Wand mit großformatiger Werbung für hochhackige Schuhe.

Auf der Straße schminkt sich eine Frau in einer großen Spiegelfliese, die sie in der Hand hält.

Licht spielt in meiner Fotografie eine wichtige Rolle. In Brasilien ist es meistens sonnig, also habe ich gelernt, wie ich das zu meinem Vorteil nutzen kann; meistens fotografiere ich allerdings früh morgens oder am späten Nachmittag, wenn man gutes gedämpftes Licht und entsprechende Schatten bekommen kann.

Ich bin fasziniert davon, wie Licht die Farbe einer Oberfläche, die es berührt, verändern kann. Als ich anfing zu fotografieren, war ich von Harry Gruyaert und dem Maler Edward Hopper stark beeinflusst, sie haben mich viel über Licht und Farben gelehrt.

Über den Spiegel seines Fahrzeugs schaut ein Busfahrer direkt in die Kamera.

Zwei Personen an einem Straßenimbiss.

Auf einem gefliesten Platz liegt ein Mann und döst, im Vordergrund zwei Tauben.

Hopper ist vielleicht der Maler, der in der Geschichte der Kunst die Fotografie am meisten beeinflusste. Durch seinen Einsatz von Licht ebenso wie durch seine Themen – meistens Menschen in Innenräumen, gesehen durch Fenster oder isoliert in städtischen Umgebungen.

Ich fand es interessant, als ich die Dokumentation „Edward Hopper and the blank canvas“ sah, dass er dort sagte, dass er von Sonnenlicht auf Oberflächen fasziniert sei und wie unterschiedliche Arten von Licht die Natur der Farben ändern können. Da denke ich genau wie er. Es ist einfach: Ein Rot zur Mittagszeit ist nicht das gleiche Rot um 17 Uhr.

Gruyaert hat mit seinem Buch „Lumieres Blanches“ etwas in mir freigesetzt. Ich mag, dass es darin nicht um einen bestimmten Ort geht, sondern er Bilder aus Indien, Belgien, USA, Marokko usw. mischt. Diese Edition macht klar, dass es im Buch nicht um besondere Geschehnisse, Orte oder Menschen geht, sondern um den Autor und seine persönliche Vision, wie er die Welt in Farben, Licht und Schatten sieht.

Ein Paar vor zwei Häusern, in einer Türöffnung sitzt eine weitere Frau.

Eine Person ist durch die Scheibe eines Schwimmbeckens zu sehen.

Straßenszene mit drei Menschen, einem Müllcontainer und einer Werbetafel.

Im Grunde fotografiere ich, weil es mir Spaß macht und vielleicht auch ein bisschen aus Eitelkeit, wie die meisten Fotografen, nehme ich mal an. Mit der Straßenfotografie verdiene ich so gut wie kein Geld, was mir von Anfang an klar war, also musste ich für mich selbst auch einen Weg finden, dass das Fotografieren mir gefällt, damit ich dran bleibe und weiter mache.

Außerdem genieße ich es sehr, herumzulaufen und an Orte zu gehen, die ich niemals aufsuchen würde, wenn ich nicht fotografierte. Es ist eine großartige Möglichkeit, Städte und neue Orte zu entdecken und zudem eine sehr entspannende Übung, eine Form der Meditation.

Oft vergesse ich alles um mich herum vollkommen, wenn ich durch die Gegend laufe und fotografiere. Allein das könnte schon eine großartige Ausrede sein, um weiterhin zu fotografieren. Aber ich bin natürlich auch einfach sehr froh, wenn ich es hinbekommen habe, ein gutes Foto zu machen.

Zwei Jungs bedrängen eine Frau in einem Treppenhaus, daneben laufen draußen zwei Hunde um die Straßenecke.

Auf dem Gehweg einer sonst leeren Straße geht ein Mann vorbei, im Vordergrund liegt der Arm einer Frau auf einem Geländer.

Ernsthafter wurde es 2009, als ich einen Fotografie-Kurs bei Carlos Moreira, einem richtigen Meister, der Sao Paulo seit den 60er Jahren fotografiert, belegte. Durch ihn lernte ich Fotografen wie Kertesz, Atget, Robert Frank, Lee Friedlander, Gruyaert kennen. Ihre Arbeiten faszinierten mich und ich wollte etwas ähnliches machen. Damals war ich gerade wieder nach Sao Paulo gezogen und es war ein guter Weg, meine Stadt besser kennenzulernen.

Idealerweise bin ich jeden Tag draußen auf den Straßen, um zu fotografieren. Manchmal tut es auch gut, für ein oder zwei Tage eine Pause zu machen, aber wenn ich nur faulenze und das Licht draußen gut ist, muss ich zwangsläufig nach draußen gehen, um zu fotografieren.

Dieser Artikel wurde für Euch von Aileen Wessely aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.


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Ein Orchester aus Farben

25 Jul

Mario Sánchez Nevado ist ein spanischer Illustrator und Art Director. Seine Arbeiten sind tatsächlich aufwändige digitale Collagen, die er aber aus eigenen und fremden Fotos erstellt. Diese erfreuen sich einiger Beliebtheit auf den Covern von Musikalben, Büchern und Kinopostern.

Inspiriert wird er dabei von der Natur sowie der menschlichen Form und erzählt universelle Geschichten, mit denen sich der Betrachter identifizieren kann. Es ist leicht, eigene Ideen und Gefühle wiederzufinden, die in ungewöhnlich selbstständiger Symbolik verpackt und trotzdem zugänglich sind. Dazu kommt immer wieder Politik- oder Gesellschaftskritik.

Es gelingt Mario scheinbar spielend, eine schier unüberschaubare Anzahl fotografischer Elemente wie ein großes Orchester in Photoshop zu choreografieren und virtuos mit Farben und Strukturen zu spielen. Mal fast fotorealistisch, dann wieder opulent surrealistisch oder traditionell illustrativ. Lasst Euch inspirieren, aber bitte nicht einschüchtern!

Compassion © Mario Nevado

Deja Vu © Mario Nevado

Trust in Me © Mario Nevado

Deep © Mario Nevado

Nirvana © Mario Nevado

Betrayal © Mario Nevado

Empathy © Mario Nevado

Deliberation © Mario Nevado

Closer © Mario Nevado

Blossom © Mario Nevado

Indifference © Mario Nevado

Discovery © Mario Nevado

Patience © Mario Nevado

A dying wish © Mario Nevado

Mario ist der Inhaber eines eigenen Studios in Madrid, Aégis Strife. Außerdem findet Ihr seine Arbeiten auf Facebook, deviantART und Behance oder könnt ihm auf Twitter folgen.


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Die Farben der Musik

22 Jan

Ein Beitrag von: Christopher Wesser

Hi, mein Name ist Chris und ich bin Musiker… Nein. Halt. Nochmal. Hi, mein Name ist Chris und ich bin Fotograf. Ach, eigentlich trifft beides zu, was wohl auch der Grund dafür ist, warum ich mich am wohlsten fühle, wenn ich Musiker vor meiner Kamera habe.

Anders kann ich’s mir jedenfalls nicht erklären, dass mein bisheriger fotografischer Werdegang mich von Natur über Lifestyle bis hin zur People-Fotografie und nun zurück zu meinen kreativen Wurzeln geführt hat: Zur Musik.

© Christopher Wesser

© Christopher Wesser

Aber warum eigentlich genau dieses Feld der Fotografie? Irgendwie hat die Musik schon immer eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt. Schon mein Vater ist ein sehr begnadeter Akkordeon-Spieler, was er eigentlich an mich weitergeben wollte. Ich bin dann aber doch bei der Gitarre gelandet und habe mich jahrelang durch unzählige Bands gespielt und entsprechend viele Musiker kennen gelernt.

Habe mir ihre Marotten angeeignet und mich nächtelang in Proberäumen einem gesundheitsgefährdend extremen Gemisch aus Schlagzeug, Gitarre, Rauch und Alkohol ausgesetzt. Ich spielte unter freiem Himmel vor Hunderten von jubelnden Leuten und in winzigen Clubs vor nicht einmal zehn Menschen, die mir gelangweilt zusahen, während ich auf der Bühne an meinen sechs Saiten zupfte.

Mein Instrument fiel in den ungünstigsten Momenten während eines Auftritts aus und einmal habe ich sogar einen Begeisterungskuss geerntet, als ich von der Bühne gekommen bin. Zusammengefasst: Ich konnte in den letzten zwölf Jahren einige sehr extreme Hochs und Tiefs zusammen mit meinen Mitmusikern erleben und sowas schweißt zusammen.

© Christopher Wesser

© Christopher Wesser

Zu einem immer wiederkehrenden Tief gehört definitiv das Thema Bandfotos. Vor einigen Jahren war ich selbst noch der, der mit seinem Instrument in der Hand unbeholfen vor der Kamera stand und nicht so genau wusste, wie man sich als Band eigentlich präsentieren will oder soll. Und irgendwie kommt diese Erinnerung als Flashback doch jedes Mal wieder, wenn ich meine Kamera in Richtung eines Musikers halte.

Vor allem, wenn man die Bands und Künstler fragt, was sie sich eigentlich so für Fotos vorgestellt haben und dann nur ein Schulterzucken bekommt. In günstigen Fällen erhält man noch vage Umschreibungen wie „soll nicht so aufgesetzt wirken“ oder „auf jeden Fall irgendwo draußen“. Da wird man als Fotograf schnell zum Creative Director, was für mich persönlich heißt, dass ich mich weiter mit der Musik der Gruppe auseinandersetzen muss, um Stimmungen und Themenfelder herauszuhören, die man in Fotoshootings umsetzen kann.

© Christopher Wesser

© Christopher Wesser

Das wirklich Positive dabei: Für Musiker gibt es kein „das ist mir jetzt doch irgendwie zu künstlerisch“. Je abgefahrener die Ideen des Fotografen sind, desto besser. Irgendwie muss man sich ja abheben. Immerhin sind die Fotos meistens das Erste, was man von so einer Band sieht. Sogar noch bevor man überhaupt die Musik gehört hat.

Da muss man schon mit einer gewissen Feinfühligkeit an die Sache rangehen, damit sich der Betrachter der Bilder in etwa vorstellen kann, was musikalisch auf ihn zukommt. Man versucht sozusagen, aus Musik und Bildern ein einheitliches audiovisuelles Ganzes zu erschaffen, das bestenfalls in allen Adjektiven übereinstimmt.

Wenn ich mir die Musik der Bands anhöre, dann schreibe ich einfach die Stichworte mit, die mir in dabei in den Sinn kommen: „freundlich, minimalistisch, akustisch, natürlich“ und schon ist mein Moodboard für das Shooting fertig. Meistens reicht der Band dann auch nur ein kleiner Funke oder eine ungefähre Idee. So eine Gruppe aus Musikern entwickelt sehr schnell eine starke Eigendynamik, das ist bei einem Fotoshooting dann durchaus vergleichbar mit einer Bandprobe.

© Christopher Wesser

© Christopher Wesser

Der eine wirft einen Begriff in die Runde, der andere findet einen kaputten Schirm am Straßenrand und schon formiert sich die ganze Band, um darunter zu posieren, so wie sie sich auch im Proberaum musikalisch nur einzelne Bruchstücke zuwerfen, um daraus ein großes Ganzes zu machen. Diese Art des kreativen Flusses ist für People-Fotografen erstrebenswert, aber rar.

Vor allem die Arbeit mit fremden Modellen ist mit einer gewissen Distanz behaftet, die es nur sehr beschränkt zulässt, außergewöhnliche und neue Ideen anzugehen. Arbeitet man mit Musikern, die sich ständig in der Situation des gemeinsamen kreativen Schaffens befinden, kann man sich als Fotograf ab einem gewissen Punkt einfach zurücklehnen und die Show genießen.

© Christopher Wesser

© Christopher Wesser

Der Einblick in diese beiden kreativen Felder hat mir außerdem so einige Überraschungen beschert. Im Endeffekt kann man sagen, dass sich Musiker von Fotografen nur in ganz kleinen Nuancen unterscheiden. Eigentlich ist nur das Werkzeug und das Endprodukt unterschiedlich, aber sämtliche Elemente und Vorgehensweisen dazwischen liegen gespenstisch nah beieinander.

Als ich das erste Mal ernsthaft mit einem Modell zusammen gearbeitet habe, mit der Absicht, eine repräsentative People-Strecke zu produzieren, konnte ich irgendwie wieder diese Nervosität spüren, die ich hatte, als ich das erste Mal mit meiner Gitarre auf einer Bühne stand. Nicht umsonst hört man viele englischsprachige Fotografen auch sagen „I had a gig“, wenn sie von einem Shooting reden.

Faktisch tun beide Künstlergruppen auch das Gleiche: Es werden Stative aufgebaut und dabei beschwert man sich schon über zu wenig Platz oder darüber, dass die Kälte einem die Finger einfriert. Wenn ganz viel Budget dahinter steckt, hat man sogar noch die Möglichkeit, bevor es losgeht einen ordentlich Licht- bzw. Soundcheck zu machen und wenn’s dann ernst wird, wundert man sich, warum plötzlich alles anders ist als beim Testen.

© Christopher Wesser

© Christopher Wesser

Lauter Leute schauen einen gespannt an und hoffen, dass man etwas Außergewöhnliches zeigt. Man hofft auf guten Sound (oder Licht) und dass die Technik nicht streikt. Und wenn dann doch die Technik streikt, gibt man dem unfähigen Assistenten die Schuld, der irgendeine Verkabelung verbockt hat.

Außerdem gibt’s da immer – also wirklich immer – diesen alten, grauhaarigen Mann mit der braunen Anzughose und dem Bierbauch, der eigentlich nur zum Zuschauen gekommen ist, aber das, was man da als Künstler tut, schon ungefähr 128 Jahre länger und vor allem besser macht und der befürchtet, dass man ohne seine Tipps und sein Reinreden so gar nichts Vorzeigbares zustande bringen wird. Wo kommt der eigentlich immer her? Hat der kein Zuhause?

Wenigstens kann man den Veranstaltern bzw. Kunden nicht vorwerfen, sie würde sich nicht um uns kümmern. Ich habe bisher weder als Livemusiker noch als gebuchter Fotograf für mein Essen oder Getränke zahlen müssen.

© Christopher Wesser

© Christopher Wesser

Die Entdeckung dieser Parallelen hat mir in der Fotografie so manche Türen geöffnet und vieles einfacher gemacht. Sowohl als Künstler als auch als Musiker kommt man einfach unausweichlich immer wieder an einen Punkt, an dem man das eigene Schaffen hinterfragt. Sowohl bezüglich Sinn als auch Qualität. Diese Phase kann einen ganz schön aus der Bahn werfen oder sogar zum Aufgeben bringen.

Meine Erfahrung als Musiker hat mir dabei geholfen, diese Hürden in der Fotografie immer wieder zu überwinden. Ich hatte bereits oftmals erfahren, dass kreative Tiefs kein Dauerzustand sind und man sich einfach durchkämpfen muss. Ich wusste immer, dass es, wenn es bergab geht, auch irgendwann wieder bergauf geht. Vielleicht sogar noch viel steiler, als man es erwartet hätte.

Es hat sich bisher sowohl fotografisch als auch musikalisch immer gelohnt, am Ball zu bleiben, zu üben, die Zähne zusammen zu beißen, sich nicht zu viel reinreden zu lassen und vor allem offen zu sein. Offen für alles. Für jede Inspiration, jeden neuen Denkansatz und für jede neue Lektion. Denn auch nach 13 intensiven Jahren habe ich an der Gitarre noch lange nicht ausgelernt und genau so wird auch beim Fotografieren sein.


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Farben und Licht

01 Oct

Ein Beitrag von: Maria Plotnikova

Ich wurde 1984 in Moskau geboren und habe dort Sprachwissenschaften an der Pädagogischen Universität studiert. Während des Studiums fing ich an, als Fotografin zu arbeiten, was mich zur Sportfotografie führte. 2006 bis 2010 arbeitete ich exklusiv für Moskaus Medien („Izvestia“, „Novaya Gazeta“, „TASS“, „Sport day by day“).

2007 schloss ich den Fotojournalismus-Kurs an der Staatsuniversität Moskau ab. Das Ergebnis meiner Arbeit als Sportfotografin waren verschiedene Awards, die ich bei russischen Fotojournalismus-Wettbewerben gewann.

Von der Sportfotografie zur Straßenfotografie

2010 zogen mein Mann und ich nach Buenos Aires und anschließend nach Sao Paulo in Brasilien. In Lateinamerika angekommen, arbeitete ich zunächst als freie Künstlerin und interessierte mich sehr für das Genre der Straßenfotografie.

Nachdem wir nach Südamerika gezogen waren, verliebte ich mich Hals über Kopf in die Straßenfotografie. Ich denke, dass es dafür mehrere Gründe gibt.

2012, Riobamba, Ecuador © Maria Plotnikova

Der wichtigste ist wohl, dass ich nun sehr viel freie Zeit habe. Ich fotografiere oft und weil das Genre kein kommerzielles ist, kann es nicht einfach jeder machen. Der zweite Grund ist die Verfügbarkeit des „Materials“, um die Straßenfotografie auszuüben. Du kannst einfach rausgehen und anfangen. Keine Barrieren.

Die Emotion, die ich empfinde, wenn ich ein gutes Foto mache, kann man Glück nennen. Meine Hände zittern, der Puls steig an. Das ist schon sehr, sehr cool.

Ich glaube, dass der eintretende Effekt, wenn man einen neuen Ort besucht, ebenfalls einen Einfluss auf meine Wahl hatte. Als wir nach Südamerika zogen, glaubte ich, komplett durchzudrehen. Diese Vielfältigkeit von Farben und Licht!

Aktuell arbeite ich weiter selbstständig als Sportfotografin, jedoch ist die Straßenfotografie das Sujet, in dem ich mich als Künstlerin verwirklichen kann.

2011, Buenos Aires, Argentina ©  Maria Plotnikova

Inspiration
 
Lange Zeit bevor ich ich mich für die Fotografie auf der Straße interessierte, war Gueorgui Pinkhassov mein Favorit unter den Fotografen. Ich bewundere seine Arbeit und betrachte ihn als meinen virtuellen Lehrer.

Es ist nicht sonderlich originell, wenn ich zwei weitere Fotografen nenne, die mich sehr stark beeinflusst haben, ich möchte es aber trotzdem tun: Alex Webb und Harry Gruyaert.

Dank diesen drei Fotografen habe ich gelernt, Licht und Farbe zu sehen, im entscheidenden Augenblick abzudrücken und mit Elementen im Bild zu spielen. Und Sebastião Salgado ist mein Favorit unter den Schwarzweiß-Fotografen.

2012, Buenos Aires, Argentina © Maria Plotnikova

Ich bin jeden Tag auf Flickr und schaue dort meine Timeline durch, da ich vielen zeitgenössischen Straßenfotografen folge. Es inspiriert mich jeden Tag, die Arbeiten von verschiedenen Fotografen anzusehen.

Unter den Straßenfotografen, denen ich folge, möchte ich die Arbeit folgender „Meister“ hervorheben: Jesse Marlow, Paul Russell und Shin Noguchi.

Dazu noch ein paar russische Dokumentarfotografen, die auf meine Entwicklung einen starken Einfluss hatten: Vladimir Semin, Igor Gavrilov und Valery Schekoldin.

2011, Buenos Aires, Argentina © Maria Plotnikova

Den eigenen Stil finden

Das Rezept dafür ist recht einfach. Es ist notwendig, viel zu fotografieren und eine automatische Reaktion auf unterschiedliche urbane Situationen zu entwickeln. Ich glaube, dass diese Reaktion bei jedem Fotografen anders ausfällt und die ganze Essenz des Stiles bildet.

Der Moment, die Komposition, das Spiel von Licht und Schatten, der Gesichtsausdruck von Menschen und Tausende weitere Mikroelemente: All das provoziert einen elektrischen Impuls, der dazu führt, dass ich den Auslöser drücke.

2013, Barretos, Brazil © Maria Plotnikova

Es ist wie ein Reflex und die Verfeinerung dieses Reflexes ist das Upgrade meines Stiles in der Straßenfotografie. Ich sehe die Farben, das Licht und komplexe Kompositions-Elemente. Das Spiel mit bestimmten Elementen im Bild ist es, was mich interessiert.

Um meinen eigenen Stil zu finden, ist es zusätzlich wichtig, die Arbeiten anderer Fotografen zu zu sehen. Hunderte und nochmals Hunderte Bilder pro Woche.

* Dieser Artikel wurde von Martin Gommel aus dem Englischen übersetzt.


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Die Farben der Nacht: Lichtkunst aus dem Nationalpark Kellerwald-Edersee

16 Oct
Thomas Bölke, geb. 1976, ist in Volkmarsen (Hessen) aufgewachsen. Nach dem Biologiestudium in Marburg war er einige Jahre in der Naturschutzplanung tätig. Seit 2007 ergänzt er seinen wissenschaftlich geprägten Blick zunehmend durch fotografische Sichtweisen aus Natur und Landschaft. Einen Schwerpunkt bilden dabei Langzeitbelichtungen bei Nacht.

Idyllisch, aber kahl stehen die mächtigen Baumriesen des Kellerwaldes fest in der nordhessischen Sommernacht verwurzelt. Spielerisch werden sie umtanzt von kleinen Lichtern, die Spuren durch die Nacht ziehen, feengleich. Was viele nur erahnen: Hinter diesen bildgewordenen Sinfonien aus Licht, Bewegung und Dunkelheit steckt viel Arbeit. Und jede Menge Freude am Tun. Vier Monate wurde der Nationalpark so zu unserer Bühne, haben wir die Nacht zum Tag gemacht.


Feentanz

Die Idee dafür entstand vor zwei Jahren: Es war ein lauer Sommerabend, als mir die neue Taschenlampe meines Vaters in die Hände fiel. Der Himmel versank gerade in einem malerischen Rot, ich musste unbedingt noch mal raus. Mit Kamera und Stativ zu einem nahe gelegenen Sandbruch hastend, malte ich fünfzehn Minuten später meine ersten Lichtspuren in die Dunkelheit. Es sollte der Beginn einer großen Leidenschaft werden.

Unsere (meine Lebensgefährtin Nadine unterstützte mich tatgräftig) letzte Entdeckungsreise führte mitten hinein ins Reich der urigen Buchen. Die spannende Frage war: Was würde uns abseits der öffentlich zugänglichen Wege erwarten? Durch meine Mitarbeit und die Besuche im Nationalpark hatte ich zumindest eine grobe Vorstellung: Skurrile Baumformen mit eingestreuten Felsfluren und verschlungenen Mittelgebirgsbächen.


Among the Dead

Kompositionen aus Licht und Wildnis

In Absprache mit der Nationalparkverwaltung begannen wir im Oktober mit der Arbeit. Unser erstes Ziel: Herbstimpressionen sammeln. Tagsüber galt es zunächst, nach geeigneten Motiven zu suchen. Das konnten von Wind und Wetter gezeichnete Bäume genauso wie markante Felsformationen sein. Oder wie in unserem Fall: In farbenfrohen Herbstgewändern erstrahlende Buchen.


Wunderland

Ist die geeignete Kulisse gefunden, geht es ans Planen: Welchen Standpunkt wählen wir für die Kamera, wie soll der Bildausschnitt aussehen? Wie wollen wir die Szene ausleuchten und wo setzen wir Lichtfiguren? Ist diese Vorarbeit getan, heißt es warten, warten bis die Dunkelheit einsetzt und die eigentliche Arbeit beginnen kann. D

er Sucher der Kamera ist dann schwarz, einzig die von Taschenlampen oder Fackeln gezogenen Spuren bringen Licht ins Dunkel. Was als Zuschauer lediglich wie ein wandernder Lichtpunkt aussieht, enthüllt erst in der Langzeitbelichtung seine wahre Gestalt: Von Kreisen über Spiralen bis hin zu geschlungenen Linien oder funkelnden Sternen.


Essenz

Manchmal ist weniger allerdings mehr. Hatten wir uns zu Beginn des Projekts noch darauf eingeschworen, möglichst immer mit filigranen Lichtfiguren zu arbeiten, so brach sich bereits nach wenigen Wochen eine neue Sichtweise bahn. Es war einer dieser rauen Herbsttage an denen sich die Sonne, wenn überhaupt, nur selten zeigt. Ich war entlang der Hagensteinroute unterwegs, hatte die mit bizarren Baumgestalten bestandenen Steilhänge gerade hinter mir gelassen. Eigentlich wollte ich umkehren.

Aber wie von Geisterhand gelenkt, ging ich weiter und fand mich Minuten später in einem alten Fichtenforst wieder. Mein Blick schweifte umher, blieb stehen: Was war das? Inmitten der kahlen Fichtenriesen ragte eine vereinzelte Buche empor, erstrahlte in vollem Herbstgewand. Schon bei dieser ersten Begegnung schien sie mir sagen zu wollen: “Ich habe Dich bereits erwartet.“ Solche Worte vergisst man nicht.


Lichtbringer

Alles eine Frage der Beleuchtung

Bis alles so erstrahlt wie es soll, können Stunden vergehen. Auf dem Weg dahin kommen rund zwei Dutzend unterschiedliche, teils modifizierte Leuchten zum Einsatz. Allen gemein ist ihr Zweck: Mit Licht die Kulisse ausmalen, ihr ein völlig neues Erscheinungsbild geben. Es ist, als ob man vor einer dunklen Leinwand steht. Doch während der Maler seinen Pinsel zur Hand nimmt, greifen wir zu Taschenlampe, Fackel, Wunderkerze – eben allem, was leuchtet. Der Verschluss der Kamera bleibt dabei bis zu 45 Minuten offen.


Schicksal

Das Faszinierende an dieser entschleunigten Art von Fotografie lässt sich auf eine einfache Formel bringen: Ihr Grundprinzip ist einfach, die gekonnte Umsetzung aber erfordert viel Übung und nicht weniger Geduld. Auch die Beharrlichkeit, bei widrigen Wetterverhältnissen loszuziehen, wird manchmal belohnt. Es war Anfang Dezember, der Winter stand vor der Tür. Es war kalt und nass, Schnee noch nicht in Sicht. Alles in allem also ein Wetter, bei dem man eigentlich lieber zu Hause bleibt.

Wäre da nicht der Nebel gewesen. Geräuschlos kroch er durch den Wald, hüllte alles in einen gespenstischen Schleier – wunderschön. Unsere Freude währte jedoch nicht lange: Gegen Mittag hatte sich der Nebelschleier gelüftet, was blieb, war Feuchtigkeit und eine durch jede Ritze kriechende Kälte. Sollten wir abbrechen?


Zuflucht

Gegen Nachmittag hatten wir schließlich eine vielversprechende Stelle gefunden. Aber bei dem Wetter? Der Nebel kam unserer Entscheidung zur Flucht zuvor. Kaum setzte die Abenddämmerung ein, da stieg er erneut aus unsichtbaren Quellen empor, kroch langsam auf uns zu. Schnell wurde die Kamera in Position gebracht, die passende Lichtquelle ausgewählt. Und siehe da:

Der bei Tageslicht so unscheinbar wirkende Wald wurde plötzlich zur Kulisse einer mysteriösen Lichterscheinung. Wer das fertige Bild betrachtet, sieht zunächst einmal nur hohe Fichtenstämme, mysteriös beleuchtet. Ein genauer Blick jedoch lenkt das Auge auf eine vereinzelt stehende kleine Buche. Nicht nur einmal wurde ich schon angesprochen, was hinter diesem „Omen“ steckt. Mein Hinweis: Hier wächst die Zukunft. Denn die Fichten sind vom Borkenkäfer befallen, ihre besten Tage gezählt. Fallen sie, machen sie der unscheinbaren Buche Platz. Urwald im Werden.


Omen

Etwas schaffen, das nicht von dieser Welt scheint

Ähnliche Geschichten ziehen sich durch die meisten unserer Bilder, auch wenn sie dem flüchtigen Betrachter oftmals verborgen bleiben. Eine besondere Faszination geht dabei von rauen, kargen Orten aus, an denen sich das Leben seinen Existenzanspruch immer wieder neu erkämpfen muss.

Mein liebstes Beispiel: Die Steilhänge des Hagensteins. Brüllende Hitze und quälende Trockenheit lassen die Bäume hier tagtäglich ums Dasein kämpfen. Ihre Wurzeln tief in den Fels gekrallt, recken sich die knorrigen Körper gen Himmel und regen die Fantasie des Betrachters an. Schon bei Tage drängt sich der Verdacht auf: Hier könnten Kobolde und andere Fabelwesen zuhause sein.


Die Geister von Berich

Mit der Landschaft arbeiten, aber gleichzeitig etwas zu schaffen, das nicht von dieser Welt scheint, das ist die Zauberformel, die uns immer wieder nach draußen treibt. Es gibt noch viel zu entdecken.

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Werbepause: Buchtipp – Vom Alltäglichen zum Besonderen!


KWERFELDEIN | Digitale Fotografie

 
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